22. December.

[Illustration: TAMILIN Ceylon]

#Colombo.# -- Nach ausgiebigem Frühstück fahren wir im Gig des

Commandanten mit vier weissgekleideten Matrosen unter dem Befehle des

»Secondo« gegen 9 Uhr ans Land: rechts der riesige neue Wellenbrecher,

der Colombo erst zu einem prakticabeln Hafen gemacht, und über den

der Gischt der kolossalen Wellen fortwährend spritzt; neben uns eine

französische Corvette, ein anderer Lloyddampfer (die »Medea« aus

Calcutta); eine grosse amerikanische Yacht, viele kleine Segler und für

uns von besonderem Interesse hunderte von »Outriggers«, specifisch

ceylonischen Booten mit parallel mittelst zwei Querstangen befestigten

Balancirhölzern. -- Am Molo wimmelt es von fremdartigen Menschen,

wieder eine ganze Musterkarte, sehr verschieden von Bombay: vor allen die

eigentlichen Singhalesen, zarte, gutgeformte braune Menschen, das lange

Haar mit breiten Kämmen zusammengehalten, mit lichtblauen Seidenkleidern

und vielem Silberschmuck; die dunkleren, kräftigeren Tamils, halb oder

meistens ganz nackt; die schwarzen »Moormen«, Nachkommen von arabischen

Emigranten, Abkömmlinge der Holländer und besonders der Portugiesen:

diese letzteren scheinen den ganzen Kleinhandel an sich gerissen zu haben,

denn die Aufschriften an den Läden weisen lauter de Silva's, Ribeira's,

Pereira's, de Soutzo's auf, während die Träger dieser stolzen Namen

sich äusserlich durch nichts von den Singhalesen unterscheiden, zum

Unterschiede von den portugiesischen Eurasiern aus Goa, welche bei

pechschwarzer Farbe den europäischen Typus behalten haben. -- In einem mit

Seitensitzen und einem Zeltdache versehenen Einspänner traben wir davon,

während eine Art singhalesischer Comprador, ein quasi Cicerone mit

sechs Fingern an der Hand und einem schönen Haarkamm aus Silber, zu uns

hinaufspringt und nicht mehr abzuschaffen ist. Vom Hafen zur Post, von

da zum Telegraphenamte, weiter zum öst.-ung. Consulate, das nach langem

Suchen in dem englischen Geschäftshaus Aitken entdeckt wird, wo alle

möglichen Aufschriften, nur die eines k. und k. Consulates nicht

angebracht ist und wo der frühen Morgenstunde (10½ Uhr) wegen noch kein

Mensch anwesend ist (!), alle Strassen von üppigen Bäumen beschattet,

ja überwölbt, so dass die Häuser oft unsichtbar sind, ein Gewühl

von Wagen, »Bullock Carts«, zweirädrigen Ochsenkarren, Elefanten,

Jinrickshaws, dieser japanischen seit kurzem hier eingeführten Erfindung,

von den Yankees »Pullman Car« getauft! Die Luft ist nass, Alles tropft

von Feuchtigkeit, schwarze Wolken bedecken den Himmel, dabei eine angenehme

Temperatur von beiläufig 36° C.! Wir trocknen die schwitzenden Stirnen

und fahren einen prachtvollen Weg, den »Galle Face Road«, drei Meilen zu

den »Cinnamon Gardens«, den alten holländischen Zimmtplantagen, theils

durch Banianenbäume, theils durch einen herrlichen Cocospalmenwald

hindurch. -- Die Fahrt durch diese tropischen Wälder, die wundervollen

Blumen in hundert Farben um uns her, dazu der meisterhaft gehaltene weiche

dunkelrothe Weg, -- es ist berauschend. Im Museum sind recht interessante

Sammlungen, viele ethnographische Gegenstände, ein schöner Marmorlöwe

und viele andere Sculpturen aus den verlassenen Städten im Norden der

Insel, vielerlei unbekannte prachtvoll gefärbte Vögel und Schmetterlinge,

ausgestopfte Elefanten, Löwen und kleine zierliche »Maushirsche«. --

Doch es drängt die Zeit, wir stürzen noch in einen Curios-Laden, kaufen

dort einem würdigen de Silva verschiedene Ebenholzelefanten, ebensolche

aus Elfenbein, sowie alte Waffen ab und erreichen knapp den um 2 Uhr nach

Kandy abgehenden Zug. Am Bahnhof übergibt Harrison seinem Herrn noch

den guten Neptun, und wenige Minuten darauf rollen wir schon weg. Langsam

verschwindet Colombo mit seinen 100.000 Einwohnern, wir fahren durch dichte

Cocoswälder, jetzt durch niedrigen Jungle immer steigend, an »Paddy

fields« Risièren, bald an Theepflanzungen vorüber, der Weg wird immer

grossartiger, -- da geht endlich der lang verhaltene Regen an (in Ceylon

regnet es alle Tage von 3-7 Uhr), es schüttet, wie es nur in den Tropen

schütten kann, in Schäffen. -- Da die Aussicht verdorben, trösten wir

uns im Restaurantwaggon, wo ein guter Tiffin und besonders eine riesige

Cocosnuss uns laben und stärken. Bei der mitten in den Bergen gelegenen

Station Ambepussa erblicken wir einige bildhübsche Singhalesinen, --

himmelblau seidene Jacken, enganliegende hosenartige Kleider aus weisser

Seide, grosse silberne Arm- und Fussringe und ein breiter Gürtel aus

rosa Crèpe! Um ½7 Uhr erreichen wir in strömendem Regen die alte

Königsstadt _Kandy_ und erhalten im Queens Hôtel nach vielem Schimpfen

meinerseits zwei annehmbare Zimmer, -- eine in der erwähnten Yacht

angekommene amerikanische Cookgesellschaft minderer Qualität hat eben

Alles überschwemmt.

[Illustration: COLOMBO]

Meine Reise nach Siam 1888-1889. Aufzeichnungen des k. und k. Legationsrathes Dr. J. Camille Samson · 第 30 / 54 题