[Illustration: CHINESISCHER SAMPAN]
#Pulo Penang.# -- Wir ankern seit Morgengrauen in einer entzückenden
Bucht: westlich die dunkelgrüne Insel, ganz mit dichtem Laub bewachsen,
sehr gebirgig, hie und da weiss getünchte Häuschen, welche aus den
Bäumen und Sträuchern hervorleuchten; gleich neben uns ein Theil der
Stadt (Georgetown) mit grossen Warenlagern (Go-downs), dem Gefängnis,
der Signalstation, an deren Mastbaum bereits unsere (die Lloyd-) Farben
flattern, -- östlich die kaum zwei Seemeilen entfernte Küste des
Festlandes, der Halbinsel Malacca, des »goldenen Chersonnes«, hier
der englischen Provinz Wellesley, nichts wie endlose Reihen schlanker
Cocospalmen; im fernen Norden ein hoher kegelförmiger Berg, der schon zu
Siam gehört, -- das Endziel meiner Fahrt rückt schon sehr nahe! Um
uns und die zahlreichen anderen Schiffe wimmelt es von Sampans, kleinen
hochbordigen Booten, deren Ruderer theils splitternackte braune Malayen mit
grossen Palmenhüten, theils gelbe bezopfte Chinesen, durch Schreien und
Winken Passagiere zu gewinnen trachten. Einige kräftige Ruderschläge des
Captains Gig, und wir landen an dem kleinen Pier der »Bethelnussinsel«.
-- Ein ostindischer Policeman verschafft den üblichen gedeckten Wagen,
und hinaus geht es lustig dem Innern zu: derselbe dunkelrothe feuchte,
vollkommen glatte Boden wie in Ceylon, auf dem die Räder des »Gharry«
geräuschlos rollen; dieselbe schwere, regengeschwängerte Luft; dieselbe
drückende Hitze -- doch die Dysenterie ist geschwunden; wie wir die Stadt
hinter uns haben, kommen die prächtigsten Palmen- und Banianenwälder
zum Vorschein, kaum dass die sauber gehaltenen Bungalows mit den breiten
Verandas die Existenz einer Strasse verrathen, -- die Wipfel der Bäume
vereinigen sich über die Chaussée, nichts wie Duft und tiefe gesättigte
Farbe: grün, roth, braun, -- die Trauer, die düstere Stimmung der letzten
Woche ist geschwunden, fröhlich und lustig langen wir am Victoriapark an,
wo trotz Schimpfens und Fluchens der malayische Autemedon das Weiterfahren
energisch verweigert. -- Eine Verständigung ist nicht möglich, eine
am Eingang des Gartens angebrachte englische Tafel spricht von »den dem
Schutze des Publicums anvertrauten Anlagen, etc.« (ganz wie im Wiener
Stadtpark), aber vom Fahren kein Wort, -- da erscheint zu unserer Freude
unter lautem Jubel Freund Mersa in Mufti, weiss mit grossem Sonnenhut: er
will auch die Kühle des Wasserfalles geniessen, hat, wie bei jeder Reise,
die Geschäfte des Aus- und Einladens dem Secondo überlassen und steigt,
nachdem er uns das Benehmen des Kutschers erklärt, durch den nett
gehaltenen Park links einen ziemlich steilen Weg hinauf, --
üppige Vegetation, Schlingpflanzen von Baum zu Baum, dunkelblaue
Riesenschmetterlinge, -- an den Felswänden schnattern und grinsen die für
uns ersten braunen Affen uns entgegen! Noch wenige Schritte und der kleine
Wasserfall ist vor uns, links eine buddhistische, leider verschlossene
Pagode aus grauem Stein, Alles im tiefsten Schatten, -- wundervolle, für
die Tropen fast kalte Luft, -- der leise Sprühregen der Cascade erhöht
noch die Labsal; doch nichts dauert ewig etc., eine Stunde der Erholung,
unterbrochen durch vergebliche Versuche Baron Rüdiger's und von mir, einen
Stammesgenossen in Form eines Affen herunterzuschiessen, und dann heisst's
im Laufschritt die zwei Kilometer wieder hinab; in Schweiss gebadet
finden sich alle beim Parkeingang und kehren in dem nahe gelegenen
Alexandrahôtel (?) ein -- zwei mittelst einer Wandelbahn verbundene
hölzerne Häuser, von denen eines nur für Chinesen, das andere auch für
Weisse bestimmt ist, -- der Khitmatgar, mit einem langen Zopfe behaftet,
spricht nur seine einsilbige Muttersprache, doch erhalten wir Thee,
Conserven und Albertkuchen, während der Chef mit einem ganz kleinen zahmen
Aefflein Freundschaft schliesst. Eine Jinrickshaw fährt heran, darinnen
Mr. Harrison im tadellosen Sommeranzuge und braunen steifen Hut, -- der
Mann kriegt sicher noch den Sonnenstich, dabei ist er so elegant
und sauber, dass Sapieha und ich längst jede Concurrenz mit diesem
Musterkammerdiener als vergeblich aufgegeben haben, -- er will natürlich
auch zum Wasserfall! -- Eine Stunde zurück; am Wege wird ein im Baue
begriffener grosser Tempel besichtigt; durch viele breite, lange Strassen
mit langweiligen Miethskasernen; aus den oberen Stockwerken lachen
recht mittelmässige Chinesenmädeln auf uns herab; eine Razzia beim
Photographen, der sehr dürftig versehen ist, ist wenig erfolgreich; --
noch starre Bewunderung und namenloses Staunen: einige Engländer, die in
voller Sonne bei ungezählten Wärmegraden um 2 Uhr nachmittags Cricket
spielen! Für die vom Schatten eines Banianenbaumes aus zusehendes Natives
wohl ein schwer erklärliches Schauspiel!
Am »Poseidon« wartet unser Consul Morstadt, ein liebenswürdiger,
intelligenter Schweizer Kaufmann, um seine Aufwartung zu machen und sein
tiefes Bedauern darüber auszudrücken, dass wir ihn in seinem schön
am Penang-Hill gelegenen Bungalow nicht aufgesucht, -- er erzählt vom
Aufenthalte des Grafen Zaluski und der kürzlich hier zur Jagd gewesenen
Grafen Wallis und Herberstein.
Wir haben viele Chinesen am Bord, gegen 200, Coolies, die in ihre Heimat
zurückkehren und schon eifrig beschäftigt sind, ihr schwer erworbenes
Geld im Hazardspiel wieder zu verlieren. Manche kehren bereits in Singapore
um. -- Das ganze Vorderdeck wimmelt und duftet von ihnen, auch hat der
Commandant, der eine Idiosynkrasie gegen sie hat, die Zugänge zu seiner
Cabine mit Brettern einplanken lassen. -- Um Sonnenuntergang werden die
Anker gelichtet.
[Illustration: PULO PENANG GEORGE TOWN]