Es wird am besten seyn, wenn ich Dich zuerst mit mir hineinf

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Anmerkungen zur Transkription.

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Die Schreibweise und Interpunktion

des Originaltextes wurden übernommen; offensichtliche Druckfehler sind

stillschweigend korrigiert worden.

Worte in Antiqua sind so +gekennzeichnet+; gesperrte so: ~gesperrt~

und =fett gedruckte= so.

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=~Reise~=

in das

~Morgenland~

in den Jahren 1836 und 1837

von

+Dr.+ Gotthilf Heinrich von Schubert.

Zweiter Band.

Erlangen, =1839=

~bei J. J. Palm und Ernst Enke.~

~Reise~

in das

=Morgenland=

in den Jahren 1836 und 1837.

Zweiter Band.

Erlangen,

gedruckt bei C. H. Kunstmann

Vorrede.

Ich kann mich freilich, bei dem verspäteten Erscheinen des zweiten

Bandes dieser Reise in das Morgenland nicht auf das alte Sprichwort

berufen: »was lang währt das wird gut,« wohl aber auf die Nachsicht

jener Leser, welche es wissen, daß auch die liebste schriftstellerische

Arbeit den Werken unsres näheren, erdbürgerlichen Berufes nachstehen

müsse. Den dritten (letzten) Band hoffe ich im Verlaufe des eben

beginnenden Sommers zu vollenden. Möge derselbe zu einer Sommerfrucht

gedeihen, der man die Wärme anmerken könne, durch die sie getrieben und

gezeitigt wurde. Denn vor allem dieser dritte Band sollte es dem Leser

in dem Heimathlande des pilgerlichen Sehnens: in Palästina, welches der

zweite Band nur erst betrat, recht heimathlich werden lassen.

Eben jener letzte Band wird auch durch eine kleine Landcharte den

ganzen Weg der Reise anschaulicher machen und überdieß mit einem

Plan von Jerusalem ausgestattet werden, der zum Verständniß der

Beschreibungen des zweiten Bandes fast unentbehrlich ist.

Der Inhalt meiner Reiseberichte von Aegypten an bis nach Jerusalem

hielt sich öfters an die Hand eines treuen, guten Führers, an ~K.

von Raumers Palästina~ (zweite Auflage 1838). Auch der Inhalt der

weiteren Berichte über Palästina, im dritten Bande wird dieses thun und

hoffentlich auf die Specialcharte desselben Verfassers sich beziehen

dürfen, deren öffentliches Erscheinen nicht mehr lange anstehen kann.

München am 27sten April 1839.

~Der Verf.~

Inhalt des zweiten Bandes.

=I. Der Aufenthalt in Aegypten S. 1-228.=

Ueberblick S. 1-2.

~Briefe aus Kairo.~

~Erster Brief~ S. 3-25. Rückerinnerungen S. 3, 4; Einzug in Kairo

S. 5; Unsre Wohnung S. 6, 7; Nächtliches Wachen S. 8; Gesang der

Wächter auf den Minares S. 9, 10; ein Langschläfer S. 11; Das Reiten

auf Eseln S. 12, 13; Handel und Wandel S. 14, 15; die Kameltreiber S.

16; Arabisches Frühstück S. 16, 17; Geschäftigkeit der Morgenstunden

S. 18; Vorsorge für den Magen zur Zeit des Ramadan S. 19-22; Nacht des

Rathschlusses S. 23; Kontrast des Türkischen Ramadans mit dem strengen

Fasten der Kopten S. 23, 24.

~Zweiter Brief~ S. 25-68. Die Kahirinischen Frauen S. 25-28;

Lehre des Islams über die Seele der Frauen S. 29, 30; Bauart der

Häußer und ihre innre Ausstattung S. 31-34; Abschiebung der Frauen

S. 35; Erziehung der Tochter S. 36, 37; Heirathsverhandlungen und

Hochzeitsgebräuche S. 37-42; Loos der Neuvermählten 43; Ehescheidungen

44; Festlichkeiten und Gebräuche bei der Geburt der Kinder 45-47;

Fest der Beschneidung 48-50; Kochkunst der Kahirinerinnen S. 51, 52;

Gebräuche beim Essen 53, 54; äußerliche Beschäftigungen des Harems S.

55; innerliche, mit allerhand Phantasiegebilden des Aberglaubens 56;

Der Glaube an Genien 57-60; Furcht vor dem misgünstigen Auge 61; die

Aegyptischen Zauberer 62-66. -- Eltern- und Kinderliebe 67; Begräbniß

eines Hündleins 68.

~Dritter Brief~ S. 69-132. Innre Gestalt von Kairo 69, 70;

Abschließung der einzelnen Stadtquartiere und nächtliche Wachen 71;

Zahl der Einwohner 72; Gewerbfleiß 73. Der Sklavenmarkt 74, 75. Die

Kinderschulen und ihre Lehrer 76-78; der kluge Schulmeister 79, 80. --

Briefpost der Hadschis 81. Ausrufsarten der Waaren 82, 83; der Popanz

Mustapha Kaschif 83. Silenische Begeisterung 84; das Tollhaus 85; die

hiesigen Moscheen 85; Bettler 86; die Asharmoschee und ihre Hochschule

87; die Blinden 88; Zutritt der Fremden zu den Moscheen 89; kirchliche

Gebräuche der Mohamedaner 90-94. Beschreibung der Citadelle und die

Aussicht die ihre hohe Lage gewährt 94-99; der Josephsbrunnen 100;

Audienz bei Mehemed Ali 101-108. Beschreibung des Bairamfestes, seiner

Hoffeierlichkeiten und Volksbelustigungen 109-113; Klopffechter und

Tänzer 114; Aegyptische Musik 115; Schlangenbeschwörer und Possenreiser

116; Taschenspieler und Zigeuner 117; abgerichtete Thiere 118;

Romanzenerzähler 119-123. Besuch der Gräber am Bairamfeste 123, 124.

Blick auf die Lehren und Gebräuche des Islams in Beziehung auf den

Tod 124; das Sterbebett 125; die Klageweiber und Gebetsprecher 126;

Leichenbestattung 127; Todtengericht 128, 129; Bau der Gräber 129; der

Todtenlehrer 130; Tänze am Grabe 131. Die Gräberstadt der Großen 131.

Schlußbemerkung 132.

~Vierter Brief~ S. 132-172. Nächste Umgegend von Kairo 132, 133.

Der Nilstrom 134-136; sein Einfluß auf die klimatische Beschaffenheit

des Landes 137; die Zeit des Chamsims und der Pest 138; die Nacht

des Tropfens 138; Anschwellen des Stromes und Gebräuche dabei

139-142; Festlichkeiten beim Durchstechen des Dammes 142, 143; der

Jahreslauf durch den Nil geregelt 144. -- Die Kopten. Ihre kirchlichen

Gebräuche 145, 146; ihre Zahl und innre wie äußere Stellung 147-150.

Altkairo. Die Amramoschee 151; Bauernhütten 152; die Insel Ruda 153.

