Krankheiten

des

schönen Geschlechts,

welche

ihr Daseyn überhaupt dem Putze des

Kopfes des Angesichts und des

Halses schuldig sind.

~OVIDIUS.~

~Forma bonum fragile est, quantumque adcedit ad annos

Fit minor.~

Sinngedichte.

Clorinde putzt ihr Haupt mit Locken Blumen Bändern,

Und sucht ihr Angesicht durch Schminke zu verändern:

Und warum thut sie das? Um schöner auszusehn,

Und sich in ihrem Putz, als wie der Pfau zu blehn.

Doch schmückte sie statt dem den innern Kopf mit Witze,

So wäre sie der Welt mehr als anitzo nütze,

So würde sie beliebt und weit gesünder seyn:

So aber findet sich bey ihr nur Krankheit ein.

[Illustration]

Der erste Abschnitt.

Von

den Ungelegenheiten,

welche

von dem Haarputze

herkommen.

Das erste Kapitel.

Von den Verdrießlichkeiten, welche von den Pudelköpfen zu entstehen

gewohnt sind.

§. 1.

Um meinem einmal in der Abhandlung, daß die meisten Krankheiten der

Frauenzimmer ihren Grund in dem Körperbau dieses Geschlechts habe,

gethanen Versprechen nicht zuwider zu handeln, will ich unverändert bey

meinem gefaßten Vorsatze bleiben, und den Anfang von den Haaren machen.

Es mag meine erste Beschäftigung also der sogenannte Pudelkopf seyn.

§. 2. Habe ich nicht wieder Recht, wenn ich sage, daß das schöne

Geschlecht in seiner Tracht über die maßen veränderlich, und auf

der Welt niemals mit seines Körpers Zustande vergnügt sey? Man wird

mir wider meinen Satz keine Einwendung machen können, wenn ich

meinen Lesern die Pudelköpfe entgegensetzen werde. Ist es nicht eine

unläugbare Wahrheit, daß sich die Frauenspersonen durch die Pudelköpfe

den Männern ähnlich zu machen bestreben? Und sieht eine Frauensperson

in Betrachtung des Haupts in ihrem Pudelkopfe einem Manne nicht wie des

Phädrus Larve einem Menschengesichte vollkommen gleich? Nur Schade, daß

die Schönen nicht auch alle männlichen Verstand unter ihrem Pudelkopfe

tragen. Es ist nun einmal schon ein großer Fehler der Weiber, daß sie

alle Männer werden wollen: Aber es ist auch ein weit größeres Glück

noch dabey, daß sie in Ansehung ihrer Pudelköpfe, zumal wenn sie kein

Kopfzeug auf dem Haupte tragen, nur Männer zu seyn scheinen, in der

That aber und in Ewigkeit nicht zu Mannsbildern werden können. Doch

ich irre, die Schönen haben noch Hoffnung, in Mannspersonen verwandelt

zu werden, aber erst vielleicht alsdenn, wenn die Schnecken Flügel

bekommen werden. Doch wenn diese Veränderung mit den Weibsbildern vor

sich gehen wird, das werden die Kalendermacher am besten zu bestimmen

wissen.

§. 3. Doch wieder auf die Pudelköpfe zu kommen. Diese sind heut zu

Tage der gewöhnliche Hauptputz unsrer Schönheiten, wie lange aber

dieser wohl von ihnen wird beliebet werden, können sie itzo selbst

so genau nicht wissen. Ein Pudelkopf ist also derjenige Haarputz, da

die Haare des ganzen Kopfs kurz verschnitten, und in Locken, welche

rings um den Kopf, der Breite nach, zuweilen aber auch der Länge nach

herunter gelegt, mit Seitentouren, und forne über der Stirne mit einem

Toupee versehen worden sind. Diese nun nenne ich die wahren Pudelköpfe,

die falschen aber sind diejenigen, welche durch Kunst verfertiget

werden, und deren sich unsre Schönen eben so wie die Mannspersonen

sich der Perucken bedienen. Ich habe mich einsmals fast aus den Odem

gelacht, da ich eine gewisse Frauensperson, welche die gütige Natur

mit einem goldgelben Haare versehen halte, in einem künstlichen

schwarzen Pudelkopfe sah, und gleichwohl an ihr rothe Augenbraunen

erblickte. Doch hiervon werde ich mehr Gelegenheit zu reden haben,

wenn ich von dem Haarfärben handeln werde. Diese wahren Pudelköpfe,

welche ich mit gutem Rechte die natürlichen nennen könnte, sollen sich

die Schönen bloß ihrer Bequemlichkeit wegen zu tragen, vorgenommen

haben. Denn ehedem, als das Frauenvolk ihre Haare lang und in Zöpfe

geflochten trug, mußte es freylich eine Last seyn, diese langen

Haare auszukämmen und wieder einzuflechten. Aber um Verzeihung! ihr

halbmännlichen Schönen, ich habe den Glauben, daß die Pudelköpfe itzo

weit unbequemer sind, als der ehmahlige Haarputz der Frauenspersonen.

Was für Ungelegenheiten macht nicht das Haarverschneiden, wie viele

Beschwerlichkeiten verursacht nicht das Haaraufkrausen, wie viele Last

wird nicht durch das Haaraufbrennen den Schönen aufgelegt, und wie viel

Zeit und Geduld wird nicht erfordert, wenn die Haarlocken in Ordnung

gelegt, mit Haarwachse u. Pomade eingesalbt und mit Puder überstreut

werden? Zehnmal eher würden sie mit dem Auskemmen und Einflechten zu

Stande kommen, als einmal mit einem solchem Pudelputze fertig werden.

Ich kann mich also unmöglich überreden lassen, daß die Pudelköpfe der

Bequemlichkeit wegen, wohl aber um dem Haupte ein besseres das ist,

männlicheres Ansehen zu geben, erfunden seyn müsten. Doch ich habe die

Ehre denen Schönen im Vertrauen zu sagen, daß sie sich durch diesen

Haarputz sehr viele kränkliche Zufälle aufgebürdet haben: und tragen

sie noch Zweifel an dem, was ich ihnen hiermit aus Offenherzigkeit in

die Ohren gesagt habe; so werde ich mir angelegen seyn lassen, ihnen

meine Worte so gleich zu beweisen, um sie von der Wahrheit meines

Spruchs recht überzeugend überführen zu mögen. Aber nur Geduld!

§. 4. Da es bey den Schönen noch gewöhnlich war, die Haare zu binden

und einzuflechten, konnten die Haare dem Haupte gar wohl denjenigen

Nutzen erweisen, zu dem sie die Weisheit des Schöpfers bestimmt hatte.

Man hat eben nicht nöthig, ein Gelehrter zu heißen, um es einzusehen,

daß der Kopf darum hat mit Haaren versehen seyn müssen, um denselben

vor der Kälte zu verwahren; Denn da bey dem Haarputze der Alten

die Haare so gebunden wurden, daß solche die Haut des Kopfs näher

berührten, und durch solche nähere Berührung der Haut den Kopf besser

wider die Kälte, als die itzigen Pudelköpfe, verwahren konnten; so

musten freylich die damaligen Schönen wenigern Krankheiten des Haupts

unterworfen gewesen seyn, als itzo, da die Haare weiter von der Haut

abstehen, und folglich den Kopf nicht so kräftig wider die Kälte

sicher machen können. Denn da vermöge dieser Pudelköpfe die kalte Luft

und die Macht der rauhen Wittrung die Haut des Kopfs mehr anfällt;

so werden die Frauenspersonen auch nothwendig mehrern Krankheiten

unterthänig seyn müssen. Es brauch keines weitläuftigen Beweises,

daß die Kälte fähig und geschickt genug sey, die Schweißlöcher der

Haut zu verschließen. Wenn sich nun aber diese Begebenheit an dem

Kopfe zuträgt, so wird die unmerkliche Ausdünstung zurücke bleiben,

Anhäufungen, und Stockungen an dem Kopfe erzeugen, und folglich

tausend Gelegenheit zu solchen Krankheiten geben müssen, welche in der

zurückgebliebenen heilsamen Ausdünstung ihren natürlichen Grund haben.

§. 5. Es werden also bloß aus dieser, und sonst keiner andern

Ursache Kopfschmerzen von verschiedener Art, Wasserköpfe, Schwindel,

Schlagflüße, Brausen der Ohren, Ohrenzwang, auslaufende und

fließende Ohren, Entzündungen, Blödigkeit, ja gar Blindheit der

Augen, Stockschnupfen, Zahnschmerzen, Geschwulste und Geschwüre am

Zahnfleische, geschwollene Speichel- Hals- Schlund- und Ohrendrüsen,

und wohl gar Verstopfungen, Vereyterungen und Verhärtung derselbigen

zum Vorscheine kommen. Es werden geschwollene Hälse und Kröpfe,

Entzündungen der Muskeln, welche an der Luftröhre, und an dem Schlunde

befindlich sind, und folgbar verschiedene Arten der Bräune entstehen.

In dem Angesichte aber wird, diese gehemmte Ausdünstung des Kopfs,

Blätterchen (~vari~), verschiedene rosenartige Entzündungen, und andere

Verdrießlichkeiten, deren ich nicht einmal Erwähnung zu thun fähig bin,

theils aber auch nicht vor gut befinde, um meinen Lesern keinen Ekel

erwecken zu mögen.

§. 6. Sehen sie also, meine Frauenzimmer, sehen sie nun bald den

Schaden, und die Ungelegenheit ein, welche sie sich als feurige Kohlen,

durch diese fälschlich eingebildete thörichte Bequemlichkeit, des heut

zu Tage gemein gewordenen Haarputzes der Pudelköpfe, auf ihre Häupter

gesammlet haben? wird nun nicht bald die Reue ihr Herz einnehmen, daß

sie, wie Eva nach dem Apfel des verbotenen Baums so lüstern gewesen

sind, in Ansehung ihres Kopfs den Mannspersonen ähnlich zu werden?

Doch vielleicht wollen unsere Schönen lieber den Aerzten zum besten

einen beständig kränklichen Körper haben, als ihrem Lieblinge, dem

Pudelkopfe, den völligen Abschied unterschreiben, und lieber immer,

wie die Hebräer in Egypten, unter dem Joche der Krankheiten wehklagen,

als ihre eingewurzelte Einbildung, daß sie sich durch ihre Pudelköpfe

schöner und reizender machen könnten, aus dem Kopfe lassen. Doch giebt

es auch Frauenspersonen, oder damit ich nicht wider die Titulatur

sündige, es giebt sage ich, vielmehr heilige Schwestern, welche

nicht etwa, aus Vorsorge ihre Gesundheit zu erhalten, sondern nur

bloß aus verstellter Demuth, mit einem beynahe heiligem Eifer wider

die Pudelköpfe in Grimm gerathen, und dieselbigen, zumal wenn ihr

Zorn die Oberhand über ihre Herzen erlangt hat, vor eine Eitelkeit,

ja wohl gar vor eine Todsünde schelten. Und noch sind wieder andere

Frauenspersonen, welche aus besondern, und ihnen selbst eignen Ursachen

die Pudelköpfe verachten, und durchaus nicht zu tragen erlauben wollen.

Consbruch entdecket uns in seiner Ode eine einzige Ursache, welche

diese Art der Frauen bewegt, einen Abscheu vor den Pudelköpfen zu

tragen, und hier ist sein Lied:

Die Moden sind Julchen zuwider:

Wie eitel! man putzet die Glieder,

Der Würmer Raub? Die fromme Frau?

