Langsam vergehen die Tage ohne besondere Abwechslung, ohne neue Eindrücke.
Der vielbesprochene Ausflug nach Johore, wo wir Tiger zu jagen hofften, ist
verschoben, da der Sultan verreist ist; auch die Tour nach Sumatra fällt
ins Wasser, da weder Brand noch ein Anderer eine ordentliche Dampfyacht
besitzt, und das gewöhnliche Passagierschiff nach Deli viel zu viel Zeit
braucht. Der Gouverneur der Straits Settlements ist momentan in Malacca,
so dass jede grössere Geselligkeit seitens der Engländer sistirt wird.
Biegeleben hat mit Sapieha am Siranganflusse den Jungle abgejagt -- leider
ganz ohne Erfolg.
Donnerstag Abends war Galadiner bei Brand's, die consularischen Vertreter
Deutschlands (C. Frensberg, früher in Haiti), Frankreichs, Belgiens und
Italiens, auch ein gewisser Cavaliere A. Luzzatti, Ingegnere Civile, der
im Auftrage Chulalonkorn's in Bang-tah-phan Goldminen einrichtet. -- Madame
Brand überbot sich an Liebenswürdigkeit. -- Ein hübscher Ausflug war der
zu den »Waterworks«, einem kolossalen ausgemauerten Reservoir, welches
das Wasser für ganz Singapore liefert. Schon die vier Meilen hin führen
durch reichste und üppigste Waldungen, theilweise in tiefem Schatten, ohne
dass Ein Haus, Ein Mensch die Stille dieser tropischen Spazierfahrt stört.
Um das Bassin ist ein schöner Park angelegt mit herrlichen Blumen, --
eine Colonie Chinesen sorgt als Gärtner für die Erhaltung des Gartens. --
Schön ist auch der Park des im Renaissancestil erbauten Government-House,
mit Mangrove-, Banian- und Bambusgruppen und einem kleineren
Wasserreservoir. Hooper von Johnston & Co. führt Poche und mich
ins Gefängniss, eine wahre Musteranstalt, das Ideal von Reinlichkeit,
Nettigkeit und Ordnung. Jeder Sträfling nimmt zweimal täglich ein kaltes
Bad, und haben wohl die meisten Insassen früher nie so hygienisch gelebt.
Nur ist der Commandant, Major Grey, ein liebenswürdiger alter Graukopf,
der nach dem Grafen Hübner fragt, zu weich und nachsichtig, und scheinen
die 12 europäischen Aufseher gegenüber 1500 Sträflingen viel zu schwach.
Es wurden auch schon einige durch die chinesischen und malayischen Bestien
mit ihren Steinhämmern erschlagen! Oben auf den Umfassungsmauern kleben
Wächterhäuschen, in welchen Sepoys, indische Soldaten, Tag und Nacht
postirt sind, um etwaige Fluchtversuche zu hindern. Ueberhaupt ist
Singapore der Versammlungsort der ärgsten Gauner des Ostens, des
Abschaumes Oceaniens, wohin die Verbrecher Chinas, der Philippinen,
Australiens und der Sundainseln strömen. Fast in jedes Bungalow wird
alljährlich eingebrochen, und schlafen alle Europäer mit Revolvern unter
dem Kissen. Eine Ausnahme bildet Bidadaré, vielleicht weil dort bei Nacht
alle Lichter ausgelöscht werden und die Herren Malayen sich im Finsteren
schwer orientiren können.
Auf der Esplanade versammelt sich allabendlich das »High-Life« der Stadt,
-- in der Mitte des Platzes wird Lawn-Tennis gespielt, und rund herum,
am Hôtel Europe, an der Kathedrale, am siamesischen Elephanten, am alten
Hafendamm vorbei, rollen schwere Landauer mit reichen Chinesen, hübsche
Victorias und fesche Dogcarts mit schönen, aber bleichen Engländerinnen,
manchmal einige Jin-rickshaws, von stämmigen Malayen gezogen und netten,
geschmackvoll gekleideten Japanerinnen darinnen. Für einen Weissen im
Rickshaw bei Tage zu fahren wäre »shocking«, dies Vehikel können nur
Natives benützen. Ich errege auch das Entsetzen aller anständigen Leute,
als ich kühn, die Cigarre im Mund, um 5 Uhr im Rickshaw um den Corso
rolle und die empörten Gesichter aller Europäer grinsend beobachte...