Familienbegräbniß des Vizeköniges 154. Der Mokkatamberg 155-158; der

Garten zu Schubra 159, 160. Ausflug nach Heliopolis; ein Soldatenlager

am Bairamfeste 161, 162; der Weg nach Abusabel und Heliopolis 163,

164. Abusabel und seine Anstalten 165; der Obelisk von Heliopolis 166;

Rückblicke auf die alte Geschichte des Ortes 167-170. Matarieh und

seine Legende 171, 172.

~Fünfter Brief~ S. 172-208. Der Markt bei Fostat 173; das blühende

Nilfeld 174, 175; der liegende Koloß 176; Erinnerungen an den Tempel

und Dienst des Phtha 177, und des Apis 178, 179; Rückblicke auf

Vergangenes 180. Sakkara und sein freundliches Obdach 181. Pyramiden

von Daschur und Sakkara 182; Grabeskammern der alten Aegypter und

ihr Inhalt 183-185; das Landvolk der Umgegend 187, 188; vormalige

Grausamkeiten der Landrichter 189. Der Abend in Sakkara 190. Das

Mumienfeld der Vögel und andrer heiligen Thiere 191, 192; Pyramiden von

Abusir 193; der Sphinx des Thotmes 194. Die Pyramide des Saophis oder

Cheops 195; Besteigen ihres Gipfels 196, 197; ihres Innren 198, 199;

ihre Raumverhältnisse 200, 201; alte Taglöhnerrechnung 202. Pyramide

des Cephren 203; des Mykerinus, nebst den kleineren Pyramiden 203, 204.

Mumiengräber 205. -- Die Brutöfen in Ghizeh 206; neuere Lotophagen 207.

~Sechster Brief~ S. 208-228. Vorbereitungen zur Weiterreise 208;

unsre Reisegesellschaft durch die Wüste 209, 210; Reisegeräthschaft

211. Gleichzeitige Fortbewegung der Hadschis 212. Geistige Diebereien

und Selbsttäuschungen 213, 214. Pilgertrieb nach Mekka hin 215, 216;

Prozession des Machmils 217; Beschreibung des Auszugs der Pilgrime

218-221; Gefühl des Zuschauers 222. Dankbarer Rückblick auf die Freunde

in Kairo 223. Gobat und seine Gemahlin 223, 224; Dr. Pruner 225; Mrs.

Holyday 226; Clot Bey 227; Laurin 228.

=II. Die Reise durch die Wüste S. 229-364.=

~Reise über Bessatin, Suez und Tor nach dem Sinai~ S. 229-355.

Abschied von Kairo 229, 230; Nachtlager bei Bessatin 231; der erste

Ritt auf dem Kamel 233; beschwerlicher Anfang 234; Eintritt in die

Wüste 235; Beschreibung der Gegend 236; erstes Nachtlager in der

Einöde 237, 238. Allgemeine Schilderung einer Wüstenreise 239-242.

Geschichtliche Erinnerungen 243, 244. Beschreibung der zweiten

Tagreise 245, 246. Ein Verirren in der Wüste; sorgenvolle Nacht in

Ghendely 247-250; vergebliches Suchen nach dem Verirrten 250, 251.

Beschreibung der dritten Tagreise 252; Nachtlager am Oweibe 253;

getäuschte Hoffnung 254; endliches Wiederfinden des Verlorenen 255;

kurze Beschreibung seiner Irrfahrt 256. Anblick des Attakaberges

257, 258; des rothen Meeres 259; Bir Suez 260; Lage der Stadt Suez

261; Nachtlager am reichen Meeresstrand 262, 263. Ein Tag in Suez

264-266; die Welttheilnachbarn 267; Ueberfahrt über die Meerenge

268; Wiederbegrüßen von Asien 269. Der Sonntagmorgen an den Brunnen

Mosis 270-272. Die Wüste Sur 273; Marahs bittrer Quell 274, 275;

Dschebel Pharaun 276; Elim 277; das Taibethal 278; Nachtlager an

seiner Mündung 279. Eine Gebirgsansicht 280; Mündung des Wadi

Nasseb, Höhenzüge des Wadi Mokkateb 281; Nachtlager am Meere 282;

Hinüberblick nach der Aegyptischen Küste 283; die Trümmer gescheiterter

Schiffe 284; die Freuden des Sammlers 285; Nachtlager in der Ebene

Kaa 286, 287; Hammam Musa 288; Ankunft in Tor 289. Beschreibung

des Oertleins 290; der geplagte Garteninspector 291; die Umgegend

von Tor und ihre Naturerzeugnisse 292-294; die Einsiedlerhöhlen am

Heman 295; das Mosesbad 296; naturgeschichtliche Acquisitionen 297,

298; beschwerliches Nachtlager 299. Weiterreise nach dem Fuß des

Serbalgebirges 300; Nachtlager daselbst 301; Reise durch das Engthal

Hebran 302; Gebirgspaß 303; Nachtlager im Thale Slaf 304. Das Garbathal

305; Anblick des nahen Horeb 306.

~Aufenthalt am Sinai~ S. 307-355. Ankunft im Garten und Gebäude

des Katharinenklosters 307, 308. Die Moseskapelle 309; die Klosterveste

309, 310. Der Ruhetag 311. Hinansteigen zum Horeb und Sinai; die

Sangariusquelle 312; Horebgipfel und Eliasgrotte 313, 314; die

Mosiskluft 315; der Sinaigipfel und seine Aussicht 316-322. Sage von

Mohameds Aufenthalt am Sinai 323. Viele Christenkirchen unter einem

Dach und selbst noch eine Moschee dabei 324, 325; die Hauptkirche »der

Verklärung« 325; die Begräbnißstätte und das Beinhaus der Mönche 326,

327. Frühere und jetzige Zahl der Christen auf der Halbinsel 328, 329.

Die Lebensweise der Mönche 330; ihre Geschäftigkeit 331; Reinlichkeit

im Kloster 332; Spaziergang im Klosterthale 333. Wanderung nach dem

Kloster Erbain. Das Bostan- oder Gartenthal 334, 335; das Ledschathal

336; der Moses-Sitz und Moses-Felsen 337; der Garten und das Kloster

Erbain 338; der Garten im Gartenthal 339. Der Sonntagmorgen und das

Gespräch im Garten des Sinai 340-345. -- Ein Schauspiel der Wüste 346;

das Sinaitische Manna 347-349. Ankunft der Kamele für die Weiterreise

350. Bemerkungen über das Klima 351, wie über die Pflanzen 352, 353,

und Thierwelt des Sinai 354. Abschied vom Kloster und seinen Bewohnern

355.

