~Anscheinend tödtliche Misshandlungen.~
Recht ähnlich gestaltete sich einige Jahre später ein anderer Fall, der
auf der Feldmark von Charlottenburg vorkam, und in welchem ebenfalls
Zwischenursachen wirksam geworden waren. Am 17. Mai 18--, bei einer
Hitze von Mittags »mehr als 20 Gr. R.«, war (Mittags) der als Säufer
bekannte Eisenbahnarbeiter Gl. stark angetrunken und stolpernd über
den Acker gehend, und sich dann niederlegend gesehen worden. Nach 10
Minuten stand er auf und ging in ein nahes Roggenfeld, wo er sich
wieder niederlegte. Anderthalb Stunden später kamen P. und A. des
Weges gefahren, und fanden ihn mit dem Gesicht in die Höhe liegend,
so dass ihm die brennenden Sonnenstrahlen in's Gesicht schienen,
und »schwarzbraun im Gesicht«. Man versuchte den halb Bewussten
aufzurichten, der aber bei diesen Versuchen immer wieder zur Erde
fiel, auch noch 2-3 Schritte ging, aber wieder niederfiel. Bei dieser
Gelegenheit nun versetzte ihm P. einige Hiebe mit dem Stiele seiner
Peitsche und einige Fussstösse, die mehrere Zeugen als nicht erheblich
schildern, während nur ein Knabe von sechs tüchtigen Hieben und
mehreren Fusstritten in die Seite deponirt hat. Es gelang aber nicht,
den anscheinend schwer Betrunkenen zu ermuntern, und man liess ihn
liegen und bedeckte nur das Gesicht, um es gegen die Sonnenstrahlen
zu schützen. Bald darauf fand ihn ein Dritter Z., anscheinend
völlig bewusstlos, anfänglich nicht antwortend, und nur »in sich
hineingrunzend« und einige Bewegungen mit der Hand nach seinem Stocke
machend, bis er endlich doch noch ganz deutlich sagte: »ich werde schon
kommen«. Das Fortschaffen gelang indess auch jetzt nicht, und bald
darauf wurde der Gl. todt gefunden.
Hatten und welchen Antheil hatten die Misshandlungen an seinem Tode
gehabt?
Das Gesicht der Leiche erschien bei der Section ziemlich dunkelroth
gefärbt, ganz besonders aber blauroth waren beide Backen und Ohren.
Am rechten Oberarm zahlreiche kleinere und grössere Sugillationen,
von Erbsen- bis Zweigroschenstücksgrösse, kleinere dergleichen auch
am linken Oberarm, zahlreiche blaurothe Flecke endlich auch am
linken Schulterblatt. Der Kürze halber bemerke ich, dass bei und
nach der Eröffnung der Kopfhöhle sich eine sehr starke apoplectische
Congestion (kein Erguss) als Todesursache ergab. Das Rückenmark war
normal. Beide Lungen waren mit einem dunklen, dickflüssigen Blute
stark angefüllt. Die Leber, wie so häufig bei Säufern, stahlgrau. Die
sonstigen Sectionsbefunde waren nicht erheblich. Im Gutachten wurde
nur hervorgehoben, wie der Befund die letzten Lebensäusserungen des
_denatus_, das »schwarzbraune« Gesicht, die Besinnungslosigkeit,
das »Hineingrunzen« erkläre, als Symptome eines tödtlichen
Blutschlagflusses, welchen, wie angenommen ward, der Rausch, die hohe
Lufttemperatur und die Wirkung der Sonnenstrahlen auf den Kopf bedingt
hatten. Mit höchster Wahrscheinlichkeit ~war~ er bereits in diese
tödtliche Krankheit verfallen, als die Verklagten ihn angriffen, da
er damals schon besinnungslos war. Dass diese Be- oder Misshandlung
aber gar nicht erheblich gewesen, haben nicht nur die Augenzeugen
bekundet, sondern Hiebe mit einem Peitschenstock auf Schultern, Rücken
und Hintern, und Berührungen (Anstossen) mit dem Fusse in die Seite,
konnten an und für sich auch nicht als bedeutend gelten, und die
Section bestätigte dies auch, da sie als Folge derselben nur allein
kleine Sugillationen in den Hautbedeckungen nachwies. Es wurde hiernach
angenommen, dass die Misshandlungen ~keinen~ Antheil an dem Tode gehabt
hätten.