Statt der festlichen Tafel, die an jenem Abend in der Barden

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einem abschließenden Punkt vereinheitlicht.

Fußnoten stehen am Ende des jeweiligen Absatzes.

Die Missionswerbung des vorderen inneren Umschlagdeckels wurde an

das Ende des Textes hinter die Verlagswerbung geschoben.

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Ermesinde

Historische Erzählung

aus dem 12. und 13. Jahrhundert

von P. N. G. _=S. C. J.=_

nach dem Französischen

von #Th. |Zenner|#

[Illustration]

1928

Arlon — Buchdruckerei A. Willems.

_Cùm permissù Sùperiorùm_

[Illustration]

1. Kapitel.

Die Fahrt zur Jagd

Frühjahr eintausend einhundert siebenundachtzig.

Unabsehbar blaut der Himmel. Lautlos stieg sein klares Bild, ungemessen

tief ins dunkle, träge Wasser, das die Alzette in kurzgeschweiftem

Bogen majestätisch ernst um die schroffen Felsen schlingt, die zu

Luxemburg das Schloß der Grafen tragen.

Doch was ist das für ein Singen und Klingen heute, droben in der sonst

so vornehm stillen Burg? Es grüßen die Fahnen, im schwachen Winde

knattern die Wimpel und Oriflammen; und von den Zinnen, gegen Osten und

Westen, gegen Süden und Norden, schallen von Zeit zu Zeit weithin

getragen die frohen Klänge der Hörner und Trompeten. Bis zum

Grünenwald, bis zum Baumbusch hinüber dringt ihr fester Schall und

weckt in deren tiefen, waldigen Gründen ein hundertfältiges,

begeistertes Echo.

Tauftag ist.

Ein kleines, blondes Mägdlein hat seinen Einzug ins gräfliche Schloß

gehalten. Hat freudigen Empfang gefunden bei groß und klein, aber ganz

besonders im Herzen seiner fürstlichen Eltern, des großmächtigen Herrn

Heinrich, Grafen von Luxemburg und Namür und dessen edler Gattin, der

Dame Agnes, Tochter des Grafen von Geldern und Zütphen.

[Illustration: Die ehemalige Burg der Grafen von Luxemburg.]

Und heute zieht vom Benediktiner–Münster herauf der vieledle,

hochwürdige Priester und Abt, Everwinus. Der soll dem fürstlichen

Menschenkind den Stempel eines Gotteskindes aufdrücken und ihm im

Sakrament der heiligen Taufe einen Namen geben, den fortab das

Luxemburger Land als einen seiner schönsten und größten Namen kennen

und nennen wird: |Ermesinde|.

In Freuden verfließt der Rest des Tages.

Schon funkeln die nächtlichen Sterne. Aus dem Düster der Alzette

glitzert ihr zitterndes Bild. Da rüsten sich die letzten der Gäste, die

Herren von Körich und Ritter von Ansemburg, zur späten Heimkehr.

Gehobenen Herzens drücken sie dem Grafen Heinrich die Hand. „Ein

verheißungsvoller Anfang!“ rühmen sie, „möge dem hochedlen Kinde, Euerm

Töchterlein, ein langes, glückliches Leben leuchten! Gute Nacht, Herr

Graf! Auf baldiges Wiedersehen und frohes Weiterfeiern!“

Unter diesem Weiterfeiern verstanden sie den alten, landläufigen

Gebrauch, demzufolge ein freudiges Familienereignis mit einer großen,

aufwandreichen Jagd zu beschließen war, an der die befreundeten

Adelsgeschlechter der ganzen Gegend teilnehmen durften.

Graf Heinrich griff die Andeutung auf. Am anderen Tage ergingen die

Einladungen. Als Tag der Veranstaltung sollte der Pfingstdienstag

gelten, als Ort das wald– und wildreiche Gelände der Bardenburg.

Sie lag ungefähr vier Wegestunden von Luxemburg entfernt und bildete

die Krone eines anmutigen Hügels, der auf dem linken Ufer der Eisch den

Eingangs eines lauschigen Tälchens schützt[1].

[1] Ungefähr 20 Minuten südwestlich vom heutigen Dorfe Eischen.

Schon seit Jahrhunderten war dieses Tälchen berühmt. Geisterhaft

murmelte in ihm ein frisches, klares Wasser, von dem die Legende

berichtet, daß es seinerzeit den heidnischen Bewohnern der Gegend als

Gottheit gegolten hätte. Heidnische Priester und Sänger, „Barden“

genannt, nahmen an der rauschenden Quelle Aufenthalt und dauernden

Wohnsitz. So konnten sie aus nächster Nähe die Feierlichkeiten zu Ehren

der vermeintlichen Gottheit leiten. Sie erbauten auch das Schloß, das

von ihnen seinen Namen herleitete.

In christlicher Zeit erschienen die Boten des Evangeliums. Die

Finsternis des Heidentums verschwand. Mit ihr die Barden.

An der klaren Quelle baute ein schlichter Eremit sein bescheidenes

Hüttlein. Das Wasser weihte man der allerseligsten Jungfrau, und ein

einfaches, ebendaselbst errichtetes Kirchlein wurde Wallfahrtsort und

Heiligtum der Muttergottes.

Ins verlassene Bardenschloß zogen die römischen Legionen. Jahrhunderte

lang diente es ihnen als Festung.

Dann kam der Verfall. Wie mancher schwere Stein bröckelte aus den

verwitternden Mauern und rollte dröhnend zu Tal! Wie mancher fand sein

nasses Grab drunten in den rauschenden Wassern der Eisch!

Erst später lebte die Herrlichkeit wieder auf. Unter der Herrschaft der

Grafen von Luxemburg wurde die Feste wieder aufgebaut, vergrößert und

verschönert. In jahrelanger, mühsamer und kostspieliger Arbeit erstand

die zweite, wunderbar herrliche Residenz, nach der Graf Heinrich auf

den Dienstag nach Pfingsten seine Getreuen beschieden hatte.

Hell und heiter ging der Tag auf. Als ob die Sonne ihr Bestes,

ungetrübten Glanz, spenden wolle, um den Tag des fürstlichen Kindes,

das nun 6 Wochen alt geworden war, geziemend auszuzeichnen.

Im Osten des Landes wimmelte es auf Wegen und Stegen von frommen

Pilgern, die singend und betend gegen Echternach zogen, zur

kreuzgeformten, nunmehr 40jährigen Basilika, unter deren schützenden

Gewölben der Apostel der Friesen, St. Willibrod, tot von den Mühen

seines bischöflichen Amtes ausruhte. Gegen Westen aber ging die

Jagdfahrt des Grafen Heinrich.

Alte Heeresstraße Luxemburg–Arlon! Sollst du je zwischen deinen Bäumen

einen herrlicheren Zug gesehen haben?

An der Spitze schreiten die Waffenknechte. Ha! wie die spiegelblanken

Helme und scharfen Hellebarden strahlenschießend in der Sonne blitzen!

Wie die blonden, rotwangigen Pagen in ihren malerischen, bunten Röcken,

kecken Auges daherprunken! Und erst die Wappenträger! Hoch zu Roß,

purpurfarben, goldbetreßt! — Graf Heinrich inmitten seiner Ritter! —

Was ziehen denn die zwei weißen, mit rotem Lederzeug behangenen Kühe?

