Daß der Schlammbeißer in seinen oft kleinen Wohntümpeln bei

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Einheimische Fische

Die Süßwasserfische unsrer Heimat

Von

Dr. Kurt Floericke

Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen u. Zeichnungen von

Dr. E. Bade, Oberlehrer W. Koehler, R. Oeffinger u. a. und einem

Umschlagbild von R. Oeffinger

Stuttgart

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde Geschäftsstelle: Franckh'sche

Verlagshandlung Copyright 1913 by Franckh'sche Verlagshandlung

Stuttgart

Stuttgarter Setzmaschinen-Druckerei Holzinger & Co.

Einheimische Fische

»Ach, wüßtest du, wie's Fischlein ist

So wohlig auf dem Grund,

Du stiegst herunter wie du bist

Und würdest erst gesund!

Ob Altmeister Goethe, der ja bekanntlich auch einen recht tiefen

Einblick in das weite Reich der Natur getan hat, recht hat, wenn er in

einem seiner formvollendetsten Gedichte, in dem fast italienischen

Wohlklang atmenden »Fischer«, von dem Wohligsein der Fische spricht und

den Menschen sie darum beneiden läßt? Der Naturforscher wird entschieden

antworten, daß hier die Phantasie mit dem Dichter durchgegangen sei. Die

Natur ist ja durchaus nicht die allgütige und allsorgende Mutter, als

die eine sentimentale Weltauffassung sie hinzustellen beliebt, sondern

vielmehr eine recht rauhe Erzieherin, die eine gar strenge und

nachsichtslose, oft geradezu zu raffinierter Grausamkeit gesteigerte

Auslese unter ihren »Kindern« hält, der das Schicksal des Individuums

gleichgültig ist, wenn sich nur Aussicht bietet, den Bestand der Art zu

erhalten. Und wenn aus diesen Gründen schon auf dem Festlande ein

rücksichtsloser Kampf aller gegen alle tobt, so herrscht ein solcher in

tausendfach vergrößerter und verbitterter Form im scheinbar so

friedlichen Wasser, und besonders unter dessen höchst entwickelten

Bewohnern, den Fischen, unter denen ja ausschließliche Pflanzenfresser

eine Seltenheit sind, während grimmige Räuber in Unzahl das feuchte

Element bevölkern. Das ganze Dasein der »wohligen« Fische ist ein fast

ununterbrochenes Hetzen und Jagen, Verfolgen und Verfolgtwerden, alles

dreht sich bei ihnen ums Fressen oder Gefressenwerden, solange nicht für

mehr oder minder kurze Zeit der allmächtige Fortpflanzungsinstinkt alles

andere in den Hintergrund drängt, die sonst Unersättlichen zu wochen-

und monatelangem Fasten verurteilt und ganze Millionenheere zu weiten

Wanderungen veranlaßt, die in der rücksichtslosen, fast brutalen Art

ihrer Ausführung etwas geradezu Fanatisches und Hypnotisierendes an

sich haben. Da also der Kampf ums Dasein in den Gewässern noch

unerbittlicher tobt als auf dem Festlande, wird es ohne weiteres

begreiflich erscheinen, wenn die einzelnen Arten ihm nach dieser oder

jener Richtung hin in weitgehender Weise angepaßt wurden, und wir werden

ja im folgenden verschiedentlich Gelegenheit haben, solche

Anpassungserscheinungen und ihre tiefgehende Bedeutung und Wirksamkeit

für die Biologie der Fische kennen zu lernen.

Selbst dem Laien, der öfters vor einem Aquarium gestanden hat, wird bald

auffallen, daß er die Fische eigentlich jedesmal und zu jeder Tages-

oder Nachtzeit in mehr oder minder lebhafter Bewegung, jedenfalls fast

nie ganz ohne solche vorfindet. Bei einigem Nachdenken muß er sich

schließlich ganz von selbst fragen, ob denn diese unermüdlichen Tiere

eigentlich überhaupt nicht schlafen. Diese Frage ist keineswegs so naiv,

wie sie auf den ersten Anblick erscheinen mag, denn bis in die neueste

Zeit hinein haben auch angesehene Fachgelehrte der Meinung zugeneigt,

daß die Fische tatsächlich überhaupt keines Schlafes bedürfen. Daß diese

Anschauung so lange Zeit hindurch sich behaupten konnte, wird

erklärlicher, wenn wir bedenken, daß das Hauptzeichen echten Schlafes,

das geschlossene Auge, bei der Mehrzahl der Fische in Wegfall kommt,

indem sie keine Augenlider haben. Das sonst so bewegliche Fischauge

bleibt aber im Schlafe starr und ruhig, ohne jedoch seine Funktion

völlig auszusetzen. Und das ist auch nötig, denn da das Gehör bei der

großen Mehrzahl der Fische fast völlig versagt, muß das offene Auge

ihren Schlaf behüten, wohingegen bei dem schlafenden Menschen das Gehör

nicht gänzlich außer Funktion tritt und ihm eine herannahende Gefahr oft

noch rechtzeitig genug verrät. Doch gibt es auch Fische, die Augenlider

haben, wie z. B. die _Haie_ und _Rochen_, und diese schließen im Schlafe

auch das Auge fast völlig, während sich gleichzeitig die Pupille ganz

wie bei uns Menschen verengt. Nur die ungemein schwierige Beobachtung

solcher großen Meeresfische ist schuld daran, daß diese Tatsache so

lange übersehen wurde, die man erst neuerdings an dem kleinen

_Katzenhai_, der zu den gewöhnlichen Bewohnern der Schauaquarien gehört,

festgestellt hat. Wir müssen übrigens zweierlei Arten von Schlaf bei den

Fischen unterscheiden, nämlich einerseits den lethargischen

Erstarrungszustand, in den gewisse Fische während der Winterkälte oder

Sommerdürre für längere Zeit verfallen, der also ganz dem _Winter-_

oder _Sommerschlaf_ gewisser Säuger, Kriechtiere und Lurche entspricht,

und andrerseits den eigentlichen Nacht-, bezüglich Tagesschlaf. Der

erstere ist ja schon seit längerer Zeit bekannt. Wir wissen, daß alle

Fische, die bekanntlich zu den Kaltblütern gehören, nur innerhalb

bestimmter Temperaturgrenzen zu existieren und nur bei einem gewissen

Temperaturoptimum ihre volle Lebenstätigkeit zu entfalten vermögen.

