Der =lustige Freier von Rotterdam= segelte so schnell, daß s

Anmerkungen zur Transkription:

Die Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originals wurde weitgehend

übernommen. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert;

Wörter, die in voneinander abweichenden Schreibweisen auftraten, wurden

an die in überwiegender Mehrheit oder im ersten Teil verwendete

Schreibweise angeglichen. Eine Liste vorgenommener Korrekturen befindet

sich am Ende des Textes. Die Originalvorlage ist in Fraktur gedruckt;

davon abweichende, in Antiqua gedruckte Textstellen sind in der

vorliegenden Textdatei _so_ markiert; gesperrt gedruckter Text ist =so=

markiert.

=Die Mumie von Rotterdam.=

=Novelle=

=in zwei Theilen=

=von=

=Georg Döring.=

=Zweiter Theil.=

=Frankfurt= am Main.

Gedruckt und verlegt von Johann David Sauerländer.

1829.

1.

Die zwei hoffnungsvollen Schüler des Leydener Professors =Eobanus

Hazenbrook= hatten, als sie ihn am heutigen Morgen verließen, ihre

Schritte zum Haven von =Rotterdam= gelenkt. Es dünkte ihnen

wahrscheinlich, daß =Clelia van Vlieten= mit ihrem Herzallerliebsten zu

Wasser entflohen sey, indem sie hier nicht so leicht eine Entdeckung und

Verfolgung zu fürchten hatten, als auf einem Landwege.

»_Sandis!_« sagte =Le Vaillant=, als sie an der vorüberströmenden =Maas=

standen und zahllose Schiffe ab- und zufahren sahen, »wir sind ein Paar

irrende Ritter geworden aus den Zeiten der Tafelrunde und ziehen auf

Abentheuer, wie die Helden =Lancelot= und =Parcival=. Aber wo ist unsere

=Dame vom See=, wo ist das =heilige Graal=? -- Da fahren Schiffe nach

Ost- und Westindien, nach =Constantinopel= und =Copenhagen=, sie alle

wissen das Ziel ihrer Reise, den Weg, den sie zu nehmen haben, aber wir

stehen schon hier, wie vor einem bezauberten Schlosse, das uns hundert

Pforten zeigt, aber keine vor uns aufthut, weil wir den Talisman nicht

kennen, der sie eröffnet.«

»Es wird sich Alles finden!« erwiederte der ruhige =La Paix=. »Nur nichts

übereilt, nur nicht Sturm gelaufen am unrechten Orte. _Festina lente!_

sagen die Alten und der Professor, und ein Sprüchlein, das sich seit

tausend Jahren bewährt hat, kann uns wohl auch zum Frommen gereichen.

Haben wir doch jetzt Ferienzeit, Geld im Sacke und sind der Aufsicht des

lästigen Professors entledigt. Mag er seine egyptische Gelehrsamkeit

auskramen, wo er will, uns soll das freie Leben behagen und wenn wir in

dieser Zeit den Musen opfern, so müssen es holländische seyn im

Spitzenhäubchen und Silbermieder!«

»_Cadédis!_« rief sein Freund. »Das heißt weise gesprochen. Wir wollen

deine Lebensphilosophie so lange in's Praktische übersetzen, wie es

unsere Gelder aushalten. Aber die Hauptsache ist, daß wir erst wissen,

wo der Wind die =Amasia= hingeweht hat, die wir aufsuchen sollen. Ist es

zu Lande, so führen wir in unsern Börsen Alles, was wir bedürfen; ist es

aber zu Wasser, so müssen wir reichlich für die nothwendigsten

Lebensmittel sorgen: als da sind geräucherte Würste, Wildpret, Austern,

Mandeln, Rosinen und Zucker; dann jene Getränke, deren wir durchaus

bedürfen, um Jugend und Leben zu conserviren: den belebenden Genever,

den kräftigen Rhum, den beruhigenden Burgunder und das treffliche Bier

aus Löwen, dem man mit Recht den königlichen Namen des Pharao gegeben

hat.«

»Nimm dich in Acht!« ermahnte =La Paix= und zeigte mit der erhobenen Hand

nach einem Manne in der Kleidung eines gemeinen Schiffers, der schlafend

so hart am Rande des Havenbassins lag, daß er bei der geringsten

Bewegung hinabfallen konnte. »Nimm dir ein Beispiel an dem Burschen! Der

scheint auch dem hold belebenden Genever so lange zugesprochen zu

haben, bis er den Gang am Havenbassin für seine Hangematte angesehen und

sich unbekümmert hingelegt hat zum Schlafe, aus dem ihn ein unruhiger

Traum in den ewigen befördern kann. Komm her, =Le Vaillant=! Wir wollen

ein gutes Werk thun! Nimm du den Schläfer bei den Schultern, ich nehme

ihn an den Füßen. Da legen wir ihn zur Seite, mit dem Kopfe auf die

Wollsäcke dort, und wir können so uns einbilden, ein Menschenleben

gerettet zu haben.«

=Le Vaillant= griff sogleich zu. Aber er that dieses so derb, daß der

Seemann, während sie ihn nach dem von =La Paix= bezeichneten Platze

trugen, halb erwachte und, ihr Benehmen mißverstehend, heftig mit den

Fäusten um sich schlug.

»Seyd Ihr es, Myn Heer =Cornelius van Daalen=?« rief er, ohne die Augen zu

öffnen, mit lallender Zunge und noch von der Macht des betäubenden

Wachholderrausches befangen. »Soll ich Euch noch einmal an Bord der

=Syrene= führen, wie ich in dieser Nacht gethan, mit der schönen Jungfer,

die sich so gar innig an Euch schmiegte! Kommt nur her! Die Brücke

liegt. Gleich sind wir drüben, wo Capitän =Jansen= Euch erwartet.«

»Bei allen Reichthümern der Gascogne!« rief =Le Vaillant=, indem er den

verstummenden Trunkenbold ziemlich unsanft auf die Wollsäcke hinwarf.

»Jetzt wirst du dich doch überzeugen, daß der Wachholder gar kein zu

verachtendes Getränk ist, denn er lös't die Zungen und öffnet die

Herzen. Er ist uns der Compaß geworden, nach dem wir unsere Fahrt regeln

können. Aber der Bursch muß noch mehr reden! Ich will ihn mit meiner

Degenspitze kitzeln, bis er munter genug geworden ist, um die ganze

Entführungsgeschichte ausführlich zu erzählen.«

»Bist du rasend?« sagte =La Paix= und hielt den Unbesonnenen zurück, der

schon den Degen halb entblößt hatte. »Siehst du dort die stämmigen

Bursche herumschlendern, seine Freunde und Cameraden, die jetzt gerade

ein müßiges Stündchen hätten, um es bei der geringsten Gewaltthätigkeit

gegen ihn, mit einer gymnastischen Uebung auszufüllen, die uns übel

bekommen dürfte? Sieh, wie sie schon argwöhnisch ihre Blicke auf uns

richten! Wir müssen die Sache anders anfangen. Wir wissen nun schon

genug, um in wenigen Augenblicken ganz im Reinen seyn zu können. Laß

mich nur machen! Jene selbst sollen uns das Uebrige sagen, aber dazu

müssen wir ihr Vertrauen gewinnen.«

Er beugte sich nun zu dem Schlafenden herab. Er faßte ihn so sanft und

zart an, wie er nur vermochte, legte ihn möglichst bequem auf die

Wollsäcke und steckte ihm, so daß es die näher tretenden und neugierig

gaffenden Seeleute deutlich bemerken konnten, ein Stück Geld in die

halbgeöffnete Hand.

