§. 46. Um nun eine blasse Angesichtsfarbe zu bekommen, bedienen

sich die Frauenzimmer zuweilen der sogenannten Jungfermilch, welche

aber nichts anders ist, als Silberglätteßig, der durch zugesetzte

und aufgelöste rohe Alaune eine milchähnliche Farbe bekommen hat.

Mit dieser Milch pflegen die Schönen ihre Angesichter öfters zu

waschen, und glauben dadurch ihres Wunsches theilhaft zu werden.

Es ist wahr, sie erhalten ihre Absicht, aber auch zu ihrem größten

Verluste. Andre im Gegentheil nehmen nur gemeinen Bleyzuckereßig, oder

Silberglätteßig zu eben dieser Absicht. Ja es giebt Personen, welche in

Bohnenblütwasser, oder in einem andern ihrem Zwecke gemäßen abgezogenen

Wasser, Bleyzucker, weißen Vitriol oder Alaune auflösen, und statt

eines Waschwassers brauchen: zuweilen gießen sie auch Benzoestinctur,

und Ochsengallenessenz oder Myrrhenessenz hinzu. Und wiederum andere

sind gewohnt, Wegebreitwasser zu nehmen, darinnen sie aber vorher

einen glüend gemachten Stahl öfters haben abkühlen, und diesem Wasser

hernach entweder Bleyzuckereßig oder Jungfernmilch beymischen, oder

Alaune, weißen Vitriol oder Bleyzucker zusetzen lassen, um zu ihrem

Waschwasser zu gebrauchen. Noch andere sind sogar auf den rasenden

Gedanken gerathen, und haben geglaubt, weil die Milch weiß aussähe, so

müßte sie auch geschickt seyn, eine weiße Angesichtsfarbe machen zu

können. Sie haben sich also in diesem Glauben, mit Milche gewaschen,

aber sie sind auch recht in ihrer Meynung betrogen worden, und anstatt

eine weiße Farbe der Haut zu überkommen, sind sie im Angesichte ganz

gelb und braun, so wie sonst die Egyptier oder Ziegeuner auszusehen

pflegen, geworden. Ich kenne etliche solche Frauenzimmer, die sich

auch noch am Leben befinden, und die sich eine solche gelbe und braune

Farbe durch ihre Afterkunst zugezogen haben. Sie bereuen itzo ihre

begangne Thorheit, und beseufzen ihre natürliche eingebüßte Farbe.

Doch haben sie nur Geduld, meine Frauenzimmer, wenn alle tumme Köpfe

klüger zu werden anfangen werden, werden sie auch schöner werden. Jene

Frau, die ohnlängst ihren Verstand mit ihrem liebsten Söhnchen begraben

ließ, hofft auch auf diesen freudenreichen Tag. Trösten sie sich nur

unterdessen mit der zukünftigen Schönheit, und wischen ihre Thränen von

den Augen ab. Einige brauchen auch trockne Sachen, um eine Blaßheit

des Angesichts zu überkommen: Sie nehmen entweder Puder, oder sehr

zart zu Pulver gemachtes Bleyweiß, und reiben damit die Haut ihrer

Angesichter, obschon zu ihrem eigenen Schaden. Ich wollte wohl, wenn

ich sonst ohne Noth weitläuftig zu werden Lust hätte, etliche Bogen

mit solchen schädlichen blaßmachenden Mitteln und Schminkwaschwassern

anfüllen. Doch diese mögen voritzo, was nämlich die äußerlichen

Mittel anbelangt, zureichend seyn. Ich will nun auch diejenigen

Mittel anführen, welche, wenn sie durch den Mund eingenommen werden,

gemeiniglich eine solche der Gesundheit nachtheilige Blaßheit des

Angesichts zu erzeigen mehr als zu fähig sind.

§. 47. Diejenigen Mittel nun, welche innerlich genommen, ein

blasses Angesicht zum Vorschein bringen können, sind ebenfalls

vielfältig, meistentheils aber äußern sie eine gar zu anhaltende und

zusammenziehende Kraft, und eben darum sind sie auch vermögend, der

Gesundheit unzählige üble Zufälle zuzuführen. Manche Frauenzimmer

nehmen, ich weis selbst nicht, aus was für einem närrischen Triebe,

und aus was für einem abgeschmackten Appetite, gelöschte Kohlen

zu sich. Andere essen Kreide, Kalk und Gips, und wiederum andere

bedienen sich des sogenannten rohen Heydegrützes. O! welch eine

Lüsternheit! welch ein abentheuerliches Verlangen nach einer

eingebildeten Schönheit, nämlich, der blassen Angesichtsfarbe! Ich

habe Frauenzimmer zu kennen das Vergnügen gehabt, welche in dieser

Absicht rohe Alaune, Granatäpfelschalen, und ich weis selbst nicht was

noch mehr gebrauchten. Ja einige sind so unsinnig, und lassen sich von

Marktschreyern wohl gar Arsenik und Bleyzucker beybringen, um sich ein

Bette drey Ellen in der Erde tief dadurch bereiten zu lassen. Aber

ist das nicht eine verdammte Verwegenheit, da man aus einer bloßen

Tollheit, ein blasses Angesicht zu überkommen, recht vorsetzlich dem

Tode entgegen und in den Rachen rennet?

§. 48. Ich kenne eine gewisse Stadt, in der beynahe alle

Frauenspersonen eine recht blaßgelbe Farbe im Angesichte haben, und die

wegen dieser Farbe sprüchwortsweise die gelben Rüben geheißen werden.

Ich verwunderte mich anfänglich, ehe ich die Ursache dieser blaßgelben

Angesichtsfarbe wußte. Daß aber solche Frauenzimmer diese Farbe im

Angesichte tragen, rührt natürlicher Weise daher, weil bey solchen

Goldammerchen die üble Gewohnheit eingewurzelt ist, sehr starken Kaffee

Morgens früh, in großer Menge, wenn der Magen noch leer und nüchtern

ist, zu trinken, und dieses ist die wahre Ursache ihrer Midasfarbe.

Denn es ist bey den Aerzten eine ausgemachte Sache, daß der Kaffee ein

dickes und schweres Blut zu machen geschickt sey. Wenn nun aber ein

dickes Blut erzeugt wird; so kann diese veränderte Beschaffenheit des

Bluts nicht in die zarten Röhrchen der Haut eindringen, und folglich

muß das Blut außer Vermögen gesetzt werden, durch das zarte Gewebe der

Haut eine Röthe durchschimmern zu lassen. Es werden also freylich von

einem solchen Blute sehr viele Ungelegenheiten entspringen müssen.

Hiervon wird die sogenannte Jungfernsucht, die Bleichsucht, und

eine üble Beschaffenheit und schlechte Vermischung der ganzen Säfte

entstehen. Diese Krankheiten nun geben zur Verstopfung der monatlichen

Reinigung Anlaß, und legen den Grund zu geschwollnen Schenkeln,

Wassersuchten des Unterleibes sowohl, als derjenigen wäßrichen

Geschwülste, welche sich zwischen der Haut und dem Fleische befindet.

Ja es werden Engbrüstigkeiten, Erstickflüße, Blutspeyen, Lungensuchten,

Gelbesuchten, und Schwarzgelbesuchten, Verstopfungen, Verhärtungen

und Geschwüre in der Leber, in dem Milze, in den Gekrösdrüsen, in den

Nieren und in der Lunge zum Vorscheine kommen, und zu allen diesen

Verdrießlichkeiten wird sich endlich ein abzehrendes Fieber, mit

verdrießlichen Nachtschweißen, und Ausfallung der Haare gesellen,

welches diese Leute wegen ihrer Unbesonnenheit und Unmäßigkeit, und zur

Strafe dem Tode in die Hände liefern wird.

§. 49. Ich glaube nunmehr wohl zu thun, wenn ich diejenigen

Schädlichkeiten itzo vorbringen werde, welche von den äußerlich

blaßmachenden Mitteln, so ich im 46sten Absatze angeführet habe, ihren

Ursprung herleiten. Da diese Hülfsmittel vermöge der Silberglätte,

des Bleyzuckers und der Alaune nicht nur eine gar zu heftig

zusammenziehende Kraft besitzen, sondern auch wegen der sich darinnen

befindlichen Schädlichkeiten ein heimliches und tödtendes Gift bey

sich führen, welches vermöge der zurückführenden Oeffnungen der Haut,

dem Blute und den Säften beygemischt wird, so daß davon eine rechte

todtengleiche Blaßheit des Angesichts hervorgebracht werden muß. Aber

man muß wissen, daß auch eben diese Blaßheit des Angesichts allemal mit

einer Trägheit des ganzen Körpers, mit einem Widerwillen, und mit einer

Verdrießlichkeit des Gemüths, mit einem Ekel vor den Speisen, und mit

abzehrenden Nachtschweißen verbunden sey. Kurz, diese kränkliche, und

blasse Angesichtsfarbe wird alle diejenigen Krankheiten erzeugen, deren

ich im 48sten Absatze gedacht habe. Selbst der große Börhave gedenkt

in seinem andern Theile der Chemie auf der 309ten Seite: daß er sechs

oder sieben adliche Fräulein gekannt hatte, welche allesamt von dem

Gebrauche der blaßmachenden Schminke des Silberglätteßigs ihr Leben

hätten einbüssen müssen.

§. 50. Da nun die äußerlich im Gebrauch gezogenen blaßmachenden

Schminkmittel so vieles Unheil gebähren können, was werden erst

diejenigen Mittel zu thun mächtig seyn, welche man innerlich zu nehmen,

thöricht genug ist? Alle diese im 47sten Absatze angezeigte Mittel sind

wahrhafte Sachen, welche dem Menschen zwar einen langsamen, aber doch

einen durch keine Kunst abzuhaltenden Tod verursachen. Werden also

nicht alle diejenigen unglücklichen Zufälle weit eher und geschwinder

ihr Daseyn haben, als von den äußerlichen im 46sten Absatze erzählten

Mitteln? Ich nehme keinen Anstand, mich lange zu besinnen, sondern ich

falle dieser Meynung sogleich bey; ja ich behaupte so gar, daß diese

allesammt von der letztern Art der blaßmachenden Mittel hervorgesproßte

und im 48 und 49sten Absatze angeführte Krankheiten gänzlich unheilbar

sind, und zwar bloß darum, weil durch diese Mittel das Blut sowohl,

als die übrigen Säfte ganz und gar vergiftet worden sind, und weil

diese vergifteten Säfte die festen Theile des Körpers angreifen, und

zerstöhren.

§. 51. Wer nun aber dennoch mit aller Gewalt eine blasse

Angesichtsfarbe haben will, der muß sich derjenigen Hülfsmittel

bedienen, die ich in der Abhandlung von der blassen Angesichtsfarbe

vorgeschrieben, und angepriesen habe. Aber das muß ich selbst

eingestehen, daß diese Art sich schön und blaß zu machen, ziemlich

beschwerlich sey. Doch wer die Absicht zu erlangen willens ist, der muß

auch die hierzu dienlichen Mittel zur Hand nehmen und nicht verwerfen.

Niemand fährt mit Wollust und Vergnügen in den Himmel, sondern er muß

zuerst auf der Welt den Dornenweg betreten: Und wer schön und blaß zu

werden ein sehnliches Verlangen trägt, der muß sich selbst Zwang anthun

gelernt haben, und gut stoisch, aber doch gleichwohl kein Stockfisch

seyn.

[Illustration]

Das vierte Kapitel.

Von den Unbequemlichkeiten, welche von der Bemühung, der Haut eine

Zärtlichkeit zuwege zu bringen, ihren wesentlichen Ursprung haben.

§. 52.