-- Sapieha hat sich endlich entschieden, den Gesandten auf dessen
Einladung nach Tokio zu begleiten, -- er schwankte lange hin und
her, wollte auf dringendes Zureden des Grafen Zaluski mit mir über
Britisch-Indien zurück. -- Schliesslich rieth ich ihm selbst, nach Japan
zu gehen, von wo er über Peking, Kiachta und über Sibirien die Landreise
antreten wird. Ganz interessant, aber sehr beschwerlich!
Solches Obst wie hier gibt's wohl in der Welt nicht wieder! Grossartigste
Ananasse, Mangos, Mangosteens, Durriens, Pomaloes, vierzehn verschiedene
Arten Bananen, Cocosnüsse u. s. w. Das Paradies für Dysenterie!
Sonntag 27. Jänner.
Früh um ½6 Uhr rudere ich im Hafen von Dampfer zu Dampfer, ohne das
Boot nach _Riouw_ finden zu können; überall glotzen mich unverständige
Chinesen und Malayen an, nirgends ein englisch sprechender Mensch. Wüthend
und schnaubend lasse ich den Sampan zur Esplanade zurückkehren und finde
dort zu meinem unbeschreiblichen Jubel Biegeleben und Sapieha, -- mit
diesen vereint erreiche ich endlich das ersehnte Schiff, einen schmutzigen
winzigen Dampfer, auf dessen Oberdeck einige 60 Chinesen mit
uns zusammengepfercht werden und daselbst ruhig sowohl _alle_
Leibesbedürfnisse erfüllen, als ihre Mahlzeiten kochen, Hühner rupfen,
Reis sieden u. s. w. Jeden Moment geht ein Platzregen nieder und
durchnässt uns und alle unsere Habseligkeiten; dagegen ist die Fahrt
wirklich reizend, an zahllosen Inseln vorbei, die, mit Cocospalmen ganz
überwachsen, auf allen Seiten dunkelgrün aus dem Meere auftauchen und
wieder verschwinden. Leider ist die Maschine defect, und statt um 3 Uhr
laufen wir erst um 6 Uhr den Hafen von Riouw an, einer kleinen friedlichen
Stadt, dem Hauptorte der gleichnamigen Insel. Mit Mühe entnehmen wir
dem malayischen Kauderwelsch des sogenannten Capitäns, dass er schon um
10 Uhr Abends statt morgen früh zurückkehre; wir sehen daher von
den landschaftlichen Schönheiten der niederländischen Insel und ihren
Kaffeeplantagen gar nichts. Es ist zu spät, den holländischen Gouverneur
aufzusuchen, an den ich durch Lavino Empfehlungsschreiben habe,
wir lustwandeln durch die dunkeln Strassen, bewundern die mit echt
holländischer Reinlichkeit gehaltenen Bungalows und Clubhäuser und
nehmen in einem sogenannten Hôtel ein erträgliches Souper ein, wo es aber
wiederum mit der Sprache sehr happert, nachdem Wirth und Wirthstochter blos
holländisch sprechen und meine paar Brocken nicht weit reichen. Nach einem
förmlichen Kampf mit den Bootsleuten, die uns durchaus übers Ohr hauen
möchten, sind wir um 10 Uhr Nachts wieder auf unserem Marterschiffe
und suchen alle drei auf zwei Bänken ohne Lehnen so gut als möglich
zu schlafen! Ein vergebliches Beginnen. Um 5½ Uhr früh ankern wir vor
Singapore, und drei kräftige Rickshawmen rollen uns schläfrig in unsere
verschiedenen Herbergen.
Montag 28. Jänner.
Der Lloyddampfer »Maria Theresia« ist natürlich verspätet -- heute
hätte er einlaufen sollen, nun dürften die Collegen erst in 4-5 Tagen
nach Hongkong flott werden. Mit Sapieha Besichtigung des recht armseligen
Museums, wo nur einige Modelle malayischer Piratenschiffe, ein an die
15 Fuss langes ausgestopftes, kürzlich vom Secretär des Clubs im
Sirangan-Flusse hinter Bidadaré geschossenes Krokodil und ein paar
Riesenheuschrecken auffallen. -- Dann unter den Auspicien des stets
gefälligen Hooper Besuch bei einem reichen Chinesen, dem Hon.