»Richtig!« sagte jetzt einer von diesen, der ganz nahe herangekommen

war. »Es ist =Peter Trip= von der Barke =Syrene=, Capitän =Jansen=. Er kann

das Trinken nicht lassen, bis ihn der Verstand verläßt und, ich wette

zehn holländische Dreidecker gegen eine spanische Galliotte, daß er

sich an derselben Stelle benebelt hat, wo Ihr ihn fandet. Aber woher mag

er das Geld bekommen haben? Niemand borgt ihm mehr und sein Capitän hebt

ihm schon seit lang den Sold auf, damit er in seinen alten Tagen etwas

hat.«

Indem die Schiffleute sich über diesen wichtigen Gegenstand in die

scharfsinnigsten Vermuthungen verloren, zeigte sich =La Paix= noch immer

thätig, dem Schlafenden eine recht bequeme Lage zu verschaffen. Er

zupfte bald an den Wollsäcken, auf welchen er hingestreckt lag, bald

suchte er ihn mit den in Unordnung gerathenen Kleidern gegen die kühle

Luft zu verwahren, bald rückte er ihm den schweren sinkenden Kopf

zurecht.

»Bemühet Euch nicht so sehr um ihn!« hob jetzt wieder der Mann an, der

vorher gesprochen hatte. »Er schläft jetzt sein Stück weg, bis der

Wachholder all verdampft ist, der ihm den Kopf einnimmt. Er fühlt auch

nicht, ob er weich oder hart liegt, denn seine Knochen sind die Steine

mehr gewohnt, als ein Bett oder die Hangematte. Sein Herr ist heute

Morgen in aller Frühe nach =Antwerpen= unter Segel gegangen. Der =Peter=

thut nicht mehr gut auf dem Schiffe. Er ist zu steif und zu faul.

Deshalb läßt ihn der Capitän immer daheim, damit er im Gewölbe die

Kisten und Ballen verwahre, die für die nächste Fahrt eingebracht

werden.«

»Nach =Antwerpen=? _Morgué!_ dahin müssen wir auch,« fuhr =Le Vaillant=

unbesonnen heraus, »und noch in dieser Stunde.«

Der französische Schwur, der übereilt seinen Lippen entflohen, machte

sogleich die Matrosen stutzig. Sie sahen ihn finster an. Sie flüsterten

einander ihre Vermuthungen zu und einige ballten schon drohend die

kräftigen Fäuste, um sie im nächsten Augenblicke vielleicht den Feind

des Vaterlandes empfinden zu lassen. Da trat der besonnene =La Paix= dem

leichtsinnigen Freunde ebenso heftig, wie bedeutsam, auf den Fuß und

sagte zu den Umstehenden mit seiner sanften, fast mädchenhaften Stimme:

»Wir sind Wallonen, liebe Leute. Wir kommen von =Leyden= und wollen in die

Heimath, um unsere Eltern zu besuchen. Aber wir haben Eile. Wir wären

heute Morgen schon gern mit der =Syrene= abgefahren, doch sind wir zu spät

gekommen und wir sahen die Barke schon in weiter Ferne, als wir am Haven

anlangten. Da, Freunde, trinkt einmal auf unsere Gesundheit! Sagt mir

aber auch, ob wir nicht gleich Gelegenheit finden können, auf irgend

einem schnellen Fahrzeuge der =Syrene= nachzusegeln und sie noch während

ihrer Fahrt zu erreichen?«

»Nichts leichter, als das!« erwiederte sehr freundlich der Seemann, der

sich selbst zum Sprecher aufgeworfen und das Geld genommen hatte. »Seht

Ihr dort den Kutter, der eben anfängt sich zu bewegen und hin und her zu

schaukeln auf den Wellen? Die Leute drauf sind im Begriff, die Anker zu

lichten und in Zeit von fünf Minuten sind alle Segel aufgespannt und er

tritt seine Fahrt durch den =Biesbosch= und das =Hollands-Diep= nach

=Middelburg= an, um die Binnengewässer von den kreuzenden Dons rein zu

fegen und zu kehren. =Der= holt die =Syrene= noch vor Abends ein. Kommt in

meinen Nachen! In zwei Minuten bring' ich Euch an Bord. Der Capitän ist

ein Seehund, der ein Dutzend Spagnols zum Frühstück aufzehrt. Aber er

liebt auch das Geld und wenn Ihr nicht karg seyd, so nimmt er Euch gern

mit. Es giebt dann auch wohl Gelegenheit, Euere Bratspieße auf die Dons

zu versuchen, denn, wie es heißt, so treiben sie die Frechheit so weit,

ihre Flagge im =Biesbosch= und im =Diep= blicken zu lassen.«

»Das könnte mir gefallen!« sagte mit einem behaglichen Lächeln =Le

Vaillant= zu =La Paix= in lateinischer Sprache, während beide dem Schiffer

zu seinem Kahne folgten. »Wenn ich meinen Degen einmal an einem andern

wetzen kann, so gilt mir's gleichviel, ob's an einem englischen oder an

einem spanischen geschieht. Ich kann so die Hidalgo's nicht leiden wegen

ihres Hochmuths und das Bündniß, das sie mit unserm allergnädigsten

=Ludwig= geschlossen, ist ganz und gar nicht nach meinem Sinne.«

Mit der Schnelligkeit eines Pfeiles durchschnitt das kleine Fahrzeug, in

dem sie sich befanden, die Wellen. Es wurde von acht kräftigen und

geübten Armen fortbewegt. Sie erreichten den Kutter gerade in dem

Augenblicke, als der letzte Anker gehoben werden sollte. Ihrer Aufnahme

stellte sich keine Schwierigkeit entgegen und, von günstigen Winden

fortgetrieben, hatten sie bald die gute Stadt =Rotterdam= aus den Augen

verloren.

=La Paix= grollte mit seinem Freunde, der unbesonnen und voreilig wie er

einmal war, die unmäßige Forderung des Capitäns sogleich bewilligt

hatte, ohne weiter zu handeln. Er ging auf der einen Seite des Verdeckes

mit untergeschlagenen Armen auf und nieder, während jener, trotzig den

Groll erwiedernd, auf der anderen Seite, nur mit schnelleren und

unruhigeren Schritten dasselbe that. =La Paix= war im Grunde ebenso

reizbar wie =Le Vaillant=, nur hatte er sich gewöhnt eine Sanftmuth und

Ruhe zu affectiren, die viele für eine wirkliche Eigenthümlichkeit

seines Characters hielten. Aber manche seiner Mitstudenten in =Leyden=

mußten sich schon überzeugen, daß er ebenso leicht zu beleidigen und

ebenso bereit sey, jede Beleidigung zu rächen, wie sein Landsmann aus

der Gascogne. Dabei war sein Groll tiefer und dauernder. Was =Le Vaillant=

in einer Viertelstunde längst wieder vergessen hatte, das nagte noch

lange an der Seele seines Freundes und konnte durch den geringsten

Anstoß zu einem Ausbruche des Unwillens angeregt werden, der sich nur

schlecht unter der Maske eines kalten und ruhigen Spottes verbarg.

