Seit die schöne Frau Kanalinspektor, sorgsam in Sackleinwand genäht,
endlich abgegangen war und weitere Promenaden am Hafendamm sich
nicht wieder ergiebig erwiesen hatten, war jetzt auch nebenan bei
dem kleinen Ole Nissen nichts mehr zu holen. Erneute Bohrversuche
bei dem famosen, noblen Putthuhn hatten auch nichts gefruchtet. Seine
"Alte" schien ihm nicht sonderlich imponiert zu haben. Wenigstens
hatte ihr kleiner "Tintoretto" sie bei seiner letzten offiziellen
Visite draußen vergeblich an den neuen, schöntapezierten Wänden
gesucht. Übrigens waren die Herrschaften gerade ausgegangen. Man
schien eben nicht bloß in Christiania allein undankbar zu sein.
Keine Hummern bei Hiddersen mehr, keine Ägypter mehr, keine "Mieze"
mehr! Das letzte schmerzte den armen, kleinen Ole natürlich am
meisten. Aber man konnte es der Kleinen wirklich unmöglich verdenken.
Von aufgeweichten Brotkrusten ließ sich nicht satt werden.
Der alten, lieben, guten Frau Wachtel aber war damit ein sehr großer
Stein vom Herzen gefallen. Sie hatte nämlich die niedliche kleine
Mieze einmal dabei ertappt, als sie dem abscheulichen Ole grade
Modell stand, und da sie hierfür wirklich auch nicht das mindeste
Verständnis besaß, ein gewisses, kleines Vorurteil gegen sie gefaßt.
Ihr gutes Herz zu betätigen hatte sie in letzter Zeit leider nur zu
wenig Gelegenheit gehabt. Am unzufriedensten aber war sie jedenfalls
mit den dummen Thienwiebels. Was bei der alten Schlamperei dort
schließlich rauskommen mußte, konnte man sich ja an den Fingern
abzählen.
Der alte, alberne Kerl flözte sich den ganzen Tag auf dem Sofa
rum und trieb Faxen, das faule, schwindsüchtige Frauenzimmer hatte
nicht einmal Zeit, seinem Schreisack das bißchen blaue Milch zu
geben, zu fressen hatten sie alle drei nichts, und die Miete--ach,
du lieber Gott! Wenn man nicht wenigstens noch die paar Sparkreeten
gehabt hätte...
--Ja! Es war Wermut! Sein Verstand war krank! Es fehlte ihm
an Beförderung! Im Schoß des Glückes? Oh, sehr war! Sie ist eine
Metze! Was gibt es Neues? Als Roscius noch ein Schauspieler in Rom
war...Geharnischt, sagt Ihr? Sehr glaublich!--Ein Mann, der Stöß'
und Gaben mit gleichem Dank genommen, der zur Pfeife nicht Fortunen
diente, den Ton zu spielen, den ihr Finger griff, den Bettler, wie
er...Nichts mehr davon!! Sprich weiter, komm auf Hekuba!
In der Tat, es ließ sich nicht mehr leugnen: er war jetzt wirklich
zu bedauern, der große Thienwiebel!
Oh, welch ein Schurk' und niedrer Sklav' er war!! War's nicht
erstaunlich? War's zu glauben? War's möglich? War's nur durch
Angewohnheit, die den Schein gefäll'ger Sitten überrostet, war's
Übermaß in seines Blutes Mischung: kurz und gut, aber er kam jetzt
immer wieder auf sie zurück: auf nichts, auf Hekuba!
Wozu sollten Gesellen wie er zwischen Himmel und Erde herumkriechen?
Dem Staub gepaart, dem er verwandt, so rings umstrickt mit
Bübereien...nicht doch, mein Fürst!! Die Mausefalle? Und wie das?
Metaphorisch! Ich bitte, spotte meiner nicht, mein Schulfreund; Du
kamst gewiß zu meiner Mutter Hochzeit!
Armer Yorick! Denn wenn die Sonne Maden aus einem toten Hunde
ausbrütet, eine Gottheit, die Aas küßt...Armer Yorick!