Freilich sind diese Temperaturzonen bei den einzelnen Arten

außerordentlich verschieden, was ja nicht weiter Wunder nehmen kann,

wenn wir bedenken, daß manche Fische zwischen den Eisschollen der

Nordmeere sich tummeln, andere dagegen in den lauwarmen Wassern der

tropischen Riesenströme oder gar in heißen Quellen wohnen, die wie

diejenigen von Aix eine Wärme von 45 Grad Celsius aufweisen. Wenn auch

die widerstandsfähigeren Fische sich im Aquarium allmählich an eine

nicht unbeträchtlich kältere oder auch wärmere Temperatur gewöhnen

lassen, als sie im Freileben gewohnt sind, so weiß doch jeder

Aquarienbesitzer, wie überraschend empfindlich seine Pfleglinge sich

gegen plötzliche Temperaturschwankungen selbst geringfügiger Art zu

zeigen pflegen. So erklärt sich auch die merkwürdige Tatsache, daß

Aquarienfische sich sehr leicht erkälten, obwohl sie doch im Wasser

selbst leben, und vereinzelte Ausnahmefälle, wo Tropenfische bei einer

Temperatur von nur wenigen Graden völlig erstarrten und schon für tot

gehalten wurden, dann aber beim Erwärmen zu neuem Leben erwachten,

bestätigen nur die Regel. In freier Natur dagegen dürften

Erkältungserscheinungen bei Fischen nur äußerst selten vorkommen, da ja

die natürlichen Gewässer sich nur ganz langsam erwärmen oder abkühlen.

Wird aber dabei eine gewisse Grenze überschritten, so erleidet die

aktive Lebenstätigkeit der Fische eine immer weiter gehende

Herabminderung, die schließlich in unserem Klima zur Erscheinung des

lethargischen Winterschlafes führt. Unsere Weißfische und _Karpfen_ z.

B. fallen in einen solchen bei einer Wassertemperatur von + 4-6°_C_,

nachdem sie sich vorher scharenweise im Schlamm eingewühlt und sich hier

oft so dicht aneinander gedrängt haben, wie Pökelheringe in einer

vollgepfropften Tonne. Während dieses Winterschlafes wird ganz wie bei

Hamstern oder Fledermäusen die Tätigkeit des Herzens und sonstiger

Muskeln, sowie die der Atmungs- und Ausscheidungsorgane auf ein Minimum

herabgesetzt (bei _Weißfischen_ z. B. sinkt nach Haempel die Zahl der

Herzschläge von 20-30 auf 1-2 in der Minute), und der Körper zehrt

während dieser ganzen Zeit lediglich von seinem eigenen, vorher nach

Möglichkeit aufgespeicherten Fett, so daß er während des Winterschlafes

einen Gewichtsverlust von 5 v. H. und mehr erleidet. Die Wärme des

Frühjahrs erweckt dann die schlafenden Fische zu neuem Leben, falls

nicht die Temperatur zu tief unter den Gefrierpunkt gesunken war und

dadurch den zeitlichen Schlaf in einen ewigen verwandelt hat. Es ist

übrigens erstaunlich, was die Fische gerade in dieser Beziehung

auszuhalten vermögen. So sind verbürgte Fälle bekannt, daß Karpfen bei

einer Temperatur von -15 bis -20°_C_ vollständig in einen Eisblock

eingefroren waren und sich dann bei ganz allmählichem und genügend

vorsichtigem Auftauen doch völlig erholten. Während viele unserer

Fische, wie der _Hecht_, auch während der rauhen Jahreszeit in Tätigkeit

bleiben, bietet andrerseits unsre Fischwelt sogar manches bemerkenswerte

Gegenstück zu dem Sommerschlaf der Tropenfische, der bei den in

wissenschaftlicher Hinsicht so bemerkenswerten Lungenfischen seine

höchste Vollendung erreicht und den Zweck verfolgt, beim Austrocknen der

Wohngewässer die sommerliche Dürre ohne Schaden überdauern zu können. So

erzählt Antipa aus dem Donaugebiete, daß er den _Schlammpeitzker_

wiederholt in durchaus lebensfähigem Zustande tief im Schlamm vergraben

angetroffen habe, während seine Wohntümpel so scharf ausgetrocknet

waren, daß man mit beladenen Wagen darüber hinwegfahren konnte. Das wird

erklärlich, wenn wir an die später noch näher zu besprechende Darmatmung

dieses merkwürdigen Fisches denken.