Im wohlverschlossenen Kinderwagen, in molligen Kissen, fährt langsam

und sicher, das 6 Wochen alte Kind, Ermesinde. Was Wunder, daß seine

entzückte Mutter, stolzerhobenen Hauptes an seiner Seite reitet und von

ihrem hohen Schimmel aus zufriedene Blicke nach allen Seiten sendet.

Soweit die Augen reichen, Herrlichkeit, Freude und Glanz.

Dann und wann ziehen am Wege Landleute und heimkehrende Arbeiter

vorüber. Wie geblendet bleiben sie stehen und grüßen mit scheuer

Verbeugung. Und die Lanzknechte schlagen ihre Waffen aneinander, als

wollten sie mit ihrem stolzen Klirren einen unausfüllbaren Abstand

andeuten zwischen sich und dem an die Scholle gebundenen Manne. Die

Pagen erwidern die Ehrbezeugung mit einem überlegenen Lächeln, während

der Graf mit wohlwollender Verneigung des Hauptes darauf antwortet. In

den Blicken der Gräfin aber lag es kalt, kalt und wie stumme

Verachtung. Als ob sie zu einer anderen Rasse gehörte, und unendlich

hoch und erhaben über jenen throne.

[Illustration: Die noch heute sichtbaren Umwallungen und Gräben der

|Bardenburg|.]

Während die Gräfin sich selbstgefällig in diesen eiteln Gedanken

wiegte, näherte sich vom Feldrain her eine ärmlich gekleidete junge

Frau, Sie ging gebückt, denn auf ihrem schmächtigen Rücken lastete eine

schwere, mit Grünfutter gefüllte, große Hotte: in ihren kreuzweise

verschlungenen Armen ruhte ein unmündiges, schlummerndes Kind, während

ein anderes, das kaum der Wiege entwachsen war, an der mütterlichen

Schürze mehr fortgezogen als fortgeführt werden mußte.

Das Gesicht der armen Frau war welk und furchig. Auf ihrer Stirne

perlte der Schweiß, und die ihr vom Winde verzausten Haare flatterten

wirr um ihre eingefallenen Schläfen.

Ein kaum unterdrücktes „Ach!“ stieg auf die Lippen der Fürstin. „Armes,

elendes Volk!“ flüsterte sie, „wäre es nicht besser, du tätest

überhaupt nicht ... leben?“ Dabei griff sie in die Satteltasche und warf

der am Wege stehenden Gruppe ein blinkendes Geldstück zu, das klirrend

zu den Füßen des erschrockenen Kindes niederrollte.

Die arme Frau hatte das Wort gehört. Unerschrocken sah sie auf und ließ

ihren Blick furchtlos in den Augen der Gräfin haften. Dann sprach sie

fest und entschieden: „Sie dürften sich irren, gnädige Frau! Allerdings

sind wir nicht reich; Tag für Tag müssen wir schwer arbeiten, aber

unglücklich sind wir nicht!“

Ein ungläubiges Lächeln huschte um die Lippen der Fürstin. „Nicht

unglücklich?“ forschte sie, „nicht unglücklich! Das wäre doch

sonderbar, wo ich, inmitten der irdischen Güter und all ihrer

Annehmlichkeiten, Mühe habe, ein wenig Glück herauszuschlagen! Der

Allerhöchste verteilt es ja so spärlich an die Söhne der Menschen!“

„Das wüßte ich nicht, gnädige Frau!“ lautete die Antwort. „Freilich,

wenn man nur |das| „Glück“ nennt, was die irdischen Dinge, die

zeitlichen Güter uns spenden können, dann ist es spärlich gesät. Und

hat gar wenig Bestand. Wie ein Pfeil die Luft durchschwirrt, wie ein

Vogel daherzieht und keine Spur zurückläßt, geht es vorüber. Wie

gewonnen, so zerronnen! — Wer aber das „Glück“ recht auffaßt, der

findet es überall und reichlich!“

„Überall und reichlich? Wieso?“

Mit einem kaum merklichen Anflug von Röte fuhr die arme Frau fort: „Es

steht mir schlecht zu, Euch, fürstliche Dame, belehren zu wollen. Aber

ich meine, „glücklich“ sein, heißt Gottes Willen erfüllen und sich in

seine Fügungen schicken. Wer das tut, dem geht es wohl, der ist

zufrieden und froh, als Knecht nicht minder denn als Graf und König!“

Dabei bückte sie sich nieder, hob das Geldstück auf und reichte es mit

bescheidener Verbeugung zurück. „Wollen gnädige Frau es einem anderen

schenken,“ bat sie, „andere brauchen es vielleicht nötiger als wir.

Mein Mann und ich sind gesund. Wir können arbeiten und sind nicht

unglücklich!“

Die Gräfin schüttelte das Haupt. Solches war ihr niemals vorgekommen.

„Ja, ja,“ gab sie verlegen wieder, „Ihr werdet es wohl mit den Mönchen

und Einsiedlern halten. Die haben sich auch eingeredet, daß zum

menschlichen Glück das Irdische nicht notwendig ist, und daß dazu

nichts anderes gehört, als der sogenannte „Friede der Seele.“

Die arme Frau lächelte. „Ganz recht, gnädige Frau!“ nickte sie, „meiner

Meinung nach habt Ihr das Richtige getroffen; der Friede des Herzens

ist das Fundament und ein großer Bestandteil jeglichen Glückes.“

Die Gräfin schürzte die Lippen. Mit verächtlicher Kopfbewegung sah sie

nach den Dienerinnen, die an ihrer Seite geblieben waren, um, und indem

sie auf den an einer Wegkrümmung verschwindenden Jagdzug hinwies,

mahnte sie: „Sputen wir uns! Wir müssen die Unserigen einholen! Sie

sind schon weit voraus!“

Ohne sich weiter nach der armen Frau umzusehen, gab sie dem Pferde die

Sporen, und eiligst ging es auf der staubigen Straße weiter.

Aber wirf einen Stein ins Wasser! Liegt er schon am Grunde, so wallt

noch die Oberfläche, die er in Bewegung gesetzt hat, fort, und die

Wellen tragen ihre Kreise weiter und weiter. So blieb auch die

Erinnerung an das soeben Erlebte im Geiste der Gräfin Agnes haften und

weckte Gedanken auf Gedanken.

„Friede! Friede!“ lachte sie. „Armes Volk, weiter kannst du nichts

ersehnen! Aber wir, wir die Reichen und Mächtigen haben andere Gesetze!

Wir brauchen nur Leben und Gesundheit. Für den Rest können wir selber

sorgen!“

— Doch, was hatte das arme Weib von der Vergänglichkeit gesprochen,

vom schnellen Verrinnen aller irdischen Größe und Macht? — Wie

gewonnen, so zerronnen! Heute rot, und morgen tot ...! —

Daß aber auch gerade jetzt solch trübe Gedanken ihre Ruhe stören

mußten!

Vor ihre Seele traten Bilder aus längstvergangenen Tagen, Erlebnisse

und Erinnerungen, die sie vergessen glaubte, schwarze Tage der Trauer

und der Trübsal.

