[Illustration: ADAMS PIC]
Das war eine nette Nacht! Durch die natürlich offenen Fenster
(Glasscheiben gibt es in ganz Ostasien nicht) tropft der Regen fortwährend
ins Zimmer, wo Sapieha und ich mit Mosquitos, mit Ameisen, mit der Hitze
und der Feuchtigkeit Verzweiflungskämpfe führen! Auch der Gesandte
scheint kaum besser geruht zu haben, denn er bezeichnet seinen grossen nach
vorne gelegenen Salon als einen »Zoologischen Garten«, voll neuer ihm
unbekannter Thiere, darunter auch die berühmten »Flederfüchse«. -- Die
Anderen gehen in die Messe, dann wir Alle zum Buddha-Tempel, der erste, dem
wir begegnen, wo uns die gelbgekleideten Bonzen in die Bibliothek und in
die eigentliche Daghoba führen, uns mit Jasminblüthen bekränzen und
einen vom früheren englischen Gouverneur gespendeten goldenen Teller mit
langer Pahli-Weihinschrift, leider aber nicht den bekannten Zahn zeigen. --
Letzterer, die heiligste Reliquie Buddha's, ist übrigens falsch. -- Dafür
ist die Aussicht vom Tempel auf den »Kandysee«, der wie ein glitzernder
Brillant in der Mitte der Stadt liegt, sowie auf die rings umliegenden
Höhen, den sogenannten Lady Hortons Walk, bezaubernd. -- Noch einen Blick
auf den aus Holz geschnitzten Festsaal der alten Könige, und wir fahren
nach _Peradenia_, dem grossartigsten botanischen Garten der Welt. Eine
breite Chaussée, zu beiden Seiten eine Reihe riesiger kerzengerader
Gummibäume, ~Ficus elastica~, dazwischen wilde Bananen, an zahllosen
Häusern vorbei, die in Cocosnusspalmen, Brotfrucht- und Kaffeebäumen fast
verschwinden, davor nackte Singhalesen, Kinder, Tamils, ganze Schaaren
von Hunden, welche den hinter unserem Wagen galoppirenden Neptun
kläffend anfallen und ihm fast den Garaus machen; -- 4 Meilen tropischer
Schönheiten bis zum Eingang, trotz des Regens wohl der herrlichste Blick
auf unserer Reise: Dattelpalmen, Cocospalmen, Taliputpalmen, Arecapalmen,
Toddypalmen, Palmettopalmen, Fächerpalmen, Gemüsepalmen (cabbagepalms),
»Fernpalms«, dann Brotfrucht-, Gummi-, Cacao-, Jackfrucht-,
Nutmegbäume! Der berühmte Coco-de-Mer der Seychellen, die riesenhaftesten
Guttaperchabäume, zahllose Ipomäas, Bignonien, Orchideen, Banhinien
u. s. w. Es ist erdrückend! Zu Mittag sind wir wieder in Kandy, und
nach dem Tiffin und einigen hastigen Einkäufen fahren wir den grossartigen
Gebirgsweg nach Colombo zurück. Im Restaurationswagen sind zwei nette
Engländer, einer der Bruder des im Sudan gefallenen Generals Earl, -- bei
einer Biegung der Bahn und gleichzeitiger Lichtung der Wolken zeigen mir
dieselben den einen Augenblick sichtbaren spitzen Kegel des _Adams
Peak_; ich eile sofort zu meinen Begleitern, um ihnen den heiligen Berg
vorzuführen, ein seltenes Glück, da Capitän Mersa ihn bei allen seinen
Fahrten nur dreimal zu Gesicht bekam. -- Jetzt erscheinen wieder die
Theeplantagen, Reisfelder, Cocosnusswälder, Jungle und unübersehbare
Sümpfe, und um 5 Uhr empfängt uns Harrison mit Bompa am Colombaner
Bahnhof. Noch einen Sprung zu de Silva in High-Street, noch einiges
Feilschen und Handeln um Curios und Photographien, und dann führt uns
des Captains Gig mit den schmucken Dalmatinern an Bord. -- Der Gerent des
Honorarconsulates Patterson und der Commandant der neben uns verankerten
»Medea«, dem ich Grüsse für seinen Schiffsarzt Dr. Merk auftrage,
sowie der gefällige Lloydagent G. A. Marinich verabschieden sich noch in
aller Eile, und um 8 Uhr dampfen wir schon hinaus in volle See.
[Illustration: BUDDHA TEMPEL KANDY]