Viel weniger zahlreich sind aus dem schon erwähnten Grunde sichere

Beobachtungen über den eigentlichen Schlaf der Fische, aber sie mehren

sich in neuerer Zeit auffallend, so daß wir wohl annehmen dürfen, daß

die Mehrzahl der Fische der süßen Wohltat des Schlafes nicht zu

entbehren braucht, was ja auch physiologisch kaum denkbar wäre. Doch

scheint soviel festzustehen, daß das Schlafbedürfnis der Fische ein

ungleich geringeres ist, als das der übrigen Wirbeltiere und daß es sich

noch am ehesten bei drückender Hitze und sauerstoffarmem Wasser geltend

macht, bei den einzelnen Arten sehr verschieden stark ausgeprägt ist und

auch individuelle Abweichungen nicht vermissen läßt. Insbesondere

scheinen bestimmte _Schlafstellungen_ für die einzelnen Arten

kennzeichnend zu sein. Viele Fische schlafen in der gewöhnlichen

Schwimmstellung freischwebend im Wasser, andere begeben sich zum Boden

herab, drehen hier den Kopf der Strömung entgegen und stützen sich auf

Brust- und Bauch-, sowie auf den unteren Rand der Schwanzflosse. Der

_Katzenhai_ steht senkrecht auf dieser, während er zugleich den Kopf an

einen Stein oder an die Glaswand des Aquariums anlehnt, die _Lippfische_

legen sich auf die Seite, nehmen also im Schlafen eine ähnliche Stellung

ein wie der Mensch, und die _Panzerwelse_ des Nil legen sich nach den

Beobachtungen Werners sogar auf den Rücken und treiben mit nach oben

gekehrtem Bauche an der Oberfläche einher, so daß man sie unbedingt für

abgestorbene Fische hält. Der von den Aquarienfreunden wegen seiner

interessanten Brutpflege hochgeschätzte _Maulbrüter_ (das Weibchen

schleppt den befruchteten Laich bis zu seiner völligen Entwicklung im

Maule mit sich, das auch den Jungen während ihrer ersten Lebenstage noch

als Zufluchtsstätte dient) schiebt sich zum Ausruhen flach auf ein

geeignetes, oft nur wenig vom Wasser überspültes Pflanzenblatt, und die

hübschen _Zwergwelse_ Nordamerikas hängen in halbmondförmig gekrümmter

Stellung, wie wir sie von den gekocht auf unsere Tafel kommenden

Schleien her kennen, dicht an der Wasseroberfläche. Eine ähnliche

Schlafstellung nimmt nicht selten auch unser _Schlammpeitzker_ ein,

indem er Kopf und Schwanz nach unten biegt, den schmiegsamen Leib aber

nach oben krümmt. Auch den nahe verwandten _Steinbeißer_ kann man

bisweilen in dieser merkwürdigen Lage überraschen. Vielleicht ist sie

auch auf das bei den Schlafstellungen der höheren Wirbeltiere so

deutlich ausgeprägte Bestreben des Organismus zurückzuführen, während

des wehrlosen Schlummers nach Möglichkeit zur primitiven, die geringste

Angriffsfläche bietenden Kugelform zurückzukehren, was den Fischen bei

ihrem meist starren Leibe allerdings nur andeutungsweise möglich ist.

Während des Schlafes erscheint die Reizempfänglichkeit der Fische stark

herabgemindert. Man muß ihnen schon ziemlich grob kommen, um sie

aufzustören. So reagieren sie auf Steinwürfe in der Regel erst dann,

wenn sie unmittelbar getroffen werden. Versuche Schmids haben gezeigt,

daß sich Fische durch Zusätze von Veronal oder Trional (beide Stoffe

gelten ja auch beim Menschen als Schlafmittel) zum Wasser auch künstlich

einschläfern lassen, wobei sie ihre Bewegungen ganz allmählich

verlangsamen und schließlich selbst gegen unmittelbare Berührungsreize

unempfindlich werden. Schleien nahmen dabei eine im Winkel von 45°

schräg nach unten gerichtete Stellung ein. Auch die Vorstufe des

Schlafes, das charakteristische Ermüdungszeichen des _Gähnens_, ist im

Fischreiche keine unbekannte Erscheinung, so sonderbar uns das auch

anmuten mag. Namentlich in warmem und sauerstoffarmem Wasser kann man

die Fische häufig gähnen sehen, gerade wie auch bei uns Menschen

weichliches Wetter leicht Ermüdungszustände hervorruft. Beim Gähnen

öffnet der Fisch sein Maul sehr weit, spreizt die Kiemen, hebt seine

Bauchflossen und stößt dann mit großer Geschwindigkeit das eingesogene

Wasser teils durchs Maul, teils durch die Kiemen wieder aus. Die

Stellung der Flossen während des Schlafes ist am eingehendsten beim

Schlammpeitzker beobachtet worden; gewöhnlich werden sie dem Körper

glatt angelegt, die Brustflossen nicht selten aber auch flach

ausgespreizt.

Bei dieser Gelegenheit sei gleich noch einiges über den

_Schlammpeitzker_ oder _Schlammbeißer_ (_Cobítis fossílis_) gesagt,

diesen wegen seiner leichten Erreichbarkeit bei der Jugend so beliebten,

wegen seiner vielen merkwürdigen Eigenarten aber auch für den Forscher

und Aquarienfreund hochinteressanten Bewohner unserer kleinen stehenden

Gewässer mit schlammigem Untergrunde. Er lebt hier als ein echter

Bodenfisch und als ein ausgesprochenes Nachttier, das tagsüber untätig

dem schlammigen Untergrunde aufliegt und erst mit Einbruch der Dämmerung

zu regerem Leben erwacht, um den Schlamm nach allerlei Gewürm, Schnecken

und jungen Muscheln zu durchwühlen, nebenbei wohl auch vermodernde

Pflanzenteile zu sich zu nehmen. Bekannt geworden ist der Schlammbeißer

in weiteren Kreisen namentlich als Wetterprophet, weshalb er auch im

Volksmunde vielfach den Namen Wetterfisch führt, und er verdient diesen

Ruf sicher in höherem Grade als der zu Unrecht gepriesene Laubfrosch. Es

ist Tatsache, daß der Schlammbeißer wenigstens gegen elektrische

Veränderungen in der Atmosphäre sich überaus empfindlich erweist und

namentlich das Herannahen von Gewitterbildungen viele Stunden vorher

(angeblich sogar 24 Stunden vorher) mit fast untrüglicher Sicherheit

anzeigt. Der sonst so träge Geselle gerät dann in lebhafte Unruhe und

schwimmt rastlos unter kräftig schlängelnden Bewegungen hin und her,

kommt auch mit sichtbarer Ängstlichkeit häufig an die Oberfläche, um

Luft zu schnappen. Es erscheint daher zweifellos, daß er für Fluida

elektrischer oder magnetischer oder vielleicht gar radioaktiver

Herkunft besonders empfänglich ist, ohne daß wir jedoch bisher diese

auffallende Erscheinung irgendwie befriedigend aufzuklären vermöchten.