— War denn damals ihr Haus nicht mächtig gewesen? Und reich? Und doch!

—

Ein leises Zittern umflog sie. Wie von einem drohenden Unheil

erschreckt, blickte sie nach ihrem Gatten. — Gott sei Dank! Dort ritt

er froh inmitten seiner Gäste.

Hastig öffnete sie die Vorhänge des Kinderwagens und schaute nach der

kleinen Ermesinde.

Auch das Kind war munter. Lieblich schlummernd lag es in den weißen

Kissen, und ein glückliches Lächeln umspielte seinen rosigen Mund.

* * * * *

[Illustration]

2. Kapitel.

Ein verhängnisvoller Schuß

Schon dröhnten die ersten Pferdehufe in eiligem Viertakt auf der aus

Balken und breiten Brettern gebildeten Eischbrücke. Erschrocken

huschten die flinken Forellen im Wasser hin und her und verschwanden

als dunkle Streifen unter überhängendem Ufergras oder knorrigen, am

Rand des Baches verkrümmten Erlenwurzeln.

Doch wem galt der dutzendfache frohe Hörner– und Trompetenschall, der

eben von den Zinnen der Bardenburg herniederwallte? — Dem fürstlichen

Kinde, das eben zum erstenmal die Höhe dieser väterlichen Burg

ersteigen sollte? — Seinen hochedlen Eltern? — Ihren Begleitern? —

Sie galten der ganzen Gesellschaft, der sie ein ‚herzliches Willkomm‘

und ein ‚gut Heil auf ersprießliche Jagd‘, entgegenschmetterten.

Durch die hellen Klänge wurden die Pferde, die schon anfingen, müde zu

werden, aufgemuntert. Kräftiger holten sie aus. Die Hunde zerrten

fester an den Koppeln, und voll Sehnsucht schielten und schnupperten

sie nach den Wäldern.

[Illustration: Die Jagdgesellschaft verläßt die Bardenburg.]

Seit dem frühen Morgen hatte man sich in der weiten, starkverwölbten

Küche auf die Ankunft der hohen Herrschaft vorbereitet. Denn, wenn auch

die Hauptmahlzeit erst am Abend, nach glücklich verlaufener Jagd,

stattfinden sollte, so mußte auch jetzt durch reichen Imbiß die müde

Gesellschaft für die Anstrengungen der Reise entschädigt und für die

Strapazen des Nachmittags gekräftigt werden. Und Koch und Unterköche

hatten ihr Bestes getan, nicht nur des Lobes wegen, das voraussichtlich

ihrer Kunst gespendet würde, sondern auch in Berechnung des

Trinkgeldes, das bei solchen Gelegenheiten besonders reichlich

auszufallen pflegte, denn Ritter und Barone waren Leute, die sich nicht

lumpen lassen durften.

Frohes, lustiges Essen. Währenddessen ergötzten sich die Pferde an den

vollgefüllten Krippen, und die Hunde taten sich gütlich an Schüsseln,

in denen die Fleischbrocken zahlreicher waren, als an gewöhnlichen

Tagen.

Am Himmel lachte die Sonne, und kein Wölkchen bleichte die tiefe,

einheitliche Bläue des waldumsäumten Horizontes.

Gegen 2 Uhr stand alles bereit. Hei! wie da die Hunde kläfften! Wie die

Pferde scharrten und ungeduldig durch die aufgeblähten Nüstern bliesen!

Selbst die Mannen konnten kaum den Augenblick erwarten, wo der Burgwart

vom hohen Bergfried aus in einem dreifachen, nach allen Seiten

wiederholten Hallihalloh das Zeichen zum Auszug und zum Beginn des

Jagens geben würde.

Als Erste zogen der Graf und die Gräfin auf weißen Schimmeln zum

Burgtor, das während des Essens mit den Trophäen früherer Jagden,

Hirschgeweihen und ausgestopften Wolfs– und Bärenköpfen reich geziert

worden war.

„Heiliger Hubertus, bitte für uns!“

„Hallihalloh! Gute Jagd und frohe Heimkehr!“

Unmittelbar vor dem Eingang der Burg gabelte sich der Weg. In scharfem

Zickzack führte sein linker Arm stark abfallend zu Tal und setzte sich

dort längs der Eisch und dem Saume des Waldes fort; der andere schlug

einen kurzgeknickten Bogen, wand sich nordwärts um die altersgrauen

Mauern und führte, von Gras und Moos bedeckt, sanft ansteigend in den

Wald. Auf letzterem wandten der Graf und die Gräfin, die Ritter und

Edelknechte ihre Pferde rechtsum. Pagen und Treiber stiegen mit den

Hunden bergab.

Dem sonst üblichen Gebrauch entgegen hatte Ludolph, Burgvogt von Arlon,

diese neue Jagdordnung vorgeschlagen. „So könnte man in halber

Bergeshöhe das im Tale aufgescheuchte Wild erwarten und ihm mit

frischen Pferden wirkungsvoller zu Leibe rücken!“

Auf ein Zeichen des gräflichen Hifthornes wurden drunten die Hunde

losgelassen. Schnuppernd führten sie die Nase an den Boden, und freudig

wedelnd liefen sie hastig hin und her.

Schon ertönte aus dem Dickicht hier und dort vereinzeltes Kläffen.

Wurde häufiger und stärker. — Horch! da raschelte das Laub. Bergauf

wurde es lebendig.

Hasen und Füchse huschten daher.

Die Reiter verhielten sich still. Einstweilen sollte auf Kleinwild

nicht geachtet werden.

Erst ein braunes Reh, ein „Sechser“, brachte die Jäger in Bewegung. Wie

auf Kommando tanzten zwei Pferde auf den Hinterfüßen kurz herum und

setzten sich in langgestrecktem Lauf auf die Spuren des Flüchtlings.

Noch trippelte der Schimmel des Grafen ungeduldig an seinem ersten

Standort hin und her und scharrte die Erde. Noch war bis dahin auf dem

gräflichen Posten außer einem Hasen und einem Iltis keinerlei Beute

sichtbar geworden. Und auch die folgenden Minuten schafften darin

keinen Wandel.

Endlich wieder Tritte. Dicht nebenan schoß ein Silberfuchs vorüber.

— Sollte man ihm folgen? —

„In der Not frißt der Teufel Fliegen,“ dachte der Graf. „Also los!“

Es ist sonderbar, mit welch klugem Instinkt jagdgewohnte Pferde die

Verfolgung des Wildes aufnehmen. Nur auf eines brauchte Heinrich zu

achten: dem Tiere die Zügel schießen zu lassen und sich rechtzeitig vor

tiefhängenden Baumästen auf den Sattel niederzubeugen. Alles andere

besorgte der Schimmel selbst.

Der Fuchs war äußerst vorsichtig. Jeden Baum und Strauch als Deckung

benutzend, wand er sich schlangenartig durch dick und dünn mit einer

solchen Schnelligkeit, daß seine leichten Füße kaum den Boden zu

berühren schienen, weiter und immer weiter, über die tannenbestandenen

Hänge hinweg, westwärts gegen das Tal der „klaren Quelle“. Dort fanden

sich zahlreiche, von Sträuchern umstandene und von Felsen eingesäumte

Steingruben, aus denen man vor Jahren das Material zum Bau der

Bardenburg herausgefördert hatte.

