Gebt dem Herrn, Eurem Gott, die Ehre, bevor er es finster werden
läßt, und bevor eure Füße anstoßen gegen die dunkle Höhe. (Jer. 13,
16.)
1. Allmächtiger Gott! Du erinnerst uns Menschenkinder daran, daß wir
Staub und Asche sind; denn über unsere Stadt ist die schlimme Zeit
hereingebrochen, von der es heißt: « Das Volk soll geängstigt werden und
umhergehen wie Blinde, weil es gegen mich gesündigt hat«(Zeph. 1, 17).
Ach, schon hören wir das Seufzen der Angst und bemerken die Zeichen des
Schreckens auf dem Antlitz vieler Leute, während unser Inneres bebt und
fragt: wer kann oder wird uns doch retten? Wir tappen umher in der
Finsternis, die sich über uns gelagert hat.--O du, dessen Barmherzigkeit
ohne Ende ist, dessen Güte sich mit jedem Morgen erneuert, sieh unsere
Bekümmernis, öffne unsere Augen und lehre uns begreifen, daß du es bist,
der Allbarmherzige, der diese Zeit über uns geschickt hat, auf daß wir
unsere Ohnmacht erkennen und uns überzeugen, daß du dich gegen dein
sündiges Kind als ein lieber Vater zeigst, der es wieder in Gnaden
annehmen will. Sende uns deinen Geist, daß diese Zeit der Heimsuchung zu
unserer Heiligung diene; denn ach, wir müssen bekennen, daß wir dich
lange nicht über alles in der Welt geliebt haben, wie wir es dir
schulden. Nicht auf dich haben wir unser Vertrauen gesetzt, sondern auf
vergängliche Dinge, auf schwache Menschen. Eitelkeit und Habsucht,
Hochmut und Haß, Neid und Wollust beherrschen uns. O lieber Gott, laß
uns deine Güte in dieser schlimmen Schickung erkennen, daß sie uns
läutere und reinige, und laß sie auch mich also rühren, daß ich zu dir
wieder mit getrostem Mute aufschauen kann, wie ein Kind zu seinem Vater,
in der Gewißheit, »daß du mich nur strafst, aber nicht auch dem Tode
hingibst.« O du, der du gut bist und gerne vergibst, der du Erbarmen
gegen den zeigst, der dich anruft, o vergib mir meine Sünden und laß
mich deine Vaterstimme hören, die mir zuruft:»Du bist nicht verlassen,
ich bin bei dir in der Not, ich will mich über dich erbarmen und will
dich aus derselben erlösen!« Erschaffe in mir ein reines Herz und einen
neuen, beständigen Geist erneuere in meinem Innern. Du, der du mein
Vater bist, mein ewiger Erlöser, gelobt sei dein Name.
Amen!
[Fußnote 89: Ps. 57, 11. 108, 2.]
Gebet um Mut.
Wenn ich mitten in Angst wandere, so erquickst du mich. (Ps. 138,
1.)
2.»Zu dir, o Gott, rufe ich, und bete, o, laß mein Seufzen nicht
unerhört zurückkehren.« Dich suche ich auf in dieser Zeit der Not und
nach dir strecke ich meine Hand aus in der Nacht, wenn nichts meine
bange Seele erquicken will, denn rings um mich her verbreitet der Tod
seine Schrecken, und der Mut verläßt mich. O, mein Vater, du bist bisher
mit mir gewesen, verlaß mich auch jetzt nicht, sondern erneuere in mir
deine gnadenreiche Verheißung:»Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir
in der Not; verzage nicht, ich bin dein Helfer; ich stärke dich und
behüte dich, ich unterstütze dich mit der Hand meiner
Gerechtigkeit.« Flöße mir Mut ein, daß ich, umringt von den Schrecknissen
des Todes, sicher ausrufen möge:»Der Herr ist mit mir, deshalb fürchte
ich nichts!« O, nicht nur um meinetwillen sondern auch für die, welche
verzagt und in des Todes Ängsten wandeln, bitte ich dich: gib mir Mut,
daß ich sie in ihrer Furcht beruhigen, daß ich zur Hilfe eilen könne, wo
jemand niedersinken will, und daß ich ihre angsterfüllten Herzen stärken
könne.--Ich bitte um Mut und Kraft für die, deren Beruf es ist, die
Kranken zu besuchen, daß sie auf dich vertrauen und es erfahren, wie »du
