[Illustration: SÜDKREUZ]
Das Rothe Meer rechtfertigt seinen Ruf, es ist wirklich warm, schon
32° C. im Schatten. -- Das Anziehen zum Speisen ist schon eine Corvée,
und der Gesandte ist so correct! Das Leben am Bord ist recht einförmig:
um 7 Uhr gehe ich auf Deck, trinke dort in Gesellschaft des guten Mersa
Kaffee, rauche, plausche und lasse mich vom Winde anwehen; um 8 Uhr Bad,
und zwar im Privatbadezimmer des Commandanten, dann Toilette, -- um 9 Uhr
Frühstück, hierauf ruht man sich von den Strapazen des Morgens aus,
liest, spricht mit den Damen, schläft ein wenig und erwartet geduldig
1 Uhr nachmittags, da man zum Tiffin hinabgeht. -- Einige Stunden vergehen
wieder mit Plauschen, Lesen und Schlafen, -- um 3 Uhr wird »Tauende«
(Quoits) gespielt, um 4 Uhr Thee mit Butterbrot verzehrt und dadurch der
Weg zum Diner um 6 Uhr geebnet. Vorher wird noch ganz Toilette gemacht, --
nachher wird zur Abwechslung auf Deck geplauscht, geraucht und geschlafen!
Man sucht das »südliche Kreuz« und freut sich, noch drei Sterne des
grossen Bären zu sehen. -- Um halb 10 Uhr wird Thee mit Butterbrot
eingenommen, und dann eilt man ins Bett, um sich auszuruhen von den
harten Mühen des Tages! Meine Cabine ist die erste bei der Treppe an der
Backbordseite, also mit Morgensonne, gross, bequem und verhältnissmässig
kühl, -- die mir anfangs unangenehm aufgefallene pyramidale Härte des
Bettes ist mir jetzt erklärlich; bei dieser Hitze könnte man auf weicher
Matratze gar nicht schlafen. Coudenhove ist so wie ich ein fanatischer
Bewunderer Arabiens, wir sprechen stundenlang von Palgrave und Lady Blunt,
vom Nedschd und dem Emir Ibn Reschid; dies auf der Höhe von Dschedda!