ROBERT. (spielt die Violine und singt dazu.)

So geht's denn aus dem Weltgen 'raus,

O Wollust, zu vergehen!

Ich sterbe sonder Furcht und Graus,

Ich habe sie gesehen.

Brust und Gedanke voll von ihr:

So komm, o Tod! ich geige dir;

So komm, o Tod! und tanze mir.

Nur um ein paar Ellen hÄtt' ich ihr näher sein sollen, ihre Mienen

auf mich herabscheinen zu sehen--ihren Atem zu trinken--Man muß

genÜgsam sein--Das Leben ist mir gut genug geworden, es ist Zeit, daß

ich gehe, eh es schlimmer wird. (spielt wieder.)

O Wollust--o Wollust, zu vergehen!

Ich habe--habe sie gesehen.

(Die Prinzessin von Carignan tritt ins GefÄngnis, verkleidet als ein

junger Offizier. Ihr Bruder als Gemeiner.)

ROBERT. Himmlisches Licht, das mich umgibt! (läßt die Geige fallen,

kniet.)

PRINZESSIN. Stehen Sie auf, mein Herr! ich bring Ihnen Ihr

Urteil--Ihre Begnadigung vielmehr. Ich war die Ursache der

unglÜcklichen Verirrung Ihrer Einbildungskraft, ich mußte dafür

sorgen, daß sie nicht von zu traurigen Folgen für Sie würde. Sie

werden nicht sterben. Stehen Sie auf. (als ob sie ihn aufrichte.)

ROBERT. (bleibt kniend.) Nicht sterben? Und das nennen Sie Gnade!

--Oft ist das Leben ein Tod, Prinzessin, und der Tod ein besseres

Leben.

PRINZESSIN. Das Leben ist das hÖchste Gut, das wir besitzen.

ROBERT. Freilich hört mit dem Tod alles auf, aber im höchsten Genuß

aufhören heißt tausendfach genießen. Gönnen Sie mir dieses Glück,

Prinzessin, (ihr einen Dolch reichend, der auf einem Sessel liegt,)

lassen Sie mich den Tod aus diesen Händen nehmen, von denen er mir

allein Wohltat ist. Ich will meinen entfliehenden Atem in diese

Hände zurückgeben, die ihn schon lange gefesselt hatten, die zu

berühren, meine scheidende Seele schon tausendmal auf meinen Lippen

geschwebt ist.

PRINZESSIN. (setzt sich.) Mein Freund!--(knöpft sich ein Armband ab.)

Hier haben Sie etwas, das Ihnen das Leben angenehmer machen soll;

nehmen Sie es mit in Ihre Gefangenschaft, versüßen Sie sich die

Einsamkeit damit; und bilden Sie sich ein, daß das Urbild von diesem

Gemälde vielleicht nicht so fühllos bei Ihren Leiden würde gewesen

sein, als es dieser ungetreue Schatten von ihm sein wird. (gibt ihm

das Portrait, und eilt jählings ab.)

ROBERT. (in die Knie sinkend, das Bild am Gesicht.) Ach, nun

Ewigkeiten zu leben!--mit diesem Bilde!--Wesen! wenn eins da ist,

furchtbarstes aller Wesen! könntest du so grausam gegen einen

handhohen Sterblichen sein, und mir dies im Tode nehmen--Wenn ein

Leben nach dem Tode wäre--dies ist das erstemal, daß mich der Gedanke

bei den Haaren faßt, und in einen grauenvollen Abgrund

hinabschüttelt--Ein Leben nach dem Tode, und ohne sie--Nein, sie

wußte, was sie mir brachte, Leben und ihr Bild. Es ist ihr daran

gelegen, daß ich sie nicht aus diesem Herzen verliere, und wenn ich

verginge, verging ein Teil ihres Glücks mit. Ich will also die

Begnadigung um ihretwillen annehmen. (steht auf, nimmt das Urteil von

dem Tisch und liest,) "in eine lebenslängliche Verweisung auf die

Festung." Lebenslänglich! das ist genug--aber sie wird vor mir stehen,

ihre Hand wird mir den Schweiß von der Stirne trocknen, die Tränen

von den Backen wischen--die Augen mir zudrücken, wenn ich ausgelitten

habe. Überall werd ich sie hören, sie sehen, sie sprechen, und

die Kette, an der ich arbeite, wird ihre Kette sein. (fährt zusammen.)

Wen seh ich!

(Der alte Lord Hot tritt herein.)

LORD. Unwürdiger! ist das der Ort, wo ich dich anzutreffen hoffte?

ROBERT. (fällt ihm zu Füßen, eine Weile stumm.) Lassen Sie mich zu

mir selber kommen, mein Vater--

LORD. (hebt ihn auf, und umarmt ihn.)

Armer, wahnwitziger, kranker Schulknabe! du ein Pair im

Parlement?--

ROBERT. Hören Sie mich an.-LORD. Ich weiß alles. Ich

komme von der Prinzessin von Carignan (Robert zittert.) Du hast die

Dame unglücklich gemacht, sie kann es sich und ihre Reizungen nicht

verzeihen, einen Menschen so gänzlich um seinen Verstand gebracht zu

haben, der jung, hoffnungsvoll, in der Blüte seiner Jahre und

Fähigkeiten, seinen Vater und Vaterland in den größten Erwartungen

hintergeht. Hier ist deine Befreiung! Willst du der Prinzessin

nicht auf ewig einen Dorn in ihr Herz drücken, so steh auf, setz dich

ein mit mir, und kehr nach England zurück.

ROBERT. (eine Weile außer Fassung. dann fährt er plötzlich nach der

Ordre in des Vaters Händen, und will sie zerreißen.)

Der Engländer · 第 12 / 29 题