ihren Mut und ihre Kraft vermehrst, daß sie gehen und nicht ermatten,
daß sie laufen und nicht müde werden!« Wir sind ja in deiner Hand, wie
sehr wir auch bedroht sind, und nichts kann uns widerfahren, ohne daß es
von dir geschickt ist, und niemand stirbt, bevor seine Zeit verflossen,
die du ihm zugemessen hast! Soll ich da Furcht hegen in den bösen Tagen,
in denen meine Treue ja recht geprüft werden soll, wenn ich glaube, daß
es ein weiser und liebevoller Lenker ist, dessen Augen offen sind über
den Wegen aller Menschenkinder, und der über Leben und Gesundheit eines
jeden wacht; wenn ich glaube, daß « wir einen Gott haben, der da hilft, und
den Herrn, der vom Tode errettet!« O, Herr, vergib mir meine sündige
Schwäche, laß mich schöpfen aus der Quelle des Lebens, aus der
Gottesfurcht und den Schlingen des Todes entgehen. So sei denn ruhig,
meine Seele; weshalb bist du so niedergebeugt und stürmst in mir? Warte
auf den Herrn, denn ich soll ihm noch danken, daß er mein Helfer war! O
Herr, stärke mich, durch Unerschrockenheit deinen Namen zu verherrlichen
und ihn vor den kommenden Geschlechtern zu preisen. Zeige dich gütig
gegen mich, daß ich leben möge und deine Gebote halte.
Amen!
Tröstung.
Gott, wir hören deine Stimme durch die Welt erschallen--und
beben:--o Ewiger, erhalte deine Geschöpfe, denke im Zorn daran,
dich zu erbarmen, bevor die Jahre verrinnen, daß der Himmel mit
deiner Herrlichkeit erfüllt und die Erde deines Ruhmes werde. (Hab.
3.)
3. Der Herr ist meine Stärke, mein Schild! Auf ihn hofft mein Herz, und
mir ist geholfen; deshalb freut sich mein Geist, und auch meine Glieder
wohnen in Sicherheit. Wenn auch ein Unwetter rast, und giftige Dünste
sich ausbreiten, mein Herz fürchtet sich doch nicht, denn der Herr
stillt das brausende Meer und das Getöse der verheerenden Wogen. Ja, du,
Herr! hältst deine Hand über mich, daß kein Übel mich vernichte, wie
groß und gewaltig es auch sei. In deiner Hand, o Ewiger, ruhen ja meine
Lebenstage; welche Gefahr kann mir wohl drohen, wenn du mein Felsen
bist, an dem ich mich festhalte? Du bist ja mein Hirt, dessen Stab mich
leitet; du birgst mich in deiner Hütte zu der schlimmen Zeit und
bewahrst mich und alle die Meinigen vor Krankheit und Plage; denn wenn
du auch im Himmel thronst, so schaust du doch mit holdem Vaterblick auf
deine Menschenkinder herab. Du scheinst sie wohl für eine kleine Stunde
zu verlassen, aber wendest dich ihnen bald in deiner großen
Barmherzigkeit wieder zu. Deshalb will ich auf dich bauen, daß du mich
wie mit einer Mauer von Feuerflammen umgibst und mich errettest, daß ich
alle deine Wundertaten verkünden kann.
Amen!
Ergebenheit in Gottes Willen.
Und sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er half ihnen aus ihrer
Angst. (Ps. 107, 13.)
4. Umgeben von den Schrecknissen des Todes, umringt von den Ängsten der
Drangsale und der Betrübnis, sucht mein bekümmertes Herz dich, du Herr
des Lebens und des Todes, der die Stunde bestimmt hat, in der wir von
hier scheiden sollen, und ich bete zu dir, daß du meine Seele mit
Ergebung in deinen Willen erfüllen mögest, so daß ich vertrauensvoll
mich dir hingebe und spreche:»Siehe, hier bin ich, Allgütiger, tue mit
mir, wie dir am besten scheint!«(1. Sam. 15, 26.) Ach rings um mich her
rast ja die verheerende Krankheit, und der kalte Flügelschlag des Todes
trifft so viele, die noch so frisch und froh ins Leben dreinschauen; er
schont weder das Alter, noch die kraftvolle Jugend. Was kann da mein
Herz stärken, wenn es verzagen und verzweifeln will, als nur allein der
Gedanke, daß meine Zukunft, mein Schicksal in deiner lieben Hand ruht?