~Die Reise vom Sinai nach dem Berge Hor~ S. 355 bis 486. Das

Scheikhthal 356; Abu Szucir 356; Abschiedsblick auf den Sinai 358;

Wadi Sal 359; der Saum der Wüste Tyh 360; Zugvögelwolken 361; das Thal

Hadhra 362; Wadi Samghi 363, 364. Das Bosseyrathal 365. Anblick des

Ailanitischen Meerbusens 366; Nuäbe 367, 368; Nachtlager vor dem Abu

Burka 369. Magaiat 370, 371; Dschebel Scherafe und Lagerplatz jenseit

demselben 372-375; Sturmesgewalt 376. -- Jezirat Pharaun und Ezeongaber

377-379. Ankunft in Akaba 379; der schmutzige Hofraum 380; Lager und

nächtliches Wachen im Palmenwald am Meere 381; unerwartete Hemmung

382; Wanderung nach Kassr el Bedawy 382, 383; ein Bild des Landes und

seiner Geschichten 384, 385. Beduinen der Umgegend 386; Uebungen in

den Waffen und in der Geduld 387; das Kastell von Akaba 388; seine

Ein- und Umwohner 389. Morgenstunde im Palmenwald 390, 391. Lästige

Unterhandlungen wegen der Weiterreise 391, 392. Aufsicht nach dem

Tyhgebirge 393. Sorgen und Tröstungen 394, 395. Abreise von Akaba 396;

neue Beduinen-Bekanntschaften 397; Reise durch das Thal der Araba 398,

399; Besuch im Beduinendorfe der Araba, bei den Zelten des Scheikh

Salem 400. Festlichkeiten des Korban Bairam 401-403; Erinnerungen an

den Zug der Israëliten durch diese Gegenden 404, 405. Die nächste

Umgegend und das Dorf 406; gesellige Unterhaltungen 407. Weiterreise;

ein Orkan in der Wüste 408-410. Der Palmensonntag in der Wüste 411;

blinder Lärmen 412; Anblick des Hor 413; Lagerplatz an der Mündung des

Wadi Musa 414; Arabischer Gewitterregen 415; Wandrung durch Wadi Musa

416-418. Der Gipfel des Hor 419, 420. Besuch bei Aarons Grabe 421-423;

Aussicht vom Hor 424. Hinabweg nach Petra und erster Eindruck desselben

425-428; Beschreibung dieser Gräber- und Felsenstadt 429-432. Das

Obdach der Grabeshöhlen 433; Erquickung am frischen Wasser 434; eiliger

Aufbruch 435; Mondscheinscene 436.

~Reise durch das Ghor nach Palästina~ S. 436-445. Früher Ausmarsch

436; Erwartung eines feindlichen Angriffes 437, 438; Streitigkeiten in

der Karawane 439. Das alte Jordansbette? 440, 441; der Brunnen Wuäbe

441; der prophetische Stein 442; das Wüstenthal Birsaba 443; die Gegend

des alten Kades 444; Nachtlager am Madara 445.

=III. Die ersten zwölf Tage in Palästina S. 446-591.=

~Reise durch die Wüste von Süd-Judäa nach Hebron~ 446-462. Der

grüne Donnerstags-Morgen 446; beschwerlicher Gebirgsweg 447; der

Madaragipfel 448; Kalla el Kurnup 449. Der erste Abend im gelobten

Lande 450, 451. Der stille Freitag 452; Bir Milh oder Meleth

452; vermuthliche Stätte von Malatha 454; Dschebel Chalil 455;

Naturerzeugnisse 456; Ruinen von Araad 457; Nachtlager bei Samua 458,

459; Thäler von vaterländischer Form 460; Anblick von Hebron 461.

~Hebron~ S. 462-484. Alter der Stadt 462, 463; gastliche Aufnahme

bei den deutschen Israëliten 464, 465. Der Ostervorabend 466, 467;

Ostermorgen 468, 469; Blick auf die vormalige St. Abrahamskirche

470-473; Türkische Sagen 474; Glasfabriken 475, 476. Abners Grab

477; Pistaziengarten 478; Abrahams Brunnen und Jesses Grab 479, 480.

Der zweite Ostertag auf Hebrons Bergen 481-484. Die letzte Nacht vor

Jerusalem 484; der Morgen der Abreise 485.

~Reise von Hebron nach Jerusalem~ S. 486-499. Abrahams sogenanntes

Haus bei Mamre 486; Nathans Grab 487; die Stätte von Bethsur 488;

Weiterreise zu Fuße 489; Salomons Gärten 490; Aussicht auf das Feld der

Hirten 491. Der erste Besuch in Bethlehem und seiner heiligen Grotte

491-494; beflügelte Schritte 495; Fernanblick von Jerusalem 496; das

Ziel der Reise 497; Eingehen in das Thor von Jerusalem; freundlicher

Empfang im Lateinischen Kloster 498; Einzug in das neue Pilgerhaus oder

die +Casa nuova+ 499.

~Die erste Woche in Jerusalem~ S. 499-591. Der erste Morgen auf

dem Dache des Pilgerhaußes 499, 500; das Geräusch der Gassen 501,

502; Vorplatz vor der h. Grabeskirche 502; historische Bemerkungen

über die Oertlichkeit des heiligen Grabes und Golgathas 503-507; der

erste Besuch und die Prozession in der h. Grabeskirche 508-512. Ein

Jubelchor der christlich-festlichen Erinnerungen in Jerusalem 512-514.

Der Schmerzensweg (die +via dolorosa+) 514-516. Anna's Haus

und der Teich Bethesda 516, 517. Gethsemane 517-518; die Höhen des

Oelberges mit der Auffahrtskirche 519, 521. Geistige und leibliche

Aussicht vom Oelberg 521, 522. Pilgerliche Erinnerungszeichen 523; das

Thal Josaphat mit seinen Grabmählern und prophetischen Andeutungen

523-525; erster Vorübergang an der Südseite der Stadt 526; Besuch im

Griechischen Kloster 527; die Aussicht vom Schutthügel bei Anna's Hauße

528. Ein Grab der Gräber 529; der Geruch zum Leben und zum Tode 530.

Betrachtung des äußren Umfanges der Stadt 531 u. f. Das Pisanerkastell

oder der Thurm Hippikus 532; die jetzigen Mauern von Jerusalem 533,

534; der Lauf der alten vormaligen Mauern im Norden um die Vorstadt

Bezetha 535. Rückblick auf die Belagerung und Eroberung der Stadt durch

die Kreuzfahrer 536-539; Gründe der Vergänglichkeit des christlichen

Herrscherreiches 540, 541; Ostseite der Stadt 541-544; Südseite des

Stadtumfanges; Tyropöonthal 545; Stätte von Herodes Pallast 546;

Westseite des Stadtumfanges 547; Genauere Beschreibung des Innren der

h. Grabeskirche 548-552; die Hüter des Grabes und der andere heiligen

Stätten 553. Bemerkungen über die Israëliten in Jerusalem 554-556; Alt-

und neugläubiges Judenthum 557, 558. Besuch im Armenischen Kloster

559-561; das Coenaculum 562-564; die Grotte des Petrus 565. Der

Sonnabend Abend am Oelberge 565-567. Der Sonntagsmorgen in Jerusalem

und Bethanien 565-572; Siloah und sein Quell 573; die unterirdischen

Wasserbehältnisse von Jerusalem 574-576. Der Sonntagsabend im Thal

Ben Hinnoms 577. Ausflug nach der nördlichen Umgegend von Jerusalem

577; die Stätte von Bezetha und dem Thurm Psephinus 578; Besuch und

Beschreibung der Königsgräber 579, 580; Gräber des Sanhedriums 580; die

Stätte von Gibea Saul; Bozez und Senne? 581-583. Mislungener Versuch

auf den Vorhof der Omarmoschee vorzudringen 583, 584. Petri Gefängniß

584; Kloster der Kopten, das Johanniterhospital, Armenhaus der Lateiner

585; Pilgerherberge, Hospital und Armenküche der Kaiserin Helena 585,

586; die Magdalenenkapelle, St. Johanneskirche, Grotte des Jeremias

587; alte Steinbrüche; Ort der Begegnung Alexanders des Großen mit

dem Hohenpriester Jaddus 588. Erzählungen vom letzten Aufstand gegen

Ibrahim Pascha 589. Gedanken, am Schlusse der ersten Woche in Jerusalem

589-591.