In ihnen sollte Meister Reinecke plötzlich verschwinden.

„Auch gut!“ murmelte der Graf. „Auch in deiner Höhle werde ich dich

aufstöbern, verflixtes Tier; solch leichten Kaufes sollst du mir nicht

entrinnen!“

Er ließ den schnaufenden Schimmel halten, sprang aus dem Sattel und

eilte mit Bogen und Köcher in die zweite der Gruben hinein.

— Richtig, da lugte der Eingang einer großen Höhle. —

Hastig trat er an dieselbe heran.

Doch, wie er auf den weichen, gelben Sand am Boden niederblickte, blieb

er verdutzt stehen. „Das sind doch keine Fuchsspuren!“ knurrte er, „das

sind Abdrücke großer, starkbekrallter Bärentatzen! — Und davon haben

meine Förster nichts gemeldet!“

Vorsichtig trat er einen Schritt zurück. „Bären können höchst

unliebsame Gegner werden,“ flüsterte er, „zumal, wenn ihnen ein

Einzelner entgegentritt!“

— Aber die Ehre einer solch unerwarteten, königlichen Beute! —

Eiligst legte er Bogen und Pfeile weg. Was konnten die gegen die harte,

fingerdicke Schädeldecke eines Brauntieres? Da mußten schon andere

Waffen herhalten, Lanze und der mit scharfem Eisen beschlagene spitze

Pfahl, die noch am Sattelzeug des Schimmels festhingen.

Hurtig, keine Zeit verloren!

Zwei Minuten später war der Graf aufs neue am Eingang der Höhle.

Im Innern derselben hörte man ein lautes, zorniges Brummen. Der

Hausherr war in seiner Wohnung und bekundete, daß er sich über den

unerwarteten Besuch seine eigenen Gedanken machte.

Zu Boden gekauert, äugte der Graf aufmerksam in die Höhle hinein. Zu

seiner Rechten lag der Pfahl, griffbereit. In beiden Händen hielt er

die zum Angriff erhobene Lanze.

Das Brummen wurde stärker. Petz rüstete zur Abwehr. „Frecher

Ruhestörer!“ schien er zu knurren, „warte, ich will dich lehren!“

Hochaufgerichtet, funkelnden Auges und mit weitgeöffnetem Rachen

stürzte er heran.

Eben wollte er sich mit aller Wucht auf den zu Boden geduckten Grafen

niederwerfen, da traf ihn der mit aller Kraft geführte sichere

Lanzenstoß so hart, daß das schwere Eisen tief zwischen die krachenden

Rippen eindrang und der Schaft der Waffe gegen die Mitte hin splitternd

abfuhr.

Aus der Wunde schoß ein breiter Strahl rotschwarzen Blutes, und Meister

Petz, tödlich verwundet, purzelte mit heiserem Geheul, schwer und

unbeholfen zu Seiten des Grafen nieder, überschlug sich und sank tobend

am Fuß des Felsens nieder, wo ihm ein wohlgezielter Stich des Pfahles

das Lebenslicht ausblies.

Begeistert atmete Heinrich auf. Die Ehre des Tages war ihm gesichert.

— Mochten andere Rehe und Hirsche heimbringen, einen Bären hatte gewiß

niemand aufzuweisen! —

Doch nun, fort zum Jagdsgesinde! Daß die eigenartige Tat bekannt und

das erlegte Tier nach Hause gebracht werde!

Flinken Fußes wollte er zum Schimmel zurück. Da war dieser

verschwunden. Er hatte die günstige Gelegenheit benutzt, sich unbemerkt

fortzustehlen und an der „klaren Quelle“ seinen Durst zu stillen.

Der pferdelose Reiter blickte mißmutig nach allen Seiten.

— Horch! Tönte da nicht ein eiliges Getrampel in einer daneben

liegenden, ähnlichen Grube? — Richtig ja! Das konnte nur der Schimmel

sein.

Um Zeit zu gewinnen, wollte Heinrich, ohne Umweg, durch Ginster und

Gesträuch quer zu dieser Grube hinübersteigen.

Da traf ihn das Verhängnis.

Eben hatte er die Anhöhe erstiegen. Schon wollte er drüben

hinuntersteigen ... — Da! als habe ihn ein schweres Holz quer über die

Augen geschlagen, taumelte er zurück. Ein stechender Schmerz fuhr ihm

durch den ganzen Kopf. Mit lautem Schrei fiel er rücklings zu Boden.

Gräfin Agnes hatte kurz zuvor auf dem Bardenberge einen herrlichen,

übergroßen Hirsch gesichtet; mit verhängten Zügeln hatte sie ihm

nachgesetzt; in der Grube, in die Heinrich eben niedersteigen wollte,

hatte sie das zitternde, müde Tier gestellt, mit starker Hand den Pfeil

nach ihm geschleudert ... Der Schuß war fehlgegangen, und der am Felsen

abgeprallte Pfeil hatte sich in die Stirne des ahnungslos nahenden

Grafen eingebohrt.

Wer möchte die Angst und das Entsetzen malen, das der unerwartete

menschliche Schrei im Herzen der Gräfin auslöste?

— Sollte sie ... ach Gott, nein, es kann, es darf nicht sein! — Wie

außer sich, sprang sie vom Pferde herab und eilte ins Gesträuch hinauf.

— Also doch! Den Kopf zurückgebogen, Augen und Gesicht voll Blut, lag

dort eine jämmerliche Gestalt, der Graf. Zwischen den Augen klaffte ihm

eine entsetzliche Wunde, aus der noch immer frische, dicke

Blutstropfen, einander jagend, niederrannen.

Müde und mit unsicheren Händen tastete er hilfesuchend um sich. An

ihrem Schluchzen erkannte er die Gräfin. „Du, Agnes?“ zitterte er, „du

...?, was ist geschehen?“

Sie konnte nicht antworten. Einer Ohnmacht nahe, griff sie mit letzter

Kraft nach dem an ihrem Gürtel hängenden, silbernen Horn.

Und bließ hinein, so entsetzt, so flehend, so um Hilfe weinend, daß der

klagende Ton weithin getragen in die Wälder schallte und die

erschrockenen Ritter und Knechte eiligst nach der Unglücksstelle

heranstürmten.

Auf einer Tragbahre brachte man den Schwerverwundeten auf sein Schloß

zurück. Ihm folgte seine weinende, der Verzweiflung nahe Gattin.

Jubelnd war man am Mittag ausgezogen. Wer hätte ahnen können, daß ein

so freudig begonnenes Fest ein so übermäßig trauriges Ende nehmen

würde?

* * * * *

[Illustration]

3. Kapitel.

Trübe Zeiten

Statt der festlichen Tafel, die an jenem Abend in der Bardenburg die

günstig verlaufene Jagd beschließen sollte, herrschte nun in deren

matterleuchteten Hallen eine drückende Stille. Nur im Flüstertone ging

die spärliche Unterhaltung zwischen den nächsten Tischnachbarn

vorsichtig hin und her, und nach rasch beendeter Mahlzeit zogen sich

alle zu meist schlafloser Ruhe auf ihr Zimmer zurück. In der Frühe des

folgenden Tages, ehe noch das Morgenrot über Hobscheid hinaus in den

Himmel stieg, befand sich die Mehrzahl der Gäste auf betrübter

Heimfahrt.

