Dr. Irmler, der schon lange eine kleine Studienreise vorbereitet hatte,
packte jetzt seinen Koffer für eine kurze Italienfahrt. Länger als vierzehn
Tage gedachte er keineswegs weg zu bleiben. Aber auch während dieses
Zeitraumes wäre es ihm ein drückender Gedanke gewesen, Lux allein in der
Obhut der alten Hausverwalterin zu lassen. Er mußte sich sagen, daß er
bei ihr auf das Beste aufgehoben sei, was ihre Gewissenhaftigkeit und
ihre Zuneigung für den Knaben betraf; allein sie war alt, manchen Zufällen
höherer Jahre bereits ausgesetzt und nicht mehr immer Herr ihrer physischen
Kräfte. Ein zweiter Dienstbote war auf so kurze Zeit nicht zu beschaffen
und wäre auch wenig nützlicher gewesen, als die Hilfe eines kleinen
Schulmädchens, das statt dessen der Alten zur persönlichen Dienstleistung
beigegeben wurde. Dieses aber konnte weiter keine Beruhigung bieten, was
Luxens Pflege und persönliche Sicherheit anging.
Daß Dr. Irmler um seinen einzigen Knaben besorgt war, konnte ihm keiner
verdenken. Ihm war aus einem großen, wenn auch kurzen Glück nur dieses
eine Pfand einer seltenen Liebesgemeinschaft geblieben. Dazu kam, daß
die beabsichtigte Reise ihn wieder an jenen Ort führen würde, wo er die
glücklichsten Tage seines Lebens mit der Verstorbenen zusammen verlebt, wo
er sie zum ersten Male gesehen und sich sogleich in sie verliebt hatte. Das
war in Venedig gewesen, während einer Überfahrt nach dem Lido, wo sie auf
überfülltem Boot in drangvoller Enge ihm gegenüber gesessen hatte, so daß
er dem Zauber ihrer blonden Schönheit, wollend oder nicht wollend, geduldig
standhalten mußte. Alles dieses lebte in der Erinnerung wieder auf und
machte ihn besonders weich und bewegt und erschwerte ihm die Trennung
von dem Knaben. Doch die Reise mußte gemacht werden, und so ging er kurz
entschlossen und herzlich dankbar auf Frau Elisabeths Vorschlag ein, die
Lux solange zu sich ins Haus nehmen wollte.
Einigermaßen verwundert war er, daß Lux diese Lösung nicht erfreuter
aufnahm; war doch der Knabe bisher in der Nachbarvilla auf das vertrauteste
aus- und eingegangen und hing mit einer etwas scheuen, aber echten
Zuneigung an der »Tante«! Und daß es nicht nur die Tante war, der die
Anhänglichkeit galt, das war ihm als aufmerksamer Vater auch nicht
entgangen, und er hatte sich des guten Einvernehmens, das zwischen Lux und
Blanche herrschte, aufrichtig gefreut. Hätte die Vorbereitung zu der Reise
ihn nicht in Anspruch genommen, so wäre ihm die Verstimmung, die zwischen
den Kindern herrschte, gewiß nicht verborgen geblieben; jetzt war er
nicht wenig erstaunt, statt eines jubelnden Einverständnisses ein bloßes
Sichfügen bei Lux anzutreffen.
»Freust du dich nicht?« fragte er.
»O doch,« antwortete der Knabe mehr hastig als freudig.
»Fehlt dir etwas?«
Dr. Irmler sah besorgt in das etwas blasse Gesicht, das ihm einen Grad
schmäler und zarter erscheinen wollte.
»Du kommst ja bald wieder,« erwiderte Lux auf die besorgte Frage, konnte
aber einer plötzlichen Gemütsbewegung nicht Herr werden und brach in ein
heftiges Schluchzen aus.
Bestürzt schloß der Vater den Knaben in seine Arme und tröstete ihn. Die
vierzehn Tage würden ja schnell vorübergehen. Bei der Tante hätte er es
gewiß gut. Er hätte die Gespielen immer um sich, und Frau Elisabeth würde
schon für manche kleine Zerstreuung sorgen.
