Menschenangesichter, dumpf und schwelend,
Stoßt aus dem trüben Schwaden eures Kleinmuts hoch!
Erwacht, ihr Körper, aus morschen Wänden,
Werft euch mit morgengebadeten Händen,
Wachst in das Lichte singend empor!
Widriges Kleingetier, nach Myriaden zählend,
Das vampyrengleich aus euch gesogen,
Muß nun elendig verenden
Im eisigen Hauch aus frühem Sternenbogen.
Ihr siecht und welkt an Giften wolkiger Trance.
Ihr taucht zu tief in euer Seelenbad.
Ihr seid erfüllt von eurer kleinen Welt und übersatt.
Ihr kennt die heiße Zeit nicht mehr, die längst euch überflügelt
hat.
Türmt euch zum First der schwindelnden Balance
Aus der Not und dem Chaos, in das euch die wimmernde Mutter gebar --
Habt Rechts und Links und in der Faust ein flammendes Schwert;
Seid zum Kampf für die dämmernde Welt so bewehrt und bekehrt!
Mild schwimme das leuchtende Antlitz über aufblühenden Paradiesen,
wo einst Gewässer und Wüste war.
Menschenangesicht, besinne Dich!
Besonnter Morgen bricht aus deinen Augen, hell und königlich.
Nahst du dich:
Es schweigt der Föhn, die Himmel brechen auf, Getier und Berge
beugen sich.
Tu ab das bauschige Kleid
Der glatten Geste Eitelkeit!
Feindschaft sei ausgelöscht -- Güte entflamme dich!
Von Scham des Mordens halte ewig deine Wange rein!
In deinen unvergleichlichen, göttlichen Zügen
Laß den Schnee deiner Kindheit, laß die wirbelnde Erde beseligt
liegen!
Trost und Hilfe fließe deine Stimme, Bruderstimme, bis zum letzten
Lampenschein!
Halte Würde, halte Schöne:
Siehe, Glück, das du entfachst,
Wenn du schlummerst, wenn du wachst --
Durch deines Daseins hingegossenes Licht --
Trägt dich steil in Gipfelhöhe, Menschenangesicht!
Daß Tau des Mitleids deinen Scheitel kröne,
Neige dich, neige dich, wehre der Träne nicht!
Und du, du junges, du süßes Gesicht,
Verwahrt in der Loge, von weißen Sonnen magisch umsprüht,
In des Sitzes Tiefe gelehnt zurück:
Schenk' mir noch einmal deinen Siegerblick,
Eh' die Rampe lügenhaft erglüht,
Eh' dieser tanzende Raum mit den schmetternden Farben erlischt.