Produced by Jens Sadowski
Ini.
Ein Roman aus dem ein und zwanzigsten Jahrhundert
von
_Julius v. Voß_.
_Berlin,_, 1810.
Bei Karl Friedrich Amelang.
Vorrede.
Jean Paul sagt: »Friede mit der Zeit! sollte man öfter in sich hineinrufen.
Wie uns ein quälender Tag nicht in den Hoffnungen unsers Lebens irret, so
sollte uns ein leidendes Jahrhundert nicht die entziehen, womit wir uns die
weite Zukunft malen.« Wenn nun aber die Zeit gar unfriedlich ist, sollte da
nicht ein Blick in die Zukunft das bedrängte, oft zagende Herz trösten,
beleben, erheitern? Und eine bessere Zukunft naht so gewiß, als die
Vergangenheit von der Gegenwart übertroffen wird. Wenigstens gilt die
Behauptung, insofern wir, von der immer mehr entwickelten Kultur, das Heil
der Sterblichen erwarten. Was wir aber noch nicht sehen können, träumen,
ist ja wohl poetisch und religiös. Und
Sind's gleich nur Welten aus Ideen,
So baut man sie so herrlich als man will.
_Der Verfasser._
Erklärung der Kupfer.
Das Titelkupfer stellt eine von Wallfischen gezogene Reiseinsel dar, wovon
Seite 294 die nähere Beschreibung.
Bei der Vignette, eine Luftpost abbildend, wäre ein Ball von größerem
Umfang zu wünschen. Jedoch tragen die Adler, übrigens etwas zu groß, ein
wenig mit.
Der Verfasser merkt an, daß, ob er schon die Adler wählte, ihm deshalb
Zambeccaris Theorie nicht unbekannt war. -- Auch noch, wie ihm diejenige
philosophische Kompensazion, nach welcher die Möglichkeit höherer Wohlfahrt
der Erdensöhne, billig in Zweifel gezogen wird, so wenig fremd ist, daß er
sich vielmehr ihr zugethan erklärt.
Erstes Büchlein.
Die Trennung.
Ich Unglücklicher soll dich meiden, rief Guido wehmüthig.
Wozu die Klage, entgegnete Ini. Mögen dich rüstige Adler zum Pol tragen,
magst du dich in die Tiefen des Ozeans senken, mein Bild bleibt dir nahe.
Frei durchfliegt der Gedanke des Liebenden die Ferne, und die Region der
Phantasie ist eine wirkliche. Auch wäre daheim dein Ziel nicht zu umarmen.
Das Anschaun der Welt, die Uebung der Kraft in Thaten, müssen jene Bildung
der Schönheit vollenden, deren Lohn meine Gegenliebe sein wird. Darum
scheide männlich!
Guido war ein Jüngling von etwa zwanzig Jahren. Seine Herkunft blieb ihm
noch immer geheim. Die Sage machte ihn zum Fündling, und als solchen,
wollten die Gesetze, daß die Landespflege ihn erziehen ließ. Früh hatte man
ihn in das große Knabenhaus gebracht, das am Meerstrande unweit Palermo
angelegt war, und wo die sinnigen Vorsteher, bis zum zwölften Jahre, für
die Entwicklung des Körpers durch Laufen, Ringen, Schwimmen und für die
Stärkung des Denkvermögens durch Gimnastik des Kalküls Sorge trugen. In
vergangenen Jahrhunderten würde auch der tiefsinnigste Geometer nicht
geahnt haben, was im Felde der Rechnung junge Knaben hier schon vermogten.
Allein es war überhaupt so weit damit gekommen, (zudem die mechanischen und
optischen Handwerke so leicht durch Maschinen, so einfach durch neue
Entdeckungen, so allgemein bekannt durch Schulen), daß Hirten, welche die
Sternkunde gleich ihren Altvätern wieder trieben, sich bei Tage Teleskope
fertigten, zur Nacht den Himmel beobachteten, und die Finsternisse der
vielen neugewahrten Planeten und ihrer Trabanten ausmittelten.
Von da ward Guido dem treuen Gelino übergeben, dessen Villa nicht weit von
dem großen Lustgarten, der den Aetna einschließt, lag. Dieser Mann hatte,
ehe er sich nach dem Wohnplatz der Ruhe zurückgezogen, am Hofe zu Rom ein
Amt bekleidet und umfaßte die Kunst zarte Jünglinge auf die Bahnen der
Tugend zu leiten, mit Liebe.
Der Kaiser, gewohnt, wenn ihn nicht wichtigere Dinge abhielten, den
lieblichen Februar auf Sizilien zu verleben, hatte den jungen Guido gesehn
-- wie es schien -- Behagen an dem Knaben gefunden und ihm Fürsorge
zugesagt. Ehrender Antrieb für ihn.
Doch möchte es vielleicht nicht gelungen sein, die mit Guidos flammender
Lebenskraft verbundenen wilden Neigungen zeitig zu entwaffnen, wenn nicht
folgender Umstand hinzugetreten wäre.
Neben Gelino wohnte seit einiger Zeit die edle Athania, Wittwe des
afrikanischen Helden Medon. Sie hatte nach des Gatten Tode ihren Sitz auf
dem lieblichen Eilande genommen und eine Pflegetochter mitgebracht, über
deren Geburt auch viele Dunkelheit lag.
Guido sah das Mädchen in seinem siebzehnten Jahre. Ini zählte kaum
vierzehn, doch prangte ihre Schönheit in üppiger Fülle, ihr Verstand
entzückte.
Im ein und zwanzigsten Jahrhundert hatte man die Erziehungskunde einer
Arithmetik unterworfen, die schon lange genaue Anzeigen ergab und sich
immer mehr erweitete. Streben und Erfahrung hatten die Linie gefunden, bis
an welche die Natur Freiheit zu reinen Ausbildungen der Formen bedingt, und
wieder das Maas von Gegenwirkungen entdeckt, mit welchem ihr am
glücklichsten zu begegnen ist. Da nun zugleich die Chemie der höheren
Arzneikunst, diejenigen Krankheiten nach und nach in ihren Stoffen vertilgt
hatte, welche sonst das Geschlecht entstellten, da die edlere Verfassung,
jene Eigensucht, mit ihren leidenschaftlichen Ausgeburten, Neid, Haß,
niedrige Sinnlichkeit, meistens entfernte, so konnte sie auch nicht mehr,
wie Ehedem Antlitz und Haltung verunbilden. So mußte von Geschlecht zu
Geschlecht die menschliche Schönheit sich lieblicher entfalten, und jene
harmonischen Gestalten, welche einst Bildner in Athen _aussannen_,
erblickte die Wirklichkeit da lange schon lebend, wo die Kultur waltete.
Ja, jene Statuen wurden bereits auf eine nie zuvor geahnte Weise
übertroffen, denn eine ganz neue Ideenmasse hatten die Menschen in sich
aufgenommen, welche der Schönheit einen neuen irdisch-göttlichen Ausdruck
zulegte. Wie würden die Phidias und Raphael gestaunt haben, wäre ihnen
vergönnt gewesen, aus dem Todtenlande wiederzukehren, und die Formen dieses
Zeitalters zu betrachten.
