Bergwind rauscht ums Haus, singt das Schlaflied und gibt die

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder

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gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so

dargestellt=.

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Buches.

Landesverein Sächsischer

Heimatschutz

Dresden

Mitteilungen

Heft

1 bis 3

Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege

Band XI

_Inhalt_: Auf Grenzpfaden -- Bergwinter -- Deutsche Heimat,

deutsches Lied -- Der müde Weber -- Denkmalpflege in Sachsen --

Sturm um Rathausdach und Giebel oder Heimatschutz vor siebzig

Jahren -- Drei Wandertage im Erzgebirge -- Bunte Gassen, helle

Straßen -- Zur Geschichte des Storches in Westsachsen

Einzelpreis dieses Heftes M. 20.--,

Bezugspreis für einen Band (aus 12 Nummern bestehend) M. 35.--,

für Behörden und Büchereien M. 25.--.

Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos,

_Mindest_jahresbeitrag M. 20.--,

freiwillige Einschätzung erbeten

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Dresden 1922

Heimatschutz-Vorträge

1922

=Dresdner= Reihen (Gewerbehaus)

Erstmalig: 12., 19., 27. April, 3., 10., 17., 24., 31. Mai

1. Wiederholung:

8., 12., 15., 18., 22., 25., 29. Mai, 1. Juni

=Leipziger= Reihen (Centraltheater)

Erstmalig: 7., 14., 21., 28. April, 5., 12., 19. Mai

1. Wiederholung:

15., 22., 29. September, 6., 13., 20., 27. Oktober

=Meißner= Reihe (Geipelburg)

13., 20., 27. April, 4., 11., 18., 25. Mai

Unsere werten Mitglieder werden durch Drucksachenkarten von den

Vorträgen verständigt

Band XI, Heft 1/3 1922

[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz

Dresden]

Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern

herausgegeben

Abgeschlossen am 1. März 1922

Auf Grenzpfaden

Von _Curt Sippel_, Plauen

Aufnahmen vom Verfasser

[Illustration: Abb. 1 =Fallend Laub=]

Aus der vogtländischen Kreisstadt rollt der Zug elsteraufwärts in

den herbstkühlen Sonntagsmorgen hinein. Dichter Reif bedeckt die

Flur; aus silbergrauem Nebel dämmert der Tag heran und verspricht

ein sonniger zu werden. Je öfter der Zug hält, um so mehr verliert

sich die quetschende Enge in den Abteilen, scheiden die festlich

geputzten Sonntagsgäste aus und bleiben nur noch die ins Gebirge

strebenden schlichten Wanderer, deren liebstes Sonntagsgewand das

abgenutzte Lodenkleid mit dem verwitterten Hut ist. Auffallend viel

Vertreterinnen des schönen Geschlechts zeigen sich jetzt in dem Äußeren

der Wanderzunft. Die früheren Lebensgewohnheiten der Frauenwelt haben

in den letzten Jahren eine einschneidende Wandlung erfahren, haben

mit den oberflächlichen Vergnügungen gebrochen und sich mehr einer

selbständigen natürlichen Einfachheit zugewendet, haben zur Erkenntnis

der, der großen herrlichen Heimatnatur innewohnenden Verjüngungskraft

geführt. Gibt es für den naturliebenden Städter doch nichts schöneres,

als am Sonntag hinauszuwandern, sich so recht zu erfreuen an all dem

Reizvollen, das die Natur gerade in dem schönen Bergland des Vogtlandes

so überreichlich darbietet. Welch großen Gewinn bringt doch eine solche

Tageswanderung für Körper und Geist. Leider ist in dem sich von Tag

zu Lag mehrenden Heer der Wanderer die ältere männliche Jugend in

der Minderheit. Wenn die jungen Herren auch viel anderen Leibessport

treiben, so dürfen sie daneben den vornehmsten, das Wandern, doch nicht

vernachlässigen. Aus ihm erwächst Begeisterung für das Edle und Schöne,

erglüht Heimatliebe und deutscher Geist.

[Illustration: Abb. 2

=Der Kegelberg= (755 ~m~) =und der Hohe Stein= (777 ~m~) =bei Erlbach=]

[Illustration: Abb. 3 =Blick ins Landesgemeinder Tal=]

[Illustration: Abb. 4 =Dreirainsteine=

(746 ~m~ hoher Berg, auf dem die drei Waldgebiete Erlbach, Schönbach

und Graslitz zusammenstoßen und über den die Reichsgrenze läuft.)]

[Illustration: Abb. 5

=Kirchberg= in der Hochfläche östlich des Hohen Steins]

[Illustration: Abb. 6

=Das klingende Tal= (Untersachsenberg)]

[Illustration: Abb. 7

=Der Aschberg= 936 ~m~ (sächs. Seite)]

[Illustration: Abb. 8

=Am Aschberg=]

Im Spinnen der Gedanken ist die Zeit vergangen. Das Bähnle dampft

bereits durchs Schwarzbachtal und hält zum letzten Male. Nur

wenig Leute steigen aus; fast alle sind Wanderer, die nach allen

Himmelsrichtungen frohgemut davon eilen. Einer wendet sich ostwärts,

der Sonne entgegen, die schon über den Hohen Stein hereinlugt und mit

den dichten Nebelmassen des Tales in heftigem Kampf liegt. Das graue

Gewoge wallt durcheinander, zieht hierhin und dorthin, steigt

empor, umhüllt die Bergwände, die Gipfel, wird von der Sonne wieder

zurückgedrängt und muß sich zu guterletzt doch als überwunden erklären

und sich als Tau im Tale niederschlagen. Die Erlbacher schlafen noch.

Warum sollten sie’s auch nicht! Sie feiern eben den Sonntag auf ihre

Art. Würden es ja doch nicht verstehen, daß so närrische Stadtleute

schon in der Nacht sich auf und davon machen, um den Aufgang der Sonne,

ihren Kampf mit den Nebelgeistern zu erleben. Nun schlaft nur zu! Um so

feierlicher wird es droben im prächtigen Waldesdom sein, der so nahe

schon seine Bogen schlägt und den Wanderer in sein geheimnisvolles

Reich ladet. Der friedliche Marktflecken liegt zurück, der Wanderer

zieht grüßend den Hut vor dem Hohen Brand und dem Kegelberg, den beiden

Torwächtern zum engschluchtigen, weltabgeschiedenen Landesgemeinder

Tal, Einlaß heischend. Steil steigt der Hochwald hinauf. In dusterem

Schatten steht die Mühle, feiernd, und daneben ein moderner Bau,

Holzbaracken als Unterkunft für erholungbedürftige Großstadtkinder.

