Hiernach befänden sich unter den Jungen der Wölfe häufig sol

Anmerkungen zur Transkription:

Umschließungen mit * zeigen "gesperrt" gedruckten Text an,

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dargestellt war, Umschließungen mit = fettgedruckten Text.

Offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt. Im Übrigen wurden

Inkonsistenzen in der Interpunktion und Schreibweise einzelner Wörter

belassen. Eine Liste mit sonstigen Korrekturen finden Sie am Ende des

Buchs.

Im Original beginnt jedes Kapitel mit einer Illustration, die die

Tierart des folgenden Kapitels darstellt. Diese sind für die reine

Textfassung entfernt worden.

Unsere Haustiere

vom Standpunkte ihrer wilden

Verwandten

Für jung und alt geschildert

von

Th. Zell

[Illustration]

Berlin 1921

Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68

*Gewidmet*

dem Andenken meiner unvergeßlichen Schwester,

meiner unermüdlichen Gehilfin bei allen meinen

Büchern und Aufsätzen, der

=Frau verw. *Elisabeth Raetzell*=

geb. *Bauke*,

geboren am 30. April 1860 zu Ketschendorf bei

Fürstenwalde, gestorben am 6. Dezember 1915

zu Friedenau-Berlin, derenwegen ich den Decknamen

*Th. Zell* gewählt habe.

_Copyright 1921 by Vorwärts-Verlag Berlin_

Vorwort.

Eine bessere Kenntnis des Tierlebens ist gerade in unseren Zeiten

wünschenswert, weil der Zusammenbruch unseres Vaterlandes uns zwingt,

die Bearbeitung der heimischen Scholle mit allen Kräften zu fördern,

und hierbei eine Vertrautheit mit den Eigentümlichkeiten unserer

Haustiere von großer Wichtigkeit ist. Daher ist der Versuch gemacht

worden, die Tiere in ihrem Tun und Treiben dem Herzen des Volkes und

unserer Jugend dadurch näher zu bringen, daß gezeigt wird, wie manche

uns befremdenden Handlungen der Tiere ganz verständlich werden, wenn

man sich in ihre Lage hineinversetzt. Das Haustier hält unverbrüchlich

an den Gewohnheiten seiner wilden Verwandten fest und richtet sich

vielfach nach der Nase im Gegensatz zum Menschen, dessen wichtigster

Sinn das Auge ist, -- das ist der Schlüssel des Geheimnisses.

Absichtlich ist bei der Darstellung von allem nicht unbedingt

erforderlichen gelehrten Kram abgesehen worden.

Es wäre erfreulich, wenn namentlich die dem Tierleben so entfremdete

Großstadtjugend sich davon überzeugte, daß die Beobachtung der

Haustiere und anderer Tiere eine überreiche Quelle wahrer Freuden in

sich birgt, die einen hinreichenden Ersatz für die manchmal recht

zweifelhaften Genüsse der großen Städte bietet.

Die Begründung für die hier gegebenen Erklärungen findet sich in

meinen Büchern. Ebenso sind dort die Dinge nachzuschlagen, die hier

fortgelassen sind, weil sie nicht in den Rahmen des Buches passen,

beispielsweise, weshalb die Pferde sterben, wenn sie Bucheckern

fressen, die Katze Baldrian liebt, die Drohnen von den Bienen getötet

werden und dergleichen.

Für die Hilfe, die mir auf pädagogischem Gebiet zuteil wurde, spreche

ich dem unermüdlichen Vorkämpfer für Volksbildung, Herrn J. Tews, und

Frau _Dr._ Anna Hamburger auch an dieser Stelle meinen aufrichtigen

Dank aus.

*Berlin* W 57, September 1920.

Der Verfasser.

Der Hund

1. Warum bellt der Hund?

Durch das geöffnete Fenster schaue ich mit ein paar Knaben, die in

meinem Hause wohnen und gern Näheres von unseren Haustieren wissen

möchten, an einem schönen Frühlingsmorgen auf die Straße. In dem uns

gegenüberliegenden Plättkeller wird die Tür geöffnet, und mit lautem

Gebell stürzt sich der uns wohlbekannte Spitz »Peter« in das Freie.

In diesem Augenblicke kommt gerade ein Radfahrer vorübergesaust. Auf

drehende Räder scheint es Peter wie die meisten Hunde abgesehen zu

haben, denn mit wahrer Wonne verfolgt er laut blaffend den Radler.

Da dieser um die nächste Ecke biegt, so entschwindet auch Peter

unsern Augen. Erst nach langer Zeit erscheint er wieder in unserm

Gesichtskreis. Jetzt sehen wir ihn schnüffelnd überall am Boden

umhersuchen. In der Zwischenzeit hat ein Vorübergehender ein Stück

Unrat, anscheinend vollkommen verwestes Fleisch, auf die Straße

geworfen. Mit Staunen sehen wir, daß Peter ausgerechnet dieses

ekelhafte Zeug mit Wonne beriecht und dann zu fressen beginnt. Hunger

kann ihn dazu nicht veranlassen, denn wir wissen seit Jahren, daß die

beiden Schwestern, die im Plättkeller wohnen, große Tierfreundinnen

sind. Sie darben es sich geradezu vom Munde ab, um es ihrem Lieblinge

zuzuschanzen. Eigentlich hätten sie einen Hund zur Bewachung nicht mehr

nötig, seitdem sich die eine Schwester verheiratet hat. Als aber vor

zwei Jahren ihr damaliger Hund verunglückte, wurde freudig als Ersatz

der damals sechs Wochen alte Peter gewählt, der ihnen als Geschenk aus

ihrem Bekanntenkreise angeboten wurde.

Nach dem Fressen scheint Peter Durst zu bekommen, denn er läuft zum

Brunnen, um aus der unten angebrachten Vertiefung seinen Durst zu

löschen. Hierbei trinkt er nicht saugend wie ein Mensch, sondern lappt

das Wasser schnell hintereinander mit der Zunge. Das lange Rennen

scheint ihn ermüdet zu haben, denn er sucht sich in der Nähe des

Plättkellers eine Stelle zum Hinlegen. Und zwar wählt er eine solche,

wo die Sonne recht schön hinscheint. Während andere Hunde sich vor dem

Hinlegen erst einige Male im Kreise herumzudrehen pflegen, können wir

dieses Drehen bei Peter in diesem Falle nicht beobachten, denn er legt

sich ohne große Umstände in die warme Sonne.

Wir wollen hier zunächst eine Pause machen, ehe wir das Tagewerk

unseres Helden weiter schildern.

Alles das, was hier von dem Spitz erzählt worden ist, kann man

alltäglich an zahlreichen Hunden beobachten, und selbst der Großstädter

hat hierzu Gelegenheit, wenn er nur die Augen offen hält. So allbekannt

diese Vorgänge sind, so erscheinen sie jedoch in einem ganz anderen

Lichte, sobald wir uns die Frage vorlegen, weshalb der Hund so handelt.

Unser Peter hat zunächst gebellt. Warum bellt der Hund? Die Katze tut

es doch nicht, ebenso denken Pferde, Kühe und andere Haustiere nicht

daran.

Um das zu verstehen, müssen wir etwas ausholen.

Hunde, Katzen, Pferde, Kühe usw. sind ohne Frage Haustiere. Haustiere

nennen wir solche zahme Tiere, die in einem Lande des Nutzens oder des

Vergnügens halber gezüchtet werden.