Graf Heinrich aber lag bewußtlos in schweren Fiebern.

Eilboten jagten fort. Von Metz herüber, von Köln herauf, sollten sie

die berühmtesten Wund– und Augenärzte herholen.

Sie taten ihr Bestes. Ihrer Kunst gelang es auch, das Schlimmste zu

verhindern und das Leben des Verwundeten zu retten.

Aber sein Augenlicht war dahin. Noch krank brachte man ihn nach

Luxemburg. Als er nach einigen Monaten zum erstenmal wieder ausgehen

durfte, führten ihn seine Diener an der Hand. Wie ein schwerer,

undurchdringlicher Nebel lag es vor seinen Augen, und nur mit äußerster

Anstrengung konnte er die Umrisse selbst in der Nähe gelegener Dinge

unterscheiden. Als letzte Hoffnung tröstete er sich auf die

Versicherung der Ärzte, sein Zustand werde sich allmählich bessern;

aber diese Hoffnung zeigte sich irrig. Immer mehr drang die Nacht auf

ihn ein, und gegen Ende seines Lebens verfiel er in vollständige

Finsternis, ein Zustand, der ihm in der Weltgeschichte den Namen

„Heinrich, der Blinde“ eintrug.

Wie sollte die Gräfin Agnes diesen plötzlichen Umschlag ihres Glückes

tragen?

Von Schrecken wie gelähmt, fing sie an zu kränkeln. Wie ein rastlos

nagender Wurm quälte sie das Bewußtsein, daß ihr Pfeil es gewesen, der

den Grafen für den Rest seines Lebens in Finsternis tauchte, und

obschon man ihr hundert– und tausendmal sagte, sie habe ja das

schreckliche Mißgeschick nicht ahnen können, und es treffe sie deshalb

auch keinerlei Schuld, die traurigen Gedanken wollten nicht aus ihrem

Sinne schwinden.

Dunkeln Schatten gleich senkten sich diese Kümmernisse um das nach

Sonne dürstende Kind Ermesinde.

Während sonst gesunde Väter ihre Kleinen an lichterfüllten

Frühlingstagen freudig in Gottes herrliche Natur hinausgeleiten und sie

auf das klare Blau des Himmels, den Schmelz der Blumen und das

molligweiße Schäumen murmelnder Quellen und Bächlein aufmerksam machen,

saß Ermesindens Vater mit gesenktem Antlitz im Innern des grauen

Schlosses oder droben auf der von Lorbeerbäumchen umrahmten Terrasse.

An seiner Seite spielte das Kind. Aber wie sollte er ihr auf all die

kindlichen Fragen nach diesem und jenem antworten, wo er aus ihren

mangelhaften Schilderungen oftmals nicht erraten konnte, was sie in

buntbemalten Büchern oder weitab in der Ferne schaute!

Auch am Krankenbett der Mutter fühlte sich das Kind nicht wohl. Frohe

Kindergedanken stimmen ja so schlecht zu den Ausbrüchen eines

leiderfüllten Herzens! Agnes hatte sich noch immer nicht in ihre neue

Lage gefunden. Bittere Klagen standen auf ihren Lippen. „Einst so reich

und angesehen!“ murmelte sie, „und nun so elend und verlassen!“ Und wie

verhaltenes Weinen klang es, wenn sie ihre gegenwärtige Trübsal mit der

Zufriedenheit der armen Leute verglich, die sie einst verachtet hatte.

„Ich baute auf irdisches Gut und Wohlergehen,“ pflegte sie dann zu

sagen, „und hielt es für unvergänglich. Wie bald war es dahin!

Glücklich die armen Leute! Sie haben wenig, können aber auch nur wenig

verlieren! Ich war einst reich! In welchen Abgrund der Betrübnis bin

ich geraten!“

Der Graf suchte sie zu trösten. „Mannigfache Trübsal zeichnet das Leben

eines jeden Menschen. Haben wir einst das Gute von der Hand Gottes

angenommen, warum sollen wir uns nicht auch in das Böse willig fügen!“

Aber der Schlag war zu plötzlich gewesen. Erst nach und nach konnte

sich das Herz der Gräfin ins Unabänderliche fügen lernen.

Ihr Ende rückte näher und näher.

Sie fühlte es. Und raffte sich schließlich zur Seelenruhe und zum

christlichen Gleichmut auf. Die Härten des Lebens hatten es ihr endlich

zum Bewußtsein gebracht, daß das Glück nicht allein in vergänglichen,

irdischen Dingen wohnt.

Mit mütterlicher Liebe rief sie ihr Kind an ihr Krankenlager und sprach

zu ihm in ruhigen, abgeklärten Worten, die Ermesinde allerdings erst

viel später in ihrer ganzen Tragweite verstehen sollte: „Mein Kind,

wenn ich eines Tages nicht mehr an deiner Seite weilen werde, dann

bedenke und vergiß es nicht: Das Fundament allen Glückes ist der Friede

des Herzens. Den mußt du suchen! Den mußt du bewahren! Du bist jung; du

trägst einen ehrenvollen Namen; ein schönes Land wirst du eines Tages

dein eigen nennen. Man wird dir schmeicheln. In irdischem Besitz

könntest du deine Freude zu finden wähnen. Nein, Kind! Wie ein Pfeil

die Luft durchschwirrt, schwindet das Vergängliche rasch dahin.“

Wenige Tage darauf trauerten an ihrer Bahre ein blinder Greis und ein

unmündiges Kind, Ermesinde.

Liebevoll und ergeben suchte ihr der Vater den allzufrühen Tod der

Mutter verschmerzen zu lassen. Wie manche Stunde saß das Kind an seiner

Seite, droben auf den Zinnen der alten Burg und lauschte auf seine

Ermahnungen und seine Schilderungen aus längst vergangenen Tagen! Vom

alten Römerweg drüben erzählte er, der hinter Klausen meterhoch über

das Gelände nach dem fernen Grünenwald führte, und auf dem die fremden

Eroberer Unterwerfung und Knechtschaft gebracht hatten; auf demselben

Wege waren aber auch die Boten des Evangeliums, Frieden kündend,

herangekommen und hatten dem Lande eine neue Freiheit und Gottes Segen

vermittelt. Er sah den großen Bischof und Wundertäter Martinus. Auf ihm

war St. Bernard vorübergezogen und Papst Eugen III. Von Verdun herüber,

durch Arlon, Straßen und Luxemburg waren sie gekommen, um nach Trier

weiterzuziehen, zur Einsegnung der St. Mathiaskirche, im Jahre 1148.

Der Bardenburg war damals die Ehre geworden, die hohen Gäste bewirten

zu dürfen. Auch vom Süden des Landes sprach er, von den saftigen Wiesen

des Rösertales und den fruchtbaren Gefilden, die sich um Johannisberg

und Zolverhöhe dehnten, von denen bei klarem Wetter die Dächer und

Zinnen herrlicher Burgen herübergrüßten. Dann freute sich das Kind und

vergaß auf eine Weile den Zug der Trauer, der jahraus, jahrein die

Lützelburg jener Tage füllte.