Die Schädelkunde, am Ende des achtzehnten Jahrhunderts entdeckt, sparsam im
neunzehnten vervollkommnet, doch im zwanzigsten und ein und zwanzigsten zur
tiefen Wissenschaft erhoben, leistete auch zur allgemeinen Veredlung
bedeutende Hülfe, wie wir in der Folge zeigen wollen.
Guido sah die junge Ini kaum, als er ahnte, von den Strahlen dieser
Schönheit werde ein neuer Frühling in seinem Gemüthe aufblühen. Süße
Betäubung, schmachtende Unruhe, stellten sich als Vorboten der Liebe ein,
holde Träume umgaben ihn wachend.
Guido war im siebzehnten Jahre so stark und gewandt, daß er manches
Raubthier mit unbewaffneten Händen würde überwunden haben. Er sprang in die
See, wenn ein Orkan ihre Wogen erhob, und kämpfte dann lächelnd mit der
empörten Flut. Er konnte im Laufen das fliehende Reh ereilen und den Gemsen
des Hochgebirgs nachklimmen. Dabei war er ein fleißiger Mathematiker, hatte
eine Karte von dem Meergrunde zwischen Sizilien und Kalabrien gefertigt,
die Beifall fand. Kriegerische Künste beschäftigten seine Einbildungskraft,
und mit Chemie vertraut, gab er die Konstrukzion einer dichten
Gewitterwolke an, die ein künstlicher Wind über ein feindliches Heer
treiben, wo sie in so viel Blitzen niederwärts sich entladen sollte, als
das Heer Köpfe zähle. Anmaaßend, wie es unerfahrner Jugend wohl eigen ist,
hatte er, ohne seines Lehrers Darumwissen, den Entwurf nach Rom gesandt und
dem Strategion zur Prüfung übergeben. Die Männer aber, welche diesen Rath
bildeten, lachten allgemein, indem sie einwandten, die Gegner dürften sich
ja nur sämtlich mit Ableitern versehn und der Wolke spotten. Doch setzten
sie hinzu: der Jüngling möge nicht ohne gute Anlage sein, und ihm gebühre
einige Aufmunterung.
Manches andere Wissen dagegen war unserm Guido noch fremd. Besonders konnte
er sich immer nicht an die Geschichte ketten, weil ihm gar zu winzig und
unbedeutend schien, was die vergangenen Jahrhunderte vollbracht hatten.
Nachdem er lange in sich verschlossen gewesen war, eilte er an einem
schönen Sommerabend zu Ini. Sie hatte den kleinen Marmorsaal in ihrem Hause
zum Aufenthalt während der Tageshitze bestimmt. Hier strömte ein
Springbrunnen geläutert Quellwasser, der andere gepreßten Orangensaft, der
dritte Zuckeressenz aus mancherlei Wurzeln des Gartens gezogen. Einen
niedlichen Goldbecher mit Sorbeth, aus den Flüssigkeiten gemengt, in der
Hand, stieg nun Ini auf das platte Marmordach, wo aus Vasen Blumen dufteten
und ihr Webestuhl sich befand. Sie malte fertig und bei der kunstvollen
Einrichtung des Stuhles ahmte sie ihre Malereien in Seidenarbeit nach. Wo
blieben die Gobelintapeten, lange zuvor berühmt, neben diesen Geweben!
Guido kam ihr nach auf die Zinne. Mädchen, rief er, seit ich dich sah, bin
ich erkrankt und genesen, die Lüge wird mir Wahrheit, die Wahrheit Lüge,
immer drängt es mich, dich zu sehn wie das Sehenswerteste, und ich fliehe
dich wie das Furchtbarste. Ich bin in des Aetna Tiefe gestiegen, doch die
Flammen deines Auges trag ich nicht. Deute mir das, hohe Schönheit!
Das Mädchen zog dunkle Falten der Stirne, die aber ihr frohes Auge Lügen
strafte. Mit verstelltem Unwillen entgegnete sie: ich glaube, du willst mir
gar mit Liebe nahn!
Guido rief: ich bin mir keinen Willen bewußt. Dem Zuge deiner Schönheit
folge ich unterwürfig.
Ini sann einen Augenblick mit hochgerötheter Wange nach. Dann sagte sie
lächelnd: den Worten soll ich Liebe glauben? Beweise sie durch die That und
ich will mich fragen, ob ich sie hören darf.
Entzückt von dem holden Strahl einer aus weiten Fernen schimmernden
Hoffnung, flehte Guido mit Ungestüm, ihm die That zu nennen, wodurch er
seine Liebe zu bewähren hätte?
Tritt näher, sagte Ini, nimm Platz, dort auf den Sessel von Elfenbein, daß
ich dein Haupt von der Seite erblicke.
Guido gehorsamte still.
Ini zog ein ander Seidenzeug auf ihren kunstreichen Webestuhl, und in
wenigen Minuten hatte sie Guidos Abbild darin gewirkt. Hier, rief sie, des
sichtbaren Guido Umriß, wie er zeugt von dem unsichtbaren, die Urkunde
seines geheimen Lebens, der Tag seiner innen waltenden Nacht.
Guido blickte hin. Die höchste Wahrheit hatte die Bildnerin getroffen. O
webe mir dein Bild, flehte er wehmüthig, mit Entzücken will ich es von
hinnen tragen.
Das steht weit hinaus, erwiederte sie. Doch will ich nun ein zweites Gewebe
fertigen.
Sie ging wieder an die Arbeit, während der Jüngling sich mit trunknen
Blicken an der hohen Gestalt weidete, und bisweilen ärgerlich auf sein
Konterfei sah. Denn es wollte ihm nicht gefallen, ob er schon nicht wußte,
warum.
Nach einer Viertelstunde hatte Ini geendet. Sie zeigte ihm ein neues
Seitenbild, das Guido in den Zustand der höchsten Verwunderung brachte. Er
sah seine Grundzüge wieder, aber in einer bezaubernd schönen Idealität.
Höher strebte des Schädels Mitte empor, regelmäßig wölbte sich das
Hinterhaupt, weit drang die reine Wellenlinie der Stirn hervor, eine
unbeschreibliche Veredlung wohnte in dem ganzen Profil, liebliche Anmuth um
den Mund, in dem klarer, tiefer, strahlender gewordenen Auge, redete der
volle, Ehrfurcht gebietende Ausdruck _jugendlicher Weisheit_, der in
früheren Zeiten nicht lebend anzutreffen war, den auch die Künstler, welche
einst den Apollon vom Belvedere oder den Antinous fertigten, noch nicht
dargestellt hatten. Indessen konnte ihn die Entwicklung der Menschheit erst
spät hervorbringen.
Guido blickte bald verlegen auf das Kunstwerk, bald auf die hochsinnige
Meisterin. Ich sehe mich hier in ein Gedicht verklärt, hub er an, was
willst du mir deuten?
Kein Gedicht, entgegnete das Mädchen, erreichbare Wahrheit. Du hast mir
süßen Schmerz der Liebe geklagt. Gestalte dich nach diesem Bilde um, ich
gebe dir zwei bis drei Jahre Zeit, hast du dann diese Schönheit dir
anerzogen, soll meine Gegenliebe dein Lohn sein.
Wie soll ich das anfangen! rief der Befremdete. Bin ich Herr über meine
Gestalt?
Du bist es.
Bin ich ein Schöpfer?