Was waren nun die Haustiere früher, ehe sie der Mensch in seine

Gemeinschaft aufnahm? Von unseren Tauben wissen wir mit Bestimmtheit,

daß alle Taubenrassen von einer einzigen Wildtaube, der Felsentaube,

abstammen, die an den Küsten des Mittelländischen Meeres heimisch ist.

Ebenso haben alle Kaninchenrassen ihre Vorfahren in den Wildkaninchen,

die Ziegenrassen in der Bezoarziege usw.

Hiernach ist anzunehmen, daß der Hund früher als Wildhund lebte oder

aus einer Kreuzung von hundeartigen Verwandten, wahrscheinlich von

Wölfen und Schakalen, entstanden ist. Näheres soll hierüber am Schlusse

gesagt werden.

Jedenfalls war der Hund früher ebenfalls ein Raubtier, wie es heute

noch seine Verwandten, die Wölfe, Schakale und Füchse, sind.

Wie der Mensch nun das, was seine Vorfahren getrieben haben, gewöhnlich

beibehält, so tut das Tier das noch in weit stärkerem Maße. Wir essen

regelmäßig nur das, was bei uns üblich ist, mögen auch benachbarte

Völker andere Leckerbissen haben. So schwärmt der Italiener für kleine

Singvögel, der Franzose für Froschschenkel, während sich bei uns nur

wenige Liebhaber dafür finden. Das Tier hält sich noch viel strenger

an den Speisezettel seiner Vorfahren. Das kommt natürlich daher, weil

es durch seinen Körperbau dazu gezwungen ist. Wie häufig sind in den

Kriegsjahren die Hunde mit Kartoffeln gefüttert worden. Und doch

bleiben sie fast unverdaut, weil der Hund ein früheres Raubtier ist,

und Kartoffeln keine passende Nahrung für ein Raubtier sind.

Also der Hund war früher ein Raubtier ähnlich wie Wolf, Schakal und

Fuchs. Die Lebensweise dieser Verwandten müssen wir also kennen lernen,

um unsern Hund richtig zu verstehen.

Bellen nun Wölfe und Schakale? Sie denken nicht daran. Sie heulen sich

wohl, wenn die Dämmerung einbricht, zusammen, um gemeinschaftlich auf

Raub auszugehen. Denn sie sind Geschöpfe, die es umgekehrt machen

wie der Mensch. Sie ruhen am Tage und sind in der Nacht tätig.

Selbstverständlich gibt es auch bei uns in der Nacht tätige Personen,

wie Nachtwächter, Verbrecher, Bummler, aber diese kommen gegenüber der

großen Menge anderer Menschen nicht weiter in Betracht.

Wie Wölfe und Schakale ist der Hund ein Raubtier. Das will sagen, daß

er nicht wie die Pflanzenfresser von Gräsern, Blättern, Moos, Rinde

und andern Pflanzenstoffen lebt, sondern andere Tiere zu töten sucht,

um sie zu fressen. Daraus können wir ihm keinen Vorwurf machen; auch

der Mensch ist kein reiner Pflanzenfresser. Das trifft höchstens bei

einem kleinen Kreise von Menschen zu, während die große Menge Schweine,

Rinder, Gänse und andere wohlschmeckende Tiere mästet, um sie später

zu verzehren. Ueberhaupt dienen fast alle unsere Haustiere unseren

eigennützigen Zwecken.

Ein Raubtier, das ein anderes Geschöpf erbeuten will, muß natürlich

vorsichtig zu Werke gehen. Denn der Pflanzenfresser hat durchaus keine

Lust, sein Grab im Magen des Raubtiers zu finden, sondern sucht sich

auf jede Weise davor zu bewahren. Würden Wölfe, die gern einen Hasen,

einen Hirsch oder ein Reh fressen möchten, schon vor Beginn der Jagd

bellen, so würden sich die Pflanzenfresser vorher in Sicherheit zu

bringen suchen.

So ist es denn ganz selbstverständlich, daß wilde Hundearten, wie die

in Indien hausenden Kolsums, nicht bellen, ebensowenig die Wölfe und

Schakale. Man hat sich darüber gewundert, daß die Hunde, die Kolumbus

in Amerika zurückließ, das Bellen verlernt hatten. Als man sie nach

langer Zeit wiederfand, waren sie verwildert und stumm geworden. Das

ist doch ganz natürlich. Sie mußten auf eigene Faust, nachdem sie von

den Menschen verlassen worden waren, ihre Nahrung suchen. Bald merkten

sie, daß sie um so schwerer Beute machten, je mehr sie vorher bellten.

Deshalb ließen sie das Bellen sein, wie es ihre Vorfahren getan hatten.

Das Bellen ist also eine Eigenschaft des Hundes, die der Wildhund nicht

besitzt. Wohl aber hat er eine Anlage hierzu, wie schon aus seinem

Geheul hervorgeht. Genau so liegt es bei anderen Haustieren. Wildenten

und Wildgänse hüten sich, so viel zu schnattern wie unsere Hausenten

und Hausgänse. Wildenten und Wildgänse sind auf dem Lande fast immer

stumm, um sich ihren zahlreichen Feinden nicht zu verraten. Auch das

fortwährende Krähen hat sich der Hahn als Haustier erst angewöhnt.

Der Mensch fand bald heraus, daß das Bellen des Hundes für ihn vom

Vorteil war, weil es ihm den nahenden Feind oder einen Besuch anzeigte.

Deshalb bevorzugte er die Hunde, die am meisten zum Bellen geneigt

waren. Da solche Eigenschaften sich zu vererben pflegen, so hat der

Mensch fast allen Hunden das Bellen angezüchtet. Am meisten eignen sich

hierzu die kleinen Hunderassen, die den großsprecherischen Menschen

gleichen, die mit Worten Helden sind, während ihre Taten zu wünschen

übrig lassen. Sie haben zu dem Sprichwort Anlaß gegeben: Die Hunde, die

da bellen, beißen nicht.

Zu den bellustigsten Hunderassen gehört der Spitz, und demnach auch

unser Peter. Wegen seiner Kläffreudigkeit, die alles Verdächtige

anzeigt, hat man ihn gern da, wo man auf Wachsamkeit Wert legt.

Wir sehen, daß die Frage, warum der Hund bellt, gar nicht so leicht

zu beantworten ist. Nicht viel leichter sind seine anderen Taten zu

erklären.

2. Warum bellt der Hund sich drehende Räder an?

Peter hat wütend die Räder des vorüberfahrenden Radlers angekläfft. Was

veranlaßt den sonst ziemlich harmlosen Hund zu solchem Aerger?

Hierfür müssen wir zwei Gründe annehmen. Wir wissen, daß unsere Hunde,

wie die Wölfe, zu den Raubtieren gehören, die durch ihre Schnelligkeit

Hasen und andere Pflanzenfresser erbeuten. Das tun andere Raubtiere, z.

B. Katzen, nicht. Eine Katze rennt nicht hinter einem gesunden Hasen

her, um ihn zu fangen, obwohl sie Hasenbraten mindestens ebenso gern

frißt wie der Hund. Sie beschleicht den Hasen, was der Hund kaum jemals

tut, weil er viel zu ungeschickt dazu ist. Der Hund ist also von Hause

aus ein Hetzraubtier, die Katze dagegen ein Schleichraubtier.