Frau Elisabeth tat das ihre, Lux heiter zu stimmen. »Laß den Papa nur
reisen,« sagte sie fröhlich, »wir wollen uns schon ohne ihn vergnügte Tage
machen. Blanche und Manuel freuen sich auch schon darauf. Das soll aber
hübsch werden.«
Lux beruhigte sich denn auch bald.
Frau Elisabeth freute sich, eine Gelegenheit zu haben, dem einstigen Retter
ihres Kindes einmal ihre Dankbarkeit durch eine wirkliche Gegenleistung
zu zeigen. Und noch ein anderes bewegte sie: ihren mütterlichen Augen
war nicht entgangen, daß Blanche sich in der letzten Zeit mehr dem neuen
Hausgenossen zuwandte und ihren alten Spielkameraden vernachlässigte. Doch
hatte sie kaum Veranlassung gehabt, sich hinein zu mengen. Auch war sie
klug genug, zu wissen, daß das unter Umständen mehr schaden als nützen
konnte. Sie selbst hatte in ihrer Jugend durch zudringliche Störung
kindlicher Neigung ihren ersten seelischen Schmerz erlitten. Ein
freundschaftliches Gefühl von unbewußter Innigkeit war ihr als etwas
Besonderes und eigentlich Unziemliches hingestellt und durch unüberlegte,
alberne Neckereien aus einem harmlosen, stillen Glücksgefühl zu etwas
Quälendem und Beschämendem gemacht worden.
Dessen hatte sie sich erinnert, und hatte die Freundschaft zwischen Lux und
Blanche weder gefördert noch gehindert, sondern hatte sie gewähren lassen.
Ein etwas wachsameres Auge hatte sie auf Manuel gehabt, dessen frühreife
Manieren und südländische Lebendigkeit Blanche sehr zu imponieren schienen.
Doch hatte sie hinlänglich Beweise von dem graden und ritterlichen
Charakter des kleinen neuen Hausgenossen, um einen nachteiligen Einfluß auf
ihr Töchterchen zu befürchten. Dennoch war es ihr lieb, den Beiden jetzt
Lux auf längere Zeit zu engerem Verkehr zugesellen zu können. Lux, obgleich
nur um ein Jahr jünger, war doch um mindestens drei Jahre kindlicher als
der kleine Afrikaner. Der war in einem reichen Hause aufgewachsen, wo
unterwürfige farbige Diener den Herrensohn früh verwöhnten. Nachher,
in Paris, fern von der Heimat und den Eltern, war Manuel erst recht
selbständig geworden und hatte sich manche Manieren der Erwachsenen
angeeignet. Seine Höflichkeit des Handküssens hatte Frau Elisabeth zuerst
bei einem so jungen Knaben befremdet, doch lag so viel Natürlichkeit
und Ritterlichkeit darin, daß sie nicht für berechtigt hielt, ihm diesen
Handkuß zu verbieten. Nur als sie gewahrte, daß er anfing, auch Blanche
in dieser Weise zu begrüßen, erhob sie Einspruch; solches wäre hierzulande
unter Kindern nicht Sitte, die schüttelten sich herzhaft die Hände, und das
wäre auch ein hübscher Gruß. Manuel nahm diese Belehrung mit bescheidenem
Lächeln auf, und sie sah ihn nie wieder ihrem Töchterchen die Hand küssen.
Daß er es trotzdem oft tat, wenn die Kinder unter sich waren, wußte sie
nicht. Und Lux, der es einmal als ungewollter Zeuge gesehen hatte, hütete
sich, diese schlimmste Ursache seiner kindlichen Betrübnis zu verraten. Er
hätte sich geschämt, davon zu sprechen. Aber seinem Herzen tat es weh.