I. Der Aufenthalt in Aegypten.

Das was der Beschreiber dieser Reise von Aegypten sahe und genauer

kennen lernte, das war nur ein einzelner Abschnitt des Nilthales; dem

Rauminhalte nach ein geringer, der Kraft und Bedeutung nach aber von

hohem Werthe. Denn jener Landstrich, welchen die Höhen des Mokkatam

beherrschen, umfasset von dem alten Aegypten nicht nur ein Altes,

sondern das Aelteste; von dem neuen nicht nur ein Neues, sondern das

Neueste. Die mächtigen Pyramiden bei Ghizeh geben uns eine Kunde, von

welcher die Kunde der ältesten bis zu uns gelangten Geschichte des

Landes und seiner Bewohner nur eine Urenkelin ist; eine Urenkelin,

die den Nachhall von den Thaten der Ahnen nur noch aus weiter Ferne,

wie eine Stimme der Gräber vernahm. Die hehren Werke der Kunst, bei

dem einst hochgebietenden Theben sind der tiefste, mächtigste Umfang

eines Stammes, welcher den Wuchs seiner Aeste und Zweige vormals

über Griechenland und Rom ausdehnte und noch jetzt über die Länder

von Europa fortsetzet; dagegen raget das vielleicht um ein halbes

Hundert der Menschenalter frühere Werk der Pyramiden einsam und ohne

Erben seiner Kraft, wie aus einer Zeit der Titanen herüber, auf deren

hochfahrende Rede nur der Donner des Sinai antwortet, welcher sich am

Hor und Nebo zu einem Ruf der Wächter, mächtig wie das Brausen der

Sturmwinde gestaltet, bei Zions Burg aber und über der Höhe des Morijah

in einen Ton der Posaune, über Bethlehems Felde und auf Nazareths

Auen in den lieblichen Klang der Asore wie der Flöte verwandelt. Der

Pilgrim, welcher den Weg der alten Thaten Gottes über die Länder eines

geistigen Aufganges verfolgen will, der weile zuerst, ehe er auf

die Stimme der Donner vom Sinai aufhorchet, am Fuße der Pyramiden;

nachsinnend über das Räthsel, das hier der Sphinx ihm aufgiebt; jener,

dessen Auge geöffnet ist für den Weg der neuen Thaten, zu denen die

Geschichte des Ostens so eben sich rüstet, der weile betrachtend an dem

Felde der Lebenskeime, welches sich hier in Cairo über die Haufen des

alten Schuttes hinbreitet; er merke auf das Rauschen der Todtengebeine,

welches sich mitten in dem jetztlebenden Volke der Hauptstadt des

Morgenlandes vernehmen lasset.

Der Beschreiber dieser Reise, deren eigentlicher Anfang bei Kairo erst

beginnt, möchte seine Leser gerne zu beiden Betrachtungen: zu jener

des noch fortwährend durch sichtbare Werke uns redenden ältesten und

zu der des neuesten Aegyptens mit sich nehmen. Denn wie Kairo ein

Sammelplatz der Pilgrime die nach Mekka ziehen, so sollen uns jene

Betrachtungen ein Sammelpunkt der Gedanken werden, welche den Fußtapfen

der größesten Geschichten nachgehen wollen die der Geist des Menschen

kennt. Ich knüpfe den Faden der Berichte an das Nächste an und führe

meine Mitwanderer zuerst in das Volksgedränge der großen Hauptstadt

ein, indem ich hierbei zum Theil einige Briefe aus Kairo in der Sprache

der unmittelbaren Anschauung reden lasse.

Briefe aus Kairo.

Erster Brief.

=Anfang des Taglaufes.=

Kairo am 21. Januar 1837.

Mein langer Brief an Dich aus Symi und Alexandria, meine liebe, einzige

Schwester, schwimmt vielleicht mit dem Oesterreichischen Schiffe, das

ihn zur Besorgung übernahm noch auf dem Adriatischen Meere herum, und

doch kann ich dem Drange nicht widerstehen schon jetzt wieder einen

Brief an Dich anzufangen. Mehr als seit langer Zeit habe ich hier im

Geiste mit dir gelebt; Dein Andenken hat mich begleitet auf meinen

Wanderungen durch die Herrscherstadt der alten Kalifen und durch die

noch immer fortbestehenden Erinnerungszeichen an die Sagenwelt und

Heldenzeit des Reiches der Fatimiden und Eyubiten. Und wie hätte dies

anders seyn können, Du liebe Schwester! Warst Du es doch, die mich

zuerst in das helle Mondscheinlicht jener tausend und einen Nächte

einführte, wo über dem Thau der Arabischen Gewürzgärten, welcher

gleich Demanten funkelt, ein Reich der Genien hinschwebt, das in die

Geschichte und Thaten der Menschen allenthalben seine Wunderkräfte

einmischet; in jenes Mondscheinlicht der morgenländischen Dichtungen,

das mit den Träumen und Vorstellungen der Kindheit in so lieblichem

Einklange stehet.

Du wirst Dich noch erinnern, wie ich, als kleiner Knabe, im

unvergeßlichen Elternhause öfters kaum die Stunde der Abenddämmerung

erwarten konnte, in welcher Du, meine nur um sieben Jahre ältere aber

schon mehr als siebenmal klügere Schwester mich hinwegruftest vom

Spiele, um mir, wie Du mirs öfters schon am Morgen versprechen mußtest,

etwas zu erzählen. Das was Du, Du älteste Lehrerin meiner Kindheit,

damals in meine Seele einpflanztest, das war freilich zunächst und vor

allem jener Grundton des elterlichen Hauses, der wie ein Lied, welches

von ewigem Frieden singt, mich auf allen meinen Wanderungen durch die

bunte Welt des Wissens und der Erfahrungen begleitet hat und auch

wohl bis ans Grab begleiten wird, aber Du verstundest es gar gut das

geistig Nährende und Starke mit jenem Lieblichen zu vermischen, das

meinen leichtzerstreuten Sinn, wie der Honig die Biene, zum besseren

Aufmerken herbeilockte; Mährchen, wie späterhin Grimm und Hebel sie

erzählten, ergötzten mich oft. Unter allen aber, was Du mir als

Nachtisch vorsetztest waren mir orientalische Reisegeschichten so wie

die Dichtungen im Geiste von tausend und einer Nacht das Anziehendste

und Liebste. Ich konnte nicht satt werden diese zu hören, und wenn

es meinem kindischen Verlangen nach gegangen wäre, ich hätte zu der

Geschichte der einen Nacht auch sogleich die der andren tausend

vernehmen mögen.