Für jedes Hetzraubtier sind schnell vorüberrauschende Gegenstände

von größter Bedeutung. Kann es doch ein Pflanzenfresser sein, der

sich für den ewig hungrigen Magen erbeuten ließe. Darum muß sich der

Hund beeilen. Denn wenn ein schnellfüßiger Pflanzenfresser erst einen

gewissen Vorsprung hat, ist er schwer einzuholen. Die Katze dagegen

lassen schnell sich bewegende Räder ganz kalt, denn sie weiß, daß sie

schnell vorüberhuschende Gegenstände nicht einholen kann.

Es ist eine alte Erfahrung, daß ein Mensch, der vor einem fremden Hunde

anfängt davon zu laufen, viel eher gebissen wird, als wenn er stehen

bleibt. In dem Hunde werden eben durch die schnellen Bewegungen des

Menschen die uralten Raubtierinstinkte wachgerufen.

Außer der Lebensweise der wilden Verwandten muß noch ein zweiter Punkt

berücksichtigt werden, der den meisten Menschen vollkommen unbekannt

ist: Die Sinne des Hundes sind durchaus verschieden von denen des

Menschen.

Der Jäger weiß seit Urzeiten, daß der Hund viel besser mit seiner

Nase das Wild aufspürt, als er es je mit seiner Menschennase zu tun

vermöchte. Gerade deshalb hat er sich einen Hund angeschafft. Es

ist selbst den meisten Großstädtern bekannt, daß die Hundenase der

menschlichen überlegen ist. Aber die wenigsten wissen, daß das Auge

des Hundes bei Tageslicht wenig taugt. Dafür seien einige Beispiele

angeführt.

Ein Gutsbesitzer wunderte sich darüber, daß jedesmal, wenn er mit

seinem Wagen an den weidenden Kühen vorüberfuhr, die beiden Hirtenhunde

mit großem Geblaff die beiden vor dem Wagen gespannten Schecken, d.

h. weiß und dunkel gefärbten Pferde, verfolgten. Er sprach mit dem

Kuhhirten darüber, der ihm folgende Erklärung gab. Die Hunde halten die

beiden Schecken wegen ihrer ähnlichen Färbung ebenfalls für Kühe und

wollen verhindern, daß sie sich von der Herde entfernen. Deshalb laufen

sie mit Gebell hinterdrein.

Die Erklärung des Kuhhirten dürfte durchaus richtig sein, wie man

ja überhaupt unter solchen Leuten ausgezeichnete Tierbeobachter

antrifft. Wie wenig muß aber das Hundeauge fähig sein, Einzelheiten zu

unterscheiden, wenn es ein Pferd mit einer Kuh verwechseln kann.

Der Schweizer Bildhauer Urs Eggenschwyler schildert eine ähnliche

Verwechselung. Er hielt sich einen jungen Löwen von etwa sechs Monaten,

mit dem er spazieren ging. Ein Ziehhund hielt die mächtige Katze für

Seinesgleichen und wollte mit ihr raufen. Erst als er sie vorher beroch

und plötzlich merkte, wen er vor sich hatte, flüchtete er mit allen

Zeichen großer Angst.

Ein deutscher Forstbeamter in Rußland berichtete vor dem Weltkriege

folgendes Erlebnis. Sein Dachshund wurde von einem Wolf gepackt

und fortgeschleppt. Schnell schoß er nach dem Räuber, der zwar

nicht getroffen wurde, aber die Beute fallen ließ. Nachdem der Hund

wiederhergestellt war, flüchtete das sonst so mutige Tier vor jedem

grauen Geschöpf von Wolfsgröße, z. B. vor einem Schafe.

Von eigenen Erlebnissen möchte ich hier nur folgende anführen.

Wir hatten einmal einen Hund, der sich sehr zum Raufbold entwickelt

hatte, weshalb ich ihn an der Leine führte. Wie alle Hunde, suchte er

mit Vorliebe Hundebekanntschaften auf der Straße zu machen. In einer

ziemlich leeren Straße eines Vororts zerrte er plötzlich mächtig an der

Leine, was mich wunderte, da ich keinen anderen Hund erblicken konnte.

Dagegen hatte ein Arbeiter das Pflaster aufgerissen und arbeitete in

der Grube, wobei sein Rücken hervorschaute und sich hin und herbewegte.

Wie ich den Blick des Hundes verfolgte und die Leine nachließ, wollte

er wirklich auf diesen Mann zulaufen, dessen Rücken er für einen Hund

hielt.

Sehr oft habe ich erlebt, daß Hunde die auf Zäunen verkehrt

aufgestülpten Geschirre für Katzen hielten und anbellten.

Noch beweisender dürfte folgender Vorfall sein. Wir, d. h. ich und etwa

ein halbes Dutzend Herren, waren bei einem Freunde zu einer Hasenjagd

eingeladen. Jeder führte einen prächtigen Hund bei sich. Es war im

Januar und schönster Sonnenschein, aber sehr windig. Wie wir das Revier

betreten hatten, sahen wir mit einem Male, daß der Wind von der etwa

einige hundert Schritt entfernten Chaussee ein Stück braunes Packpapier

uns zutrieb. Ein menschliches Auge konnte mit Leichtigkeit bei dem

klaren Sonnenschein erkennen, was es war. Die Hunde dagegen hielten

das heranrollende Papier für einen Hasen, und als wir zum Zwecke einer

Prüfung sie losließen, stürzten sie alle darauf. Erst als sie kurz vor

dem Papiere in die Windrichtung gekommen waren, klärte sie ihre Nase

über den Irrtum auf.

Das Auge des Hundes kann also bei Tageslicht keine Einzelheiten

unterscheiden. Daher rühren die groben Verwechselungen.

Was man dagegen anführt ist nicht stichhaltig. So hört man oft

erwidern: Ein Hase, der ein paar hundert Schritt entfernt lief, wurde

von meinem Hunde gesehen. Folglich muß er gute Augen haben.

Der Schluß ist falsch. Der Hund hat nur gesehen, daß sich etwas

Braunes bewegte. Er hat vermutet, daß es ein Hase war, aber nicht

gewußt. Ebenso beweist es nichts, wenn er einen im Schaufenster

ausgestellten ausgestopften Fuchs wütend anbellt. Denn er würde ebenso

wütend bellen, wenn man diesen Fuchs mit einem rothaarigen Dachshund

vertauschte.

Dagegen sieht der Hund unzweifelhaft in der Dunkelheit besser als der

Mensch. Infolge der großen Pupillen, d. h. des Schwarzen im Auge,

fallen alle Lichtstrahlen in das Auge. So findet sich der Hund in

der Dunkelheit leicht zurecht, beispielsweise wenn wir mit ihm zur

Nachtzeit durch einen Wald wandern. Das ist auch gar nicht wunderbar,

denn wie Wölfe, Schakale und Füchse, ist auch der Hund ursprünglich ein

nächtliches Tier.

Gewöhnlich heißt es von der Katze, daß sie ausnahmsweise ein

nächtliches Leben führe. Das ist aber nicht zutreffend. Allerdings ist

die Katze noch mehr Nachttier als der Hund. Das kommt aber daher, weil

ihre Beutetiere, die Mäuse und Ratten, erst in der Dunkelheit aus ihren

Löchern kommen. Sie muß also aus diesem Grunde ihre Haupttätigkeit

in der Nacht ausüben, während der Hund sich mehr der Lebensweise des

Menschen angeschlossen hat und deshalb als Haustier mehr am Tage tätig

ist.