Ein Blick durch die angelaufenen Scheiben fällt noch auf schlafende

Gesichter. Empfindliche Kühle herrscht im engen Tal, und der Mittag

wird wohl herankommen, bis die Sonnenstrahlen hier unten den dicken

weißen Reif auflecken werden. Das Auge wendet sich empor und sucht den

Weg hinauf in sonnigere Höhen, dorthin, wo der Wald in den klarblauen

Himmel ragt. Vom unteren Floßteich führt am Nordhang ein ansteigender

Saumpfad über den Wettinhain zur Paßhöhe hin. Beim Emporkommen gibt

der Wald ab und zu den Blick frei hinüber zu den südlichen Hängen und

hinunter ins idyllische Tal, durch das der Fahrweg in großen Windungen

sich bergwärts schlängelt und mit seinen Ebereschen einen gelbroten

Saum in das dunkle Grün des jenseitigen Fichtenwaldes webt. Aber das

dunkle Kleid zeigt jetzt auch im Innern viel Farbe. Verschwenderisch

gibt sie der große Maler Herbst in allen Schattierungen von Gelb,

Braun, Rot, Violett, und weckt ein ehrlich Entzücken. Alte prächtige

Buchen stehen am Weg. Kräftige Silberstämme tragen wohlgeformte Kronen;

kühn ragt ihr Gezweig gen Himmel, und ein Meer flüssigen Goldes und

Silbers wogt im sonnenwärts gerichteten Blick. Schnell bereit ist

die nie fehlende Begleiterin, die alte treue Strahlenfalle, zu einer

Gegenlichtaufnahme. Leider noch unzulänglich ist die Silberplatte,

vermag noch nicht das blendende Bunt wiederzugeben und verhilft

nur zu einem Schwarzweißbild, aus dem man nur in der Phantasie die

farbenprächtige Wirklichkeit erschauen kann. Lautlos fallen die

Blätter, unablässig, immerzu; am Boden schichtet sich das dürre Laub,

und raschelnd mahnt der Tritt an das große Sterben. Aber keine trüben

Gedanken kommen auf, sind nur frohgestimmt und glückerfüllt von dem

großen Wunder Natur, denken weiter, sehen auf dem kahlen Gezweig sich

die weißen Flocken häufen, die Brillantsternchen blitzen, braune

Knospen schwellen, gelbgrüne Seidenblätter werden, und hören das

sommerlich geheimnisvolle Raunen des dichten Blätterdaches wieder, als

wäre es heut. Herbst und Winter haben nichts Schreckhaftes mehr für

den Naturfreund, werden beide neben ihren anderen Brüdern gleichviel

geliebt.

[Illustration: Abb. 9 =Der Kranichsee=[1] (930 ~m~)

Soweit die verkrüppelten Sumpfkiefern wachsen, reicht das riesige

Hochmoor an der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen, zwischen Erzgebirge

und dem Vogtland]

[Illustration: Abb. 10 =Baumatzengrund zum Silberbach=, von links nach

rechts =Aschberg= (böhm. Seite) 936 ~m~ =Großer Rammelsberg= (963 ~m~)

und =Großer Hirschberg= (942 ~m~)]

[Illustration: Abb. 11

=Silberbach und der Aschberg= (böhm. Seite) 936 ~m~]

[Illustration: Abb. 12

=Obersilberbach=, von links nach rechts =Eselsberg=, =Spitzberg= (995

~m~), =Plattenberg=, =Härtelsberg= (986 ~m~), Pferdhuth]

[Illustration: Abb. 13

=Lichtung im Filzbruckwald. Der Zwieselbach=]

Im Sinnen und Betrachten ist unmerklich die Höhe erklommen worden.

Schon schimmern durch das lichtüberflutete Gehölz die Dreirainsteine.

Geheimnisvoller Zauber webt um die alten Steine, liegt im

morgenfrischen Wald. Sonnenstrahlen stehlen sich herein, spiegeln

Regenbogenfarben in die nebeldampfende Luft und lassen im Gras und

Beerengestrüpp Tautropfen diamanten sprühen. Und doch betritt der Fuß

schon fremdes Land, erinnert der Wegebalken drohend, daß es noch gar

nicht lange her ist, als hier im herrlichen Waldgebiet die verbündeten

Wachtposten sich mißtrauisch gegenüberstanden, und niemand diese

scheinbar unverständliche Maßnahme verstehen konnte. Der Sklavenvertrag

hat die Binde von den Augen gerissen, Feindesland sollte das urdeutsche

Gebiet werden, das deutscher noch als das eigene Vaterland, deutsch

in seinen Ortsnamen, in seiner Bevölkerung, in seinem ganzen Wesen.

Nun ihr Machthaber in Paris und wo sonst überall noch welche sitzen

von unseren vielen Feinden auf der ganzen Welt, ihr habt euch alle

verrechnet. Niemals wird uns Deutsch-Böhmen vergessen, wird nur stärker

sein Deutschtum empfinden, und hoffen, hoffen!

[Illustration: Abb. 14

=Der Hausberg= (715 ~m~) =bei Graslitz=]

[Illustration: Abb. 15

=Das Markhausental=]

[Illustration: Abb. 16

=Blick auf Klingenthal vom Bartelsberg aus=]

Der Wanderer schreitet hinüber, fühlt sich von unsichtbaren Fäden

gezogen, empfindet so recht die lang entbehrten, altbekannten

idyllischen Winkel. Der Ursprung wölbt sich sanft hinan und bereitet

doch so prächtigen Blick nach allen Seiten. Waldreich ziehen sich

die beiden Markhausen Täler hinab. Drüben nordwärts schimmern ab und

zu die weißen Grenzsteine am Hang und lassen den reizenden Waldpfad

gen Klingenthal ahnen. Im Osten wallt noch der Nebel, im Westen aber

blinken die Häuser von Ursprung und Kirchberg im Sonnenschein und

hält das Felsenriff des Hohen Steins Wacht. Weiter südwärts wendet

sich der Wanderer, kreuz und quer durch Wald und Feld, naht sich dem

Schönauer Berg. Nun wird auch die Ferne nebelfrei, immer deutlicher

entschleiert sich das schöne Berggebiet. Tief unten dehnt sich der

Leibtschgrund und südwärts im Osten türmen schwarzhäuptige Bergriesen

eine wuchtige Horizontlinie auf. Liebe alte Bekannte sind es, Kiel,

Aschberg, Rammelsberg, Grünberg, Eibenberg, Hausberg, Glasberg,

Eselsberg, Plattenberg, Spitzberg, Muckenbühl, Härtelsberg und als

blaue Nebelferne das gewaltige Massiv des Kaiserwaldes.

[Illustration: Abb. 17

=Herbststürme. Altensalz=, bekannt durch sein Salzlager]

[Illustration: Abb. 18 =Steinkreuz aus der Franzosenzeit am Weg von

Kemnitz nach Gutenfürst= (oberes Vogtland)]

[Illustration: Abb. 19 =Waldinneres aus Hermann Vogels Reich=]

