XXII. Gebete während einer ansteckenden Krankheit.

Gebt dem Herrn, Eurem Gott, die Ehre, bevor er es finster werden

läßt, und bevor eure Füße anstoßen gegen die dunkle Höhe. (Jer. 13,

16.)

1. Allmächtiger Gott! Du erinnerst uns Menschenkinder daran, daß wir

Staub und Asche sind; denn über unsere Stadt ist die schlimme Zeit

hereingebrochen, von der es heißt: « Das Volk soll geängstigt werden und

umhergehen wie Blinde, weil es gegen mich gesündigt hat«(Zeph. 1, 17).

Ach, schon hören wir das Seufzen der Angst und bemerken die Zeichen des

Schreckens auf dem Antlitz vieler Leute, während unser Inneres bebt und

fragt: wer kann oder wird uns doch retten? Wir tappen umher in der

Finsternis, die sich über uns gelagert hat.--O du, dessen Barmherzigkeit

ohne Ende ist, dessen Güte sich mit jedem Morgen erneuert, sieh unsere

Bekümmernis, öffne unsere Augen und lehre uns begreifen, daß du es bist,

der Allbarmherzige, der diese Zeit über uns geschickt hat, auf daß wir

unsere Ohnmacht erkennen und uns überzeugen, daß du dich gegen dein

sündiges Kind als ein lieber Vater zeigst, der es wieder in Gnaden

annehmen will. Sende uns deinen Geist, daß diese Zeit der Heimsuchung zu

unserer Heiligung diene; denn ach, wir müssen bekennen, daß wir dich

lange nicht über alles in der Welt geliebt haben, wie wir es dir

schulden. Nicht auf dich haben wir unser Vertrauen gesetzt, sondern auf

vergängliche Dinge, auf schwache Menschen. Eitelkeit und Habsucht,

Hochmut und Haß, Neid und Wollust beherrschen uns. O lieber Gott, laß

uns deine Güte in dieser schlimmen Schickung erkennen, daß sie uns

läutere und reinige, und laß sie auch mich also rühren, daß ich zu dir

wieder mit getrostem Mute aufschauen kann, wie ein Kind zu seinem Vater,

in der Gewißheit, »daß du mich nur strafst, aber nicht auch dem Tode

hingibst.« O du, der du gut bist und gerne vergibst, der du Erbarmen

gegen den zeigst, der dich anruft, o vergib mir meine Sünden und laß

mich deine Vaterstimme hören, die mir zuruft:»Du bist nicht verlassen,

ich bin bei dir in der Not, ich will mich über dich erbarmen und will

dich aus derselben erlösen!« Erschaffe in mir ein reines Herz und einen

neuen, beständigen Geist erneuere in meinem Innern. Du, der du mein

Vater bist, mein ewiger Erlöser, gelobt sei dein Name.

Amen!

[Fußnote 89: Ps. 57, 11. 108, 2.]

Gebet um Mut.

Wenn ich mitten in Angst wandere, so erquickst du mich. (Ps. 138,

1.)

2.»Zu dir, o Gott, rufe ich, und bete, o, laß mein Seufzen nicht

unerhört zurückkehren.« Dich suche ich auf in dieser Zeit der Not und

nach dir strecke ich meine Hand aus in der Nacht, wenn nichts meine

bange Seele erquicken will, denn rings um mich her verbreitet der Tod

seine Schrecken, und der Mut verläßt mich. O, mein Vater, du bist bisher

mit mir gewesen, verlaß mich auch jetzt nicht, sondern erneuere in mir

deine gnadenreiche Verheißung:»Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir

in der Not; verzage nicht, ich bin dein Helfer; ich stärke dich und

behüte dich, ich unterstütze dich mit der Hand meiner

Gerechtigkeit.« Flöße mir Mut ein, daß ich, umringt von den Schrecknissen

des Todes, sicher ausrufen möge:»Der Herr ist mit mir, deshalb fürchte

ich nichts!« O, nicht nur um meinetwillen sondern auch für die, welche

verzagt und in des Todes Ängsten wandeln, bitte ich dich: gib mir Mut,

daß ich sie in ihrer Furcht beruhigen, daß ich zur Hilfe eilen könne, wo

jemand niedersinken will, und daß ich ihre angsterfüllten Herzen stärken

könne.--Ich bitte um Mut und Kraft für die, deren Beruf es ist, die

Kranken zu besuchen, daß sie auf dich vertrauen und es erfahren, wie »du

ihren Mut und ihre Kraft vermehrst, daß sie gehen und nicht ermatten,

daß sie laufen und nicht müde werden!« Wir sind ja in deiner Hand, wie

sehr wir auch bedroht sind, und nichts kann uns widerfahren, ohne daß es

von dir geschickt ist, und niemand stirbt, bevor seine Zeit verflossen,

die du ihm zugemessen hast! Soll ich da Furcht hegen in den bösen Tagen,

in denen meine Treue ja recht geprüft werden soll, wenn ich glaube, daß

es ein weiser und liebevoller Lenker ist, dessen Augen offen sind über

den Wegen aller Menschenkinder, und der über Leben und Gesundheit eines

jeden wacht; wenn ich glaube, daß « wir einen Gott haben, der da hilft, und

den Herrn, der vom Tode errettet!« O, Herr, vergib mir meine sündige

Schwäche, laß mich schöpfen aus der Quelle des Lebens, aus der

Gottesfurcht und den Schlingen des Todes entgehen. So sei denn ruhig,

meine Seele; weshalb bist du so niedergebeugt und stürmst in mir? Warte

auf den Herrn, denn ich soll ihm noch danken, daß er mein Helfer war! O

Herr, stärke mich, durch Unerschrockenheit deinen Namen zu verherrlichen

und ihn vor den kommenden Geschlechtern zu preisen. Zeige dich gütig

gegen mich, daß ich leben möge und deine Gebote halte.

Amen!

Tröstung.

Gott, wir hören deine Stimme durch die Welt erschallen--und

beben:--o Ewiger, erhalte deine Geschöpfe, denke im Zorn daran,

dich zu erbarmen, bevor die Jahre verrinnen, daß der Himmel mit

deiner Herrlichkeit erfüllt und die Erde deines Ruhmes werde. (Hab.

3.)

3. Der Herr ist meine Stärke, mein Schild! Auf ihn hofft mein Herz, und

mir ist geholfen; deshalb freut sich mein Geist, und auch meine Glieder

wohnen in Sicherheit. Wenn auch ein Unwetter rast, und giftige Dünste

sich ausbreiten, mein Herz fürchtet sich doch nicht, denn der Herr

stillt das brausende Meer und das Getöse der verheerenden Wogen. Ja, du,

Herr! hältst deine Hand über mich, daß kein Übel mich vernichte, wie

groß und gewaltig es auch sei. In deiner Hand, o Ewiger, ruhen ja meine

Lebenstage; welche Gefahr kann mir wohl drohen, wenn du mein Felsen

bist, an dem ich mich festhalte? Du bist ja mein Hirt, dessen Stab mich

leitet; du birgst mich in deiner Hütte zu der schlimmen Zeit und

bewahrst mich und alle die Meinigen vor Krankheit und Plage; denn wenn

du auch im Himmel thronst, so schaust du doch mit holdem Vaterblick auf

deine Menschenkinder herab. Du scheinst sie wohl für eine kleine Stunde

zu verlassen, aber wendest dich ihnen bald in deiner großen

Barmherzigkeit wieder zu. Deshalb will ich auf dich bauen, daß du mich

wie mit einer Mauer von Feuerflammen umgibst und mich errettest, daß ich

alle deine Wundertaten verkünden kann.

Amen!

Ergebenheit in Gottes Willen.

Und sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er half ihnen aus ihrer

Angst. (Ps. 107, 13.)

4. Umgeben von den Schrecknissen des Todes, umringt von den Ängsten der

Drangsale und der Betrübnis, sucht mein bekümmertes Herz dich, du Herr

des Lebens und des Todes, der die Stunde bestimmt hat, in der wir von

hier scheiden sollen, und ich bete zu dir, daß du meine Seele mit

Ergebung in deinen Willen erfüllen mögest, so daß ich vertrauensvoll

mich dir hingebe und spreche:»Siehe, hier bin ich, Allgütiger, tue mit

mir, wie dir am besten scheint!«(1. Sam. 15, 26.) Ach rings um mich her

rast ja die verheerende Krankheit, und der kalte Flügelschlag des Todes

trifft so viele, die noch so frisch und froh ins Leben dreinschauen; er

schont weder das Alter, noch die kraftvolle Jugend. Was kann da mein

Herz stärken, wenn es verzagen und verzweifeln will, als nur allein der

Gedanke, daß meine Zukunft, mein Schicksal in deiner lieben Hand ruht?