Wo ich mich recht besinne, so habe ich schon im 35sten Absatze

erweislich gemacht, daß die Zärtlichkeit der Haut ein wesentliches,

und zur Schönheit des Angesichts nothwendiges Stücke sey, und daß sich

diejenigen allerdings glücklich zu schätzen Ursache haben, welche die

wohlthätige Natur mit dieser Schönheitsgabe versehen hat. Diejenigen

aber dürfen nur über die Ungerechtigkeit der Natur Beschwerde führen,

denen sie diese Zärtlichkeit der Haut zu versagen vor dienlich

befunden hat. Solche unglückselige Frauenzimmer mögen alles anwenden,

was nur immer in ihren Kräften ist, so werden sie doch nimmermehr so

glücklich werden, durch alle ihre natürliche Hexerey sich dasjenige

zu verschaffen, was ihnen die Natur wohlbedächtig nicht hat wollen

mittheilen. Ich gebe ganz gerne zu, daß die Zärtlichkeit der Haut

vermöge gewisser Hülfsmittel erhalten, solche aber, wenn sie vorher

nicht da gewesen ist, niemals zuwege gebracht werden könne: Gesetzt

auch, es wollte sich ein Frauenzimmer, wenn solches anders ohne

Lebensgefahr verrichtet werden könnte, die ganze Haut abziehen lassen,

so würde sie doch keine andere Haut erhalten, als die abgezogene

gewesen wäre. Die Schönen dürfen es mir nicht etwa zur Ungnade halten,

wenn ich ihnen offenherzig, ohne meinen Busen entblößt zu tragen, die

bloße Wahrheit sage: daß sie eher einem Mohre eine weiße Farbe, als

sich eine zarte Haut zu machen vermögend seyn werden.

§. 53. Gleichwohl aber giebt es solche unartige Frauenzimmer, die

sich durch keine vernunftmäßige Vorstellung lenken lassen, sondern

lieber bey ihren zwey Augen verbleiben wollen, und die sich feste im

Kopf gesetzt haben, sie müßten ihre Absicht erhalten, wenn sie sich

mit Merzschneewasser, Mayenthaue, Ziegenmilchmolken, Kühmilchmolken,

Froschlaichwasser, Harne, oder gar mit Tausendblumenwasser, unter

welchem einige den Kühharn, den die Kühe des Frühlings auf der Weide

von sich lassen, andere aber dasjenige überzogene Wasser verstehen,

welches man von demjenigen Kühkothe zu verfertigen gewohnt ist,

welchen die Kühe zur Frühjahrszeit auf die Wiesen fallen lassen,

wünschen. Einige stehen völlig in den Gedanken, sie würden eine

zarte Haut bekommen, wenn sie geschlagenes Eiweiß in Rosenwasser

aufgelöset, oder weißen aufgelösten Vitriol, oder Kalkwasser mit

oder ohne besonders hierzu verfertigtem Quecksilber oder Schledorn-

Pomeranzen- Bohnen- Weißlilien- Holunder- Rosen- und Lindenblütwasser,

statt ihres gewöhnlichen Waschwassers brauchten. Andere bedienen

sich in eben dieser Absicht, und Hoffnung, ihres Wunsches gewährt

zu werden, das Zimmet- Erdbeer- Petersilien- Wegebreit- oder

Weißwurzelwassers (~Sigilli Salomonis~) ja sie setzen noch wohl

gar, zum Ueberflusse zu allen diesen Dingen Ochsengallenessenz oder

Myrrhentinktur, Zuckeralaune, Potaschenlauge, Markasiten, Bleyzucker,

Talk, zerflossenes Weinsteinöl, Quittenkörnschleim, Benzoestinktur, und

ich weis selbst nicht was noch mehr. Zuweilen brauchen sie auch diese

Sachen vor sich, und ohne Zumischung anderer Mittel. Andere aber legen

sich gar zur Nachtszeit, wenn sie zu Bette gehen, eine Larve über das

Angesichte, welche sie sich mit weißen Wachse, Walrath, süßen Mandelöle

und Rhodiseröle, welches alles wohl über einem gelinden Feuer mit

einander vermischt werden muß, überziehen lassen. Und wiederum andere,

die es besser getroffen zu haben meynen, nehmen venetischen Talk und

Kampfer, und lassen solches zusammen in dem sogenannten Meerbade oder

Marienbade so lange stehen, bis es wie ein Schnee so weiß geworden ist,

und dieses gebrauchen sie in der Hoffnung, eine zarte Haut dadurch zu

erlangen: Aber weit gefehlt, sie betrügen sich allerseits in ihrer

Hoffnung, und ich versichre ihnen nochmals, daß sie in Ewigkeit eine

grobe Haut behalten werden, wenn ihnen die Natur sonst keine andere

gegeben hat. Doch so viel ist wahr, daß sie durch diese Mittel ihre

Zärtlichkeit der Haut lange Jahre durch zu erhalten fähig seyn werden.

§. 54. Diejenigen Frauenspersonen handeln eben so abgeschmackt nicht,

die sich, um ihre zarte Haut zu erhalten, mit süßen oder bittern

Mandelkleyen zu waschen gewohnt sind. Wenn sie aber glauben, daß sie

sich damit eine klare Haut verschaffen könnten, so mögen sie lange

warten, bis sie ihren Wunsch erreichen werden. Denjenigen aber möchte

man eine Stelle im Tollhause anweisen, die so leichtgläubig sind,

und sich überreden lassen, daß sie ganz unfehlbar eine Zartigkeit

der Haut erhalten würden, wenn sie ihr Angesichte mit Scheidewasser

oder Wolfsmilche (~Esula~) überstreichen. Aber was für Marter

müssen sie statt einer zarten Haut ausstehen. Das Angesicht fängt an

aufzulaufen, dicke zu werden und Hitze zu bekommen, die Augen werden

entzündet, und verschwällen, sie empfinden unaussprechliche Schmerzen,

ja sind nicht nur in Gefahr ihre Augen einzubüßen, sondern auch gar

krebsartige und fressende Schäden im Angesichte zu bekommen, vermöge

deren sie sich dem Tode zu überlassen gezwungen sehen. Solchen eiteln

Schönen gebe ich aus guter Meynung den Rath, daß sie fleißig ein Decoct

von Christwurzel trinken, oder eine Wallfahrt nach Anticera anstellen

möchten, um sich daselbst einen gesündern Verstand zu holen. Denn ich

kann ihnen die Versicherung geben, daß sie dadurch einzig und allein

fähig gemacht werden, sich mehr Liebe und Hochachtung bey meinem

Geschlechte zu erwerben, als sie durch die feinste Zärtlichkeit der

Haut vielleicht nimmermehr zu erlangen hoffen dürfen.

§. 55.

Die sich aber derjenigen Mittel, um eine zarte Haut zu bekommen,

bedienen, deren ich im 46sten Absatze gedacht habe, die müssen es sich

auch gefallen lassen, wenn ihnen diejenigen Krankheiten zum Verdrusse

werden, welche aus diesem fruchtbaren Saamen hervor zu käumen pflegen,

und die ich im 49sten Absatze fast bis zum Ekel angeführt habe.

[Illustration]

Das fünfte Kapitel.

Von den Ungelegenheiten, welche den Schönen zustoßen, wenn sie sich die

Sommersprossen vertreiben.

§. 56.

Nichts ist vermögender, die Schönheit der Haut des Angesichts mehr

unscheinbar zu machen, als die Sommersprossen, Schwinden und Flechten:

Nichts ist aber auch gewöhnlicher, als daß man solche durch schädliche

äußerliche Mittel vertreibet, bloß die eingebüßte Schönheit wieder

erlangen zu mögen. Aber man muß auch wissen, daß alle diese Krankheiten

der Haut nichts andern, als einer üblen Beschaffenheit des Bluts und

der übrigen Säfte ihren Ursprung zu danken haben. Doch ich würde mir

ohne Noth ein Joch auflegen, wenn ich alle diese Krankheiten der

Haut genau abschildern wollte. Ich will also nur gegenwärtig die

Sommersprossen vor die Hand nehmen, und mich mit diesen etwas genauer

einlassen, um den Schaden zeigen zu mögen, welcher von einer unzeitigen

Vertreibung derselbigen zu entstehen pflegt.

§. 57. Die Sommersprossen sind kleine gelbe oder braungelbe Fleckchen,

welche an Größe und Farbe den Linsen ziemlich gleich kommen, und die

unter der Haut ihren Sitz haben, sich im Angesichte, am Halse, auf

der Brust und an den Händen gemeiniglich zur Sommerszeit unsern Augen

darstellen, und ordentlicher Weise von verderbten Säften, welche

unter der Haut abgesetzt worden, und daselbst stocken geblieben sind,

entstehen, so, daß sie die Schönheit der Haut verderben und unscheinbar

machen. Was es aber vor Theilchen sind, welche diese Sommersprossen zu

erzeugen fähig sind, kann ich selbst so genau nicht bestimmen. Einige

halten es vor schweflichte Theilchen: Aber mir zu Gefallen können es

auch saure, bittre, süße oder salzige Theilchen seyn, welche sich unter

der Haut feste gesetzt, und diese Sommersprossen verursacht haben. Ich

kann diese so wenig behaupten, als jene ihre schweflichte Theilchen

erweislich zu machen vermögend seyn werden. Es kann alles möglich

seyn, und jene sowohl, als ich, können Recht haben; aber ist deswegen

der Schluß, welchen man von der Möglichkeit auf eine ungezweifelte

Gewißheit macht, richtig? Dem mag seyn, wie es will: genug, daß Flecke

da sind, welche die Schönheit verdunkeln und unangenehm machen können,

und die ihren Grund einzig und alleine in einer bösen Beschaffenheit

des Bluts haben, und dieses ist genug, denn mehr getraue ich mir selbst

nicht davon zu sagen, theils, weil ich zu ungelehrt, theils aber auch,

weil ich viel zu furchtsam bin.

§. 58. Man hat die Anmerkung gemacht, daß diejenigen gemeiniglich

ihre Haut im Sommer, wie ein Guckguck seine Federn, verändern müssen,

welche eine sehr feine und zarte Haut besitzen. Im Winter gelangen

sie wieder zu ihrer vorigen schönen Haut, folglich sind solche

Personen Winterschönheiten. Hieraus nun läßt es sich begreiflich

machen, warum die Sommersprossen nur im Sommer, nicht aber im Winter

zum Vorscheine kommen. Denn je zärter und feiner eine Haut ist,

desto schwächer wird sie seyn: die Kraft einer feinen Haut aber muß

noch mehr geschwächt werden, wenn ihre Fäserchen von der Wärme noch

schlaffer gemacht werden. Daß aber die Wärme eine Schlaffheit der

Fäserchen zu wirken geschickt sey, ist eine Wahrheit, die niemand,

außer ein Narr in Zweifel ziehen wird. Da nun im Sommer von der Wärme

die Fäserchen einer ohnedies schwachen und zarten Haut noch mehr

erschlaft werden, und da im Sommer die Ausdünstung allemal stärker,

als im Winter natürlicher Weise abzugehen pflegt; so werden auch mehr

Unreinigkeiten nach der Oberfläche der Haut getrieben werden müssen.

Weil nun eine zarte Haut schon von selbst Unvermögenheit genug hat,

die dahin abgesetzten Unreinigkeiten wieder zurück in das Blut zu

treiben, und solches zu verrichten vermöge der Wärme, und der daher

vermehrten Ausdünstung noch weit unfähiger gemacht worden ist; so

müssen freylich die dahin getriebenen, und nach der Oberfläche der

Haut gebrachten Unsauberkeiten daselbst stocken bleiben, und folglich

werden solche Flecke, welche man Sommersprossen zu nennen gewohnt

ist, entstehen müssen. Ja es werden endlich diese so lange sichtbar

bleiben, als so lange die Ausdünstung stark und vermehrt bleibt, und

die Wärme dauret. Wenn aber zur Winterszeit die Ausdunstung vermöge

der Kälte nicht so häufig von statten zu gehen, verhindert wird, so

fangen diese Sommersprossen an sich gemeiniglich nach und nach wieder

zu verlieren. Denn die Kälte macht, daß die Fäserchen der Haut mehrere

Kraft bekommen, sich lebhafter zusammen ziehen zu können, und also

werden die Unreinigkeiten, die sich unter der Haut befinden, nach den

Naturgesetzen mit stärkerem Nachdrucke wieder zurück getrieben, und dem

Blute wieder beygesellt werden müssen. Geschieht aber dieses, so werden

die Sommerflecke zu verschwinden, ihren alten Sitz zu verlassen, und

ihren Abschied zu nehmen genöthiget. Daß sich aber dieses so, und nicht

anders zuzutragen pflege, beweiset die tägliche Erfahrung sattsam.

