Es war allgemein bekannt, daß ein alter Fuchs mit seiner Familie in der
Nachbarschaft lebte, doch niemand vermutete ihn so nahe.
Dieser Fuchs war von allen anderen seinesgleichen leicht durch
eine Narbe zu unterscheiden, die vom Auge durch und bis hinter das
Ohr reichte. Man vermutete, daß er sie auf der Hasenjagd von einem
Stacheldrahtzaun erhalten habe, und da die Haare nach der Heilung
der Wunde an dieser Stelle weiß wuchsen, blieb die Narbe immer ein
untrügliches Abzeichen.
Im Winter vorher hatte ich diesen Fuchs zum erstenmal getroffen, und
er hatte mir seine Schlauheit durch ein Beispiel bewiesen. Nach einem
Schneefall war ich auf die Jagd gegangen und hatte die Felder gekreuzt,
bis ich zu einer buschbewachsenen Einsenkung hinter einer alten Mühle
kam. Als ich so weit herangekommen war, daß ich das flache Tal
überblicken konnte, blieb mein Auge auf einem Fuchs haften, der außer
Schußweite auf der anderen Seite herabtrottete und meinen Weg kreuzte.
Augenblicklich hemmte ich meine Schritte, blieb vollkommen regungslos
stehen und vermied es, auch nur meinen Kopf zu neigen oder zu wenden,
um seine Aufmerksamkeit nicht auf mich zu lenken, bis er im dichten
Gebüsch auf der Talsohle verschwunden war. Dann duckte ich mich und
lief nach der anderen Seite, wo er die Deckung verlassen mußte. Dort
wartete ich eine gute Weile, aber kein Fuchs erschien. Bei näherer
Untersuchung der frischen Fährte entdeckte ich, daß der Fuchs unter
dem Schutze des Buschwerks seine Richtung geändert hatte, und, den
Fußspuren mit den Augen folgend, erblickte ich den alten Schlaumeier
in beträchtlicher Entfernung direkt hinter mir, auf den Hinterläufen
sitzend und augenscheinlich erheitert grinsend.
Eine Untersuchung der Fährte erklärte alles. Er hatte mich in demselben
Augenblick gesehen, als ich ihn entdeckte, aber schlau, wie es eben nur
ein Fuchs sein kann, hatte er gar nicht dergleichen getan, bis er im
Gebüsch war. Dort war er um mich herumgelaufen und weidete sich nun an
meiner Enttäuschung.
Im Frühjahr hatte ich einen weiteren Beweis von seiner Verschmitztheit.
Mit einem Freund ging ich auf dem Wege über eine Schafweide spazieren
und sah in einiger Entfernung verschiedene graubraune Steine. Als wir
uns der Stelle näherten, meinte mein Freund:
»Stein Nummer drei sieht ganz aus, wie ein zusammengerollter Fuchs.«
Jedoch ich konnte nichts erkennen, und wir gingen weiter. Wir hatten
nur einige Schritte zurückgelegt, als der Wind diesen Stein aufblies
wie ein Fell.