[Illustration: TAMILIN Ceylon]
#Colombo.# -- Nach ausgiebigem Frühstück fahren wir im Gig des
Commandanten mit vier weissgekleideten Matrosen unter dem Befehle des
»Secondo« gegen 9 Uhr ans Land: rechts der riesige neue Wellenbrecher,
der Colombo erst zu einem prakticabeln Hafen gemacht, und über den
der Gischt der kolossalen Wellen fortwährend spritzt; neben uns eine
französische Corvette, ein anderer Lloyddampfer (die »Medea« aus
Calcutta); eine grosse amerikanische Yacht, viele kleine Segler und für
uns von besonderem Interesse hunderte von »Outriggers«, specifisch
ceylonischen Booten mit parallel mittelst zwei Querstangen befestigten
Balancirhölzern. -- Am Molo wimmelt es von fremdartigen Menschen,
wieder eine ganze Musterkarte, sehr verschieden von Bombay: vor allen die
eigentlichen Singhalesen, zarte, gutgeformte braune Menschen, das lange
Haar mit breiten Kämmen zusammengehalten, mit lichtblauen Seidenkleidern
und vielem Silberschmuck; die dunkleren, kräftigeren Tamils, halb oder
meistens ganz nackt; die schwarzen »Moormen«, Nachkommen von arabischen
Emigranten, Abkömmlinge der Holländer und besonders der Portugiesen:
diese letzteren scheinen den ganzen Kleinhandel an sich gerissen zu haben,
denn die Aufschriften an den Läden weisen lauter de Silva's, Ribeira's,
Pereira's, de Soutzo's auf, während die Träger dieser stolzen Namen
sich äusserlich durch nichts von den Singhalesen unterscheiden, zum
Unterschiede von den portugiesischen Eurasiern aus Goa, welche bei
pechschwarzer Farbe den europäischen Typus behalten haben. -- In einem mit
Seitensitzen und einem Zeltdache versehenen Einspänner traben wir davon,
während eine Art singhalesischer Comprador, ein quasi Cicerone mit
sechs Fingern an der Hand und einem schönen Haarkamm aus Silber, zu uns
hinaufspringt und nicht mehr abzuschaffen ist. Vom Hafen zur Post, von
da zum Telegraphenamte, weiter zum öst.-ung. Consulate, das nach langem
Suchen in dem englischen Geschäftshaus Aitken entdeckt wird, wo alle
möglichen Aufschriften, nur die eines k. und k. Consulates nicht
angebracht ist und wo der frühen Morgenstunde (10½ Uhr) wegen noch kein
Mensch anwesend ist (!), alle Strassen von üppigen Bäumen beschattet,
ja überwölbt, so dass die Häuser oft unsichtbar sind, ein Gewühl
von Wagen, »Bullock Carts«, zweirädrigen Ochsenkarren, Elefanten,
Jinrickshaws, dieser japanischen seit kurzem hier eingeführten Erfindung,
von den Yankees »Pullman Car« getauft! Die Luft ist nass, Alles tropft
von Feuchtigkeit, schwarze Wolken bedecken den Himmel, dabei eine angenehme
Temperatur von beiläufig 36° C.! Wir trocknen die schwitzenden Stirnen
und fahren einen prachtvollen Weg, den »Galle Face Road«, drei Meilen zu
den »Cinnamon Gardens«, den alten holländischen Zimmtplantagen, theils
durch Banianenbäume, theils durch einen herrlichen Cocospalmenwald
hindurch. -- Die Fahrt durch diese tropischen Wälder, die wundervollen
Blumen in hundert Farben um uns her, dazu der meisterhaft gehaltene weiche
dunkelrothe Weg, -- es ist berauschend. Im Museum sind recht interessante
Sammlungen, viele ethnographische Gegenstände, ein schöner Marmorlöwe
und viele andere Sculpturen aus den verlassenen Städten im Norden der
Insel, vielerlei unbekannte prachtvoll gefärbte Vögel und Schmetterlinge,
ausgestopfte Elefanten, Löwen und kleine zierliche »Maushirsche«. --
Doch es drängt die Zeit, wir stürzen noch in einen Curios-Laden, kaufen
dort einem würdigen de Silva verschiedene Ebenholzelefanten, ebensolche
aus Elfenbein, sowie alte Waffen ab und erreichen knapp den um 2 Uhr nach
Kandy abgehenden Zug. Am Bahnhof übergibt Harrison seinem Herrn noch
den guten Neptun, und wenige Minuten darauf rollen wir schon weg. Langsam
verschwindet Colombo mit seinen 100.000 Einwohnern, wir fahren durch dichte
Cocoswälder, jetzt durch niedrigen Jungle immer steigend, an »Paddy
fields« Risièren, bald an Theepflanzungen vorüber, der Weg wird immer
grossartiger, -- da geht endlich der lang verhaltene Regen an (in Ceylon
regnet es alle Tage von 3-7 Uhr), es schüttet, wie es nur in den Tropen
schütten kann, in Schäffen. -- Da die Aussicht verdorben, trösten wir
uns im Restaurantwaggon, wo ein guter Tiffin und besonders eine riesige
Cocosnuss uns laben und stärken. Bei der mitten in den Bergen gelegenen
Station Ambepussa erblicken wir einige bildhübsche Singhalesinen, --
himmelblau seidene Jacken, enganliegende hosenartige Kleider aus weisser
Seide, grosse silberne Arm- und Fussringe und ein breiter Gürtel aus
rosa Crèpe! Um ½7 Uhr erreichen wir in strömendem Regen die alte
Königsstadt _Kandy_ und erhalten im Queens Hôtel nach vielem Schimpfen
meinerseits zwei annehmbare Zimmer, -- eine in der erwähnten Yacht
angekommene amerikanische Cookgesellschaft minderer Qualität hat eben
Alles überschwemmt.
[Illustration: COLOMBO]