In den Anblick der vorübereilenden Ufer verloren, die der lebhaften

Empfänglichkeit =Le Vaillant's= manchen Anziehungspunkt boten, dachte

dieser bald nicht mehr an den unbedeutenden Zwiespalt und dessen

Gegenstand. Erst, als er dem Freunde am Vordertheile des Schiffes

begegnete und die spöttische Miene bemerkte, mit der ihn dieser

betrachtete, kam ihm die Sache wieder in's Gedächtniß. Von jeher war ihm

nichts so verhaßt gewesen, als der kalte Hohn, in den =La Paix= bei

solchen Gelegenheiten sich wappnete. Auch in ihm wurde die Galle jetzt

wieder rege und er sagte, indem er, die Hand an das Gefäß seines langen

Raufdegens legend, vor dem Cameraden stehen blieb:

»_Corbleu_, Sire =La Paix=, Ihr macht ein Gesicht, als suchtet Ihr Händel!

Uebrigens ist Euch bekannt, daß der Mann, der einem Waffengang nie aus

dem Wege geht, nicht fern ist und ich muß Euch ersuchen, Euere

spöttischen Blicke nicht auf ihn, sondern nach einer andern Seite zu

richten, wohin es Euch sonst belieben mag.«

»Ich sehe hin, wohin ich will und ob ich spöttisch oder zärtlich blicken

mag, das liegt ebensowohl ganz in meinem Willen;« erwiederte mit

erkünstelter Kälte =La Paix=. »Im Uebrigen beruhige dich, guter =Le

Vaillant=!« fuhr er in einem Tone des Hohns fort, der seinem Freunde über

Alles verhaßt und unerträglich war. »Wir wollen uns nicht entzweien! Ich

habe mir im Gegentheile vorgenommen, für dich die Wohlthätigkeit fremder

Leute anzusprechen, wenn du unser sämmtliches Reisegeld großmüthig

verschleudert haben wirst, damit es dir wenigstens nicht an einem Diner

de Gascogne, an einer Zwiebel und einem Stück Brod fehlt!«

»_Cadédis!_« fuhr =Le Vaillant= auf: »ich glaube gar, du willst meines

Vaterlandes spotten? Laß dir das vergehen oder es ist aus mit unserer

Freundschaft! Freilich speist man gern Zwiebeln an den Ufern der

=Garonne=, aber wenn das geschieht, so kommt es daher, weil eine

gascognische Zwiebel delikater ist, als Alles, was das Raffinement

Euerer Pariser Küche ersinnen kann. _Sandis!_ du solltest Zwiebeln mit mir

gefrühstückt haben im Garten meines Vaters, als ich manchmal, da ich

noch ein Knabe war, gegen sein Verbot hinein schlich und naschte und

nicht aufhören konnte zu naschen. Ich habe köstliche Dinge später kennen

gelernt in =Frankreich= und im Auslande, aber aller Wohlgeschmack der

Südfrüchte, der Seefische und der Austern ist nur ein Schatten gegen die

Delicatesse einer Zwiebel in meiner Heimath.«

=Le Vaillant= war bei dem Lobe seines Vaterlandes wieder in seinen

gutmüthigen Ton gerathen und es wäre Alles freundlich zwischen den

beiden jungen Leuten abgethan worden, wenn der Andere ebenso schnell

seinen Groll vergessen und seine Neckereien hätte lassen können. =La

Paix= aber begann aufs Neue in jenem kalten spöttischen Tone:

»So lange du deine Gasconaden nur auf die Zwiebeln beschränkst, kann ich

sie mir wohl gefallen lassen. Willst du sie aber auf meinen Beutel

erstrecken, so muß ich sie mir verbitten. Schon zu oft haben deine

Sottisen ihn in einen Zustand der Schwindsucht versetzt und mein Vater

dürfte endlich müde werden, an einem unheilbaren Kranken immerfort zu

curiren.«

»Sottisen?« entgegnete ernst und gesetzt =Le Vaillant=, indem er mit dem

Anstande eines Mannes, der wohl weiß, daß bei einer Ehrensache kein

Punkt ritterlicher Courtoisie aus den Augen gesetzt werden darf, einen

Schritt zurückthat. »Das ist eine Beleidigung, wie Ihr wißt, die nur mit

dem Degen in der Hand wieder gut gemacht werden kann, Sire =La Paix=. So

es Euch beliebt, wollen wir gleich einen Gang mit einander machen und

ich hoffe, da ich bis jetzt noch keinen Mangel an Muth bei Euch

wahrgenommen, Euch dazu bereit zu finden.«

»Gewiß, Sire =Le Vaillant=!« versetzte der Aufgeforderte, dessen

natürlichem Muthe jetzt die erkünstelte Ruhe wich. »Noch nie habe ich

eine Einladung dieser Art ausgeschlagen, besonders wenn sie von den

Ufern der Garonne kam, wo der Muth mehr auf der Zunge, als an der

Degenspitze sitzt.«

»Zieh!« rief durch diesen neuen Spott zum Uebermaße gereizt, der Gegner

mit ausbrechender Wuth. »Deinesgleichen habe ich schon ein Dutzend vor

meiner Degenspitze hergetrieben. _Sandis!_ Ich will deine Klinge

zerbrechen und hinwegschleudern, daß du sie in den Fluthen der Nordsee

wieder suchen sollst!«

Bei allem Ernste der Sache mußte =La Paix= laut auflachen über diese

ungeheuere Gasconade. =Le Vaillant= wurde nun noch wüthender. In einem

Augenblicke waren beide mit den gewaltigen, den ganzen Vorderarm

bedeckenden Stulpenhandschuhen bekleidet, die sie im Gürtel bei sich

führten.

»_En garde!_« schrie der junge Gascogner, mit dem Degen in der Hand zum

Ausfalle gerüstet.

=La Paix= stand ihm ruhig gegenüber. Auch er hatte den Degen gezogen und

schien den Angriff des Freundes, den er, wie er jetzt wohl einsah,

muthwillig selbst zu seinem Gegner gemacht hatte, zu erwarten. Sein

sanftes Angesicht, seine schlanke Gestalt, die sich in der zierlichen

Fechterstellung auf das Vortheilhafteste zeigte, gaben ihm das Ansehen

einer Amazone, deren Muth dem Vertrauen auf ihre Kunstfertigkeit gleich

ist.

Aber es sollte kein Blut vergossen werden zwischen den beiden Freunden!

=Le Vaillant= hatte zweimal den drohenden Appell, wie ihn die französische

Fechtersitte vorschreibt, durch Stampfen mit dem Fuße gegeben, er war

eben im Begriffe, beim drittenmale auf die Brust des Freundes

auszufallen; als plötzlich hart an seiner Seite eine tiefe Baßstimme

laut ward und zugleich ein schwirrender Ton über ihren Häuptern erklang.

