Gyges. Nein, nein! (Hält sie ab.)

Lesbia.

Zur Königin zurück!

Sie gab mich nicht mit Freuden her, sie nimmt

Mich willig wieder auf!

Gyges.

Dann sage ihr,

Der Gyges hätt' dich gar nicht angesehn!

Lesbia.

O Schmach!

Gyges. Nicht doch! Du weißt,

wie oft ich gestern,

Und früher hab ich dich ja nie erblickt,

Nach dir gespäht!

Lesbia.

Ich habe dann wohl immer

Was Albernes getan! Wie schäm ich mich,

Daß ich das jetzt erst merke! Doch die andern

Sind schuld daran mit ihrer Neckerei!

Gyges.

Ich sah nur, was mich reizte!

Lesbia.

O gewiß,

Denn, was uns reizt, das lieben wir verhüllt!

Komm, Alter!

Gyges. Warum eilst du so?

Ich bin dein Herr! Doch zittre nicht vor mir,

Ich will von dir nur einen einz'gen Dienst,

Dann magst du wieder ziehn!

Lesbia (zu Thoas).

So geh allein!

Gyges.

Bleib, bleib!--Doch nein!--Dem König meinen Dank!

Ich nehme sein Geschenk, und wie ich's ehre,

Werd ich ihm zeigen!

Thoas.

Wohl! (Ab.)

Lesbia.

Und nun der Dienst?

Gyges.

Du sollst so lange weilen, bis das Lächeln

Dir wiederkehrt!

Lesbia. Das wird

nicht schnell geschehn!

Gyges.

Und in der Zwischenzeit ein wenig plaudern!

Du bist ja um die Königin, ihr schmeckt

Der Pfirsich sicher nur, wenn du ihn brachst:

Sprich mir von ihr!

Lesbia.

Von ihr!

Gyges.

Ich meine nur!--

Von etwas andrem, wenn du willst! Vom Garten,

In dem sie wandelt, oder von den Blumen,

Die sie am liebsten pflückt! Auch von dir selbst!

Ich hör es gern! Worin seid ihr euch gleich?

Sag's rasch, damit du rasch mir teuer wirst!

An Wuchs? Nicht ganz! Noch minder an Gestalt!

Doch dafür ist das Haar dir schwarz, wie ihr,

Nur nicht so voll--ihr kriecht es ums Gesicht

Herum, wie um den Abendstern die Nacht!--

Was hast du sonst von ihr?

Lesbia (macht eine unwillkürliche Bewegung).

Gyges.

Nein, bleibe stehn!

Im Gange ist sie einzig! Wenn du schreitest,

So sieht man, du willst dahin oder dorthin,

Dich reizt die Dattel, oder auch der Quell,

Doch wenn sie sich bewegt, so blicken wir

Empor zum Himmel, ob nicht Helios

Den goldnen Sonnenwagen eilig senke,

Um sie hineinzuheben und mit ihr

Dahinzuziehn in alle Ewigkeit!

Lesbia.

Ja, sie ist schön!

Gyges. Du

schlägst die Augen nieder?

Ei, Mägdlein, die erhebe, denn mir deucht,

Die sprühen, wie die ihrigen!

Lesbia (lacht krampfhaft). Vielleicht

In dieser Stunde!

Gyges.

Tat mein Wort dir weh?

Lesbia.

Ich glaub, ich lachte, und nun darf ich gehn!

Gyges.

Nicht ohne ein Geschenk! Ja, holdes Kind,

Du sollst an Gyges noch mit Liebe denken!

Er ist zwar rauh und schlägt oft eine Wunde,

Eh' er es ahnt, besonders mit der Zunge,

Doch ließ er nie noch eine ungeheilt.

Kandaules (tritt auf).

Nun?

Gyges. Herr, du kommst im rechten Augenblick!

Kandaules.

Dann müßte ich zwei Glückliche hier finden!

Gyges.

Noch nicht, doch gleich! (Zu Lesbia.) Gib deine Hand einmal!

Wie zart ist sie! Wie hart die meinige,

Wie schwielenreich von Schwert und Spieß! Das paßte

Doch gar zu schlecht! Die muß ein Rosenblatt,

Das sich zusammenrollt, schon schmerzlich spüren,

An meiner stumpft der schärfste Dorn sich ab!