Du hast mir das Leben verliehen, und in deiner Macht steht es, dasselbe
wieder zurückzunehmen, aber gewiß wirst du es nicht tun, ohne daß auch
darin deine Liebe, deine Gnade sich mir offenbart.»Herr, in deine Hand
befehle ich meinen Geist; du wirst mich erlösen, wenn du es für gut
findest, du wahrhaftiger, getreuer Gott!«--Mit Sorgfalt will ich mich
vor allem hüten, wodurch ich leichtsinnig mein Leben in Gefahr bringen
könnte, und will suchen, dasselbe durch Mäßigkeit, durch Ordnung in
meinem Lebenswandel, durch einen wohlzufriedenen und ruhigen Sinn und
durch die Kunst und Klugheit des Arztes zu beschützen. Aber ich will
auch bereit sein, von hier zu scheiden und mich deshalb im Geiste mit
allen versöhnen, die irgendwie mich gekränkt oder beleidigt haben, und
ich will alle äußeren und inneren Angelegenheiten meines Lebens ordnen
und eine innige Gemeinschaft mit dir suchen, daß ich nicht unvorbereitet
vor dein Angesicht treten möge, wenn du mich zur Ewigkeit rufen
solltest.--Allgütiger! deinem Schutze und deiner Leitung befehle ich
mich und diejenigen, welche mir lieb und teuer sind. Dir überantworte
ich mein und ihr zeitweiliges und ewiges Wohl, und mein Herz ist ruhig
und gefaßt. Weshalb sollte mir vor dem Tode und seiner vernichtenden
Hand grauen? Mein Leben und meine Seligkeit ist ja in deiner Hand und
wird von deiner Liebe behütet, die stärker ist als der Tod. Deshalb
verzage nicht, meine Seele, sondern befiehl dem Herrn deine Wege und
hoffe auf ihn, denn er wird's wohl machen.
Amen!
Gebet um das Morgen-und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu
beschließen.
5. Herrscher der Welt! Ewiger, barmherziger Gott, der voll Güte und
Erbarmen ist, und in dessen Hand die Seelen aller Lebendigen ruhen, o,
gehe nicht ins Gericht mit uns, denn kein Menschenkind kann sich vor dir
rechtfertigen. Wie sollen wir, o Allmächtiger, unsere Schuld abbitten,
und womit uns vor dir verantworten? Wenn du uns unsere Sünde anrechnen
willst, wer könnte da vor deinem Zorn bestehen, aber erhöre uns um
deines heiligen Namens willen und blicke gnädig vom Himmel auf uns
nieder und laß mein und aller Gebete, die in dieser Zeit zu dir
aufsteigen, dir angenehm sein wie das reinste Rauchopfer, welches uns in
früheren Tagen deine Versöhnung und Errettung gewann. Vergib und
verzeihe diesem Volke seine Sünden in deinem großen Erbarmen, o du, der
du allen denen nahe bist, die dich in Wahrheit anrufen! Neige dein Ohr
unserer heißen Bitte und wende jede Krankheit und Seuche von uns ab;
errette alle, die in dieser Stadt und diesem Lande wohnen von Pest und
Plage! Laß deine Barmherzigkeit über uns alle, nah und fern, wachen, und
sende deinen Engel vor uns her, daß wir unerschrocken im Vertrauen auf
dich wandeln, und keine Plage sich unserer Wohnung nähere; heile uns, so
sind wir geheilt, hilf uns, so ist uns geholfen, denn du allein bist
unser Ruhm und unsere Zuflucht. Allerbarmer, treuer Arzt, alliebender
Vater! verbirg dein Angesicht nicht vor uns, sondern lausche in unserer
Not auf unsern Angstruf; schweige nicht zu unsern Tränen und züchtige
uns nicht in deinem Zorne; suche uns nicht heim in deinem Grimme, verlaß
uns nicht in unserem Kummer, verwirf uns nicht, wenn unsere Kräfte
schwinden, sondern erinnere dich deiner unendlichen Güte und behalte
zurück das schlimme Verhängnis; stärke die Schwachen, daß unsere Herzen
mit Mut erfüllt werden, und sei uns gnädig um deines heiligen Namens
willen. O, eile uns zu Hilfe, daß wir nicht unter dem Drucke der Leiden
erliegen, befreie uns von allem Bösen, und laß uns nicht unerhört von
deinem Angesichte gehen, sondern laß dein Antlitz uns in Gnade leuchten,
auf daß ich und wir alle uns deiner Hilfe freuen und durch deine Rettung
froh werden mögen.