Wenn dein Lieben wahr ist! Ich sage dir nichts mehr. Dem Geist deiner Liebe
hast du das Geheimniß zu entwinden. Doch nicht allein sollst du umwandeln.
Ich werde mir auch ein Ideal meiner Gestalt entwerfen.
Eitles Mühn! wie könnte deine Phantasie einen schöneren Traum erschaffen
als die Wirklichkeit!
Schmeichelei, oder, wenn es dir so scheint, Unvollkommenheit in deinem
Urtheil. Es wird sich stärken, dein Tadel erwachen, und das Streben, mich
vor dem Tadel zu retten, mir wohlthun. Der Augenblick wo einem Mädchen zum
Erstenmale Liebe bekannt wird, giebt neue Aussichten in die Welt höherer
Anmuth. Nach einem Jahre sollst du mein Ideal sehen. Ehe nicht. Bis dahin
begnüge dich auch, an mich zu denken.
Wie, ich soll dich in dem langen Zeitraume nicht erblicken?
»Die erste Prüfung! Auch eine nothwendig ungestörte Frist!«
Unbegreifliche! -- Und dennoch erwacht mir die Hoffnung, ich werde den
hohen Sinn deiner Worte faßen lernen.
»Frage den Geist der Liebe, sein Orakel tönt in deiner Brust. Und nun
nichts weiter. Lebe wohl!«
Ehrerbietig entfernte sich Guido, irrte umher in den lieblichen Thalen, bis
Nachtviolen die Orangenblüthe überdufteten und der Vollmondschein durch die
Oelbäume und Mandelsträuche des blumigen Hügels winkte.
Wie auch der Sturm heiliger Empfindungen in ihm wogte, immer ward die Frage
laut.
Und der Liebe Geist antwortete ihm leise: So du der _Seele_ Schönheit
pflegst, wird sie sich in der _Gestalt_ verkünden.
Guido kniete nieder vor der Gottheit in seiner eigenen Brust und flehte
innig um Lehre.
Wer so innig fleht, wird erhört. Aus dunkeln Nachtgewölken enthüllte sich
mit jedem Tage die Misterie reiner, bis die Pfade ihm von tausend
Morgensternen erhellt schienen.
Er machte sich mit den Schriften neuer gerühmter Weisen bekannt. Im ein und
zwanzigsten Jahrhundert gab es Wenige, die es zu dem Namen bringen konnten,
denn die Weisheit galt keine Seltenheit mehr. Auch sahe man nur wenige
Bücher, in der allgemeinen Sprache von Europa, vor hundert Jahren
eingeführt, als man hier endlich die Thorheit beseitigte, ein und dasselbe
Ding auf so verschiedene Arten zu nennen, und dem, der bedeutendes Wissen
umfangen will, das halbe Leben im Studium der Mundarten abzufordern. Es gab
dagegen unermeßliche Büchersammlungen in den alten Sprachen, aber sie
galten meistens Denkmäler vorzeitlicher Irrthümer. Die wenigen, welche in
den Tagen höher gediehener Bildung noch den Namen Weisen errangen, waren
Männer, die mit rüstiger Kraft, aus den Schätzen der Vergangenheit, das
Beste, das Allgemeingültige sonderten, was sich denn auf wenige Blätter
bringen ließ, nun aber auch die Mitwelt desto leichter in Stand setzte, die
Höhe des vorhandenen Wissens schnell zu erfliegen und mit starken Schritten
weiter zu dringen.
Auch die Geschichte des Menschengeschlechts hatten tiefe Forscher so
bearbeitet, daß die Erscheinungen sich immer deutlicher in ihrem Ursprung
erklärten und daß daraus, sowohl die Kräfte als der Zweck des Lebens
deutlicher wurden.
Guido erbeutete nach und nach reiche Summen von Wissen, eine schon durch
die Mathemathik gestärkte Denkkraft, eine durch die Liebe entzündete
Phantasie, nehmen leicht auf, bewahren dauernd und fühlen mit jedem Tage
mehr, wie des Genius Fittig sich regt.
Bei diesem Geschäft, das er mit heiligem Eifer trieb, kamen Empfindungen
über ihn, deren Hoheit und Würde er nie geträumt hatte. Stark fühlte er
alles Große, edle That sprach ihn an, daß er lebhaft sich in den Zustand
dessen denken mußte, der sie verrichtet hatte, mit tief liebender Ehrfurcht
füllte ihn die Religion, er schwärmte für alle Schönheit der Natur, um so
mehr, als er Inis Verwandtschaft darin zu erkennen wähnte.
So floh denn das Jahr eilig dahin, und hatte sich Guido schon bei seinem
Anfang durch die Wunder der Liebe verändert gefunden, so schien er sich
jetzt gar nicht mehr das Wesen von Ehedem zu sein. Trat er seit einem
halben Jahre an den Spiegel, meinte er auch schon, hie und da hätten sich
seine Formen umgewandelt. Doch war er mit sich selbst nicht einig, ob er
hier an Wahrheit oder Täuschung glauben sollte.
Das Jahr war endlich um, und er eilte mit hochklopfendem Busen zu Ini. Wie
gespannt ist das junge Herz, wenn es nach einer so langen Abwesenheit dem
Gegenstand heiliger Liebe wieder nahen darf.
Ini saß eben im Garten und rührte die Zephirharmonika. Es war dies ein
Instrument, mit vielen langen Harfensaiten bespannt, die hoch in die Luft
reichten. Zu jedem Ton gehörten hundert gleich gestimmte Saiten,
hintereinander an wiederhallende Laden gefügt und vorne mit einer Blende
versehn. Unten befand sich ein Tastenwerk, wodurch jedesmal, nachdem man
schwache oder starke Töne hervorrufen wollte, die Blende, weniger oder mehr
entfernt ward. Nun berührten die aufgefangenen Luftströme die Saiten und
man vernahm jene reizende ätherische Schwingungen, welche früherhin schon
an den sogenannten Aeolsharfen bezauberten, nur daß damals noch Niemand
Herr der Melodien zu werden verstand.
Guido trat in das Gartenthor, leicht aus Porphir gearbeitet, und nahm
seinen Weg durch einen, von hohen blühenden Rosensträuchen beschatteten,
Gang, an dessen Ende die Zephirharmonika auf einem frei emporragenden, nur
mit niedrigen Lilien und Anemonen bepflanzten Hügel stand. Die Töne wehten
ihm her durch die balsamhauchende Abendluft, ehe er noch das Instrument
sah. Er wähnte, sie stiegen von glücklicheren Sternen nieder. Endlich
erblickte er Ini. Das Piedestal des Instruments, etwa zwanzig Schuh hoch,
war aus hell durchsichtigen Glassäulen erbaut. Ein Maschinenwerk hob auf
den Sitz. Dieser, wie auch die Laden und Blenden waren mit goldfarbigem
dünnem Zeuge bedeckt und wolkenartig gestaltet. Ueber sie weg in gefälliger
Rundung wölbten sich diese Zeuge. Die Saiten gewahrte das Auge in einiger
Entfernung nicht, und so schien es, Ini schwebe ob dem Hügel auf einem
Wolkenthron.