Dann meldete sich ein neues Unheil. Heinrich, der bis dahin als

tapferer Streiter auf den Schlachtfeldern der Gegend bekannt und

gefürchtet war, konnte nicht mehr die Waffen führen. Zur Untätigkeit

verurteilt, hockte er verlassen in seiner Burg und war auf die Rechts–

und Friedensliebe seiner Vasallen und Nachbarn angewiesen.

Doch, wo die Kraft zur Abwehr fehlt, erweist sich diese Hoffnung

oftmals trügerisch. Ritter und Barone griffen seine Besitzungen an und

entrissen ihm dieses und jenes. Und er konnte bloß machtlos zürnen und

mußte sich auf Verhandlungen einlassen, die meistens zu seinem Schaden

aussschlugen.

Wohl oder übel mußte er sich eines Besseren besinnen. Er mußte sich

nach einem Bundesgenossen umsehen, der an seiner Stelle in den Kampf

ziehen und den Ruhestörern das widerrechtlich Geraubte entreißen

könnte.

Seine Wahl fiel auf Heinrich, Grafen der Champagne in Frankreich. Als

Lohn für seine Hilfe sollte ihm später mit der Hand Ermesindens das

Anrecht auf die von ihm geschützten Länder zufallen. Aber es dauerte

nicht lange, so trat er von dem Vertrag zurück. Allzuhäufig waren die

Streitigkeiten, in die er dieses Erbes wegen, verwickelt wurde.

So litt der blinde Graf gegen Ende seines Lebens mehr und mehr, und

wäre nicht sein Kind gewesen, er hätte wirklich den Tod als milden

Retter und Freund herzlich gegrüßt.

Von Bedrängnissen umringt, starb er 1196 im Kloster zu Echternach und

fand seine Ruhestätte an der Seite seiner Gattin, in der stillen Gruft

des Klosters #Floreffe#, in der Nähe von Namür.

Einsam und verlassen stand das neunjährige Kind Ermesinde, als

Doppelwaise in den weiten, altersgrauen Hallen ihres väterlichen

Schlosses.

* * * * *

[Illustration]

4. Kapitel.

Tage der Sonne

Kindertränen trocknen rasch. Auch am Grabe der Eltern. Und doppelt

schnell schreitet das Vergessen, wenn ein jahrelanges, schweres Leiden

den Vater oder die Mutter schon zu ihren Lebzeiten mehr und mehr am

wirksamen Eingreifen in die Familienangelegenheiten gehindert hatte.

Gemäß der Anordnung eines Vormundes sollte Kunigunde von Schockweiler,

Hofdame der verstorbenen Gräfin Agnes, die Erziehung des fürstlichen

Kindes leiten. Sie war eine Frau von hervorragender Bildung und

herzgewinnender Güte. Ihr ganzes Sinnen und Trachten sollte darauf

gerichtet sein, Licht und Sonne in das Herz ihres Schützlings

hineinzugießen. Die kleine Ermesinde hatte doch lange genug, wie ein im

Keller vergessenes Blümchen am Krankenlager der Mutter oder am

Sorgenstuhl des blinden Vaters trauern und welken müssen!

Mit peinlicher Sorgfalt sollten ihr deshalb alle Nachrichten

vorbehalten werden, die sie irgendwie betrüben konnten. Später, wenn

sie einmal erwachsen wäre und mit eigener Hand die Zügel der Regierung

zu lenken hätte, bliebe ihr noch Zeit und Gelegenheit genug, des Lebens

Härten und Bitternisse aus eigener Erfahrung kennen zu lernen.

So wuchs sie in dem Wahne auf, die Schwierigkeiten, die früher so oft

Sorge und Betrübnis in die Lützelburg getragen hatten, seien mit dem

Tode des Vaters wie durch einen glücklichen Zauber spurlos

verschwunden; es mußte in ihr die Überzeugung Platz greifen, über ihrem

Schloß und Lande herrsche der reinste, ungetrübteste Friede. Und doch

bestanden diese Schwierigkeiten in ihren verschiedensten Arten

unvermindert fort, und mehr als einmal konnten sie nur zum dauernden

Schaden der gräflichen Besitzungen geschlichtet werden.

Als die Trauerzeit vorüber war, setzte am Hofe ein lustiges, frohes

Treiben ein. Ein Fest jagte das andere. Sorglos schwanden des

heranwachsenden Töchterleins sonnerfüllte Tage. Mit durstigen Lippen

schlürfte sie am Strome der Freuden. In nächtlichen Träumen erschien

ihr die Zukunft im rosigsten Lichte.

Wohl dachte sie auch da noch hie und da an ihre frühverstorbenen

Eltern, und in liebender Erinnerung stiegen ihr heiße Tränen in die

blauen Augen. Aber sie schwanden wieder. „Warum sich mit Vergangenem

nutzlos härmen?“ lispelte sie, „Unabänderliches soll man vergessen, dem

Kommenden zuversichtlich entgegensehen und sich fröhlich des

gegenwärtigen, heiteren Tages freuen!“

Und doch wollte ihr nimmer die Erinnerung an das letzte Wort der

scheidenden Mutter aus dem Gedächtnis schwinden, das Wort vom Frieden

und die Aufforderung, um dieses höchste aller Güter, den Frieden der

Seele, unaufhörlich zu beten. Dann saß sie sinnend, und zu den Wolken

blickend, flüsterte sie: „Ich kann es nicht begreifen! Oder doch, ich

verstehe dich, tote Mutter! Unter den Schlägen des Schicksals warst du

zusammengebrochen. Deshalb hast du geseufzt und gebetet um den Frieden.

Ich aber, ich habe ein solches Gebet, Gott sei Dank, nicht nötig. Mir

leuchtet das Glück, und dieses steht höher, als der Friede!“

Mit besonderer Festlichkeit sollte der 7. Mai des Jahres 1204, an dem

die Fürstin mit vollendetem 18. Lebensjahr die Regierung der Grafschaft

übernehmen sollte, gefeiert werden.

[Illustration: Ermesinde, Gräfin von Luxemburg

Das einzige uns erhaltene Bildnis Ermesindens.

Die Umschrift des Siegels lautet:

_Sigillum Hermessendis comitisse de Lucemburg et de Rupe._]

Schon tagelang zuvor regte und bewegte es sich auf allen Wegen und

Stegen des Landes. Ritter und Grafen, Vasallen und Waffenleute eilten

in hellen Scharen herbei, hoch zu Roß, in goldbesäten Rüstungen, mit

wappengeschmückten, bunten Helmen, Schilden und Lanzenwimpeln. Sie

wollten es sich nicht nehmen lassen, den Ehrentag der neuen Herrscherin

gebührend auszuzeichnen und ihr mit den besten Glückwünschen auch die

Versicherung ihrer unverbrüchlichen Ergebenheit und Treue zu Füße zu

legen.

