ROBERT. Nein, die Begnadigung meiner Prinzessin war viel gnädiger.
Ich habe die Festung verdient, weil ich mich unterstanden, ihre Ruhe
zu stören. Aber ich blieb ihr nah; derselbe Himmel umwölbte mich,
dieselbe Luft wehte mich an--es waren keine Länder, kein ungetreues
Meer zwischen uns; ich konnte wenigstens von Zeit zu Zeit Neuigkeiten
von ihr zu hören hoffen--Aber nun auf ewig von ihr hinweggerissen,
in den Strudel der öffentlichen Geschäfte; vom König, und Ihnen, und
Lord Hamilton gezwungen, in den Armen der Lady Hamilton--sie zu
vergessen!--Behalten Sie Ihre Begnadigung für sich, und gehen in die
Wälder, von wilden Tieren Zärtlichkeit für ihre Jungen zu lernen.
LORD. Elender! so machst du die menschenfreundlichsten Bemühungen zu
nichte, und stößest die Hände, die dich von dem Sturze des Abgrundes
weghaschen wollen, mit Undankbarkeit von dir. Wisse! es ist nicht
meine Hand, die du zurückstößt, es ist die Hand deiner Prinzessin
selber. Sie hat dir diese Befreiung ausgewirkt, und damit sie deine
unsinnige Leidenschaft und diese Großmut nicht nährte, hat sie mich
gebeten, ihr meinen Namen dazu zu leihen, hat sie sich gestellt, dir
eine zweideutige Begnadigung ausgewirkt zu haben, um sich dadurch in
deiner Phantasie einen widerwärtigen Schatten zu geben. Aber deine
Raserei ist unheilbar; wenigstens zittre, ihren großmütigen Absichten
entgegen zu stehen, und wenn du nicht willst, daß sie dich als den
Störer ihres ganzen Glücks auf ewig hassen soll--flieh! sie befiehlt
es dir aus meinem Munde-ROBERT. (lange vor sich hinsehend.) Das ist
in der Tat fürchterlich! diese Klarheit, die mich umgibt, und mir die
liebe Dunkelheit, die mich so glücklich machte, auf immer entreißt.
Also die Prinzessin selber arbeitet dran, daß ich fortkomme, daß ich
nach England gehen, und sie in den Armen einer andern auf ewig
vergessen soll.
LORD. Sie hat mich in ganz Turin aufsuchen lassen, da sie unter der
Liste der Durchreisenden meinen Namen gefunden. Sie muß von meiner
Ankunft unterrichtet gewesen sein.
ROBERT. Das ist viel Sorgfalt für mein Glück, für meine Heilung.--Ich
bin freilich ein großer Tor--Aber wenn Sie sie gesehen hätten, Lord
Hot,--und mit meinen Augen--das erstemal, als ich sie auf der
Maskerade sah--wie sie so da stand in ihrer ganzen Jugend, und alles
um sie lachte, und gaukelte, und glänzte, die roten Bänder an ihrem
Kopfschmucke von ihren Wangen die Röte stahlen, die Diamanten aus
ihren Augen das Feuer bettelten, und alles um sie her verlosch, und
man, wie bei einer göttlichen Erscheinung für die ganze Natur, die
Sinne verlor, und nur sie und ihre Reize aus der weit verschwundenen
Schöpfung übrig behielt. Und was für ein Herz diese Schönheit
bedeckt. Jedermann in Turin kennt sie, jedermann spricht von ihr mit
Bewunderung und Liebe. Es ist ein Engel, Lord Hot! ich weiß Züge von
ihr, die kalte Weltweise haben schaudernd gemacht.--Mein Vater, ich
kann noch nicht mit nach England. Ich werde heilen, ich muß heilen,
aber ich muß mich erst noch erholen, eh ich so stark bin, es selber
zu wollen.
LORD. (faßt ihn an der Hand.) Komm! so bald du vernünftig wirst,
wirst du glücklich sein, und mich und uns alle glücklich machen, am
meisten aber die, die du anbetest.
ROBERT. (legt beide Arme über einander, den Himmel lang ansehend.)
Ich glücklich? (zuckt die Achseln, und geht mit Lord Hot ab.)