Sia-Liang-Sia, dessen Heim ganz geschnitzt und vergoldet recht
geschmackvoll erscheint; der bezopfte dicke Hausherr, welcher der Stadt
einen schönen öffentlichen Brunnen gespendet, überbietet sich in
Liebenswürdigkeiten. Abends grosses Diner bei Frensberg, dem deutschen
effectiven Consul: rechts von der Hausfrau Sapieha (!), links
Biegeleben (!), zwischen zwei Kaufleuten ich (!). Als ich nach
verschiedenen »Jeux d'esprit« und geistvollen »Pustenspielen« um 1 Uhr
nachts mein lang ersehntes Bett im »Europe« aufsuche, theilt mir der
Celestial mit, mein Kutscher streike, und ich bekäme für morgen früh
nach Johore keinen Wagen! Hole Alles der Teufel, ich kann die Augen nicht
aufhalten und dazu »die« Hitze!
Dienstag 29. Jänner.
Ohne »Chowta Hazru« erhalten zu können, rollen Poche und ich mit
knurrendem Magen um 6 Uhr früh in Jinrickshaws zum »deutschen Club«,
wo wir beim Khitmatgar unsere Kleider deponiren. Bald erscheinen in einem
Landauer Biegeleben und Sapieha, wir steigen zu ihnen ein und fort
geht's 3½ Stunden bis zum Tambroh-Canal, welchen wir in einer schmucken
Dampfbarcasse des Sultans übersetzen -- am festländischen Ufer Empfang
durch den Secretär Sr. Hoheit Abdul Rahman und durch einen in johorischen
Diensten stehenden Engländer, Abramson. -- Schön gehaltener Park,
riesiges Bungalow, das als Palais ganz europäisch eingerichtet ist. --
In mehreren Hofequipagen Besichtigung der Stadt Johore, des musterhaften
Gefängnisses, der im tiefen Jungle gelegenen Waterworks, der chinesischen
Spielbank, die dem Sultan viele Tausende einträgt; mein Magen hält's
nicht länger aus: Biegeleben lacht, aber wir kehren doch ins Palais
zurück, wo endlich um 12 Uhr ein opulentes Tiffin auf dem berühmten
johorischen Silberservice meine Hungerqualen stillt. -- Um 4 Uhr sind wir
wieder in Singapore in der »Teutonia«, wo gewaschen, rasirt und angezogen
wird, und um 5 Uhr erscheinen wir alle in schwarzen Gehröcken, die wie
Kaftans um unsere hageren Glieder schlottern, und mit Cylindern (!)
vor dem Sultan von Johore, welcher neben dem botanischen Garten einen
prachtvollen Park mit Bungalow bewohnt. In einer kolossalen hölzernen
Scheune empfängt uns der freundliche alte Herr, ein Araber mit weissem
Schnurrbarte, europäisch gekleidet, mit Ausnahme eines kleinen Sarongs und
einer schwarzen Mütze mit prachtvoller Diamantagraffe. -- Da Abu-Bakr sein
Haus hier ganz umbauen lässt, sind alle seine Schätze in dieser Scheune
aufgespeichert, darunter wundervolles Satsuma-Porzellan und zwei feenhafte
Lackparavents, die der Sultan in Kobe für 25.000 Dollars angekauft.
-- Maharadjah darf man ihn in Johore selbst bei 5 Dollars Strafe nicht
nennen, seit die englische Regierung seinen Sultanstitel anerkennt. Er
erzählt von zwei schönen Tigern, die seine Leute gefangen und mit denen
er nichts anzufangen wisse, -- auf meine Aufforderung verspricht er, die
Thiere unserem Kaiser zu schenken und sie mit der »Maria Theresia« auf
ihrer Heimreise nach Schönbrunn zu schicken. -- Brand übernimmt es, alle
Vorbereitungen hiefür zu treffen. -- Schliesslich sagt er uns allen seine
Photographie zu.
[Illustration: Der Sultan von Johore.]
[Illustration: Johore, der Salon des Sultans.]
Mittwoch 30. Jänner.