Du hast mir das Leben verliehen, und in deiner Macht steht es, dasselbe

wieder zurückzunehmen, aber gewiß wirst du es nicht tun, ohne daß auch

darin deine Liebe, deine Gnade sich mir offenbart.»Herr, in deine Hand

befehle ich meinen Geist; du wirst mich erlösen, wenn du es für gut

findest, du wahrhaftiger, getreuer Gott!«--Mit Sorgfalt will ich mich

vor allem hüten, wodurch ich leichtsinnig mein Leben in Gefahr bringen

könnte, und will suchen, dasselbe durch Mäßigkeit, durch Ordnung in

meinem Lebenswandel, durch einen wohlzufriedenen und ruhigen Sinn und

durch die Kunst und Klugheit des Arztes zu beschützen. Aber ich will

auch bereit sein, von hier zu scheiden und mich deshalb im Geiste mit

allen versöhnen, die irgendwie mich gekränkt oder beleidigt haben, und

ich will alle äußeren und inneren Angelegenheiten meines Lebens ordnen

und eine innige Gemeinschaft mit dir suchen, daß ich nicht unvorbereitet

vor dein Angesicht treten möge, wenn du mich zur Ewigkeit rufen

solltest.--Allgütiger! deinem Schutze und deiner Leitung befehle ich

mich und diejenigen, welche mir lieb und teuer sind. Dir überantworte

ich mein und ihr zeitweiliges und ewiges Wohl, und mein Herz ist ruhig

und gefaßt. Weshalb sollte mir vor dem Tode und seiner vernichtenden

Hand grauen? Mein Leben und meine Seligkeit ist ja in deiner Hand und

wird von deiner Liebe behütet, die stärker ist als der Tod. Deshalb

verzage nicht, meine Seele, sondern befiehl dem Herrn deine Wege und

hoffe auf ihn, denn er wird's wohl machen.

Amen!

Gebet um das Morgen-und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu

beschließen.

5. Herrscher der Welt! Ewiger, barmherziger Gott, der voll Güte und

Erbarmen ist, und in dessen Hand die Seelen aller Lebendigen ruhen, o,

gehe nicht ins Gericht mit uns, denn kein Menschenkind kann sich vor dir

rechtfertigen. Wie sollen wir, o Allmächtiger, unsere Schuld abbitten,

und womit uns vor dir verantworten? Wenn du uns unsere Sünde anrechnen

willst, wer könnte da vor deinem Zorn bestehen, aber erhöre uns um

deines heiligen Namens willen und blicke gnädig vom Himmel auf uns

nieder und laß mein und aller Gebete, die in dieser Zeit zu dir

aufsteigen, dir angenehm sein wie das reinste Rauchopfer, welches uns in

früheren Tagen deine Versöhnung und Errettung gewann. Vergib und

verzeihe diesem Volke seine Sünden in deinem großen Erbarmen, o du, der

du allen denen nahe bist, die dich in Wahrheit anrufen! Neige dein Ohr

unserer heißen Bitte und wende jede Krankheit und Seuche von uns ab;

errette alle, die in dieser Stadt und diesem Lande wohnen von Pest und

Plage! Laß deine Barmherzigkeit über uns alle, nah und fern, wachen, und

sende deinen Engel vor uns her, daß wir unerschrocken im Vertrauen auf

dich wandeln, und keine Plage sich unserer Wohnung nähere; heile uns, so

sind wir geheilt, hilf uns, so ist uns geholfen, denn du allein bist

unser Ruhm und unsere Zuflucht. Allerbarmer, treuer Arzt, alliebender

Vater! verbirg dein Angesicht nicht vor uns, sondern lausche in unserer

Not auf unsern Angstruf; schweige nicht zu unsern Tränen und züchtige

uns nicht in deinem Zorne; suche uns nicht heim in deinem Grimme, verlaß

uns nicht in unserem Kummer, verwirf uns nicht, wenn unsere Kräfte

schwinden, sondern erinnere dich deiner unendlichen Güte und behalte

zurück das schlimme Verhängnis; stärke die Schwachen, daß unsere Herzen

mit Mut erfüllt werden, und sei uns gnädig um deines heiligen Namens

willen. O, eile uns zu Hilfe, daß wir nicht unter dem Drucke der Leiden

erliegen, befreie uns von allem Bösen, und laß uns nicht unerhört von

deinem Angesichte gehen, sondern laß dein Antlitz uns in Gnade leuchten,

auf daß ich und wir alle uns deiner Hilfe freuen und durch deine Rettung

froh werden mögen.

