[Illustration: Abbildung 73.
Stumpf einer Dattelpalme mit Borke von einem Relief aus Sakkara; Dyn.
19. Zeit Ramses' II. Berl. Mus. No. 12412. Ausführl. Verzeichniss
S. 153.]
Die Palmensäule, von der wir im alten Reiche nur eine zweifelhafte
Spur[81] nachweisen können, scheint im mittleren schon sehr beliebt
gewesen zu sein. Ausser dem klassischen aus Berscheh stammenden
Beispiele aus dieser Zeit (Abb. 74) haben sich in Kahun[82] mehrere
Kapitellreste in verschiedenen Grössen gefunden, eins davon sogar mit
recht gut ausgearbeiteter Fiederung der Palmenwedel. Auch in Benihassan
finden sich Darstellungen dieser Säulenart.[83]
[Illustration: Abbildung 74.
Palmensäule aus Berscheh, Grab 2; m. R.; nach Newberry, el Berscheh, I,
Pl. IV.]
Auch das neue Reich ist nicht gerade arm an Beispielen, die freilich
meist bereits etwas graciöser ausgefallen sind als die älteren. In einem
Grabe zu Gurna sehen wir einen Monolithen sich unter den Händen der
Steinmetze und Polierer zu einer Palmensäule umbilden (Abb. 75). Im
Palaste Amenophis' IV. finden wir sie öfter abgebildet, hier natürlich
wieder mit den obligaten flatternden Bändern[84], mit äusserst schlanken
Kapitellen[85], aber auch mit der bei Palmensäulen eigentlich
ungehörigen Schwellung.[86] Reste von den Originalen dieser eben
erwähnten Abbildungen haben sich bei den PETRIE'schen Ausgrabungen im
Palaste zu Tell-Amarna gefunden, und wir können aus diesen allerdings
nur geringen Ueberbleibseln[87] einen Schluss auf die Pracht der
Ausführung dieser Säulen machen. Die Fiedern der Palmenwedel waren mit
grünen, rothen und blauen Pasten incrustirt, der dazwischen stehen
gebliebene Kalkstein vielleicht vergoldet. Die Reconstruction in
PETRIE's Tell el Amarna, Taf. VI, giebt davon ein schwaches Bild, das
die Schönheit der Linien und den Glanz des Materials dieser Säulen ahnen
lässt. Den eleganten Palmensäulen von Tell-Amarna stehen jedoch wieder
andere aus derselben Zeit oder doch nur wenig später entgegen, welche
wieder fast so gedrungen sind wie die des mittleren Reiches. Es sind
dies Säulen aus Soleb (Abb. 76) und Sesebi.[88]
[Illustration: Abbildung 75.
Palmensäule in Bearbeitung;