§. 59. Aus diesem gefaßten Begriffe mag nun wohl, allem Vermuthen

nach, die Heilungsart ihren wirklichen Ursprung haben, da man vor

rathsam befunden hat, die Sommermähler vermöge zurücktreibender Mittel

zu vertilgen. Aber man irret, wenn man sich überredet, daß man durch

diese Heilungsart Nutzen zu verschaffen im Stande sey. Ich muß es ihnen

sagen, daß sie den rechten Weg verfehlen, und nur damit unzählbare

Krankheiten zu verursachen pflegen. Denn da die Sommerflecke aus

einer bösen Beschaffenheit der Säfte im ganzen Körper entspringen;

so müssen diese vorher, ehe man sich an die zurücktreibenden Mittel

wagt, mit großer Behutsamkeit verbessert werden, zumal da die meisten

Krankheiten der Haut von verdorbenen Säften herkommen, und eben

deswegen die Heilung schwer und zweifelhaft machen, und darum hat man

nöthig, alle mögliche Behutsamkeit dabey anzuwenden, damit man nicht

mehr Schaden anrichtet als Vortheil verschaft.

§. 60. Da die Schönen so viele Bekümmerniß haben, und ein solches

sehnliches Verlangen tragen, sich von diesen Sommersprossen befreyen

zu mögen; so will ich ihnen doch aus wahrer Liebe eine Heilungsart

verehren, vermöge der sie ihre unangenehme Gäste sicher und ohne

Schaden loß werden können, nur müssen sie die vorgeschriebenen

Arzneyen eine lange Zeit durch fortbrauchen, wenn sie sich anders des

zukünftigen Nutzens versprechen, und ihre Absicht glücklich erreichen

wollen. Ich rathe ihnen also täglich ein paar Mal einen blutreinigenden

Thee, welcher aus rother Färberwurzel, Rinde von Sassafraßholze,

frischen Zitronenschalen, Seifenkraute und Zimmet gemacht werden

soll, zu trinken, und dieses können sie Morgens und Nachmittags am

bequemsten thun. Auf diesen Thee, davon man so viel nehmen kann, als

man mit drey Fingern auf einmal faßt, sollen vier Kaffeeschälchen

wohlsiedende Milchmolken gegossen werden, nachmals aber muß man das

Infusum wie einen ordentlichen Thee ziehen lassen, und endlich mit

Zucker versüßt zu sich nehmen. Bey dem Gebrauche dieses Thees mögen sie

entweder allemal eine Antimonialmorselle mitunter essen, oder eine

blutreinigende Mixtur brauchen, welche aus der Sassafraßholzessenz,

darinne ~Resina Guaiaci~ aufgelöset worden ist, aus Essenz des

mechischen Balsams Aloeholzessenz und Wachholderholzgeiste

zusammengesetzt werden muß. Wöchentlich können sie sich einmal solcher

Pillen bedienen, welche aus Christwurzelkrautextrakte, Gialappenharze,

~Resina Guaiaci~, ~Gummi armoniaco~, Stahlfeile und ~Mercurio

diaphoretico fixo solari~ verfertiget werden müssen. Dabey mögen unter

der Mahlzeit Fleischbrühen, darinnen Ottern gekocht worden sind,

genossen werden.

§. 61. Wenn man nun merket, daß die Sommersprossen etwas blässer zu

werden, und sich allmählig zu verlieren anfangen: Denn dieses muß

das Merkmaal seyn, daß das Geblüte ziemlich gereiniget worden sey;

so kann man ohne Schaden auch äußerliche Mittel in Gebrauch nehmen,

doch befehle ich, die innerlichen Arzneyen durchaus nicht bey Seite

zu setzen, sondern immer fort zu brauchen. Man kann also äußerlich

mit Guten Nutzen Quittenkörnerschleim, oder Flohkrautsamenschleim mit

Bleyweiß versetzen, und etliche Grane von süssen Merkur darzu thun, und

hernach auf die Haut streichen. Man mag auch, statt diesem, Bleyweiß

und süssen Merkur in Rosenwasser auflösen und auflegen. Viele wollen

das Wasser, womit das Schweißtreibende Spießglas ausgelauget worden

ist, als ein dienliches Waschwasser rühmen. Andere hingegen rathen,

daß man einen Scrupel vom ~Lapide medicamentoso Crollii~ in einem

Quarte reinen Brunnenwasser auflösen, und sich damit waschen solle.

Und wiederum wollen andere, daß man sich aus spitziger Klettenwurzel

und Schellkrautwurzel ein Decoct bereiten, und sich dessen bedienen

solle. Man lobt Citronen oder Limoniensaft, darinnen Alaune aufgelöset

worden ist, und giebt den Rath, das Angesichte damit zu bestreichen.

Das Mehl von bittern Mandeln, wenn es mit Essig zu einer Salbe gemacht

worden ist, pflegt man sonst in gleichen Umständen zu loben. Andere

nehmen Ingber, und kochen ihn in Wein und Wasser, oder sie machen mit

Brandwein eine Tinktur davon, und lassen das Angesichte damit waschen.

Andere aber setzen gar Schwefel zu dem Ingber, und kochen diese beyden

Stücke mit Weine, bis sie dicke geworden sind, alsdenn gesellen sie

solchen eine Fettigkeit bey, machen eine Salbe daraus, und lassen

dieselbe brauchen. Ich lasse den Schönen die freye Wahl, welches Mittel

sie von alle denen, so ich ihnen vorgeschlagen habe, zu ihrem Gebrauche

erwählen wollen.

§. 62. Die alten abergläubigen Weiber setzen ihr ganzes Vertrauen

auf die Nachgeburt einer Erstgebährerinn, und verlangen, daß solche

von einem Knäbchen seyn solle, denn sonst pflegte dieses Mittel

fruchtlos zu seyn. Sie nehmen diese Nachgeburt, wenn sie noch warm

ist, und fahren damit derjenigen Person, ohne ihr Vermuthen über

das Angesichte, bey welcher sie die Sommersprossen zu vertreiben

die Absicht haben. Ich habe den Versuch davon einmal in meiner

Vaterstadt mit meinen Augen gesehen. Die Bademutter rufte eine solche

buntfleckichte Guckgucksschöne zu sich, als ob sie ihr etwas zu

eröffnen hätte, und fuhr ihr, da sie sich zu ihr genähert hatte, mit

der warmen und blutigen Nachgeburt, ohne daß sie sich einer solchen

ungewöhnlichen Liebkosung versah, über das ganze Angesicht, so, daß

das sommersproßichte Mägdchen vor Erschreckniß beynahe ein Kind hätte

bekommen mögen. Ich habe aber in der künftigen Zeitfolge gesehen, daß

dieses Mittel ohne Nutzen gewesen war, denn sie behielt alle ihre

Sommersprossen. Ich glaube also, daß wenn auch dieses Mittel helfen

soll, so wird es doch gewiß nichts vermöge der Nachgeburt, wohl

aber des Schreckens etwas auszurichten im Stande seyn. Denn da bey

unvermuthet vorgefallnen Erschreckniß das Blut von der Oberfläche der

Haut gerissen, und nach den innern Theilen getrieben wird; so kann es

gar leichte geschehen, daß die Sommersprossen ebenfalls mit zurück

geworfen werden, und also verschwinden können. Ob aber auch daher nicht

zugleich viele Verdrießlichkeiten ihren Ursprung nehmen mögen, ist eine

andere Frage, welche noch einiger genauen Untersuchung nöthig hat.

§. 63. Diejenigen aber, welche sich einfallen lassen, solche Mittel

zur Vertreibung der Sommersprossen zu gebrauchen, welche ich 46sten u.

54sten Absatze gemißbilliget habe, die ziehen sich nicht nur diejenigen

Krankheiten zu, welche im 48, 49sten und 55sten Absatze beschrieben

und angezeiget worden sind, sondern sie laden sich auch noch mehrere

üble Zufälle auf ihre zarten Schultern. Denn da alle diese Mittel gar

zu heftig zurücke treiben, so werden von diesen zurückgetriebenen

Sommersprossen bald Schlagflüsse, Blödigkeit der Augen, triefende

Augen, Entzündungen und wohl gar Blindheiten entstehen. Bald werden sie

fließende Ohren, schweres Gehör und Taubheit zum Vorscheine bringen.

Zuweilen nimmt auch wohl eine Lähmung der Zunge, eine Bräune und eine

Geschwulst der Ohrendrüsen, sowohl als der Speicheldrüsen, ihren

Ursprung davon. Fallen die zurückgetriebenen Sommersprossen auf die

Lunge, so verursachen sie Engbrüstigkeiten, Erstickflüsse, Geschwüre

in der Lunge, Lungensuchten, ja zuweilen gar Wassersuchten der Brust.

Endlich erzeigen sich auch hiervon hitzige Entzündungfieber, welche

allesammt von dem Orte ihres Sitzes verschiedene Benennungen haben.

Daher kommen auch abzehrende und schleichende Fieber. Zurückgetriebene

Sommersprossen können zur verstopften und unterdrückten Reinigung, zum

weißen Flusse, zur Mutterplage, zur Verstopfung und Verhärtung der

Leber, des Milzes, der Gekrösdrüsen und andern Zufällen Anlaß geben.

Sie sind vermögend, Colicken und Darmgichten hervor zu bringen, ja sie

sind geschickt, wohl gar zur Wassersucht und zu kalten Geschwulsten

den Weg zu bahnen, und allerley Arten der Gicht herbey zu schaffen.

Kurz, die zurückgetriebenen Sommerflecke sind reiche Quellen vieles

Verderbens, weil dadurch die unmerkliche Ausdünstung gehemmet wird,

und daher nichts als solche Krankheiten erzeugen, welche allemal zu

entstehen pflegen, wenn diese nicht gehörig von statten zu gehen weis,

wie im 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze mit mehrerem davon

nachzusehen ist.

§. 64. Alle diese im 48, 49, 55 u. 63sten Absatze angeführte

Krankheiten können auch entstehen, wenn die Finnen ein küpfrichtes

Angesicht, und die Flechten mit äußerlichen und zurücktreibenden

Arzneymitteln zur Unzeit vertrieben werden.

§. 65. Finnen sind kleine Geschwüre der Haut, in der Größe eines

Hanfkorns, welche einen harten und rothen Umfang, in der Mitte aber

ein weißes Fleckchen haben, mit Eyter angefüllt sind, meistentheils

das Angesicht einnehmen, und unter der Haut von stockenden Salzwasser

entstehen. Man sagt, daß die Finnen sich gemeiniglich bey solchen

Frauenzimmern einzufinden gewohnt wären, welche mannbar geworden sind,

doch aber eine strenge Keuschheit beobachten. Ja man will so gar

behaupten, daß keine bessere Heilungsart bey den Finnen statt fände,

als der Ehestand. Ich läugne dieses zwar nicht, doch aber glaube ich

auch, daß die Vollblütigkeit viel Schuld an den Finnen sey.