Eine Umgebung der Art müßte jede Schönheit erhöhen, um wie mehr wenn
erquickende Blumendüfte, und zaubervolle Harmonien bestachen, um wie mehr
wenn die wirklich hohe Schönheit mit dem Blick der Liebe angestaunt ward.
Guido erschrack freudig, da er um die letzte Krümmung des Rosenganges trat,
und nun Ini ersah. Nieder mußte er anbetend sinken. Ihre Gestalt lag in so
hoher Vollkommenheit in seiner Einbildung verwahrt, aber das erste Anschaun
jetzt belehrte ihn von neuer Trefflichkeit.
Sie wandte bald das Auge nach ihm hin. Nicht konnte man diese Bewegung eben
zufällig nennen, wohl hatte sie Tag und Stunde gemerkt, da das Jahr
umgelaufen wäre, sie hoffte jetzt den Jüngling erscheinen zu sehn, und wenn
sie ihn gerade so empfing, sind wir berechtigt, den Grund in ihrer
Weiblichkeit aufzusuchen.
Sie erröthete -- da hätten Abendsonne und Rosen sich beschämt abwenden
mögen, sie endete ihr Spiel, da konnte der Nachtigallenchor sich freuen,
weil er nun gehört zu werden hoffte.
Sie stieg herab, winkte freundlich dem Jüngling aufzustehen. Lächelnd und
gesammelter nahm sie seine Hand und führte ihn nach dem Zimmer im
Wohnhause, das mit ihren malerischen Geweben umhängt war. Hier befand sich
jenes Ideal von Guidos künftiger Schönheit, das sie gleich herbeilangte.
Du wecktest schöne Kräfte in dir, hob sie an, ihr Walten spricht in deinem
Auge, ein reiner Sinn erzog dir diese Reinheit im Antlitz, edle Gefühle,
hohe Einbildung, angenehme Affekten trugen den Ausdruck dieser Harmonie aus
Linien, Farben, Zügen zusammen. Eile emsig weiter auf der hold betretenen
Bahn, und das schöne Ziel wird dir nicht entfliehn.
Guido empfand selige Wonne. Als sich seine Gefühle erst in Worte zu kleiden
vermogten, sagte er Ini, wie auch ihre Schönheit, ob er sie schon auf den
Gipfeln der Vollendung geträumt hätte, unendlich erhöht sei.
Sie ward verlegen, lächelte und holte eine zweite Malerei, welche auch ihre
Gestalt in einem Ideale bildete. Guido wollte die neue Versündigung gegen
ihre dermaligen Reize schelten, doch Staunen und Bewunderung schlossen
seinen Mund. --
Von der Zeit an sahen sich die Liebenden öfter. Viel inniger noch wurden
ihre gegenseitigen Beziehungen und dennoch mehr Verständigkeit
hineingelegt. Die Rückwirkung war für jeden Theil segnend.
Gelino, der sorgsame Lehrfreund, hatte schon im Laufe jenes Jahres manche
Veränderungen bemerkt, welche Guido in seinem Charakter zeigte. Der
Uebergang war zu plötzlich gewesen. Die Fortschritte im Guten hatten zu
schnell geeilt, als daß der lebenserfahrne Greis nicht richtig auf den
Grund davon hätte schließen sollen. Gleichwohl konnte er nichts weiter
erspähn, da Guido in diesem Zeitraume fast seine Wohnung nicht mied.
Auch Athania, die edle Erzieherin, war zu scharfsichtig, um nicht Ini bald
aus ihren Umgestaltungen zu errathen, wenn ihr gleich der Jüngling ihrer
Liebe noch ein Geheimniß blieb.
Doch da die Liebenden sich nachher öfter zusammenstahlen, konnten sie der
forschenden Beobachtung nicht entgehen. Beide Alten waren schnell mit ihrem
Glauben aufs Reine und bei einer Zusammenkunft entstand folgendes Gespräch.
Gelino. Werthe Athania, mein Zögling scheint Ini zu lieben.
Athania. Eben wollte ich dir meine Bemerkungen über diesen Gegenstand
vortragen.
Gelino. Ich gerathe in keine kleine Verlegenheit. Wohl hat diese Liebe,
ohne Zweifel die erste, und eben so gewiß auf eine würdige Art erwiedert,
Veredlung im Gefolge, dennoch muß ich darauf sinnen, wie sie am bequemsten
zu hindern sei.
Athania. Harte Strenge gegen die jungen Seelen.
Gelino. Aber nothwendig. Der Kaiser nimmt sich meines Guido, den er hier
kennen lernte, an, hat mir bei seiner letzten Gegenwart vertraut, wie er
ihn zu hohen Staatsämtern berufen wolle.
Athania. Und Ini ward mir von einer Afrikanerin übergeben, die ich nur
verschleiert sah, die aber auf einen hohen Stand schließen ließ, und bis
dahin die Tochter in einem Fündlinghause hatte erziehen lassen. Daß sie
sich Inis Ehe zu bestimmen vorbehalten bat, läßt sich um so eher erwarten,
als ich bald mit dem Mädchen nach Afrika beschieden bin. Gleichwohl dürften
wir mit all' unserer Sorge nicht so viel an den Pflegbefohlnen erziehen wie
die Liebe.
Gelino. Darin stimme ich vollkommen ein.
Athania. Gestatten wir den jungen Leuten sich zu lieben, den Frühling ihrer
Jahre entzückt zu genießen. Doch werde ihnen auch gleich verkündet, wie
Besitz nimmer das Ziel dieser Liebe sein könne, wie sie sich an den Freuden
des Augenblicks und an wechselseitiger Erziehung zu genügen hat.
Gelino wandte noch manches ein, gab aber endlich nach, wobei denn noch
beschlossen ward, die jungen Personen sollten sich immer in einiger
Entfernung bewacht finden.
Athania sprach mit Ini, welche erröthete.
Bald sammelte sich aber das Mädchen und entgegnete, wie sie sich eine
solche Ankündigung gar wohl gefallen lassen könne, da zwischen Guido und
ihr eigentlich ja nur das bildnerische Problem gelöset werden sollte, die
höchst mögliche Schönheit zu erringen.
Athania war nicht wenig befremdet, als ihr dies näher erklärt wurde,
hoffte, daß dem feinen Sinn der so etwas zu erfinden vermöge, auch die
Selbstherrschaft nicht abgehen werde, wenn die Trennung geboten sei.
Gelino fand höhere Bestürzung an dem Jüngling, da sich dieser so unerwartet
entdeckt sah. Doch faßte er sich auch und erklärte: könne er Ini nimmer
besitzen, solle doch das Geschäft, sich ihrer würdig zu machen, sein Glück
heißen. Dies lobte sein Führer mit Wärme.
Die Liebenden eilten einander mitzutheilen, was Jedes von ihnen eben gehört
hatte. Guido war in trüben Kummer versenkt. Ini zeigte eben nicht ihren
gewohnten heitern Muth, doch sagte sie mit Festigkeit: Ich verhieß dir,
wenn du mein Ideal erreicht haben würdest, dir mit Gegenliebe zu lohnen.
Bis dahin erwarte nichts, dann alles, was das Schicksal auch einreden mag.
Bald darauf kam ein Eilbote durch die Luft aus Afrika geflogen, und
meldete, wie Inis Mutter ihre Tochter zu sehen begehre. Er brachte zugleich
ein bequemes Fahrzeug mit, das die Reisenden nach jener Küste tragen
sollte.