Ich weiß nicht mehr welche Deiner Erzählungen oder Reisegeschichten

mich damals so lebendig nach Aegypten, zu Saladins Burg und zu Kairos

zinnenreichen Mauern führte, der Eindruck muß aber ein sehr fester

gewesen seyn, denn bei dem ersten Anblick der hohen Granitsäulen von

Saladins Königshallen, bei dem Hinabschauen auf die (sogenannte)

Gräberstadt der Kalifen, waren es nicht die Züge der Geschichte aus

den Büchern die ich als Jüngling und als Mann gelesen, sondern jene,

die Dein lebendiges Wort durch kindliche Erzählungen meiner Seele

einprägte, welche mir das Gesehene in einem so all und wohlbekanntem

Lichte erscheinen ließen als hätte ich schon als Kind hier unter

den hohen Granitsäulen gespielt und bei den hohen Domgebäuden der

Mameluckenkönige mich ergangen. Es ist nun Zeit, daß ich auch Dir

für Deine Gaben etwas wiedergebe, und daß ich vor allem ~Dir~

etwas erzähle aus der mir nun ganz nahe gerückten Welt die Du mir

einst in dem magischen Spiegel Deiner Mährlein und Geschichten mit so

zauberischem Glanze zeigtest.

Es wird am besten seyn, wenn ich Dich zuerst mit mir hineinführe in den

schönen Ruhesitz, den ich hier im Fremdlingslande gefunden habe und

dann Dich mit mir nehme auf ein und die andere der Tagwanderungen durch

die große, neue wie alte Herrscherstadt des reichen Aegyptens.

Da wir, vor etlichen Wochen, hereinzogen zum Thore von El Esbekieh,

vorüber an dem nun vereinsamten Pallast des verstorbenen Defterdars,

durch die Alleen der Sykomoren, welche den jetzt trocken liegenden

Teich von El Esbekieh beschatten; da wir hineintraten durch das

kleine Pförtlein, in die engen, dunklen Gäßchen des Koptenquartieres,

in welchem unsere künftige Wohnung seyn sollte, da hätte ich kaum

gedacht, daß es mir hier so überaus wohl und heimathlich zu Muthe

werden könnte, als mir es gleich von dem ersten Tage an geworden ist.

Aber wem möchte es auch nicht wohl werden in einem Hause, das mit den

meisten Bequemlichkeiten des heimathlichen Europa's die Vorzüge eines

Aegyptischen Obdaches vereint, und vor dessen Thüre uns schon die Liebe

und Gastfreundschaft seines Bewohners, unsers theuren Landsmannes

~Lieder~ empfieng, der uns bei seinem Herde das Vaterland, mit all

seinen geistigen und leiblichen Erquickungen finden ließ.

Das Haus, welches wir hier bewohnen, hat ein Engländer erbauen

lassen, und noch jetzt gehört es den Engländern, welche in ihm eine

wohleingerichtete Knabenschule und ein Schullehrerseminar unterhalten.

Mir und meiner lieben Hausfrau hat die Güte der Freunde das schönste,

größeste Zimmer, in einem Flügel des Gebäudes eingeräumt, der an den

geräumigen Hof und Garten angränzt; wenn wir zu unsern Fenstern, die

an Höhe, weil sie nahe vom Boden bis zur Decke hinanreichen, manchen

deutschen Kirchenfenstern gleichen, hinausschauen, da sehen wir vor uns

einige hohe, schlanke Dattelpalmen, unter uns den Garten, in welchem

blühende Mimosenbäume und eine Fülle der Blumen und Rankengewächse

ihren Duft verbreiten und eine Schaar von Lachtäublein ihre Stimme

vernehmen lässet, welche hier mitten in der Zeit unsers Winters, schon

von den Freuden und Herrlichkeiten des Frühlings redet. Aber ich führe

Dich lieber zuerst zu dem schönsten Theile unserer Wohnung; durch den

großen Vorsaal hindurch und hinan zu dem platten Dache des Hauses, auf

welchem ich gar manche liebe Stunde zugebracht habe. Die Aussicht,

die man da genießt, ist an eigenthümlicher Kraft des Eindruckes

schwerlich wohl mit irgend einer andern auf Erden zu vergleichen; dort,

fast im Westen, sieht man die alten Denksteine einer übermächtigen

Vorwelt, die großen Pyramiden von Ghizeh; sie stehen am Saume der

gelblichgrauen Wüste, deren Ende das Auge nicht abreichet; nahe bei

ihren Füßen breitet sich aber gegen Süden und noch mehr gegen Norden

das gesegnete Nilthal aus, mit seinen grünenden Auen und reichen

Palmenwäldern; gegen Osten pranget am Rande des Mokkatamberges die

Burg des Saladin -- die Herrscherveste der Stadt und zu ihren Füßen

liegt die große Stadt mit ihren dem Auge des Fremdlinges unzählbar

erscheinenden Thürmen und Mauerzinnen. Am Morgen, und in der späteren

Nachmittagszeit habe ich hier auf diesem Dache öfters im Strahle der

Sonne gestanden und gesessen, der mir dann nur lieblich wärmend, wie

bei uns im Frühling erschien; in den mittleren Stunden des Tages aber

war selbst im Januar die Hitze so groß, daß ich mein Schreibtischlein

sammt dem Stuhle in den Schatten eines Dachansatzes stellte, dessen

Einrichtung und Bestimmung für uns Nordländer freilich etwas Neues und

Ungewohntes sind. Ich meine den Molkof oder Windfang, dessen weite

Oeffnung so gestellt ist, daß sich die Nord- und Nordwestwinde, die

hier zu Lande eine öftere Erquickung der heißesten Monate sind, unter

seiner schräge aufstehenden Bretterdecke fangen und ihren kühlenden

Hauch hinab in alle Theile des Hauses ergießen müssen. Einer Frau,

wie Dir, ist es erlaubt von unsrem hohen Dache hinabzublicken auf die

niedrigeren Dächer, sonderbaren Vorbaue und Höfe der Nachbarhäuser und

die Beschäftigungen der Frauen zu betrachten; ich als Mann habe mich

hierinnen den Sitten des Landes bequemt und mein Auge lieber an der

Aussicht in die reiche Ferne, als an dem Beschauen der armseligen Nähe

geweidet.

Ich muß Dich aber doch, damit Du recht einheimisch bei uns wirst,

wieder von der hehren Aussicht des Daches hinunterführen in die

beengtere unsers Zimmers und Dich von dort aus mit mir nehmen in unser

tägliches Treiben und Herumwandern. Ich fange dabei, recht hübsch

breit, mit dem Bericht sogar über unsere hiesigen Morgenstunden -- die

köstlichsten des Tages -- an.