§. 66. Den Kupferhandel nennt man diejenige Röthe des Angesichts,

welche vornehmlich an den Wangen und an der Nase sichtbar ist, sehr

hochrothe, und fast rosenfarbigte eyterhafte Erhabenheiten zeigt,

und kleine Grindchen hat, die aber zuweilen so überhand nehmen, daß

die Haut des Angesichts davon ungleich rauh, und schäbicht wird, und

garstig anzusehen ist, die Nase aber wird davon sehr aufgetrieben,

groß und dicke. Man will insgemein denjenigen Frauenspersonen, welche

diesen Handel treiben, zur Last legen, daß sie Weintrinkerinnen und

Brandweinsäuferinnen seyn sollen. Und ich dürfte mich bald überreden

lassen, es selbst zu glauben. Was meynen sie wohl darzu?

§. 67. Unter den Flechten aber versteht man gewisse Schäbigkeiten

und Geschwülste der Haut des Angesichts, welche sich vornehmlich am

Kinne befinden, ein beschwerliches Jucken verursachen, eine scharfe

Feuchtigkeit von sich lassen, und zuweilen so um sich fressen, daß

sie wohl gar das ganze Angesicht einzunehmen und unangenehm zu machen

geschickt sind.

§. 68. Da diese im 65, 66 und 67sten Absatze angeführten Fehler der

Haut ebenfalls, wie die Sommersprossen, eine Unreinigkeit der Säfte

zum Grunde haben; so können solche auch durch eben diese Heilungsart

gehoben werden, die ich als sicher im 60 und 61sten Absatze den

Schönen angepriesen habe.

[Illustration]

Das sechste Kapitel.

Von den Unangenehmen Empfindungen, welche die Schönen leiden, indem sie

sich eine hohe Stirne zu machen, beschäftigen.

§. 69.

Einmal hat nun schon die Einbildung in den Herzen unsrer Schönen

so tiefe Wurzel geschlagen, daß eine hohe Stirne, die nämlich auf

der Mitten gleich über der Nase eine Spitze hat, auf beyden Seiten

aber in etwas zurück läuft, und eine einwärtsgehende halbzirkelrunde

und zurückgebogene Krümmung macht, eine ganz besondere und

bewundernswürdige Schönheit sey. Die Frauenzimmer sind unverdrossen,

sich eine solche hohe Stirne zuwege zu bringen, und wollen lieber

entweder durch Anlegung ihrer eigenen Hände, oder durch Beyhülfe andrer

Staatsmärtyrinnen werden, als diese eingebildete Schönheit gänzlich

entbehren. Es ist ein belachenswürdiges Bemühen, da man sich, um eine

hohe Stirne zu haben, so vielen schmerzhaften Empfindungen aussetzt.

Ich dächte, die Natur hätte ihnen schon ohnedies Schmerzen genug

auferlegt, ohne daß sie nöthig hätten, ihre Pein aus einer bloßen

närrischen Modesucht zu vermehren. Ich bin der völligen Meynung, daß

sich die Schönen, um ihres Wunsches theilhaft zu werden, oftmals weit

mehr Marter, entweder selbst, oder sich durch andere anthun lassen, als

wenn man die peinlichen Fragen an sie ergehen, oder an ihnen alle Grade

der Tortur vornehmen ließe. Ich getraue mir eine Wette zu gewinnen, daß

ihnen unter dieser Beschäftigung die Thränen häufig über die Wangen

herunter laufen müssen, und daß sie für Angst tiefgeholte Seufzer von

sich hören zu lassen gezwungen würden. Ja, ja, was man sehnlich zu

haben wünscht, darnach seufzet man desto brünstiger. Man sollte es

fast nicht glauben, daß das menschliche Herz einen so großen Ueberfluß

thörichter Eitelkeiten in sich schließen könnte.

§. 70. Die sich nun einmal vorgesetzt haben, eine solche im 69sten

Absatze beschriebene hohe Stirne zu haben, die besitzen auch

Herzhaftigkeit genug, sich die Haare von der Stirne mit einem hierzu

verfertigten Zängelchen ausreißen zu lassen, bis sie glauben, ihre

Stirne habe nunmehr diejenige Modefigur, die sie haben muß, wenn sie

vor schön gehalten werden soll. Ich aber möchte die Schmerzen nicht

büßen, die sie doch aus Hochmuth gutwillig leiden. Sonst pflegten

sich nur diejenigen die Haare auszureißen, denen ein großes Unglück

begegnet war, itzo aber reißt man sich die Haare aus, um sich zeitlich

glücklich machen zu mögen. Andere lassen sich, in eben dieser Absicht,

die Stirne mit einer Salbe bestreichen, welche aus lebendigen Kalke,

gelben Arsenik und schwarzer Seife bereitet wird. Diese Sachen nun

werden mit scharfer Meisterlauge, so viel als hierzu erforderlich ist,

zu einer dünnern Salbe gemacht, um die Haare damit weg zu beizen.

Dieses haarbeizende Mittel heißt, das türkische Rußma. Denn man will

uns versichern, daß die Türken, welche sonst an ihrem ganzen Leibe,

ausgenommen auf dem Kopfe und an dem Barte, keine Haare zu tragen

gewohnt wären, mit dieser Salbe ihre Haare weg zu bringen bemüht seyn

sollten. Andern aber gefällt es, an statt der Meisterlauge kampferirten

Weingeist zu nehmen. Einige bedienen sich des weißen Pechs, oder des

bis zur Härte gekochten Terpenthins, und zerlassen es mit etwas Wachs

über Kohlen, hernach lassen sie sich solches warm über die Stirne

streichen, und wenn es darauf kalt und harte geworden ist, so erlauben

es die Schönen, daß man es ihnen abreißen mag, da denn die Haare mit

sammt den Zwiebeln ausgerissen werden, sie aber zur Belohnung ihrer

Staatspein die längst gewünschte hohe Stirne als eine Beute davon

tragen. Sauer erworbener Sieg! Aber man darf nicht denken, daß die

hohe Stirne nur von einer ausgestandenen Geduldsprobe so gleich fertig

gemacht werde. Nein, man muß sich solche Marter öfters, und solange

anthun lassen, bis auf der Stirne kein Härchen mehr zu sehen ist.

§. 71. Diejenigen, welche entweder ihre Haare auf der Stirne mit einem

Zängelchen ausreißen, oder mit weißem Peche und Wachse wegbringen

lassen, müssen zwar große Schmerzen ausstehen: doch was duldet man um

der Mode wegen nicht! Aber diejenigen Frauenspersonen, welche die Haare

von der Stirne mit dem türkischen Rußma wegbeizen lassen, müssen noch

weit mehr ausstehen, denn sie bekommen Entzündungen der Haut, welche

unsäglich brennen und wehe thun, ja es erzeugen sich so gar Grinde,

unter welchen ein Eiter und eine scharfe tief unter sich fressende

Feuchtigkeit wohnt. Alles dieses plagt die Schönen öfters, so, daß

sie lange Zeit die Stube zu hüten genöthiget werden. Das Uebel aber

pflegt noch böser zu werden, und länger zu dauern, wenn die, so dieser

Thorheit Frohndienste geleistet haben, verdorbene Säfte besitzen. Doch

ich wollte, daß ihre Eitelkeit noch weit schlimmere Folgen verursachte,

weil das Frauenzimmer so verwegen ist, die ewige Weisheit zu tadeln,

der doch die Schönheiten, als geringe Geschöpfe, mit aller Dankbarkeit

verbunden seyn sollten, wenn auch die Natur sie nur zu einer Auster

gemacht hätte. Mein Eifer ist gerecht: Aber werde ich auch damit alle

thörichte Herzen vernünftiger zu machen fähig seyn? In Ewigkeit nicht.

[Illustration]

Das siebende Kapitel.

Von dem Schaden, welcher sich von dem Schwarzfärben der Augenbraunen

entspinnt.

§. 72.

Allerdings müssen die Augenbraunen ebenfalls geändert werden, wenn nach

der itzigen Mode alles am ganzen Körper ein ander Ansehen bekommen muß.

Doch die Nase ist noch bis itzo unangetastet geblieben. Sie hat von

Glück zu sagen, daß sie nicht auch wie andre Theile des Angesichts und

des ganzen Körpers hat herhalten dürfen. Mich wundert es nicht wenig,

daß der Witz der Schönen bey ihr so lange hat müßig seyn können,

ohne ihr einen Zierath oder sonst einen Nasenschmuck anzuhängen. Doch

ich dächte, es wäre der Billigkeit gemäß, auch auf die Nase einige

Sorge zu wenden, damit sie nicht ohne allen Putz bliebe. Die Schönen

würden gerecht gegen dieses Glied handeln, wenn sie sich wenigstens

einen goldnen Ring durch die Nase ziehen ließen. Ich bin bey mir

selbst überzeugt: daß dieser Schmuck nicht nur artig zum Angesichte

lassen, sondern auch sonst großen Nutzen haben werde. Wenigstens könnte

dieser Nasenring bey widerspenstigen und ungehorsamen Weibern nicht

undienlich seyn, zumal wenn man ein seiden Strickchen an diesen Ring

befestigte. Denn wenn sich solche Weiber nicht mit Vernunft und Worten

lenken lassen wollten; so könnten die Männer sie, wie die Bärführer

den Tanzbär, mit diesem an den Nasenring gebundenen Strickchen nach

ihrem Gefallen ziehen und zum Gehorsam bringen. Mich soll es nicht nur

recht herzlich freuen, sondern ich will auch so gar eine hochmüthige

Stellung, wie der Arzt Mäv, annehmen, wenn ich so glücklich seyn

sollte, daß meine Erfindung und mein Gutachten von den Schönen wohl

angenommen und mit gutem Erfolge gebraucht würde. Die Männer, welche

böse Weiber haben, würden gleichfalls Ursache finden, mir für meinen

glücklichen Einfall höchst verbunden zu seyn. Ja ich traue ihnen so

viel Gutes zu, daß sie wohl gar diesen nützlichen Nasenring, aus wahrer

Dankbarkeit, nach des Erfinders Namen nennen würden, so, wie es ehedem

das sämmtliche Frauenzimmer gemacht hat, welches die spitzigen, und wie

ein Thurm in die Höhe gesteckten Kopfzeuge, so des Königs in Frankreich

Beyschläferinn ~la Fontange~ zum ersten erfunden hatte, nach ihrem

Namen Fontangen zu nennen, vor rathsam befand.

§. 73. Daß die Augenbraunen vieles zur Schönheit des Angesichts

beytragen, ist eine Gewißheit. Denn man betrachte nur einmal ein

Angesicht, welches entweder durch die Blattern, oder andere Zufälle,

die Augenbraunen eingebüßt hat, wie ungestalt und häßlich es aussieht.

Der Nutzen aber, welchen die Augenbraunen zu erweisen pflegen, ist von

weit größerer Erheblichkeit, als die ganze eingebildete Schönheit. Denn

es hat das Ansehen, als ob dieselben vornehmlich darzu bestimmt wären,

den Schweiß, welcher von der Stirne herunter läuft, so wie ein Damm das

Fluthwasser abzuhalten, damit derselbe nicht in die Augen laufen, und

solchen eine unangenehme Empfindung verursachen, oder gar einen größern

Schaden zufügen möge. Die Augenbraunen halten auch den Staub und die

Unreinigkeit auf, welche sonst gar leichte in das Auge fallen, und ihm

zur Last werden können. Ja sie verhindern auch einigermaßen den allzu

geschwinden Einfall starker und ungewöhnlicher Lichtstralen in die

Augen, wenn man die Augenbraunen in etwas niederwärts zieht.

§. 74. Da aber die Schönen aus Mangel guter Vernunft, mehr auf die

Schönheit der Augenbraunen, als auf deren Nutzen zu sehen gewohnt sind;

so färben sie solche, um ihre Schönheit noch mehr zu erhöhen, schwarz,

und hierzu bedienen sie sich derjenigen Mittel, welche ich im 26 und

27sten Absatze schon erzählt habe. Viele nehmen einen Mandelkern,

halten ihn so lange an ein brennend Licht, bis er schwarz geworden

ist, darnach färben sie die Augenbraunen damit. Andere nehmen ein Oel,

und reiben es auf einem zinnernen Teller mit einer bleyernen Kugel so

lange, bis eine schwarze Farbe davon entsteht, und mit dieser bemahlen

sie die Augenbraunen, und machen selbige schwarz.