Doch ihnen sollte sie entsagen?

Nein, Pudels mag sie nur nicht tragen:

Denn ihre Haare sind schon grau.

Doch dieses mag vor dieses Mal von den Pudelköpfen genug gesagt seyn:

nunmehro will ich von den Beschwerlichkeiten handeln, welche das

Frauenzimmer wegen des Aufkrausens und Aufbrennens der Haare leiden muß.

[Illustration]

[Illustration]

Das zweyte Kapitel.

Von den Beschwerlichkeiten, welche das Aufkrausen und Aufbrennen der

Haare des Kopfs verursachen.

§. 7.

Ich würde denjenigen Kopf, welcher weder aufgekrauset noch aufgebrannt

worden wäre, eher vor einen Zodelkopf als vor einen Pudelkopf halten.

Soll ich aber einen Pudelkopf nicht mit diesem Titel belegen, so

wird er, wenn er anders seine gehörige Annehmlichkeit haben soll,

aufgekrauset und aufgebrannt seyn müssen. Es wird also nothwendig

meine Pflicht seyn, von den Beschwerlichkeiten zu schreiben, welche

dem Kopfe durch das Aufkrausen und Aufbrennen zugefügt werden. Wer

nun geputzt und schöne scheinen will, der muß es sich auch gefallen

lassen, Ungelegenheiten zu leiden. Das schöne Geschlecht hat ohnedem

das Unglück, daß allemal auf ihr genossenes und empfundenes Vergnügen

tausend Unbequemlichkeiten und Schmerzen erfolgen: doch ich mag mich

eben hiervon nicht deutlicher erklären, wer das Frauenzimmer nur ein

wenig kennt, der wird meine Meynung ohne einen Dolmetscher schon

verstehen können, es wäre denn, daß er nur einen Sinn, wie eine Auster

hätte, oder nur dem Angesichte nach einen Menschen vorstellete, im

Gehirn aber weniger Verstand als eine Gans besäße, denn

Gesetzt, es mangelte Markolfen im Gehirne,

Was schadts, hat er doch Geld genug:

Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne,

So heißt der tümmste Ochse klug.

§. 8. Ich will nunmehr allen Scherz bey Seite setzen, und eine etwas

ernsthaftere Gesichtsstellung annehmen, ob ich schon weis, daß mich

ein ernsthaftes Wesen eben nicht zu kleiden gewohnt ist, so will

ich mir doch Gewalt anthun, und mich zwingen, eben eine solche Mine

zu machen, welche ich sonst nur bey dem Bette gefährlicher Kranken

anzunehmen pflege. Es ist eine Erfahrung, die in der Empfindung ihren

Grund hat, daß allemal eine unangenehme Empfindung entsteht, wenn die

Haare aufgekrauset, und mit dem Pappiere umwickelt werden: Denn weil

die Haare unter dieser Arbeit straff angezogen werden; so muß sich

nothwendig davon an der Haut des Kopfs ein Schmerz zeigen, welcher, da

er durch solche Reizung das Blut mehr gegen das Haupt lockt, Anlaß zu

Kopfschmerzen zu geben fähig ist. Und dieses war die Ungelegenheit,

welche von dem Aufkrausen und Einwickeln der Haare ihren Ursprung nimmt.

§. 9. Laßt uns nun auch den Schaden betrachten, welcher von dem

Aufbrennen der Haare verursacht wird. Alle trockene Wärme ist

vermögend, denen Körpern ihre Feuchtigkeit zu rauben, und solche

trockner zu machen. Wenn diese Warheit ihre Richtigkeit hat, daran

wohl in Ewigkeit kein Kluger zweifeln wird; so werden auch die Haare

durch das Brennen nothwendig gar zu sehr ausgetrocknet werden müssen.

Ich würde in allem Ernste auf einen solchen böse werden, welcher

so unverschämt seyn und mir läugnen wollte, daß die Haare keine

Röhrchen wären, welches doch mit mir die ganze gelehrte Welt als eine

unumstößliche Wahrheit glaubt. Da nun die Haare in der That nichts

anders als Röhrchen sind, durch welche die unmerkliche Ausdünstung

wegzugehen pflegt; so muß dieser heilsame Abgang der auszuführenden

Feuchtigkeiten nothwendig unterdrückt werden, wenn vermöge dieses

heißen Eisens die Röhrchen der Haare so gebrannt werden, daß sie ihre

Höhlung verlieren müssen. Daß aber auf diese Weise die Höhlung der

Haarröhrchen wirklich zernichtet werde, beweiset die Sprödigkeit und

gar zu große Trockenheit der Haare mehr als zu deutlich.

§. 10. Wird nicht ein Haarröhrchen anfangen auszutrocknen, wenn es

seiner innern Feuchtigkeit beraubt wird, welche ehedem seine Höhlung

einnahm und ausfüllete? Wenn aber ein Haarröhrchen seine Feuchtigkeit

einbüßt; so muß es aufhören ernährt zu werden: bekommt es nun keine

Feuchtigkeit mehr; so muß es trocken werden, schwinden, und endlich

ausfallen. Daß sich aber diese Umstände mit den Haaren wirklich so

zutragen, wird uns vermöge der Erfahrung zu einer Wahrheit. Und

sehen wir nicht, daß Haare, welche oft aufgebrannt worden sind, ihre

ordentliche Farbe verlieren? und verschwindet denn wohl die Farbe

der Haare aus einer andern Ursache, als wegen der gar zu großen

Trockenheit, welche ihr bloß durch das viele und öftere Aufbrennen

zuwege gebracht wird? In Wahrheit, ich sehe keine andre Ursache, als

die nur angeführte ein, es wäre denn, daß ich blödsinnig genug wäre,

eine noch weit wichtigere entdecken zu können. Aber wäre dieses wohl

eine Unmöglichkeit? Ohne Scherz! Menschheit trage ich in meinem Busen

genug dazu, und folglich könnte ich auch wohl, wie alle Adamskinder,

Schwachheiten unterwürfig seyn.

§. 11. Je trockner die Haare werden, je mehr müssen sie zum Ausfallen

geneigt seyn, folglich werden diejenigen Leute, welche ihre Haare

öfters haben aufbrennen lassen, vor den Jahren ihrer Haare verlustig,

und zu Kahlköpfen werden müssen. Denn da es in der Natur seinen

Grund hat, daß nichts ohne Feuchtigkeit zu wachsen im Stande sey;

so wird es ohne Widerspruch seyn müssen; daß alles verdorren müsse,

was keine Nahrung mehr erhält. Es ist ohne Scherz eine nicht geringe

Unbequemlichkeit, wenn man seiner Haupthaare verlustig wird. Wie wird

man also den Kopf genugsam wider die Kälte und rauhe Luft sicher zu

stellen vermögend seyn?

§. 12. Aber das Ausfallen der Haare ist nicht die einzige

Ungelegenheit, welche von dem Aufbrennen entsteht. Habe ich nicht schon

Meldung gethan, daß die innere Höhlung der Haarröhrchen durch das

Brenneisen gänzlich zusammen gedrückt würde, so, daß keine Ausdünstung

mehr durch diese Haarröhrchen von statten gehen kann? Wenn aber die

unmerkliche Ausdünstung des Kopfs durch die Haarröhrchen gehindert

wird, so wird sich diejenige Feuchtigkeit, welche sonst natürlicher

Weise ausdünsten sollte, in dem Kopfe anhäufen, stocken, und alle

diejenige Krankheit hervorbringen, welche ich der Reihe nach im 5ten

Absatze erzählt habe, hier aber nochmals zu wiederholen vor überflüßig

halte.

§. 13. Ich habe nur itzo im 10ten Absatze gesagt, daß das viele

Aufbrennen den Haaren, die ihr sonst eigne Schönheit der Farbe zu

verändern und zu benehmen pflege. Werden also nicht die Haare verstellt

werden müssen, wenn ihnen ihre natürliche Farbe benommen wird? O!

wie ungestallt werden nicht die schwarzen Haare aussehen, wenn ihre

Spitzen den Augen eine fuchsrothe Farbe darstellen werden? Doch bey den

Haaren, die man einpudert, kann dieser Fehler gar leichte mit dem Puder

bedeckt werden. Aber wenn man seine Haare, ohne solche einzupudern,

zu tragen gewohnt ist; so wird es allerdings ein unangenehmes Ansehen

verursachen, wenn die Haare von zweyerley Farbe am Kopfe sichtbar

werden. Es ist wahr, diese verbrannten, ausgetrockneten und mißfärbigen

Haare sind zwar, an und vor sich selbst betrachtet keine Krankheit;

gleichwohl aber können sie als eine entfernte Ursache zu alle

denjenigen Ungelegenheiten, deren ich im 12ten und 5ten Absatze gedacht

habe, Anlaß geben, und welche allesammt in der verhinderten Ausdünstung

ihren Grund haben.

[Illustration]

[Illustration]

Das dritte Kapitel.

Von den Unbequemlichkeiten, welche von dem Einpomadiren und Einpudern

der Haare des Kopfs her zu kommen pflegen.

§. 14.

Wer in seinem leben noch kein Frauenzimmer mit eingepuderten Haaren

gesehen hat, der wird vermuthlich bey Erblickung eines mit Puder weiß

gemachten Frauenkopfs auf die Gedanken gerathen, daß eine solche weiße

Schönheit in einer Mühle gewesen seyn müßte: Ob aber das gepuderte

Weibsbild in einer Wassermühle oder in einer Windmühle gewesen wäre,

würde freylich noch eine unausgemachte Sache bleiben. Indessen ist

es doch eine verlachenswürdige Thorheit, daß man, um seinem Kopfe

eine besondere Zierde geben zu mögen, die Haare mit Mehle bestreuet,

welches doch meinem Erachten nach lieber den Armen gegeben werden

sollte. Doch ich werde gleichwohl mit meinem guten Rathe diese einmal

eingeschlichene Mode nicht abzubringen im Stande seyn. Wird man also

nicht von selbst, ohne große Schwierigkeit, den bündigen Schluß machen:

daß ich die eingepuderten Frauenzimmerköpfe durchaus nicht vertragen

könnte? Ich muß nur aufrichtig seyn, und es ohne Zwang gestehen, daß

ich solchen Müllermäusen von ganzem Herzen gram sey, ohne eine andre

Ursache als den Puder angeben zu können. Aber werden mich nicht meine

Feinde deswegen verspotten, und eigensinnig nennen? Ob sie mir aber

auch damit zu viel aufbürden, mögen meine Feinde selbst entscheiden,

ich mag mich in dieser Sache darum nicht selber zum Richter aufwerfen,

weil es meine eigne Person betrifft. Ich dächte nun bey mir selbst, daß

der Eigensinn meine Leidenschaft eben nicht wäre: Es müßte denn seyn,

daß ich gar zu wenige Kenntniß meiner selbst hätte, oder wohl gar für

mich allzu viele Eigenliebe besäße, und dieses kann ich von mir noch

viel weniger glauben.