Wohl hundert Mal nahm er sich vor, es dem anderen nachzutun, aber nie
brachte er es über sich; unschlüssig überlegte er: küßt du ihr nun die
Hand, oder begnügst dich mit einem Händedruck? Und vor lauter Überlegung
fiel denn auch wohl noch dieser Händedruck nur schwach und gleichsam
versuchsweise aus; zum Befremden der wenig nachdenklichen Blanche.
»Was hat er nur? Hab ich ihm etwas getan? Komischer Junge.«
Damit war es für sie abgetan. Sie merkte gar nicht, daß Lux ihr
gleichgültiger wurde. Manuel machte ihr mehr Spaß.
»Der Lux ist jetzt immer so langweilig,« sagte sie.
Trotzdem freute sie sich aufrichtig, daß Lux auf ein paar Wochen zu ihnen
ins Haus kommen sollte.
Zu dritt war es am Ende noch lustiger. Was wollten sie alles aufstellen!
Obendrein standen die Ferien vor der Tür, und das war immer eine schöne
Zeit. Die Mutter hatte schon, wie alljährlich in dieser Sommerzeit,
Ausflüge mit ihnen geplant. Da sollten die beiden Jungen aber Augen machen!
Lux war wohl schon einmal mit gewesen, wenn auch nicht so gar weit.
Aber Manuel kannte noch nichts von der Gegend. Wenn sie dann zusammen im
Eisenbahnwagen sitzen würden, natürlich am Fenster, und alles flöge so
lustig schnell an ihnen vorüber, und sie würde es ihm zeigen: das ist
Neudorf und das ist Birkendorf und das ist Bentheim, und in dem Walde
dahinten sind wir mal mit Papa gewesen; und wenn sie dann durch die Heide
liefen, oder noch schöner am Seestrande, barfuß, und die Wellen so kühl und
erquickend heranrollten und bis an die Knöchel herauf schäumten, wie schön
würde das sein. Und das Schanzen aufwerfen und Burgen aufbauen! Und das
Bootfahren!
Ob Manuel wohl Angst vor dem Wasser hätte? Sie hatte es. Nur ein ganz klein
wenig.
Aber Manuel war ja doch über das Meer gekommen. Und die große Stadt in
Afrika, wo er zuhause war, lag ja unmittelbar am Meer. Am Ende würde sie
ihm gar nichts Neues zeigen können.
Das betrübte sie etwas. Was war sie doch für ein Dummchen gegen ihn. Aber
dafür war er ja auch ein Knabe und war fast zwei Jahre älter als sie. In
zwei Jahren würde sie auch noch viel lernen und sehen und erleben. Doch
die Einsicht in ihre Unwissenheit hielt nie lange vor. Später! später! Das
würde alles schon kommen, wie es kommen sollte.
Manuel lebte wie Blanche in den Tag hinein, und genoß mit Behagen die
Freiheit, deren Ende freilich mit dem Schulanfang immer näher rückte. Doch
waren es Wochen, die ihm noch gegönnt waren. Inzwischen las er leichte,
deutsche Bücher, die Frau Elisabeth ihm gab, und schrieb jede Woche seinem
Vater einen deutschen Brief, dessen Inhalt sich immer ziemlich gleich
blieb; ungelenke, mit dem Ausdruck und mehr noch mit der Orthographie
ringende Briefe. Schnelle Fortschritte machte er im Sprechen; und zwar
verdankte er diese raschen Erfolge weniger Frau Elisabeth und den anderen
Hausgenossen, als seiner kleinen Freundin Blanche, deren Plappermaul nie
lange still stand.
Er hatte in einem Brief an den Vater begeisterte Schilderungen von Blanche
gemacht, die der vielbeschäftigte und viel reisende Kaufherr und Lebemann
mit einem flüchtigen Lächeln gelesen haben mochte; ihm aber waren sie
Ausdruck seines Heiligsten: Blanche war für sein ungestümes Knabenherz
alles, ersetzte ihm Heimat und Elternhaus.
