2. December.

Unseres Kaisers 40jähriges Regierungsjubiläum: bei Tische erscheinen wir

Oesterreicher alle im Fracke mit Orden, auch der Commandant hat sich in

Gala geworfen. Biegeleben hält auf deutsch und französisch eine kurze,

aber sehr gute, kernige und fesche Rede; auch einer der Anglo-Indier

spricht einen Toast, und so kommt mit Hilfe des Sects eine sehr gehobene

Stimmung in unsere kleine Kaiserfeier, -- dies bei der angenehmen

Temperatur von 35° C. in dem Speisesaale. -- Nach Tisch erzählt mir der

liebe Pertile wieder seinen Streit mit Brand!

[Illustration: GEBEL TÜR]

Sapieha weiss nicht, wohin er eigentlich reisen soll; jagen kann er nicht,

da er nur mit einem kleincalibrigen Express ausgerüstet ist; er spricht

kein Englisch, dürfte demnach allein schwer fortkommen; ich schildere ihm

die Wunder des Hofes von Siam und bitte den Gesandten, ihn zur Mitreise als

Honorar-Attaché aufzufordern; dies geschieht, und so ist allen geholfen.

Sapieha ist glücklich, auf so bequeme Weise nach Ostasien zu kommen,

Biegeleben hat für die Mission ein sehr schätzbares Mitglied und ich habe

einen angenehmen jungen Collegen erworben! Wir passirten heute den Gebel

Tür, einen aus dem Meere aufragenden unbewohnten vulcanischen Felsen; bald

darauf eine ganze Reihe solcher dunkelbrauner Inseln, lauter erloschene

Krater, einige mit üppiger Vegetation, die sogenannten »zwölf Apostel«.

-- Dr. Walther hatte einige hübsche Skizzen derselben gemacht, als ein

unerwarteter Windstoss sein Zeichenbuch davonträgt!

[Illustration: DIE 12 APOSTEL]

Bei Nacht ist die Hitze in den Cabinen unerträglich; ich schleppe meine

Matratze auf das obere Deck, wo es erträglicher ist, und entdecke, dass

viele andere auch so klug waren!

Meine Reise nach Siam 1888-1889. Aufzeichnungen des k. und k. Legationsrathes Dr. J. Camille Samson · 第 13 / 54 题