Wenn man nach den Porträts urteilen sollte, die im Schloss Lourps
aufbewahrt werden, so müsste die Familie Floressas des Esseintes in
alten Zeiten aus athletischen alten Haudegen und rauhen Kriegsmannen
bestanden haben.
Gedrängt und eingeengt in ihre alten Rahmen, die sie mit ihren breiten
Schultern gänzlich ausfüllen, könnten sie uns mit ihren starren Augen,
den à la yatagans gedrehten Schnurrbärten und ihrer mit gewölbtem Panzer
bedeckten Brust nahezu erschrecken.
So sahen die Ahnen der berühmten Familie des Esseintes aus; die Bilder
der Nachkommen fehlen, da die Reihenfolge unterbrochen. Ein einziges
Gemälde dient als Mittelglied, Vergangenheit und Gegenwart verbindend.
Es war dies ein gar eigentümliches, schlaues Gesicht mit bleichen,
schlaffen Zügen, die Backenknochen wie rot punktiert, das Haar wie
angeklebt und von Perlen durchflochten, mit ausgestrecktem, geschminktem
Hals, der aus den tiefen Falten einer steifen Krause hervortritt.
Schon auf diesem Bilde eines der intimsten Vertrauten des Herzogs von
Epernon und des Marquis d'O machten sich die Gebrechen einer
untergrabenen Gesundheit wie der Einfluss des lymphatischen Blutes
bemerkbar.
Der Verfall dieser Familie hatte zweifellos seinen regelmässigen Verlauf
genommen; die Verweichlichung der männlichen Linie war immer mehr
hervorgetreten, und als ob die des Esseintes das Werk der Zeit hätten
selbst vollenden wollen, hatten sie während zweier Jahrhunderte ihre
Kinder unter sich verheiratet, wodurch der Rest ihrer Kraft in naher
verwandtschaftlicher Verbindung noch mehr geschwächt worden war.
Von dieser einst so zahlreichen Familie, welche fast das ganze Gebiet
von Isle-de-France und Brie bewohnte, lebte nur noch ein einziger
Nachkomme, der Herzog Jean, ein schmächtiger junger Mann von dreissig
Jahren, blutarm und nervös, mit eingefallenen Backen, kalten stahlblauen
Augen, gerader feiner Nase und dürren schmalen Händen.
Durch ein seltsames Vorkommnis der Vererbung hatte dieser letzte Sprosse
eine ganz auffällige Ähnlichkeit mit dem Urahnen, von dem er den spitzen
Bart von ausserordentlich hellem Blond und den doppelsinnigen Ausdruck
des sehr ermüdeten und doch lebendigen Gesichtes hatte.
Seine Kindheit war eine traurige gewesen; bedroht von Skrofeln und
heimgesucht von hartnäckigen Fiebern war er dennoch mit Hülfe frischer
Luft und Pflege so weit gediehen, dass er die Klippen der Reifezeit
überschritt. Von da ab hielten seine Nerven stand, so dass er, die
Schwächen der Bleichsucht überwindend, es schliesslich bis zur
vollständigen Entwickelung brachte.
Seine Mutter, eine sehr blasse Frau, still und schweigsam, starb an
Entkräftung, während sein Vater einer unbestimmbaren Krankheit erlag,
als Jean des Esseintes eben sein achtzehntes Jahr erreichte.
