23. December.

[Illustration: ADAMS PIC]

Das war eine nette Nacht! Durch die natürlich offenen Fenster

(Glasscheiben gibt es in ganz Ostasien nicht) tropft der Regen fortwährend

ins Zimmer, wo Sapieha und ich mit Mosquitos, mit Ameisen, mit der Hitze

und der Feuchtigkeit Verzweiflungskämpfe führen! Auch der Gesandte

scheint kaum besser geruht zu haben, denn er bezeichnet seinen grossen nach

vorne gelegenen Salon als einen »Zoologischen Garten«, voll neuer ihm

unbekannter Thiere, darunter auch die berühmten »Flederfüchse«. -- Die

Anderen gehen in die Messe, dann wir Alle zum Buddha-Tempel, der erste, dem

wir begegnen, wo uns die gelbgekleideten Bonzen in die Bibliothek und in

die eigentliche Daghoba führen, uns mit Jasminblüthen bekränzen und

einen vom früheren englischen Gouverneur gespendeten goldenen Teller mit

langer Pahli-Weihinschrift, leider aber nicht den bekannten Zahn zeigen. --

Letzterer, die heiligste Reliquie Buddha's, ist übrigens falsch. -- Dafür

ist die Aussicht vom Tempel auf den »Kandysee«, der wie ein glitzernder

Brillant in der Mitte der Stadt liegt, sowie auf die rings umliegenden

Höhen, den sogenannten Lady Hortons Walk, bezaubernd. -- Noch einen Blick

auf den aus Holz geschnitzten Festsaal der alten Könige, und wir fahren

nach _Peradenia_, dem grossartigsten botanischen Garten der Welt. Eine

breite Chaussée, zu beiden Seiten eine Reihe riesiger kerzengerader

Gummibäume, ~Ficus elastica~, dazwischen wilde Bananen, an zahllosen

Häusern vorbei, die in Cocosnusspalmen, Brotfrucht- und Kaffeebäumen fast

verschwinden, davor nackte Singhalesen, Kinder, Tamils, ganze Schaaren

von Hunden, welche den hinter unserem Wagen galoppirenden Neptun

kläffend anfallen und ihm fast den Garaus machen; -- 4 Meilen tropischer

Schönheiten bis zum Eingang, trotz des Regens wohl der herrlichste Blick

auf unserer Reise: Dattelpalmen, Cocospalmen, Taliputpalmen, Arecapalmen,

Toddypalmen, Palmettopalmen, Fächerpalmen, Gemüsepalmen (cabbagepalms),

»Fernpalms«, dann Brotfrucht-, Gummi-, Cacao-, Jackfrucht-,

Nutmegbäume! Der berühmte Coco-de-Mer der Seychellen, die riesenhaftesten

Guttaperchabäume, zahllose Ipomäas, Bignonien, Orchideen, Banhinien

u. s. w. Es ist erdrückend! Zu Mittag sind wir wieder in Kandy, und

nach dem Tiffin und einigen hastigen Einkäufen fahren wir den grossartigen

Gebirgsweg nach Colombo zurück. Im Restaurationswagen sind zwei nette

Engländer, einer der Bruder des im Sudan gefallenen Generals Earl, -- bei

einer Biegung der Bahn und gleichzeitiger Lichtung der Wolken zeigen mir

dieselben den einen Augenblick sichtbaren spitzen Kegel des _Adams

Peak_; ich eile sofort zu meinen Begleitern, um ihnen den heiligen Berg

vorzuführen, ein seltenes Glück, da Capitän Mersa ihn bei allen seinen

Fahrten nur dreimal zu Gesicht bekam. -- Jetzt erscheinen wieder die

Theeplantagen, Reisfelder, Cocosnusswälder, Jungle und unübersehbare

Sümpfe, und um 5 Uhr empfängt uns Harrison mit Bompa am Colombaner

Bahnhof. Noch einen Sprung zu de Silva in High-Street, noch einiges

Feilschen und Handeln um Curios und Photographien, und dann führt uns

des Captains Gig mit den schmucken Dalmatinern an Bord. -- Der Gerent des

Honorarconsulates Patterson und der Commandant der neben uns verankerten

»Medea«, dem ich Grüsse für seinen Schiffsarzt Dr. Merk auftrage,

sowie der gefällige Lloydagent G. A. Marinich verabschieden sich noch in

aller Eile, und um 8 Uhr dampfen wir schon hinaus in volle See.

[Illustration: BUDDHA TEMPEL KANDY]

Meine Reise nach Siam 1888-1889. Aufzeichnungen des k. und k. Legationsrathes Dr. J. Camille Samson · 第 31 / 54 题