Eine Waldblöße am sonnigen Steilhang mit dem Blick auf das dunkle

Wäldermeer der Ferne ist der rechte Ort zum Rasten. Unter einer

schlanken feingliedrigen Birke wird der Mittagstisch gedeckt; den

Nachtisch liefert reichlich und billig der Wald. Erfrischend schmecken

die so völlig ausgereiften Heidel- und Preiselbeeren. In dem Laubgold

am weißen Stamm zu Häupten rauscht der Wind; so warm strahlt die

Sonne. Schmeichelnd umzieht Altweibersommer das Gesicht; sommerlich

lind und einschläfernd wirkt die Luft, daß der Wanderer ganz ungewollt

eingeschlafen ist. Obs nur ein Viertelstündchen war? Aber plötzlich

wird er wach, denn vor ihm steht ein junges Menschenkind, eine hübsche

Wanderin mit schelmisch fragenden Augen. Viel Schalk sprüht daraus und

ein wenig Spott über das unglaublich wirklichkeitszweifelnde Gesicht

des erwachten Schläfers. Und die schöne Unbekannte hat eigentlich

gar keinen Anlaß zum Spotten, hat sich im Wald verlaufen, weiß weder

Weg noch Steg, und heischt Auskunft über Woher und Wohin. Nun, einer

Dame den Weg zu zeigen, und dazu noch einer jungen, hübschen, fällt

einem rechten Wanderer niemals schwer. Und die Aussicht, als Begleiter

von so viel jugendfrischer Anmut nach dem Grenzstädtchen Klingenthal

wandern zu sollen, kann auch den einsamen Wanderer von noch so gut

ausgearbeiteten Wanderungen ablenken. Gar bald schwindet der Spott

aus den hübschen Augen und macht viel Freude Platz über das von

blendender Lichtfülle überstrahlte herrlich-schöne Landschaftsbild.

Dankbar wird die Erklärung all der unzähligen Namen hingenommen und

freudig werden Anstrengungen der Durchquerung tief eingeschnittener

Seitentäler der Zwodau überwunden. Wenn es auch keine Kleinigkeit ist,

bei sengenden Sonnenstrahlen vierhundert Meter tiefe, dachschräge

Steilhänge hinabzuklettern, um sie drüben wieder emporzuklimmen, so

ist es doch eine gute Kraftprobe und nötig, um auf geradem Weg noch

rechtzeitig den letzten Zug von Klingenthal zu erreichen.

[Illustration: Abb. 20 =Herbstsonne. Gutenfürst= (oberes Vogtland)]

[Illustration: Abb. 21 =Hermann Vogels Märchenwald= (oberes Vogtland)]

[Illustration: Abb. 22

=Oelsnitz= (Vogtland)]

Vom Falkenberg gleitet abschiednehmend der Blick hinüber in das

altbekannte Bergland, wo droben auf den Spitzen die letzten

Sonnenstrahlen feurig lohen, drunten in den Tälern aber schon die

Dämmerung ihre Flügel ausbreitet. Dann heißt es gewaltsam sich

losreißen von dem erhabenen Anblick. Eilend geht es tief hinab

ins Markhausen-Tal gen Klingenthal. Ein hindernd im Weg stehender

Gartenzaun muß überstiegen werden, denn der Zeiger der Uhr rückt

unablässig weiter, und der Zug wartet nicht.

Ein naturliebend Herz aber ward entflammt beim Schauen des Landes

um Klingenthal und Graslitz und diesmal das einer jugendfrischen,

lebensprühenden, gertenschlanken Wanderin.

[1] Siehe Mitteilungen Heft 6, Band III: Das Kranichseemoor bei

Carlsfeld im Erzgebirge, ein Naturschutzbezirk Sachsens von

Professor ~Dr.~ Arno Naumann.

Bergwinter

Von _Curt Sippel_, Plauen

Einem kurzen vorweihnachtlichen Winter folgte eine schneelose

Jahreswende. Tagtäglich spannte sich blauer Himmel über der

schlummernden Flur, lockten warme Sonnenstrahlen zu neuem Werden. Schon

waren die linden Lüfte erwacht, standen frühlingsahnend die braunen,

warmen Schollen, schmückten sich die Haselnußstauden mit gelben

Gehängen und steckten die Weiden ihre weißbraun schimmernden dicken

Kätzchen auf. Nun armes Herze sei nicht bang, es wird sich alles,

alles wenden! Aber der Überkluge brachte es nicht zu dem neubelebendem

Stimmungsaufschwung, den ihm sonst die ersten Frühlingsboten erregten.

Zu bald noch; es kommt der Rückschlag, sagte ihm seine unfehlbar

überlegene Vernunft. Und sie hatte wie immer recht. Der Himmel verlor

sein blaues Leuchten, unter trübem Gewölk verkroch sich Frau Sonne,

nach Norden sprangen die Wetterfahnen.

Heimlich, über Nacht, ging das weiche Flockengeriesel, ununterbrochen

millionenfach. Mit einem Schlage hatte der strenge alte Herr sein Reich

wieder in Besitz genommen. Und darob kein Trauern. Denn auch der rechte

Winter bringt der Freuden viele, und nicht zuletzt für die wandernden

Heimatfreunde.

Was gibt es wohl schöneres, als am Sonntag hinauszuwandern in das

winterprächtige Gelände, um neue Kraft und neuen Mut für die Pflichten

und Lasten der Werktage zu suchen?

Zeigt sich der Winter im unteren und mittleren Vogtland zuweilen in

voller Schönheit, so ist er doch da vielfach recht unzuverlässig

und nicht zu vergleichen mit dem echten Bergwinter, der seine fünf

bis sechs Monate regiert und nicht gleich von jedem milden Luftzug,

jedem Sonnenstrahl in die Flucht geschlagen wird. Er wohnt so nahe

vor Plauens Toren; drüben im südöstlichen Vogtland, wo sich die

Westausläufer des Erzgebirges bis zu stolzen Höhen von fast tausend

Metern emporrecken. Von dort leuchten die weißen Schneefelder lockend

herüber, wenn hier schon längst der Schnee geschmolzen ist, und ziehen

mit vielen unsichtbaren Fäden den Wanderer hinein in die so reizvolle

Winterwelt.

Wie leicht wiegt gegen solch köstliche Gaben wohl das bißchen unbequeme

zweistündige Fahrt. Auch der Frühzug fünf Uhr acht Minuten wird

gewählt, denn das Frühaufstehen, eine Selbstverständlichkeit des

Wanderers, wird belohnt durch das erhebende Erleben des werdenden

Tages, des Sonnenaufgangs draußen im heiligen Frieden stiller Höhen.

Viel Wanderer schauen aus dem gen Muldenberg fahrenden Zug dem

kommenden Tag entgegen. Hinter den Auerbacher Bergen überzieht sich

der Nachthimmel mit dem kalten Schein des Morgendämmerns. Im schnell

zunehmenden Licht verliert das einförmige Taktschlagen rollender Räder

seine einschlummernde Wirkung. Die immer deutlicher hervortretende

Landschaft fordert Beachtung. Wie der Zug die große Schleife um

Falkenstein zurückgelegt hat und sich keuchend die Höhe nach Grünbach

hinanwindet, flammt das goldene Leuchten der Sonne hinter den

dunkelblauen Waldlinien der Schneeberge empor. Von den fernen, weißen

Flächen herab geht ein blendendes Gleißen und in der Nähe erstrahlt das

vom Licht getroffene pulvrische Weiß im glitzernden Funkengeriesel.

Mit dem Blau des Winterhimmels ist das tiefeingeschnittene, noch im

Schatten liegende Göltzschtal übergossen, kaltes Blau auch liegt im

schattigen Hochwald, der nun den Zug umsäumt bis ihn die Wanderer

in Muldenberg verlassen. Der Bahnhof und ein Wirtshaus sind in

siebenhundert Meter Höhenlage die einzigen sichtbaren Siedlungen

auf kleiner, hochwaldumgebener Fläche; majestätischer Winterwald

schlägt seine Bogen. Da unterzutauchen, alles Häßliche, Leidvolle des

Lebenskampfes vergessend, ist wie Erlösung.