§. 15. Ich will diese Kleinigkeit bey Seite setzen, und mir lieber

meinen Vorsatz angelegener seyn lassen, das heißt: ich will lieber

von den Ungelegenheiten handeln, welche sich unsre Schönen durch das

Einpomadiren und Einpudern zuwege bringen, als meine unnöthige Critik

über die weißgemachten Haare des Kopfs weiter fortsetzen, weil mir

mein prophetischer Geist zum voraus saget, daß ich mir durch diese

Beschäftigung weiter nichts als nur eitel Feindschaft auf meine

Schultern laden würde. O wie leid würde es mir seyn, wenn mir die

Schönen gehäßig und abgeneigt werden sollten! Ich würde nicht wissen,

was ich vor Traurigkeit anfangen sollte, ja mein Leben würde mir nicht

mehr lieb seyn, so ungerne als ich solches itzo einzubüßen wünsche,

denn

Welches Würmchen stirbt wohl gerne?

§. 16. Die Haare werden aus keiner andern Absicht mit Pomade fett

gemacht und eingesalbet, als bloß aus dieser Ursache, damit der Puder

fester auf den Haaren sitzen bleiben soll, und der Wind den Puder nicht

so bald aus den Haaren jagen könne. Es sey ferne von mir, daß ich so

unhöflich seyn, und es leugnen sollte, daß das artigste Geschlecht

auch aus Nebenabsichten die Haare zu salben gewohnt sey. O ich weis

es gar zu wohl, daß man die Pomade wohlriechend zu machen suche. Es

ist mir bekannt, daß man solche mit Rosenwasser auszuwaschen, und mit

Rhodiseröle und andern wohlriechenden Oelen angenehm zu machen pflege,

um, damit die Schönen ihren Lieblingen eine Nasenweide durch einen

angenehmen Geruch machen können. Ich wollte flugs eine Wette setzen,

daß ein von Wein und Liebe taumelnder Anakreon seiner wohlriechenden

Phyllis zu Gefallen alle seinen Witz anwenden und singen würde:

Weg Schnupftaback, weg Dose!

Nur der Geruch der Rose

Soll meine Nas' erfreun:

Wenn ich bey meinem Kinde

Den Duft der Nas' empfinde,

Möcht ich ein Naso seyn.

Ey wie sinnreich ist der Dichter! er wünscht eine große Nase zu haben,

um recht viel riechen zu mögen. Oder steht vielleicht gar Anakreon

in den Gedanken, daß eine große Nase eine ganz besondere und reizende

Schönheit sey, vermöge der man sich bey den Frauenspersonen annehmlich

und recht beliebt zu machen fähig würde:

Allein, mein Herr, sie irren sich.

§. 17. Ich muß es nur immer heraus sagen, denn ich kann es ohnmöglich

länger auf meinem Herzen behalten, daß das sogenannte Einsalben

der Haare mit Pomade nur gar zu geschickt sey, den Frauenzimmern

verschiedene Unbequemlichkeiten zuzufügen. Alle Aerzte stimmen mit

mir darinnen einmüthig überein, daß Fettigkeiten, wenn sie auf die

Haut eines lebendigen Körpers gesalbet werden, die Schweißlöcher zu

verstopfen mächtig genug sind. Wenn nun dieses eine Wahrheit ist, daran

ich im mindesten nicht zweifle; so wird auch ganz gewiß die unmerkliche

Ausdünstung des Kopfs durch die Einpomadirung Schaden leiden, und

folglich werden lauter solche Krankheiten hervorgebracht werden müssen,

welche ihr Daseyn einzig und allein der verhinderten Ausdünstung

schuldig sind, davon im 12ten u. 5ten Absatze nachgesehen werden kann.

§. 18. Aber ich kann die Schönen aufrichtig versichern, daß der Schade

immer größer und ärger zu werden pflege, wenn der Puder darzu kommt.

Denn die Verstopfung der Schweißlöcher wird dadurch viel stärker,

und folglich werden auch die hiervon entstandenen Krankheiten weit

hartnäckigter seyn. Man nehme nur Fett und ein zartes Mehl, wie der

Puder ist, und vermische solches mit einander, streiche es hernach

auf die Haut eines belebten Körpers, und lasse es eine Zeit lang auf

derselben liegen, so wird man sehen, daß vermöge der natürlichen

Wärme eine ordentliche Rinde erzeugt werden wird, dergleichen man

auf den Köpfen solcher Personen anzutreffen pflegt, welche ihre

Haare gepudert zu tragen gewohnt sind. Diese Rinde verstopft nicht

nur die Schweißlöcher der Haut des Kopfs, und bringt alle diejenigen

Ungelegenheiten zum Vorschein, derer ich im 17ten 12ten u. 5ten

Abschnitte Meldung gethan habe, sondern sie verursacht auch auf den

Kopfe Schuppen, welche mit einem verdrießlichen Jucken und Grimmen den

Kopf beunruhigen. Ja diese von Pomade und Puder zusammengesetzte Rinde

ist eine rechte Freystadt derjenigen vielfüßigen Thierchen, welche

man Läuse nennt. Diese Schuppen so wohl, als diese kleinen Thierchen

machen durch das beschwerliche Jucken und Grimmen, daß man sich durch

ein beständiges Kratzen davon zu befreyen sucht, aber damit gleichwohl

nichts, als nur eine kleine Linderung erlangt. Durch dieses beständige

Kratzen nun wird die Haut des Kopfs wund gemacht, daher viele garstige

Grinde auf dem Kopfe entstehen, welche meistentheils einen stinkenden

Geruch von sich geben, so, daß man vor solchen Leuten natürlicher Weise

einen Abscheu bekommen muß. Sehen sie nun, was das Einpomadiren und

Einpudern der Haare vor Ungelegenheiten nach sich zu ziehen im Stande

ist?

§. 19. Bald hätte ich noch etwas vergessen. Der Puder und die Pomade

benehmen auch den Haaren ihre natürliche Farbe, und verändern selbige

nur gar zu sehr. Ich habe Leute gesehen, an deren Köpfen man wohl

zehn Farben von Haaren wahrnehmen konnte, zumal, wenn sie ihre Haare

nicht eingepudert hatten. Daß aber diese Vielfärbigkeit der Haare von

dem Puder herrühren müsse, ist eine Möglichkeit. Bernhard Ramazzin

behauptet im 23sten Kapitel seines Buches von den Krankheiten der

Künstler, daß die weiße Stärke eine Säure und Schärfe bey sich führete,

welche fähig wäre, die Leinwand zu zerfressen. Da nun der Puder aus

weißer Stärke gemacht wird; so kann man die Mißfarbe der Haare dem

Puder mit gutem Fug und Rechte zuschreiben. Ich hätte fast Lust, es

selbst zu glauben, daß der Puder vermöge seiner Schärfe den Haaren die

natürliche Farbe raubete, und ihnen viele andre Farben zuwege brächte.

Ja ich wollte wohl gar schwören, daß der Puder die Haare wegfressen und

ausfallend machen könnte. Alles dieses kann um desto eher geschehen,

wenn dem Puder Gips beygemischt worden ist. Daß aber solche Haare

eher ausfallen, welche gepudert werden, als andre, welche nicht mit

Puder überstreut worden sind, ist eine Wahrheit, für welche ich selbst

zum Märtyrer zu werden, mir kein Bedenken machen würde, wenn es die

Nothwendigkeit der Sache erforderte: da aber diese Wahrheit ohnedem

gewiß ist; so habe ich nicht Ursache, mich in diese Lebensgefahr zu

begeben. Es wird also solchen Frauenspersonen eben so ergehen, wie

denen, deren ich im 11 und 12ten Abschnitte gedacht habe, und welche

ihre Haare oft aufbrennen lassen.

§. 20. Ich glaube nunmehr ganz gewiß, daß aller Ausputz der Schönen

nichts anders zur Absicht habe, als denen Theilen ihres liebenswürdigen

Körpers eine ganz andre Gestalt und ein ganz ander Ansehen zu geben.

Bestreuen wohl unsre Schönheiten ihre Haare aus einem andern Absehen

mit Puder, als bloß die natürliche Farbe ihrer Haare zu verstecken?

Weibsbilder, deren graue Haare eine ziemliche Zahl der Jahre verrathen,

und welche sich erzürnen, wenn man sie alt nennt, pudern sich nur darum

ein, damit man ihre grauen Köpfe nicht sehen möge, um sie vor jung zu

halten. Von solchen beschneyeten Frauen kann man mit Herr Leßingen

fragen:

Was wars, das uns entzückt gemacht?

Ein altes Weib in junger Tracht.

§. 21. Diejenigen Schönheiten, so ehedem Griechenland verehrte,

Deutschland aber itzo verabscheuet, mögen es nur dem Erfinder des

Puders noch im Grabe danken, daß er so besorgt vor sie gewesen ist,

und vor sie ein so artiges Mittel ausfündig gemacht hat, vermöge dem

sie ihren brennenden rothen Kopf verbergen können. Ich weis nicht

ob ich irre, wenn ich die alten Griechen vor weit, vollkommnere

Schönheitsverständige, als die Deutschen und Franzosen halte. Ich vor

meine Person kann ihren Geschmack nicht tadeln, denn die Wahrheit

zu sagen, so haben die rothköpfigten Frauenspersonen die schönste,

zarteste und feinste Haut. Und Homer versichert uns, daß die größte

Schönheit Griechenlands die schöne Helene, wegen welcher Troja in einen

Steinhaufen verwandelt worden ist, einen rothen Kopf gehabt habe.

Nunmehr werden sich die rothhaarigten Frauenspersonen etwas mehr,

als sonst auf ihren Goldgelben Kopf einbilden, und sie haben Recht,

wenn sie hochmüthig wegen desjenigen werden, welches das gelehrte

Griechenland vor Zeiten als eine Schönheit gerühmt hat.

§. 22. Redete ich nicht vor kurzem von dem Einpudern? Je so will ich

mich auch sogleich wieder aus meinem Irrgarten heraus machen, und ihnen

nur noch etwas von dem Einpudern vorsagen. Ich mag eben meine Meynung

niemanden aufdringen, welche ich von den eingepuderten Haaren habe.

Doch ich will mein Geheimniß offenbaren: ich halte das Einpudern der

Haare vor nichts anders, als vor eine Haarschminke, o eine wichtige

Wahrheit, und ein großes Geheimniß! mit dieser Haarschminke bemüht sich

das schöne Geschlechte den Kopf weiß zu machen. Aber um Verzeihung!

unsre Schönheiten würden weit vernünftiger handeln, wenn sie sich

angelegener seyn ließen, ihre Köpfe weißer zu machen: Doch manche

Mannspersonen möchten sich auch um mehrere Weisheit bekümmern. Nunmehr,

deucht mich, hätte ich genug von den weißen Köpfen geschrieben, es wird

also die höchste Zeit seyn, daß ich auch der schwarzen Köpfe gedenke.

[Illustration]

Das vierte Kapitel.

Von den üblen Zufällen, welche ihren Ursprung von dem Färben der Haare

haben.

§. 23.