Sie zuckt, als ob sie eingeschmiedet wäre,

Kind, fürchte nichts! Ich fasse dich nicht an,

Weil ich dich halten will! Der König weiß

Daß ich nicht bloß sein klares Wort verstehe,

Daß ich auch seinen Wink mir deuten kann.

Er sah mit Schmerz, daß die Natur für dich

So viel getan und nichts das arge Glück,

Er will, daß ich das Glück bei dir vertrete:

Ich tu es (läßt sie los) und erkläre dich für frei!

Lesbia.

Die Freiheit, sagt man, ist ein hohes Gut,

Ich kenn sie nicht, ich ward als Kind geraubt,

Allein für hohe Güter muß man danken,

So danke ich für meine Freiheit dir!

Gyges.

Bist du zufrieden, Herr?

Kandaules.

Ich bin erstaunt!

Gyges.

Und da du denn nicht weißt, wo dir die Mutter

Nachweint, und wo das Haus des Vaters steht,

So geh, bis du es findest, in das meine,

Ich schenke dir's und hol nur noch mein Schwert!

Lesbia (Ab).

Kandaules.

Was machst du, Gyges?

Gyges.

Herr, ich danke dir,

Daß du dies Werk durch mich vollbringen wolltest:

Es bleibt das Deinige!

Kandaules.

Du willst, wie's scheint,

Den Enkel des Herakles einmal sehn,

Nimm dich in acht, er schläft nicht gar zu fest!

Gyges.

Konnt' ich dich heute kränken?

Kandaules.

Nein! Vergib!

Doch geh sogleich und nimm dir aus dem Schatz

Das Doppelte von dem, was du verschenktest,

Dein Tun verdroß mich, und es schmerzt mich noch!

Gyges.

Verzeih mir, wenn ich nicht gehorchen kann!

Das alles ward auf einmal mir zur Last,

Und da sich jetzt zu Gold und Edelstein

Die schöne Sklavin noch hinzugesellte,

So nutzt' ich ihren schlanken weißen Nacken

Und hing die Kostbarkeiten daran auf.

Ich kann nichts weiter brauchen, als mein Schwert,

Doch, wenn du dich mir gnädig zeigen willst,

So schenke mir die Köpfe deiner Feinde,

Ich sammle sie bis auf den letzten ein.

Kandaules.

Du bist ein andrer, Gyges, als du warst.

Gyges.

Ich bin es, Herr.

Kandaules. Du liebst!

Gyges.

Ich hätt' das Mägdlein

Zusammenhauen können: liebe ich?

Kandaules.

Du liebst Rhodopen!

Gyges.

Herr, ich kann dir bloß

Nicht länger dienen.

Kandaules.

Scheide, wenn du mußt!

Es tut mir weh, doch darf ich's dir nicht wehren!

Und da du nichts von mir empfangen willst,

So kann ich auch von dir nichts mehr behalten:

Hier ist dein Ring!

Gyges.

Gib mir dein Schwert dafür!

Kandaules.

Ich danke dir, daß du so edel bist!

(Will ab.)

Gyges.

Noch etwas! (Er zieht von seiner Brust einen Stein hervor.)

Nimm!

Kandaules. Das

ist?

Gyges.

Du kennst ihn wohl!

Kandaules.

Rhodopens Diamant!

Gyges.

Ich nahm ihn mit,

Weil er an ihrem Hals--Erlaß' es mir,

Es ist gebüßt!

Kandaules. Erinnyen, seid ihr's?

Oh, es ist wahr, ihr habt den leichtsten Schlaf!

Gyges.

Du grollst mir?

Kandaules. Nein! Nicht dir! Leb

wohl, leb wohl!

Doch niemals dürfen wir uns wiedersehn! (Ab.)

Gyges.

Niemals! Ich geh sogleich! Wohin denn nur?

Was wollt' ich doch, eh ich mit diesem Lyder

Zusammentraf? Vergaß ich's schon? Ei nein!

Mich trieb's hinunter an den alten Nil,

Wo gelbe Menschen mit geschlitzten Augen

Für tote Kön'ge ew'ge Häuser baun.

Nun, meine Straße setz ich fort und löse

Dort unten einen ab, der müde ist! (Ab.)

Gyges und sein Ring · 第 11 / 15 题