Herzlicher Abschied vom Gesandten, der das Ideal der Güte und
Anspruchslosigkeit ist, sowie vom wackeren Sapieha; beide haben uns mit dem
stets fröhlichen Engler das Geleite aufs Schiff gegeben, wo sich auch der
französische Bischof Monseigneur Gasmir eingefunden hat. Neben uns liegt
die »Arratoon Apgar«, die mit Graf und Gräfin Karl Dönhof an Bord auch
nach Calcutta abgeht. -- Heute früh ist die »Maria Theresia« angelangt;
wir laufen noch hin, finden aber alle Officiere und Passagiere ans Land
gegangen. Um 4 Uhr dampfen wir (Poche und ich) auf dem guten Schiffe
»Palitana« der British India Steamship-Navigation Co. langsam aus dem
Hafen. -- Der Fahrpreis I. Classe mit Verpflegung bis Calcutta (14 Tage)
beträgt blos 67 Dollars!
Donnerstag 31. Jänner.
Ein 2000 Tonnen grosses, scrupulös rein gehaltenes, mit elektrischem
Lichte versehenes Schiff, ein charmanter rothbärtiger Commandant, Captain
England, jovial und lustig, freundliche, artige Officiere, endlich statt
der eckligen chinesischen Boys Bengalis als Diener und Stewarts, schlanke
braune Kerle in weissen Musslinanzügen und riesigen Turbans, die lautlos
und flink jedem Wunsche zuvorzukommen trachten -- welcher Gegensatz gegen
»Hecuba, Hekate und Co.«! In einen langen Rattansessel hingestreckt,
den ich in Singapore für 5 Dollars erworben, fange ich an, die Ruhe, das
absolute Nichtsthun, vor Allem die herrliche Kühle der Seeluft (nur 30°
auf Deck) in vollen Zügen zu geniessen. Ein Ehepaar aus Singapore auf
der Hochzeitsreise, Harvey, er von einer schweren Krankheit soeben
auferstanden, sie rothhaarig, aber hübsch -- der katholische Bischof von
Rangoon, Monsignore Bigandet, ein liebenswürdiger alter Herr, der seit
51 Jahren den fernen Osten bewohnt und nur zum Vatican-Concil nach Europa
zurückgekehrt ist -- ein portugiesischer Eurasier, Dr. de Souza aus
Rangoon -- der »Very Reverend the Archdeacon of Singapore«, Meredith, ein
etwas bornirter Schotte; drei amerikanische Globetrotters, John Coolidge
aus Boston, der über ein Jahr als Japaner in Japan gelebt, Malcolm Thomas
aus Boston, und Larz Anderson 2nd aus Washington, ein guter Caricaturist,
-- das bildet so ziemlich die Gesellschaft. -- Die Staterooms sind, wie
alles Uebrige, tadellos rein -- störend wirkt nur eine Armee winziger
grauer Ameisen, die aus der Bordwand kommend Tag und Nacht über meine
Schwämme, über das Waschbecken und über mein Bett wandert -- die Viecher
beissen zwar nicht stark, man gewöhnt sich an Alles -- aber angenehm ist's
nicht. -- Dafür gibt es allerdings wenig Kakerlaken. -- Auch ein Vortheil!
[Illustration: PRIESTERHAUS]
Freitag 1. Februar.
_Malacca_ haben wir leider im Finstern berührt; heute früh legen wir
wieder bei dem schönen _Pulo-Penang_, der Betelnussinsel, an, und Poche
und ich suchen ein paar Pferde zu mieten, um den »Penang-Hill« zu
erklimmen. -- Es ist chinesisches Neujahr, die Strassen gefüllt mit
festlich gekleideten Celestials, deren Frauen und Kinder, geschminkt
und mit kostbarem Schmucke überladen, in Wagen und Gharries und Tats
umherkutschiren. Nach langem Umherirren finden wir endlich ein paar
knochiger Rosinantes, und den Victoriapark rechts lassend, geht's steil den
Berg hinauf, durch wundervolle Wälder, die -- wie Poche behauptet -- den
schönsten Plantagen auf Java gleichkommen. -- Zuerst stolpern wir in einen
Prachtpark und von da in ein luftiges, elegantes, aber ganz leeres Bungalow
-- ein französisch sprechender Herr belehrt uns, dies sei das Gouvernment
House -- wir suchen weiter und gelangen auch, nach vielem Steigen, in eine
Art Hôtel, das von dem unvermeidlichen Chinesen als Sanatorium gehalten
wird. -- Die grossartige Aussicht, 2000 Fuss tief auf die mit üppigster
Vegetation überwachsene Insel, auf das Meer ringsum, besonders aber ein
kräftiges Tiffin entschädigen für die Mühen des Aufstieges -- auch
wirkt die Temperatur von 25° wie eine Offenbarung! Auf diesen Gäulen
ist vom Hinabreiten keine Rede -- in 2½ Stunden soll die »Palitana«
abdampfen -- also heisst's trotz Tropen, trotz Mittagssonne im Laufschritt
den Berg hinunter und ebenso weiter bis zur Stadt, wo uns schliesslich ein
Jinrickshaw zum Hafen führt -- entschieden der heisseste Spaziergang, den
ich je gemacht! Das nennt man Schwitzen!