Einmal hat nun schon in Frankreich so wohl als in Deutschland das

Vorurtheil in den Herzen beyder Landsleute so tiefe Wurzel gefaßt,

und ich glaube, daß man alle Mühe verschwenden würde, wenn man

diesen zweyen Nationen ihre einmal gefaßte Meynung ausreden wollte,

zumal da sie solcher als einer ewigen Wahrheit anhängen, daß ein

von Natur schwarzer Kopf eine recht ausnehmende Schönheit sey. Ob

man aber aus einem andern Grunde, als aus einer bloßen Einbildung

den schwarzen Haaren ein so großes Vorrecht zugestehe, mag ich eben

nicht untersuchen: wenigstens halte ich dafür, daß die ganze Sache

in nichts anders, als in einer verderbten Einbildungskraft bestehe,

welche vielleicht darum die Oberhand behält, weil dieser Meynung sehr

viele beypflichten, ohne daß sie sich deswegen die Mühe geben, eine

genauere Untersuchung anzustellen. Ich muß also doch wohl Recht haben,

wenn ich diese allzu große Hochschätzung der schwarzen Haare für ein

eitles Vorurtheil ausgebe, und wenn ich denjenigen von Vorurtheilen

eingenommen halte, welcher eine Sache als eine ungezweifelte Wahrheit

annimmt, ohne zureichenden Grund darzu zu haben, oder angeben zu

können. Ich kann mich ohnmöglich enthalten, solchen Leuten unter das

Angesichte zu sagen, daß sie unbefederte Papegoye sind: gesetzt auch,

daß sie dieserwegen eine Feindschaft auf mich werfen sollten. Was würde

es mehr seyn, wenn ich die Anzahl meiner Feinde dadurch vermehre?

Nichts, in Wahrheit nichts. Doch nein, ich irre, ich würde nur dadurch

mehrere Gelegenheit über meine Feinde zu spotten bekommen: Denn

Wie werd ich mich an ihnen rächen!

Ihr ganzes Drohen schreckt mich nie:

Je schärfres Urtheil sie mir sprechen,

Je freyer spott ich über sie.

Ey! abermal ein Reimchen! wird man denken, ja ja man hat recht

schön gedacht. Ich sehe es von selbst sehr wohl ein, daß ein guter

Liederprediger an mir verdorben ist. O! was für Thränen würden nicht

die alten Weiber vergossen haben, wenn ich ihnen solche schöne und

herzbrechende Machtstoßkraftreimknittelgebetchen (ach mir will der

Athem fehlen!) oft vorgesagt hätte?

§. 24. Es pflegt mit der Schönheit eben so, wie mit der Frömmigkeit

zu gehen: Alle Menschen wollen schön, und niemand mag häßlich heißen.

Diese Begierde nun, schöne seyn zu mögen, hat die Schönen angeflammt,

sich dasjenige durch Kunst zu verschaffen, was ihnen die weise Natur

versagt hat. Daher haben sie es vor gut befunden, Schwarzfärberinnen

zu werden, um auf Mittel bedacht zu seyn, kraft deren sie ihre Absicht

erlangen, das heißt, schwarze Köpfe bekommen möchten, um schöner zu

scheinen, und eifriger von den Mannspersonen angebetet zu werden. Denn

niemand läßt sich so gern Ehre erweisen, als das weibliche Geschlechte.

Ich versichre, daß solches der Regel des Ovids genauer als den

Zehngeboten nachzuleben besorgt sey: Daß man sich nämlich beliebt zu

machen suchen müsse, wenn man geliebt zu werden wünsche: ~Vt ameris

amabilis esto!~ heißt der eigentliche Grundtext des so theuern als

verliebten Helden.

§. 25. Ich stehe gänzlich in der Einbildung, daß ich meinen Lesern

einen Gefallen erweisen werde, wenn ich ihnen die Mittel so wohl,

als auch die Art erzähle, vermöge deren sie sich über die Natur zu

erheben, das heißt, sich schwarze Haare zu verschaffen fähig sind.

Einige Schönheiten glauben ihrer Absicht theilhaftig zu werden, wenn

sie ihre Haupthaare öfters mit einem von Bleye verfertigten Kamme

auskämmten. Ich habe diese Bemühung von guten Erfolge gesehen, und ich

kann es ihnen aufrichtig sagen, daß ich Frauzimmer angetroffen habe,

welche saßen, und sich von ihren Bedienungen wohl über drey Stunden

lang kämmen ließen, um einen schwarzen Kopf zu bekommen. Sie haben

auch wirklich vor ihre Geduld und Stillehalten ein schwarzes Haar

statt der Belohnung davon getragen. Das muß ich aber auch gestehen,

daß die durch das Kämmen eines bleyernen Kammes zuwegegebrachten

schwarzen Haare von keiner gar zu langen Dauer sind. Denn diese

gemachte schwarze Farbe der Haare verliert sich wieder, wenn die

Schönen unterlassen, sich ferner mit einem bleyernen Kamme zu kämmen.

So viel aber kann ich auch den Schönen mit Grunde der Wahrheit sagen,

daß ihnen, die auf solche Art gemachten schwarzen Haare nicht den

mindesten Schaden zufügen können, wohl aber werden solche darum ihrer

Gesundheit vollkommen ersprießlich seyn, weil durch das beständige

kämmen die Schweißlöcher des Kopfs eröffnet werden, wodurch die so

heilsame Ausdünstung der Haut des Kopfs befördert wird, kraft der sie

sich von alle denjenigen Ungelegenheiten, welche ich im 17, 12 u. 5ten

Absatze erzählt habe, loß zu machen vermögend sind. Würde ich also

nicht ungerecht gegen das schöne Geschlecht handeln, wenn ich ihnen

diese Art, die Haare schwarz zu machen, widerrathen wollte? Ich würde

mich an den Schönen versündigen, wider besser Wissen verfahren, und

mein ohnedem sehr zartes Gewissen selbst beleidigen; ja ich würde gar

meinen geleisteten Schwur brechen, und also in das Laster des Meyneids

verfallen? wofür mich Gott behüte!

§. 26. Andre Frauenzimmer machen sich eine schwarze Salbe von Pomade

und gebrannten Helfenbein, oder schwarzgebrannten Mandeln, und mit

dieser Vermischung pomadiren sie ihre Haare ein, damit solche schwarz

scheinen möchten, in der That aber bekommen die Haare davon eine

schwarze Farbe: Doch welch ein Schaden ist es! daß diese gefärbten

Haare nur einige wenige Stunden dauren, und noch außer diesem diese

Unbequemlichkeit verursachen, daß diese auf die Haare gebrachte

schwarze Salbe bey sehr heißer Witterung und in sehr warmen Stuben

flüßig werde, und nicht nur wie ein Balsam über das Angesichte zu

laufen pflege, und also ein Verräther werde, daß dieser Haarschmuck

nicht natürlich sey, sondern noch darzu die Kopfzeuge mit dieser

schwarzen Farbe schmutzig zu machen gewohnt sey. Doch alles gienge noch

wohl an, wenn nur nicht auch eben solche Beschwerlichkeiten von der

schwarzen Haarsalbe ihren wesentlichen Ursprung herleiteten, welche

allemal von dem Einpomadiren zu entstehen pflegen, und die ich schon

im 17ten 12ten und 5ten Absatze der Ordnung nach angeführt habe. Ein

Frauenzimmer ist doch ein recht wunderliches Geschöpfe, welches es sich

niemals zum Verdruße seyn läßt, alles anzuwenden, um sich annehmlicher

machen zu mögen. Ja sie verschwenden fast alle ihren Witz, um ein

taugliches Mittel ausfündig zu machen, ihre Absicht nach Wunsche

zu erlangen. O! wenn doch manchem Frauenzimmer der Ausputz und die

Verbesserung ihrer Seele eben so am Herzen läge, wie die Auszierung

ihres Körpers! was würde das für eine beneidenswürdige Glückseligkeit

und für ein ausnehmender Vorzug seyn, welchen man ihnen billig

zuzugestehen verbunden seyn würde. So aber ist es ein wahres Unglück,

daß das schöne Geschlecht die Sorge für ihre Seele hinten an setzt,

und bloß die Auszierung des Körpers ihr Augenmerk seyn läßt. Doch

genug hiervon, ich bin eben nicht gesonnen, einen neuen Sittenlehrer

vorzustellen, und mein Vorsatz ist eben nicht, gegenwärtig ein

neumodisches Haus- Zucht- und Sittenbuch zu schreiben. Genug, daß es

eine bekannte Wahrheit ist, daß manche Frauenzimmer die mehreste Zeit

ihres Lebens an dem Nachttische, und vor dem Spiegel mit dem Ausputze

ihres Körpers zuzubringen pflegen, ohne ihre Gedanken auf nothwendigere

Geschäfte zu richten.

§. 27. Manche Frauenzimmer pflegen sich eine besondere Haarfarbe

zuzubereiten, um deutsche Schönheiten genennt zu werden, und in

Wahrheit sie sind in ihrer Erfindung nicht glücklich gewesen. Denn man

muß wissen, daß die Frauenspersonen auch rauche Köpfe besitzen, welche

ebenfalls vielen Witzes fähig sind: Und wer so unverschämt sey, und

ihnen solchen absprechen wollte, dem würde ich diese Verwegenheit in

Ewigkeit nicht vergeben, er müßte sich denn so bescheiden aufführen,

und den Schönen auf den Knyen eine Abbitte leisten, alsdenn könnte

ich mich noch wohl bewegen lassen, ihm vermöge meiner allgemeinen

Menschenliebe zu verzeihen, um nicht wie jener Levite ungeistlich zu

scheinen. Doch die Herren Leviten tragen auch Menschheit in ihrem

Busen, und wohl manchmal mehr als die Weltkinder. Doch ich mag mich

mit solchen Geistern gar nicht einlassen, um mich ihres Segens nicht

verlustig zu machen. Ich will vielmehr denen Schönen diejenige schwarze

Farbe mittheilen, welche ihre Haare mohrschwarz zu machen im Stande

ist. Es wird aber diese Haarschwärze aus einem Pfunde der grünen

Schaalen von welschen Nüssen, einem halben Pfunde Galäpfeln, und eben

so viel Eisenschwärze, einem Lothe Eisenvitriole, und mit sechs Pfunden

Weineßige, durch gehörige Kochung zubereitet, hernach durchgeseiget,

und zum Gebrauche aufbehalten. Mit dieser schwarzen Farbe nun werden

die Haare angefeuchtet, und mit einem Kamme so lange wohl durchkämmt,

bis alle Haare davon naß und gefärbt worden sind. Man kann auf mein

Wort den Versuch damit anstellen, und ich bin gut dafür, daß man kraft

dieses gebrauchten Mittels kohlschwarze Haare überkommen werde, ja ich

selbst bin bey mir überzeugt, daß mir die Frauenzimmer für dieses ihnen

mitgetheilte Geheimniß höchst verbunden seyn werden. Vornehmlich haben

es diejenigen mir zu verdanken Ursache, welche rothe oder graue Haare

haben: zumal, da sie durch diese Haarfarbe ihrem Kopfe ein ganz ander

Ansehen zu geben vermögend sind. Erzeigen sie mir aber für meine gute

Gesinnung keine Erkenntlichkeit; so dürfen sie mir es nicht verdenken,

wenn ich sie für undankbare Geschöpfe erkläre, und zwar für solche,

welche nicht nach den Regeln der Klugheit zu leben wissen. Ey! dieses

würde ja den Schönen eine ewige Schande und ein sehr großer Vorwurf

seyn, wodurch sie sich der ganzen Welt verächtlich machen würden.

Allein mein Herz ist viel zu sehr gegen sie eingenommen, als daß ich

ihnen eine solche Niederträchtigkeit, eine solche unartige Aufführung,

und eine solche abgeschmackte Undankbarkeit zutrauen sollte: Nein, ich

glaube vielmehr, daß ich mich niemals in dem, in meinen Gedanken von

ihnen einmal gemachten guten Begriffe betrügen könne; es wäre denn, daß

meine Einbildungskraft von ihrem Reize nur gar zu sehr eingenommen,

und wie die Augen mancher Richter durch den Glanz des Goldes ganz

verblendet worden wäre. Sehen sie, meine Schönen! so groß ist das auf

sie gesetzte Vertrauen!