»Halt da!« gebot die Baßstimme mit dem Ausdrucke einer Bestimmtheit, der

die Arme der Kampflustigen lähmte. »Wer es wagt und den Degen zückt auf

den andern, dem zerschmettere ich im Augenblick das Gehirn. Rauferei,

Meuterei auf meinem Schiffe? Seh doch einer die Gelbschnäbel! Habe ich

Euch den Platz auf dem Kutter vermiethet, daß Ihr hier Lärm anfangt und

mir das Verdeck mit Euerem Blute besudelt? Hier bin ich Herr: Capitän

=Jonas=! Hinein mit den Klingen in die Scheiden oder Ihr sollt lernen, was

es heißt, gekielholt werden!«

Die beiden unbesonnenen jungen Leute sahen sich umringt. Mehrere

Matrosen hatten einen Kreis um sie geschlossen. Der Capitän und seine

Leute schwangen mit drohenden Gebehrden schwere Ruder über ihren

Häuptern und ein Wort, ein Wink des Capitäns, so fielen diese nieder zu

zermalmenden Schlägen. Die Blicke, mit denen =Le Vaillant= und =La Paix=

diese rasch und in aller Stille getroffenen Anstalten musterten,

sprachen deutlich ihre Betroffenheit und die Erkenntniß aus, daß eben

hier kein anderes Heil, als in unbedingter Unterwerfung zu finden sey.

Unter dem hoch gehobenen rechten Arme des Capitäns blickte das lächelnde

Antlitz eines schönen, etwa zwanzigjährigen Mädchens hervor. Sie schien

sich an der Verlegenheit der zwei Jünglinge zu weiden. Das halb

verbissene Lachen gab ihren Zügen etwas sehr Schalkhaftes und Reizendes.

=La Paix= bemerkte sie zuerst und sein leicht entzündbares Herz fing

sogleich Feuer an den lebhaften Augen des schönen Mädchens. Wie sein

Freund übereilt und vorschnell in allen Dingen war, so war es =La Paix=

allein in der Liebe, aber hier auch in einem solchen Uebermaße, daß er,

wenn er verliebt war, leicht zu allen übrigen Fehlern verleitet werden

konnte, von denen er sonst mit allem Aufwande von Beredsamkeit seinen

Cameraden abzuhalten suchte. Glücklicherweise war seine Liebe ebenso

flüchtig, wie stark. Der Anblick des reizenden Wesens gab ihm seine

Fassung zurück. Mit einem lauten Gelächter und indem er den Degen rasch

in die Scheide schob, ging er auf =Le Vaillant= zu, bot diesem freundlich

die Hand und sagte in französischer Sprache, von der er voraussetzte,

daß sie keiner der Anwesenden verstünde:

»_Soyons amis, Cinna!_ Wir waren nahe daran, einen dummen Streich zu

machen und ich war daran Schuld. Gieb mir die Hand, =Le Vaillant=! Ich

habe dich gekränkt, mein Freund, aber du hast nun einige Grobheiten

voraus, die du mir bei Gelegenheit mit Interessen wiedergeben darfst!«

Der leidenschaftliche, aber dabei gutmüthige Gascogner schlug ein.

»_Sandis!_« sagte er. »Du mußt es auch nicht gar zu grob machen. Wo soll

ich sonst die Interessen herausbringen, ohne wieder den Degen zur Hand

zu nehmen?«

Jetzt trat =La Paix= zu dem =Capitän=. Dieser blickte ihn aus dem einen

Auge, das ihm bei einem mißlungenen Versuche, ein englisches

Linienschiff durch einen Brander in die Luft zu sprengen, übrig

geblieben war, finster und argwöhnisch an. Seine Leute hatten zwar die

Ruder sinken lassen, aber in ihren Gebehrden lag noch so viel Drohendes,

daß der Jüngling wohl einsah, er müsse alle seine Gewandtheit aufbieten,

um das bisherige gute Vernehmen wieder herzustellen. Besonders fürchtete

er, daß man sie als Franzosen erkennen möchte und dann war's vorbei mit

allen schönen Plänen, mit allen zu erwartenden Abentheuern.

Capitän =Jonas=, eine kurze stämmige Gestalt, war schon ein Fünfziger.

Sein Kopf zeigte einen nackten Scheitel, von einem schwarzen

Sammetkäppchen leicht bedeckt. Auf der Stelle, wo sein rechtes Auge

gesessen, lag ein Pflaster, das linke schien die beiden Jünglinge zu

durchbohren. Er stand da, wie ein Richter, der das Bekenntniß eines

Schuldigen erwartet. Neben ihm war seine Tochter hervorgetreten, die

reizende =Juliane=, in deren anmuthigen Gesichtszügen ein Ausdruck von

Leichtsinn, der dem Menschenkenner unangenehm auffallen mußte,

überwiegend hervortrat. Sie hatte seit früher Kindheit alle Kreuz- und

Querzüge des Vaters auf Flüssen und Meeren mitgemacht, hatte immer unter

Männern gelebt und war von dem Alten, der Alles, außer dem Dienste und

der Schiffsordnung, gleichgültig ansah, ganz ihren Neigungen überlassen

worden.

Indem der zierliche =La Paix= sich beiden näherte, wendete sich seine

Verbeugung mehr nach der Tochter, wie nach dem Vater hin.

»Verzeiht, wohlmögender Heer,« sagte er in gutem Holländisch und mit

einem feinen Lächeln auf den Lippen, zu diesem, »wenn ich Euch bemerken

muß, daß Ihr von einem Irrthume befangen, mich und meinen Freund in

einem ernstlichen Handgemenge wähntet. Wie kämen wir dazu: Stuben- und

Schlafgenossen seit langer Zeit? Wir wollten uns die Zeit vertreiben mit

einem leichten Fechterspiele, mit einer Uebung, wie wir sie Morgens

gewöhnlich unternehmen. Freilich hatten wir Unrecht, Euch nicht zuvor

davon in Kenntniß zu setzen und ich würde untröstlich seyn, wenn unsere

Unbesonnenheit vielleicht diese zarte Jungfrau erschreckt hätte!«

»Nein, nein!« entgegnete lachend =Juliane=. »Ich bin nicht so schreckhaft,

wie Ihr Euch einbildet, und habe schon ganz andere Dinge gesehen, als

ein Paar junge Leute, die mit ihren Degen ein zweckloses Spiel trieben.

Auch erkannte ich gleich,« setzte sie mit einem listigen Blicke hinzu,

»daß das Ganze nur auf einen Scherz abgesehen war. Deshalb wird's auch

der Vater nicht so genau nehmen, denn ein Scherz ist kein unerlaubtes

Ding an Bord des =lustigen Freiers von Rotterdam=.«

Der Capitän schien zwar mit dieser Erklärung nicht ganz zufrieden, aber

sey es, daß er dem Rathe seiner Tochter zu folgen gewohnt war, oder daß

er die reich scheinenden jungen Leute nicht weiter bedrängen mochte:

genug! er gab den Matrosen einen Wink, sich wieder an ihre angewiesene

Plätze zu begeben und zog sich selbst brummend in die Gegend des

Steuerruders zurück.

Der =lustige Freier von Rotterdam= segelte so schnell, daß sie bald den

Haven und die weißen, glänzenden Häuser von =Dortrecht= zur Seite hatten.

=La Paix= stand neben =Julianen= und schien bereits in ein sehr

vertrauliches Gespräch mit dem Mädchen verflochten, das ihm offenbar

eine große Freundlichkeit und Gefälligkeit zeigte. Sein nicht so

glücklicher Freund lag auf eine Bank hingestreckt und bemühete sich,

seine Aufmerksamkeit dem vierten Buche der Aeneide zu widmen, die er zu

seiner Unterhaltung auf die Reise mitgenommen hatte. Aber weder =Aeneas=

noch =Dido= wollten ihn heute ansprechen. Statt mit beiden in die

verhängnißvolle Höhle zu wandern und sie dort zu belauschen, flogen

seine Blicke oft neidisch nach dem kosenden Paare hin und als sich

dieses endlich gar von dem Verdecke in das Innere des Schiffes

zurückzog, warf er das Buch unwillig zur Seite und trat an das

Hinterdeck, um hier seine heiße Brust durch die anströmende scharfe

Herbstluft kühlen zu lassen.

