Da bleibt sie stehen, mitten im Raum, und schreit laut auf. -- --

Das hat geholfen. Das starre, steife Entsetzen ist gelöst. Sie atmet

wieder.

Sie weiß plötzlich alles -- sie lächelt -- sie glaubt plötzlich nichts.

Welch ein Schreckbild hat sie geängstigt!

Sie geht an ihren alten zerschnitzten, staubigen Fenstertisch. Ein halb

zerrissener Zettel liegt herum, sie nimmt ihn und schreibt darauf mit

Bleistift.

»Ich habe Dich nicht verstanden. Meintest Du so, daß wir uns nichts mehr

angingen? Aber das gibt es ja nicht. Du kannst mich doch nicht den einen

Tag lieb haben und den anderen nicht? Bist Du mir über etwas böse, das ich

getan habe? Warum sagtest Du das nicht --«

Plötzlich hielt sie inne. Sie fühlte es im Nacken, es stand jemand in der

Tür. Mit einem Erbeben des Grauens kehrte sie sich um.

Da war er. -- Schwarz, stumm, mit demselben eiskalten Gesicht von gestern,

von der Dorfstraße her, mit einem geisterhaft schrecklichen Blick durch die

Brillengläser. Er rührte sich nicht, er öffnete nur langsam die Lippen --

er würde ihr antworten --

»Nein! Nein! Ich will nichts! Ich will nichts!« schrie sie wie von Sinnen.

Sie sprang auf, der Stuhl fiel um, sie stolperte über eins der Holzbeine,

die ganze Stube drehte sich, er mit, sie fühlte ein namenloses Entsetzen,

wie einen Fall in eine unendliche Leere --

»Geh fort! Geh fort --«

Dann wurde es Nacht und stumm.

-- -- -- Es stand niemand in der Tür. Nur die acht Fenster, von dem

einförmigen grauen Weiß des sonnenlosen Schneetages gefüllt, sahen auf das

bewußtlose Kind am Fußboden.

* * *

-- Aber es kamen Schritte. Frau v. Pohle suchte nach Fritzchen. Sie hatte

im Vorbeigehen Jakob gefragt, der kratzte sich im Kopf.

»Mit der ist wohl was los, gnädige Frau. Die guckte mich eben an, als ob

sie ihren Klug nicht hätte. Am End' ist sie krank, sie ist wohl zu Bett

gegangen.«

Im Bett war sie nicht. In der Schulstube war sie.

Ein brennender Schreck durchzuckte die Frau, im Moment war sie neben der

Gestalt, die wie zusammengeschossen mit dem Gesicht auf der Erde neben dem

umgestürzten Stuhle lag.

Sie kniete neben ihr. »Fritzchen!« Aber sie konnte den starken jungen

Körper nicht mit ihren schwachen Armen bewegen. Sie stand auf, um Hilfe zu

holen, da sah sie den Zettel auf dem Tische.

Sie nahm und las ihn und fühlte einen Moment, wie das Herz in ihr still

stand. Ihr Gesicht bedeckte sich mit brennender Röte der Not, der Scham,

um dies junge, herrliche Menschenbild, das hier in Schmach und Jammer vor

ihren Füßen lag.

Den Zettel steckte sie zu sich.

Auch das noch! Er hat auch mit ihr zu spielen gewagt! Ein kraftschönes

Leben zerrissen in Eitelkeit und Herzenskälte. O Gott, o Du Gott der

Gerechtigkeit, triff ihn! Höre mich! Mann und Kinder und all mein

Lebensglück hast Du mir genommen. Ich stehe in einer Wüste. Ich will nichts

für mich. Aber höre den Schrei nach Gerechtigkeit. Triff ihn! Vernichte

ihn, den Vernichter!!

* * *

Es kam über Nacht ein Westwind übers Land in großen, langen Stößen. Die

Temperatur stieg um mehrere Grade. Als wieder neuer Schnee zur Erde nieder

wollte, wurde er zu Regen. Es leckte von den Dächern und rutschte von den

Bäumen. Große häßliche löcherige Vertiefungen fraß das laue Naß in die

zarte weiße Schneedecke. Auf der Dorfstraße patschten die Pferdehufe,

schlammten die Räder.