Es war dies ein Häuschen von dünnem Schilfrohr geflochten und mit Fenstern
aus einem ganz durchsichtig gemachten leichten Horne versehn. Zwei
Kabinette, eine Kammer für die Dienerschaft und eine Küche, mit dem
nöthigen kleinen Magazin von Speisen und Getränken, waren im Innern
abgetheilt. Kostbare Teppiche schmückten mit andern Geräthschaften die
Kabinette. Das Dach war platt, mit einem Geländer und Sitzen umgeben, sich
dort bei angenehmer Witterung aufzuhalten. An dies Dach waren die seidenen
Stränge befestigt, welche von der oben schwebenden Azotkugel niederhingen.
Man wußte jetzt das Azot viel leichter und einfacher zu bereiten als im
Anfang der Luftschifferei. Auch hatte lange schon die Versuche, Adler zu
zähmen und an die Fahrzeuge zu spannen, Erfolg gekrönt. Man hielt auch
viele Institute zur Zucht und Einlehrung dieser Thiere. Postämter befanden
sich in allen Richtungen von Grad zu Grad, und wenn Reisende im Abstand
einer Meile, bei Tag mit einer lang flatternden Fahne, bei Nacht mit einem
Raketenschein sich meldeten, trafen sie alles bereit.
Das Fahrzeug, worin die Schöne nach Afrika eilen sollte, war mit zwanzig
rüstigen Thieren bespannt. Guido bat flehend um die Erlaubniß, sie einen
Grad begleiten zu dürfen. Athania und Gelino willigten ein. Er miethete
also eine kleine offene Gondel, wie sie zu Briefposten im Gebrauch war, die
nur an einem kleinen Ball hing und von zwei Adlern fortgeschaft werden
konnte. Diese ward an das größere Fahrzeug befestigt und die beiden Adler
einstweilen vorne mitgebraucht.
Man stieg an einem herrlichen Morgen ein, und ließ das Fahrzeug sich hoch
erheben. Welche herrliche erquickende Empfindung, im reineren Aether oben,
welch' entzückendes Schauspiel, die Sonne, die dem Thale erst im
Purpurhauche am Ost sich verkündet hatte, nun schnell am tiefen Erdrund zu
gewahren, da der Flug ihr zuvor eilte. Die Reisenden sahen die klare
Sonnenscheibe des unbewölkten Himmels, doch unter ihnen schwand noch alles
in Dunkel, weil Siziliens hohe Fluren noch nicht erhellt wurden. Nur der
Aetna, welcher eben Flammen auswarf, entdeckte sich ihnen in feurigen
Verschlingungen. Bald aber trafen Föbos Strahlen die Höhen des Eilandes,
und kurze Zeit darnach lag es in seiner ganzen Gestalt erkennbar unter
ihnen, denn sie schwebten hoch genug, Sizilien vom silberfarbnen Meere
umgürtet, zu übersehen. Palermo, Messina und Sirakus waren kaum als Punkte
bemerklich, die Orangen- und Pinienhaine zogen sich in blauen Streifen an
den Gebirgen hin, die Thäler waren in ein heitres Gelb verschmolzen. Der
Liebenden Busen wallte hoch auf in dem frohen Anschaun, und nur die nahe
Trennung störte ihre erhabenen Gespräche über den erhabenen Gegenstand.
Fürchte nichts, sagte Ini, ich komme gewiß nach Sizilien zurück. Es wird
meine erste Bitte an die Mutter sein, meine Erziehung hier zu vollenden.
Ich schreibe dir, was sie beschließt, und du kömmst mir dann wieder
entgegen.
Die Reise ging schnell, da die Thiere munter die Flügel regten und man sich
in einer stillen Luftregion befand, wo sie keinem Widerstand entgegen zu
kämpfen hatten. Nach einigen Stunden lag die Bläue des Meeres unter ihnen
und eine grüne Linie an seinem mittäglichen Rande bezeichnete Afrika. Der
Grad ist bereits überschritten, sagte Inis Erzieherin, es ist Zeit, daß du
an die Rückkehr denkst, Guido. Diesem waren die Stunden wie Minuten
entwichen, er flehte um eine Zugabe von Frist. Man muß den Vertrag halten,
antwortete Jene, auch merkte der Knabe, den Guido von der Luftpost zu
Palermo mitgenommen hatte, an, die Adler dürften ermüden.
Guido stieg in den kleinen Kahn, vor welchen der Knabe die zwei Adler
gelegt hatte, die nun rückwärts gelenkt wurden. Tausend Lebewohl rief er
Ini nach, die ihren thränenden Blick zu ihm wandte. Bald sah sie von der
kleinen Kugel nur einen hellen Punkt, den sie so lange als möglich mit dem
Sehrohre verfolgte.
Guido war sehr traurig als er wieder in seiner Wohnung anlangte. Nur die
Hoffnung, bald einer Nachricht von Ini entgegen sehen zu dürfen, richtete
sein Gemüth auf.
Man hatte um diese Zeit die Mittel, sich aus der Ferne zu unterhalten,
bedeutend vervielfacht. Telegraphen standen durch ganz Europa, in allen
Linien von namhaften Orten, aufgerichtet, und Jedermann konnte sich ihrer
gegen eine mäßige Zahlung bedienen. Die vervollkommnete Akkustik diente
hier aber mehr dem Gehör, als früherhin die wenig umfassenden Zeichen dem
Auge. Es gab Sprachtrompeten, welche bei Tag und Nacht, und fast bei jeder
Witterung, auf eine Meile deutlich hörbar tönten und durch welche man von
Station zu Station melden ließ, was man wollte. Ueber Meere leisteten
dagegen die allgemein gewordenen Taubensendungen Hülfe. Ini hatte deshalb
von dem Manne, der die Taubenpost zu Palermo hielt, sechs dieser
gefiederten Boten mit sich genommen, um sie mit kleinen Briefchen am Halse
zurückfliegen zu lassen. In diesem Orte waren deren ebenfalls aus
Neu-Karthago, der jetzigen Hauptstadt von Afrika vorhanden, deren sich
Guido bedienen konnte.
Jeden Tag eilte er zu dem Manne und blickte aus seinem Thürmchen nach
Süden. Manche Taube kam geflattert, eins oder mehrere Papiere am zarten
Hals, doch lautete die Aufschrift an andere Personen. Endlich nach einer
Woche schwebte es weiß daher und die röthlichen Füßchen einer niedlichen
Turteltaube setzten sich auf den Schlag nieder. Das zahme Thier ließ sich
willig ergreifen. An Guido, stand auf dem Briefchen. Hurtig ward es
abgenommen und geöffnet.
Ini schrieb, wie sie von ihrer Mutter mit froher Zärtlichkeit aufgenommen
sei, und diese Mutter, die ganz still auf einem Landhause bei Neu-Karthago
lebe, auch ihre Liebe im reichen Maaße verdiene. Sie setzte hinzu wie sie
nicht begreife, daß diese Mutter, bei einem so warmen Herzen, ihre
Erziehung der Fremden habe übertragen können, und wie hier ein Grund
vorhanden sei, bedeutende Geheimnisse zu vermuthen, um deren Aufschluß sie
vergebens gefleht habe. Noch folgten begeisterte Schilderungen der
vorzüglichen Eigenschaften dieser edlen Frau.