Amen!
Danach lese man abwechselnd 2 von folgenden Psalmen Davids. 6. 20.
23. 25. 27. 30. 32. 33. 34. 38. 41. 88. 86. 90. 91. 102. 103. 116.
118. 121. 130. 143.
Ein anderes Gebet, um die Morgen-und Abendandacht zu beschließen.
6. Alliebender Vater! getreuer Gott, der du in deiner Langmut uns unsere
Sünden vergibst und alle unsere Krankheiten heilst, der du unser Leben
vom Grabe errettest und uns mit Güte und Barmherzigkeit krönst, o, neige
dein Ohr meinem und aller Gebet in dieser Zeit der Heimsuchung und sende
Heilung für mein zerknirschtes Herz! In Demut bekenne ich vor dir, daß
meine Sünden groß und zahlreich sind, ach, und daß keiner von uns vor
dir würde bestehen können, wenn du uns unsere Schuld anrechnen wolltest;
aber du vergiltst uns nicht nach unseren Missetaten! Denn so hoch der
Himmel über der Erde ist, so hoch erhebt sich deine Gnade über uns; du
erbarmst dich ja über uns, wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt,
o laß denn deine Güte mit uns sein und zeige uns das Zeichen der
Errettung! Hilf uns unter allen schlimmen Heimsuchungen, unter all den
schweren Schickungen und Strafgerichten, welche du über die Welt
verhängst; sei uns nahe, während wir beten, zerteile die dunkle Wolke,
die sich über uns gelagert hat, und entferne von uns jede Krankheit und
Plage, ja errette uns von der bösen Seuche, die sich über so viele Lande
verbreitet hat! O, nimm dieses Unheil fort von deiner Erde und laß das
Verderben unsere Wohnung nicht erreichen; befreie uns von aller Angst,
vor der Pest, die im Dunkel einherschleicht, und vor der Plage, die in
der hellen Mittagsstunde Verderben bringt. Erfülle an uns deine
Zusage, »daß du denjenigen Speise und Trank segnen und von denen jede
Krankheit abwenden willst, die dir dienen! Und sind wir auch nicht
würdig, erhört zu werden, o, so tue es um der Unmündigen und Säuglinge
willen, die dein Reich auf Erden befestigen sollen, und die nicht
gesündigt haben! O, siehe unsere Reue, höre auf unser Seufzen, und laß
es uns erfahren, daß du keine schlimme Krankheit über uns kommen lassen
willst, wenn wir deiner Stimme gehorchen und tun, was recht vor deinen
Augen ist und deine Gebote halten, denn du, Allwissender, Ewiger, bist
unser Arzt! O, so heile denn mein zerknirschtes Herz, heile die Wunden
aller! Erbarme dich über alle diejenigen, welche von Bekümmernis, Leiden
oder Schmerzen ergriffen sind, sei allen denen nahe, die da krank sind,
unterstütze sie auf ihrem Lager, laß sie gesunden, verlängere die Zahl
ihrer Tage und schenke ihnen wieder ein freudenreiches Jahr! Laß die
Stimmen des Frohsinnes in unserem Lande wieder laut werden, laß die
Stunde der Freude aufs neue für diese Stadt erscheinen, daß wir in dein
Haus eilen und dir Dankopfer für die Errettung, die du uns gesandt hast,
darbringen können. Schenke mir und schenke uns allen Leben und Kraft,
deinen Namen zu preisen und zu bekennen, daß auch dieser bittere Kelch
zu unserm Seelenfrieden gedient, uns vom Verderben gerettet hat; denn »du
warfst alle unsere Sünden hinter uns.« O, laß die Worte meines Mundes,
die Gedanken meines Herzens dir gefallen, Herr, mein Erretter.
Amen!