Sonnenüberstrahlt, lichtspiegelnd liegt das weiße Schneedach auf Baum

und Strauch, weißzuckerig umschmiegen Reifgebilde Gestämm und Gezweig;

blendende Helle herrscht im sonst so finsteren Wald; im Funkensprühen

dehnt sich die weiße Decke am Boden. Staunend erfaßt das Auge das große

Heer der sich aneinanderreihenden Stämme. Aber nicht immer ist diese

märchenhafte Pracht, dieser stille Frieden im Winterwald. Erst im Kampf

der Elemente sind sie geboren. Graue Wolken trug der Himmel, tief und

schwer, schüttelte die Flocken dicht herab, daß sie des Tages Licht

verfinsterten; Sturm griff hinein und peitschte die wirbelnden Massen

dahin, türmte sie hoch im Walde. Wehe dem einsamen Wanderer, der sich

verirrte, den die Kräfte verließen im Ringen mit dem weißen, weichen

Hindernis! Gierig lauert darin der griffbereite Knochenmann; findet

alljährlich seine Opfer.

Schwer wuchtet die weiße Last auf den windgebeugten Wipfeln des

Hochwalds. Ein Zittern geht durch die starken Stämme, manch kraftvoll

ragender Baum knickt mitten entzwei, schlägt mit dumpfem Klang

sein stolzes Haupt zur Erde. Mischt sich mit dem Ächzen der Bäume

nicht unheimliches Gelächter? Der Wintersturm freut sich seines

Vernichtungswerks, braust weiter, sucht neue Opfer. Als er sich

ausgetobt, führen viel zersplittert ragende Baumstümpfe stumme Klage.

Wanderer, auch hier im Zauberbann des Winterreichs das überall

gewärtige ~memento mori~. Und wolltest doch vergessen das Schwere

am Wege des Lebens. Ja heute ist Frieden, genieße drum; folge den

lockenden Sonnenstrahlen.

Mählich steigt das Gelände bergan. Längst zurück liegen die letzten

Wegespuren. Knietief türmt sich der Schnee. Hindurch winden sich

die Wanderer. Einer tritt Bahn, bis andere ihn ablösen, reihum,

im Hochgefühl starker Einigkeit. In achthundert Meter Höhenlage

strebt der Schneckenstein als schwer besteigbarer Eisblock aus dem

Walde empor. Sonst bietet sich von ihm bei klarer Sicht ein Blick

fast über das gesamte Vogtland und weiter bis hin zum Frankenwald

und den Thüringer Bergen. Immer höher führt der Weg hinan, immer

schöner wird die Winterpracht des Waldes. Am nördlichen Gipfel

des neunhunderteinundvierzig Meter hohen Kiel zeigen sich wieder

menschliche Wohnungen. Die windumtosten Häuser Winselburg sind es,

von Reifgebilden umsponnen. Einsam liegen sie hier oben, stehen in

unberührten Höhen, und ihre Fenster blicken hinaus auf ein prächtiges

Gipfelland. Nordostwärts öffnet sich der Blick auf das Walddörfchen

Gottesberg, bekannt durch seine Bingen, und die zerstreutliegenden

Hütten von Mühlleithen, von winterlichen Berghäuptern umfriedet. Nach

dreistündigem Weg winkt im Buschhaus erste Rast. Bald sind die Wanderer

wieder unterwegs. Ostwärts, über bahnlose Schneeflächen, durch alten

Hochwald, an verschneiten Bächen dahin, bergauf, bergab streben

die Freunde und finden des Staunens kein Ende über den berückenden

Zauber wintereinsamer Bergwälder. Steiler werden die Hänge, immer

tiefer liegt der Schnee; mehrere Seitentäler vereinigen sich zu einem

großen, dem des Heroldsbachs, der im raschen Lauf seine kristallenen

Wässer der großen Pyra zuführt. Die Wanderer sind im Gebiet des

großen Rammelsbergs (neunhundertfünfundsechzig Meter), des höchsten

Bergs im Vogtland, und können seine mächtige Gestalt von dem einsamen

Waldweiler Sachsengrund aus deutlich überschauen. Vergebens winkt am

Wege das Wirtshaus. Weit noch ist der Pfad und beschwerlich, darum

rüstig vorwärts. Das Niederschlagsgebiet des Markersbachs mit seinen

beiden neunhundert Meter hohen Bergrücken ist noch zu überwinden. Dann

wird die Grenze des Vogtlands überschritten und beim schneereichen

Wintersportplatz Carlsfeld zum Wasser der Wilzsch hinabgestiegen, die

wohlverdiente Mittagsrast bei Vater Arnold zu halten. Frohe Stimmung

herrscht, als die dampfenden Schüsseln kreisen. Aber allzulang darf die

Rast nicht dauern, noch ist das Ziel nicht erreicht, wenn es auch keine

allzu großen Anforderungen mehr stellen wird. Auf gutgebahnter Straße

nach Wildenthal wandert sichs leicht, nur der steile Zickzackaufstieg

zum Auersberg von siebenhundert bis tausend Meter hinauf wird die

letzte Prüfung sein.

Es dunkelt bereits, als der Anstieg beginnt; und als die vielen

zurückgelegten Wegewindungen endlich dem Gipfel zuführen, hat sich

eine klare Winternacht auf die Natur herniedergesenkt. Sterne blitzen

auf, und das Silberlicht des Mondes hebt die hohen Nachbarberge aus

der Landschaft deutlich heraus, leuchtet hinunter auf das nach Norden

ziehende tief eingeschnittene Tal der großen Bockau. Am Weg stehen

wunderliche, tierähnliche Gestalten. Verschneite, eisbehangene,

bereifte Bäume sind es, die Wächter des Berges. Plötzlich dringt durch

den Wald aus der Ferne warmer Lichtschein, locken verheißend die

Fenster des Berghauses. Glück auf zum Willkomm!

Berghausstimmung! Welchen Wanderer hat wohl noch nicht das eigenartige

Gefühl durchrieselt? Gedanken der Höhe! Stolze Berggipfel allein sind

nahe, fern aber, drunten in den Tälern, ist der Menschenkampf. Kein

Laut dringt von dort herauf. Kraftvoll entwickelt sich der Sinn zur

Freude am Schönen und Edlen, und gut ist der Boden bereitet für die

heimattreuen Lieder der Erzgebirgssöhne Günther und Soph. Nie werden

die schlichten Volksweisen mit mehr Innigkeit gesungen, als droben auf

den Berghäusern. Eigenartige Macht wohnt in ihnen, zwingt Heimische und

Fremde in ihren Bann. Schwer nur reißen sich die schon zu einer großen

Familie gewordenen fremden Gäste los, um zu ruhen.

Bergwind rauscht ums Haus, singt das Schlaflied und gibt die Töne zu

des Wanderers Traummotiv »’s is Feieromd, das Tagwerk is vollbracht«.