Diese Eigenschaft des Schlammbeißers bringt es mit sich, daß man ihn in

manchen Gegenden als geschätzten Wetterpropheten in einfachen Fisch-

oder Einmachegläsern mit Sandbelag hält, was für den sonst sehr

widerstandsfähigen Fisch freilich nur einen langsamen und qualvollen Tod

bedeutet. Da er ebenso wie der Steinbeißer sich von einer geschickten

Hand im Wasser ohne allzu große Schwierigkeiten ergreifen läßt, muß er

ferner in der Regel für die ersten Aquarienversuche der lieben Jugend

herhalten. Das ist sehr zu bedauern, und es erscheint nachgerade

angezeigt, auch in bezug auf unsere Fischfauna den Naturschutz in

höherem Grade zu berücksichtigen, als es bisher geschah, denn auch die

Fauna unserer Binnengewässer und namentlich der kleinen Tümpel und

Teiche droht infolge rücksichtsloser Nachstellungen mehr und mehr zu

veröden und zu verarmen. Dagegen sei den modernen Aquarienfreunden,

deren praktische Kenntnisse in der Tierpflege groß genug sind, um jede

Tierquälerei auszuschließen, bei dieser Gelegenheit die sachgemäße

Haltung und Beobachtung unserer so anziehenden einheimischen Fische, die

über der Sucht nach ausländischen Neueinführungen und -züchtungen nur

allzu sehr vernachlässigt worden sind, wieder einmal dringend ans Herz

gelegt. Gibt es doch gerade an unseren so charakteristischen

einheimischen Formen, von denen nicht wenige ebenso schön und zierlich

sind, wie die berühmtesten Exoten, biologisch noch ungeheuer viel und

Hochinteressantes genug zu erforschen, wobei auch der bloße Liebhaber

tüchtig mithelfen kann. Übrigens ist der Schlammbeißer durchaus nicht

der einzige Wetterfisch, vielmehr scheint zahlreichen Arten eine mehr

oder minder große Empfindlichkeit gegenüber den elektrischen Zuständen

der Luft eigen zu sein, und sie zeigen sich deshalb beim Herannahen

eines Gewitters vielfach beängstigt und unruhig, wenn sie es auch nicht

auf so lange Zeit vorauszuempfinden vermögen wie der Schlammbeißer. Im

Zusammenhang damit mag es stehen, daß Fische bei Gewittern so leicht

absterben, was man auf die durch die starke Temperaturerhöhung bewirkte

Verminderung des Sauerstoffs im Wasser und auf die durch die plötzliche

Erniedrigung des Luftdrucks hervorgerufene Übersättigung des Wassers mit

schädlichen Gasen aus dem Untergrunde zurückgeführt hat, ohne jedoch

bisher völlig über diese rätselhafte Erscheinung und über die Rolle, die

die Elektrizität selbst dabei spielt, sich klar geworden zu sein. Als

sehr weitblickende Wetterpropheten gelten in gewissen Gegenden z. B.

auch die _Forellen_. So unwahrscheinlich es auch klingt, so schwören

doch viele alterfahrene Fischer darauf, daß man aus dem Verhalten dieser

Fische beim Laichgeschäft sichere Schlüsse auf die Gestaltung des

kommenden Winters ziehen könne. Wenn die Forellen ihre Eier an den

tiefsten, starker Abkühlung des Wassers weniger ausgesetzten Stellen

ablegen, soll ein harter und strenger Winter zu erwarten sein, der ja

immer auch einen beträchtlichen Rückgang des Wasserstandes mit sich

bringt. Laichen die Forellen aber an seichten Stellen nahe am Ufer, wo

die Strömung weniger stark ist, so soll ein milder und regenreicher

Winter bevorstehen.

[Illustration: Steinbeißer (Naturaufnahme von Oberlehrer W.

Koehler).]

Der etwa 30 _cm_ lang werdende _Schlammbeißer_, um auf diesen

zurückzukommen, kennzeichnet sich durch seinen langgestreckten

zylindrischen Leib mit kleiner und spärlicher Beschuppung, die gut

entwickelte, abgerundete Schwanzflosse, die zehn kurzen Bartfäden an dem

kleinen, aber sehr beweglichen Maul und durch die eigenartige Färbung:

oberseits schwärzlich mit fünf gelben und braunen Längsstreifen,

unterseits orangegelb mit schwarzen Tüpfeln. Der beträchtlich kleinere

_Steinbeißer_ (_Cobítis taénia_) hat nur sechs Bartfäden und auf

ledergelbem Grunde großfleckige braune Binden an den Seiten und auf der

Rückenmitte. Bei der dritten im Bunde, der zierlichen _Schmerle_ oder

_Bartgrundel_ (_Cobítis barbátula_), die ebenfalls mit sechs Barteln

ausgerüstet ist und nur wenig größer wird als der Steinbeißer, ist die

Färbung viel unbestimmter, meist aber oben dunkelbraungrün mit

regelloser Schwarzstreifung, unten hellgrau oder graugelblich. Während

der Schlammbeißer hinsichtlich des Wohnsitzes seinem Namen alle Ehre

macht, liebt der Steinbeißer klare Bäche und Wiesengräben mit sandigem

Untergrund, und die Schmerle ist ein Kind des reinen, flachen, schnell

über festen und steinigen Boden hinströmenden Wassers. Bei allen drei

Arten dient also die buntfarbige Beschuppung zugleich als Schutzfärbung.

Wenn die Frühjahrsregen Tümpel und Bäche neu aufgefüllt haben, schreiten

die Cobitis-Formen zur Fortpflanzung an ruhigen und geschützten Stellen

ihrer Wohngewässer, und zwar legt jedes Weibchen an Pflanzen oder

Steinen 100-150000 Eierchen ab, von denen aber nur ein geringer

Prozentsatz zur Entwicklung kommt. Die große Mehrzahl der Jungen fällt

überdies den Raubfischen zur Beute, denen die Bartgrundeln vermöge ihrer

mundgerechten Gestalt überhaupt ein besonders willkommener Bissen sind.

Deshalb bleibt ihre Zahl allenthalben eine ziemlich beschränkte. Von

einer Brutpflege durch das Männchen, die Leunis wahrgenommen haben will,

wissen spätere Beobachter nichts mehr zu berichten. Der Steinbeißer

besitzt wenigstens noch eine eigenartige Waffe gegen seine zahllosen

Feinde, die bei den beiden anderen Arten nur in rudimentärem Zustande

vorhanden ist. Es handelt sich um einen dem Suborbitalknochen

aufsitzenden, frei beweglichen und feststellbaren Augendorn. Ergreift

man den Fisch, so biegt er den Kopf nach der Hand herum und bohrt den

aufgerichteten Dorn mit beträchtlichem Kraftaufwand in deren Fleisch

ein. Giftig ist dieser Dorn aber nicht, wie man wohl gefabelt hat.

Wirtschaftlich sind die Cobitis-Arten schon wegen ihrer Kleinheit ohne

sonderliche Bedeutung, und das Fleisch des Steinbeißers ist überdies

mager und zähe. Dagegen wird die Schmerle von ausgepichten

Feinschmeckern als ein gar köstlicher Bissen hoch geschätzt, und schon

der alte Gesner singt begeistert ihr Lob. Doch stehen diese Fischchen

ungemein rasch ab und dürfen deshalb nur in ganz frischem Zustande

Verwendung finden, wenn sie ihren vollen Wohlgeschmack entfalten sollen.