§. 28. Es ist wahr, die durch dieses Mittel schwarzgefärbten Haare

bekommen nicht nur eine recht schöne Schwärze, und einen ganz

ausnehmenden Glanz, sondern sie behalten auch die Farbe, und verlieren

solche nicht: sie färben nicht ab, und beschwärzen auch die Kopfzeuge

nicht, so wie die im 26sten Absatze angeführte Pomade zu thun pflegt.

Ob aber auch diese Haarschwärze der Gesundheit zuträglich oder

nachtheilig sey, das ist eine andre Frage. So viel als ich davon

einzusehen im Stande bin, so muß ich nur immer gestehen, daß diese

Haarschwärze der Gesundheit höchst schädlich sey. Man betrachte nun

alle diejenigen Stücke, aus denen sie zusammengesetzt ist, wie man

will, so wird man allemal, ohne daß man ein Arzt seyn darf, gar leichte

einsehen können, daß dieselbe aus lauter solchen Dingen bestehe, welche

theils eine zusammenziehende, theils aber auch eine ätzende Kraft

besitzen. Werden also nicht die Schweißlöcher der Haut, welche sich am

Kopfe befinden, durch dieses schwarzmachende Mittel zusammengezogen

werden, so, daß solche nicht mehr ausdünsten können? und werden also

hiervon nicht lauter solche Krankheiten entstehen, welche bloß in der

gehemmten Ausdünstung ihren Grund und Ursprung haben? (§. 17. 12. und

5.) Ich dächte freylich wohl. Und da über dieses einige von diesen

Mitteln ätzend sind; so müssen nothwendig die Haare davon weggefressen

und ausfallend gemacht werden, folglich wird denen Schönen eben

dasjenige wiederfahren, was sonst ordentlicher Weise denen zu geschehen

pflegt, welche ihre Haare öfters mit einem heißen Brenneisen aufbrennen

lassen, s. §. 19. 12. u. 11.

[Illustration]

Das fünfte Kapitel.

Von denen Beschwerungen, welche von den Kopfzeugen entspringen.

§. 29.

Ich komme nun endlich auf den übrigen Kopf- und Haarputz der Schönen,

nämlich auf die Hauben, Kopfzeuge und Blumen: denn mit allen diesen

geben sie sich Mühe, sich schöner zu machen. Gewiß, es fehlt den

Frauenzimmern nicht an Erfindungen, ihren Kopf auf tausend Arten zu

verherrlichen, und ich kann ihnen diese Bemühung nicht übel auslegen,

zumal da ich weis, daß der Kopf das vornehmste Stück des ganzen Körpers

ist. Aber sollte man es denn auch glauben, daß unsre Schönheiten einen

Lust- und Ziergarten auf ihren Köpfen anzulegen gewohnt wären? Mir

würde es im Traume nimmermehr eingekommen seyn, daß ein Frauenzimmer

ihren Witz so hoch zu treiben fähig wäre, einen Blumengarten auf ihrem

Kopfe anzubauen. Und dennoch zeigt mir die Erfahrung die Möglichkeit

von allem demjenigen, was ich außerdem nur für eine Fabel gehalten

haben würde. Mir sind Weibsbilder vorgekommen, an welchen ich mehr

Blumen als Haare erblicken konnte. Denn bey dem ersten Anblicke dieser

Schönheiten wurde ich für Verwunderung fast ganz außer mich gesetzt,

so, daß ich mich gleichsam vor bezaubert hielt, und glaubte, daß sich

die Blumengöttinn nebst ihren Spielgesellinnen wieder auf die Welt

begeben hätte. Ey! was werden denn noch endlich die Schönen auf ihren

Köpfen anlegen? Wer weis, ob es ihnen nicht einmal einfallen wird,

Schlösser, Städte und Vestungen auf ihre Köpfe zu bauen. Wer weis, ob

sie nicht gar auf die thörichten Gedanken gerathen werden, besondere

Pflanzgärten auf ihre Köpfe zu machen. Doch dieser Putz macht die

Frauenspersonen mehr eitel, als ungesund. Ich werde also von diesem

eitlen Putze lieber stille schweigen, zumal, da ich an solchem als

ein Arzt eben keine Gelegenheit finde, welche ihrer Gesundheit einigen

Schaden zuzufügen im Stande wäre. Kurz, dieser Hauptputz ist ein bloßes

Spielwerk, welches aus einer überflüßigen Eitelkeit entsprungen ist,

und die ganze Welt hält es ohnedem mit mir vor wahr, daß die Schönen

mehr der Eitelkeit als andern Beschäftigungen zugethan sind.

§. 30. Das schöne Geschlecht ist eben so veränderlich in den Arten der

Hauben und Kopfzeuge, deren es sich zu bedienen pflegt, um ihrem Haupte

eine Zierde geben zu mögen, als veränderlich solches selbst in seinem

Gemüthe ist. Ja die Hauben und Kopfzeuge sind bey den Schönen eben so

verschiedentlich, als verschiedentlich die Neigungen derselbigen sind.

Denn bald stellt ein Kopfzeug die Fliegel eines Schmetterlings oder

einer Fledermaus, bald aber auch die Figur eines andern Ungeziefers

vor. Ich habe Frauenzimmer gesehen, welche Kopfzeuge trugen, die auf

beyden Seiten ordentliche lange Lappen herunterhängen hatten, und man

würde schwören, man erblickte ein Schiff, welches mit ausgespannten

Segeln versehen wäre, wenn man eine solche Flatterschöne bey etwas

windigen Wetter von weiten herkommen sieht. Manche Frauenspersonen

bekleiden ihren Kopf mit einer ganz besondern Art der Kopfzeuge, welche

einem großen Rade ziemlich gleich sind. Man würde sich einbilden,

solche Leute wären bey lebendigem Leibe canonisirt worden, weil sie

einen fast übernatürlichen Schein um ihren Kopf herum hätten. Doch

es mag genug hiervon geschrieben seyn. Denn wenn ich alle Arten der

Kopfzeuge mit Namen benennen, und ihre Figuren beschreiben wollte; so

würde ich mich aus einer gewissen Nothwendigkeit entweder entschließen,

zu den Putzmachermägdchen in die Schule zu gehen, oder wenn ich dieser

Last überhoben seyn wollte, würde ich mir ein Frauenzimmerlexicon

zulegen, und fleißig in solches sehen müssen. Doch da eben dieses

nicht meine Beschäftigung ist, so habe ich es auch nicht nöthig, mich

in diese unnöthige Weitläufigkeit einzulassen: Aber gleichwohl werde

ich derjenigen Kopfzeuge Erwehnung thun, und solche etwas genauer

beschreiben, welche den Schönen Anlaß, krank zu werden geben.

§. 31. Ein Kopfzeug ist eine aus weißen Flor oder Schleyer mit Spitzen

besetzte, und nach der Mode verfertigte Art der Kleidung, der sich die

Frauenspersonen bedienen, um den Kopf damit zu bedecken. Wie aber diese

Kopfdeckel gemacht werden, kann ich darum so genau nicht wissen, weil

ich solche selbst niemals mit meinen Augen habe verfertigen sehen, und

nicht das mindeste von der Nehkunst verstehe. Doch ich besinne mich,

einmal ein zerlegtes Kopfzeug gesehen zu haben, und wo ich nicht irre,

so war es ein von weißen Kannevaß, einer Hand lang und breit gemachtes

Herz, welches von innen etwas hohl, von außen aber etwas erhoben war.

Dieses Herz aber pflegen die Schönen nach ihrer Redensart den Teller zu

nennen. Doch so viel als ich von den Frauenputze verstehe; so glaube

ich, daß dieses Herz vielleicht der Grund gewesen seyn mag, über und

um welches der weiße Flor oder Schleyer, entweder mit weißen Zwirne

angeneht, oder mit Stecknadeln angeheft werden muß. Betrüge ich mich

nun in meiner Muthmaßung, so geschieht es gewiß aus Unwissenheit. An

und um diesen mit Flor oder Schleyer überzogenen herzförmigen Teller

pflegen die Schönen die Spitzen mit verschiedenen Falten anzunehen,

und hernach mit oder ohne herabhängenden Flügeln zu versehen. Zuweilen

schmücken sie auch, um mehrer Zierlichkeit willen, diese Kopfzeuge

entweder mit goldnen, silbernen, und andern seidnen Bändern, oder mit

Blumen, welche aus Gold, Silber oder Seide gesponnen worden sind. Es

ist aber doch bey alle dem eine wunderbare Sache, daß die Schönheiten

auch so gar Herzen auf dem Kopfe, fast so wie die Fische im Kopfe

tragen. O wie gut würde es doch seyn! wenn manche Frauenzimmer zuweilen

eben so stumm, wie die Fische wären: Ich versichre, sie würden sehr

vieler zufälliger Uebel und harter Unglücksfälle überhoben bleiben,

welche sie doch nur gemeiniglich ihrem ungezähmten Maule einzig und

allein zu danken haben. Aber nun wieder auf die Kopfzeuge zu kommen.

Manchmal werden auch solche Teller von Pappier gemacht, die aber doch

vorher mit goldnen, silbernen und andern farbigten Zindel überzogen

werden, ehe der Flor oder der Schleyer über selbige geneht wird. Die

Figur dieser Teller mag wohl eben so, wie die Kopfzeuge selbst, von

verschiedentlicher Gestalt seyn. Mir sind Teller zu Gesichte gekommen,

welche eine eyähnliche Figur hatten. Mit einem Worte: Die Kopfzeuge

werden fast alle Monate, und vielleicht auch wohl gar alle Mondwechsel

verändert: Aber eben dieses ist auch die Ursache, warum man solche

nicht so eigentlich abzuschildern fähig ist. Nichts ist veränderlicher

als die Moden der Frauenzimmertracht, und ich wollte fast lieber

sagen, daß die verschiedenen Moden der Schönen ein offenbares Zeugniß,

und eine gewisse Wirkung ihres unbeständigen, veränderlichen und

wankelmüthigen Gemüths wären. Denn

Das Frauenzimmer ist, wie im April das Wetter

Voll Unbeständigkeit, voll Wankelmuth wie Blätter:

Es lacht, betrübet sich, und weint, es schimpft und schmählt,

Es zürnt, verfolgt, haßt, liebt, hofft, wünscht, begehrt, und wählt.

§. 32. Aus dem 31sten Absatze wird man also gar wohl, ohne sich

einer Brille bedienen zu dürfen, einsehen können, daß diese Art der

Kopfzeuge, der ich nur itzo Meldung gethan habe, der Gesundheit eben

nicht am zuträglichsten sey. Denn da der Teller solcher Kopfdeckel nur

einer Hand lang und breit ist; so wird solcher kaum den Wirbel des

Kopfs zu bedecken im Stande seyn. Wird also wohl der Kopf gehörig

genug durch diesen Kopfputz wider die Kälte sowohl, als wider die

Sonnenhitze verwahrt werden können? Ich zweifle. Wird aber die Kälte

den Kopf angreifen; so werden die oben erwehnten Zufälle §. 28. 17.