Die Kalesche des Doktors fuhr durch das Dorf. Sie kam von draußen herein,

wo auf freiem Felde das Werk des Zertauens noch nicht so vorgeschritten

war, aber hier auf dem höckrigen Pflaster spritzte der Schmutz bis hoch an

das Verdeckleder hinan.

Überall steckten besorgte Gesichter aus den Türen und hinter dem

Fensterglas. Um das Fritzchen war der Doktor doch noch nie geholt.

»Was ist denn los?« »Fräulein Fritzchen ist krank.« »Na nu! Uns' Fräulein?

Aber nee!«

Es wußte es niemand, was in Wahrheit geschehen war, außer Frau v. Pohle --

und vielleicht noch einem, wenn man es dem zufällig im Dorfe erzählte. Aber

mit dem redet man doch nicht wie mit einem gewöhnlichen Menschen.

Frau v. Pohle sagte dem Doktor, daß Fritzchen gestern in Ohnmacht gefallen

sei, eine unruhige fieberische Nacht gehabt habe und heute sehr matt und

beängstigend teilnahmslos daläge. Sie sah auch den Doktor, dessen Assistent

sie manches Mal im Dorf gewesen war, leer und gleichgültig an, erwiderte

seine Begrüßung nicht und gab ihm keine Antwort.

»Laßt mich doch schlafen«, war das einzige, was sie in einer Art von müder

Verzweiflung sagte.

»Sie muß einen kolossalen Nervenschok gehabt haben«, sagte der Doktor. »Sie

haben keine Ahnung, gnädige Frau?«

»Nein, nein«, sagte Frau v. Pohle, aber so hastig, daß er ihr die Lüge von

der Stirn ablas.

»Mit Vater -- Schwester -- es ist nichts passiert?« fragte er.

»O, nicht im geringsten.«

»Es wird sich augenblicklich nicht viel tun lassen«, sagte er. -- »Sie muß

sich gesund schlafen. Aber sowie sie wieder auf ihren Füßen stehen kann,

muß sie eine Luftveränderung haben.«

»Jawohl, eine Luftveränderung!« rief Frau v. Pohle in lebhafter Zustimmung.

Na, da kann man sich's ja schon denken, Ihr Heimlichtuer! dachte der alte

Doktor bei sich. Lieber Gott, menschliche Sachen. Zwanzig Lenze zählt das

Wurm. Sowas geht vorüber.

»Und mal ein bißchen tanzen, Menschen sehen, Theater, Musik, all solch' ein

Kram. Sie verstehen mich, gnädige Frau, sorgen Sie dafür.«

»Soviel ich kann!« sagte Frau v. Pohle.

Im Fortfahren dachte der Doktor: Ob es nicht der hochnäsige Laffe im Talar

ist, der auch hier das Unheil angerichtet hat? Möge ihn der Teufel holen!

Der Fluch des kräftigen alten Doktors und das Gebet der feinen alten Dame

schloß eine seltsame Verbrüderung. Es haben schon andere Throne gewackelt,

als man sie niederbetete und niederfluchte. Denn auf Erden sind Mächte am

Werk, die mächtiger sind als der Westwind über den Schneemassen.

Der Westwind ging um das Pfarrhaus und rüttelte an der Haustür und den

Läden. Ein Reitpferd stand draußen angebunden, es war ungeduldig und

stampfte, daß der Schmutz hoch aufspritzte. Ein Mann kam aus dem Hause in

hohen Stiefeln, er ging durch den Garten, setzte sich zu Pferde und ritt

davon. Nur der Wind war noch in der Straße. Er trieb den Regen durch die

Luft und riß den letzten Schnee von den Bäumen.

Jawohl, es ist auch eine Lust, Schönheit zu zerstören! Der Wind löst die

weiße Decke auf und stößt die phantastischen Kronen von den Mauerköpfen.

Ihr habt genug bewundert! Hussa, merkt Ihr, wie es trieft, leckt, pfeift,

klappert, und wie alle Herrlichkeit zufließt?