Am besten behandelt man sie wie Neunaugen, brät sie also auf dem Rost

oder mariniert sie ein.

Auf gleiche Weise behandelte Schlammbeißer, die ein grätenarmes und

nicht sehr fettes Fleisch haben, schmecken auch nicht übel, wenn man nur

die Vorsicht gebraucht, sie erst einige Tage in klarem, fließendem

Wasser zu halten, damit der ihnen sonst anhaftende Modergeruch und

-geschmack sich verliert. Heutzutage führt man den vielen Fischen

anhaftenden und ihre Verwendung für die Küche erschwerenden

_Schlammgeschmack_ nicht mehr auf die Einwirkung der Armleuchtergewächse

zurück, sondern vielmehr auf gewisse niedere Algen, die Oszillarien. Wo

sie in großer Menge vorhanden sind, haftet dem Fischfleische auch mehr

oder minder der fatale Schlammgeschmack an, der schließlich selbst bei

Regenbogenforellen so stark werden kann, daß er sie fast ungenießbar

macht. Wo die Oszillarien völlig fehlen, gibt es auch keinen

Schlammgeschmack. Fische, deren Haut reichlich mit Schleimdrüsen

versehen ist, wie es z. B. bei Aalen und Schleien der Fall ist, nehmen

den Schlammgeschmack immer rascher und stärker an, aber völlig verschont

bleibt unter gegebenen Verhältnissen keiner, selbst nicht die delikate

Bachforelle.

Daß der Schlammbeißer in seinen oft kleinen Wohntümpeln bei heißem und

trockenem Wetter nicht massenhaft zugrunde geht, hat er der ihm eigenen

und wissenschaftlich hochinteressanten Fähigkeit der _Darmatmung_ zu

verdanken. Schon im Aquarium kann man häufig sehen, wie die

Schlammbeißer von Zeit zu Zeit fast nach Art der Molche zur Oberfläche

emporsteigen, hier einen tüchtigen Schluck voll Luft nehmen und dann

langsam wieder zum Boden herabsinken, wie sie ja überhaupt keine Freunde

überflüssiger Bewegung sind, sondern bei Gefahr immer nur rasch von

einem Versteck nach dem andern schießen. Die mit dem Maul aufgenommene

Luft preßt der Schlammbeißer unter krampfhaftem Schließen der

Kiemendeckel durch seinen kurzen und fast gerade verlaufenden

Verdauungsschlauch, wo der von feinsten Blutgefäßchen umsponnene

Mitteldarm gewissermaßen als Lunge wirkt und der Luft gut die Hälfte

ihres Sauerstoffes entzieht, um sie dann unter hörbar glucksendem

Geräusch verbraucht durch den After wieder auszustoßen. Ein völliger

Ersatz für die Kiemenatmung freilich ist mit alledem doch nicht gegeben,

da nur durch diese die Ausscheidung der giftigen Kohlensäure bewirkt

werden kann und deshalb ein lediglich auf die Darmatmung angewiesener

Fisch doch zugrunde gehen muß. Diese Darmatmung, die sich ja auch bei

der am tiefsten stehenden Fischform, bei dem Lanzettfischchen findet,

ist wohl die ursprüngliche im Reich der Fische gewesen, und man kann

deutlich eine Entwicklungsreihe verfolgen, die von da über die einfachen

Kiemen der Rundmäuler, Haie und Rochen bis zu dem verwickelten

_Kiemenapparat_ der Knochenfische hinführt.

Der Fähigkeit der Darmatmung verdankt nun aber der Schlammbeißer noch

eine weitere und in den Kreisen der heimischen Fischfauna höchst seltene

Eigenschaft, indem er nämlich auch imstande ist, deutlich wahrnehmbare

_Töne_ von sich zu geben. Nimmt man ihn nämlich aus dem Wasser heraus,

so hört man ein Geräusch, das nach Johannes Müller die Mitte hält

zwischen dem »Quieken einer Maus und dem Schall eines breiten Kusses.«

Verursacht wird es offenbar durch das plötzliche und krampfhafte

Ausstoßen der im Darm befindlichen Atemluft. Es ist also nicht eine

freiwillige Lautäußerung, sondern vom Willen des Tieres völlig

unabhängig, demnach nicht etwa ein Balz- oder Liebeslaut, sondern so

ziemlich das gerade Gegenteil und eher mit dem Angstschrei der Vögel und

Säuger zu vergleichen oder mit dem Vorgang, durch den sich nach einem

derbdeutschen Sprichwort die »bleiche Furcht« bei Feiglingen zu erkennen

gibt.

[Illustration: Groppe (_Cottus gobio_). (Naturaufnahme von Dr. E.

Bade.) (Aus: Bade, Die mitteleuropäischen Süßwasserfische.)]

Wesentlich stimmbegabter ist der Knurrhahn unserer Meere, und dieser hat

auch im Süßwasser eine allerdings stumme Verwandte in der allbekannten

_Groppe_ (_Cóttus góbio_), der gefräßigen und unerwünschten Begleiterin

der Forelle. Das sind zwei, die sich im wahrsten Sinne des Wortes »zum

Fressen gern haben«. Freilich nicht gerade zur Freude des

Forellenzüchters, der deshalb dem von ihm verfolgten buntschimmernden

Eisvogel dankbar sein sollte, der neben Schmerlen hauptsächlich junge

Groppen verzehrt, wenn sie sich mal aus ihrem Schlupfwinkel hervorwagen.

