Also _das_ wollte sie von ihm!--

Aber sie konnte lange warten. Einstweilen würde sie sich schon mit

ihrem Alten begnügen müssen.

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So ging auch dieser Sommer zu Ende, und Franz Felder war fast froh

darüber. Viele neue Ehren hatte er ihm gebracht, keine neuen, keine

reinen Freuden mehr.

Alles war anders geworden gegen den vorigen. Ein kurzes Jahr, und

welche Veränderungen!--

Getrennt von seinen alten Freunden, fremd und unheimisch unter den

neuen; nicht mehr dumpf in den engen Bezirk eines abgeschlossenen

Lebens gebannt, sondern beunruhigt durch Einblicke in die

Lebensführung anderer Kreise, erworben auf weiten und

abwechslungsreichen Reisen beim Streifen weiterer Fernen; neben

unerhörten, nicht endenwollenden Siegen eine lächerliche, zwecklose,

einzig selbstverschuldete Niederlage--hatte er Gefühle von

Bitterkeit, Groll und wiederum gesättigter Rache kennen gelernt, die

der schlichten, frohen Unbekümmertheit seiner Jugend bisher völlig

fremd gewesen waren.

Er hatte die höchste Höhe erreicht. Keine bewundernden Augen folgten

seinem Aufstieg mehr.

Er stand oben, ganz allein, wie er es gewollt. Nun ging es in

schwindelnder Höhe von Grat zu Grat, und wer ihm nachsah bei seiner

hastigen Wanderung von Sieg zu Sieg, ohne Ausruhen, ohne Freude mehr,

der konnte sich eines bangen Gefühles für ihn nicht erwehren.

Eines Tages würde er fallen in den Abgrund der Vergessenheit.

Felder selbst wußte es. Aber wie der tollkühne Wagehals, der in

atemloser Hast von Gipfel zu Gipfel eilt und keinen Blick rückwärts

mehr in die Tiefe zu tun wagt, weil er fürchtet, der Schwindel könne

ihn ergreifen und niederreißen, so wollte auch er nicht mehr daran

denken, woher er gekommen war, und nicht wissen, wohin er ging.

Statt in ruhiger Wahl sich die schönsten der Früchte von dem Baume zu

pflücken und sie zu genießen, rüttelte er in unersättlicher Begierde

an ihm und ließ sie zur Erde fallen, ohne sich kaum noch die Mühe zu

geben, sie zu zählen.

Die stille Wut des Gehetzten überfiel ihn zuweilen, von dem man das

Unmögliche verlangt und der doch über seine eigene Kraft nicht hinaus

kann.

Und doch war er es ganz allein, der sich unaufhörlich antrieb mit den

quälenden Zurufen seines Innern: "Weiter!--weiter!--Immer weiter!--

Nur kein Stillstehen! "...

Er schwamm nicht mehr, wie bisher.

Er hatte keine Achtung mehr vor seiner eigenen Kunst, weil sie ihm

nicht mehr die höchste Freude war.

Wie er angefangen, in seinen Gegnern seine Feinde zu sehen, so sah er

einen Feind jetzt auch in seinem Wasser.

Nie tummelte er sich mehr in ihm, wie als Knabe im kindlichen Spiel;

nie rang er mehr mit ihm, um die Kraft des Jünglings in ehrenvollem

Kampfe mit dem Gegner zu messen.

Das Wasser war sein _Feind_ geworden. Er kämpfte mit ihm auf Tod und

Leben--um sein Leben!

Und er behandelte es, wie einen Feind. Er grüßte es nicht mehr mit

frohem, leuchtendem Blick, wenn er seine glitzernde Fläche sah. Er

koste es nicht mehr mit warmer Hand und hielt keine vertrauliche,

heimliche Zwiesprache mehr mit ihm.

Hastig kam er, griff beim Sprunge mit den Händen in die Flut, als

wolle er sie würgend bei der Gurgel packen, schlug und mißhandelte

sie, wenn sie ihn nicht schnell genug zum Ziele trug, und das Wasser

schien es zu fühlen.

Er bildete sich ein, es setze ihm seit einiger Zeit einen geheimen

Widerstand entgegen, als trüge es ihn nicht mehr so leicht wie bisher

zu seinen Zielen, und rasend vor Wut mißhandelte er es mit den

Fäusten, um es seinem Willen gefügig zu machen.

Und das Wasser murrte und grollte und schrie unter diesen ungewohnten

grausamen und rohen Schlägen, und bäumte sich auf, und ließ ihn doch

immer noch gewähren, weil es ihn vor allen so lange geliebt hatte und

immer noch liebte.

Aber Felder hörte die heimliche Warnung der vertrauten Stimme schon

nicht mehr.

Der Schwimmer · 第 20 / 41 题