XXVII. Betrachtung zum Mussaphgebet.

(Das Nachfolgende ist ein Abschnitt aus dem Talmud (Tractat

Kritôth), welches die Art und Weise behandelt, in der das

Rauchopfer zubereitet wird. Anstatt einer wortgetreuen Übersetzung

wird folgendes Gebet gegeben).

Pittum hak'tôres.

So nähert sich denn die Zeit des Verweilens in deinem Hause ihrem Ende,

und die angeordneten Gebete haben wir verrichtet; aber ach, wie mancher

Augenblick weckte nicht einen Gedanken in uns, der wider den Geist des

wahren Gebetes stritt! Wie oft regten sich nicht sündige Gefühle in

unserer Brust; wie oft störten wir durch unser Benehmen nicht die

Andacht anderer, wie oft wankten wir nicht beim Gebet im Glauben an

Erhörung; wie oft ärgerten wir uns nicht über die Herrlichkeit und den

Glanz der Gottlosen und ließen den Nächsten, ließen den Abgefallenen aus

unserm Gebete ausgeschlossen sein, so daß unsere Anbetung dir nicht zum

Wohlgefallen sein konnte! Deshalb, o Allerbarmer, wollen wir des

Rauchopfers gedenken, das vormals im Heiligtum dir zu einem

wohlgefälligen Dufte dargebracht wurde, auf daß es alles Widerliche vom

Opfer entferne. Wir wollen uns an die vier Hauptbestandteile des

Räucherwerks erinnern, daß jede Andachtsträne, die heute floß, wie ein

Balsamtropfen sein, jeden bekümmerten Sinn heilen und von wahrer

und innerlicher Buße hervorgerufen sein möge; daß des Herzens harte

Schale zermalmt werde, und wir keinen Zweifel nähren mögen, daß du

das Gebet eines zerknirschten Herzens[102] nicht verachtest. Und wir

wollen uns erinnern, daß man dem Weihrauch auch Galban, eine

Substanz von unangenehmen Geruch, zusetzte, eine Erinnerung für uns

daran, daß du selbst die Tiefgefallenen erhörst, welche bereuend ihre

Gebete in das Gebet der Gemeinde mischen, ja eine Erinnerung daran, daß

unsere eigene, fromme Erbauung[103] dadurch vermehrt wird, wenn wir

diese in unser Gebet einschließen, wenn wir uns selbst zu ihnen rechnen

und in Demut deinen Namen anflehen; eine Versicherung, daß wenn wir auch

eine Stunde vergaßen, daß wir vor dir stehen und andachtslos hier

weilten, du uns doch vergeben willst, wenn wir mit heiligem Sinne kommen

und unsere Gebete wie Weihrauch zu dir aufsteigen lassen, und wenn

wir noch zum Schluß recht innig unsern Geist zu dir erheben. O,

Allheiliger, erhöre uns und laß unser Gebet vor dir wie ein Rauchopfer

ein.[104]

Amen!

[Fußnote 102: Ps. 51, 19.]

[Fußnote 103: Kritôth Fol. 6, 66.]

[Fußnote 104: Ps. 141, 2.]

Gebete für Israeliten · 第 46 / 46 题