Verstohlene Sonnenstrahlen dringen durch die Ritzen der Fensterläden

ins Zimmer und bringen den Schläfer zum Erwachen. Wie schnell ist er

da bei klaren Gedanken. Hei! Die Sonne scheint, da gibts Fernsicht!

Ein Glück, das oft erst mit vielen vergeblichen Besuchen des Berges

erkauft werden muß. So schnell wie heute hat er sich wohl lange nicht

angekleidet. Auch die andern haben es eilig gehabt, sind schon im

Gastzimmer versammelt. Schnell noch den Morgentrunk, dann aber hinaus

zum rauhreifüberzogenen Turm und hinauf bis zum vereisten Eisengestänge.

In eine Wunderwelt blicken Augen, in ihrem Zauber versinken Gedanken,

nur Entzücken erweckt das sonnige Bild so vieler Berge und Täler, über

denen sich von den weiten, weißen Horizontlinien herüber der tiefblaue

Himmelsdom wölbt. Erhaben ist der Eindruck, unverwischbar prägt er sich

im Gedächtnis ein, unvergessen wird er bleiben.

Nur schwer können sich die Wanderer von dem Ort des Erdenentrücktseins

trennen. Doch sie tragen Freude mit heim und Stolz, daß deutsches Land

so schön ist.

Deutsche Heimat -- deutsches Lied

Ein Beitrag für Beseelung der Zeit

Von _Max Zeibig_, Bautzen

Ein merkwürdig Jahr ist von uns gegangen und in das ewige Meer

der Vergessenheit hinabgetaucht. Es strahlte Heiterkeit in einem

sonnenhellen Frühling und brachte einen Sommer, der voll köstlicher

Reife war. Der Herbst kam und stand in tiefem, lachenden Blau über uns,

immer in Klarheit und Schönheit. Erst der späte November verhing den

Himmel mit düstren Wolken, und die herbstlichen Schauer ließen daran

denken, daß es ein dunkles, kummervolles, leiderfülltes Jahr gewesen.

Das Neue kam mit Sturm und Regen, ganz, als wollte es bedeuten, daß

deutsche Notzeit ist, sonnenarm und freudenleer.

Ein Wort genügt, um diese Stimmung zu rechtfertigen: Oberschlesien!

Verlornes Land ringsum im deutschen Reiche, und das deutsche Volk wird

von Erschütterung zu Erschütterung geworfen. Bricht ja einmal ein

lichter Hoffnungsstrahl in das Dunkel der Zeit, so wird er nur zu bald

wieder von düsteren Wolken verdämmt. Der Grundzug unseres Lebens aber

bleibt Leid. Freilich sind der Tränen schon viel geweint, und eine

stille Ergebung hat dem lauten Schmerz Platz gemacht. Hierin liegt

allerdings die Gefahr, daß das Volk in seiner Gesamtheit apathisch

wird. Dann führt das Leid zur Schwäche. Wir müssen darum Quellen des

Trostes und der Kraft suchen und daraus schöpfen. Solche Quellen

scheinen mir Heimat und Lied.

Es sind zwei Worte, die so schlicht und bescheiden klingen, und

doch vermögen sie uns über die Armutei unseres Lebens zu erheben;

denn sie haben etwas von jenem unverlierbaren Reichtum in sich, der

seit Jahrhunderten in den deutschen Seelen lebte. Man kann reich

sein und unendlich arm an Freuden, und man kann arm sein und großen

Herzensreichtum besitzen; wir müssen nur das unsagbar große Glück

erkennen, das im Kleinen verborgen ruht. Ein solches Glück ist uns in

aller Not die Heimat.

Früher wanderten wir hinaus in die weite Welt, wohl gar um die

ganze Welt; die Heimat selbst aber blieb uns oft ein verschlossenes

Buch. Jetzt bannt uns die Not an die Scholle. Vielleicht liegt

hier in allem Unglück ein Glück. Wir werden untereinander inniger

zusammengeschmiedet. Es geht eben nicht mehr an, daß wir dem Volke

Klassenhaß predigen, wenn anders wir uns nicht unser eigenes Grab

graben wollen; wir werden fester im Boden verwurzelt und erkennen

staunenden Auges die großen Schönheiten der Heimat. Als wir im Felde

waren, brannten unsere Seelen in Heimweh, nun, da wir heimgekehrt sind

aus Schlacht und Grauen schmeicheln wir dem schmerzensreichen Wort

aus harten Kriegsjahren und erkennen in ihm den Garten glückseliger

Kinderzeit und sehen in ihm die heilsame Trösterin bis in die

Abendschatten unseres Menschenlebens. Und so liegt in dem Worte Heimat

eine selige Hoffnung auf bessere Zeit.

Unsere Kinder nehmen wir in frommer Andacht bei den Händen und erziehen

sie im tieferen Sinne des Heimatschutzes, lehren sie über und hinter

die Dinge sehen, bauen ihre Herzen zu Hütten, darinnen die Heimatliebe

erblüht aus Freude an der Heimatschönheit und darinnen Heimattreue

wächst als gesunde Frucht. Solche Heimatgefühle aber sind die besten

Grundlagen zu einem bewußten Deutschtum, zu dem wir uns und unsere

Jugend erziehen müssen, wenn wir endlich einmal aus all dem deutschen

Leid heraus wollen.

Wo wir die Spuren der Heimat suchen und auf ihren Wegen gehen, ist uns

im deutschen Lied ein treuer Begleiter zur Seite. Fremd ist der stillen

schönen Heimat der Gassenhauer, jener Sang, der sich wie eine feile,

geputzte Dirne buhlerisch aufdrängt, jener Sang, der immer geistloser

und verblödeter wird und einer allgemeinen Entsittlichung nicht nur in

der Großstadt, sondern auch auf dem einst so gesunden Lande den Weg

liebedienerisch bereitet. Die Heimat will ein Volkslied, das in seiner

Schlichtheit ist wie eine Blume im tiefen Wiesengrunde, das da klagt:

»Es ist bestimmt in Gottes Rat,

das man vom Liebsten, was man hat,

muß scheiden,«

das da scherzt:

»Horch was kommt von draußen rein!

Holla hi, holla ho,

ist das nit mein Schätzelein?

Holla hi, hallo,«

das überhaupt für alle und jede Lebenslage, für alle und jeden Beruf

ein rechtes, inniges Verstehen hat. Und man muß nicht etwa meinen, daß

im deutschen Liede nur etwas Weiches, zum Sentimentalen Neigendes lebe,

daß es etwa unmännlich sei. Wie sprudelt darin der Humor, wie lebt es

von Trotz und Kraft! Und etwas Humor und Trotz und Kraft vor allen

Dingen brauchen wir wieder, wir Männer, und ein kernhaft trotziges Wort

dazu: _Und doch!_

Wohl ist es wahr: das harte Zeitalter der Maschine hat uns gemütsärmer

gemacht, Krieg und Revolution haben darüber manch frohen Mund

verstummt. Tagtäglich schlagen harte Hammerschläge auf unser Herz,

das oft nur noch zucken kann, wo es einst gejubelt hat. Die Ideale

schwinden vor einem erschrecklichen Materialismus und Egoismus, daß wir

schauernd vor diesem Antlitz des Lebens stehen.