Der Pfarrer steht im Zimmer und liest einen Brief. »Mein Gregor, denke

Dir, seit gestern ist Hans fort. Ich glaubte, er wäre zum Arzt geritten,

es hatte sich mit seiner Hand so außerordentlich verschlimmert. Ich wartete

ängstlich auf seine Rückkehr und schickte ihm dann einen Boten nach.

Sein Pferd hat er eingestellt und nur dem Wirt -- denk' Dir, Gregor, dem

Hotelwirt! -- den Bescheid für mich hinterlassen, daß er schreiben würde.

Er war schon vorher so seltsam, sonst würde ich mich ja nicht ängstigen.

Und dann der kranke Arm. Bei dem Arzt ist er gar nicht gewesen! Lieber

Gregor, wenn Du Zeit hast, komm herüber. Laß mir durch den Boten sagen, ob

ich Dir den Wagen schicken soll. Oder wenn Du Nachricht von Hans hast, gib

sie ihm gleich mit.«

»Der Wagen soll kommen!« hatte Gregor bestellt.

Er kannte seine Mutter, sie hatte nicht gewagt, den gleich mitzuschicken.

Was sollte er auch dort? Ihr sagen, daß er etwas mehr wisse, als sie -- und

daß auch er eine unbestimmte Angst in sich hege?

Aber er konnte drüben wohl noch Näheres erfahren, er konnte des wütenden

Jungen Spuren verfolgen. Das würde nicht allzu schwer sein. Er konnte ihn

in seinem sinnlosen Hinausstürmen aufhalten und ihm sagen: Du hast keinen

Schmerz und keine Bitterkeit nötig. Was Du für meine Rechte hieltest,

übergehe ich alles Dir. Und das Weitere besorge Du Dir selbst.

Wie ist solche närrische Verzweiflung doch noch voll Glück, Kraft,

klopfendem Leben. Um eines kleinen Mädchens willen sich Herz und Genick

zerbrechen, die Welt einschlagen und nichts sehen, hören, fühlen außerdem,

das ist wild und frisch wie Jagdlust und ein scharfes Reiten.

Sieh, wie ist der Schnee getaut seit gestern. Wo ist die leuchtende

Herrlichkeit hin? Der Wind pfeift und der Regen rinnt, es wird eine

schlimme Fahrt übers Moor.

Justine sagt, es ist Krankheit im Schloß. Es ist schon möglich, daß es hier

an zwei Enden auf Tod und Leben geht. Laß es gehen, laß es ziehen, rinnen

und vorüberpfeifen, wie der Westwind, der den Schnee zerschmilzt. Ich stehe

daneben!

Stolzer Mensch, der also sprechen kann! Tausendmal armer Mensch, der also

sprechen muß! Es gibt ein Königtum unter den Menschen, das ihre Fesseln

nicht trägt, nicht den Schutz ihres Daches und die Wärme ihres Herdes

teilt. Das selbst von dem Schmerz, der ihm Fessel sein könnte, unabhängig

ist.

Der Ärmste ist zugleich der Mächtigste. König Gregor, es beneiden Dich wohl

wenige um Deine Krone.

Dreizehntes Kapitel.

Damals war die Stunde noch nicht gekommen, daß Fritzchen ihre alte Heimat

verließ. Es ging nicht. So wie der Doktor und Frau v. Pohle sich das

zurecht gestellt hatten, ließen sich dieses Kindes Wege nicht ordnen.

Frau v. Pohle hatte heftige Szenen mit dem Papa wegen der

»Luftveränderung«. Der Papa wurde zum ersten Male ausfallend gegen die

feine alte Dame. Fritzchen kroch nicht an ihn heran, um Schutz zu suchen,

sie fühlte sich nicht von ihm beschützt. Sie stand blaß und still und kalt

und sagte: »Ich reise nicht fort.«

Als sie kaum aufgestanden war, ging sie nach oben, sie wußte, daß sie hier

einen Zettel geschrieben hatte. Er war fort.

Hatte Gregor wirklich in der Tür gestanden? Oder hatte sie Geister gesehen?