Amen!

Danach lese man abwechselnd 2 von folgenden Psalmen Davids. 6. 20.

23. 25. 27. 30. 32. 33. 34. 38. 41. 88. 86. 90. 91. 102. 103. 116.

118. 121. 130. 143.

Ein anderes Gebet, um die Morgen-und Abendandacht zu beschließen.

6. Alliebender Vater! getreuer Gott, der du in deiner Langmut uns unsere

Sünden vergibst und alle unsere Krankheiten heilst, der du unser Leben

vom Grabe errettest und uns mit Güte und Barmherzigkeit krönst, o, neige

dein Ohr meinem und aller Gebet in dieser Zeit der Heimsuchung und sende

Heilung für mein zerknirschtes Herz! In Demut bekenne ich vor dir, daß

meine Sünden groß und zahlreich sind, ach, und daß keiner von uns vor

dir würde bestehen können, wenn du uns unsere Schuld anrechnen wolltest;

aber du vergiltst uns nicht nach unseren Missetaten! Denn so hoch der

Himmel über der Erde ist, so hoch erhebt sich deine Gnade über uns; du

erbarmst dich ja über uns, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt,

o laß denn deine Güte mit uns sein und zeige uns das Zeichen der

Errettung! Hilf uns unter allen schlimmen Heimsuchungen, unter all den

schweren Schickungen und Strafgerichten, welche du über die Welt

verhängst; sei uns nahe, während wir beten, zerteile die dunkle Wolke,

die sich über uns gelagert hat, und entferne von uns jede Krankheit und

Plage, ja errette uns von der bösen Seuche, die sich über so viele Lande

verbreitet hat! O, nimm dieses Unheil fort von deiner Erde und laß das

Verderben unsere Wohnung nicht erreichen; befreie uns von aller Angst,

vor der Pest, die im Dunkel einherschleicht, und vor der Plage, die in

der hellen Mittagsstunde Verderben bringt. Erfülle an uns deine

Zusage, »daß du denjenigen Speise und Trank segnen und von denen jede

Krankheit abwenden willst, die dir dienen! Und sind wir auch nicht

würdig, erhört zu werden, o, so tue es um der Unmündigen und Säuglinge

willen, die dein Reich auf Erden befestigen sollen, und die nicht

gesündigt haben! O, siehe unsere Reue, höre auf unser Seufzen, und laß

es uns erfahren, daß du keine schlimme Krankheit über uns kommen lassen

willst, wenn wir deiner Stimme gehorchen und tun, was recht vor deinen

Augen ist und deine Gebote halten, denn du, Allwissender, Ewiger, bist

unser Arzt! O, so heile denn mein zerknirschtes Herz, heile die Wunden

aller! Erbarme dich über alle diejenigen, welche von Bekümmernis, Leiden

oder Schmerzen ergriffen sind, sei allen denen nahe, die da krank sind,

unterstütze sie auf ihrem Lager, laß sie gesunden, verlängere die Zahl

ihrer Tage und schenke ihnen wieder ein freudenreiches Jahr! Laß die

Stimmen des Frohsinnes in unserem Lande wieder laut werden, laß die

Stunde der Freude aufs neue für diese Stadt erscheinen, daß wir in dein

Haus eilen und dir Dankopfer für die Errettung, die du uns gesandt hast,

darbringen können. Schenke mir und schenke uns allen Leben und Kraft,

deinen Namen zu preisen und zu bekennen, daß auch dieser bittere Kelch

zu unserm Seelenfrieden gedient, uns vom Verderben gerettet hat; denn »du

warfst alle unsere Sünden hinter uns.« O, laß die Worte meines Mundes,

die Gedanken meines Herzens dir gefallen, Herr, mein Erretter.

Amen!

Gebete für Israeliten · 第 40 / 46 题