In unserem bequemen Coupé konnten wir bis ½5 Uhr morgens die 78 Meilen
ruhig verschlafen, d. h. die Anderen konnten es, ich dagegen musste
fortwährend auslugen, um die Station _Khamballa_ nicht zu übersehen. Dort
angelangt, werfen wir schnell unser spärliches Gepäck einigen Coolies zu
und marschieren in der finsteren Nacht zu dem eine Meile entfernten Dack
Bungalow, -- prachtvolle kühle, würzige Gebirgsluft, wie wir schon lange
keine eingeathmet. -- Das Bungalow ist offen, aber leer, in einem Zimmer
brennt eine Lampe, wir dringen hinein, legen uns auf die zwei Betten und
einen Lehnstuhl und setzen schleunigst den unterbrochenen Schlaf fort.
-- Um 7 Uhr weckt uns der portugiesische _Khitmatgar_, bestellt Pferde,
servirt uns ein copioses Frühstück, und um 8 Uhr traben wir schon lustig
auf netten kleinen Ponnies den _Carli Caves_ zu -- 7 Meilen -- d. h.
5 Meilen auf der Heerstrasse, dann noch zwei über Felder und dann
etwa ½ Stunde Fusskletterei. Der grossartige in den Felsen gehauene
Jain-Tempel erinnert lebhaft an eine Kirche, die Schnitzereien sind superb,
das daneben ausgehauene Kloster höchst merkwürdig. -- Unter Bakschisch-
und Salaam- und Sah'b-Rufen der zahllosen Bettelkinder treten wir den
Rückweg an und gelangen um 1 Uhr heiss und staubig wieder in Khamballa
an, wo ein famoses Tiffin unser harrt. An der Bahn treffen wir einige
Tiroler Jesuiten, darunter einen früheren Lehrer Biegeleben's, jetzt
Rector der katholischen Universität in Bombay, -- und dampfen um 2 Uhr
wieder ins Tiefland hinab. -- Die Bahn ist herrlich, die Berge prachtvoll,
die Aussicht auf die in Sonnengluth liegende Ebene und das glitzernde Meer
im Hintergrunde wundervoll. -- Um ¾7 Uhr nachmittags rollen wir in den
Victoria-Terminus ein, und sofort stürzen wir ins Hôtel, denn um 8 Uhr
ist Diner bei Lord Reay, also verdammt wenig Zeit zu verlieren. -- Die
Einladerei war komisch: Samstag war Sapieha, Sonntag war Biegeleben, Montag
war ich (und zwar per Telephon) zu demselben Festessen eingeladen worden!
In grösster Eile wird gewaschen, rasirt, angezogen, und um ½8 Uhr fahren
wir die schon wohlbekannte Strasse um die Back Bay nach Malabar Point
-- grosser Park, riesiges einstöckiges Bungalow, an der Treppe roth und
goldene Lanzenträger mit blauen Turbans; oben Empfang durch verschiedene
Aide-de-Camps mit roth ausgeschlagenen Fräcken. Vorstellung bei Lord und
Lady R., grosse Versammlung, Széchényi, Hoyos, ein russischer Admiral
mit seinen Officieren und viele Andere; solennes Diner mit Tafelmusik
und hinter den Stühlen stehenden, roth und goldene Fächer wedelnden
Schwarzen, -- alle Diener in Roth und Gold mit weiss und goldenen Turbans,
aber ohne Fussbekleidung! Toast Lord Reays auf unseren Kaiser, Volkshymne,
kurzer Spruch Biegeleben's auf die Gesundheit der »Queen Empress«, und
die Damen räumen endlich das Feld und lassen uns mit Cigarren, Kaffee
und etwa 40° C. zurück! Von der grossen, das ganze Haus abschliessenden
Veranda entzückender Blick auf die Tausende von Lichtern der Stadt. --
Gegen 11 Uhr brechen wir auf, d. h. wir wollen es thun, aber dafür
bricht an unserem Wagen die Deichsel, und wir müssen eine halbe Stunde
auf die Reparatur warten, indessen uns der erste Aide-de-Camp Captain Bruce
Hamilton sehr nett die Honneurs macht und uns mit Wisky pegs überschütten
möchte. Der Chef und Sapieha gehen noch zu einem im Yachtclub
stattfindenden Ball, ich aber suche erschöpft das wohlverdiente Bett auf.