Ich weiß nicht woher es kommt, daß ich hier in Kairo, auf unserm so

bequemen und zur Ruhe einladenden Lager immer so frühe aufwache. Und

doch kann ich nicht sagen, daß mir dieses Wachsein in der stillen

ägyptischen Finsterniß lästig wäre. Es giebt so Vieles zu besinnen,

von Gestern herüber auf das Heute; die Gedanken haben so manche

Wege zu machen in die Höhe und Tiefe, in die liebe Ferne und in die

bedeutungsvolle Nähe, daß mir die Zeit keinesweges lang wird. Dazu

hat, wenn auch das Auge nichts sieht, in der dunklen Nacht das Ohr

eine Unterhaltung und Belustigung, an welcher ich mich fast täglich

von neuem freue. Noch lange vorher ehe der Morgenwind in den Zweigen

der nahe an unserm Fenster stehenden Palme rauscht, höre ich den

wohltönenden Gesang der Mueddins auf den Madnehs oder Minares der

Moscheen. Mich dünkt ich habe diese Leute nirgends auf unsrer Reise

so schön singen hören als hier in Kairo. Wenn man, etwa am Tage, nahe

bei einem solchen Madneh stehend den Gesang vernimmt, dann erscheinen

die vollen, kräftigen Töne der Kinder der Wüste unserm Ohre fast zu

laut; so aber, aus einiger Ferne erklingen sie überaus lieblich. Durch

einen Sprach- und landeskundigen Mann wurde auch mir der Inhalt der

nächtlichen Gesänge jener »Wächter auf der Zinne« in einer Uebersetzung

mitgetheilt und ich gebe Dir hier einige Stellen dieser Uebersetzung,

welche Dir zeigen werden, daß der Geist des Sehnens nach Gott auch den

Kindern Ismaëls Worte der Andacht in den Mund legte, die das Herz des

Christen gern nachsprechen mag.

Auf den Madnehs der größeren Sultansmoscheen läßt der Gebetausrufer

auch in der Nacht, noch vor dem Rufe zum Morgengebet, zweimal seine

Stimme vernehmen, zum Troste derer, welche wach sind auf ihrem

Lager. Das erste seiner Lieder, das er bald nach Mitternacht singt,

heißt ~Ula~. Es beginnt mit den Eingangsworten des gewöhnlichen

Morgenrufes aller Minares: Gebet ist besser denn schlafen. Dann, nach

dem allgemeinen Glaubensbekenntniß des Islams wiederholt der Mueddin

noch dreimal den Ruf: es ist kein Gott außer Gott, und singt weiter:

»Er hat Keinen der Ihm gleich wäre; Ihm gebührt die Herrschaft, Ihm

gebühret Preis. Er giebt das Leben und sendet den Tod; Er aber lebet

und stirbet nie. In Seiner Hand ist Fülle des Segens, denn er ist

allmächtig. -- Es ist kein Gott außer Gott und wir wollen Keinen

anbeten außer Ihn, dienend Ihm in aufrichtiger Gottesfurcht.« -- --

»O Herr« (+Ja Rubb+, diese Worte werden dreimal mit sehr lauter

Stimme gesungen) »deine Güte hat kein Ende; du bist voll Erbarmen gegen

den Abtrünnigen und beschützest ihn; du bedeckest das Niedrige -- --

lässest deine Milde walten auch über den Knecht und befreiest ihn aus

den Banden seiner Knechtschaft, o du Gütiger. O Herr« (dies wieder

dreimal), meiner Sünden, wenn ich ihrer gedenke, sind viele, aber die

Gnade meines Gottes ist noch mehr. Ich denke nicht an das Gute das ich

gethan, sondern am meisten an die Gnade Gottes. Erhaben sey der Ewige;

Er hat in Seinem weiten Reiche Keinen der Ihm gleich ist[1].

Auch in dem andren Nachtrufe, welcher »Ebed« (der Ewige) heißt, kommen

einige gar schöne Stellen vor. Er beginnt mit dem dreimaligen Absingen

der Worte: Ich bezeuge den unbegrenzten Ruhm Gottes, des Ewigen, des

Einen, Ewigen. -- -- Er ist Gott, welcher weiß was vorhin war, weil er

zum Seyn rief Alles das gewesen; Er aber ist Derselbe der Er war. -- --

Ich verkünde den unbegränzten Ruhm Dessen, der alle Geschöpfe schuf,

sie zählte und ihnen ihren Unterhalt bestimmte; der die Schicksale

seiner Knechte ordnete; der durch seine Macht und Größe es verschaffte

daß reines Wasser floß vom Stein des Felsen. Er sprach mit Moses auf

dem Gebirge, das aus Furcht vor Ihm zu Dampf und Staube ward; gepriesen

sey der Name des Einigen, Alleinigen. -- --

Nach diesem zweiten, ziemlich langen Gesange, den ich öfters in der

Stille der Nacht hörte, folgt wieder eine Pause von länger als einer

Stunde, dann hebt, bei Tagesanbruch von den Minare's aller, auch der

kleineren Moscheen, der eigentliche Frühgesang (Subh) an, welcher nach

dem Eingang: »Beten ist besser als Schlafen« die Größe und Einheit

Gottes bezeuget und zuletzt, als Adan oder Gebetsruf die Gläubigen

ermahnt zu beten und einzukehren in der Sicherheit (Wohnung des

Friedens).

Erst einige Zeit nachdem der Adan verklungen, erhebe ich mich von

meinem Lager, denn ein frühes Aufstehen würde zwar mir, nicht aber

unserm Ibrahim gefallen. Dieser, unser arabischer Knecht, der uns von

Alexandria hieher begleitete, vertritt zugleich mit dem gesammten

Hof- und Hausdienst die Stelle eines Tabakh oder Koches. Aber der

sonst so vortreffliche Mann, ist gegen die Sitte der gemeinen Araber,

von denen man sagt, daß sie gerne früh aufstünden, ein Langschläfer,

dergleichen ich noch Keinen zur Bedienung gehabt habe. So lange wir

auf dem Schiffe waren hielt ich ihn leicht in Ordnung, da schlief er

neben dem Reis oder Bootskapitän vor der Thür unsrer Kajüte, ich rief

dann in meinem notdürftigen Arabisch hinaus »Saheh Ibrahim« (aufwachen,

Ibrahim) und wenn das nicht half, zog ich ihn ein wenig beim Arm, bis

er sich erhub. Hier aber sobald er des Abends sein Essen hat, sagt er

als gute Nacht seine »el wakt rah« es ist spät, und begiebt sich zur

Ruhe, ich weiß selbst nicht in welchem Winkel des vorderen, jenseit des

Hofes gelegenen Hauses. Wenn ich dann am Morgen Wasser haben oder in

der Küche nach dem Frühstück mich umschauen will, da ist kein Ibrahim

zu sehen und zu hören, obgleich man ihm, am Abend, besonders dann,

wenn für den nächsten Tag eine Wanderung in die Umgegend der Stadt

beschlossen ist, mehrmalen die Worte, »gum gawam« (aufstehen balde)

