ROBERT. (schweigt ganz stille.)

PETER. (zu Williams.) Gott und Herr! er phantasiert erschrecklich.

ROBERT. (nachdem er eine Weile stille gelegen.) Gut, daß ich mit dir

reden darf, mitleidige Wand. Es ist mir doch, als ob du dich gegen

mich bewegtest, dich herab zu mir neigtest, und stumm, aber gefühlig

zu meiner Verzweiflung zittertest. Sieh, wie ich verraten da liege!

alles, alles verrät mich--(zieht das Bild der Prinzessin aus seinem

Busen, und macht das Futteral auf.) Auch dies. Auch diese schwarzen

Augen, die keinen Menschen scheinen unglücklich sehen zu können, die

Liebe und Wohltun wie die Gottheit selber sind. Sie hat alles das

angestellt.--Sie will mich wahnwitzig haben--Sie, heiraten! könnte

sie das, wenn ihr Herz weich und menschlich wäre. Nein, sie ist

grausamer als alle wilde Tiere, grausamer als ein Tyrann, grausamer

als das Schicksal selbst, das Weinen und Beten nie verändern kann.

Sie kann mich leiden sehen, und an Hochzeitsfreuden denken--Und doch,

wenn sie muß! wenn sie glücklicher dadurch wird--Ja, ich will gern

leiden, will das Schlachtopfer ihres Glücks sein--Stirb, stirb, stirb,

*Robert*! es war dein Schicksal, du mußt nicht darüber murren, sonst

wirst du ausgelacht. (Bleibt mit dem Bild ans Gesicht gedrückt eine

Weile stumm auf seinem Kissen liegen.)

(Tognina, eine Buhlerin, schön geputzt, tritt leise herein. Peter

geht ihr auf den Zehen entgegen.)

PETER. Still, er schläft!--das ist ein Glück. Wir dachten schon, er

sollt uns zum Fenster heraus springen. Die Hitze ist gar zu groß bei

ihm.

TOGNINA. Laßt mich nur! ich werd ihn nicht wecken. Ich werd an

seinem Bett warten, bis er aufwacht. (setzt sich ans Bett.)

ROBERT. (kehrt sich hastig um.) Wer ist da?

TOGNINA. Schöner junger Herr! werden Sie nicht böse, daß ich so

ungebeten herein komme. Ich bin hierher gewiesen, ich bin eine arme

Waise, die Vater und Mutter verloren hat, und sich kümmerlich von

ihrer Hände Arbeit nähren muß.

ROBERT. Das sieht man euch nicht an.

TOGNINA. Alles, was ich mir verdiene, wend ich auf meine Kleidung.

Ich denke, es steht einem jungen Mädchen nicht so übel an, als wenn

sie das bißchen Schönheit, das ihr der Himmel gab, nicht einmal sucht

an den Tag zu legen. Ich will nicht gefallen, gnädiger Herr, (ihn

zärtlich ansehend) ich weiß wohl, daß ich nicht im Stande bin,

Zärtlichkeit einzuflößen; aber zum wenigsten bin ich hochmütig genug,

daß ich niemand durch meine Gestalt beleidigen mag.

ROBERT. Was wollt ihr von mir?

TOGNINA. (etwas verwirrt.) Von Ihnen?--was ich von Ihnen will?--Das

ist eine seltsame Frage, die ich Ihnen so geschwind nicht beantworten

kann. Ich höre, daß Sie krank sind, schöner junger Herr, Sie

brauchen Pflege, Sie brauchen Aufwartung. Sie brauchen vielleicht

auf die Nacht eine Wärterin.

ROBERT. (die Zähne knirschend.) Wer hat euch gesagt, daß ich krank

sei?

TOGNINA. Niemand, gütiger Herr--die Frau vom Hause hat es mir

gesagt--und in der Tat, man sieht es Ihnen an; (seine Hand fassend.)

Dieser Puls will mir nicht gefallen. (streift ihm den Arm auf.) Was

für einen schönen weißen Arm Si ehaben--und wie nervigt! dieser Arm

könnte Herkules Keule tragen.

ROBERT. (reißt ich los von ihr, richtet sich auf, und sieht sie starr

an.) Wer seid ihr?

TOGNINA. Ich bin--ich habe es Ihnen ja schon gesagt, wer ich bin.

ROBERT. Ihr seid eine Zauberin; aber (auf sein Herz weisend) hier ist

Stein, Kieselstein. Wißt ihr das?

TOGNINA. Das gesteh ich.--Haben Sie noch nie geliebt?--Ich muß Ihnen

doch sagen, hier ward gestern eine neue Oper gegeben--Die Scythen,

oder der Sieg des Liebesgottes--Unvergleichlich, Mylord; gewiß--Es

war auch so ein junger Herr drinne, wie Sie, der alles Frauenzimmer

verachtete. Aber was meinen Sie wohl, womit die Liebesgöttin und die

Amors ihn bekämpften? Raten Sie einmal, ich bitte Sie, was für

fürchterliche Waffen sie seiner knotigen Keule entgegen setzten?

ROBERT. Vergiftete Blicke, wie die eurigen.

TOGNINA. Blumen, junger Herr, nichts als arme Blumen--(reißt sich

eine Rose von der Brust, und wirft ihn damit.) Sehen Sie, so machten

sies--Spielend (eine aus ihrem Haarputze) Spielend. (wieder eine

andere von ihrer Brust.) spielend überwanden sie ihn. Hahaha, (ihn

an die Hand fassend) ist das nicht lustig, mein kleines Herzchen?

ROBERT. (verstohlen, die Zähne knirschend.) O unbarmherziger Himmel!

--Armida!--(Tognina ans Knie fassend.) Ihr seid gefährlich, Kleine!

voll Lüsternheit! voll Liebreiz! Laßt uns allein bleiben, ich habe

euch viel zu sagen.

(Sie winkt den Bedienten, die gehen heraus.)

ROBERT. (zieht das Portrait aus dem Busen.) Seht, hier hab ich ein

Bild, das allein ist euch im Wege. Wenn ihr Meisterin von meinem

Herzen werden wollt, gebt mir eine Schere, daß ich es von diesem

Halse löse, dan den ich es damals leider, ach, auf ewig knüpfte! Ich

bin nicht im Stande, euch in eurer zauberreiches Auge zu sehen, eure

weiche Hand gegen mein Herz zu drücken, euren glühenden Lippen meinen

zitternden Mund entgegen zu strecken, so lang dies Bild an meinem

Halse hängt.

TOGNINA. Gleich, gnädiger Herr! (zieht eine Schere aus ihrem Etui,

und sett sich aufs Bett, ihm das Bild abzulösen.)

ROBERT. (reißt ihr die Schere aus der Hand, und gibt sich einen Stich

in die Gurgel.) Grisette! hab ich dich endlich doch überlistet.

Der Engländer · 第 24 / 29 题