Guido, wie unendlich ihn der Empfang des Schreibens erfreute, ward tief
bestürzt, daß darin von keiner Wiederkunft die Rede war. Er fürchtete,
Mutterliebe werde die Tochter nicht wieder scheiden lassen, und Inis Herz
-- von dem er doch täglich mehr für sich hoffte -- von ihm wenden.
Nach einigen Tagen langte ein zweiter Brief an. Hier schrieb ihm Ini, sie
käme nach Sizilien zurück. Schwerer, als sie es geglaubt hätte, würde die
Bitte darum ihr geworden sein, weil sie die Mutter einen Mangel an
Anhänglichkeit hätte argwohnen lassen können, doch sei diese ihren Wünschen
mit der Erklärung entgegen gekommen, Athania werde mit ihr auf ungewisse
Zeit den vorigen Aufenthalt nehmen. Ini klagte noch mit schmerzlichem
Gefühl über die nahe Trennung von einer Mutter, die so gut und weise sei.
Sie setzte hinzu, daß sie -- sonderbar -- der verschleierten Mutter Antlitz
nimmer schauen dürfe.
Guido war hoch entzückt über den einen Punkt, wenn ihn schon der andere
nicht ganz ohne Unruhe ließ, denn die Liebenden wollen nichts als sich
geliebt wissen, sogar eine Mutter nicht.
Nach einigen Tagen meldete ein Täubchen die Rückkunft auf Morgen an. Wie
flog Guido zur Adlerpost, die Kouriergondel zu dingen. Wie froh schwang er
sich zur Höhe!
Man lenkte bei diesen Luftfahrten nach Karten und Kompaß, konnte also den
Strich nicht verfehlen, um so mehr als beides in sehr verbesserter Art
vorhanden war. Denn man bildete die Karten in erhabener Arbeit, so daß sie
auf das Genaueste die Berge, Städte, Felder u. s. w. darstellten. Alle
Verhältnisse der Länge, Breite, Höhe waren richtig, wenn schon in bequemer
Verkleinerung, und so, daß sie dem gewöhnlichen Auge nicht erkennbar
wurden. Dann bediente man sich aber der jetzt so treflichen Mikroskope,
unter welchen alles deutlich ward. Der Kompaß war mit Uhren, Zeitmessern
und andern Vorrichtungen dergestalt verbunden, daß man, zumal auch die
Längenfindung entdeckt war, in jedem Augenblicke den Punkt angegeben hatte,
in welchem man sich befand. Es konnte mithin unserm Guido nicht fehlen,
seinem Mädchen in der Luftregion zu begegnen.
Auch das Sehrohr entdeckte sie ihm schon auf weiter als zwei Grad' und er
ward zu seinem hohen Vergnügen bald inne, daß auch ihr schönes Auge an dem
nemlichen Instrumente lag, nach ihn auszusehen. So lächelten und
liebäugelten sie einander schon zu, wenn gleich mehr als zwanzig Meilen
entfernt. Bis auf einige Meilen genaht, leisteten ihnen die akkustischen
Werkzeuge Hülfe, sich zu begrüßen und sich süße Dinge zu sagen. Herrliche
Erfindungen für Liebende.
Endlich war das ätherische Häuschen erreicht, in welchem die gefeierte
Schönheit saß. Guido konnte die Zeit nicht erwarten, aus seiner Gondel auf
das Dach zu springen. Er war zu eilig, versah es, und -- fiel.
In einer Höhe von viertausend Schuh fiel Guido nieder. Allein sämtliche
Luftpassagiere waren gewohnt, eine Hauptbedeckung von einem dünnen Zeuge,
mit kleinen Stäben aufgesteift, zu tragen, die sich bei einem etwanigen
Unfall, durch die natürliche Wirkung der Luft, breit entwickelte. So
erfolgte dann nichts weiter, als ein jähes Niedersinken von etwa hundert
Schuhen Tiefe, dann hing man gesichert am Fallschirm und schwebte langsam
der Erde zu. Der Postknabe flog mit seinen Adlern schnell niederwärts,
fischte den Jüngling auf, brachte ihn wieder an Inis Fahrzeug, wo er
diesmal vorsichtiger einstieg, nur den Schaden hatte ausgelacht zu werden,
und -- was für den Liebenden freilich wichtig genug ist, eine Minute
verloren zu haben.
Guido und Ini hatten einander unendlich viel zu sagen, wenn schon die
Weisheit es unendlich wenig genannt haben dürfte. Noch eifriger
betrachteten sie einander: Der ganze Prozeß der Beiden legte es, wie wir
schon oft genug berührten, auf Verschönerung an. Verschönt nun Liebe an
sich, ist sie die beste Lehrmeisterin in jeder Kunst, fachen zugleich
Trennung, Sehnsucht und Entzücken beim Wiedersehn sie um so höher an, so
konnte es nicht fehlen, daß diese wenigen Tage sie ihren Zielen um etwas
näher geführt hatten.
Nicht lange darauf kam der Kaiser nach Palermo. Er ließ sich den Jüngling
vorstellen und bezeugte seine Zufriedenheit mit dem vortheilhaften Bericht,
welchen sein Erzieher über ihn abstattete. Dann gebot er diesem, sogleich
eine Reise mit Guido anzutreten. Wenn diese vollendet wäre, sollten sie
nach Rom kommen, und würde dann der Jüngling, bei einer neuen Prüfung,
bestehen, verhieß Jener, sollte er zu einem wichtigen Staatsamte berufen
werden.
So standen also die Sachen. Morgen sollte Guido scheiden. Ini empfahl ihm
nichts wärmer, als das Ideal nimmer zu vergessen, welches sie ihm nun auch
einhändigte. Sind die drei Jahre um, sprach sie, und wir haben Beide
erreicht, was wir wollten, dann liegt es schon in der ganzen Natur dieser
Schönheit, daß wir uns besitzen müssen. Und nun scheide mit einem
männlichen Lebewohl.
Daß es nicht sehr männlich war, und die ermannende Rathgeberin selbst im
Geheim der Fassung entrathete, ist zu vermuthen. Bei dem Allen ließ die
hohe Wehmuth des Abschiedes auf lange Dauer wieder einen neuen Zug von
Schönheit zurück.
Guido sollte nicht immer durch die Höhen reisen, weil ihm die Tiefe dann
nicht kund geworden wäre. Ein segelfertig Schiff im Hafen ward bestiegen,
das den Lehrer und Zögling nach der jetzigen Ostmark des Staates von Europa
tragen sollte.