»Kommt mit in meine Cajüte!« sagte =Juliane=, indem sie den entzückten =La

Paix= die dunkele Treppe hinabzog. »=Die= hat der Vater für mich besonders

einrichten lassen und wir sind da ungestörter und traulicher, als in dem

großen Zimmer, wo bald den Bootsmann, bald den Vater, bald einen anderen

irgend ein Geschäft hinführt. Ihr sollt sehen, wie hübsch und glänzend

Alles bei mir aufgeputzt ist. Das ist so recht ein Staatszimmerchen für

einen jungen Mann von nobler Herkunft, wie Ihr zu seyn scheint, Myn

Heer!«

In der That schimmerten und blinkten auch die Mahagoniwände des artigen

Kabinets, wie venetianische Spiegel. Allenthalben sah dem Jünglinge,

neben dem seinigen, das anmuthige, schalkhafte Gesicht seiner

freundlichen Begleiterin entgegen. Er hatte noch nie ein weibliches

Wesen gefunden, das, nach einer so kurzen Bekanntschaft, sich ihm so

zuvorkommend genähert hätte, und gewiß war unter diesen Umständen der

Gedanke, daß er, wie =Cäsar= gekommen sey, um zu sehen und zu siegen, bei

einem jungen, leicht anregbaren Franzosen sehr verzeihlich.

Eine Laute lag auf dem Seidenpolster, das längs der einen Seitenwand

hinlief. =Juliane= schob das Instrument bei Seite und, nachdem sie

schäkernd den jungen Mann zum Sitzen genöthigt, öffnete sie ein

Schränkchen und holte ein versiegeltes Fläschchen und einen Teller mit

köstlich duftenden Zimmetschnitten hervor.

»Wir wollen frühstücken!« sagte sie, indem sie Beides auf das Tischchen

vor dem Polster stellte und sich neben =La Paix= niederließ. »Hier ist

köstlicher =Rosoli=, den mir mein Oheim aus =Schidam= verehrt, und diese

Zimmetschnitten habe ich selbst gebacken. Laßt Euch Beides munden! Wir

haben noch einige Stunden, bis wir die =Syrene= erreichen, und die müssen

wir so gut, als möglich auszufüllen suchen.«

=La Paix= war überselig. Er ergriff ihre Hand und zog sie an seine Lippen.

Sie aber entwand sie ihm lachend, um von einem nahe befindlichen

Gestelle ein Paar zierliche silberne Becher herbeizureichen, die sie mit

dem süßen geistigen Getränk bis zum Rande füllte.

»Auf gut Glück in unserm Vorhaben!« sagte sie und stieß mit einem

Feuerblicke, der dem Leydener Studenten tief in die Seele drang, an den

Becher, den dieser ergriffen hatte. Er wurde doch ein wenig betroffen,

als er =Julianen= den nicht gar kleinen Pokal auf einen Zug leeren sah;

folgte aber, um nicht zurück zu bleiben, ihrem Beispiele und verstieß

so, von seiner Verliebtheit irre geführt, schon zum erstenmale gegen

seine Gewohnheit, von gebrannten Wassern nur zu nippen. Das Getränk war

sehr stark. Dem zarten =La Paix= drängte es Thränen in die Augen, während

=Juliane= nicht anders that, als habe sie ein Glas Wasser getrunken. Sie

lachte ihn aus und schenkte von Neuem ein.

»Ihr seyd ein Student und könnt nicht trinken?« spottete sie. »Ihr sollt

es von mir lernen, daß Ihr Euch nicht wieder vor einem holländischen

Mädchen zu schämen braucht! Freilich sind sie nicht alle, wie ich, auf

den Schiffen groß gewachsen, wo die Seeluft eine kräftige Nahrung und

ein starkes Getränk erheischt; aber eine Stadtjungfer aus =Amsterdam=

oder dem =Haag= verschmäht doch auch ein Gläschen =Rosoli= nicht, denn

es reinigt die Haut und belebt das Blut. Trinkt noch einmal! Ihr sollt

eine gute Lehrmeisterin an mir finden. Stoßt an! Auf das Wohl derer, die

Ihr liebt!«

=La Paix= sah voraus, daß der Uebergenuß des ungewohnten Getränks ihm

einen Rausch zuziehen würde; aber er konnte diese Gesundheit nicht

ausschlagen.

»Auf Euer Wohl!« entgegnete er und zwang sich noch einmal den Becher zu

leeren.

Während =Juliane= rasch den Inhalt des ihrigen hinabstürzte, warf sie

einen forschenden Blick auf ihren Gesellschafter. Sie sah ein, daß sie

ihm, zu Erreichung ihrer Absicht, nicht weiter mit Trinken zusetzen

dürfe. Sie schob lachend die Gläser bei Seite, drang ihm einige Schnitte

des Zimmetgebäckes auf und sagte:

»Ich wette, Euer Freund _Cadédis_ ist mehr vertraut mit der Rosoliflasche,

als Ihr! An den Ufern der Garonne gebraucht man nicht blos den

Zwiebelsaft zur Stärkung der Kräfte, man kennt auch recht gut die

hülfreichen Geisterchen, die in einer solchen Phiole verstöpselt und

verborgen stecken.«

Diese Anspielung auf sein früheres Gespräch mit =Le Vaillant=, verrieth

dem Studenten, daß =Juliane= sie belauscht hatte, daß sie ihre Sprache

verstehe und, was noch schlimmer war, ohne Zweifel sie auch als

Franzosen erkenne. Dennoch besaß er noch Herrschaft genug über sich, um

sich nicht weiter zu verrathen. Wie hätte er auch in einem solchen

Augenblicke mehr an andere Dinge denken können, als an das reizende

Wesen an seiner Seite? Sie hatte ihm jetzt ihre Hand überlassen, er

durfte diese an seine Lippen drücken. Sein ganzes Innere war erregt,

sein Herz klopfte ungestüm, er sah mit schmachtenden Blicken die holde

=Juliane= an, ohne den spöttischen Zug, der bei aller Freundlichkeit in

ihrer Miene lag, zu bemerken.

»Himmlische =Juliane=!« rief er im Tone der Begeisterung. »Ihr macht mich

zum Glücklichsten aller Sterblichen, indem Ihr mir erlaubt, diese

schönste Stunde meines Lebens an Euerer Seite hinzubringen. O, wer immer

so fort schiffen könnte, immer fort -- bis an der Welt Ende!«

»Das würde sehr langweilig seyn!« lachte das Mädchen hell auf. »Hört

lieber zu! Ich will Euch ein französisches Liedchen singen. Ihr liebt ja

die französische Sprache!« setzte sie scharf betonend hinzu, »und

vielleicht behagt Euch mein Lied besser, als mein Rosoli, und meine

Zimmetschnitten.«

Sie ergriff die Laute und stimmte ein leichtsinniges Lied an. Ihre

liebliche Stimme steigerte das Entzücken des schwärmerischen Jünglings

zu einem hohen Grade; seine Augen hafteten an den zierlichen Fingern,

die leicht und gewandt über die Saiten flogen. Aus ihren Blicken

sprüheten Blitze auf ihn, die Worte des Liedes sagten noch mehr: um

keine Schätze der Welt hätte =La Paix= diese Augenblicke hingegeben!

