(Das Nachfolgende ist ein Abschnitt aus dem Talmud (Tractat
Kritôth), welches die Art und Weise behandelt, in der das
Rauchopfer zubereitet wird. Anstatt einer wortgetreuen Übersetzung
wird folgendes Gebet gegeben).
Pittum hak'tôres.
So nähert sich denn die Zeit des Verweilens in deinem Hause ihrem Ende,
und die angeordneten Gebete haben wir verrichtet; aber ach, wie mancher
Augenblick weckte nicht einen Gedanken in uns, der wider den Geist des
wahren Gebetes stritt! Wie oft regten sich nicht sündige Gefühle in
unserer Brust; wie oft störten wir durch unser Benehmen nicht die
Andacht anderer, wie oft wankten wir nicht beim Gebet im Glauben an
Erhörung; wie oft ärgerten wir uns nicht über die Herrlichkeit und den
Glanz der Gottlosen und ließen den Nächsten, ließen den Abgefallenen aus
unserm Gebete ausgeschlossen sein, so daß unsere Anbetung dir nicht zum
Wohlgefallen sein konnte! Deshalb, o Allerbarmer, wollen wir des
Rauchopfers gedenken, das vormals im Heiligtum dir zu einem
wohlgefälligen Dufte dargebracht wurde, auf daß es alles Widerliche vom
Opfer entferne. Wir wollen uns an die vier Hauptbestandteile des
Räucherwerks erinnern, daß jede Andachtsträne, die heute floß, wie ein
Balsamtropfen sein, jeden bekümmerten Sinn heilen und von wahrer
und innerlicher Buße hervorgerufen sein möge; daß des Herzens harte
Schale zermalmt werde, und wir keinen Zweifel nähren mögen, daß du
das Gebet eines zerknirschten Herzens[102] nicht verachtest. Und wir
wollen uns erinnern, daß man dem Weihrauch auch Galban, eine
Substanz von unangenehmen Geruch, zusetzte, eine Erinnerung für uns
daran, daß du selbst die Tiefgefallenen erhörst, welche bereuend ihre
Gebete in das Gebet der Gemeinde mischen, ja eine Erinnerung daran, daß
unsere eigene, fromme Erbauung[103] dadurch vermehrt wird, wenn wir
diese in unser Gebet einschließen, wenn wir uns selbst zu ihnen rechnen
und in Demut deinen Namen anflehen; eine Versicherung, daß wenn wir auch
eine Stunde vergaßen, daß wir vor dir stehen und andachtslos hier
weilten, du uns doch vergeben willst, wenn wir mit heiligem Sinne kommen
und unsere Gebete wie Weihrauch zu dir aufsteigen lassen, und wenn
wir noch zum Schluß recht innig unsern Geist zu dir erheben. O,
Allheiliger, erhöre uns und laß unser Gebet vor dir wie ein Rauchopfer
ein.[104]
Amen!
[Fußnote 102: Ps. 51, 19.]
[Fußnote 103: Kritôth Fol. 6, 66.]
[Fußnote 104: Ps. 141, 2.]