Sylvester sprang sofort hinzu. Er trug sie auf das verschlissene
violette Plüschsofa, das den Raum zierte.
»Ein Arzt!« brüllte plötzlich der Thorax.
»Bleiben Sie bei ihr!«
Die Pneumo nickte wortlos.
Sylvester rannte durch den Saal.
Da schlief in einer Ecke, an die Brust des portugiesischen
Dienstmädchens gelehnt, der kleine Japaner.
Sylvester schüttelte ihn wach.
»Man braucht Sie! Man ist erkrankt!«
Der Japaner folgte. Seine Rüstung klapperte wie unzählige Blechbüchsen.
Er legte das gelbe, mausähnliche Ohr an Sybils Herz.
Er faßte ihr den Puls.
Er sah ihr auf den Mund.
Dann zuckte er die Achseln.
»Bringen Sie sie sofort nach Hause. Ich werde ihr eine
Kampfereinspritzung machen. Übrigens kann es sich nur darum handeln, das
Leben um ein paar Stunden zu verlängern.«
»Das Sterben, meinen Sie«, sagte der Thorax. --
Ein Schlitten war in der Eile nicht aufzutreiben. Eben klingelte draußen
der erste Tram, der nach Davos-Platz fuhr.
Sie schafften Sybil in den Tram, der von der sterbenden Sonne, dem
Apachen, der Geisha, dem Ritter, dem portugiesischen Dienstmädchen und
dem Sioux besetzt wurde.
Zum Glück lag Sybils Pension an der Promenade.
Der Tram konnte vor ihrer Wohnung halten.
Als sie in ihrem Bett lag, schlug sie die Augen auf.
»Bitte«, lächelte sie die Masken an, »verlassen Sie mich! Dank für Ihre
Teilnahme an meinem Leben!«
Sie wehrte den Japaner ab.
»Ich brauche keine Einspritzung. Ich will Sylvester noch einmal
sprechen.«
Die Masken gingen.
Der Apache blieb.
»Sylvester,« sie legte alle Kraft ihres Herzens in ihren letzten Blick,
»du letzter Tag meines Lebens!«
Er hielt ihre Hände. Sein roter Schal streifte ihre gläserne Stirn.
»Drück mir die Augen zu!«
Er fiel von einem Hammerschlag getroffen zermalmt an ihrem Bett
zusammen. Er hörte um sich leere Worte plappern, und es schien ihm, als
fange der tote Papagei, der auf dem Nachttisch stand, wieder zu sprechen
an.