Das Lied war erst zur Hälfte, als =Juliane= plötzlich die Laute auf's

Polster warf, ihr hübsches Gesichtchen in verdrießliche Falten legte und

mit dem Ausdrucke der Ungeduld ausrief:

»Mein Himmel, auch der Gesang langweilt mich! Wir müssen etwas Anderes

vornehmen. Wir sind noch nicht im =Biesbosch=,« fuhr sie fort, indem sie

durch's Fenster sah, »wir müssen Alles aufbieten, die langweilige Fahrt

erträglich zu machen. Da habt Ihr ein Andenken an diese Stunde, lieber

Junker! Es ist ein Riechfläschlein mit köstlichem Balsam, das mir

wiederum der gute Oheim in =Schidam= verehrt. Denkt dabei manchmal an die

fröhliche =Juliane=, die es so gar gut mit Euch gemeint!«

Bei diesen Worten zog sie ein Schublädchen aus dem Tischchen und nahm,

während =La Paix= mit wonnetrunkener Miene das süße Aroma des Büchschens

in sich sog, Würfel und Karten hervor. Der Student achtete nicht darauf.

Er war, nachdem er das Geschenk in der Nähe des Herzens wohl verwahrt

hatte, beschäftigt, ein goldenes Kettchen von seinem Halse loszumachen,

an dem sich eine werthvolle Schaumünze von demselben Metall befand.

Beides hatte er in der Abschiedsstunde von seiner Mutter erhalten, und

er achtete es über Alles hoch. Aber der Sinnentaumel riß ihn fort. Was

er in einem Zustande ruhiger Besonnenheit um keinen Preis hingegeben

haben würde, fiel jetzt der listigen =Juliane= als eine willkommene Beute

zu.

Sie hielt die glänzende Gabe ans Licht, betrachtete sie mit lüsternen

Blicken und fragte endlich im Tone des Zweifels:

»Ist's gut Gold, lieber Junker? Man muß doch wissen, was man trägt von

so werther Hand.«

»Gewiß!« betheuerte =La Paix=. »Aecht Peruanisches! Mein Großvater hat es

selbst aus Amerika mitgebracht. O, glaubt mir, himmlische =Juliane=, so

lauter und stark, wie dieses Metall, ist die Liebe, die ich zu Euch im

Herzen trage!«

»Charmant!« versetzte die himmlische =Juliane=, indem sie die schöne Kette

mit dem Schaustück behaglich in ihr Mieder schob. »Aber laßt uns Eins

würfeln, Herzensjunker! Blos zum Scherz, einen Gulden den Einsatz und

wer zuletzt gewonnen hat, der lacht den andern aus! Ich würfle für mein

Leben gern. Die Stunden verfliegen, wie Minuten, und das Spiel versetzt

in eine so angenehme Spannung, die ich mit Nichts in der Welt

vergleichen kann. Kommt her! Da ist mein Satz. Die Sache wird bald

abgethan seyn, denn viel darf ich nicht wagen, weil mich der Vater sehr

knapp hält im Gelde.«

Sie schüttete ihr kleines Börs'chen auf dem Tische aus. Was hätte =La

Paix= in dem Zustande der Liebe und halber Trunkenheit, in dem er sich

befand, dem verführerischen Mädchen abschlagen können? Er setzte und

verlor rasch hintereinander. Sie neckte ihn mit seinem Verluste und

meinte, er sey nicht stärker im Spielen, wie im Trinken. Diese Neckerei

reizte den jungen Mann, der ganz aus seinem gewöhnlichen Geleis gekommen

war, immer mehr. Die Sätze wurden verdoppelt, das Glück blieb =Julianen=

getreu. Während des Spiels unterhielt sie ihn mit kurzweiligen Reden,

nannte ihn bald ihren Herzensjunker, bald ihr liebstes Studentchen, und

ihre freundlichen Blicke verwirrten ihn noch überdem so sehr, daß er gar

nicht bemerkte, wie ihr kleiner Finger oft auf den Tisch huschte, einen

ihr ungünstigen Wurf in einen günstigen verwandelnd, und wie sie zuletzt

sogar ganz andere Würfel unter dem Tischchen hervorbrachte und mit

diesen gegen ihn und die schon vorhandenen spielte. Es war noch keine

halbe Stunde vergangen, als der letzte Gulden aus des Studenten Börse zu

ihr hinüberflog und dieser den leeren Beutel verlegen vor sich

hinhielt.

Aber das laute Gelächter, das =Juliane=, indem sie aufstand, erschallen

ließ, brachte ihn einigermaßen zur Besinnung. Der dumme Streich, den er

gemacht hatte, wurde ihm klar; allein noch ließ ihn die Liebe nicht aus

ihren Schlingen.

»Herrliches Mädchen!« rief er aus und schritt ihr mit geöffneten Armen

nach: »Alles was ich besitze gehört Euch, aber nehmt auch mein Herz an

und laßt unsere Lippen diesen süßen Bund besiegeln!«

Da veränderte sich mit einemmale =Julianens= ganzes Wesen. Ihre Blicke

wurden finster, ihre Züge streng und ernst, sie sah den Jüngling von

oben bis unten mit einer geringschätzigen Miene an und sagte wegwerfend:

»Was fällt Euch ein, Junker? Ihr müßt wohl wenig mit ehrsamen Jungfrauen

umgegangen seyn, daß Ihr eine Freundlichkeit, wie sie das gesellige

Leben mit sich bringt, für eine Aufmunterung zu unanständiger

Aufdringlichkeit nehmt. Ich habe Euch Höflichkeit erwiesen und dafür

gebt Ihr mir Schimpf zurück. Ich dürfte das meinem Vater entdecken und

er würde diese Beleidigung auf eine Weise bestrafen, die Euer

unerlaubtes Liebesfeuer wohl abkühlen sollte! Doch ich will großmüthig

seyn. Ich verzeihe Euch, Euere große Jugend mag Euch entschuldigen! Wenn

Ihr einmal aus den Knabenjahren heraus seyd, dann wird ein tugendhaftes

Mädchen wohl eher, ohne Gefahr für ihre Ehre, bei Euch verweilen

können.«

Die himmlische =Juliane= warf noch einen durchbohrenden Blick auf den

betretenen =La Paix=. Dann rauschte sie schnellen Schrittes aus dem

Closett, die Treppe hinauf nach dem Verdeck hin. Der Student sah ihr

dumm nach. Endlich erst begriff er -- zu spät -- die ganze Größe seiner

Albernheit. Er sah ein, daß er in das Netz einer listigen Betrügerin

gefallen sey, daß er, der sonst so weise und besonnene =La Paix= -- einen

Gimpelstreich begangen habe, vor dem sich selbst der so oft getadelte =Le

Vaillant= zu hüten gewußt haben würde. Er hatte Alles verspielt bis auf

den letzten Heller, das immer so treu bewahrte Angedenken seiner Mutter

war auch dahin und -- was hatte er dafür? Ein hölzernes Büchschen, das

stark nach Moschus und Wachholder roch. Ingrimmig riß er es hervor,

schleuderte es zu Boden und zertrat es.