Besinnen, Einschau und Umkehr tuen not! Das deutsche Wesen, das

Edeldeutsche muß wieder lebendig werden. Die Stillen und Feinen und

Besten müssen sich vereinen, denn nur von innen heraus kann die

deutsche Erneuerung kommen. Alles andere äußere Operieren wird Stück-

und Flickwerk bleiben.

Die Heimat, als seelischer Wert aufgefaßt, soll unser gemeinsamer Anker

sein, der uns rettet; das Volkslied aber, aus der Gemeinschaft heraus

geboren, soll uns wieder einen und versöhnen und zur wahren, echten

deutschen Volksgemeinschaft führen. Die Heimat soll in uns lebendig

werden, und die alten Lieder sollen von neuem heiß emporflammen,

geschürt an heiligen Bränden, sollen leuchten und klingen dem

Opferaltar des Vaterlandes, so, wie es der Dichter meint:

»Der Kraftgesang soll himmelan

mit Ungestüm sich reißen,

und jeder echte deutsche Mann

soll Freund und Bruder heißen!«

Der müde Weber

Von _A. Eichhorn_, Glashütte

Nicht Friedhof, sondern Gräbergarten sei das Stück Land genannt, wohin

die Bewohner des Oberlausitzer Industrieortes Neugersdorf ihre Toten

tragen. Ja ein Garten ist’s, darin alles Wohlmaß und Ordnung zeigt.

Die Schönheit wacht hier an den Stätten der Entschlummerten. Gar

seltsam überkommt es dem Wanderer in diesem Garten der Vollendeten.

Das schaffen die ungezählten dunklen Lebensbäume, die hängenden

Birkenzweige, durch die beim leisesten Lufthauch ein geheimnisvolles

Zittern geht, die glänzenden Eichenblätter, die trauernden Weiden am

Teiche, die Hecken und Gruppen von mancherlei Ziergesträuch. Und wenn

an sonnigen Gilbhardtstagen sich abertausende Blätter verbluten, jedes

Strauchwerk in einem anderen Farbenfeuer brennt, dann wird das Sinnen

des Schauenden zum Höheren gelenkt. An einem Hügelabhang hinauf breitet

sich der Totengarten. Ein junges Fichtenwäldchen begrünt den Hochpunkt.

Jede Grabstätte ist ein Gärtlein für sich, fröhliches Schnabelvolk

wohnt in der malumschließenden Hecke, dem Ruhenden das Schlummerlied

singend. Wohl sind auch Reihengräber zu finden, doch liegen sie auf

kunstvoll im Garten verteilten Wiesenplätzen, umschlossen von Strauch

und niedrigem Baum.

Und die Grabmale in diesem Gräbergarten? Gar viele sind, die allgemeine

Sinnbilder tragen: Aus der Urne bricht die Flamme, der verrieselte Sand

im Stundenglas kündet vom abgelaufenen Leben und die Flügel daran, daß

sonnenhin die Seele schwebt. Efeuüberquollen liegen die Hügel, Rose

und Lilie sprechen von Liebe und Unschuld, auch von süßem Schlummer.

Kinderengel knien und beten. Weitesten Gedankenlauf lassen diese Male

in dem Gedankenkampf um Bejahung und Verneinung, in dem sie Versöhner

sein wollen. Aber es stehen auch Male am Hügelabhang, die der Künstler

so formte, daß sie ein Stück Geschichte des Verschiedenen künden. Das

Grabmal auf unserm Bilde erzählt dem Kundigen auch die Geschichte des

Ortes, darin der Tote einst lebte.

[Illustration: Abb. 1

=Alte Weberleute am Webstuhl= (Gezehe) =und Spulrad=

(Neugersdorf)]

Von Strauchwerk beschattet, sitzt der müde Weber auf einem Steine.

Schweiß rann über seine Stirne, darum legte er den Warensack, aus dem

ein Warenballen heraussteht, neben sich, nahm seinen Hut ab, wählte

einen Stein am Wege zum Ruheplatze, die Hände auf den Wanderstock

stützend. Welche Geschichte spricht das eherne Mal? Der Vater des

hier im Grabe Ruhenden war einer von den alten Weberfabrikanten, die

mit vollgepacktem Warensack auf die Messe nach Leipzig »gingen« oder

mit dem Schubkarren dorthin fuhren. Auch besuchten sie die Dresdner

Märkte. Dann wurde der Weg mit eben genannter Ausrüstung an einem Tage

zurückgelegt. Welche Leistung! Mitunter fuhren sie stückweise mit

einem Fuhrwerke. Auch auf die Messen nach Frankfurt a. d. Oder und

nach Breslau brachten die Fabrikanten die Neugersdorfer Webwaren. Ums

Jahr 1780 meldet die alte Ortschronik den ersten Messebesucher. Weiter

erzählt sie: »Ums Jahr 1810 gingen etwa sechs Fabrikanten nach Leipzig.

Jetzt (1857) zählen wir deren an dreißig, welche in- und ausländische

Messen besuchen und Tausenden Brot und Unterhalt geben.« Da waren gar

oft in jener Zeit solche müde Weberfabrikanten am Wegrande zu schauen.

[Illustration: Abb. 2

=Ein Weberfabrikant der auf die Messe »geht« ruht auf einem Stein aus=

(Grabmal auf dem neuen Friedhof in Neugersdorf)]

Aber diese Männer waren nicht nur darauf bedacht, ihre Waren zu

verkaufen, sondern sie brachten auch Neuerungen für den Webbetrieb mit

nach Hause. So verbesserten sie die Webstühle, stellten Zwirn- und

Treibmaschinen auf, waren diejenigen, die den Erfindungen ihrer Zeit

sogleich die Tür zur Webstube, zum Websaal öffneten. Und als eines

Tages im Dorfe der erste Dampfwebstuhl die Arbeit begann, da ahnten

die Hauswebstühle nichts Gutes für sich. Mochten sich Hausweber und

»Gezehe« auch noch so sehr anstrengen, sie vermochtens dem Neuling

nicht gleichzutun. Beide wurden mit jedem Jahre lebensmüder. Bis zu

dieser umgestaltenden Neuerung standen in mancher Lausitzer Wohnstube

vier Gezehe, dazwischen Spulrad und Treibrad. Die ganze Familie

war eine Arbeitsgemeinschaft. Es waren die kleinen Leute mit der

überperlten Stirn. Früh um fünf Uhr begann das »Klappern«, abends um

zehn Uhr wurde Feierabend gemacht. Zwei Taler acht Groschen konnten

bei dieser täglichen Arbeitszeit in einer Woche »erklappert« werden.

Kam Weihnachten, Ostern oder Pfingsten heran, dann wurde an den Tagen

vorher bis ein oder zwei Uhr morgens »gewürkt«, um die feiernden

Stunden wieder herauszuschinden. Doch waren die Leute zufrieden.

Mancher Volksvers vom Lausitzer Weberleben spricht von Armut und

Zufriedenheit. Der Dampfwebstuhl verdrängte einen Hauswebstuhl nach dem

andern. Und wie die Haustreiberei in kurzer Zeit ausgelebt haben wird,

so ist auch der Tag nahe gerückt, an dem der letzte Hauswebstuhl und

sein Spulrad stillstehen.

