Der 1. Juli ist kein Ruhetag, das darf man nicht glauben. Ohne eine
Minute Pause wird gearbeitet. Die Leichen werden geborgen,
schauerlichste Arbeit des Soldaten! Lebensmittel und Wasser
herbeigeschafft, Munition, Handgranaten, Minenhunde. Die Minenwerfer
schießen sich ein, die Artilleriebeobachter kriechen durch die Gräben
und lassen ein paar Granaten zur Probe kommen. Fertig, alles bereit!
Am 2. Juli donnert der Wald und der Boden zittert. Bis fünf Uhr
nachmittags hageln die Granaten auf den grünen Graben herab. Um fünf Uhr
gehen die Grenadiere vor. Bis zur Dunkelheit wogt der Kampf hin und her.
Er ist mörderisch. Hier wird nur mit Handgranaten und Kolben gekämpft.
Wir gewinnen Boden, Schritt für Schritt. Der Feind schlägt sich
bewundernswert, alle Grauen gestehen es ohne weiteres zu. Ein Bataillon
bricht durch, in der Richtung auf das Dörfchen La Harazée. Es kommt dem
grünen Graben in den Rücken. Von der Rheinbabenhöhe her, von St. Hubert
stürmen unsre Truppen. Der grüne Graben ist nahezu umzingelt. Die Lage
des Feindes ist hoffnungslos, aber er ergibt sich nicht. Da ist ein
Major im grünen Graben, Major Remy, der wie ein Rasender ficht und seine
Leute zum Äußersten anpeitscht. Er fällt. Der grüne Graben ist genommen!
Die Verwundeten werden fortgeschafft. Die Gefangenen abtransportiert.
Die Toten liegen, wo sie liegen. Noch gibt es keine Pause. Denn der
Graben muß sofort wieder zur Verteidigung eingerichtet werden. Er ist
stellenweise bis zur Sohle eingetrommelt. Die Sandsäcke, die die
Granaten durch den Wald schleuderten, werden zusammengeschleppt,
aufgebaut. Die Stahlschilde eingerammt, die Maschinengewehre
aufgestellt.
Kommt der Feind, so ist man bereit. Und er kam und man war bereit!
Es wird still. Es ist Nacht. Die erste Nacht seit Wochen, die ruhig ist,
keine Granaten, keine Minen. Der Soldat schläft, tief und traumlos, wie
die Kameraden, die da draußen liegen und alles vergessen haben.
Die Horchposten kauern im Gebüsch, die Wachen stehen im finstern Graben.
Das Telephon ist schon wieder eingerichtet.