[Illustration: SCHIFF AUS RANGOON]
2., 3., 4. Februar.
[Illustration: Glocke der SHOE DAGON PAGODE]
Prächtige Tage der höchsten Faulenzerei -- bis 9 Uhr liegt Alles in
Pujamahs umher, späterhin in Leinenanzügen -- das Essen ist geniessbar,
die Globetrotters recht lustig -- besonders angenehm ist der alte Bischof
mit seinem langen grauen Barte. -- Stundenlang erzählt er mir von den
Schönheiten der buddhistischen Lehre, die er natürlich von Grund
aus kennt, sowie von der Eroberung Burmas durch die Engländer -- sein
meridionales Französisch klingt merkwürdig an der Küste von Tennasserim.
-- »Als nach der Einnahme Rangoons die grosse Glocke der Shvay
Dagon-Pagode, die 7½ Fuss im Durchmesser misst, aufs englische
Flaggenschiff gebracht werden sollte und beim Transporte in die Mitte des
Irawadi fiel, waren alle Bemühungen der Matrosen, mit ihren Maschinen die
Glocke zu heben, ganz vergeblich. -- Da bat eine birmanische Deputation
den Befehlshaber, ihr die am Grunde des Riesenflusses liegende Glocke zu
schenken, was auch lachend und ungläubig gewährt ward. Den Tag darauf
befand sich die Glocke wieder an ihrem alten Platze auf der Plattform der
goldenen Pagode. -- Was alle britischen Ingenieure nicht zustande gebracht,
das vermochten 20.000 Birmanen in wenigen Stunden!« -- Gestern war
anglicanischer Gottesdienst in der grossen Cabine, und Meredith hielt eine
langweilige Predigt.
Dienstag, 5. Februar.
[Illustration: Shvay Dagon-Pagode.]
Seit frühem Morgen fahren wir den Irawadi hinauf, einen der grössten
Ströme der Welt -- die Ufer flach, öde. -- Am Landungsplatze Tausende von
Zuschauern in den farbenprächtigsten Kleidern, meist rosa und
himmelblau -- die Männer sind schlanker, grösser und schöner als
die stammverwandten Bewohner Siams. Das Haupthôtel _Rangoons_, das
»British-Burmah H.«, ist als Gasthof dem Schiffe »Hekate« ebenbürtig.
Hier empfangen uns die vorausgeeilten Amerikaner mit »bad news from
Austria«, und die furchtbare Nachricht des Todes unseres Kronprinzen wirkt
fast lähmend auf Poche und mich. -- Wir hoffen, die Kabelgramme haben
falsch berichtet -- auch weiss unser Honorarconsul Biedermann noch gar
nichts. -- Mit schwerem Herzen erfüllen wir unsere Touristenpflichten
und bewundern die »Shvay Dagon-Pagode«, entschieden die prachtvollste,
kolossalste, grossartigste Pagode Asiens. -- Die Lage sowohl, als die
Bronzen, Schnitzereien und vor Allem die 321 Fuss hohe, ganz vergoldete
Daghoba sind überwältigend. Mein Plan, einen Dampfer zu überschlagen,
mit der neuen Bahn nach Mandelay zu fahren und erst nächste Woche weiter
nach Calcutta zu reisen, muss -- wie so manches Andere -- aufgegeben
werden. Die Bahn nimmt nur bis Prome Passagiere. Erst in 14 Tagen wird der
Verkehr bis Mandelay eröffnet -- bis jetzt gehen nur Militärzüge -- zur
Flussfahrt auf dem Irawádi gebricht es an Zeit; also morgen nach Maulmain.
[Illustration: SHWE DAGONE PAGODE]
[Illustration]