zugerufen hat. Wenn ich mich dann lange mit dem Anzünden der Kohlen,

im irdenen Monckod oder Kochöfchen vergeblich geplagt habe, da kömmt

er, eingehüllt in sein wollenes Tuch geschlichen und sagt statt jeder

Entschuldigung bloß »bard, bard« (kalt, kalt). Bei solcher Gelegenheit

ist mir schon einige Male der Faden der Gedult gerissen und da mein

weniges Arabisch nicht ausreicht um ihn mit Worten zurecht zu weisen,

habe ich ihm, an seinen Schultern rüttelnd, mit den Händen den Text

gelesen; ein Text, zu welchem ich gewöhnlich bald nachher, statt

eines Commentars das Geschenk eines halben oder ganzen Piasters (nach

unserm Gelde ein oder zwei Groschen) fügte, so daß der Pursch mit

der Erklärung immer wohl zufrieden war, ohne sich übrigens den Text

sonderlich zu Herzen zu nehmen.

Die Morgen sind jetzt im Januar, auch in Kairo kühl, wir haben mehrere

Male bei Sonnenaufgang nur 5 Grad R. einmal sogar nur einen Grad Wärme

gehabt; sobald aber die Sonne zu den hohen Fenstern hereinblickt, wird

es so lieblich warm, wie bei uns an einem schönen Maienmorgen. Wenn

ich, wie öfters, am Morgen durch die schattigen Gassen gehe oder reite,

könnte ich wohl den Mantel vertragen, sobald ich aber zum Pförtlein

hinaustrete auf den freien sonnigen Platz von El Esbekieh, wird mir es

selbst in Sommerkleidern warm und in den Mittagsstunden suche ich so

sorgsam den Schatten auf, wie bei uns in den heißen Junitagen.

Ich sprach vorhin vom zu Fuße gehen. Das thue ich wohl auch aus alter

Neigung, übrigens aber muß ich Dir gestehen, daß Dein hochmütiger

Bruder hier in Kairo schon mehr geritten ist und mehr reitet, als

beinahe früher in seinem ganzen Leben. Die Eselein aber auf denen

hier der Mittelstand, zu welchem ich gehöre, und selbst ein Theil der

vornehmen und eleganten Welt reitet, sind auch gar zu anziehend; schön

aufgeschirrt, mit bequemem Sattel, so stark dabei und so schnell, daß

man kaum meinen sollte, daß sie zu derselben Art der Thiere gehören,

die man bei uns Esel nennt. Fast an allen Straßenecken stehen welche

bereit und bei ihnen ein Seis oder Eseltreiber, der einem beim Auf-

und Absteigen behülflich ist und zugleich das Durchkommen durch das

Menschengedränge der volkreichen Straßen erleichtert. Denn wenn man

mitten in diesem Gedränge steckt, so daß man weder vor noch rückwärts

einen Ausweg sieht, da läuft der bewundernswürdige Seis bald neben

bald vor seinem Homar oder Esel her und schreit »Jeminak« --

»Schimilak« (weiche zur Rechten, zur Linken), oder, wenn das Thier

einem und dem andern aus dem Volke in gar zu trauliche Nähe kommt

»dahrak« (dein Rücken), »riglak« (deine Ferse), »gembak« (deine Seite).

Dabei redet der feine Seis jeden vornehmen Türken oder Franken, den er

zum Ausweichen bewegen möchte, noch mit den liebkosenden Worten »Ja

Effendi« (o Herr), junge Frauenzimmer mit »Ja Arusch« (o Braut) und

selbst alte Bettelweiber mit »Ja Bint« (o Tochter) an, und man erregt

auf diese Weise, wenn man ein einziges Mal in der gedrangvolleren Zeit

des Tages durch eine der Hauptstraßen von Cairo reitet, mehr Lärmen und

Spektakel als man wohl sonst, sein lebenlang anzurichten gesonnen war.

Ich kann Dir indeß nicht helfen, ich muß Dich, Du stille und verborgene

Seele einmal mit hineinnehmen zu all dem Getümmel der ägyptischen

Hauptstadt und ich wollte ich könnte dieß in meiner Beschreibung so

lebendig thun, daß Dir es vorkäme, als wärst Du leiblich und wirklich

auf unsern Wanderungen mitgewesen.

In den meisten Fällen gehe ich, wenn ich keinen weiteren Ausflug vor

mir habe, von unsrer Wohnung aus bis zur Musky oder Frankenstraße zu

Fuße und nehme, je nachdem ichs bedarf, erst dort einen Reitesel, weil

man da die besten findet. Mein Weg zieht sich dann entweder innerhalb

des Stadtviertels der Kopten nach der Wohnung und durch den Garten des

mir freundlich gewogenen französischen Leibarztes des Mehemed Ali,

des Clot Bey hin, oder ich gehe am Rande des Freiplatzes von Esbekieh

und dann an dem wohleingerichteten englischen Gasthaus vorbei nach

dem schon frühe geöffneten Kaufladen eines gar wackren Landsmannes,

des Herrn Baumgärtner, bei dem sich fast alle Deutsche, hiesige so

wie bloß durchreisende, tagtäglich zusammenfinden. Hier ist mein

Geschäftsbüreau; denn hier stehe ich oft in der Zeit des Vormittages

stundenlang und lauere den Landleuten oder Fellahs auf, welche mitunter

Sachen, besonders Thiere zur Stadt verkäuflich bringen, die für unsre

Münchner Sammlung von großem Werthe sind und die man da zu Lande um

unglaublich geringen Preis bekommt. Kannst Du doch hier in Kairo bei

den armen Fellahs eine Sprache der großmüthigen Freigebigkeit finden,

die man auch bei unsren reichsten Kaufleuten vergebens suchen würde.

Denn wenn Bauern oder Bäuerinnen (Fellahahs) bei Herrn Baumgärtners

Laden vorbeikommen, mit Nilschildkröten oder Nilenten in der Hand und

man ruft sie heran und fragt »bekam dih« (wie viel kostet das) da

antworten sie nicht selten ich schenke dir es, womit sie eigentlich

nur sagen wollen es ist spottwohlfeil. Fragt man aber darauf, den

eigentlichen Sinn ihrer Rede verstehend, noch einmal um des Preis, dann

verlangen sie bei allen Dingen die keinen polizeilich festgesetzten

Werth haben so viel, daß mein guter Landsmann Baumgärtner, der meinen

Unterhändler macht, gewöhnlich ihnen die Hälfte, oder noch weniger

bietet, worauf der Fellah ein Geschrei des Unwillens erhebt und eine

rasche Bewegung des Vorwärtsgehens macht, die aber eben so rasch in

eine Bewegung des Rückgehens umschlägt, weil in der Regel der Handel

gar bald abgeschlossen ist, indem der Eine noch etwas zulegt (»seine

Hand weiter aufthut«), der Andere noch ein wenig nachläßt. Unter den

Sachen, welche meine Handelsleute vom Nilufer und aus der nachbarlichen

Wüste, von denen Manche mich schon gut kennen, auf meine Fragen, was

sie heute haben, nennen, ist mir eine Art von Fischen die verhaßteste,

welche »Ma fisch« heißet. Denn dieses Wort bedeutet so viel als

»Nichts da« und wenn ich zuweilen stundenlang gestanden bin und es

kommt nun endlich eines und das andere mir bekannte, schwarzbraune

Fellahsgesicht, schaut mich lächlend an, so daß ich die besten

Hoffnungen schöpfe und hat dann dennoch nichts als nichts oder ma

fisch, da möchte ich das Fischessen auf lange verreden.

