~Vergiftung durch Schwefelsäure.~
Die schrecklichste Wirkung dieser, allem Organischen so feindlichen
Substanz, die man sich nur denken mag, fand ich bei einem 30 Jahre
alten Hutmacher. Derselbe war Morgens früh im Dunkeln aufgestanden und
hatte -- man hat nicht erfahren: ob absichtlich oder zufällig -- einen
tüchtigen Schluck roher Schwefelsäure, wie er sie in seinem Gewerbe
brauchte, getrunken. Auf sein Geschrei eilte seine Frau herbei, und
schaffte sogleich Hülfe. Der zugerufene Arzt venäsecirte, und das Blut
soll »syrupsartig« geflossen sein. Nach Milch und Seifenwasser erfolgte
noch einigemale Erbrechen, aber schon nach zwei Stunden trat der Tod
ein. -- Wir fanden die ganze Zunge von der äussersten Spitze an weiss
sphacelirt, die Schleimhaut stellenweise abgelöst. Der _oesophagus_
zeigte auf seiner Aussenfläche noch nichts Abnormes, auf der inneren
aber war er, wie die ganze Rachenhöhle, grauschwarz. Der Magen dagegen
war äusserlich wie innerlich kohlschwarz von Farbe und natürlich
so mürbe und macerirt, dass er wie nasses Löschpapier an der Zange
hängen blieb, wenn diese nur versuchte, ihn hervorzuheben. Von einer
(vorschriftsmässigen) Unterbindung desselben musste deshalb nothwendig
abgesehen und sein Inhalt vielmehr aus der Bauchhöhle entnommen werden.
Das grosse Netz war gleichfalls zum grössten Theile schwarz verbrannt,
ohne Zweifel weil vielleicht schon im Leben, oder wenigstens bald nach
dem Tode das Aetzgift den Magen perforirt und das Netz unmittelbar
sphacelirt hatte. _Duodenum_ und die Anfänge des Dünndarms zeigten
nur eine grauschwärzliche Färbung. Die Schleimhaut, die hier noch
untersucht werden konnte, zeigte sich stark aufgewulstet, erhärtet
und wie gekocht. Das Blut hatte durchweg eine Kirschsuppen-ähnliche
Färbung; seine Consistenz war die eines sehr dünnflüssigen ~Syrups~,
und es fanden sich einzelne Coagula darin von der Härte eines nassen
Thons. Alle übrigen Baucheingeweide ausser den genannten waren
noch von der Zerstörung nicht ergriffen worden und ganz natürlich
beschaffen, ein Beweis, dass das ätzende Gift in den zwei Lebensstunden
namentlich noch gar nicht bis in die unteren Därme gedrungen war.
Eben so normal fanden sich Lungen und Herz, welches, wie die _sinus_,
ziemlich stark mit Blut gefüllt war. Die untersuchten _Contenta_ der
Leiche ergaben eine Drachme und 17-1/4 Gran freier Schwefelsäure. Wir
fügen das interessante vollständige Obductionsprotocoll nebst dem
chemischen Bericht, betreffend die Untersuchung des Darminhaltes im
Anhange _in extenso_ bei.