Sodann nimmt das Auge des Hundes infolge seines Baues Bewegungen

schneller wahr als das des Menschen. Das muß man daraus schließen,

weil alle Tiere mit schwachen Augen allgemein auf Bewegungen furchtbar

achten. Für den Jäger früherer Zeiten ist es oft eine Lebensfrage

gewesen, ein Stück Wild zu erbeuten, um seinen quälenden Hunger zu

befriedigen. Er hat daher stets zu den besten Tierbeobachtern gehört.

Nun ist es seit alter Zeit für den Jäger ein feststehender Grundsatz,

angesichts eines Tieres, das er erbeuten will, niemals eine Bewegung

zu machen. Ein Hirsch, ein Reh, ein Fuchs und andere feinnasige

Tiere flüchten gewöhnlich nicht, wenn man regungslos stehen bleibt,

namentlich wenn die Kleidung mit der Umgebung übereinstimmt. Deshalb

trägt ja auch der Jäger ein der Waldfarbe angepaßtes Kleid. Die

geringste Bewegung genügt jedoch, den Hirsch, das Reh oder den Fuchs zu

einer blitzschnellen Flucht zu veranlassen.

Das Anbellen der Räder durch Hunde erscheint daher erklärlich, weil

sie als frühere Hetzraubtiere gern alles, was sich schnell bewegt,

verfolgen, damit es ihnen nicht entkommt, und weil das Auge der Hunde

Bewegungen sehr gut sieht.

3. Das Fressen unappetitlicher Sachen.

Peter hat, wie wir zu unserm Staunen sahen, schauderhaften Unrat mit

Wonne verzehrt. Auch das kann man nur verstehen, wenn man weiß, daß der

Hund ein früheres Raubtier war.

Wir wissen, daß, wenn ein Mensch oder ein größeres Tier stirbt, für die

Beseitigung der Leichen gesorgt werden muß. Denn ohne eine derartige

Vorsorge könnten gefährliche Krankheiten ausbrechen. Namentlich in

heißen Ländern würde die Gefahr sehr groß sein. Es ist nun für die

Menschen in diesen Gegenden sehr bequem, daß es zahlreiche Tiere gibt,

die ihm diese gerade nicht sehr angenehme Arbeit abnehmen. Namentlich

Geier, Hyänen und Schakale finden sich bei jedem toten Tier ein, und in

kurzer Zeit ist alles aufgefressen.

In Europa sind besonders Wolf und Fuchs, außerdem aber auch das

Wildschwein neben den rabenartigen Vögeln als Aasfresser bekannt. Der

Hund ist seinen Verwandten in dieser Hinsicht sehr ähnlich und hat

ebenfalls eine besondere Vorliebe für verweste Dinge. Manche Hunde

pflegen sogar sich mit dem Rücken auf dem Unrat zu wälzen. Das ist für

den Herrn besonders unangenehm, denn das Tier verpestet später die

ganze Wohnung.

Reiche Leute sind oft entsetzt, wenn ihr Köter, der in ihrer Wohnung

nur die besten Sachen vorgesetzt erhält, auf der Straße allerlei Unrat

verzehrt. Sie eilen gewöhnlich dann mit dem Hunde zum Tierarzt, was

ganz überflüssig ist. Im allgemeinen weiß jedes Tier viel besser, was

ihm zuträglich ist, als der Mensch.

Ich bin oft gefragt worden, was man bei einem Hunde machen soll, der

ein sogenannter »Parfümeur« ist, d. h. sich den Rücken mit Unrat

einreibt. Manche Jäger haben schon ihren Hund erschossen, nachdem alles

Prügeln vergeblich war. Sie haben das schweren Herzens getan, weil

gewöhnlich Parfümeurs ausgezeichnete Hunde sind. Prügeln ist wertlos.

Der Hund versteht ja gar nicht, weshalb er Strafe bekommt. Jedem

Geschöpfe riecht das schön, was ihm bekömmlich ist. So riecht dem Hunde

der Unrat wunderbar schön, weshalb er sich von dem Duft etwas mitnehmen

möchte. Wie der Mensch sich ein Veilchen in das Knopfloch steckt, so

wälzt sich der Hund mit dem Rücken im Unrat. Ich habe immer gefunden,

daß die Leute es am besten machten, die ihren Hund bevor er die Wohnung

betrat, erst nach einem Teich oder Graben führten und ihn etwas daraus

apportieren ließen. Dann war er ohne große Umstände wieder gereinigt.

Jedenfalls darf ein Mensch, der auf Sauberkeit hält, niemals einen Hund

küssen. Weil der Hund als früherer Aasfresser jeden Dreck beschnuppert,

deshalb soll man namentlich Kindern aufs strengste verbieten, ein

Hundemaul ihrem Gesicht zu nahe kommen zu lassen. Es wird später

besprochen werden, daß hierbei noch andere Gefahren drohen.

4. Das Lappen des Wassers mit der Zunge.

Wenn wir einem Pferde oder Schafe beim Saufen zusehen, so bemerken

wir, daß es die Lippen in das Wasser steckt und saugend trinkt. Hunde

dagegen, wie die meisten Raubtiere, lecken das Wasser mit ihrer langen

Zunge. Sie sind dadurch imstande, einen Teller mit einer Flüssigkeit

ganz rein zu lecken, während der Mensch, wenn er das gleiche Ziel

erreichen wollte, zu diesem Zwecke den Teller hochkippen müßte.

Die Pflanzenfresser, die den Tag über ein- oder zweimal zum Wasser

laufen, um ihren Durst zu löschen, können sich eine Wasserstelle

aussuchen, die tief genug ist, um das Trinken durch Saugen zu

gestatten. Bei den Raubtieren aber liegt die Sache anders. Sie

kommen bei der Verfolgung oft in Gegenden, wo weit und breit

keine Trinkstellen anzutreffen sind, höchstens infolge eines

vorhergegangenen Regens ganz flache Wasserpfützen. Trotzdem können sie

mit ihrem Lappen den Durst stillen.

Unser Peter lappt also das Wasser unten am Brunnen, weil das große

Hundemaul zum Saugen schlecht paßt, und weil das Schnellen mit der

Zunge für Raubtiere vorteilhaft ist.

Uralter Aberglaube ist es, daß der Wolf, im Gegensatz zum Hunde, das

Wasser nicht lappt, sondern wie ein Schaf säuft. Ich habe mir daraufhin

im Zoologischen Garten sämtliche Wolfsarten beim Saufen angesehen

und konnte feststellen, was so auch ganz selbstverständlich ist, daß

sie genau wie unsere Hunde das Wasser mit der Zunge lappen. Da der

Aberglaube unausrottbar ist, so sei hier das bei dieser Gelegenheit

immer wieder aufgetischte Märchen erzählt.

