»G--. Ganz schwarz, Kohlenhändler, dreißig Jahr alt; besitzt

achtzehn tausend Dollar; bezahlte zweimal für sich, da er einmal

um sechszehnhundert Dollar betrogen wurde; verdiente sein ganzes

Vermögen durch eigne Anstrengungen, -- und einen großen Theil

davon während er Sklave war, indem er seine Zeit seinem Herrn

abdung, und für sich selbst Geschäfte machte; ist ein hübscher

Mensch von anständigem Aeußern.«

»W--. Drei Viertel schwarz; Barbier und Aufwärter, aus Kentucky;

neunzehn Jahre frei; bezahlte für sich selbst und seine Familie

drei tausend Dollar; besitzt zwanzig tausend Dollar, die er

selbst erworben hat: ist Diakon der Baptistenkirche.«

»G. D--. Drei Viertel schwarz; Weißwäscher, von Kentucky gebürtig;

neun Jahre frei; bezahlte fünfzehn hundert Dollar für sich und

seine Familie; ist kürzlich sechszig Jahre alt gestorben, und

besaß ein Vermögen von sechs tausend Dollar.«

Professor Stowe sagt: »Mit allen diesen, G-- allein ausgenommen, bin ich

viele Jahre persönlich bekannt gewesen, und gründe deßhalb meine Angaben

auf eigne Wahrnehmung.«

Die Verfasserin erinnert sich deutlich einer alten, farbigen Frau, die

als Waschfrau in der Familie ihres Vaters fungirte. Die Tochter dieser

Frau heirathete einen Sklaven. Sie war eine außerordentlich thätige und

geschickte junge Frau, welche durch ihren Fleiß, ihre Anstrengungen und

die ausdauerndste Selbstverleugnung neun hundert Dollar sammelte, und an

den Herrn ihres Mannes bezahlte. Es fehlten noch hundert Dollar am

Preise, als er starb. Sie erhielt nie den geringsten Theil ihres Geldes

zurück.

Es sind dies nur einzelne Thatsachen, einer großen Anzahl ähnlicher

entnommen, die als Belege angeführt werden könnten, um zu zeigen, welche

Selbstverleugnung, Energie, Geduld und Rechtlichkeit der frühere Sklave

im Zustande der Freiheit besitzt. Und dabei vergesse man nicht, daß es

diesen Individuen gelungen ist, sich verhältnißmäßigen Reichthum und

eine gesellschaftliche Stellung zu erobern, während sie gegen Nachtheile

und Entmuthigungen jeder Art zu kämpfen hatten. Nach den Gesetzen des

Ohio Staates kann der Farbige nicht Wähler sein, und noch bis vor

wenigen Jahren war ihm sogar versagt, Zeugniß in Prozessen gegen einen

Weißen abzulegen. Auch beschränken sich diese Beispiele keineswegs auf

den Staat Ohio allein; denn wir sehen jetzt in allen Staaten der Union

Männer, welche, nachdem sie kaum die Fesseln der Sklaverei

abgeschüttelt haben, durch eigene Kraft, die nicht genug bewundert

werden kann, zu geachteten Stellungen in der Gesellschaft emporgestiegen

sind. Pennington unter den Geistlichen, Douglas und Ward unter den

Autoren sind wohl bekannte Beispiele.

Wenn dieses verfolgte Geschlecht, unter Nachtheilen und Entmuthigungen

jeder Art, so viel erreicht hat, wie viel würde es dann vermögen, wenn

die christliche Kirche im Geiste ihres Stifters gegen dasselbe handeln

wollte!

Wir leben jetzt in einer Zeit, wo die Nationen zittern und in Krämpfen

liegen. Andre Theile der Erde werden von einem gewaltigen Einflusse

gehoben und erschüttert. Und ist Amerika sicher? Jede Nation, die große

und ungesühnte Ungerechtigkeiten in ihrem Busen trägt, hat auch die

Elemente zu diesen inneren Krämpfen in sich. Weßhalb erweckt jener

mächtige Einfluß in allen Nationen und Sprachen die Seufzer nach

Freiheit und Gleichheit, die nicht laut werden dürfen?

O Kirche Christi, lies die Zeichen der Zeit! Ist nicht jene Gewalt sein

Geist, dessen Reich noch kommen soll, und dessen Wille geschehen muß auf

Erden wie im Himmel?

Aber wer mag den Tag seines Erscheinens erwarten? »Denn dieser Tag wird

brennen wie ein Ofen: und Er wird erscheinen als ein schneller Zeuge

gegen Diejenigen, welche den Diener in seinem Solde verkürzen, Wittwen

und Waisen bedrücken, und ^den Fremden in seinen Rechten auf die Seite

setzen wollen^: und er wird den Unterdrücker in Stücke zerbrechen.«

Sind dies nicht schreckliche Worte für eine Nation, die eine so

furchtbare Ungerechtigkeit in ihrem Busen trägt? Christen! könnt Ihr, so

oft Ihr betet, daß das Reich Christi kommen möge, vergessen, daß die

Prophezeiung in schrecklicher Verbindung mit dem Tage der Erlösung den

Tag der Wiedervergeltung verheißt?

Noch ist uns ein Tag der Gnade geboten. Der Norden sowohl wie der Süden

ist schuldig vor Gott, und die christliche Kirche hat eine schwere

Rechnung abzulegen. Nicht dadurch, daß sich Alles verbindet, um

Ungerechtigkeit und Grausamkeit zu beschützen, und ein

gemeinschaftliches Kapital der Sünde anzulegen, -- kann die Union

gerettet werden, -- sondern nur durch Reue, Gerechtigkeit und Gnade;

denn nicht gewisser ist das ewige Gesetz, daß der Mühlstein im Oceane

versinken muß, als das noch stärkere, daß Ungerechtigkeit und

Grausamkeit den Zorn des Allmächtigen über die Nationen bringen werden.

^Ende^

Notizen des Bearbeiters:

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Onkel Tom's Hütte(#69977) · 第 22 / 22 段