»Mußte ich darum Latein und Griechisch lernen, Philologie und

Physiologie studiren, Anatomie und Medecin treiben, um mich auf eine so

bejammernswürdige Weise anführen zu lassen?« rief er gegen sich selbst

erbittert aus. »Wenn =Le Vaillant= die Sache merkt, wie wird er

triumphiren! Doch Ruhe, =La Paix=, Fassung, Frieden! Es ist nicht das

erstemal, daß dir die Moneten ausgingen. Ein braver Bursch verzagt

nicht!«

Der Rausch von Liebe und Rosoli war verflogen. Er ging gefaßt auf das

Verdeck. Sein Antlitz zeigte Ruhe und Heiterkeit. Er warf nur einen

Seitenblick auf =Juliane=, die jetzt neben =Le Vaillant= am Vordertheile

des Schiffes stand und diesen ebenso freundlich anlockend beäugelte und

besprach, wie sie es früher ihm selbst gemacht hatte. =Le Vaillant= aber

blickte noch immer verdrießlich und gab ihr kurze Antworten.

»=Den= will sie auch kirren!« sagte =La Paix= zu sich selbst. »Ich werde

ihr aber den Spaß verderben. Französisch versteht die Schlange, aber

jetzt soll mir mein Latein helfen, wenn es mir auch gegen ihre Künste

nichts genützt hat.«

Der =lustige Freier von Rotterdam= befand sich jetzt zwischen den Inseln

des =Biesbosches= und Capitän =Jonas= hatte mit dem Auswerfen des

Senkbleies, mit mancherlei Wendungen des Schiffes, um den Untiefen zu

entgehen, so Viel zu thun, daß er nicht auf das Töchterlein achten

konnte, wenn er es überhaupt auch für Noth gehalten hätte.

Mit freiem Anstande und ungetrübter Stirn trat =La Paix= zu seinem

Freunde, der eben anfing durch =Julianens= fortgesetzte Freundlichkeit

erwärmt zu werden und seine auf dem Geländer ruhende Hand dicht neben

die ihrige gerückt hatte. Die listige Gaunerin schien betroffen über

seine Gegenwart und sein unbefangenes Wesen. Nach einem Augenblicke aber

lächelte sie zu ihm hin, als wenn nichts vorgefallen wäre. Die goldene

Kette prangte an ihrem Halse und =La Paix= mußte einen Seufzer über seine

Thorheit, dieses Kleinod an eine Unwürdige verschleudert zu haben,

unterdrücken. Mit wenigen Worten hatte er dem staunenden =Le Vaillant=

seine Abentheuer berichtet. Dieser verschluckte ein _Cadédis_, das ihm auf

der Zunge schwebte. Dann besann er sich einen Moment, sah bedeutungsvoll

nach seinem Cameraden und wandte sich nun mit einer sehr höflichen

Gebehrde zu =Julianen=, die vergebens bemüht gewesen, etwas von der

französisch klingenden Mittheilung zu verstehen.

»Prangende Schönheit, deren Reize des Aeußern noch weit übertroffen

werden von denen des Innern,« begann er in einem ernsten und

ehrerbietigen Tone, hinter dem sich aber der Spott schlecht versteckte:

»wie ich so eben vernehme, so liebt Ihr ein kurzweiliges Spiel und seyd

auch nebenbei dem Rosoli nicht abhold! _Sandis!_ Das sind auch eben meine

Passionen und ich habe bis jetzt vergebens versucht, sie auch meinem

Freunde da werth und theuer zu machen. Der Rosoli bringt ihn herunter,

aber er nicht jenen. Das Spiel kann ihn nur ergötzen, wenn er verliert,

weil er so gar mildthätig ist und lieber gibt, denn nimmt. Ihr seht, wie

ihm die Freude über seinen Verlust die Wange geröthet hat, wie er noch

einmal so heiter in die Welt blickt, als früher, da er noch nicht

verloren hatte! Ihr habt ihn glücklich gemacht, aber mich unglücklich!

Nach jenem Kettlein mit der Schaumünze, die nur eine schlechte Zierde

Euerer vortrefflichen Person ist, stand schon lange mein Gelüst.

_Cadédis!_ Ich habe ihm Geld, ich habe Alles geboten für dieses Kleinod.

Jetzt besitzt Ihr es. Aber hört noch, Dame sonder Gleichen! Seht diesen

Diamant an meinem Finger! Ich setze ihn gegen die Kette mit dem

Schaustück, wir spielen d'rum und wem Fortuna wohl will, dem wird

Beides!«

Die Blicke der Dame sonder Gleichen ruheten mit großer Begehrlichkeit

auf dem köstlichen Ringe. Die Strahlen des Diamants drangen bis in ihr

Herz: er hatte gewiß den vierfachen Werth der Kette und des Schaustücks.

Wie herrlich mußte er sich nicht an =Julianens= zarter Hand ausnehmen?

Ein solches Kleinod besaß sie noch gar nicht. Sie konnte dem lockenden

Vorschlag nicht widerstehen.

»Gern, edler Junker!« erwiederte sie. »Harret nur einen Augenblick, bis

ich die Würfel heraufhole!«

»Was Würfel!« entgegnete =Le Vaillant=, sie zurückhaltend. »Wir thun es

kürzer ab. Hier ist mein Ring, Ihr legt das Kettlein daneben. Diesen

Reichsthaler werf ich in die Höhe: _rex_ oder Schrift! Auf was haltet

Ihr?«

Die Begierde, den schönen Ring zu besitzen, überwog bei der edeln

=Juliane= jede Bedenklichkeit.

»_Rex!_« rief sie, die diese Spielweise recht wohl verstand, mit

zitternder Stimme und glühenden Blicken. Der Thaler flog in die Höhe und

wieder zur Erde. Schon glaubte sie gewonnen zu haben, schon streckte sie

die Hand nach beiden Kleinoden aus. --

»=Schrift!=« sagte da stark und kaltblütig =Le Vaillant=, indem er auf das

liegende Silberstück wies. Die Kette war sein, er gab sie mit einem

triumphirenden Lächeln seinem Freunde zurück.

»Ihr müßt weiter mit mir spielen!« eiferte die treffliche Jungfrau. Ihre

Wangen färbten sich dunkelroth, ihre Augen blitzten. »Ihr müßt mir

Revange geben,« fuhr sie fort, »Ihr müßt mir einen Satz halten im

Würfelspiele, das auch weit unterhaltender ist, als Euer erbärmlicher

_Rex_, mit dem ich nichts zu thun haben mag!«

»Ein andresmal, hochedle Jungfrau!« versetzte mit einer tiefen

Verbeugung der Gascogner: »wenn wir uns einmal wieder treffen in der

Welt!«

Bei diesen Worten nahm er =La Paix= unter den Arm und zog ihn nach einem

anderen Theile des Schiffes.

»Das vergesse ich dir nicht, =Le Vaillant=!« sagte dieser, indem er dem

Freunde herzlich die Hand drückte. »Du hast nun viel zu gut bei mir:

einige Grobheiten und einen unbezahlbaren Freundschaftsdienst.«

=Juliane= aber sah den zwei jungen Männern mit boshaften Blicken nach. Sie

bedachte sich ein Wenig. Dann wurde ihre Miene wieder heiter und

lachend und singend hüpfte sie nach dem Vater zum Steuerruder hin. Sie

sprach mit diesem eifrig und bedeutungsvoll, das eine Auge des Alten

richtete sich oft nach den Studenten, er lächelte hämisch und gab der

Tochter eine kurze Antwort, die diese jedoch ganz zufrieden zu stellen

schien.