Namentlich zur Laichzeit der Forellen entwickelt die Groppe eine recht

fatale Tätigkeit. Durch das Plätschern der laichenden Forellen

aufmerksam gemacht, erscheint sie alsbald auf dem Schauplatze und hält

hier unbekümmert einen reichlichen Kaviarschmaus, weil Liebe auch die

sonst so vorsichtige und wehrhafte Forelle blind macht. »Senkrecht im

Wasser stehend, den Kopf zu unterst und den Schwanz nach oben, wirbelt

sie mit den Brustflossen die leicht flottierenden Eier auf, um eines

nach dem anderen zu verschlingen. Es ist keine Seltenheit, in dem Magen

einer fingerlangen Groppe bis zu 30 Stück der erbsengroßen Forelleneier

zu finden« (Jäger). Auch die ausgeschlüpften Jungforellen haben in der

tückisch unter Steinen auf sie lauernden Groppe, die auch sonst alles zu

überwältigende Getier und mit besonderer Vorliebe Libellenlarven gierig

verschlingt, ihren schlimmsten Feind. Der Spieß wird aber umgedreht, und

die Stunde der Rache erscheint, sobald die Groppe selbst im zeitigen

Frühjahr zur Fortpflanzung schreitet. Dann ist es die raublustige

Forelle, die hinter den jungen Groppen und dem Groppenlaich her ist und

unnachsichtlich Vergeltung übt. Die Begegnung mit der alten Forelle hat

auch die ausgewachsene Groppe zu scheuen, obwohl sie in solchen Fällen

eine besondere Schreckstellung annimmt und den Kopf durch Aufsperren der

Kiemenstrahlen drohend aufbläht. Von den in festen Klumpen von 100 bis

300 Stück abgesetzten rötlichgelben Groppeneiern würden wahrscheinlich

wenige übrig bleiben, wenn nicht das Männchen in der tapfersten Weise

Brutpflege ausübte. Es verteidigt den zur Laichablage zwischen den

Steinen ausgewählten Platz aufs heldenmütigste und ausdauerndste gegen

jeden nahenden Feind, namentlich aber auch gegen die eigenen

Geschlechtsgenossen, wobei es zu so erbitterten Kämpfen kommt, daß die

Gegner sich bisweilen vollständig ineinander verbeißen und in diesem

wehrlosen Zustande, der an den verkämpfter Hirsche erinnert, mit

Leichtigkeit gefangen werden. Ohne selbst Nahrung zu sich zu nehmen,

hält so das Männchen 4 bis 5 Wochen lang treulich Wacht. Um so

schutzloser sind aber dann die ausgeschwärmten jungen Groppen ihren

Feinden preisgegeben, zu denen außer den Eisvögeln und Forellen

namentlich auch die alten Groppen selbst zählen, die bei ihrer

unersättlichen Freßgier in ausgesprochenem Maße dem Kannibalismus

huldigen. Gleich der Forelle bevorzugt die Groppe klares, schnell

fließendes Wasser und einen mit Steinen und Kiesgeröll bedeckten

Untergrund. Deshalb ist sie auch in Gebirgsgegenden häufig, ja in

manchen hochgelegenen Gewässern der einzige vorkommende Fisch. Sie hält

sich hier tagsüber unter Steinen verborgen und schießt aufgescheucht mit

großer Schnelligkeit durchs Wasser, aber immer nur auf kurze Strecken

und geradlinig, da ihr die Schwimmblase fehlt. Zu verkennen ist sie

nicht, denn der spindelförmig zulaufende, platt gedrückte Leib, der

mächtige Dickkopf mit dem Riesenmaul, die auffallend großen Brustflossen

und die schuppenlose, schleimige Haut sind untrügliche Merkmale. Die im

allgemeinen dunkle, mit Braun und Grau schattierte Färbung wechselt nach

Wohnort, Untergrund und Individuum ganz außerordentlich, und es

erscheint sicher, daß auch der Groppe das bei den Schollen so

ausgeprägte und noch näher zu besprechende Farbwechselvermögen zukommt.

Bei ihrer Lebensweise muß das ein großer Vorteil für sie sein. In der

Tat gehört schon ein sehr gut geschultes Auge dazu, um eine auf kiesigem

Untergrund ruhende und sich dabei regungslos verhaltende Groppe aus

einiger Entfernung zu erkennen. Daß die Groppe trotz ihrer versteckten

Lebensweise ein recht volkstümlicher Fisch ist, beweist die große Zahl

ihrer Trivialnamen, deren manche recht drastisch anmuten. »Rotzkober«

nannten wir Thüringer Jungen sie, wenn wir stolz zum Fischfang auszogen;

Mühlkoppe, Breitschädel, Kaulquappe, Grotzfisch, Dick- und Kautzenkopf,

Kaulhäuptlein, Kulheet und sogar Papst heißt sie in anderen Gegenden.

Wirtschaftlich hat sie höchstens als Köderfisch einige Bedeutung,

obschon sie gar nicht übel mundet. Wendet man die Steine im Bach

vorsichtig um, so kann man bei einiger Übung den schlüpfrigen und

großmäuligen Burschen ganz gut mit der Hand ergreifen und hat sich dabei

nur vor Verletzungen durch die spitzen Flossenstrahlen zu hüten.

Da oben von der vorzüglichen Schutzfärbung der Groppe und von ihrem

ausgeprägten Farbwechselvermögen die Rede war, seien hier gleich noch

einige allgemeine Betrachtungen über die _Färbung_ der Fische

eingeschaltet. Es liegt auf der Hand, daß bei dem schonungslosen und

ununterbrochenen Kampfe ums Dasein, der sich im Wasser abspielt,

Schutzfärbungen fast noch wichtiger erscheinen und daher noch häufiger

anzutreffen sein werden, als auf dem Festlande. Und in der Tat fehlen

sie kaum einem unserer heimischen Fische, wenn sie uns auch nicht immer

gleich als solche erscheinen wollen. Aber wir müssen bei der Beurteilung

solcher Erscheinungen eben immer die eigentümlichen Beleuchtungs- und

Färbungsverhältnisse im Wasser berücksichtigen. Dann werden wir es

sofort verstehen, warum alle unsere Oberflächenfische eine dunkle

Rückenfärbung und eine helle Bauchfärbung mit lebhaftem Silber- oder

auch Goldglanz haben, der an den Seiten besonders lebhaft hervortritt.