Aber nicht alle erschienen mit diesen uneigennützigen, rein

patriotischen Gedanken. Ermesinde war reich und schön; ein stolzes

Schloß, ein herrliches Land nannte sie ihr eigen, und, war nicht mit

ihrer Großjährigkeit die Zeit gegeben, wo sie, dem Gebrauche der Zeit

entsprechend, ans Heiraten denken mußte? Ihr erster Verlobter, Heinrich

von Champagne hatte sein Wort zurückgenommen und war auf sein

väterliches Erbe nach Frankreich zurückgekehrt. Somit war sie wieder

frei geworden, und diesmal konnte sie sich, ohne Bevormundung, der

Neigung ihres Herzens gemäß, selbst entscheiden.

Auf wen sollte die Wahl fallen?

Unter all den Anwärtern tat sich einer besonders hervor. Der schien

Ermesinde all die Eigenschaften aufzuweisen, die sie von ihrem

künftigen Gatten forderte. Sein Name war Graf Theobald von Bar. Seine

Familie gehörte zu den angesehensten von ganz Lothringen; seine

Besitzungen stießen an die Grafschaft Luxemburg, so daß eine Verbindung

zwischen den beiden Häusern Ausdehnung und Macht der Grafschaft

Luxemburg merklich steigern mußte.

Von der Herrschaft Vianden abgesehen, stimmten die Adelsgeschlechter

des ganzen Landes begeistert in die Kunde von der bevorstehenden

Vermählung ein. Am Tage der Hochzeit ergötzte sich die Ritterschaft in

glänzenden Turnieren, das gewöhnliche Volk bei froher Tafel und

geselligem Spiel.

So schien denn der letzte Stein in den hochragenden

Glücksstempel der Fürstin eingereiht; sie wähnte sich

vor einer wolkenlosen, heiteren Zukunft, denn Theobald war reich und

mächtig, ein Freund von Jagd und Festen. Sein Hofstaat war glänzend.

Überall leuchteten Freuden und Sonne.

Und doch lauerten an der Schwelle neue, bittere Schicksalsschläge,

hinterlistig und falsch, wie wilde, blutgierige Tiere, die plötzlich

aus einem unerwarteten Hinterhalt hervorbrechen und ein armes,

wehrloses Opfer mit hartem, rohem Zahn zerfleischen.

* * * * *

[Illustration]

5. Kapitel.

Zerstörte Glücksträume

Wie mancher herrliche Tag hat in ungetrübter Sonne begonnen, und ehe

sich seine Abendschatten auf die Dächer senken konnten, fand er in

furchtbaren Gewitterstürmen ein jähes, unheilvolles Ende!

Wie waren die Ritter und Grafen des Luxemburger Landes so freudig und

zahlreich zu den Hochzeitsfeierlichkeiten ihrer Fürstin gekommen! Aus

tiefstem Herzen heraus hatten sie ihr und ihrem Gemahl die besten

Glückwünsche für ein langes, friederfülltes Leben entgegengebracht.

Und doch sollte diese Vermählung nicht die Morgenröte einer wolkenlosen

Zukunft, sondern der Auftakt zu einer an Schicksalsschlägen reichen

Zeit werden.

Die Ursache ihrer ersten Tränen lag für Ermesinde in dem heftigen,

kriegerischen Sinn ihres Mannes. Seine Gedanken standen auf den Kampf.

Nur dann schien es ihm eigentlich wohl zu sein, wenn er an der Spitze

seiner Söldlinge ins Feld ziehen und sich mit gebeugtem Nacken

rücksichtslos in die größten Gefahren stürzen konnte.

Wohl suchte ihn die Gräfin nach und nach zu friedlicheren Gesinnungen

umzuwandeln, aber ihr Bemühen war umsonst. Ein Rechtshandel drängte den

anderen; und kaum war dieser geschlichtet, so hatte der Ränkesüchtige

schon wieder Gelegenheit zu einem anderen gefunden, wobei ihm jeder,

auch der fadenscheinigste Anlaß willkommene Handhabe bot.

Von Kampfes– und Abenteuerlust entbrannt, fiel er schließlich, trotz

der Bitten und Tränen seiner Gattin, mit bewaffneter Hand in die

Besitzungen des Bistums Metz ein und holte sich für dieses

gottesräuberische Unterfangen die schwerste der kirchlichen Strafen,

die Exkommunikation. In feierlicher Weise wurde sie über ihn

ausgesprochen.

So war er denn ausgeschlossen vom erhebenden Besuch des Gottesdienstes

und der tröstlichen Teilnahme an den Festen und Zeremonien der heiligen

Kirche. Lebend war er gleichsam gestorben.

In rascher Folge verließen seine Diener das Schloß. Sie wollten nicht

eingeschlossen werden in den furchtbaren Fluch, der auf ihrem Meister

lastete.

Trauernd zog auch seine Gattin fort. Auf der Bardenburg wollte sie

bessere Zeiten abwarten und den Himmel bestürmen, in Gebet und Almosen,

daß er das Herz des Verstockten zur Einsicht und Umkehr wende.

Lange wollte sich sein stolzer Sinn nicht beugen. Lange wollte er sich

nicht entschließen, das begangene Unrecht rückgängig zu machen und

damit Verzeihung und Aufhebung seiner Strafe nachzusuchen.

Einsam und zürnend irrte er durch die öden, menschenleeren Hallen

seiner grauen Burg.

War es nun diese drückende, unerträgliche Einsamkeit, waren es die

Gebete und Tränen seiner Gattin, die sein hartes Herz erweichten;

endlich gab er nach. Er versprach Besserung und Buße und bat um

Nachlassung des Bannes.

Sie wurde ihm gewährt. Aber der Größe seines Vergehens entsprechend,

sollte auch die Sühne sein, die er dafür übernehmen mußte. Im Frühjahr

verließ er die Heimat, um in Südfrankreich an einem Kreuzzug gegen die

Albigenser teilzunehmen, deren Irrlehre dort eine weite Verbreitung

gefunden hatte.

Erleichtert atmete Ermesinde auf. Mochte auch der Kriegszug in so weite

Ferne Gefahren mit sich bringen, Theobald war doch wieder mit seinem

Gewissen und der Kirche ausgesöhnt und konnte sich auf die opferwillige

Unterstützung und den Schutz seiner Mannen verlassen.

[Illustration: Theobald nimmt Abschied von Ermesinde.]

Nach der Abreise ihres Gemahles nahm auch Ermesinde den Weg nach

Frankreich. Während der Verstocktheit Theobalds hatte sie gelobt, eine

Wallfahrt zum Grabe der heiligen Genoveva nach Paris zu unternehmen,

und diesem Versprechen wollte sie möglichst bald nachkommen. Sie zog

durch Lothringen und die Champagne und kehrte im Herbst, als die Vögel

südwärts zogen, nach Luxemburg zurück.

Zahlreich waren die Boten, die ihr in der ersten Zeit Kunde vom

Wohlbefinden ihres Mannes und seiner Kampfgenossen heimbrachten. Nur

einige wenige waren bisher gefallen. Zugleich teilte der Graf mit, daß

wenn keine besonderen Schwierigkeiten einträten, er mit dem kommenden

Frühling nach Hause zurückzukehren hoffe, um von da ab ein

kriegsfeindliches, friedliebendes Leben zu führen.

„Gott sei Dank!“ jubelte die Gräfin, „so wird am Ende doch noch alles

gut werden!“

Während des Winters wurden die Nachrichten spärlicher.