12. und 5. nothwendiger Weise entstehen. Wird aber die Hitze der Sonne

den Kopf belästigen; so werden sich die Schönen über Kopfschmerz

beklagen, welcher ihnen den Schlaf zu berauben nur gar zu fähig wird.

Denn mich deucht, daß es auch so gar die alten Weiber wissen, daß die

Sonnenhitze, wenn sie zu heftig auf den Kopf sticht, Hauptschmerzen

erzeugen könne. Aber dieses ist es nicht allein, was die Hitze der

Sonne bey den Schönen zum Vorscheine bringet. Es werden auch von den

Strahlen der Sonne, wenn sie den Kopf gar zu heftig brennen, rothe und

entzündete Augen, Trockenheit in der innern Nasenhaut, in den Ohren,

im Munde und in der Luftröhre, folglich Stockschnupfen, Krankheiten

der Ohren, Harthörigkeit, kurz, nichts als solche Zufälle, welche

von einer gar zu großen Verhärtung des Ohrenschmalzes, und von einer

widernatürlichen Austrocknung des innern Ohrganges und des Trummelfells

herzukommen pflegen, und Heiserkeit, brennende Blasen auf der Zunge,

und trockner Husten, ihren Ursprung ableiten. Ich würde meinen Lesern

zuwider werden, wenn ich ihnen alle diejenigen Ungelegenheit der

Ordnung nach anführen wollte, welche allesammt von der Sonnenhitze

ihre Erzeugung hätten. Sehen sie nun die schönen Folgen, welche von

der eitlen Bemühung, nämlich von dem Putze des Haupts zu entstehen

pflegen? Es ist, so wahr ich einen Geschlechtsnamen führe! eine mehr

als tadelhafte Thorheit, wenn die Schönen darum hoffärtig werden, um

den Aerzten in die Hände zu fallen. Es trifft also wohl recht ein, daß

sich der Fall gemeiniglich nach der Hoffahrt einzustellen pflege. Mir

wird es wohl schwerlich jemand aus dem Kopfe bringen, daß ich nicht

das schöne Geschlechte, in Ansehung ihres Putzes, vor eine recht eitle

und thörichte Art von Menschen halten sollte. Das ist freylich eine

Wahrheit, welche den Schönheiten höchst unangenehm zu vernehmen seyn

wird. Aber wird sie deswegen zu einer Lügen werden, weil man sie mit

Verdruß anzuhören gewohnt ist? Nimmermehr. Wer das Glück hat, das

artigste Geschlecht so genau, wie ich zu kennen, der wird mit mir

in Betrachtung dieser Wahrheit einstimmig seyn. Es wäre denn, daß

die Macht der Schönen sein Herz gar zu sehr übermannet, ihn aller

seiner Sinnen beraubet, und ihm die Zunge, um der Wahrheit kein Recht

wiederfahren zu lassen, gänzlich gelähmet hätte.

§. 33. Ich habe mich wohl recht wie eine Fledermaus in die Haare und

in den Kopf der Schönen verwickelt. O! wie gut ist es doch, daß ich

einmal so glücklich habe seyn können, denen Schönen in die Haare zu

gerathen. Ob ich ihnen aber damit auch viel Weh gethan haben werde,

werden sie am besten wissen. Nimmermehr wird sich ein Peruckenmacher so

lange mit den Haaren und Kopfe beschäftigen, als ich gethan habe. Aber

itzo will ich mir auch alle Mühe geben mich mit Ehren wiederum aus den

Haaren der Schönen, wie ein Seidenwurm aus seinem eigenen Gespinnste,

zu entwickeln, ohne, daß sie bey meiner Entwicklung um ein einziges

Härchen kommen sollen. Doch daß ich es kurz heraus sage: ich will

hiermit meinen Abschnitt von den Krankheiten, welche von dem Haarputze

und Hauptschmucke herzukommen pflegen, auf das feyerlichste geendiget

haben.

[Illustration]

[Illustration]

Der zweyte Abschnitt.

Von den

Krankheiten, welche von der

Verschönerung des Angesichts

ihren Ursprung haben.

Das erste Kapitel.

Von den Ungelegenheiten, welche von den sogenannten Muschen oder

Schminkfleckchen zu entstehen pflegen.

§. 34.

Nichts liegt wohl den Frauenzimmern mehr am Herzen, als die Sorge,

ihrem Angesichte eine reizende Schönheit zu verschaffen. Sie haben

unzählige Mittel, deren sie sich zu bedienen pflegen, um ihren Zweck

glücklich erreichen zu mögen. Doch ihre Bemühung ist eben so tadelhaft

nicht, als sie manchem wohl scheinet. Denn wenn man die Schönheit

des Angesichts auf der rechten Seite betrachtet; so ist sie ein

ordentliches Gewehr und Waffen, deren sich die Frauenspersonen mit

einer ganz ausnehmenden und ihrem Geschlechte eigenen Klugheit gegen

die Männer zu gebrauchen wissen, um über die Herzen derselben den Sieg

zu erhalten, und sich die Mannsbilder ihnen dienstbar zu machen. Der

weise Anakreon schreibt in seiner andern Ode, so wie ich es gerne höre.

Ich werde die Ehre haben, ihnen die Nachahmung mitzutheilen, und hier

ist sie:

Wie sorgt die gütige Natur

Für eine jede Kreatur!

Sie schenkt den Menschen und den Thieren

Ein ihrem Wesen dienlich Gut:

Dem Löwen gab sie Stärk und Muth

Und Hörner schenkte sie den Stieren.

Sie lehrt den Fisch im Wasser gehn,

Den Vogel sich zur Luft erhöhn:

Dem Hasen giebt sie schnelle Füße

Womit er sich erretten kann:

Mit Klugheit waffnet sie den Mann,

Und zeigt, wie er sie brauchen müsse.

Was blieb vors weibliche Geschlecht?

Auch hier war sie nicht ungerecht;

Ihm schenkte sie statt jener Gaben

Der Schönheit: Und gebraucht es die;

So fehlt ihm Sieg und Stärke nie.

Was will es andre Waffen haben?

§. 35. Doch es ist zu beklagen, daß die Schönen durch alle ihre Kunst

dasjenige in Ewigkeit nicht erhalten werden, was ihnen die Natur

einmal versagt hat. Die Schönheit ist eigentlich diejenige gewisse

Vollkommenheit des Körpers, die vermöge unserer äußern Sinne empfunden

werden muß. Gesetzt aber, die Natur hätte diese Vollkommenheit bey

dieser oder jener Person vergessen; so wird man allen Fleiß vergebens

anwenden, sich solche durch Kunst eigen zu machen, wenn man auch gleich

tausend Mittel zur Hand nehmen wollte. Denn der müßte gewiß entweder

ohne Gehirne gebohren worden seyn, oder doch wenigstens alle seinen

Verstand eingebüßt haben, welcher diejenige Person vor eine Schönheit

halten wollte, bey der die regelmäßige Verhältniß der äußern Theile

des ganzen Körpers gegen einander fehlete, und bey der die sonst

gewöhnliche und ordentliche Stellung aller äußerlichen Theile nicht

ihre Richtigkeit hätte: Da doch diese Stücke das rechte Wesen und den

wahren Grund der Schönheit einzig und allein ausmachen müssen. Ich

läugne aber deswegen noch lange nicht, daß nicht auch eine angenehme

Gesichtsfarbe, die nach meinem Geschmacke weder zu feuerroth, noch

allzu weiß wie eine Gipsstatue, sondern blaßroth und lebhaft seyn muß,

eine Zärtlichkeit der Haut, und ein sanftes, fast unvermerktes Zucken

der Muskeln im Angesichte, welches eigentlich die Gesichtszüge und

Minen auszudrücken geschickt ist, zu der Schönheit, als wesentliche

und unentbehrliche Stücke gehören sollten. O nein! ich weis es gar zu

gut, daß eine zarte Haut, dessen Zärtlichkeit aus nichts andern, als

aus einer überaus künstlichen Zusammenfügung sehr kleiner und zarter

Scheibchen besteht, vermögend sey, unsern Augen ein fast himmlisches

Vergnügen zu machen, unsere Herzen in Flammen zu setzen, und in unserer

Seele tausend Vorstellungen hervorzubringen, die mit einer artigen

Abwechslung von einander entgegen gesetzten Leidenschaften vermischt

sind, und die deutlicher empfunden, als beschrieben werden können. Ich

dürfte mich fast über den thörichten Stolz mancher Schönen, welchen

sie, ihrer Schönheit wegen an sich blicken lassen, in ein Hohngelächter

auslassen, zumal da sie so gar viel Eitelkeit besitzen, und sich

zuweilen über die Maaßen viel auf ihre vergängliche Angesichtsschönheit

einbilden. Aber man sage mir doch nur einmal, besteht nicht eben die

Schönheit bloß in einer verwirrten Vorstellung? gründet sie sich nicht

auf eine seltsame Zusammenfügung der kleinen und zarten Scheibchen

der Haut, auf eine anständige und reizende Vermischung der weißen und

rothen Farbe? und endlich auf ein fast kaum merkliches Ziehen der

Angesichtsmuskeln? Bedenken sie doch nur einmal, meine Schönen, so

was Elendes und Eingebildetes ist es, auf dessen kurzen Besitz sie so

närrisch hochmüthig zu werden geneigt sind, und welches sie habhaft

zu werden mit der größten Begierde suchen, und mit dem heftigsten

Verlangen wünschen. Ich sollte meynen, sie müßten nunmehr mit mir

selbst, mir zu Gefallen, und blos zur Gesellschaft über ihre eigene

Thorheit lachen? Ey machen sie doch sowohl sich, als mir die Freude,

und lachen recht sehr! wollen sie? ich bitte.

§. 36. Um sich den so vergänglichen Schatz der Angesichtsschönheit

eigenthümlich machen zu mögen, sind die Schönen aus einer bloßen

Einbildung, und aus einem mehr als verkehrten Vorurtheile auf den

tollen Gedanken gerathen, ihr Angesicht mit kleinen schwarzen

Fleckchen, welche theils ganz runde, theils aber halbrunde Figuren

vorstellen, und Schminkpflästerchen oder Muschen genennt werden, zu

bekleben. Vielleicht haben die Frauenzimmer sich darum die schwarze

Farbe zu ihren Schminkfleckchen erwählt, damit durch solche die

Farbe des Angesichts desto besser erhöht werden soll. Zuweilen legen

sie sich nur eines, zuweilen aber auch mehrere Pflästerchen in das

Angesichte. Solche befleckte Schönheiten tragen beynahe das ganze

himmlische Weltheer und das natürliche tychonische Weltsystem in

ihrem Gesichte; ja sie sehen fast eben so bunt wie eine Elster aus:

vielleicht aber geschieht dieses wegen der großen Verwandschaft, welche

sie in Betrachtung ihrer Schwatzhaftigkeit mit diesen Thieren gemein

haben. Doch ich will kraft diesem auf das feyerlichste um Verzeihung

gebeten haben, wenn ich den Schönen etwa damit zu viel gethan, oder

ihnen zu nahe getreten haben sollte! Vielleicht werde ich ihre Absicht

besser errathen, warum die Schönen ihr Angesicht mit schwarzen

Fleckchen zu bepflastern pflegen, wenn ich sage: daß sie dieses darum

zu thun gewohnt wären, um dadurch ihr Angesichte zu verschönern,

ihre Angesichtsfarbe mehr zu erheben, und in die Augen fallender zu

machen, und die im Angesichte aufgeschoßten Blätterchen zu bedecken

und zu verbergen. Ist es nicht wahr? Aber sie werden mir es auch nicht

ungütig nehmen, wenn ich mich unterstehe, ohne den geringsten Scheu

vor der Wahrheit zu tragen, ihnen offenherzig zu versichern, daß ihre

eitle Bemühung schöner zu scheinen, als sie natürlicher Weise sind,

eine ganz unnatürliche und sehr gezwungne Sache sey. In der That, ein

oder etliche ausgefahrne Blätterchen im Angesichte sind lange nicht

vermögend, ihre angebohrne Schönheit zu vermindern, wenn nur sonst die

Natur gerecht und gütig genug gegen sie gehandelt hat, das heißt, die

regelmäßige Verhältniß aller äußerlichen Theile gegen einander, und

die ordentliche Stellung der Glieder an den Schönen zu beobachten,

befließen genug gewesen ist. Man kann schon andere und bessere Mittel

gebrauchen, dieser im Angesichte stehender Blätterchen loß zu werden,

ohne sich solcher schwarzen Fleckchen bedienen zu dürfen. Doch wenn

die Frauenspersonen die Absicht einzig und allein zu ihrem Grunde

haben, die im Angesichte hervorgesprossenen Blätterchen vermöge dieser

Schminkläppchen zu verbergen; so kann man ihnen diese Muschen im

Angesichte zu tragen noch ganz wol Erlaubniß und Ablaß geben.