Hiernach befänden sich unter den Jungen der Wölfe häufig solche,

die aus einer Paarung mit Haushunden herrührten. Diese sogenannten

Wolfshunde seien als ausgezeichnete Hunde von den Bewohnern besonders

geschätzt. Deshalb warteten diese, bis die Wölfin ihre Jungen zum

Wasser führte. Hierbei stellte sich nämlich der Unterschied zwischen

den echten Wölfen und den Wolfshunden heraus. Jene söffen als Wölfe wie

die Schafe, während die Wolfshunde, weil sie von Hunden stammten, wie

diese lappten. Die Wölfin wäre über diese ungeratene Brut empört und

stieße sie ins Wasser, damit sie ertränken. Die Landbewohner warteten

auf diese Verstoßung der eigenen Kinder und fingen die zappelnden

Wolfshunde auf, um sie großzuziehen.

Dieses Märchen ist ganz albern. Es ist nicht wahr, daß der Wolf anders

trinkt als der Hund. Bei seinem großen Rachen ist das Trinken, wie

das Schaf es tut, ausgeschlossen. Trotz seiner Albernheit wird dieses

Märchen von ernsten Männern weiter erzählt, als wenn sie selbst ein

Dutzend Wolfshunde in der geschilderten Weise aufgefangen hätten.

5. Der Platz in der Sonne und am warmen Ofen. Das Sich-herumdrehen vor

dem Hinlegen.

Es ist nicht weiter wunderbar, daß unser Peter sich in die Sonne gelegt

hat. Denn die Vorliebe des Hundes für einen warmen Platz ist sehr

bekannt. Der Landbewohner, der das ganze Jahr über beobachten kann,

mit welchem Wohlbehagen die Hunde in dem warmen Sonnenschein ihre

Glieder strecken, sagt zu seinen Kindern, wenn sie ebenfalls ruhen

und ihren Gliedern die bequemste Lage geben, sie sollen sich nicht

»rekeln«. Rekel oder Räkel ist nämlich der Hund, und der Sinn der Worte

ist natürlich der, sie sollen es nicht dem Hunde nachtun, der in der

Sonnenwärme ruht.

Noch bekannter ist die Vorliebe des Hundes für den warmen Ofen, woher

die Redensart stammt, »den Hund vom warmen Ofen fortlocken«. Allgemein

heißt es, daß es für den Hund sehr schädlich sei, sich am warmen Ofen

aufzuhalten, und daß es daher gut sei, ihn davon fortzujagen.

Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß ein Tier gewöhnlich weit

besser versteht, was ihm frommt, als der Mensch. Der Hund gehört wie

seine Vettern Wolf, Fuchs usw. eben zu den nächtlichen Tieren. Alle

nächtlichen Tiere haben das Bedürfnis, zur Erhöhung ihrer Körperwärme

warme Stellen aufzusuchen.

Es kommt einfach daher, daß die Katze, wenn sie sich sonnt, weit

weniger auffällt, weil sie das mit Vorliebe auf Dächern tut, wo sie

vom Menschen nicht gesehen wird. Füchse sind oft vom Jäger überrascht

worden, wenn sie sich am Tage von den warmen Sonnenstrahlen bestrahlen

ließen und hierbei die Annäherung des Jägers übersehen hatten. Die

Eulen, diese ausgesprochenen Nachttiere, gehen in der Gefangenschaft

zugrunde, wenn man ihnen nicht Gelegenheit gibt, sich von der warmen

Sonne bescheinen zu lassen.

Wenn also ein sonst abgehärteter Hund hin und wieder am Ofen liegt, so

braucht man sich darüber nicht aufzuregen. Denn im allgemeinen wird es

für seine Gesundheit vorteilhaft sein.

Vor dem Hinlegen pflegen die meisten Hunde sich einige Male

herumzudrehen. Der große Naturforscher Darwin erklärte diese

merkwürdige Bewegung damit, daß sich die Wildhunde in der Vorzeit erst

herumdrehen mußten, ehe sie in dem dichten Grase eine geeignete Stelle

zum Niederlegen hatten. Diese Ansicht dürfte aus folgenden Gründen

nicht richtig sein. Bei großer Hitze dreht sich der Hund überhaupt

nicht vorher herum, sondern streckt alle Viere möglichst weit von sich.

Auch drehen sich die Wildhunde dort, wo dichtes Gras steht, nicht vor

dem Hinlegen herum. Der Hund dreht sich vielmehr immer dann herum,

wenn er warm liegen und zu diesem Zwecke den Körper einen Kreis bilden

lassen will, damit möglichst wenig Außenfläche vorhanden ist. Um den

Kreis bei seinem ungelenken Rückgrat herauszubekommen, gibt sich der

Hund vorher mehrmals einen Schwung durch Herumdrehen.

6. Das Alter des Hundes.

Wir sprachen vorhin davon, daß Peter etwa zwei Jahre alt ist. Welchem

Alter des Menschen entspricht ein solches Hundealter?

Ein alter deutscher Ausspruch sagt, daß ein Menschenalter gleich

drei Pferdealtern sei, und ein Pferdealter wiederum drei Hundealtern

gleichkomme. Dieser Ausspruch ist recht ungenau. Setzt man ein

Menschenalter auf 70 Jahre, so kämen auf das Pferd fast 25 Jahre, was

etwas hoch ist. Auf den Hund kämen aber nur etwa acht Jahre, was viel

zu wenig ist.

Gewöhnlich setzt man das Alter des Hundes auf 10 bis 12 Jahre fest.

Manche nennen auch 15 Jahre, sogar 30 Jahre. Wie beim Menschen kommt es

natürlich sehr auf die Lebensweise an. Es gibt Menschen, die hundert

Jahre alt werden, während andere schon mit fünfzig Jahren verbraucht

sind. Aehnliches beobachten wir bei den Hunden. Unter günstigen

Verhältnissen erreichen sie ohne Frage ein Alter von etwa 18 Jahren.

Das ist mir von verschiedenen Hundebesitzern bestätigt worden, und ich

habe nach meinen eigenen Beobachtungen keinen Anlaß, daran zu zweifeln.

So fällt mir folgendes Erlebnis ein, das sich im tiefsten Frieden

vor etwa ein Dutzend Jahren ereignete. Ich war auf einer Wanderung

begriffen und kehrte in dem Gasthof eines Dorfes nicht weit von Berlin

ein. Die Besitzerin war eine reiche Bäuerin, die sehr viel Land und

Vieh besaß. Mir fiel der Hund auf, da er anscheinend sehr bejahrt war,

und ich erkundigte mich bei der Wirtin nach seinem Alter. Die Frau

erzählte mir, daß er gleichzeitig mit ihrer Tochter, die jetzt achtzehn

Jahre alt sei, Geburtstag feiere. Das wollte ich nicht glauben und

ich fragte bei einem zweiten Besuche die Tochter nach dem Alter des

Hundes. Diese machte die gleichen Angaben wie ihre Mutter und erzählte

mir noch mancherlei von dem Tiere. Namentlich ist mir noch folgendes

im Gedächtnis geblieben: Ihre Mutter könne sich von dem alten Tier

nicht gut trennen und sei deshalb vor einiger Zeit mit ihm zum Tierarzt

gegangen. Dieser habe sich den Hund angesehen und dann gesagt: »Frau

Krüger, haben Sie nicht eine Schrotflinte zu Hause?« Da sei ihre Mutter

furchtbar wütend geworden und mit dem Hunde fortgegangen. Seitdem wolle

sie von dem Tierarzt nichts mehr wissen.