Beides ist eine ausgeprägte Schutzfärbung, die gerade diese Fische um so

nötiger haben, als sie sich für gewöhnlich ja nicht in Schlupfwinkeln

verstecken oder auf dem Boden liegen, sondern im freien Wasser nahe der

Oberfläche ihr anziehendes Spiel treiben. Die dunkle Rückenfärbung

schützt sie vor dem scharfen Auge solcher Feinde, die aus der Luft auf

sie herabspähen, also der fischfressenden Vögel. Ein jeder von uns weiß

ja aus eigener Erfahrung, wie schwer es hält, einen im Wasser stehenden

Fisch von oben her zu erkennen. Umgekehrt schützt der Silberglanz des

Bauches, der nach oberflächlicher Auffassung so leicht zum Verräter

werden könnte, in vortrefflicher Weise vor den lüsternen Blicken der

Raubfische, die ja gewöhnlich tiefer im Wasser stehen oder dem Boden

aufliegend auf Beute lauern, diese also schräg von unten zu Gesicht

bekommen werden. Von da aus erscheint aber der ganze Wasserspiegel

selbst bei bedecktem Himmel in lebhaft metallischem Lichtglanz, und wenn

gar funkelnde Sonnenstrahlen die Oberfläche treffen, zucken leuchtende

Lichtbündel, die sich von dem Aufblitzen der hin und her schwimmenden

Fische kaum unterscheiden lassen, allenthalben auf, wovon sich jeder

leicht beim Baden überzeugen kann. Schon vor mehr als 40 Jahren hat

Gustav Jäger diese Entdeckung gemacht, die dann aber in Vergessenheit

geraten war und erst neuerdings ohne Namensnennung wieder ausgegraben

wurde. Daß der nahe der Oberfläche befindliche Beutefisch auf silbrigem

Grunde silbern erscheint, somit nur sehr schwer sichtbar ist, wird nach

den Untersuchungen von Popoff und Kapelkin physikalisch dadurch erklärt,

daß die Fische infolge der eigentümlichen Lage ihrer Augen die

Wasseroberfläche höchstens unter einem Winkel von etwa 45° sehen, die

in einem solchen Winkel auf die Wasserfläche fallenden Lichtstrahlen

aber diese niemals durchdringen können, sondern völlig zurückgeworfen

werden. Etwas abweichender Ansicht ist in neuester Zeit Franz, indem er

glaubt, daß die silberne Bauchseite, wie sie bei Hering und Makrele

besonders schön ausgebildet ist, als Spiegel wirke, wenn auch mit dem

Unterschiede, daß sie das Licht meist nur sehr diffus (zerstreut)

zurückwirft. Demgemäß würde also ein solcher Silberspiegel lediglich die

Farbe des Wohngewässers selbst wiedergeben, gleichviel ob diese ins

Bläuliche, Grünliche oder Bräunliche fällt, und die Natur hätte mit

dieser automatischen Farbenanpassung durch Spiegelwirkung eine

verblüffend einfache und doch äußerst wirkungsvolle Leistung vollbracht.

Daß die uns Menschen so auffallende Silberfärbung aber zum mindesten als

Schutzfärbung aufzufassen ist, geht schon daraus hervor, daß sie allen

Bodenfischen, wie auch den Tiefseefischen als zwecklos völlig fehlt.

Denn im Ozean verschwinden schon bei 500 _m_ Tiefe die Silberbäuche

völlig, und Rot ist nun zur überwiegenden Schutzfarbe geworden, während

mit 1000 _m_ Meerestiefe ein mehr oder minder tiefes oder getrübtes

Schwarz diese Rolle fast ausschließlich übernimmt, da ja Schwarz in den

schauerlich finsteren Tiefen des Weltmeers naturgemäß den besten Schutz

gewährt, auch gegenüber den _Leuchtorganen_, mit denen viele Raubfische

zum Aufsuchen oder Anlocken ihrer Beute ausgerüstet sind.

Ganz besonders schön ausgeprägt ist die _Schutzfärbung_ bei den in

erwachsenem Zustande auf dem Meeresgrunde lebenden _Plattfischen_, zu

denen einige der schmackhaftesten Bewohner von Nord- und Ostsee zählen,

und von denen die _Flunder_ (_Pleuronéctes flésus_) gelegentlich auch im

Süßwasser vorkommt. Und sie wird hier noch in ganz großartiger Weise

unterstützt durch das diesen merkwürdigen Fischen eigene

_Farbwechselvermögen_, das in so überraschender Weise in Tätigkeit

tritt, daß darob selbst das in dieser Hinsicht doch weltberühmt

gewordene Chamäleon erröten müßte, wenn anders Rot auf seiner

Farbenskala verzeichnet wäre. Ganz wie beim Chamäleon wird auch bei den

Plattfischen die sich dem Untergrund anpassende Farbänderung

hervorgerufen durch die Tätigkeit der unter der Oberhaut liegenden und

mit verschiedenartigen Farbstoffen angefüllten Farbzellen oder

Chromatophoren, die leicht und rasch zusammengezogen oder ausgedehnt

werden können und dadurch eine Auflichtung oder ein Dunklerwerden der

Gesamtfärbung sowie eine Vergrößerung oder Verkleinerung, ein Verblassen

oder ein Hervortreten, wenn auch keine Verschiebung der Fleckung und

Zeichnung bewirken. Danach wird ein auf gelblichem Sande ruhender

Plattfisch ganz anders aussehen als ein auf dunklem Untergrunde

liegender, ein auf grobem Kiesgeröll befindlicher ganz anders als ein

auf feinem Gries gelagerter. So weit geht diese Anpassung, daß für das

menschliche Auge oft förmliche Vexierbilder entstehen und das

Herausfinden eines sich regungslos verhaltenden Plattfisches selbst im

beschränkten Raume des Aquariums seine nicht geringen Schwierigkeiten

hat. Besonders deutlich konnte Sumner in Neapel die Erscheinung dann

verfolgen, wenn er den Fischen einen künstlichen Untergrund aus

verschiedenartig karriertem oder geflecktem Papier gab, dem sie sich in

überraschend kurzer Frist in weitgehender Weise anzupassen suchten. Bei

alledem steht soviel unzweifelhaft fest, daß diese Farbanpassung vom

Willen des Tieres völlig unabhängig und als ein rein reflektorischer Akt

zu deuten ist, als dessen Ausgangspunkt wir die durch die Netzhaut des

Auges wahrgenommenen Lichteindrücke anzusehen haben. Sumner hat dies

auch durch Versuche nachgewiesen, indem die von ihm geblendeten

Plattfische andauernd dunkel blieben und unter keinen Umständen mehr

einen Farbwechsel vorzunehmen vermochten. Auf eine ungleich hübschere,

weniger grausame und dabei eigentlich noch viel überzeugendere Weise ist

Ward zu dem gleichen Ergebnis gelangt. Er teilte einen Wasserbehälter in

zwei Hälften durch ein Stück Linoleum, in das er ein Loch hineinschnitt,

gerade groß genug, um einen kleinen Hecht darin festzuhalten. Die eine

Hälfte des Behälters war weiß und die andere schwarz austapeziert. Wurde

nun der Hecht so hineingesetzt, daß sein Kopf sich in der dunklen

Hälfte, Körper und Schwanz dagegen in der hellen Hälfte befanden, so

blieben die Pigmentstellen entspannt, der ganze Fisch somit dunkel.

