Bojesen sah Jeanette an, die in großen Zügen Wein trank und sein Gesicht
wurde finster.
Der Glühende stand auf und begann wieder zu recitieren:
„Und nun zieht der Tag mit seinem Morgenrot einher!
Ach! so wilde Liebe hegen, das ist Sünde,
Süß und schwer.
Wenn ich doch auf einem Felsen stünde,
Weit im Meer,
Und erlöst von meinen Träumen wär’!“
Dann zog er eine Mundharmonika aus der Tasche und begann ein Menuett zu
spielen. Jeanette erhob sich, faßte den Rock mit den Fingerspitzen
beider Hände, so daß die seidnen Strümpfe sichtbar wurden, und tanzte:
lächelnd, berückend. Bojesen stand auf, ging hinab vom Podium in die
Dämmerung des übrigen Raumes, und stellte sich unter die Schläfer,
betrachtete das jünglinghafte Gesicht Barbins, sah den aufgesperrten
Mund des hageren Pianisten und die schnarchende Brünhilde. In ihm
erwachte eine heiße Leidenschaft und das Menuett, wie er es jetzt
vernahm, fast wie hinter Mauern, hätte ihn beinahe aufschluchzen lassen.
Er glaubte kaum, daß ihn mit diesen Gefühlen der Erdboden würde tragen
können, so schwer war seine Seele von ihnen.
Er wandte zufällig den Kopf nach rückwärts und sah Jeanette hinter sich
stehen. Er war wie gelähmt. Sie blickte ihn verträumt und
selbstvergessen an; ihre Augen waren jetzt von einem dunklen,
undurchdringlichen Grün, und die roten Lippen gaben dem überaus bleichen
Gesicht etwas von dem Wesen einer Fabelwelt, etwas Vampyrhaftes. Langsam
nahm sie ihn bei der Hand und zog ihn fort, hinaus in den finstern Gang
und weiter.