Doch giebt es hier in der Hauptstraße, deren letztes Ende auch noch

durch die Frankenstraße geht, wo Herr Baumgärtner wohnt, immer eine

Unterhaltung, auch wenn man müßig dasteht und vor sich hinschaut. Ich

habe auf meinen Reisen öfters, in den Städten wie im Freien meine

Aufmerksamkeit auf das stufenweise Munterwerden und Hervorgehen der

Menschen so wie der Thiere des Feldes gerichtet und darauf acht

gegeben wie sich ein Geschäft der Häuser und Straßen nach dem andren

anspinnt; hier in Kairo habe ich die Blumenuhr der allmälig, eines

nach dem andren aufwachenden Stände, Geschlechter und Gewerbe der

Menschen wie der Thiere mit ganz besondrem Interesse betrachtet. Wie

bei uns zu Lande die Krähe und der Rabe, so wacht hier zuerst die

Tagesgeschäftigkeit des Beduinen (Bedawih) und seines Kameles auf; wenn

die Gassen am Morgen noch fast ganz leer sind, findest du auf ihnen

wenigstens die Kameltreiber, welche als Sackahs oder Wasserträger den

Häusern das Wasser des Nils oder welche ihnen Holz und andre Haus-

und Lebensbedürfnisse zuführen. Das Kamel ist ein dummgutes und dabei

höchst respektables Thier; es erinnert mich oft, wenn es sein im

ganzen unbedeutendes (schafmäßiges) Haupt so scheinbar stolz in die

Höhe hält, an manche unsrer, ebenfalls respektablen Büreauschreiber,

die, ohne viel zu denken, dennoch, selbst gegen ihr Wissen Vieles und

Wichtiges für das allgemeine Wesen thun. Wer sollte einem solchen

Thiere, diesem Schiff der Wüste, nicht gut seyn, das, selber mit

Wenigem zufrieden, den Haushaltungen des Land- wie des Stadtvolkes

alles zuträgt, was sie bedürfen: Mehl und Oel, Wasser und Holz. Ich

muß Dir gestehen es befremdet mich nicht und kommt mir sogar rührend

vor, wenn die hiesigen Frauen selbst am Todtenbette des Gatten oder

Hausvaters laut ausrufen: »o du mein Kamel; o du Kamel des Hauses« (Ja

Ghemel el beyt).

Nach dem Geschäft der Kamele und ihrer Treiber, denen sich vom

frühesten Morgen an auch die Eselverleiher, die Pfeifenausputzer und

die Tagwerker aus der Stadt und vom Lande zugesellen, wird am ersten

das Geschäft der Verkäufer des Frühstückes (Fatur) wach und lebendig,

denn das arme Volk will, ehe es zur Arbeit geht, essen. Da macht

denn der Verkäufer des Ful mudemmes oder Saubohnengerichtes seine

zugekitteten Töpfe auf, die er, die ganze Nacht hindurch in der heißen

Asche des Ofens eines öffentlichen Bades oder Bäckerladens hat dämpfen

lassen; für wenige Pfennige reicht er davon Jedem der es begehrt ein

beckenartig rundliches Schüsselchen voll, träufelt ein wenig Rübsenöl,

auch wohl Citronensaft daran und die Käufer verzehren dies ohne Löffel,

Gabel und Messer. Auch die Verkäufer des Eesch oder Brodes (von

kuchenartiger Form) öffnen ihre Läden; man tunkt das Brod in Duck-ckah,

was eine Mischung von Salz, Pfeffer, Schwarzkümmel und andren ähnlichen

Ingredienzien ist und findet es so vortrefflich. Fast gleichzeitig mit

den Bäckerläden thun sich an der Blumenuhr der Kahirinischen Gassen die

Kaffeeläden (Kawehs) auf, deren Zahl auf tausend geschätzt wird; die

gemeineren etwas früher, die vornehmeren später. Man ist hier in dem

Lande des sehr guten Kaffees, nirgends habe ich auch dieses Getränk von

Vornehmen und Geringen mit solchem feierlichen Wohlbehagen schlürfen

sehen als in der Aegyptischen Hauptstadt. Hat es doch hier eine Zeit

gegeben, wo der Kaffee in den Kirchen (Moscheen), namentlich in der

Asharmoschee ausgeschenkt und getrunken wurde. Denn nachdem der heilige

Scheikh Omar, der sich, während einer Verfolgung seiner Sekte mit einer

Schaar seiner Jünger aufs Gebirge geflüchtet hatte, durch den Aufguß

von Kaffeebeeren, den er in Ermanglung andrer Nahrungsmittel genoß,

so wunderbarlich erquickt worden war, wollten auch die Schaaren der

Derwische und Fakirs an der heiligen Berauschung Theil haben, und die

Trinklust dieser Frommen bemächtigte sich bald nachher auch des übrigen

Volkes, das jetzt kaum ohne Kaffee leben könnte. So vortrefflich

übrigens auch die Eingebornen das Getränk finden mögen, weiß ich

doch nicht, ob Du in ihren ungetheilten Beifall einstimmen würdest.

Denn so einladend das aussieht, wenn man sich aus einem arabischen

Kaffeeladen bedienen läßt und wenn jetzt der Buab oder Thürhüter den

Azkih (das Kohlenbecken) mit dem Bokrag oder der Kaffeekanne, ein

andrer auf einer Art von Präsentirteller das kleine Fingan oder Täßlein

bringt, das sich seinem zierlichen Zurf oder metallenen Untersatz gar

hübsch ausnimmt, so sehr findet sich dennoch unsre europäische Zunge

anfänglich beleidigt, wenn sie das Getränk kostet, das nicht nur ohne

Zucker und Milch genossen, sondern öfters auch durch den Zusatz von

Chabhan (Cardamom) oder Ambra entstellt ist. Uebrigens finden sich auch

hier in der Nachbarschaft europäisch eingerichtete Kaffeehäuser und wer

Hunger hat, der mag sich an den neubackenen Fatirehs oder Butterkuchen,

mit oder ohne Honig und an den Eesch bi lahm ein Gütliches thun,

deren Blätterteigmasse mit gehacktem Fleisch, namentlich von den

Fettschwänzen der Schaafe gefüllt ist.

Reise in das Morgenland in den Jahren 1836 und 1837, Zweiter Band · 第 1 / 42 段