Sobald man den Versuchsfisch aber herumdrehte und den Kopf in die helle

Hälfte versetzte, so war schon nach drei Minuten der ganze Fischkörper

bleich, weil sich die dunklen Pigmentzellen zusammengezogen hatten. Das

die Färbung beeinflussende Licht wirkt also nicht unmittelbar, sondern

durch die Vermittlung des Fischauges.

Häufiger als aktive Giftwaffen (Petermännchen) ist in unserer Fischfauna

eine oft nur zeitweise Giftigkeit gewisser Fischteile beim Genuß,

selbst wenn wir von dem Fleisch erkrankter oder bereits in Fäulnis

übergegangener Fische absehen. So entwickelt das Blut des _Aals_, sobald

es in fremde Blutbahnen gebracht wird, stark giftige Eigenschaften, die

allerdings schon durch gelindes Kochen völlig zum Verschwinden gebracht

werden. Bei der schmackhaften und sonst so bekömmlichen _Barbe_ hat zur

Laichzeit der Genuß des Rogens und (entgegen der Auffassung Blochs, nach

einem aus neuester Zeit stammenden Bericht der Pariser _Société

Zoologique_) auch des diesen umgebenden Fleisches bedenkliche

Vergiftungserscheinungen im Gefolge, die sich namentlich in heftigem

Durchfall und Erbrechen äußern. In noch verstärktem Maße finden wir die

gleiche Erscheinung bei den merkwürdigen _Kugelfischen_ (_Tétrodon_) der

japanischen Gewässer, weshalb auch deren Verkauf auf den Fischmärkten

streng verboten ist, während andrerseits Kugelfischkaviar eine beliebte

Delikatesse der dort aus den verschiedensten Gründen so häufigen

Selbstmordkandidaten sein soll. Unsere, eine Länge von 70 _cm_ und ein

Gewicht von 10 _kg_ und mehr erreichende _Flußbarbe_ (_Bárbus

fluviátilis_) -- der verwandte, in Siebenbürgen und Ungarn heimische,

aber auch schon im Oder- und Weichselgebiet vorkommende _Semling_

(_Bárbus petényi_) bleibt stets beträchtlich kleiner -- verdient ihren

Namen, denn sie fehlt den stehenden Gewässern ebenso wie dem Meere,

während sie zu den charakteristischsten und häufigsten Bewohnern unserer

Flüsse und Ströme zählt, soweit diese steinigen oder kiesigen oder

wenigstens sandigen Untergrund haben, dem sie sich in ihrer Färbung

ebenfalls in weitgehender Weise anzupassen vermag. Während die jungen,

erst im vierten Jahre fortpflanzungsfähig werdenden Barben, die sich

überhaupt durch eine reizvolle Beweglichkeit und große Spiellust

auszeichnen, beständig unter zuckenden Flossenbewegungen umherschwimmen,

werden die Alten mehr und mehr zu Nachttieren und Bodenfischen und

schließlich zu richtigen Faulpelzen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit

ziehen sie auf Nahrung aus, indem sie ganz nach Schweineart mit ihrer

rüsselförmig verlängerten Schnauze den Boden nach allerlei Genießbarem

durchwühlen. Da der nach Karpfenart gebaute, nur wesentlich schlankere

Fisch dabei in der Aufnahme von Nahrung ebensowenig wählerisch und

ebenso vielseitig ist, wie der grunzende Borstenträger, wird er in

manchen Gegenden vom Volke gar nicht übel als »Sauchen« bezeichnet. Auch

an Aas und selbst an menschliche Leichname geht die Barbe recht gern,

und für Kot aller Art hat sie sogar eine ausgesprochene Vorliebe, mästet

sich deshalb am besten da, wo Aborte und Kanäle ihren Inhalt in die

Fluten entleeren, und wird aus ähnlichen Gründen auch in der Nähe von

Badeanstalten nicht leicht vermißt. Indessen hat diese wenig

appetitliche Ernährungsweise ebenso wenig wie der Grätenreichtum ihres

sonst vorzüglichen Fleisches oder die Giftigkeit ihres Rogens zu

verhindern vermocht, daß sie als Tafelfisch sich einer nicht geringen

Wertschätzung erfreut. Der Angler weiß, daß sie am sichersten auf ein

Stückchen Schweizerkäse anbeißt. Namentlich als »Bierfische« werden die

Barben in manchen Gegenden sehr geschätzt, so daß man sie wegen ihrer

verhältnismäßig geringen Vermehrungsfähigkeit sogar schon künstlich zu

züchten versucht, dabei aber wegen der großen Klebrigkeit der Eier, die

im Freien während der Frühlingsmonate an Steinen abgesetzt werden, keine

sonderlich ermutigenden Erfolge erzielt hat. Zur Laichzeit sieht man die

Barbenmännchen oft in langen Zügen wie im »Gänsemarsche« hinter den

laichfähigen alten Weibchen einherziehen. Gerade die Barben erkranken

sehr leicht an der Beulenpest, die durch einen einzelligen Schmarotzer

aus der Klasse der Sporentierchen (_Nyxobólus pfeífferi_) verursacht

wird und zu erbsen- bis nußgroßen Geschwülsten auf der Haut der

befallenen Tiere führt. Die aus den eiternden Beulen austretenden Keime

befallen auch Fische anderer Art, sind vielleicht auch für den badenden

Menschen nicht ungefährlich und vermögen so ganze Gewässer zu verpesten.

Die Barbenbestände selbst sterben dann fast völlig ab, wie es in den

Jahren 1885 und 1886 in der Maas und Mosel der Fall war, wo man allein

in Mézières täglich bis zu 2 Zentnern abgestandener Barben auffischen

konnte. Ebenso sind krankhafte Farbenabweichungen gerade bei Barben

keine besondere Seltenheit; selbst Stücke mit lebhaft goldgelben

Schuppen, die stark an Goldfische erinnern, kommen gelegentlich vor.

[Illustration: Barsch (nach Naturaufnahmen von Fr. Ward [_Marvels

of fish life_] gezeichnet von R. Oeffinger).]

Einheimische Fische; Die Süßwasserfische unsrer Heimat · 第 1 / 10 段