§. 75. Die im 26 und 74sten Absatze angeführten haarschwarzmachenden

Mittel verursachen eben keinen Schaden, und können, wenn man sonst

Thorheit genug besitzt, meinetwegen immer gebraucht werden, sich

damit schwarze Augenbraunen zu machen. Dasjenige haarschwarzmachende

Decoct aber, dessen ich im 27sten Absatze Meldung gethan habe, bringt

nicht nur die im 28sten Absatze erzählten Krankheiten zum Vorscheine,

sondern es macht auch noch mehrere Ungelegenheiten. Denn da dieses

Mittel aus beizenden Dingen besteht; so werden nothwendig die Haare

der Augenbraunen davon weggebeizt werden und ausfallen müssen: folglich

wird das Angesicht einen ansehnlichen Theil seiner Schönheit verlieren,

die Augen aber selbst vielen Schaden leiden. Man wird es ganz wohl

begreifen, daß, wenn die Haare der Augenbraunen weggefressen werden

oder ausfallen, der Staub und andere Unsauberkeiten, ja so gar der

Schweiß, welcher von der Stirne herunter rollet, den Augen zur Last

werden, und in selbigen nicht nur empfindliche Schmerzen und ein

beschwerliches Drücken mit einem beständigen Thränenflusse, sondern

auch Entzündungen, Geschwüre, Blödigkeit und Blindheit verursachen

müssen.

[Illustration]

[Illustration]

Das achte Kapitel.

Von den Schädlichen Folgerungen, welche von dem Weißmachen der Zähne

entstehen.

§. 76.

Weiße Zähne sind eine große Schönheit, und dieselbigen weiß zu machen

und weiß zu erhalten ist lobenswürdig, und eine Reinlichkeit, davon

sich der Nutzen auf alle Glieder des Körpers erstreckt. Denn da die

Zähne diejenigen Werkzeuge sind, vermöge welcher die Speisen im Munde

zerschnitten, mit Speichel vermischt, und zur Verdauung geschickt

gemacht werden; so thut man wohl, wenn man solche sauber, rein und weiß

zu halten bemüht ist, um dem Magen in seiner Verdauungskraft desto

besser zu Hülfe zu kommen, damit derselbe nicht außer Fähigkeit gesetzt

werden möge, einen guten Brey (~chymum~) zu verfertigen. Denn wie

dieser beschaffen ist, wird auch der Nahrungssaft, das Blut, und alle

übrigen Säfte beschaffen seyn müssen, weil davon die Gesundheit und

Krankheit des Körpers, nachdem die Säfte entweder eine gute oder böse

Eigenschaft haben, vornehmlich abhängen.

§. 77. Der römische Arzt Bagliv räth die Sorge vor die Zähne sorgfältig

zu beobachten an. Er spricht auf der 476 Seite, man solle Sorge vor

seine Zähne tragen, damit man wohl verdauen, und lange leben möchte.

Und Herr Doctor Platner hat in seiner sehr gelehrten Abhandlung von

den Krankheiten, welche von der Unsauberkeit ihren Ursprung haben,

gründlich ausgeführt: daß die Reinlichkeit der Zähne eine höchstnöthige

Bemühung sey. Er sagt im 16. Absatze seiner Abhandlung: Es ist allen

bekannt, daß mit den Zähnen die Speisen zerkäuet, verdünnet, ermürbet,

und alsdenn zur Unterhaltung des Körpers angewendet werden. Wenn aber

die Zähne ausfallen oder angefressen und wackelnd werden, wird die

Speise im Munde nicht wohl präpiret, welche, so grob in sich genommen,

sehr schwer von dem Magen und andern Eingeweiden bezwungen, und eine

solche Crudität zugezogen wird, wodurch die Eingeweide geschwächt, und

die Säfte verdorben werden. Indem wir käuen, wird der sich an Zähnen,

Zunge und Gaumen häufig angelegte Unrath mit den Speisen sehr genau

vermischt, welche denn einen unreinen Nahrungssaft und verderbtes

Geblüte machen, mithin einen Grund zu künftigen Krankheiten legen.

§. 78. Man hat nöthig, eine kluge Wahl mit den Mitteln anzustellen,

deren man sich, um die Zähne weiß zu machen, zu bedienen gesonnen

ist, damit man nicht Schaden anrichte, oder gar seiner Gesundheit

verlustig werde. Wer sich meinen Rath gefallen lassen will, den wird

es in Ewigkeit nicht gereuen, daß man gehorsam gewesen ist. Ich kann

mit Wahrheit versichern, daß kein sichrer Mittel sey, die Zähne

weiß zu machen, als wenn man solche fleißig durch Hülfe der Finger,

nicht aber eines Zahnbürstchens, mit dem Kaffeesatze, welcher aber

so lange ausgekocht werden muß, bis er dem Wasser keine Farbe mehr

zu geben vermögend ist, abreibet, hernach aber die Zähne mit rothen

Weine, welchen einige unvernünftige Weiber vor ein tödtliches Gift

in den Blattern bey Kindern ausgeschryen haben, abspielet. Man kann

entweder dieses Pulver vor sich alleine brauchen, oder mit andern

Dingen versetzen lassen. Es ist so abgeschmackt nicht, wenn man dem

Kaffeesatze florentinische Schwerdtlilienwurzel, gedörrtes Salbeykraut,

rothe Korallen, und etwas weniges von der Terra catechu zugesellet. Wer

eine Latwerge verlangt, der darf nur diese Stücke mit weißem Honige

vermischen, und zum Gebrauch anwenden.

§. 79. Diejenigen aber handeln unrecht, welche sich die Zähne mit

Bimsteine, Steinsalze, gebrannter Alaune, zu Kohlen gebrannten

Brodrinden, oder gar mit saurem Vitriolgeiste weiß zu machen, beflissen

sind. Es ist wahr, der saure Vitriolgeist macht die Zähne weiß, zumal,

wenn man sehr zartes Papier, darinnen man die Metallgoldblätter zu

verwahren pflegt, nimmt, diesen Vitriolgeist drauf gießt, zu einer

Salbe reibet, und die Zähne damit abputzet. Aber es währet gar nicht

lange, so werden die Zähne davon morsch, und brechen Stückweise ab.

Die übrigen Mittel verletzen nicht nur das Zahnfleisch, sondern sie

benehmen auch den Zähnen das gläserne Wesen. Wenn aber dieses verlohren

geht; so fangen die Zähne an hohl, schwarz und brandig zu werden,

so, daß Zahnschmerzen davon entstehen und endlich brechen die Kronen

davon gar ab, die Zähne selbst fallen aus, oder sie müssen ausgerissen

werden. O wie garstig ist es, wenn ein junges Weibchen keine Zähne mehr

im Munde zählen kann, und sich selbst mit schädlichen Mitteln zu einem

alten Weibe vor der Zeit gemacht hat. Aber ein Glück ist es vor die

Männer, wenn ihre bösen und gebeißigen Weiber keinen Zahn mehr haben,

da hört man sie vor Freuden mit jenem Sinndichter anstimmen und singen:

Wenn mein Weib über Zahnschmerz schreyt,

So bin ich inniglich erfreut.

Nun denk ich wird sie nicht mehr beißen,

Nun glaub ich wird sie frömmer seyn;

Und mich ihr liebes Männchen heißen,

Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein:

Denn nach dem Schmerze wird sie immer,

Von Zeit zu Zeit, und täglich schlimmer.

§. 80. Wenn nun aber die Zähne durch solche schädliche Zähnweißmachende

Mittel verlohren gegangen sind, so werden die Speisen im Munde nicht

gehörig zermalet werden können, sondern ganz in den Magen geschluckt

werden müssen; folglich wird der Magen dadurch sehr geschwächt

werden, und einen unvollkommenen und rohen Brey bereiten, woraus denn

nothwendiger Weise ein schlechter Nahrungssaft entstehen muß, der ein

böses Blut und üble Säfte macht, welche den festen Theilen des Körpers

kein Gedeyen geben können. Die festen Theile des Körpers werden also in

einen ungewöhnlichen und widernatürlichen Zustand gerathen, und lauter

solche Krankheiten erzeugen, deren Grund man in verdorbenen Säften zu

suchen hat. Ja es wird sich wohl gar eine allmählige Abzehrung darzu

einfinden, und der Körper wird in Lebensgefahr gerathen. Es würde

mir nicht schwer fallen, ein ganzes Register von solchen Krankheiten

herzusetzen, welche allesamt aus dieser Quelle zu fließen pflegen, wenn

es mir selbst sowohl, als andern nur nicht zum Ekel wäre. Sehen sie

nicht, wie vielen Gefährlichkeiten man sich aussetzt, wenn man unrechte

Mittel zu seiner Absicht erwählet, und sich damit selbst betrüget? O

was für ein Laster ist doch der Selbstbetrug! So geht es, man straft

sich zuweilen selbst mehr, als man von andern vielleicht niemals

gestraft worden wäre. Doch der übergroßen und sich selbst eingebildeten

Klugheit geschiehet das Recht. Ich bedaure die Schicksale der Schönen

nicht, darein sie sich aus Unvernunft und Uebermuth gestürzet haben.

[Illustration]

Das neunte Kapitel.

Von den Unpäßlichkeiten, welche von dem Löcherstechen in die

Ohrläppchen, zum Ohrgehängtragen, herkommen.

§. 81.

Es ist eben keine neue Erfindung, daß man Löcher in die Ohrläppchen

zu stechen pflegt. Schon bey den alten Römern, bey denen alles,

was nur feyerlich vollzogen werden sollte, durch gewisse Gebräuche

und Weydsprüche, die sie in ihrer Mundart ~Formulas solennes~

nannten, verrichtet werden mußte, war es gewöhnlich, daß sie ihren

leibeigenen Knechten Löcher in die Ohrläppchen stechen, und solche an

die Hausthüren heften ließen, um ihnen dadurch zu verstehen zu geben,

daß sie Zeit Lebens nicht von dem Hause ihres Herrn weichen sollten.

Wer sich aber überredet, daß unsere Schönheiten sich in gleicher

Absicht Löcher in die Ohrläppchen stechen zu lassen gewohnt wären,

um fleißig zu Hause bleiben zu wollen, der betrügt sich in seinen

Gedanken. Ich glaube vielmehr, daß solche Weiber ihren Männern dadurch

das Gegentheil erkennen zu geben willens sind, um sich vielleicht

auch anderweit als geduldige Thierchen aufzuführen. Ich lasse mir es

nimmermehr ausreden, daß sich manche Schönen nicht gerne aus Hoffahrt

Löcher in die Haut stechen lassen sollten. Ich glaube sogar, daß das

schöne Geschlecht davon eben keinen Schmerz empfinden müsse, denn sonst

würden sie sich sonder Zweifel vor solchen Mordeisen fürchten. O! da

es den Frauenspersonen nicht zu heilig ist, ihren Kopf dem Stiche

darzureichen, so werden sich auch unartige gewiß kein Gewissen daraus

machen, andere, und noch wenig edlere Theile geduldig darzubieten.

Wer den Frauenzimmern die Geduld abspricht, der ist ein Verächter des

schönen Geschlechts.

§. 82. Es ist ganz wahrscheinlich, ob schon diese Wahrscheinlichkeit

noch eines großen Beweises bedürftig ist, daß die Mode, sich Löcher

in die Ohrläppchen stechen zu lassen, um Ohrringelchen und Ohrgehänge

tragen zu können, von den Römern ihren eigentlichen Ursprung genommen

habe. Jedoch liegt eben die Seligkeit nicht daran, wenn man auch gleich

meinem Einfalle keinen Glauben beyleget. Genug daß ich den Glauben habe.