§. 37. Diese Schminkpflästerchen nun werden meines Wissens, aus

schwarzen seidenen Taffent verfertiget, über welchen man aufgelösetes

Gummi streichet, wenn aber dieses auf dem Taffent trocken geworden

ist, so werden diese Muschen mit einem scharffen besonders hierzu

gemachten Ausstecheisen, welches bald eine zirkelrunde bald aber eine

halbzirkelrunde Figur vorstellet, ausgestochen. Man muß aber doch auch

wissen, daß es große, mittlere und kleine Schminkpflästerchen gebe, um

solche auch bey verschiedenen Mängeln und Flecken des Angesichts in

Gebrauch nehmen zu mögen.

§. 38. Nunmehr sollte ich auch etwas von dem Schaden sagen, welchen die

Schminkpflästerchen der Gesundheit zufügen könnten. Aber ich muß hier

meine Unwissenheit aufrichtig gestehen, daß ich eben keinen besondern

Schaden einzusehen und anzugeben fähig bin, welcher auch nur einiger

maaßen der guten Gesundheit nachtheilig und überlästig seyn könnte.

Es müßte denn etwa dieser Schade seyn, daß die mit Gummi überzogenen

Fleckchen, die wenigen Schweißlöcher, über die solche gelegt worden

sind, zuklebeten. Aber da, nur einige wenige Muschen in das Angesichte

gelegt werden; so wird auch die unmerkliche Ausdünstung eben dadurch

nicht unterdrückt werden, und Ungelegenheit verursachen können. Ich

würde es nothwendiger Weise zugeben müssen, daß Krankheiten von den

aufgelegten Muschen zum Vorscheine kommen könnten, wenn das ganze

Angesicht mit nichts als Schminkpflästerchen, so wie mit einer Larve

belegt worden wäre: Freylich würden alsdenn lauter solche Zufälle

ihren Ursprung nehmen müssen, die ihr wahres Daseyn der verhinderten

unmerklichen Ausdünstung schuldig sind, s. §. 32. 28. 17. 12. und

5. und so würde ich mich nicht wundern dürfen, wenn krebsartige und

fressende Geschwüre entstünden. Kurz, diese Schminkfleckchen sind

mehr vor einen eitlen und aberwitzigen Angesichtsputz, als vor ein

Mittel zu halten, welches der Gesundheit durch Zufügung einigen

Unheils Eintrag zu thun vermögend seyn könnte. Es würde ein großes

Unglück seyn, wenn alle närrische Erfindungen und Eitelkeiten zugleich

neue Gelegenheit, krank zu werden, geben sollten: und so ist es auch

noch lange die Folge nicht, daß alle Arten der Verschönerung des

Angesichts schädlich werden müßten, wenn auch gleich einige fähig sind,

Unbequemlichkeiten einzuführen, und Schaden anzurichten. Wer aber auch

so schließen wollte, der würde eben einen solchen Schluß machen, wie

die alte Frau Barbara ordentlicher Weise bey dem Spinnrade sonst zu

machen gewohnt ist.

[Illustration]

Das zweyte Kapitel.

Von den Beschwerlichkeiten, welche von der rothen Schminke des

Angesichts erzeugt werden.

§. 39.

Da ich den Vorsatz gefaßt habe, von der rothen Schminke des Angesichts,

und von der hiervon zu entstehenden Schädlichkeit zu schreiben; so

sollte es mir hier nicht an Gelegenheit mangeln, zumal wenn ich in

das Alterthum zurück gehen wollte, von der dazumal gewöhnlichen

rothen Angesichtsschminke vieles zu reden. Hier könnte ich von dem

Ursprunge und von dem Gebrauche der rothen Schminke handeln, und

wenn ich es sonst vor gut befände, eine eigene Abhandlung davon

aufsetzen: Allein da eben dieses eigentlich nicht zu meiner Sache

gehört; so sehe ich nicht ein, warum ich mich, ohne Grund zu haben, in

überflüßige und critische Weitläuftigkeiten einlassen soll. So viel

aber kann ich doch nicht unberührt lassen, daß die rothe Schminke

bey den Griechen sowohl als Römern in den Schauspielen gebraucht

wurde, und daß gemeiniglich diejenigen Personen ihre Angesichter roth

zu färben gewohnt gewesen sind, welche diese oder jene Geschichte

auf dem Schauplatze vor dem Volke vorstellten. Die wahre Absicht,

warum solche Leute ihre Angesichter roth schminkten, mag wohl allem

Vermuthen nach diese gewesen seyn, sich nämlich denen Zuschauern

unkenntlich zu machen, oder auch wohl ihren Angesichtern durch

solche rothe Schminke eine reizendere Schönheit geben zu mögen, um

die Augen der Anwesenden mehr auf sich zu reizen, theils von ihnen

bewundert, theils aber auch geliebt zu werden. Wider die Möglichkeit

streitet es im geringsten nicht, daß sich nicht einige Zuschauer in

eine solche roth gemahlte Schönheit verliebt haben sollten. Denn da

dieses noch heut zu Tage geschieht, warum sollte es auch vor alten

Zeiten nicht eben so vorgefallen seyn. Auch noch zu unsern Zeiten

wird die rothe Angesichtsschminke von den Schauspielerinnen, welche

man Komödiantinnen und Operistinnen nennt, auf dem Theater gebraucht,

um sich lebhafter und schöner im Angesichte zu machen. Ich bin nun

schon einmal des guten Glaubens: daß auch andre Frauenzimmer denen

Theaterschönen nachgeahmet sind, und um mehr geliebt und verehrt zu

werden, sich ebenfalls dieser rothen Schminke bedient haben. Die

Erfahrung bestätiget meine Meynung, und die Bücher der alten Dichter

beweisen es zur Genüge, daß ich wiederum Recht habe. Man wird es

nunmehr zu begreifen im Stande seyn, daß die Mode, das Angesichte

roth zu schminken, von den Schauspielen der Alten seinen Ursprung

genommen habe, noch heutiges Tages bey den Theaterschönheiten üblich,

und nachher von andern Frauenzimmern zum Gebrauch angewendet worden

sey. Die Farbe aber, der sich die Alten, um damit ihre Angesichter

roth zu schminken, bedient haben, soll nach dem Zeugniß der

Alterthumsverständigen Critiker die Meerschnecke gewesen seyn. Ich

will dieses eben nicht gänzlich in Abrede seyn, doch halte ich auch

dafür, so viel freyen Willen zu haben, auch glauben zu mögen, daß das

Alterthum auch wohl andere rothe Farben, um sich schminken zu können,

gebraucht haben müsse. Doch ich mag eben keine unnöthige Untersuchung

anstellen, was es eigentlich vor Farben gewesen sind, die die Alten,

um ihre Angesichter roth zu färben, genommen haben. Meinetwegen kann

es Menge, Kermeskörner oder Koccionille gewesen seyn, genug, daß es

eine rothe Schminke gewesen ist, die dazumal den Leuten gefallen haben

muß, und die reizend genug gewesen seyn mag, daß man von einer solchen

rothgemahlten Schönheit hat bezaubert werden können, ohne andre

abergläubische Mittel zu Hülfe nehmen zu dürfen.

§. 40. Es ist, bey meiner Ehre, ein mehr als strafbarer Fehler, welcher

sich einzig auf die Menschheit gründet, daß man niemals mit denjenigen

Leibesgaben vergnügt zu seyn pflegt, welche uns doch die Weisheit

und Vorsicht der gütigen Natur aus erheblichen Ursachen beschieden

hat. Aber auch eben diesen Fehler wird man am allermeisten bey den

Frauenzimmern antreffen, vielleicht aber bloß darum, weil sie mehr

Menschheit als andre an sich haben, und ich wollte es fast lieber,

aus eben diesem Grunde, doch zwar nur zum Scherze, selbst glauben,

daß die Schönen darum mehr menschlich wären, weil die unbenabelte

alte Frau Eva von dem ersten Menschen, nicht aber wie Adam, aus Erde

gemacht worden ist. Ihre Töchter sind noch eben so, wie ihre Urmutter

geartet: Jene wollte mit ihrer Vollkommenheit nicht zufrieden seyn,

ihre eitle Begierde, noch vollkommner zu werden, brachte sie zum

Falle, und stürzte sie in das Elend, und ihre Töchter, so gleiche

Unart und gleiche Neigung mit ihrer Stammmutter in ihren Adern nähren,

bestreben sich äußerst, immer vollkommner zu werden, ob sie sich

gleich durch ihre Bemühung nur mehr Unvollkommenheit und Unglück auf

die Achseln laden. Aber eben das mag auch die wahre Ursache seyn,

warum blasse Frauenzimmer roth von Angesichte aussehen, die rothen

aber sich eine Blaßheit des Angesichts zuwege bringen wollen. So

geht es auf der Welt! alte Weiber wollen nicht alt, junge Schöne

nicht jung heißen. Aber warum? ich will es so gleich sagen: Weil

die jungen zu lieben anfangen, die alten aber noch lieben, und beyde

geliebt zu werden wünschen. Bloß also ihren Liebhabern gefallen zu

mögen, bemüht sich die rothe Schöne sich blaß zu machen, die blaße

aber färbt sich roth. Nimmermehr, wird eine rothgemahlte Schönheit

mich zu reizen, und mich durch ihre rothgeschminkte Backen, so wie

die rothen Ebischbeeren die Gramsvögel in ihre Schlinge zu locken,

vermögend seyn. Mir gefallen solche Theaterschönheiten und rothgefärbte

Drechslerpüppchen durchaus nicht. Nicht aber etwa darum, weil sie nicht

natürliche, sondern fremde Farben haben, auch nicht darum, weil ich

die rothe Schminke vor die schlechteste und niederträchtgiste Art,

sich im Angesichte zu verschönern, halte. Nein, sondern bloß darum,

weil ich bey solchen rothgemahlten Gesichtern auch ein geschminktes,

das heißt, ein falsches Herz vermuthe, ein Mißtrauen auf ihre Tugend

und Keuschheit setze, und damit ich den rechten Titel gebrauche, weil

ich solche rothgefärbte Schönen auf gut deutsch vor Huren halte. Ich

habe nicht geschimpft, sondern nur die Wahrheit gesagt, folglich darf

ich mich keines Injurienprocesses befürchten. Denn ich bin Bürge

dafür, daß keine geschminkte Schöne sich dieses zu Gemüthe ziehen

werde, weil ich versichert bin, daß es in Ewigkeit keine zu gestehen

gewohnt sey, daß sie sich im Angesichte roth zu mahlen pflege. Gewiß,

solche rothgemahlte Schönheiten werden einen viel größern Verstand

von sich blicken lassen, als manche Mannsperson, welche sich klug zu

seyn dünket. Ich werde ihre Klugheit zu rühmen wissen, wenn sie mich

und meine Schrift nicht sogleich zum Feuer verdammen. O! wenn alle

satyrische Schriften und Strafpredigten verbrannt werden sollten, in

denen man sich getroffen und abgeschildert findet; so würde die Welt

gar bald in Brand gesteckt werden. Bleibet bey euren guten Gedanken, und

Seyd klüger als wie jener Pfaffe,

Wenn euch ein Sinngedichte sticht:

Seyd nicht so tumm als wie der Affe

Der gleich das Spiegelglas zerbricht,

So ihm sein wahres Bildniß zeiget:

Klug ist, wer fühlt, sich bessert, schweiget.