„Kein Wunder!“ tröstete sich Ermesinde, „Südfrankreich ist weit

entfernt, allenthalben herrscht eine grimmige Kälte, und die wenigen

gangbaren Wege liegen tief verschneit.“

Mit der Weihnachtszeit setzte alle weitere Kunde aus.

Die Gräfin war darüber nicht übermäßig beunruhigt. Sie redete sich

sogar ein, daß das eher als ein erfreuliches Zeichen der baldigen

Heimkehr ihres Gatten gelten könnte. Als der Frühling vom Süden her

immer näher kam, erwartete sie den Heimkehrenden von Tag zu Tag.

Doch Woche um Woche verstrich. Alle Nachmittage saß die Fürstin mit

ihrer Hofdame droben auf der lorbeerumstandenen Terrasse des Schlosses

und sehnsüchtig schaute sie nach Süden. Aber weder Ritter noch Reisiger

zeigte sich auf der bestaubten Straße.

Immer mehr fühlte sich ihre Seele geängstigt und niedergedrückt. „Ach,

Kunigunde,“ seufzte sie, „wie fühle ich es, ein schweres Joch liegt auf

den Kindern Adams, den reichen nicht minder, wie den armen!“

Als sie eines Tages mit Tränen in den Augen ihre Klage wiederholte,

antwortete Kunigunde nicht. Ihr Auge war ganz lebhaft geworden und hing

mit gespanntester Aufmerksamkeit an der von der Itzigerhöhe

herabsteigenden Straße. Näherte sich doch von dort ein eigenartiger

Zug!

Nun merkte auch die Fürstin die außergewöhnliche Erscheinung.

„Endlich!“ jauchzte sie, „endlich! Mein Hoffen war nicht umsonst!

Siehst du, Kunigunde, um die Freude des Wiedersehens zu vergrößern, hat

Theobald so lange nicht mehr geschrieben.“

Und sie erhob die Hand und winkte hastig und zitternd ein frohes

Willkomm in die Ferne.

— Ob man nicht besser täte, den Herankommenden ins Tal

entgegenzuziehen? —

Kunigunde riet davon ab. Allerdings sei auch sie überzeugt, daß es sich

nur um Theobald und seine Krieger handeln könnte, doch sollte man sich

vielleicht gedulden, bis man der Sache völlig sicher wäre.

„Kunigunde, kannst du denn die gräflichen Farben, blau und weiß, nicht

unterscheiden?“

„Noch nicht, gnädige Frau! Wenn ich recht sehe, scheinen mir die

Schilde und Lanzenwimpel eher von dunkler Farbe zu sein.“

„Der Staub der Straßen hat sie verdüstert, Kunigunde. Vielleicht

handelt es sich auch um Trophäen, Waffenstücke, die man dem Feinde

abgenommen und nun als Zeichen des Sieges freudig heimführt.“

„Frau Gräfin, die Schilde sind nach unten gekehrt. Wehe! das bedeutet

keine frohe Heimkehr!“

“Man trauert um die Toten, die nicht wiederkehren. Du weißt doch,

Dietrich von Bondorf und Arthur von Machern sind gefallen.“

Doch, wo sollte nur der Graf reiten? Weder an der Spitze des Zuges,

noch am Schluß desselben sah man sein weißes Pferd ...

„Frau Gräfin, seh’ ich recht? Seht, im Zuge schreiten Mönche ... Und

dort, seht dort, weitausgespannt die weißen Arme eines großen silbernen

Kreuzes ... Und dort eine schwarzverhangene Bahre ...“

Entsetzt schrie die Gräfin auf. Unter dem Flor der Bahre sah sie die

Farben ihres Hauses, blau und weiß, hervorleuchten. Nach Atem ringend,

sank sie zurück und fiel bewußtlos in die Arme ihrer Hofdame.

Theobald war im Kriege gefallen. Trauernd brachten ihn die Seinen heim,

um ihn in Luxemburger Erde zur letzten Ruhe zu betten.

Erst als der Sarg in dem mit Wappen reich gezierten Prunksaal des

Schlosses Aufstellung gefunden hatte, kam Ermesinde zu sich; erst da

erkannte sie die ganze Schwere des Schlages, der sie getroffen und die

volle Wucht des Leides, das nun auf ihren Witwenschultern ruhte.

* * * * *

[Illustration]

6. Kapitel.

Untergang?

Mit dem Tage, an dem die blutbefleckte Leiche ihres Gatten in die

feuchte Gruft seiner Ahnen zur letzten Ruhe niederstieg, schien für

Ermesinde die Sonne jeglichen Erdenglückes für immer erloschen zu sein.

Wie geistesabwesend stand sie am Beerdigungstage in den weiten,

schaurigen Gewölben, in deren kaltem Düster sich die schmucklosen, aus

Stein gehauenen Sarkophage in langen, grauen Reihen dehnten.

Tagelang fand sie keine Tränen.

Dann aber rang sich ihr Schmerz mit solcher elementaren, ungezähmten

Wucht durch, daß ihre Umgebung ernstlich für ihre Gesundheit fürchten

mußte, und die Besorgnis groß wurde, es möchte in Bälde ein weiterer

Sarg Schloß und Land Luxemburg in neue, noch tiefere Trauer senken.

Ermesinde hätte sich auf diese Lösung herzlich gefreut. Auch der

schmerzlichste Tod wäre ihr in jenen Tagen als milder Retter und lieber

Freund erschienen.

In nie gesehener Schärfe traten ihr wieder und wieder all die schweren

Schicksalsschläge vor Augen, die ihr wie ein dunkeler Schatten seit

Kindheittagen gefolgt waren und ihr rastlos ihre jungen Jahre vergällt

hatten. Mutlos ließ sie die Arme sinken. In bitterem Weh wiederholte

sie wieder und wieder das klagende Wort: „Ein schweres Joch liegt auf

den Kindern Adams vom Tage ihrer Geburt bis zu der glücklichen Stunde,

wo sie das Zeitliche segnen und alles Leides enthoben, aus dem

Tränental der Erde scheiden dürfen.“

Immer mehr verlor sich ihr Sinnen in dumpfes Hinbrüten. Merklich zehrte

es an ihren Kräften, bis sie schließlich, wie mit gebrochenen Flügeln

hilflos in die Nacht der Verzweiflung zu stürzen drohte. „Hätte ich nie

einen Thron gesehen! Hätte mich das Schicksal in ärmliche Verhältnisse

hineingestellt, ich hätte vielleicht noch glücklich werden können! Aber

so! Eitelkeit der Eitelkeiten! Alles ist eitel!“

Ein zweites Mal zog sie von Luxemburg fort. Ein zweites Mal nahm sie

den Weg zur Bardenburg. Wie sich das verwundete Wild schutzsuchend in

das tiefste Dickicht des Waldes zurückzieht, trug sie ihren Schmerz

fort aus den Augen der Menschen und aus dem lauten Lärm der Straßen. Ob

vielleicht in stiller Waldeseinsamkeit ein zartes Blümlein sprösse, an

dessen Duft ihre kranke Seele Labung und neuen Höhenflug finden könnte

...!

Ermesinde · 第 1 / 4 段