§. 83. Ohnerachtet die Natur die Schönen mit so vielen Gaben vor

den Männern zum voraus bereichert hat; so wollen sie sich doch noch

immer mit mehrern unnöthigen Dingen belästigen, um sich dadurch

ein ehrwürdigeres Ansehen zuwege zu bringen. Sie erlauben also, daß

man ihnen darum Löcher in die Ohrläppchen stechen darf, damit sie

Ohrringelchen und Ohrgehänge tragen können. Wenn ihnen die Natur solche

lange Ohrlappen zugemessen hätte, so versichre ich, sie würden sich

solche längst haben abschneiden lassen. Da ihnen aber die Natur kurze

Läppchen zu geben vor gut befunden hat; so ist ihre einige Sorgfalt

dahin gerichtet, wie sie solche durch Kunst verlängern möchten. Oefters

tragen die Frauenspersonen eine Last von Steinen an den Ohrläppchen,

daß dieselben davon ausreißen, und ihnen Schmerzen verursachen müssen:

Aber auch diese übertragen sie mit weit christlicher Gelassenheit,

als jene Mutter den Tod ihres an Blattern verstorbenen allerliebsten

Kindes, um nur schöner aussehen zu mögen. Die Alten pflegten von Golde

gewisse Figuren, als Lämmchen, Kreuzchen, Ottern und Schlangen an den

Ohrringelchen zu tragen. Heut zu Tage aber sieht man Perlenmutter,

gute und unächte Steine, gute Perlen und wächserne Perlen, welche

mit Glase überzogen sind, und andere geschnittene oder geschliffene

von Glas verfertigte Flüsse, die verschiedene Ecken haben, damit die

Lichtstrahlen sich darinne auf mancherley Weise brechen und die Farben

verändern können, an den Ohrläppchen herunter hängen.

§. 84. Die Lust, Ohrgehänge tragen zu wollen, gründet sich auf nichts,

als auf eine bloße Eitelkeit, welche immer die Hauptleidenschaft

der Schönen gewesen ist, und so viel ich davon einzusehen vermögend

bin, noch itzo ist, auch vielleicht, wenn es mir erlaubt ist, meine

Prophezeyung frey heraus sagen zu dürfen, noch in Zukunft der Liebling

des schönen Geschlechts bleiben wird. Man mag es nur sicher glauben,

daß diejenigen, welche ihren Körper beständig zu putzen und zu

schmücken bemüht sind, eine sehr eitle Seele besitzen. Ich glaube es in

Ewigkeit nicht, was einige Schönen sagen. Denn

Auf Sagen mag ein andrer bauen,

Auf Sagen bau ich nicht;

Ein Narr, nicht ich, mag allen trauen,

Von dem man sagt und spricht:

Doch Mops glaubt viel, und wird betrogen,

Ja, gar zu oft bethört.

Warum? Mops ist tumm auferzogen,

Und viel zu ungelehrt.

Ich sage es noch einmal, ich lasse mich doch nicht überreden, wenn man

auch gleich seine Eitelkeit mit noch so schönen Farben anzustreichen

sucht, um andern beybringen zu mögen, daß sie bloß darum den Entschluß

gefaßt hätten, die Ohrläppchen durchstechen zu lassen, damit sie

sich von den Flüssen, die ihnen so oft zur Last zu fallen pflegten,

loß machen könnten. Es ist kein Zweifel, daß dieses nur ein eitler

und scheinbarer Vorwand sey, womit man seiner eitlen Gesinnung einen

Mantel umzugeben meynet. Wenn sich solche zu Flüssen des Kopfs und

der Augen geneigte Schönen, durch die Haut im Nacken ein Haarseilchen

(~Setaceum~) ziehen, oder am Arme ein Fontenell hätten setzen

lassen; so würde niemand mehr, als ich, ihren Worten Glauben zustellen;

ja ich würde ihre Sorge, die sie auf die Erhaltung ihrer Gesundheit zu

wenden beflissen gewesen wären, für untadelhaft halten.

§. 85. Kein Putz ist so vollkommen, welcher nicht auch seine

Unvollkommenheiten nach sich ziehen sollte, und so geht es auch mit

den Löchern, welche darum gestochen werden, damit man die Ohrläppchen

mit Ohrgehängen auszieren könne. Denn obschon die Ohrläppchen als ein

Knorpel sehr wenig Empfindung haben; so geschiehet es gleichwohl, wenn

man sich die Löcher stechen läßt, daß an den Ohrläppchen Schmerzen

empfunden werden, daß sie eine Entzündung bekommen, und zu schwären

anfangen. Aber auch dieses alles pflegt sich auch alsdenn zu ereignen,

wenn die Ohrläppchen, wegen der großen daran hängenden Last von

einander gerissen werden. Ohnerachtet nun alle diese Zufälle eben keine

Lebensgefahr verursachen, so halte ich es doch vor eine Thorheit, daß

man sich ohne Noth Schmerzen mache, die man doch, wenn man sonst klug

genug wäre, gar füglich überhoben seyn könnte. Man giebt ja ohnedies

denjenigen immer Schuld, daß sie einen Fehler des Gehirns hätten, die

durch sich selbst muthwillig zugezogene Schmerzen erst klüger werden

wollen:

Klug ist, wer fühlt, sich bessert, schweiget.

[Illustration]

[Illustration]

Der dritte Abschnitt.

Von den

Krankheiten, welche von der

Auszierung des Halses ihren

Ursprung herleiten.

Das erste Kapitel.

Von den Verdrießlichkeiten, die zu entstehen pflegen, weil das schöne

Geschlecht den Hals entblößt zu tragen gewohnt ist.

§. 86.

Unsere Schönen haben in Gewohnheit, ihren Hals entblößt zu tragen,

um theils mein Geschlechte dadurch zu reizen, theils aber auch ihm

aus Hochmuth zu zeigen, daß die Natur ihnen hiermit eine vorzügliche

Schönheit vor den Männern zum voraus geschenket habe. Sie machen sich

groß mit ihrem Halse, und schätzen die Schönheit desselbigen darum

so hoch, weil ihr Hals eine zartere Haut, eine weißere Farbe, und

keinen so hervorragenden Knorpel der Luftröhre hätte als der Hals der

Mannsbilder, denn sie solchen als etwas häßliches vorwerfen, und nur

zum Spotte den Adamsapfel nennen. Aber sie haben gar nicht Ursache,

des Adamsapfels wegen, welchen wir nicht aus unserm Verschulden,

sondern aus weisen Absichten der Natur tragen müssen, uns spöttlich

zu verhöhnen. Es ist überhaupt ein Merkmaal eines blöden Verstandes,

wenn man seinem Nebenmenschen Leibesgebrechen vorzuwerfen, unbesonnen

genug ist, wofür er doch selbst nicht kann, und die er nicht zu ändern

in seiner Macht hat, wenn er es auch gleich gerne thun wollte. Die

Mannspersonen könnten den Frauenzimmern wohl, wenn sie sonst Lust

hätten, größere Dinge vorhalten, dafür sie sich gewiß recht würden

schämen müssen, wenn sie anders so tugendhaft, wie sie sich immer

rühmen, seyn wollten.

§. 87.

Damit nun aber auch der nackende Hals nicht so gar kahl da stehen

möchte; so ist der Witz der Schönen hier sinnreich genug gewesen,

Mittel ausfündig zu machen, den Hals mit Verzierungen ausrüsten

zu mögen, um ihm mehrern Reiz und Annehmlichkeit beyzubringen.

Sie haben also zu dem Ende den Hals mit sammetnen, seidenen mit

Schmelz und Glasflusse besetzten Halsbändern, mit Schnuren, daran

Wachsperlen oder ächte Perlen gereihet sind, und mit goldenen Ketten

ausgezieret, ja sie haben ihn so gar mit einer Last von Dukaten,

so wie ein Rennschlittenpferd mit Schellen, behangen und recht

niedlich ausgeputzet, so, daß manchem darnach gelüstet haben muß, die

Hände darnach ausstrecken zu mögen, um sie von dieser Gelbsucht zu

befreyen, sich aber damit gütlich zu thun, und das Herz zu erfreuen.

Viele verherrlichen ihren Hals mit edlen Steinen, die in Gold gefaßt

sind, und bald die Gestalt eines Herzens oder eines Kreuzes, bald

aber einer Rose vorzustellen pflegen. Andere tragen gar kleine

Judenkragen, die aus Bändern oder Spitzen, welche in Falten gelegt

werden müssen, zusammen geneht worden sind, um den Hals rings herum.

Dieser Halsputz ist sehr bequem, die Kröpfe zu verbergen, und ich habe

solche meistentheils bey solchen jungen Schönen angetroffen, von denen

ich überzeugt gewesen bin, daß sie Kröpfe gehabt haben. Unzählige

Weibspersonen hängen fast ihre ganze Habseligkeiten an den Hals, und

die sie daran zu hängen nicht fähig sind, die jagen sie, aus Furcht,

sie möchten ihnen von den Dieben entrissen werden, in den Hals hinein,

um solche in Sicherheit bringen zu mögen. Ich weis wohl, daß die Weiber

mehrmals durch den Halsschmuck ihre Männer an den Bettelstab gebracht

haben. Welches gar leichte geschehen kann, wenn ihnen die Weiber,

ohne Leibeserben zu hinterlassen, sterben; so, daß sie hernach andern

die Gerade, von Rechtswegen, zu überlassen genöthiget werden. O,

ungerechtes Recht!

§. 88.

Ich will mich nun auch um die Krankheiten bekümmern, welche sich

von einem entblößten Halse zu erzeugen pflegen, damit ich nicht

vor saumselig in Ansehung meiner Pflicht gescholten werden möchte.

Da nun der bloße Hals der freyen Luft, um andern dessen Schönheit

zu zeigen, ausgesetzt wird; so wird es kein Wunder seyn, wenn sich

derselbe, zumal bey rauher, feuchter und kalter Witterung, vielen

Verdrießlichkeiten darbieten muß. Der unmerklichen Ausdünstung wird

also nothwendig bey einer solchen Beschaffenheit der Luft in der Haut

des Halses gehemmt werden, folglich wird es nichts fremdes seyn,

wenn lauter solche Krankheiten, ihren Ursprung davon nehmen, welche

allemal sich zu ereignen gewohnt sind, so ofte bey vorfallender

Gelegenheit die unmerkliche Ausdünstung gestört oder gar unterdrückt

wird. Heiserkeit, Brustflüsse, Husten, Entzündungen des innern Halses,

Beulen, Geschwüre, und mehrere dergleichen Ungelegenheiten, deren ich

schon zum öftern im 63, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze Meldung

gethan habe, sind die Kinder dieser fruchtbaren Mutter, und von eben

dieser stammen Kröpfe, (~Strumæ~) und geschwollene Halsdrüsen

(~Scrofulæ~) natürlicher Weise ab. Denn, da die Säfte des Körpers

von der verhinderten Ausdünstung darum verderbet werden, weil deren

Ueberfluß kein Ausgang verstattet ist; so müssen die Säfte dicke und

zu Stockungen geschickt, folglich faul und bösartig gemacht werden.

Nun aber haben die Kröpfe und geschwollene Halsdrüsen gemeiniglich

eine üble Beschaffenheit der Säfte zum Grunde: Was kann also wohl

natürlicher seyn? als daß solche daher entspringen müssen, weil die

gehemmte Ausdünstung vornehmlich der Haut des Halses, welche die

Drüsen, hauptsächlich aber diejenige Drüse, welche die thyroideische

heißt, umgiebet, vermöge des versagten Abflusses und beständigen neuen

Zuflusses ausgedehnet wird, und also in den von dieser Haut umkleideten

Drüsen eine Verstopfung zuwege bringen muß. Da nun ein Kropf nichts

anders, als eine widernatürliche Ausdehnung dieser Haut ist; so muß

daher diejenige weiche und nachgebende Geschwulst des Halses ihren

Ursprung nehmen, die man einen Krampf zu nennen gewohnt ist. Und eben

daher entspinnen sich auch die ~Scrofulæ~ welche geschwollene

Drüsen am Halse sind, so sich bewegen lassen, sehr harte werden,

zuweilen aber gar aufbrechen, und unheilbare Geschwüre verursachen.