Noch immer schwebte der Kutter in den Gewässern des =Biesbosches=. Bald

aber mußten sie ins Offene kommen und die =Syrene=, die unmöglich einen

großen Vorsprung haben konnte, mußte sich ihnen zeigen. Da rollte es mit

einemmale, wie Kanonendonner über die Wellen heran, die durch einen

Wind, der sich erhoben hatte, bewegt wurden, da folgten dem ersten

Schuße in geringer Entfernung mehrere andere, ein dunkler Rauch stieg

hinter einer Insel, dem Kutter zur Rechten, auf, der Himmel hatte sich

verdunkelt und eine schwarze Wolke hing drohend herab.

»Alle Segel auf!« befahl des Capitäns Stimme. »Das ist ein Tanz zwischen

Geusen und Spaniern oder Franzosen. Wir müssen auch dabei seyn. Frisch,

ihr Jungen! Das kann gute Beute geben, wenn wir noch bei Zeiten

anlangen!«

Schreiend flog =Juliane=, die nur Muth hinter'm Würfelbecher besaß, in die

Cajüte hinab. In wenigen Minuten hatte sich eine stolze Wucht von Segeln

über dem Kutter entfaltet. Er schoß wie ein Pfeil über die Wogen hin.

Schuß folgte jetzt auf Schuß, das Gefecht konnte keine halbe Meile

entfernt seyn.

»_Morgué._« sagte =Le Vaillant= zu =La Paix=, indem er seinen Degen in der

Scheide lüpfte. »Es wird etwas Warmes setzen! Sind es Spanier, so mache

ich gemeinschaftliche Sache mit dem =lustigen Freier von Rotterdam=; sind

es aber Landsleute, so falle ich ihm in den Rücken.«

Man kam dem Orte des Gefechtes immer näher. Jetzt schwieg das Feuer des

groben Geschützes, aber deutlich wurden die Schüße der Hakenbüchsen, das

Geschrei der Kämpfenden vernommen.

»Leewärts!« commandirte =Jonas= nach dem Steuermanne hin. Die Bewegung

wurde vollzogen, das Fahrzeug schoß nur noch einige Schiffslängen weit

vor sich hin, die Spitze der Insel war erreicht, der überraschten

Mannschaft des Kutters zeigte sich die spanische Schebecke in Flammen

und =Jansen's= wohlbekannte Barke, die in einer Stellung, welche sie als

Siegerin verkündete, dem brennenden Fahrzeug gegenüber hielt.

»Victoria!« jubelten Alle und die zwei lebhaften Jünglinge von =Leyden=

konnten sich nicht enthalten miteinzustimmen.

Da erblickte =Le Vaillant=, der ein sehr scharfes Auge besaß und mit

großer Aufmerksamkeit das ihm neue Schauspiel betrachtete, durch den

heranziehenden Rauch hindurch einen kleinen Nachen, der gerade auf den

Kutter zuruderte. Er kam näher. Er schwankte hin und her auf den Wellen,

er schien beschädigt und dem Untersinken nahe. Der Gascogner unterschied

fünf Menschen in dem kleinen Fahrzeuge, von denen zwei emsig die Ruder

bearbeiteten, die andern drei ebenso eifrig den Nachen von dem Wasser

zu entleeren suchten, das durch alle Fugen eindrang.

»_Sandis!_« rief er dem Capitän zu, indem er ihn auf die Gefahr der

Menschen im Nachen aufmerksam machte. »=Die= gehen unter, wenn ihnen nicht

bald geholfen wird.«

Der Kutter war dem Nachen jetzt so nahe, daß man die herbeirudernden

Leute erkennen konnte. Einer von ihnen schwang ein weißes Tuch nach dem

=lustigen Freier von Rotterdam= hin.

»Ich will mit dem Spagnol in die Luft fahren,« brach =Jonas= in wilder

Heftigkeit aus, »wenn das nicht =Herrmanneke= von =Jansens= Barke ist und

neben ihm -- wahrhaftig -- das ist mein alter Freund, Heer =Cornelius van

Daalen=, des dicksten Mannes Sohn in =Rotterdam=! Wie kommt der Landläufer

in das Seehundsgebiet, was hat er zu fischen im =Biesbosch=?«

Die Jölle lag am Kutter, aber sie war auch im Begriff unterzugehen. Taue

und Leitern flogen nach den befreundeten Männern herab. Sie kletterten

an Bord, während ihr Fahrzeug versank. Die Gesichter von Pulverdampf

geschwärzt, die Kleider halb verbrannt, von Wasser triefend, standen

sie, munter um sich blickend, vor dem staunenden Capitän des Kutters.

Auch =Le Vaillant= und =La Paix= hatten sich herbeigedrängt. Mit Blicken

der Neugierde sahen sie auf =Cornelius=, der sich durch seinen Anstand

und seine Kleidung vor den übrigen auszeichnete. Sie erblickten ihren

Feind in ihm, den Gegner, dem sie eine kostbare Beute abnehmen wollten;

aber sie konnten zugleich nicht umhin, seine kriegerische Haltung, den

Muth, den er eben bei einem wahrscheinlich sehr gefährlichen Unternehmen

bewiesen, zu bewundern.

=Herrmanneke= war der erste an Bord Gekommene, welcher die Stille

unterbrach.

»Gebt mir ein Glas Brandwein!« sagte er. »Wir haben es wohl verdient.

Aber dem Heern =Cornelius= gebt zwei, denn er hat mehr gethan, als wir

andern alle.«

Er erhielt was er verlangte. Zu =Cornelius= war schon Capitän =Jonas=

getreten. Er wollte eben sprechen, da flog die Schebecke in die Luft,

und in starrem Verstummen stand Alles auf dem Kutter. Das Wasser wogte

ungestüm. Aus der verdunkelten Luft flogen einzelne Trümmer der

zerschmetterten =Schebecke= herab. Den zwei Studenten von =Leyden=, die

dergleichen noch nie gesehen, trat das Blut zum Herzen.

»Das haben =wir= gethan!« hob mit stolzem Selbstbewußtseyn der Bootsmann

der =Syrene= an. »Oder,« setzte er verdrießlich hinzu, »Junker =Cornelius=

hat eigentlich dem Don den rothen Hahn aufgesteckt und wir haben nur die

Jölle unter seinem Spiegel gehalten, damit der verwegenste Streich, der

je in diesen Gewässern erlebt worden, ausgeführt werden konnte!«

»Ihr, Myn Heer =van Daalen=?« sagte im Tone zweifelhaften Erstaunens

Capitän =Jonas=. »Ihr habt Euch auf das Element gewagt, das keine Balken

hat? Ihr habt dem Spagnol ein Autodafé angezündet auf seinem eigenen

Schiffe, so daß er als ein geläuterter Christ gen Himmel gefahren? Auf

Seemannsehre, dann muß nächstens der Landheld =Marlborough= die Flotte

kommandiren und Prinz =Eugenius= ihm als Vice-Admiral beigegeben werden!«

Die Mumie von Rotterdam. Zweiter Theil · 第 1 / 14 段