Von seinen Eltern war ihm nur eine Erinnerung verblieben, die einer
gewissen Furcht, die jedes kindliche Gefühl erstickte. Seinen Vater, der
fast immer in Paris lebte, kannte er kaum; und seine Mutter vermochte er
sich nur in einem dunklen Zimmer des Schlosses von Lourps unbeweglich
auf dem Schlummerbette liegend vorzustellen. Selten nur waren die Gatten
vereint gewesen, und von jenen Tagen erinnerte er sich nur noch der gar
einförmigen Zusammenkünfte, wo beide sich gegenüber sassen, zwischen
sich einen Tisch, auf dem eine grosse Lampe brannte, die durch einen
Lampenschirm tief verhängt war, da die Frau Herzogin weder Licht noch
Lärm zu ertragen vermochte, ohne einer Nervenkrisis zu verfallen. Hier
im Halbdunkel wechselten die Gatten wohl einige wenige Worte, bis der
Herzog aufstand, sich verabschiedete und gleichsam erleichtert den
nächsten besten Zug nahm, der ihn wieder nach Paris zurückführte. --
Bei den Jesuiten, zu denen Jean zur Erziehung geschickt wurde, fand er
wohlwollend freundliche Aufnahme. Die Pater gewannen das Kind, dessen
Fassungskraft sie in Erstaunen setzte, recht lieb. Dennoch aber
vermochten sie nicht, es trotz all ihrer Bemühungen dahin zu bringen,
dass es sich den geregelten Studien widmete. Wohl fand es Geschmack an
gewissen Arbeiten, so dass es frühzeitig der lateinischen Sprache
mächtig ward, dagegen war es aber unfähig, nur zwei Worte griechisch zu
erklären. Es hatte durchaus keine Befähigung für das Erlernen der
lebenden Sprachen und zeigte sich geradezu stumpf, sobald man sich
bemühte, es in die Anfangsgründe der exakten Wissenschaften einzuführen.
Seine Familie kümmerte sich wenig um Jean; dann und wann besuchte ihn
sein Vater auf einen Augenblick in der Pension: »Guten Tag! -- Adieu! --
Sei artig! Arbeite tüchtig!« -- dies war alles, was er zu hören bekam.
Die Sommerferien verbrachte er im Schlosse von Lourps; doch vermochte
seine Gegenwart nicht, die Mutter ihrem träumerischen Zustande zu
entreissen. Sie bemerkte ihn oft kaum oder betrachtete ihn während
einiger Sekunden mit fast schmerzlichem Lächeln und versenkte sich dann
wieder von neuem in die durch dicke Gardinen erzeugte künstliche Nacht.
Die Dienstboten waren langweilig und alt. Der Knabe, sich selbst
überlassen, durchstöberte an Regentagen die Bücher der Bibliothek und
streifte bei schönem Wetter in der Umgegend umher.
Seine grösste Freude war, in das kleine Thal hinunter zu gehen bis nach
Jutigny, einem kleinen Dörfchen, das sich am Fusse der Hügel ausdehnte
und aus wenigen kleinen Häusern und Hütten bestand, die, meist mit Stroh
bedeckt, gleichsam aus dem Moos herauswuchsen. Er warf sich dann wohl
auf die Wiesen im Schatten eines hohen Heuschobers nieder, dem dumpfen
Geplätscher der Wassermühle lauschend, oder auch die frische Luft der
Voulzie einatmend. Manchmal dehnte er seinen Spaziergang bis zum
Torfmoor oder bis zu dem grünen und schwarzen Weiler von Longueville
aus, oder er kletterte gar die Anhöhen hinauf, wo der Wind schärfer
wehte und von wo er eine schönere Aussicht genoss. An der einen Seite
hatte er unter sich das Seine-Thal, das sich in weiter Ferne mit dem
Blau des Himmels mischte; an der anderen Seite hatte er den Blick hoch
oben gen Westen auf die Kirchen und den Turm von Provins, welche in der
Sonne und dem goldigen Luftstaub zu zittern schienen.
Er las oder träumte, in vollen Zügen die Abgeschlossenheit einsaugend,
wohl bis zur Dunkelheit; und da er sich immer grübelnd denselben
Gedanken hingab, so konzentrierte sich sein Geist, und seine bis dahin
noch unbestimmten Ideen begannen vorzeitig zu reifen. Nach den Ferien
kam er jedesmal nachdenklicher und störrischer zu seinen Lehrern zurück,
denen diese Veränderung keineswegs entging. Scharfsinnig und schlau --
durch ihren Beruf daran gewöhnt, die Seelen bis ins Innere zu ergründen
-- liessen sie sich durch seine aufgeweckte, doch unlenksame Intelligenz
durchaus nicht hinters Licht führen. Sie erkannten wohl, dass dieser
Schüler niemals zum Ruhme ihrer Anstalt beitragen werde; da aber seine
Familie reich war und sich wenig um seine Zukunft bekümmerte, so
verzichteten sie vollständig darauf, ihn auf den einträglichen
Schulberuf hinzulenken, obgleich er gern diejenigen der theologischen
Doktrinen mit ihnen erörterte, welche ihn durch ihre Spitzfindigkeit und
ihren Scharfsinn reizten. Dachten sie doch nicht einmal daran, ihn für
ihren Orden zu gewinnen; denn trotz aller ihrer Bemühungen blieb sein
Glaube schwach, weil sie ihn, aus Klugheit und Furcht vor etwas
Unvorhergesehenem, auch ruhig die Studien verfolgen liessen, die ihm
eben zusagten, und andere dagegen vernachlässigen, damit ihnen sein
selbständiger Charakter nicht durch die Plackereien weltlicher
Studienlehrer noch mehr entfremdet werde.