Wie besorgt sind also nicht unsere Schönen bey diesen entstandenen

Umständen, um solche unsichtbar zu machen und verhöhlen zu mögen. Aber

es ist nunmehro zu späte, die Fehler itzo verbergen zu wollen, welche

man sich selbst, bloß aus einem verdammten Hochmuthe, zugezogen hat.

[Illustration]

Das zweyte Kapitel.

Von den Gefährlichkeiten, welche von der Zartmachung der Halshaut

entstehen.

§. 89.

Allerdings gehört auch eine zarte Haut des Halses zur Schönheit, daher

die Frauenspersonen, um ihren Liebhabern desto reizender seyn zu mögen,

allen Fleiß anwenden, sich selbige eigen zu machen. Doch was ich im

52sten Absatze von der Zärtlichkeit der Haut des Angesichts gesagt

habe, das kann auch von der zarten Halshaut gelten.

§. 90.

Die Schönen bedienen sich eben derjenigen Mittel, sich eine angenehme

Zärtlichkeit der Haut zuwege zu bringen, welche im 46, 53 und 54sten

Absatze angeführt worden sind. Ich halte es billig vor überflüßig,

solche nochmals zu wiederholen.

§. 91.

Wenn aber die Frauenzimmer wider alle Vernunft dennoch so verwegen

seyn, und mit Bedacht solche Dinge zum Gebrauche nehmen wollen,

die man doch als höchst schädlich anzusehen hat, und die im 46 und

55sten Absatze nachgesehen zu werden verdienen; so werden sie sich es

auch nicht entgegen seyn lassen dürfen, wenn ihnen alle diejenigen

Verdrießlichkeiten über den Hals kommen werden, welche im 88, 63, 55,

49, 42, 38, 32, 28, 18, 12, und 5ten Absatze erzählt worden sind.

[Illustration]

Das dritte Kapitel.

Von dem Schaden, welcher sich äußert, wenn die Sommersprossen und

Leberflecke des Halses mit äußerlichen und schädlichen Sachen

vertrieben werden.

§. 92.

Was ich von den Sommersprossen des Angesichts im 56, 57, 58 und 59sten

Absatze behauptet habe, das läßt sich auch auf die Sommersprossen,

welche die Haut des Halses unscheinbar machen, anwenden. Ich habe

im 60sten und 61sten Absatze eine vernünftige Heilungsart wider

dieselbigen angeführt, und diese findet auch hier statt. Im Gegentheil

aber habe ich auch im 62sten Absatze ein abergläubiges Mittel, und im

46 und 54sten Absatze noch andere schädliche Dinge verworfen, welche

sonst die Frauenzimmer, sich die Sommersprossen damit zu vertreiben,

in Gewohnheit haben. Und endlich habe ich mir Mühe gegeben, im 91, 88,

63, 55, 49, 48, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze diejenigen

Krankheiten darzuthun, welche von dem unzeitigen Gebrauche schädlicher

Mittel zu entspringen pflegen.

§. 93.

Leberflecke nennt man diejenigen gelben, braunen, oder schwarzbraunen

Flecke der Haut, so zuweilen eines Handtellers groß, zuweilen aber auch

kleiner sind. Sie haben gemeiniglich eine Rauigkeit der Haut bey sich,

welche wie Kleyen oder Schuppen abzufallen pflegt, ordentlicher Weise

aber haben diese Flecke ihren Sitz am Halse, auf der Brust, und an den

Händen, ja auch wohl andern Theilen des Körpers; endlich verursachen

sie auch ein beschwerliches Grimmen und Jucken. Diese Leberflecke nun

haben ebenfalls, wie Sommersprossen, ein verderbtes Geblüte zum Grunde,

welches seine Unreinigkeit unter der Haut abzusetzen, durch die Haut

schimmern zu lassen, und solche Flecke sichtbar zu machen pflegt.

Doch haben diese Flecke die Art an sich, daß sie zuweilen von selbst

vergehen, aber auch wiederkommen. Man hat wahrgenommen, daß sie bey

denen gemeiniglich zum Vorschein zu kommen geneigt sind, die, wenn sie

ihren Körper erhitzt haben, entweder sehr kalt zu trinken, oder sich

der kalten Luft, um sich abzukühlen, auszusetzen gewohnt sind.

§. 94.

Diejenigen Schönheiten, welche solche Leberflecke ohne Nachtheil

ihrer schätzbaren Gesundheit loß zu werden Verlangen tragen, werden

sich mit gutem Erfolge, der im 60 und 61sten Absatze vorgeschlagenen

Heilungsart bedienen können. Wenn sie aber lieber ihrem Eigensinne

Folge leisten, und die im 46 und 54sten Absatze getadelten Hülfsmittel

brauchen wollen, die werden freylich zur Strafe ihres Eigensinnes sich

alle diejenigen Krankheiten, als ein Joch über ihren schwachen Hals

werfen, die ich im 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten

Absatze angezogen habe.

[Illustration]

Das vierte Kapitel.

Von dem Unheil, welches daher zu kommen pflegt, wenn sich das

Frauenzimmer durch unrechte Mittel die Kröpfe vertreiben läßt.

§. 95.

Die angenehmste Schönheit des Angesichts so wohl, als des Halses,

ja der vollkommenste Körperbau wird einen großen Abgang seiner

Anmuth leiden, wenn der schöne weiße und runde Hals von einem Kropfe

unscheinbar gemacht worden ist. Sollte man es wohl den Schönen mit

Rechte verdenken, wenn sie sich angelegen seyn lassen, sich von

diesem Uebel, welches sie so sehr verstellt, frey zu machen? Ihre

Absicht würde keines Tadels würdig seyn, wenn sie sich nur nicht

ungeschickten Händen überließen, die ihnen allemal mehr Schaden, als

Vortheil zu verschaffen pflegen. Denn ein vernünftiger Wundarzt wird

sich wohl schwerlich unterstehen, seine Hand an einen Kropf zu legen,

welcher schon zu einer ziemlichen Größe gelanget ist, weil er von den

Kröpfen mit mir einerley Meynung und Glauben hat, daß nämlich ein

gar zu groß gewachsener Kropf eine unheilbare Geschwulst sey. Es ist

aber ein Kropf, nach meinem Begriffe, eine unschmerzhafte Geschwulst

des auswendigen Halses, die ihren Ursprung von einer gewaltsamen

Ausdehnung derjenigen Haut des Halses nimmt, welche die tyroideische

Drüse umkleidet. Zuweilen sind diese Kröpfe klein, zuweilen aber zeigen

sie eine ganz besondere Größe. Einige sind harte, andre weich. Ich

habe Kröpfe gesehen, die sehr groß waren, so, daß sie denen, welche

damit belästiget wurden, eine unangenehme und schwere Sprache, einen

kurzen Athem, ja gar Ersteckflüsse verursachten, welches gar leichtlich

geschehen kann, wenn die tyroideische Drüse, die bey nahe an den obern

Knorpeln der Luftröhre liegt, so aufschwället und groß wird, daß sie

die Luftröhre zusammendrückt, und auf diese Weise den Ausgang der Luft

so wohl verhindert, als auch den Einfall derselben hemmet.

§. 96.

Ich habe schon im 88sten Absatze erweislich gemacht, daß die Kröpfe

von der verhinderten Ausdünstung entstünden. Denn da diese die Säfte

verderbet und dicke macht; so werden die Drüsen des Halses davon in

eine Verstopfung gerathen, folglich werden sie wachsen, sich verhärten,

und endlich die Haut ausdehnen, und diese Geschwulst sichtbar machen

müssen. Ueberhaupt aber sind die Kröpfe gutartigen Verhärtungen

nicht ungleich, wenn sie aber mehr zunehmen, so können sie auch

nach und nach eine böse Art überkommen, daher sie denn auch öfters

schmerzhaft werden, Entzündungen bekommen, und zum Krebse Anlaß geben.

Leute, welche mit der Lustseuche behaftet sind, können gar leichte

bösartige Kröpfe bekommen. Alles nun, was fähig genug ist, die Haut

des Halses, welche die tyroideische Drüse umgiebet, auszudehnen, das

muß auch vermögend seyn, Kröpfe zu erzeugen. Die Halshaut aber wird

ausgedehnt, wenn man die Luft an sich hält, und den Kopf gewaltsam

zurücke wirft, oder wenn man schwere Lasten öfters auf dem Kopfe zu

tragen gewohnt ist. Alles was die Drüsen verstopfen kann, muß auch

Gelegenheit zu Kröpfen geben. Dieses aber wird ein dickes, faules

und schlammiges Wasser, wie ohngefähr das Schneewasser ist, welches

darum faul und stinkend wird, weil es sehr lange, zumal auf hohen

Bergen, ohne Bewegung gelegen hat, und eine sehr grobe Kost von Mehl

und riechenden Fleische ganz gewiß zu bewerkstelligen im Stande seyn.

Ich kann auch eine dicke, neblichte, und mit wäßrichten Dünsten stark

angefüllte Luft mit gutem Gewissen nicht davon ausschließen. Es giebt

Gegenden, wo diese Kröpfe ordentlicher Weise zu Hause sind, als wie

in Spanien, Steyermark, Tyrol, Bayern, Franken, und Schwaben, und wie

ich mir habe sagen lassen, so sollen die Frauenzimmer daselbst die

Kröpfe vor eine ganz besondere Schönheit halten, ich will es glauben,

denn vielmals macht die Mode einen Fehler schön. Ich habe an keinem

Orte mehr kröpfichte Leute angetroffen, als in Sagan, und ich bin

der völligen Meynung, daß diese vom Boberwasser herkommen, welches

ich darum darzu geschickt halte, weil solches von dem Schneewasser,

welches von den hohen Gebirgen herabfließt, und in den Bober fällt,

schädlich gemacht wird. Die Aerzte daselbst mögen das Boberwasser

noch für so gesund ausschreyen; so glaube ich es doch nicht, sondern

ich halte es darum für schädlich und ungesund, weil die Einwohner

daselbst sehr kropfreich sind. Ich lasse es mir auch nicht ausreden,

daß diejenigen, welche das Boberwasser unüberlegt als gesund anpreisen,

nicht Mangel an ihrer Wissenschaft und gar keine rechte Erkenntniß

desjenigen Orts haben sollten, in dem sie wohnen, um welche sich doch

die Aerzte, nach des Hipokrats Vorschrift vor allen Dingen zu bekümmern

verbunden seyn sollten. Der Beweis, wodurch sie das Boberwasser von

aller Schädlichkeit loszusprechen suchen, ist dieser: Sie sagen, der

Bober entspringt an der böhmischen Gränze bey Schatzlar, auf einem

hohen Berge, und hat auch darum einen sehr schnellen Lauf: das Wasser

selbst sieht sehr helle und klar aus, und rollet auf einem schweren

kiesichten und sandigten, nicht aber auf einem schlammigten und

leimigten Boden daher: Da nun aber nicht nur das Bergwasser, sondern

auch dasjenige Wasser der Gesundheit zuträglich ist, welches auf einem

kiesigten Sande fließt, und noch darzu einen geschwinden Lauf hat, und

eben darum nicht zur Fäulniß geneigt ist; das Boberwasser aber eine

solche, und keine andere Beschaffenheit besitzt, folglich muß es ein

gesundes Wasser seyn. Es ist wahr, ich muß es selber zugestehen, daß

ein Bergwasser und ein solches, welches sehr schnelle läuft, einen

kiesigten und sandigten Grund hat, und schöne krystallenklar ist,

gesund seyn könne, wenn ihm nur anders keine fremde und schädliche

Theile zugesellet werden. Allein da der Bober, von dem, auf den

höchsten Bergen liegenden, und zur Sommerszeit geschmolzenen Schnee

verderbet worden ist, so hilft alles nichts, wenn er auch gleich den

Ursprung seines Wassers dem allerhöchsten Berge schuldig, das Wasser

aber noch so krystallenartig wäre, und noch einen zehnmal schnellern

Lauf hätte, als es gegenwärtig zu haben pflegt, ja wenn auch gleich

das Boberwasser wirklich von dem, auf den Bergen geschmolzenem Schnee,

schädlich und ungesund gemacht werde, beweist sein Aufschwällen im

Sommer augenscheinlich, da es am trockensten, und heißesten ist. Denn

zu der Zeit fängt der Schnee auf dem Gebirge an zu zerschmelzen, und

den Bober am Wasser reicher, zugleich aber auch schädlicher zu machen.