Bei gesundem Leben auf dem Lande, wo der Hund sich unter natürlichen

Verhältnissen befindet, ist also ein Lebensalter von achtzehn Jahren

nicht unmöglich.

Wenn ein Geschöpf kaum zwei Jahrzehnte alt wird, so muß es natürlich

früher als der Mensch erwachsen sein. Das ist auch bei dem Hunde der

Fall. Mit sechs Wochen entwöhnt man ihn gewöhnlich von der Milch der

Hündin, und mit sechs Monaten pflegt er die volle Größe zu erreichen.

Aber richtig ausgewachsen ist er erst mit zwei Jahren.

Hier liegt ein großer Unterschied zwischen Mensch und Hund vor. Der

Hund erreicht seine volle Größe schon nach einem halben Jahre, während

der Mensch etwa achtzehn Jahre alt werden muß. Ist der Mensch aber mit

achtzehn Jahren zu seiner vollen Größe gelangt, so ist er sicherlich

mit 24 Jahren vollkommen ausgewachsen. Diese Verschiedenheit muß

natürlich ihren Grund haben und hat ihn auch. Die Aufklärung finden wir

wieder dadurch, daß wir an die Lebensweise der wilden Verwandten denken.

Die Wölfe paaren sich im Januar oder Februar. Nach 63 Tagen, also etwas

über zwei Monaten, gewöhnlich im April, wirft die Wölfin etwa drei bis

zwölf, gewöhnlich vier bis sechs Junge.

Die im Frühjahr geworfenen Welpen (Wolfsjunge) können sich in der

schönen Jahreszeit prächtig entwickeln. Kommt der Herbst heran, so

haben sie schon die Größe eines Wolfes und müssen sie haben. Denn

jetzt rudeln sich die Wölfe zusammen, um gemeinsam während der kalten

Jahreszeit auf alles Getier Jagd zu machen. Wären die jungen Wölfe

nicht schon so groß wie die alten, so würden sie nicht imstande sein,

gemeinsam langdauernde Hetzen zu machen. Auch würden sie, wenn endlich

der Elch oder der Hirsch erbeutet ist, bei den gemeinschaftlichen

Mahlzeiten weggebissen, wohl gar getötet werden.

Da Hund und Wolf die gleiche Tragezeit haben, so verstehen wir, weshalb

sich jeder Hundekenner einen im April oder Mai geworfenen Hund zur

Aufzucht wählen wird. Genau so liegt die Sache bei der Katze. Bei dem

Menschen ist es gleichgültig, ob er im Winter oder im Sommer geboren

ist. Denn er kann das Versäumte nachholen. Ein Hund dagegen oder

eine Katze, die im August geboren ist, kann niemals die mangelnde

Entwicklung nachholen. Denn wenn der nächste Sommer kommt, sind sechs

Monate schon vorüber, und die Entwicklung bereits abgeschlossen.

Die jungen Hunde können bei der Geburt weder sehen noch hören. Erst

nach neun bis zwölf Tagen öffnen sich ihre Augen.

Allgemein herrscht der Glaube, daß man das vortrefflichste Junge an

folgendem Merkmal erkennen kann. Man bringt die Jungen auf eine andere

Stelle, dann wird es zuerst von der Mutter zum Lager zurückgetragen

werden. Erfahrene Hundezüchter bestreiten jedoch, daß das richtig sei.

Warum hat nun der Mensch nur ein Kind, höchstens zwei bis vier, der

Hund dagegen manchmal 15 und 18 Junge? Auch das hat natürlich seinen

Grund, den wir ausfindig machen, wenn wir uns die Lebensweise der

wilden Verwandten näher ansehen.

Im Winter zwingt der Hunger die Wölfe, sich an große wehrhafte

Pflanzenfresser, also Wildrinder, Wildschweine, Elche usw. zu wagen.

Wenn auch gewöhnlich das Rudel Wölfe siegreich bleibt, so verkaufen

die Pflanzenfresser ihr Leben nicht billig. Ein paar Wölfe müssen

gewöhnlich daran glauben. So sagt schon ein altes Jägersprichwort: Wer

Eberköpfe haben will, muß Hundeköpfe daransetzen. Das heißt also, daß

die Ueberwindung eines starken Keilers, d. h. männlichen Wildschweins,

ein paar Hunde kostet, die von den Hauern des Borstentieres zuschanden

geschlagen werden. Bei den anderen Wildhunden liegt die Sache ähnlich.

Die Hyänenhunde in Afrika sollen den Löwen, die Kolsums in Asien

den Tiger angreifen, wobei natürlich ein Rudel sehr viel Mitglieder

verliert.

Der Hund muß also deshalb so viel Junge haben, weil er in jedem Jahre

bei seinen Angriffen zahlreiche Kameraden verliert. Diese Lücken müssen

notgedrungen ausgefüllt werden.

An mancherlei Eigentümlichkeiten ersieht man, daß der Hund, wenn er

auch mit sechs Monaten bereits die volle Größe erlangt hat, doch erst

mit zwei Jahren wirklich erwachsen ist. Die Jugend ist am meisten zum

Spielen aufgelegt, und so sind auch junge Hunde sehr spiellustig.

Die Einflößung des Spieltriebes bei jungen Menschen und jungen Tieren

dient natürlich gewissen Zwecken. Die Kinder und die Jungtiere sollen

sich nämlich für ihre künftigen Lebensaufgaben die Glieder stärken.

Jetzt verstehen wir, weshalb junge Hunde regelmäßig Haschen spielen,

junge Katzen aber nicht. Hunde sind Hetzraubtiere, schnelles Laufen ist

demnach bei ihnen die Hauptsache. Katzen erbeuten aber ihre Nahrung

nicht durch Hetzen.

Der junge Hund ist nicht nur spiellustig, sondern ihm fehlt auch noch

der feste Grundzug seines Wesens, der sogenannte Charakter. Sehr

oft wollen Leute ihren jungen Hund weggeben, weil er zu Fremden zu

zutraulich ist, keinen Mut zeigt und überhaupt zu waschlappig ist. Da

viele Hunde, die in der Jugend zu solchen Beanstandungen Anlaß gegeben

haben, sich mit zwei Jahren vollkommen verändert haben, so kann man

über den Grundzug eines Hundes vor Erreichung dieses Alters kein Urteil

abgeben.

7. Die Rassen (Unterarten) des Hundes.

Peter ist, wie schon erwähnt wurde, ein Spitz, und zwar ein sogenannter

Wolfsspitz von grauer Farbe. Die Hunde gehören zu den Säugetieren,

denn sie werden von ihren Müttern gesäugt. Mit den Vögeln, Fischen,

Reptilien, z. B. Schlangen, und Amphibien, z. B. Fröschen, gehören

die Säugetiere zu den Wirbeltieren d. h. den Rückgrattieren, deren

Körper eine Wirbelsäule durchzieht, im Gegensatz zu den andern Stämmen

des Tierreichs. Zu den letztgenannten gehören z. B. die Schnecken und

andere Weichtiere, die Insekten und andere Gliederfüßer, die Würmer und

andere mehr.