Während aber im Dorfe dreißig hohe Schornsteine qualmen neben

mehrstöckigen langen Fabrikgebäuden, darinnen die Maschinen sausen,

ununterbrochen die schweren Kohlenwagen über die Brücke knarren,

darunter lange Güterzüge rollen, Lastautos und festgebaute Rollwagen

die Kisten mit Hosen-, Blusen-, Hemden- und Kleiderstoffen, Webstühle

und Maschinenteile zum Bahnhof bringen, aus den Essen der Kupolöfen in

den Eisengießereien die Funken sprühen, steht der alte Dorfbewohner

im stillen Gräbergarten vor diesem müden Weber und träumt von

»Massegiehn«, »Gezehe«, »Spulradl« und »Treiberod«.

Denkmalpflege in Sachsen

Von ~Dr.~ _Bachmann_

Mit Aufnahmen aus dem Denkmalsarchiv in Dresden

Dem Beispiele der anderen Bundesstaaten folgend, hat nunmehr auch

Sachsen seit September 1920 einen staatlichen Denkmalpfleger berufen.

Nach der Verordnung des Ministeriums des Innern vom 10. August

1920 besteht von da ab das Landesamt für Denkmalpflege aus dem

Denkmalpfleger und dem Denkmalrat, welch letzterer in der Hauptsache

seine alte Zusammensetzung behalten hat.

Das Landesamt selbst hat seit dem Sommer dieses Jahres eigene

Diensträume im alten Palais Wackerbarth (Dresden-N., Niedergraben

5) bezogen, in denen nunmehr auch die Plan- und Bildsammlung des

Denkmalarchivs untergebracht ist, für dessen öffentliche Benutzung ein

Arbeitszimmer bereit gestellt wurde.

Mit diesen Umgestaltungen hat die Denkmalpflege in Sachsen einen

wichtigen Schritt nach vorwärts getan und eine breitere Grundlage für

den weiteren Ausbau gewonnen. Daß dieser dringend nötig ist, haben ja

die Erfahrungen der Jahre nach Kriegsende mit betrüblicher Deutlichkeit

und Eindringlichkeit bewiesen. In unseren Tagen des ausgeprägten

Materialismus, der Gleichgültigkeit und Verflachung des Empfindens

gegenüber Kulturwerten in weitesten Kreisen, ist dem Kunstbesitz des

Landes eine fast schwerere Gefahr entstanden, als sie je wohl ein Krieg

innerhalb der Grenzen hätte mit sich bringen können. Weite Kreise, die

früher mit Liebe und Verständnis sich ihres angestammten Kunstbesitzes

annahmen und ihn als treue Hüter für ihre Nachkommen wahrten, sind

durch die Not der Zeit gezwungen, ihn zu veräußern, oder aber ermangeln

besten Falles der Mittel, ihn in guter Pflege zu erhalten.

So erwächst der staatlichen Fürsorge die Aufgabe, für den übernommenen

Kunstbesitz zu sorgen, in ständig erhöhtem Ausmaße, aber mehr denn

bisher möchte hier neben die aufklärende und beratende Stimme der

berufenen Helfer der Denkmalpflege die Hilfe durch die Tat seitens

der verantwortlichen Stellen treten, soll nicht in absehbarer Zeit

unendlicher Schaden an Sachsens Kulturgütern geschehen. Um der nach

der Revolution in höchstem Maße gestiegenen Gefahr der Abwanderung

und Verschiebung wertvollen und für die Heimat unersetzlichen

Kunstbesitzes ins Ausland zu begegnen, wurde vom Reiche am 8. Mai 1920

ein Kunstschutzgesetz erlassen, zu dem die Bundesstaaten, darunter

Sachsen, noch ihre besonderen Ausführungsbestimmungen erlassen haben.

Diese ergingen für unser Land am 1. April 1921 und sollten von allen

Privatpersonen, Vereinen und Vereinigungen des Privatrechts, die sich

im Besitze von Gegenständen befinden, »die einen geschichtlichen,

wissenschaftlichen oder künstlerischen Wert haben, und deren Erhaltung

im öffentlichen Interesse liegt«, wohl beachtet werden.

Hierher gehört vor allem auch der reiche Kunstbesitz unserer

Kirchgemeinden und der der alten Innungen. Für ersteren hat das

evangelisch-lutherische Landeskonsistorium unter dem 1. Juli 1921

noch besondere Ausführungsbestimmungen erlassen, wonach Verzeichnisse

der in Frage kommenden Gegenstände aufzustellen und zeitweilig

nachzuprüfen sind. Über den Vereins- und Innungsbesitz werden

anderseits im Ministerium des Innern Listen nach Eintragsvorschlag der

Kreishauptmannschaften und nach Gehör des Denkmalpflegers oder anderer

Sachverständiger geführt.

»Zuständig für die Genehmigung der Veräußerung, Verpfändung,

wesentlichen Veränderung (Ortsveränderung!) oder Ausfuhr eines

geschützten Gegenstandes ist das Ministerium des Innern, sofern es sich

jedoch um Gegenstände im Besitz von Stadt- oder Landgemeinden handelt,

die Kreishauptmannschaft.« (Absatz V der Ausführungsbestimmungen. --

Sächs. Gesetzblatt 1921, S. 101.)

Mag auch manchem zeitgemäß Denkenden ein solcher gesetzlich

festgelegter Kunstschutz als Eingriff in private und angeerbte

Rechte erscheinen, so wird doch jedem Freunde unserer Heimat und

ihres Kulturbesitzes, der mit offenen Augen verfolgte, was in den

letzten Jahren auf dem Kunstmarkte vorging, eine gesetzliche Handhabe

willkommen sein, die hier ein Eingreifen gestattet und retten hilft, wo

noch zu retten ist.

Trotz seiner ständig schwieriger sich gestaltenden finanziellen Lage

hat das Landesamt im Kriege und in den folgenden Jahren die Arbeit

nicht ruhen lassen und es soll hier in Kürze den Freunden unserer

Bestrebungen aus der Fülle des bearbeiteten Materials einiges im

Beispiel geboten werden.

Wie bisher, so lag auch in den vergangenen Jahren die praktische Arbeit

des Landesamtes in der Hauptsache auf dem Gebiete der kirchlichen

Kunst, und beträchtlich ist die Zahl der Ölgemälde, Altaraufsätze,

Kruzifixe usw., die in dieser Zeit als Kranke und Invalide in die

Werkstätte des Landesamtes eingeliefert wurden, und die nun wieder in

alter Schönheit die Dorf- und Stadtkirchen unserer sächsischen Heimat

zieren. Mannigfaltig und zahlreich sind diese Krankheiten, und die

jahrzehntelange Übung und Erfahrung der Künstler und Restauratoren der

Werkstätten gehört dazu, deren Ursachen richtig zu erkennen und die

geeigneten Heilmittel dafür zu finden.