So lebte er vollständig zufrieden, das väterliche Joch der Priester kaum
fühlend, indem er mit seinen lateinischen und französischen Studien ganz
in seiner Weise fortfuhr, und, obgleich Theologie nicht auf dem
Schulplan stand, widmete er sich doch den Lehren derselben, deren
Studium er bereits im Schlosse Lourps in der vom Urgrossonkel, dem
Domherrn Prosper, dem vormaligen Prior der Ordensstiftsherren von
Saint-Ruf, hinterlassenen Bibliothek begonnen hatte.
Als er die Erziehungsanstalt der Jesuiten bei seiner Grossjährigkeit
verlassen musste, wurde er Herr seines Vermögens; sein Vetter und
Vormund, der Graf von Montchevrel, legte ihm Rechenschaft über seinen
Besitz ab. Die Beziehungen zwischen ihnen aber waren nur von kurzer
Dauer, da es keinen Berührungspunkt zwischen beiden gab, weil der eine
alt, der andere jung war. Aus Neugier, Langeweile und Höflichkeit setzte
der junge Herzog dennoch eine Weile den Umgang mit der Familie fort. Er
machte einige Besuche in ihrem Palais in der Rue de la Chaise;
entsetzlich langweilige Abende, an denen die steinalten Verwandten sich
über adelige Familien, heraldische Monde und veraltetes Ceremoniel
unterhielten.
Mehr noch als diese vornehmen alten Damen hier erschienen ihm jene
hochadeligen Herren, welche die Whisttische umsassen, als verknöcherte,
höchst unbedeutende Menschen.
Die Nachkommen der alten Helden, die letzten Zweige der feudalen
Geschlechter erwiesen sich dem Auge des Herzogs Jean des Esseintes nach
Lüftung ihrer Maske meist nur als vom Katarrh geplagte arg verschrobene
Käuze, die immer wieder dieselben faden Redensarten und hundertjährigen
Phrasen im Munde führten.
Nachdem er einige Abende in solcher Gesellschaft zugebracht, fasste er
den Entschluss, trotz aller Einladungen und Vorwürfe nie wieder dort
hinzugehen.
Jetzt fing er an mit jungen Leuten seines Alters und seines Standes zu
verkehren.
Einige von ihnen waren mit ihm in der Ordensschule erzogen und hatten
durch diese Erziehungsweise gleichsam einen besonderen Stempel
aufgedrückt erhalten. Sie gingen regelmässig zur Messe, beichteten zu
Ostern, besuchten die katholischen Kreise und hielten jeden ihrer
Angriffe, die sie auf schöne Mädchen niedergeschlagenen Auges
unternahmen, geheim wie ein Verbrechen. Es waren dies meist geistlos
unselbständige Zierpuppen, welche die Geduld ihrer Lehrer ermüdet
hatten, die aber trotzdem ihren Wünschen soweit nachgekommen waren, sie
in der menschlichen Gesellschaft als gehorsame und fromme Wesen
hinzustellen.
Die andern, meist Schüler der Staats-Gymnasien, waren weniger Heuchler,
sondern im allgemeinen freier, aber sie waren weder interessanter noch
aufgeweckter als jene. Sie liebten die Vergnügungen jeder Art, waren
grosse Freunde der Operette und des Turfs, waren an jedem Spieltisch zu
finden, ihr Vermögen auf Pferde und Karten verwettend.
Nach Verlauf eines Jahres war der junge Herzog dieser Gesellschaft müde
und überdrüssig. Ihren Ausschweifungen sich hinzugeben, die sie ohne
Unterscheidung, ohne fieberhafte Vorbereitung, ohne wirkliche Wallung
und Aufregung des Blutes und der Nerven durchmachten, erschien ihm mehr
als flach und geradezu gemein.