Er hielt ein abgelegtes blaues Haarband und ein altes Schreibheft von ihr
als köstliche Besitztümer verwahrt. Das kleine Heiligenbild über seinem
Bett hörte oft ihren Namen, wenn er sie in sein Gebet einschloß, oder
in Gedanken an sie verloren, halblaut diesen schönen Namen stammelte,
in dessen romanischem Klang ihn Verwandtes grüßte, und in dem so viel
Reinheit, Jugend und Süße lag.
Blanche!
Er kannte eine halbe Strophe eines französischen Liedes, in der dieser Name
vorkam, und er wurde nicht müde, sie vor sich hin zu trillern.
»Blanche, petite Blanche!«
Auf dem Schulweg trug er ihr die Mappe bis zum kleinen Bahnhof, von wo aus
sie der Zug in einer Viertelstunde in die Stadt führte. Sonst hatte Lux ihr
die Mappe getragen, konnte es aber nicht ändern, daß Manuel ihm nun
immer zuvorkam. Dieser ging übrigens nicht mit auf den Perron, sondern
verabschiedete sich schon vorher; denn sie trafen auf dem Bahnhof noch
einige andere Knaben und Mädchen, die in die Schule fuhren, und deren
Anstarren ihm unangenehm war. War man denn als Ausländer ein wildes Tier
für diese dummen deutschen Kinder? Eine häßliche Unsitte, dieses Anglotzen
eines Fremden. Daß er dunkler war als sie, sahen sie doch mit einem halben
Blick. Und was war denn sonst an ihm, was ihre Aufmerksamkeit immer aufs
neue wieder erregen konnte? Er wußte ja nicht, daß Blanche es war, die mit
ihren Erzählungen diese Unart nährte.
Keinem, keinem hätte er ein Wort über Blanche gesagt; ganz allein
ihm gehörte sie und den Heiligen, deren Schutz er sie mit kindlicher
Frömmigkeit empfahl. Was ging es andere an, was er über Blanche dachte, was
er für sie empfand; nur ihr selbst es mit tausend kleinen Aufmerksamkeiten
und Artigkeiten zu zeigen, war er beflissen. Ihre Mutter hatte ihm den
Handkuß untersagt; aber was ihm alte Gewohnheit war, konnte er nicht sobald
lassen und tat es jetzt heimlich und mit dem Bewußtsein einer verbotenen
Huldigung. Dieses war das einzige, was er sich vorzuwerfen hatte. Er
hätte sonst nie eine Lüge über seine Lippen gebracht; in diesem Falle aber
entschuldigte er sich vor seinem Herzen.
Blanche! Blanche! jubelte dieses heiße Knabenherz, wenn sie ihm
entgegenkam, schlank, schwebend, ganz Licht in dem Strahlenkranz ihrer
goldenen Haare, und ihm schon von weitem ihre feine schlanke Hand mit den
etwas langen Fingern entgegenstreckte.
Blanche!
Und dann sollte er diese Hand wieder fahren lassen, ohne sie zu küssen?
Mochte es nicht Sitte sein in diesem kühlen Lande, und mochte der blasse
Lux nie die Hand der kleinen Blanche küssen, ihm sollte man es nicht
wehren. Und bei der Vorstellung, daß auch Lux diese Hand küssen könne, zog
sich eine feine Falte zwischen den schwarzen Augenbrauen zusammen.
Manuel war denn auch der einzige, der sich nicht auf Lux freute. Mochte
er doch zum Spielen herüberkommen. Aber daß er nun auch das Zimmer mit
ihm teilen sollte, gefiel ihm nicht. Frau Elisabeth hatte es ihm schon
angekündigt. Freilich nur in Form einer Frage, ob er wohl auf vierzehn Tage
Lux bei sich aufnehmen wolle. Gewiß wollte er, er durfte doch nicht nein
sagen, aber erfreut war er nicht. Nicht, daß er den Nachbarssohn fürchtete;
aber Lux würde die wenigen Stunden, die Manuel bisher mit Blanche allein
sein durfte, stören. Und das war Grund genug, ihn zu hassen.