Die Kunst zu schiffen hatte bedeutend gewonnen. Unendlich geringer war die
Gefahr dabei. Strand, Klippen, Meergrund hatte die viel erweitete
Geographie treflich bezeichnet, der gute Pilot wußte den Strich, kannte die
Tiefen seines Fahrwassers genau. Nächtliches Dunkel bereitete kein
Hinderniß, weil man die Fahrzeuge mit Reverberen umhing, die im Umkreis
einer Viertelmeile fast Tageshelle verbreiteten. Der Kampf mit Stürmen
brachte Niemand mehr in Verlegenheit. Denn es gab Ankertaue aus feinen
Metalldräthen, welche große Haltbarkeit mit geringem Umfang verbanden, und
befestigte dadurch das Schiff, mogte die See noch so empört wogen. Bei
Windstillen, die früherhin den Seefahrer in zeitraubende Unthätigkeit
versetzten, halfen neuerfundene Ruderwerke, durch einen einfach kunstvollen
Mechanismus in Bewegung gebracht. Man baute auch weit größere Schiffe, was
um so eher anging, als die Häfen überall zu ihrer Aufnahme geeignet waren,
und benutzte den Raum darin geschickt. Es war endlich ein Lack erfunden
worden, der allen Eindrang von Wasser hemmte, daher die Waaren in den
Kellern ganz trocken lagen und zugleich in sehr großer Menge, denn rohe
Erzeugnisse zu verfahren, schämte sich der meisten Nationen Kunstfleiß, und
die verarbeiteten nahmen weniger Platz ein. Der obere Theil der Schiffe war
gemeinhin sehr vortheilhaft abgetheilt. Die Seeleute hatten Verfeinerung
genug angenommen, um sich nicht auf einseitige Beschränkungen zu verstehn,
und der Lebensgenuß war Jedermann zu wichtig, als daß er irgendwo verbannt
gewesen wäre. Deshalb fand man hier einen Konzertsaal, der auch zum Theater
umgeschaffen werden konnte, ein Lesezimmer, dessen Wandschränke mit
Büchern, Karten und Instrumenten zum Behuf der Seefahrt und Naturkunde
gefüllt waren. Eine breite Gallerie umlief das Schiff, besetzt mit
Fruchtbäumen und Blumen in Töpfen. Hier lustwandelte man, ohne durch das
Arbeitgetöse auf dem Verdeck gestört zu werden.
Zweites Büchlein.
Die Reise.
Gelino bemühte sich während dieser Meerfahrt den Zögling in mancherlei ihm
noch unbekannten Dingen zu unterrichten. Das Vergnügen der Bequemlichkeiten
mancher Art, die Zerstreuungen durch Musik und Bühne, wurden ihm sparsam
zugemessen; er mußte dagegen häufig im Kristallthurm weilen, und die Natur
unter der Wogenfläche beobachten.
Mit diesem Thurme hatte es folgende Bewandniß.
Er war nur so groß, daß etwa drei oder vier Personen, ein
scheidekünstlerischer Apparat und mancherlei Beobachtungsinstrumente darin
Raum fanden. Von starken Bohlen viereckig gebaut, mit Seitenfenstern von
sehr dickem aber vollkommen durchsichtigem Kristall. Der Boden überaus
fest, um bei einem Stoße an Klippen nicht in Trümmern zu fallen. Die Decke
an einen dicken, hohlen Metalltau gebunden, der ins Innre lief. Zudem
vollkommen gegen den Eindrang der Fluthen gesichert.
Dieser Thurm ward nun ins Meer gelassen, indem er in der Gegend des
Steuerruders befestigt blieb. Durch seine Schwere ging er unter. Die
Höhlung des Taues setzte die unten befindlichen Personen in den Stand,
mittelst eines Sprachrohrs verlangen zu können, ob sie tiefer hinab
gesenkt, oder höher hinauf gezogen sein wollten. Die Chemie hatte lange
schon die Mittel entdeckt, eine verschlossene Luft durch Reinigen und
Erzeugen von Sauerstoff athembar zu erhalten. War das Meer nun nicht in zu
lebhafter Bewegung, so konnte man durch die Fenster alles weit um sich
entdecken, ja man bediente sich einer Art Lampen vor Hohlspiegeln, um die
Tiefe nöthigenfalls noch mehr zu erhellen.
Welche Entdeckungen hatte die Naturkunde seit dieser Erfindung gemacht! Die
Welt im Ozean, von der Ehedem so wenig bekannt war, lag nun dem Auge des
Forschers offen da.
Furchtbar schien es dem Neuling, im tiefen Gebiet der Nereiden und Tritonen
zu hausen, auch nahten manche schlimme Gefahren. Die Meerungeheuer,
ergrimmt über den seltsamen Besuch, wütheten bisweilen gegen des Thurmes
Fenster und suchten sie zu zerstören. Allein es mangelte auch nicht an
Vorkehrungen. Stacheln an den Ecken empfingen sie unfreundlich, so daß sie
sich bald auf die Flucht begaben. Auch gab es Fallen mit einem künstlichen
Mechanismus, die hie und da einen Seelöwen, einen Haifisch, einen Delphin
und andere erst seit dieser Erfindung bekannt gewordene Thiere
umklammerten, die denn als eine Beute für die Schiffsküche oder für eine
Sammlung von Seltenheiten mit empor gebracht wurden. Bisweilen fanden sich
aber zu große Thiere ein, und wenn der Thurm nicht eilig genug zur Höhe
gewunden ward, ging er mit seinen Bewohnern verloren.
Neue Steinarten auf dem Meergrunde, Fossilien, andere Gattungen von Perlen
und Korallen waren eben sowohl in großer Menge entdeckt worden, als man die
Ichtiologie bereichert hatte.
Hier blieb Guido halbe Tage lang, übte den kaltblütigen Sinn in
Lebensgefahr und ärntete merkwürdige Kenntnisse. Von dem was er sah und
lernte, hielt er ein Tagebuch, brachte das Vorzüglichere davon in einen
Auszug und sandte ihn durch mitgenommene Tauben an Ini.
Man gelangte in den Archipelagus. Die meisten Eilande wurden besucht. Sie
waren jetzt zum Theil von Hirten bewohnt, die ein dem alten arkadischen
ähnliches Leben führten, denn Unschuld und fromme Sitte hatte man
einheimisch gemacht; zum Theil aber sahe der Reisende vortreffliche
Anstalten zur Bildung von Seeleuten und zum Schiffbau, wozu die Lage
einlud.
Guido gesellte sich bisweilen zu den Jünglingen und Mädchen unter den
Hirten. Jene trugen gemeinhin an einem Bande ein Sehrohr auf dem Rücken
weil sie in klaren Nächten die Beschäftigung ihrer Urväter trieben und die
Sternkunde bereicherten. Daneben fertigten sie eine liebliche Art Flöten
und begleiteten den Gesang froher Mädchen, deren Hand zugleich ungemein
wohltönende Citharen rührte. Wie weit auch diese Musik der Zephirharmonika
nachstand, mit welcher Ini ihn bezaubert hatte, fühlte Guido dennoch die
Rührung einfacher und tief empfundener Melodien. Natur und harmlose
Lebenssitte hatten auch diese Menschen so poetisch gemacht, daß auf
Verlangen oder aus eignem Drang, Hirten und Hirtinnen Lied und Harmonien
auf der Stelle erfanden und vortrugen, was die Hörer in die Zeiten der
Amphion und Homer versetzte. Guido entwarf davon eine anziehende
Schilderung und sandte sie Ini.
Das Verlangen Athen bald zu sehen, regte sich nun lebhafter, denn zu viel
hatte ihm Gelino davon gesagt. Es wurde auch in kurzem gestillt, man
erblickte das alte Vorland Sunium, die Berggipfel Parnes und Brilessus, und
lag bald darauf im Hafen Piräus vor Anker.