Nach und nach zog er sich daher von ihnen zurück und schloss sich den
Litteraten an, bei denen er mehr geistige Verwandtschaft zu finden und
sich wohler zu fühlen hoffte. Dies aber führte nur neue Enttäuschungen
mit sich, denn er war empört, ihre kleinlichen und rachsüchtigen Urteile
zu erkennen, ihre banale Unterhaltung und ihre widerlichen
Streitigkeiten zu hören, wonach der Wert eines Werkes einfach nach der
Zahl der Auflagen und dem Ertrag des Verkaufes bemessen wurde.
Er lernte zu gleicher Zeit die Freidenker wie die Prinzipienreiter des
Bürgerstandes kennen, Leute die alle Freiheit beanspruchten, um die
Meinungen der andern zu ersticken; habsüchtige, schamlose Puritaner,
deren Bildung er noch geringer schätzte als die des ersten besten
Eckenstehers.
Seine Menschenverachtung nahm immer mehr zu; er erkannte, dass die
Menschheit zum grossen Teil aus leeren Prahlhänsen und Dummköpfen
besteht, so dass er die Hoffnung aufgab, bei anderen wahre Seelengrösse
oder reinen Hass zu entdecken. Er verzichtete darauf, einer
Fassungskraft zu begegnen, die sich wie die seine in einer arbeitsamen
Abgeschlossenheit gefiel, oder in einem Schriftsteller oder Gelehrten
den scharf durcharbeiteten Geist zu finden, der sich dem seinen
anschliessen konnte.
Er fühlte sich nervös und mehr als unbehaglich, war von der Flachheit
der Ideen, die man gegenseitig austauschte, angewidert, und wurde wie
die Leute, von denen Pierre Nicole sagt, dass sie überall empfindlich
und gereizt seien. Es kam so weit, dass er sich fortwährend seine Haut
aufritzte. Geradezu unerträglich litt er bei der Lektüre patriotischer
oder sozialer Thorheiten, die jeden Morgen von den Zeitungen unter die
Leute gebracht und mit denen die ehrsamen Leser abgespeist wurden.
Er begann schon von einer abgeschiedenen Thebaïde, einer komfortablen
Wüstenei, einer unbeweglichen und angenehm durchwärmten Arche zu
träumen, wohinein er sich vor der wachsenden Flut des schon mehr
unmenschlichen Blödsinns zu flüchten gedachte.
Eine einzige Leidenschaft, das Weib, hätte ihn von dieser allgemeinen
Verachtung, welche ihn erdrückte, zurückhalten können, aber diese Saite
war ja leider auch verbraucht.
Hatte er doch an dieser Fleischestafel mit dem launenhaften Heisshunger
eines Menschen gelagert, der an krankhafter Esslust leidet, und dessen
Gaumen bald abgestumpft und übersättigt ist. Während der Zeit, in der er
mit den Junkern verkehrte, hatte er an ihren tollen Gelagen
teilgenommen, bei denen trunkene Dirnen sich zum Nachtisch die Kleider
lüften und mit dem Kopfe, wenn nicht unter, so doch auf dem Tische
liegen. Selbstredend war er hinter den Coulissen gewesen; er hatte es
mit Schauspielerinnen und Sängerinnen versucht und ausser der den Frauen
angeborenen Dummheit die rasende Eitelkeit elender Künstlerinnen zu
ertragen gehabt; er hatte mit galanten, ihrer Schönheit wegen berühmten
Frauenzimmern in Verbindung gestanden und gewaltiges Geld an gewisse
Agenturen bezahlt, wofür er sehr zweifelhafte Vergnügungen genossen, um
sich schliesslich übersättigt und dieses gleichförmigen Luxus, dieser
erkünstelten Zärtlichkeiten überdrüssig, in die untersten Schichten der
Gesellschaft zu stürzen. Hier hoffte er seine nimmersatte Gier durch den
Kontrast neu aufstacheln und seine schlummernde Sinnlichkeit durch die
aufreizende Unreinheit des Elends wieder anfachen zu können.