Wie aber der kranke Mensch selten gut dabei fährt, wenn er einem

Kurpfuscher sich anvertraut, so mag auch an dieser Stelle einmal

eindringlich davor gewarnt werden, die Wiederherstellung kranker

Kunstgegenstände Leuten anzuvertrauen, denen keine Erfahrung in diesen

Dingen zugestanden werden kann. Gurlitts kleines Werk »Die Pflege der

kirchlichen Kunstdenkmäler« kann hier ein guter Führer und Wegweiser

sein.

Im Kriege noch wurde der mächtige Altaraufsatz aus der Nikolaikirche in

Döbeln, der dringend der Erneuerung bedürftig war, in die Werkstätten

des Landesamtes überführt. Das in Holzplastik und Malerei auf das

reichste ausgestattete Kunstwerk ist ein Flügelaltar aus katholischer

Zeit, und gehört mit seinen Abmessungen von fast elf Meter Höhe und

fünf Meter Breite zu den größten der in Sachsen noch erhaltenen

Altarschreine. Der Meister, der dies Kunstwerk schuf, ist nicht

bekannt, doch rät Steche auf einen Meister Hans Degen aus Dobeleyn, der

auch den Hauptaltar der Kreuzkirche in Dresden in den Jahren 1513 bis

1515 fertigte.

Die kostspieligen und umfangreichen Erneuerungsarbeiten wurden von den

Künstlern des Landesamtes mit bestem Erfolg durchgeführt und der Altar

Pfingsten 1919 an Ort und Stelle wieder aufgerichtet.

Der große, herrliche Altaraufsatz aus der Kirche zu Ehrenfriedersdorf,

ein künstlerisch hoch zu bewertendes Werk des beginnenden sechzehnten

Jahrhunderts, ist der Öffentlichkeit durch eine vieljährige Aufstellung

in der Gemäldegalerie zu Dresden bekannt geworden. Auch dieser war

dem Landesamt als dringend erneuerungsbedürftig anvertraut worden und

wurde durch seine Werkstätten sachgemäß instand gesetzt. Jetzt ziert er

nun wieder die malerische alte Kirche des Erzgebirgsstädtchens, deren

massiver Turm noch heute das charakteristischste Wahrzeichen im Stadt-

und Landschaftsbilde ist, wenn er auch seines hohen mittelalterlichen

Wehraufbaues schon seit langem verlustig gegangen ist.

Ein recht interessantes Stück sächsischer Plastik des Mittelalters

stellt ein Flügelaltar vor, der für die Gemeinde zu Plohn im Vogtlande

im Jahre 1918 in den Werkstätten wiederhergestellt wurde. Eine fein

empfundene und gut durchgebildete Madonnenstatue der spätgotischen

Zeit steht im Mittelschrein vom Strahlenkranze umgeben, in den Flügeln

zu beiden Seiten die Figuren der heiligen Katharina und der heiligen

Barbara. Deutlich läßt aber bei diesem Beispiel die Umrahmung des

Schreines die Übergangszeit und die Formensprache der nunmehr neu

auftretenden Renaissance erkennen. Noch späterer Zeit entstammt die

zugefügte hölzerne Predella. Der Altar, der lange Jahre in einem Raume

des Plohner Rittergutes aufbewahrt wurde, ist nach der Erneuerung

wieder in der Dorfkirche zur Aufstellung gekommen.

Die neue Jakobikirche zu Freiberg besitzt seit alters einen großen

Schnitzaltar, den der Meister Bernhard Diterich, Bildhauer und

Bildschnitzer zu Freiberg im Jahre 1610 anfertigte. Reich bewegte

Reliefs in Holzschnitztechnik füllen hier die einzelnen Felder des

architektonisch gegliederten Aufbaues. Das ganze Kunstwerk war

jedoch derart vom Holzwurm zerfressen, daß eine durchgreifende

Imprägnierung sich nötig machte, die im Herbst vergangenen Jahres

durch die Werkstätten des Landesamtes mit vollem Erfolg und an Ort

und Stelle durchgeführt wurde. Gleichzeitig wurde auch ein kleineres

Schnitzaltarwerk desselben Meisters Diterich, das sich in der Kirche zu

Kleinschirma befindet, erneuert.

Noch viele andere Kunstwerke von Wert harren in den sächsischen

Kirchen der dringend nötigen Auffrischung, aber zu gering sind leider

diesen Anforderungen gegenüber die Mittel, die zur Verfügung gestellt

werden. So muß sich die Konservierungstätigkeit des Landesamtes in der

Hauptsache auf kleinere Stücke beschränken.

[Illustration: Abb. 1

=Plohn, Altar, geöffnet nach der Wiederherstellung=]

Manch schönes Kunstwerk wäre da zu nennen, das im Laufe der letzten

Jahre seine Auferstehung von einem Kirchenboden herab gefeiert hat.

So hat unter anderem die große, freundliche Kirche zu Mildenau

im Erzgebirge sich eine kleine »Pieta« von edler Formensprache

wiedergeschenkt, die nun heute zusammen mit Teilen alter Flügelaltäre

das Kircheninnere ziert. Eine größere, sehr schöne Beweinungsgruppe

wurde in gleicher Weise für die Kirche zu Hilbersdorf wieder

vorgerichtet, und es ist erfreulich zu bemerken, daß mehr und mehr doch

gerade diesen, durch Tradition und Kunstwert gleichermaßen geadelten

Erzeugnissen einer vergangenen Zeit wieder Liebe und Verständnis

entgegengebracht wird. Freilich sind auch, trotz aller Bestrebungen

von Denkmalpflege und Heimatschutz noch immer betrübliche Fälle

von Vernachlässigung, Gleichgültigkeit, wenn nicht Schlimmerem zu

verzeichnen.

[Illustration: Abb. 2

=Hilbersdorf, Gruppe der Pieta vor der Herstellung=]

Mit der sich wieder regenden Bautätigkeit beginnt auch vielen Ortes

wieder die Pflege der Kirchengebäude in Fluß zu kommen. Im Kriege noch

wurde die kleine, reizvoll im Landschaftsbilde gelegene Kirche zu

Harthau bei Chemnitz auf Anregung des Landesamtes erneuert und so vor

dem Schicksal des Abbruchs, das ihr nach Errichtung der neuen Kirche

drohte, glücklich gerettet. Noch während des Krieges trat man dem

Gedanken näher, den stimmungsvollen Kirchenraum als Gedächtnishalle

im Sinne einer Kriegerehrung auszugestalten und 1915 wurde bereits in

diesen Blättern darauf eingegangen. Jetzt scheint der Gedanke Form zu

gewinnen und seiner Verwirklichung entgegenzugehen.

[Illustration: Abb. 3

=Innenansicht der Kirche zu Großrückerswalde= (Zustand Mai 1921)]

Die prachtvolle alte Wehrkirche zu Großrückerswalde bei Marienberg,

eine der wenigen und schönsten der von ihrer Art in Deutschland

überhaupt erhaltenen, hatte durch Wind und Wetter auf ihrer stolzen

Höhe stark gelitten. Die Gemeinde hat sich nun in dankenswerter und

nachahmenswürdiger Weise entschlossen, die für einen Kirchenneubau

dereinst angesammelten Gelder für die Erhaltung des schönen, alten

Gotteshauses auszugeben. Mit den Erneuerungsarbeiten ist bereits

begonnen worden.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XI, Heft 1-3 · 第 1 / 5 段