Gelino unterrichtete ihn im Voraus über die Erscheinungen, welche ihn auf
diesem merkwürdigen Erdfleck belehren sollten.
Im achtzehnten Jahrhundert, hub er an, ereignete sich in der Provinz
Frankreich jene bekannte Staatsveränderung, welche das Schicksal bestimmt
hatte, nach und nach allen Reichen am Erdboden eine neue Gestalt zu geben.
Nach langen blutigen Kriegen, die bis tief ins neunzehnte Jahrhundert
geführt wurden, kam der größte Theil von Europa unter eine Obergewalt,
welche aber die Unterregierung mehrerer Könige feststellte. Man nannte dies
Reich, das erneute römisch-abendländische und Rom wurde, wie es jetzt noch
ist, der Wohnsitz des Kaisers. Der schwerste Kampf war gegen die Albionen,
damals in Schiffahrt und Seekrieg berühmt, welche ungeheure, wenn gleich
meistens eingebildete, Reichthümer gehäuft und den gigantischen Entwurf
gemacht hatten, die Handlung des ganzen Erdballs an sich zu bringen. Doch
nach einer gelungenen Landung flohen die Vornehmen mit ihren klingenden
Schätzen nach dem Indien am Ganges, und Calcutta ward die Hauptstadt ihres
neuen Reichs. Das Volk blieb verarmt zurück und mußte unter fremder
Regierung seinem Kunstfleiß eine andere Richtung geben.
Doch bildete sich neben dem abendländischen Kaiserthume auch ein neues
morgenländisches. Einen Cäsar an der Spitze, der sich den griechischen
nannte, drangen die Völker des Nordens hervor, mit eisernen Armen, in alt
scithischer wilder Kraft und dennoch mit den Künsten der vorhandenen Kultur
vertraut. Den Boden des ehemaligen Griechenlands hatten damals die
Ottomannen inne, ein kräftig Volk, voll Religion und warmer Phantasie, doch
weit zurückgeblieben in den Wissenschaften. Sie mußten bald aus Europa
weichen, wo ihr Sultan, durch mehrere Jahrhunderte, auf Constantins Thron
gesessen hatte. Allein ihr reizend Gebiet in Europa ward der Zankapfel
zwischen den beiden Großmonarchien. Neu-Griechen und Neu-Römer machten ihre
Ansprüche darauf mit dem Schwerdte gültig. Eine verheerende Fehde folgte
der andern, die Menschheit blutete. Man sah in den lachenden Gegenden nur
Ruinen, entvölkerte Wohnplätze, verwüstete Auen. Umsonst mahnte Philosophie
der blutenden Menschheit zu schonen. Zu gewaltig fühlten sich die
Streitkräfte, zu entflammt waren die ehrgeizigen Gemüther, stolzer gemacht
durch bedeutende Erfolge und immer weiter strebend in ungemessenen
Entwürfen.
Zuletzt veranstalteten beide Kaiser eine Unterredung zu Constantinopel.
Mein muß Europa gehören, sagte der Occidentale, die Natur seiner Gränzen
weist mich darauf an, ich ende den Kampf darum nicht und sollte das lebende
Geschlecht darin untergehn. Doch nimm dir vom alten Morgenland Roms, das
herrliche Klein-Asien, Sirien, dringe zum Euphrat vor, ja bemächtige dich
aller Lande, denen einst Cirus gebot. Ich will dir in deinen Eroberungen
treulich beistehn. Schon ist dein Asien dem Umfange nach, größer als mein
Gebiet, wie viel reichere fruchtbarere Provinzen kannst du ihm noch
zugesellen.
Die Kühnheit des Plans gefiel dem Monarchen aus dem Hause Romanow. Da kamen
von den Strömen Obi, Lena, Jenisei, von den Seen Aral, Telegul, Baikal, von
den Altanischen und Sajanischen Gebirgen streitbare Krieger. Turalinzen,
Kirgisen, Teleuten, Abinzen, Tschulimische und Werchotomekische Tatarn
strömten über den Kaukasus, Hülfsvölker aus den stolzen Spaniern, den
ehrgeizigen Franken, den markigten Germanen, den feurigen Polen, den
schlauen Italiern und andern Nationen zusammen gebracht, drangen über die
Meerenge von Constantinopel vor oder landeten an den Küsten von Sirien.
Tapfer vertheidigten sich die Anhänger der Religion Muhameds. Doch
Uneinigkeit theilte ihre Kraft, sie waren der überlegenen Kunst nicht
gewachsen. Zwar kostete es Jahre, mühevoller Anstrengung und das Leben von
Hunderttausenden, endlich aber wurden bis zu Mesopotamien hin alle
alt-türkischen Besitzungen überschwemmt. Der Schach von Persien kam den
Glaubensverwandten zu Hülfe, ward so in die Kriege verflochten und erlag am
Ende des neunzehnten Jahrhunderts auch.
Nun ward Ispahan des neuen ungeheuren Staates Mittelpunkt. Man bemühte sich
mit Weisheit die Völker zu gewinnen, indem ihnen nach und nach die
Wohlthaten der Kultur einleuchtend gemacht, und die verschiedenen
Religionen in einen, von Wahn gereinigten, und durch allgemeine Moral
veredelten, Kultus vereint wurden.
Bald aber sahe man sich genöthigt neue Kriege im Ost zu beginnen. Die
Albionen in Indien waren mächtig geworden. Sie trieben nicht nur in allen
Gewässern zwischen Madagaskar und Japan ihr altes Spiel, sondern hatten
auch zu Lande ihre Herrschaft bis über Tibet hinaus verbreitet, befehdeten
den Khan von Sina, und gaben den Neu-Persern (so nannten sich jetzt die
vormaligen Moskowier) zu vielen Klagen Anlaß. Die Waffen mußten
entscheiden, ein hartnäckiger Kampf durch mehrere Jahrzehende folgte. Doch
ein Monarch, Cirus Alexander genannt, drang zuletzt an den Ganges vor, nahm
Calcutta ein und die Albionen sahen sich abermal gezwungen ihr Reich übers
Meer zu verlegen. Sie wählten Neu-Holland, da Cirus Alexander ihnen auch
die Inselgruppe von Borneo wegnahm. Doch jenes große Eiland, das nunmehr
den Namen Süd-Brittania empfing, sammt vielen andern und manchen neu
entdeckten am Pol, bildet jetzt ihr stattlich Reich und die kunstfleißige
und üppige Hauptstadt Botani-Bai ist zu der Bevölkerung einer Million
herangewachsen. Zu Calcutta, das sie eilig räumen mußten, fand man eine
Abtei voll Grabmähler und Denkbilder großer Seehelden und Gelehrten. Denn
dies Volk war von uralten Zeiten her ungemein dankbar gegen Verdienste um
das Vaterland, und darum ist es ihm auch wohl gelungen mit anfänglich
geringen Hülfsmitteln bewundernswerthe Dinge zu vollziehn.
Nachdem das Neu-Persische Reich gestiftet und befestigt war, genoß das
abendländische Kaiserthum einer langen glückseligen Ruhe. Der Kaiser Marcus
Aurelius II. berief zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Fürsten und
Weisen aus allen Landen, um eine Verfassung zu gründen, wie das Bedürfniß
der vorgerückten Zeiten sie verlangte.