Sie fragte nicht. Ein kaltes Schauern ergriff sie. Nicht mehr daran denken!

Schon wieder kam das Gefühl des Entsetzens über sie, das mit diesem Raum

verbunden war. Da stürzte sie hinaus und zitterte an allen Gliedern. Es war

vorbei für sie mit der Turmstube auf immer.

-- Das Grausen verließ sie lange nicht. Sie konnte sich Gregor nicht anders

denken als mit dem toten kalten Angesicht und dem Gespensterblick

hinter den Brillengläsern. Sie zürnte ihm nicht, sie suchte nicht nach

Erklärungen, und niemals, zu keiner Stunde, hoffte sie auf ihn und die

Wiederkehr von Liebe und Glück.

Nichts -- nichts. Sie graute sich nur. Diese Trennung war in Wirklichkeit

auf Tod und Leben gegangen.

Aber sie wollte nicht fort. Nicht aus Liebe oder Hoffnung oder Kraft

geschah das, sondern aus der großen Lähmung heraus, die diesen freigebornen

und abgeschossenen Vogel befallen hatte.

Am Sonntag hörte sie die Kirchenglocken läuten. Gisela kam in Hut und

Mantel herein, heute war sie die einzige aus der Familie, die ging.

War das erst der vorige Sonntag, als sie alle dort gewesen waren? _Der_

Sonntag -- das war erst eine Woche her --?

Fritzchen saß im allgemeinen Wohnzimmer. Sie staunte nur und dabei fror

sie über und über trotz des warmen Raumes. Sie war in ein großes Tuch

gewickelt. Wenn sie unter den anderen war, dann graute ihr nicht, nur

allein mußte man sie nicht lassen.

Herr v. Dörfflin ging an ihr vorbei und streichelte ihr mit seiner breiten

Hand über den Kopf. »Fritz, was ist's mit Dir? Wo tut's Dir weh?«

»Weh? Gar nicht«, sagte Fritzchen, verwundert über diese Frage.

»Du wirst hier gesund, ja? Du läufst nicht fort?« brummelte er weiter.

»Nein, warum sollte ich fort? Ich bin ja hier ganz gut.«

Mehr wollte er gar nicht wissen, er ging zufrieden seines Weges.

Am Nachmittag kam Besuch. Leopold Schultze, der Sohn des Fabrikbesitzers

vom Laueschen Familiengut, und seine Schwester Melitta. Sie kamen wegen

Gisela, sonst aus keinem Grunde. Herr Schultze jun. hatte eine aufrichtige,

etwas weichliche Schwärmerei für sie, die zwar von seinem Vater, der

mißlichen Geldverhältnisse auf Hohen-Leucken wegen, nicht mit Entzücken

betrachtet, jedoch immerhin, aus Gründen einer Adelsverbindung durchaus

gutgeheißen wurde. Nur hatte Herr Leopold, der ein sehr guter Sohn und

ein weicher Mensch war, die strikte Weisung mitbekommen, nicht eher seine

Wünsche in voller Deutlichkeit zu zeigen, als bis Giselas Zustimmung eine

sichere Sache sei. Denn diese Familie war noch zu neu in dieser Gegend,

um nicht eine solche Einführung, an der ein Korb hing, durchaus scheuen zu

müssen.

Gisela hatte seit den letzten Wochen schon den Kopf voll von dieser Werbung

und der Aussicht, eine Frau Schultze zu werden. Daher war Fritzchens

wunderliche Erkrankung ziemlich spurlos an ihr vorbeigegangen. Eigentlich

stand ihr Sinn nach anderen Dingen. Sie hatte gedacht, die beiden

Rummelshöfer Söhne unter sich und ihre Schwester zu verteilen. Wie -- daran

war wohl kein Zweifel. Die verwandten Elemente zusammen, so daß nirgends

Feuer und Wasser sich zu gesellen brauchten.

Sie war ein gar kühles, weltförmiges Menschenkind, in dessen geschickten

Händen viel Unmögliches möglich wurde. Aber sie hatte auch ihre

Abhängigkeiten, die sie armselig, bedürftig und ohnmächtig machten. Gregor,

in seiner dörflichen Pfarre, von der Professur abgesehen, die ihr ziemlich

sicher schien, war ihr doch immer noch der Liebere und Interessantere und

Glänzendere, als Herr Schultze mit seinem Geld.