Die Säugetiere zerfallen in zahlreiche Ordnungen, so in die Affen,

die dem Menschen ähnlich sind, die Nager, z. B. die Ratten mit ihren

Nagezähnen, die Huftiere, z. B. die Pferde mit ihren harten Hufen,

die im Gegensatz zu denen der meisten anderen huftragenden Tieren

nicht gespalten sind, und in die Raubtiere. Ein Kennzeichen für das

Raubtier ist das Gebiß. Denn wenn ein Tier nicht von Pflanzen, sondern

von anderen Tieren leben will, so muß es sie vorher töten. Da Tiere

kein Handwerkszeug besitzen, so müssen sie hierzu geeignete Gliedmaßen

haben, also entweder bewehrte Füße wie die Katzen oder ein zum Töten

geeignetes Gebiß.

Hunde haben keine Wehrpfoten, ebenso auch die anderen hundeartigen

Geschöpfe nicht (die sogenannten Kaniden). Wehrpfoten nennt man auch

Pranken oder Branten. Es ist also falsch, wenn man von den Pranken des

Wolfes spricht, denn er besitzt keine. Wölfe, Schakale, Wildhunde,

Füchse usw. können mit ihren Pfoten nicht kämpfen. Sie können damit

nur rennen oder graben. So kann ein Hund sehr schnell ein Mäuseloch

aufbuddeln, was die Katze nicht nachmachen kann. Ebenso können sie

Ställe unterwühlen, um zu den Insassen zu gelangen. Hunde haben also

Renn- oder Grabpfoten.

Als Ersatz für die fehlenden Wehrpfoten, womit die Katzen außer ihrem

Gebiß ausgestattet sind, haben die Hunde ein mächtiges Gebiß. Ein

Dachshund kann einen Fuchs abwürgen, was die gleichgroße Katze mit

ihrem kleinen Maule nicht könnte.

Der Hund, der wie der Mensch zunächst ein Milchgebiß bekommt, hat

ausgewachsen 12 Schneidezähne 4 langhervorragende Eckzähne, oben 12 und

unten 14 Backenzähne. Er hat dünne Beine und vorn meist fünf, hinten

vier Zehen an den Füßen. Seine Krallen sind nicht zurückziehbar. Er

ist ein Zehengänger, d. h. er geht nicht wie der Mensch oder Bär auf

der Fußsohle, sondern auf den Zehen. Sein Knie befindet sich daher am

Bauche, nicht, wie man so häufig hört, in der Mitte des Beines. Wenn

wir recht schnell fortkommen wollen, laufen wir übrigens auch auf den

Zehen.

Von den Hunderassen sollen nur die in Deutschland bekanntesten

angeführt werden.

Auf den ersten Blick sieht man, daß die Spitze mit den Schäferhunden

große Aehnlichkeit haben. Am häufigsten dürfte jetzt der deutsche

Schäferhund zu sehen sein, während es früher der Colly oder schottische

Schäferhund war. Zwergform des Spitzes ist der sogenannte Zwergspitz.

Zu den Schäferhunden muß man auch die Pudel und Pinscher stellen. Den

Pudel kennt jedes Kind wegen seines auffallenden Haarwuchses. Von den

Pinschern sieht man jetzt sehr häufig den Dobermann-Pinscher, während

der früher sehr beliebte Schnauzer seltener ist. Auch hier gibt es

Zwergformen, nämlich die glatthaarigen Pinscher, z. B. Rehpinscher, und

die rauhhaarigen Pinscher, die sogenannten Affenpinscher.

Ein echter deutscher und sehr schöner großer Hund ist die deutsche

Dogge. Etwas kleiner ist der deutsche Boxer, der im Gegensatz zur

englischen Bulldogge auf geraden Beinen steht. Die Zwergform der

Doggen ist der Mops, den man jetzt selten zu Gesicht bekommt. Sehr

beliebt dagegen ist jetzt die französische Zwergbulldogge mit ihren

Fledermausohren. Andere hierher gehörige große Hunde sind der

Neufundländer und die Bernhardiner.

Von Jagdhunden dürfte dem Großstädter der kleine krummbeinige

Dachshund oder Dackel am bekanntesten sein, da er viel gehalten wird,

ferner der ewig unruhige, bellustige Terrier, der in seiner Färbung

an ein Meerschweinchen erinnert. Den Gegensatz zum Dachshund bildet

der Windhund, dem man schon äußerlich an seinen hohen Beinen seine

Schnelligkeit ansieht. Die Zwergform von ihm ist das Windspiel,

das sehr zierlich, aber gegen Kälte sehr empfindlich ist. Zu den

eigentlichen Jagdhunden gehört der Vorstehhund oder Hühnerhund, wobei

natürlich unter Hühner nicht die Haushühner, sondern die im freien

Felde hausenden Rebhühner gemeint sind. Hühnerhund ist also ein Hund,

der zur Jagd auf Rebhühner bestimmt ist, indem er nämlich dem Jäger

durch seine feine Nase die Stellen anzeigt, wo sich Rebhühner aufhalten.

Von ausländischen Hunden wäre allenfalls noch zu erwähnen der als

Polizeihund vielfach verwendete Airedaleterrier, der wie unser großer

Pinscher aussieht, aber einen schwarzen Rücken besitzt. Sehr auffallend

ist auch der Skye(ßkai)-Terrier, der an eine dicke Wurst, die stark

behaart ist, erinnert.

8. Der Zeitsinn der Tiere.

Kehren wir jetzt zu unserem kleinen Helden zurück. Der Mann seiner

Herrin, der jetzt auch sein Herr ist, geht zur Arbeit, und Peter

pflegt ihn bis zur Haltestelle der Straßenbahn zu begleiten. Es ist

merkwürdig, welchen Zeitsinn ein Tier besitzt, denn er hat sich

bereits erhoben und wartet unruhig auf das Erscheinen seines Herrn.

Lustig springt er an ihm hoch und apportiert zunächst ein auf den Damm

geworfenes Stück Holz. Das tut er jeden Morgen, denn er apportiert sehr

gern. Das weiß sein neuer Herr, und da er auch ein großer Tierfreund

ist, so tut er dem Hunde den Gefallen. Hat er Zeit, läßt er das Tier

mehrmals apportieren, denn Peter ist unermüdlich darin. Heute aber hat

er es eilig, und so muß sich der Hund mit dem einen Male begnügen.

Peter bringt seinem vorangeeilten Herrn das Stück Holz und läuft

dann ein Stück voraus. Die schöne Morgensonne hat auch ein anderes

Nachttier, eine große Katze, veranlaßt, sich vor dem Keller in ihren

Strahlen ordentlich zu erwärmen. Peter bellt sie zwar mächtig an, aber

er muß von seinem Herrn oder von ihr früher ordentliche Hiebe erhalten

haben, denn er ist sehr vorsichtig. Die Katze macht zwar einen Buckel,

aber sie denkt nicht daran, in den Keller zu flüchten. Ueberdies wird

der Ausbruch eines Streites durch die Dazwischenkunft seines Herrn

verhindert, der Peter abpfeift und ihm streng alle Angriffsgelüste

verbietet.

Peter verschwindet jetzt unseren Augen, aber wir brauchen nicht lange

zu warten, so taucht er wieder in unserem Gesichtskreise auf. Denn die

Haltestelle ist nur wenige Schritte von der Ecke entfernt, und die

Fahrgelegenheit im allgemeinen günstig. Peter bummelt jetzt heimwärts

und will dabei, wie es alle Hunde tun, mit jedem ihm begegnenden

Artgenossen Bekanntschaft schließen.