Doch was er auch versuchen mochte, ein ungeheurer Weltschmerz drückte
ihn nieder. Er gab dennoch den Kampf nicht auf. Er nahm seine letzte
Zuflucht zu den gefährlichen Liebkosungen der Virtuosinnen; seine
Gesundheit wurde schwach und seine Nerven zermürbten mehr und mehr. Sein
Nacken wurde empfindlich und seine Hand fing schon zu zittern an.
Allerdings hielt er sie noch gerade, sobald er einen schweren Gegenstand
ergriff, doch war sie kraftlos, sobald er etwas Leichtes, zum Beispiel
ein Glas zu Munde führen wollte.
Die Prognose der Ärzte beunruhigte ihn. Es war Zeit, diesem Leben
Einhalt zu thun und auf jene Experimente zu verzichten, die nur die
letzten Kräfte raubten. Während einiger Zeit verhielt er sich ruhig;
aber sein Gehirn erhitzte sich bald von neuem und rief ihn wieder zu den
Waffen. Wie die jungen Mädchen in der Reife ein Verlangen nach allen
möglichen aufreizenden Dingen empfinden, kam er dahin, sich ganz
absonderlich sinnliche Freuden und Genüsse auszumalen und sich solchen
hinzugeben. Dies aber war der Anfang vom Ende. Übersättigt und erschöpft
von allem verfielen seine überreizten Sinne einer Art Lethargie -- das
sichere Anzeichen eines herannahenden Unvermögens.
Er kam dann wieder von seinen Verirrungen ernüchtert, entsetzlich
ermattet zurück, ein Ende herbeisehnend, vor dem die Feigheit seines in
Sinnlichkeit versunkenen Charakters zurückschauderte.
Seine Idee, sich irgendwo fern von der Welt niederzulassen, sich
gleichsam in einem Winkel einzunisten und wie ein Kranker zu leben, der
die Strasse mit Stroh bedecken lässt, um den Lärm des unerbittlichen
Lebens zu dämpfen, wurde immer stärker in ihm.
Zudem war auch der Zeitpunkt gekommen, einen Entschluss zu fassen, denn
seine Vermögensverhältnisse erschreckten ihn. Den grössten Teil seines
Erbgutes hatte er thörichterweise längst vergeudet, und der Rest steckte
in Ländereien, die ihm lächerlich wenig einbrachten.
Er entschloss sich daher, Schloss Lourps zu verkaufen, wohin er doch
nicht mehr ging, und wo ihn keine Erinnerung und kein Bedauern fesselte;
er liquidierte ebenfalls seine andern Güter, kaufte sich Staatspapiere
und machte sich in solcher Weise ein jährliches Einkommen von 50,000
Franken. Er behielt ausserdem noch eine ansehnliche Summe zurück, die er
für den Kauf und die Einrichtung des Häuschens bestimmte, in welchem er
in völliger Stille und Zurückgezogenheit leben wollte.
Er suchte die Umgegend von Paris ab und entdeckte ein kleines Häuschen
hoch oben in Fontenay-aux-Roses, das billig zu verkaufen war, weil es an
einem entlegenen Platze ganz ohne Nachbarn in der Nähe der Feste lag.
Sein Traum erfüllte sich, denn in diesem Orte, der wenig von Parisern
heimgesucht ist, war er ziemlich sicher, die gewünschte
Zurückgezogenheit zu finden. Die Schwierigkeit der unzuverlässigen
Verbindung mittels Eisen- und Pferdebahn, die am Ende des Städtchens
stationiert waren, und die gingen und kamen, wie es ihnen passte,
beruhigte ihn sehr. Wenn er an diese neue Existenz dachte, die er sich
daselbst gründen wollte, empfand er eine grosse Freude, und dies um so
mehr, als die Wohnung ziemlich weit vom Seineufer entfernt lag, so dass
ihn der Menschenstrom selbst nicht erreichte, während er dennoch in der
Nähe der Hauptstadt verblieb, so dass ihm seine Zurückgezogenheit nicht
gerade fühlbar wurde.
Er schickte die Maurer in das neu erstandene Haus, und eines Tages, ohne
irgend jemand etwas von seinen Plänen zu verraten, verkaufte er sein
Mobiliar, entliess seine Diener und verschwand, ohne seine Adresse zu
hinterlassen.