Ewald. Versteht sich, alles weiß sie. Kommen Sie nur.
Simplizius. Ich soll ein Land erretten? Ich kann mir's gar nicht
anders vorstellen, als daß das Land durch Unruhen zerrissen ist,
und ich muß's zusammenflicken. Oder sie fürchten sich, daß das Land
erfriert, und ich muß ihm einen Pauvre machen. Und auf einer Wolken
sitzen wir, da fallen wir ja durch.
Ewald. Bewahre, sorgen Sie sich nicht.
Simplizius. Nun Sie, wenn wir heut durchfalleten, das wär' weiter
keine Schand'. Mir ist jetzt schon, als wenn ich aus den Wolken
g'fallen wär'.
Ewald. Ich steh' Ihnen für alles.
Simplizius. O, Sie sind ein gutes Haus. Was haben S' denn da für
eine vergoßne Kerzen?
Ewald. Das ist eben unsere Wunderfackel. Was ich durch sie
bestrahlt wissen will, erscheint nach meinem Wunsche in der
herrlichsten Gestalt, und rosiger Nebel wird das Auge eines jeden
lieblich täuschen.
Simplizius. Was sie jetzt alles erfinden, um die Leut' hinters
Licht z' führen, das geht über alles. Na wegen meiner, ich bin
dabei, ich sitz' doch lieber auf einer Wolken als im Arrest. Also
gehn wir. (Sieht durchs Fenster.) Ums Himmels willen, dort kommt
der Weinhandler, und zwei Schutzgeister hat er bei ihm, mit
klafterlange Spieß'.
Ewald. Fatale Sache, was beginn' ich jetzt?
Simplizius. Monsieur Ewald, mir fallt aus Angst etwas ein.
Probieren wir die Fackel, richten wir das Zimmer prächtig ein,
tapezieren wir's aus. Vielleicht bekommt der Weinhandler einen
Respekt und glaubt, er kriegt sein Geld. Warten Sie, ich sperr' die
Tür indessen zu, daß er nicht gleich herein kann. (Tut es.) Wenn er
nur unterdessen abführ'. bis wir ihm ganz abfahren.
Ewald. Kein übler Gedanke, das geht nicht so leicht, er wird fragen,
wo wir die schönen Möbel her haben. Dann wird ihm die Fackel
auffallen. Still!
Riegelsam (klopft von außen). Nur aufgemacht. Ich weiß, daß Er zu
Hause ist.
Simplizius. Gleich, gleich. (Heimlich.) Was tun wir denn?
Ewald (ebenso). Geben Sie mich für einen Engländer aus, dem die
Möbel gehören, und der für Sie zahlen will.
Riegelsam. Ich schlag' die Tür ein, wenn Er nicht aufmacht.
Simplizius. Richtig, fangen Sie nur zum möblieren an. (Ruft.) Nur
warten.
Riegelsam. Warten? Du verdammter Bursch', wart' du auf meinen Stock,
wenn ich hineinkomm'.
(Ewald hat indessen die Fackel geschwungen, die sich selbst
entzündet.)
(Musik.)
Auf einen Schlag verwandelt sich das schmutzige Zimmer in ein
herrlich gemaltes und reich möbliertes. Grosse Gemälde mit goldenen
Rahmen, nebst einer schönen Wanduhr präsentieren sich. So
verwandeln sich auch die Türen, das Fenster, Tisch und Stühle. Das
ganze zeigt sich jedoch im bleichen Rosenlichte
Simplizius. Mich trifft der Schlag, das wird doch ein schöner
Betrug sein. Ich glücklicher Mensch, das g'hört alles nicht mein.
Ewald (steckt die Fackel an die Wand, wo der Schreibtisch steht,
setzt sich schnell und stützt das Haupt auf die Hand). Nun öffnen
Sie, sagen Sie, ich dichte und wollte ungestört bleiben, und Sie
hätten geschlafen.
Riegelsam. Brecht das Schloß auf. (Sie schlagen an die Tür,
Simplizius öffnet.)
Simplizius. Ist schon offen.
Sechzehnte Szene.
Vorige. Riegelsam (ein sehr dickleibiger Mann von heftigem
Temperament).
Riegelsam (noch in der Tür). Aufmachen kann er nicht, aber Schulden
machen kann er. Wart', du verdammt--(er tritt herein, zwei
Gerichtsdiener halten an der Tür Wache, Riegelsam steht erstarrt.)
Was ist das für eine maliziöse Pracht? Ich erstaune. Wem gehört das
Amöblement?
Ewald (rasch aufspringend). Mir!
Riegelsam. Ihnen? Ah, allen Respekt.
Ewald. Also schließen Sie Ihren Mund. (Setzt sich nieder und
schreibt fort.)
Riegelsam.. Was Mund schließen? Um fünfhundert Taler kann man den
Mund gar nicht weit genug aufmachen.
Simplizius. Wenn er nur die Mundsperr' bekäm', daß er ihn gar nicht
mehr zubrächt'.
Riegelsam. Nichts wird g'schlossen, als der--(auf Simplizius
deutend) der wird g'schlossen--kreuzweis'. Wie steht's,
liederlicher Patron, wird gezahlt oder nicht?
Simplizius. Ja, es wird gezahlt.
Riegelsam. Wer zahlt?
Simplizius. Ich nicht.