Aber wenn wird auch mehr, als im Sommer, da die Hitze sehr groß und

schmachtend ist, getrunken? Wird man also nicht die Körper zu eben der

Zeit mit weit mehrern Unreinigkeiten anfüllen? Ich läugne es nicht.

§. 97.

Man will mir die Versicherung geben, daß die Könige von Frankreich

und England die besondere Kraft hätten, durch Auflegung ihrer hohen

Hände, oder durch die Berührung mit ihren Händen die Kröpfe heilen zu

können. Wer aber dieses glaubt, der glaubt mehr als ich. Ich habe nicht

gehört, daß diese gekrönten Häupter die Gabe gesund zu machen mittelbar

von den heiligen Ausgesanndten erhalten hätten. Denn meines Wissens

wußte man dazumal nichts weder von einem Könige der Franzosen, noch

von einem Könige der Britten. Wenn diese Könige wirklich die Kröpfe

heilen könnten, so würden sich ganz gewiß die Tyroler, Steyermärker,

Salzburger und andere mehr in ihre Kur begeben, um sich von dieser

Beschwerde loß machen zu mögen. Einige wollen gar anrathen, daß man

den Kropf mit einer Hand eines an der Abzehrung verstorbenen Menschens

berühren lassen solle, und wiederum andere befinden vor gut, den

Kropf mit einem Knochen eines solchen an der Auszehrung verstorbenen

Menschens zu bestreichen. Doch alle beyde Mittel gründen sich auf einen

bloßen Aberglauben. Ja man will noch mehr erzählen, und sogar sagen,

daß einige, welche sich den Kropf, mit der Hand eines an der Abzehrung

verstorbenen Menschens wirklich hätten berühren lassen, davon selbst in

eine abzehrende Krankheit verfallen seyn sollten. Aber wenn dieses ja

einmal geschehen ist, so muß gewiß derjenige schon selbst einen Fehler

im Eingeweide gehabt haben, davon vielleicht diese Krankheit entstanden

seyn mag. Denn da die Kröpfe von verdorbenen Säften ihren Ursprung

nehmen, so wird es auch gar wohl möglich seyn können, daß davon andre

Theile ebenfalls eine böse Beschaffenheit bekommen können. Doch wenn

dieses in der Wahrheit seinen Grund hätte; so würden auch sonst diese

Fälle öfterer vorfallen müssen, und so würden auch alle diejenigen,

welche sich mit einem solchen Menschen beschäftigen, und ihn angreifen,

wie nämlich die todten Weiber und Aerzte, welche vielmals solche

Körper zergliedern, in eine Abzehrung verfallen müssen. So viel aber

muß ich versichern, daß durch alle diese Mittel in Ewigkeit kein Kropf

vertrieben werden könne, auch nach meinem Glauben niemals einer geheilt

worden sey.

§. 98.

Viele haben das Herz, und wagen es, sich den Kropf mit einer Salbe

bestreichen zu lassen, welche aus Quecksilber, venetianischen Terebinth

und Schweinsfette verfertiget worden ist. Andere aber lassen ein

bleyernes Halsband, welches mit lebendigem Quecksilber bestrichen

werden muß, um den Hals tragen, und bilden sich ein, den Kropf damit

weg bringen zu können: Aber sie betrügen sich in ihrer Meynung, und

erlangen ihre Absicht dennoch nicht, ja sie richten damit vieles Unheil

an, indem sie dadurch einen Speichelfluß erregen, welcher sie in nicht

geringe Gefahr zu versetzen fähig ist. Diejenigen aber, welche den

Kropf gar durch ätzende und beizende Sachen, zu vertreiben, sich in

Sinn kommen lassen, machen es noch ärger, und verrathen offenbar ihren

Unverstand. Denn es ist natürlich, daß durch diese Heilungsart große

Adern und Nerven angefressen, der Kropf aber in einen Krebs verwandelt

werden müsse, worauf allemal gewiß der Tod erfolgen wird. Man rühmt

gemeiniglich den Schwammstein als ein untrügliches Hülfsmittel wider

den Kropf. Allein man hat befunden, daß die Leute nach dessen Gebrauche

sehr elende geworden sind, so, daß man alle Noth gehabt hat, solchen

wieder zu ihrer verlohrnen Gesundheit zu verhelfen. Zurücktreibende

Mittel verhärten nicht nur die Kröpfe noch mehr, und machen solche

bösartig, sondern sie erzeugen auch alle diejenigen Mühseligkeiten,

deren im 94sten Absatze gedacht worden ist. Diejenigen aber werden

ihre Absicht weit glüklicher erreichen, welche sich bey anfangenden

Kröpfen solcher Mittel bedienen, die ihre Wirkung durch Vertheilen zu

beweisen geschickt sind, und die Fähigkeit besitzen, das Blut von aller

Unsauberkeit zu reinigen, und die Dickheit desselbigen zu verdünnen.

Einem alten Kropfe aber ist keine andere Hülfe, als der Schnitt,

nur muß man sorgfältig darauf Achtung geben, daß der Kropf, welcher

geschnitten werden soll, von guter Art sey, nicht aber eine üble

Beschaffenheit habe, weil sonst nur die Gefahr vergrößert werden würde.

[Illustration]

[Illustration]

Das fünfte Kapitel.

Von den Ueblen Umständen, welche von der Weißmachung des Halses

abstammen.

§. 99.

Niemand wird einen gelben oder braunen und schwarzen Hals vor eine

Schönheit halten, auch so gar pflegen dieses die Frauenzimmer selbst

nicht zu thun, ohnerachtet sie doch sonst gewohnt sind, ihre eigenen

Fehler vor schön auszugeben. Sie sind, wie mein Geschlechte, einem

mißfärbigen Halse gram, und eben aus dieser Ursache bemühen sie sich,

an sich diesen Fehler zu verbessern, um sich keines Vorwurfs würdig

machen zu wollen. Sie sind in ihrer Erfindung, ihren Gedanken nach

nicht die unglücklichsten gewesen, zumal, da sie die Kunst, ihren

gelben Hals mit einem weißen Anstriche so meisterlich zu verdecken

gelernt haben, daß man sich selbst beynahe überreden lassen sollte,

diese angenehmen Schönheiten wären allesamt in Cypern gebohren worden.

Doch wenn es mir erlaubt ist, die rechte Wahrheit sagen zu dürfen, so

kommen mir solche weißgefärbte Frauenspersonen eben so, wie die Pferde

vor, welchen die Roßhändler eine andere Farbe zu geben pflegen, damit

sie solche ihres Vortheils wegen desto theurer verkaufen möchten: Und

aus einer gleichmäßigen Absicht färben die Weibsbilder ihre gelben

Hälse weiß, damit sie sich an einem oder auch nach mancher Neigung auch

an mehrere Liebhaber glücklich verkaufen könnten.

§. 100.

Die gelben Hälse aber pflegen die Frauenzimmer mit Puder, sehr zart

zu Pulver gemachten Bleyweiße, oder mit ~Magisterio Talci~

weiß anzustreichen, um ihren Hälsen besondre Annehmlichkeit zuwege

zu bringen. Einige nehmen auch diejenigen Mittel zur Hand, die ich

schon im 45sten und 46sten Absatze angeführt habe. Aber es ist auch

eine überaus schlechte Belohnung, welche sie vor ihre Bemühung, sich

nämlich einen weißen Hals zu verschaffen, bekommen. Denn sie ziehen

sich dadurch alle diejenigen Krankheiten über den Hals, die von mir im

98, 94, 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12, und 5ten Absatze

erwehnt worden sind. Und so hätte ich denn, mit andern Gelehrten,

den Kopf sowohl als den Hals schöne genug bemahlt, und abgeputzt,

ohne daß ich bey den Stücken die geringste Krankheit aufgebürdet

habe. Die Schönen würden mir das größte Unrecht von der Welt anthun,

wenn sie sich gegen mich so unbarmherzig aufführen, und mich als

einen Mörder ausschreyen wollten. Ob es aber auch nicht einige, nach

ihrem schlechten angebohrnen Verstande thun dürften, dafür mag ich

eben nicht Bürge seyn. Ich habe es mehr als einmal erlebt, daß man

Personen aus einer bloßen gehäßigen Leidenschaft Gewalt angethan und

ihnen mit einer erdachten und harten Beschuldigung, die ihnen nicht

einmal in den Sinn gekommen war, zur Last gefallen ist. In Wahrheit,

zu diesem Unglücke kann man eben so unvermuthet, wie jene Jungfer

zu einem Kinde kommen. Gebt nur eingebildeten Gelehrten, und sich

selbst weisedünkenden Herren, ob sie schon mehr Wahnwitz als Weisheit

besitzen, nicht diejenige Ehre, der sie sich in ihren Köpfen, würdig

zu seyn, glauben, so gleich werden sie an euch Gelegenheit suchen,

euch mit einer Beschuldigung, davon ihr selbst nicht einmal wisset, zu

beschweren, und es euch eben so nahe zubringen suchen, daß es euch,

wenn ihr anders Empfindung habt, wehe thun muß. Und eben so machte es

jenes Ordensglied, welches gegen seine Freunde mehr Schalkhaftigkeit

als Freundschaft besaß, ob es schon immer sein rechtschafnes Gemüthe

und seine Aufrichtigkeit in allen Gesellschaften, zumal wenn es von

Weine beredter als Bäv gemacht wurde, recht meisterlich zu rühmen

wußte, an dem aber gleichwohl, wie an einem stinkenden und faulen

Fische, kein guter Bissen war, und eben darum seine vorige Gesellschaft

zu verlassen genöthiget ward, weil man gar zu deutlich aus seinen

Gesichtszügen sowohl, als aus seiner Aufführung schließen konnte,

daß er sich besser zu einem Theaternarren, als zu einem Geistlichen

schicken würde, ohnerachtet es das tolle Glück endlich noch zu allem

Unglück zu einem mitlautenden Buchstaben, um die Zahl im ABC vollmachen

zu helfen, gemacht hatte. Hier wußte es sich erst rechte Ehre zu geben,

so, daß es endlich für Hochmuth und Einbildung in eine Krankheit, die

von den Aerzten die Milzsucht genannt wurde, zu verfallen so unglüklich

wurde. In diesem Zustande wuchs des Mannes Eigenliebe dergestalt,

daß er in eine wirkliche Raserey verfiel, in der er vorgab, daß alle

Gelehrsamkeit mit ihm ihre Endschaft erlangen würde, so bald er nur

mit Tode abgehen würde. Der Himmel lasse doch diese Prophezeyhung

immer mehr erfüllt werden! Doch ich will itzo sogleich, ohne daß ich

mehr Worte verschwende, für die ich vielleicht wohl gar noch einigen

Uebelgesinneten Rechenschaft zu geben, angehalten werden möchte,

den Beschluß meines ersten Buches, von den Krankheiten des schönen

Geschlechts, welche überhaupt dem Putze der Haare, des Angesichts und

des Halses, ihr Daseyn schuldig sind, hiermit bestimmen; und kurz, hier

ist das

Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen · 第 9 / 10 题