Doch der Tag rückte heran, an dem Lux übersiedeln sollte. Dr. Irmler hatte
seinen Koffer gepackt und kam nun am Abend vor seiner Abreise mit Lux
herüber, um sich zu verabschieden und seinen Knaben in die Hände der
verehrten Pflegerin abzuliefern. Man saß nach dem Tee in der offenen
Veranda in angeregtem Gespräch über Italien, das beiden Gatten nicht fremd
war, und die Kinder durften dabei sein und sich still verhalten. Manuel
und Blanche wären lieber noch in den Garten gegangen, aber Lux wollte sich
begreiflicherweise in der letzten Stunde nicht vom Vater trennen und stand
an dessen Seite, von seinem Arm umschlungen.
Manuel dachte an seinen Vater. So zärtlich hatte der ihn nie umfaßt.
Selten, daß er einen Kuß von ihm bekommen hatte. Auch als er sich zuletzt
auf dem Bahnhof von ihm verabschiedete, hatte er ihm nur die Hand gegeben
und sie fast geschäftsmäßig geschüttelt.
Ein tiefes Heimweh nach Liebe und Mutterarmen packte ihn. Wie lange hatte
er sie entbehren müssen. Seine Mutter, von der er fast nie sprach, war eine
träge, indolente Südländerin, und der Vater ging ganz in seinen Geschäften
auf. Ein einziges Briefchen erst hatte er von der Mutter bekommen, der das
Schreiben eine körperliche und mehr noch geistige Anstrengung war. Wohl
liebte er sie und er hätte sie nicht leiden sehen können, aber die Trägheit
ihres Gefühlslebens hatte auch die Äußerungen seiner Neigung mehr und
mehr erschlaffen lassen. Nur Nushat war es, an die Manuel mit Zärtlichkeit
dachte. Sie allein hatte wohl einmal ihren Arm um seinen Hals gelegt und
hatte ihm sanfte Worte gesagt. Die braune Tochter Arabiens stand plötzlich
vor seinen Augen und verdunkelte sogar die lichte Blanche, so daß er
sich gänzlich fremd und verlassen in diesem Kreise vorkam, und mit einem
feindlichen Gefühl als stiller und übelwollender Beobachter in seiner Ecke
sitzen blieb.
Lux aber war nicht nur bei seinem Vater Liebkind an diesem Abend, sondern
auch Frau Elisabeth und ihr Gatte waren geflissentlich freundlich und
aufmunternd zu ihm, um ihm die Trennung leichter zu machen und ihm gleich
zu zeigen, daß sie es gut mit ihm meinten, und er hier wohl geborgen sei.
Und auch Blanche, dem Beispiel ihrer Eltern folgend, war freundlicher gegen
Lux, als sonst wohl in der letzten Zeit.
Nachher, als Dr. Irmler Lux den Gute Nachtkuß gab und in sein eigenes Heim
hinüberging, war Lux wieder dem Weinen nahe; doch er beherrschte sich und
stieg still mit Manuel in ihr gemeinsames Stübchen hinauf.
Still kleideten sie sich aus. Jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt,
und wollte von dem anderen nichts, als unbehelligt gelassen werden.
»Soll ich auslöschen?« fragte Manuel.
»Ja, bitte.«
Es wurde dunkel in der kleinen Kammer und still, nur das feine, hastige
Ticken zweier Taschenuhren erfüllte als einziges, leises Geräusch den Raum,
und ab und an knarrte eine der Bettstellen.
Manuel konnte nicht einschlafen. Zum ersten Mal hatte er sein Nachtgebet
leise hergesagt und den lieben Namen Blanche nicht ausgesprochen. Seine
Gedanken waren zerstreut, halb drüben in der Heimat und nur zur Hälfte
hier, wo er sich zum ersten Male fremd und verlassen vorkam. Lux schlief
schon lange, mit ruhigen, leisen Atemzügen, als Manuel noch wach lag, das
Gesicht in die Kissen drückte und leidenschaftlich weinte.
[Illustration]