Wer zählt das Herzklopfen eines armen, auf Scheinbilder gestellten

Mädchens, das zwischen der Frage: ob Schultze -- ob Zülchow in grausamer

Schwebe hängt, während schon der Sperling in ihrer Hand pickt und droben

auf dem Dache die schimmernde, flüchtige Taube sitzt?

Auch der Sperling hat Flügel, er sitzt nicht ewig in Deiner Hand -- mahnte

das geängstigte Herz.

Wie sie dies Hohen-Leucken haßte in seiner kahlen Öde, wo man angewiesen

war auf zwei, drei junge Leute, wo kein reizvolles Spiel der Eifersucht,

kein keckes Wagen und Tändeln, kein prickelndes Wetterspiel von Gunst und

Ungunst stattfinden konnte! Hier saß nur ein braver, langweiliger Freier

in schwerfälligem Ernst: Nimmst Du mich -- oder nimmst Du mich nicht?

Und dahinten in Wirrnis und im unbekannten Land flackerte ein helles,

prächtiges, vielleicht trügerisches Licht.

Sie fing an, nervös zu werden. Nur nicht allein mit ihm! Nur Aufschub,

Aufschub! Es durfte nichts nach Ablehnung aussehen, und doch durfte auch

nichts zu sehr ermutigen und dadurch beschleunigen.

Ja -- das sind auch Kämpfe. Der eine hat es auf dieser Ecke, der andere

auf jener. Tränen und Blut haben sie alle beide, und der Schein ist am Ende

auch ein Sein.

Im ganzen war es eine brillante Unterhaltung, leicht, graziös, mit

geistreichem Geblitzel, wie immer, wenn Gisela regierte. Melitta Schultze

war klug und lustig, sie sekundierte vorzüglich. Gisela war gar nicht

hübsch, sie hatte ein langes kaltes Gesicht und einen verkniffenen Mund,

aber sie verstand es so pompös, etwas aus sich zu machen, daß viele Männer

schwuren, sie sei eine Schönheit.

Ein ganz klein bißchen feiner Klatsch lief zuweilen auch mit unter, aber

nur wie ein Körnchen Paprika. Gisela verpfefferte ihre Gerichte niemals.

Heute gab es eine wirkliche plumpe Neuigkeit.

»Der jüngste Zülchow ist verschwunden.«

»Ach! Was heißt das: Verschwunden?«

»Nein, in der Tat, mein gnädigstes Fräulein. Es sollen schon

Nachforschungen angestellt sein, der Bruder hat auch bei seinem Regiment

vergeblich angefragt.«

Man lachte darüber. Der eifrige Bericht klang so ein bißchen kindlich. Herr

Leopold war mit seiner Neuigkeit hereingefallen und schämte sich.

Fritzchen hörte das alles mit an. Sie saß bald am Ofen, bald am Fenster,

bald mit am Kaffeetisch. Sie sprach nicht mit, sie war blaß und ruhelos.

Melitta versuchte ein paarmal, mit ihr zu reden, aber sie gab kaum eine

Antwort, so traumhaft dumpf war ihr zu Mut. Die anderen beiden beachteten

sie nicht viel. Herr v. Dörfflin hatte über Kopfweh geklagt und war

fortgegangen.

»Was soll denn mit Hans Henning sein?« fragte sie plötzlich und blieb

hinter einem Stuhle stehen. Die Frage klang wie im Zorn gerufen.

Herr Schultze sah sie beinahe erschrocken an. »Ach, jedenfalls nichts. So

ein Streich, wie ein junger Mensch mal macht.«

Wie aus unendlicher Vergangenheit stieg das Bild des stürmischen Jungen vor

ihr auf. Sie mußte sich erst wieder zurechtfinden. Der erste Klang aus der

alten lebendigen Welt!

Fritzchen: Die Geschichte einer Einsamen · 第 11 / 15 题