Höchst merkwürdig ist es nun für unsere Begriffe, daß sich zwei

Hunde, die sich kennen lernen wollen, nicht wie Menschen ins Gesicht,

besonders in die Augen sehen, sondern daß sie sich gegenseitig

beriechen und ausgerechnet auch noch an der Verlängerung des Rückens.

So tut es auch unser Peter mit einem ihm begegnenden Terrier. Die

Untersuchung muß nicht zur gegenseitigen Zufriedenheit ausgefallen

sein, denn beide Hunde nehmen die Stellung von Kampfhähnen an und

fletschen die Zähne. Weilten wir in der Nähe, so würden wir sicherlich

auch das Knurren der beiden Tiere hören. Doch auch hier kommt es

nicht zu einer Beißerei, da der Besitzer des Terriers seinen Hund am

Halsband packt und fortreißt. Befriedigt zieht Peter seines Weges,

doch sein Selbstbewußtsein erleidet plötzlich einen starken Stoß. Eine

große Dogge nähert sich ihm mit anscheinend sehr wenig freundlichen

Gefühlen. Peter klemmt den Schwanz zwischen die Beine und flüchtet

nach seinem Keller. Kaum ist er in seinem Bereiche angelangt, so dreht

er sich um und bietet seinem Feinde mutig die Spitze. Auch die Dogge

hat anscheinend vor dem fremden Eigentum Achtung, denn sie setzt ihre

Verfolgung nicht fort. Nachdem sie verschwunden ist, und Peter trotz

seines wiederholten Bellens nicht die Türe geöffnet wird, was sonst

stets der Fall ist, scheint unserem Spitz der Gedanke zu kommen, daß

seine eigentliche Herrin in der Zwischenzeit fortgegangen ist. Das ist

auch in der Tat der Fall gewesen, denn wir haben sie kurz nach dem

Weggange ihres Mannes den Keller verlassen sehen. Peter schnuppert

jetzt vor dem Keller sorgfältig umher und sucht anscheinend die Fährte

seiner Herrin. Nach mehrfachem Hin- und Herrennen folgt er schließlich

einer Spur, die, wie wir wissen, richtig ist. Doch ist es leicht

möglich, daß der Hund nur deshalb die richtige Spur hält, weil seine

Herrin in der Frühe regelmäßig diesen Weg zu machen pflegt.

Auch hier wollen wir zunächst eine Pause machen und die Handlungsweise

unseres Peter zu verstehen suchen.

Es ist seit alten Zeiten bekannt, daß Haustiere sich pünktlich zu ihren

Mahlzeiten melden. Wenn sich nun jemand darüber wunderte, wodurch

das Tier die Stunde der Mahlzeit wisse, da es doch keine Uhr kenne,

so wurde erwidert, daß die eigentliche Uhr sein Magen sei, der ihm

die rechte Zeit angebe. Auch könne beispielsweise ein Hund an den

Vorbereitungen, z. B. an dem Decken des Tisches leicht erkennen, daß

es bald etwas zu essen gäbe. Es ist nun gewiß richtig, daß man überall

mit den einfachsten Erklärungsversuchen einer Sache auf den Grund gehen

soll. Aber es gibt zu viele Fälle, die sich mit der Magenuhr beim

besten Willen nicht erklären lassen.

So wohnte ich bei einem Manne, dessen großer Neufundländer täglich

seinem Töchterchen um 12 Uhr entgegen lief, um ihr die Schulmappe zu

tragen, wenn sie aus der Schule kam. Woher wußte nun der Hund, daß es

kurz vor 12 war? Gegessen wurde erst um 1 Uhr.

Ein Kaufmann, der täglich um 5 Uhr sein Geschäft schloß, versicherte

mir, daß sein Hund, der sonst unter seinem Schreibtisch ruhig lag,

fast auf die Minute genau sich erhebe und seinen Herrn schwanzwedelnd

anblicke, ob es nicht nach Hause gehe. Auf seinen Wunsch habe ich mir

den Hund und sein Benehmen im Geschäft mit eigenen Augen angesehen.

Der Vorfall spielte sich in Friedenszeiten ab, so daß der Hunger als

Magenuhr nicht in Betracht kam. Ueberdies hat der Kaufmann seinen

Hund während der Geschäftszeit bis 5 Uhr reichlich gefüttert, damit

ihn nicht etwa die Erwartung auf das Essen in der Wohnung veranlasse,

seinen Herrn zum Aufbruch aufzufordern.

Bekannt ist es auch, daß gefangene Zugvögel in der Nacht, wo ihre

Artgenossen nach dem Süden gezogen sind, höchst unruhig im Käfig

umherflattern.

Bei der Jagd ist es eine allbekannte Erscheinung, daß z. B. ein Rehbock

auf die Minute aus dem Walde tritt, um sich auf das Feld zu begeben,

wo er fressen will. Ebenso zeigen sich die Schnepfen im März fast um

dieselbe Zeit, gewöhnlich dann, wenn die Glocken geläutet werden.

Ein aufmerksamer Tierbeobachter kann oft wahrnehmen, daß Hunde sich um

dieselbe Zeit treffen, um gemeinsam zu spielen oder zu jagen.

9. Der Ortssinn der Tiere.

Ebenso rätselhaft wie der Zeitsinn der Tiere ist ihr Ortssinn. Gerade

bei Hunden muß man oft über ihn staunen.

Wir kennen alle die Geschichte von dem Peter in der Fremde. Er hat es

endlich durchgesetzt, daß er auf Reisen gehen darf. Jetzt aber kommt er

an einen Kreuzweg, und niemand ist da, der ihn zurechtweist.

Man sollte meinen, daß die Tiere erst recht in Verlegenheit wären,

sobald sie an einen Kreuzweg gelangten. Wir Menschen können uns

wenigstens dadurch helfen, daß wir die Straßen benennen und den Häusern

Nummern geben. So können wir verhältnismäßig leicht nach Hause finden,

indem wir uns die Straße und die Nummer des Hauses merken, wo wir

wohnen.

Obwohl der Hund nicht lesen kann, auch wegen seines schwachen Gesichts

davon keinen Gebrauch machen könnte, findet er doch die Straße

regelmäßig wieder, in der sein Herr wohnt. Auch über das Haus ist er

sich gewöhnlich im klaren. Niemals sieht man ihn an einer Straßenecke

stehen und sich überlegen, wohin er eigentlich laufen soll, wie es doch

unser zweibeiniger Peter getan hat.

Besäßen die Tiere nicht einen hervorragenden Ortssinn, so wäre es ganz

ausgeschlossen, daß man das völlige Erblinden von Hunden und Pferden

manchmal erst durch einen Zufall merkt. Beim Menschen ist es unmöglich,

daß man nicht seine Blindheit merken sollte. Es hat noch niemand aus

Versehen einen Gehilfen in Stellung genommen, der, wie sich später

herausstellte, blind war. Aber sehr häufig werden Pferde gekauft, die

blind sind.

Bei einem unserer Hunde, der vollkommen blind war, habe ich immer

wieder darüber staunen müssen, wie leicht er sich in den gewohnten

Räumen zurechtfand. Da die Blindheit äußerlich kaum erkennbar war,

so merkte kein Besucher sein Leiden, zumal er sich mit großer

Geschwindigkeit bewegte.

Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer wilden Verwandten · 第 1 / 30 段