Aber im rechten Ernste, solche Frauenzimmer, welche sich roth färben,

sind warhafte Huren, und ich wollte gleich schwören, daß sie nichts

anders wären. Denn hätte eine redliche Frau nicht die Absicht, mehr

Männern zu gefallen, so würde sie sich es auch nicht haben in Sinn

kommen lassen, ihr Angesichte zu schminken, sondern sie würde mit

ihrer natürlichen Farbe, welche doch allemal die schönste ist, und

ihrem Manne, wenn er anders kein Narr wäre, gefallen müßte, vollkommen

vergnügt seyn: und ich würde eine Wittwe und Jungfrau vor aussätzig

an ihrer Tugend halten, die sich, um viele Verehrer zu haben, in

ihren Angesichtern roth schminken wollten. Gesetzt aber, daß es eine

oder die andere thäte, gewiß, so würde niemand so beredt seyn, es mir

auszureden; daß ich nicht feste glauben sollte, eine solche müßte sich

ihres eignen Fleisches nähren. Denn was hätte sie außerdem Ursache,

ihr Angesicht roth zu mahlen, zumal da diese Beschäftigung eine der

größten Thorheiten ist. Aber um der Wahrheit das Recht zu erweisen,

werden mir diejenigen alle, so ihre fünf Sinne zu brauchen wissen,

gutwillig eingestehen, daß diese Art der Schminke die armseligste und

pöbelhafteste sey, und bey denen ein sehr niederträchtiges Gemüthe

verrathe, die sich einfallen lassen, sich solcher Schminke zu bedienen.

Nur diese rothe Theaterschminke pflegt so gar den Unwissendsten in die

Augen zu leuchten, so, daß sie bey sich selbst denken müssen, diese

rothe Angesichtsfarbe sey unnatürlich und geschminkt.

Man hat wohl mehrmals gesehen, daß sich ein rothgeschminktes Angesicht

durch einen unverhoft hervorgebrochenen Schweiß, welcher über die

Stirne und Backen geronnen ist, geoffenbaret, und sich andern zum

Gelächter gemacht habe: Ja man sieht augenscheinlich die weiße Haut

vorleuchten, wenn der Schweiß die rothe Farbe abgewaschen hat. Ein

solches Angesicht kommt mir eben so vor, wie eine weiße Wand, über die

man eine rothe Farbe gestrichen hat, welche aber von dem Regen hier und

da abgewaschen worden ist, und weiße Flecke zu ihrer Schande zeigen muß.

§. 41. Das Schminken ist eine Kunst, vermöge gewisser Mittel die

Farbe der Haut zu ändern, selbige schön zu machen, und solche schön

zu erhalten. Die Farbe der Haut wird entweder durch blaßmachende,

oder rothmachende Mittel verändert. Dasjenige Mittel nun, welches

geschickt ist, der Haut ein rothes Ansehen zu geben, und welches heut

zu Tage gewöhnlich gebraucht wird, heißt Rosentuch, vielleicht weil

dieses Tuch der Farbe einer rothen Sammetrose ziemlich nahe kömmt.

Dieses eigentlich sogenannte Rosentuch ist nichts anders, als etwas

starke rothgefärbte Leinwand, welche ihre rothe Farbe, entweder von

der Koccionille, Kermeskörnern, oder auch von Fernebocke, dem durch

eine besondere Kunst so eine hochrothe rosengleiche Farbe gegeben

worden ist, bekommen hat. Mit dieser rothgefärbten Leinwand färben die

Frauenzimmer ihre Wangen, und mahlen sich das Angesicht damit roth:

doch muß dieses Rosentuch vorher in Lindenblüthwasser eingetaucht und

feuchte gemacht werden, denn außerdem färbet das Rosentuch nicht ab.

Einige nehmen guten florentinischen Lack, streichen solchen auf ein

Stückchen Scharlachtuch und reiben die Haut des Angesichts damit.

Besser aber thut man, wenn man kermesinrothes türkisches wöllnes Garn

nimmt, selbiges sehr klein hacket, durch ein Haarsieb siebet, und in

ein sehr zartes Pulver verwandelt, hernach aber auf ein Stückchen

Scharlachtuch streuet, und die Backen damit reibet. Dieses Mittel ist

fähig genug, ein recht unvergleichlich schönes und rothes Gesichte

zuwege zu bringen. Andere bemahlen sich mit Karmin, und wiederum andere

bemühen sich, die Farbe ihrer Wangen und Lippen mit Zinnober zu erhöhen.

§. 42. Nunmehr will ich endlich den Schaden anzeigen, den sich

diejenigen Frauenspersonen zuziehen, welche so närrisch sind, ihr

Angesicht roth zu färben. Ich habe nur itzo im 41sten Absatze gesagt,

daß das Angesichte mit denen Läppchen stark gerieben werden müsse,

wenn daß Angesicht roth geschminket werden soll. Da aber durch das

starke Reiben die Haut des Angesichts sehr gereizt, angespannt, und

dichte gemacht wird, und allemal auf eine starke Anspannung eine der

angespannten Haut gemäße Erschlaffung zu erfolgen pflegt; so wird man,

wenn man anders Verstand hat, sehr deutlich einsehen können, daß eine

solche geschminkte Schönheit vor den Jahren alt werden und Runzeln

bekommen müsse. Aber dieses ist noch lange nicht der Lohn, welchen

solche Theaterpüppchen vor ihre Schminke empfangen: Auch außer den

Runzeln bekommen sie eine gelbe, garstige und grobe Haut, so, daß sie

zu einem wahren Scheusal der Männer, und zu einem wirksamen Gegenmittel

wider das aufsteigende Fleisch werden. Es werden auch die Schweißlöcher

der Haut des Angesichts von dieser rothen Schminke zugeklebt und

verstopft, folglich wird die so heilsame Ausdünstung verhindert werden

müssen, und also werden alle diejenigen Umstände entspringen, welche

von der unmerklichen Ausdämpfung des Angesichts natürlicher Weise zu

entstehen pflegen s. §. 38. 32. 28. 17. 12. und 5. Da nun, wie ich

nur itzo erweislich gemacht habe, eine geschminkte Haut nicht so, wie

es sich geziemt, ausdünstet; so müssen freylich daher im Angesichte

Finnen, Schwindflechten, und Sonnensprossen entstehen. Diejenigen

Frauenspersonen, welche sich diese Thorheit haben einnehmen lassen,

ihre Wangen und Lippen mit Zinnober zu färben, bekommen gemeiniglich

den Krebs an dem Munde, und faules Zahnfleisch, wackelnde Zähne, einen

stinkenden Athem und triefende Augen. Denn das im Zinnober versteckte

Quecksilber dringt in die Thränendrüse so wohl, als in diejenigen

Drüsen, welche von D. Meibomen den Namen bekommen haben, und erweitert

deren Gänge, so, daß solche hernach ihre Narrheit, und den Verlust

ihrer Gesundheit mit einem beschwerlichen Schwären der Augenlieder, und

beständigen Thränen der Augen ohne Aufhören beweinen müssen(*). Schöner

Lohn für eure rothe Schminke!

§. 43. Wenn die Frauenspersonen, welche Belieben an einem rothen

Angesichte tragen, und gerne roth auszusehen wünschen, meinem Rathe

folgen wollten, so würden sie vernünftiger handeln, zumal, wenn sie

sich lieber mit innern Mitteln von einem verständigen Arzte eine

lebhafte rothe Farbe des Angesichts zuwege bringen ließen, und sich

nicht selbst und ihrem Körper durch solche schädliche äußerliche

Hülfsmittel so viel Unheil und Häßlichkeit zufügten und ungesund

machten, nicht ihren Nebenmenschen, über sie zu spotten, und sich zu

ärgern Gelegenheit gäben, nicht ihren Schöpfer zum Zorne reizten, und

sich seiner Gnade verlustig machten. Ein geschminktes Angesicht soll

darum das Angesicht GOttes nicht schauen, weil es durch die Schminke

andre gereizt und entzündet, und ihnen Anlaß zu sündigen gegeben hat.

(*) ~_Platner_ de morbis ex immunditie.~ §. 16.

[Illustration]

Das dritte Kapitel.

Von den üblen Zufällen, welche von der blaßmachenden Schminke des

Angesichts herkommen.

§. 44.

Alle Schönheitsverständige geben mir noch heutiges Tages einen

allgemeinen Beyfall, daß die blasse Angesichtsfarbe eine ganz

ausnehmende und bezaubernde Schönheit sey, so, daß solche ihrer

Annehmlichkeit wegen so gar den Titel der adlichen Farbe erhalten

hat. Ich gestehe der blassen Angesichtsfarbe auch ganz gerne, ohne

Zwang, nach meinem Geschmacke dieses Vorrecht zu, wenn nur die blasse

Angesichtsfarbe nicht gar zu weiß, so wie ein von Gipse gegossenes Bild

ist: Denn diese hat allemal eine kränkliche Beschaffenheit des Körpers

zum Grunde, und ist eine reiche Quelle unzählbarer Krankheiten. Jene

angenehme Blaßheit des Angesichts hingegen ist ein offenbares Zeichen

eines vollkommen gesunden Körpers. Beynahe alles Frauenzimmer wünscht

sich diese adliche Farbe eigenthümlich zu machen, um adlich scheinen

zu mögen. Ich lobe ihren guten Willen, und ich würde solchen noch mehr

loben, wenn sie nach der adlichen Tugend eben so, wie nach der Farbe

strebeten. Ich würde offenbar wider mein eigenes und besseres Wissen

handeln, wenn ich so unartig seyn, und es läugnen wollte, daß es

eine Unmöglichkeit wäre, seinen Körper so zu ändern, daß er geschickt

würde, eine Blaßheit im Angesicht hervorzubringen. O! es ist mir gar

zu wohl wissend, daß man durch gewisse Hülfsmittel, welche man theils

äußerlich, theils aber auch innerlich im Gebrauch zu nehmen pflegt, und

durch eine besondere Lebensordnung, die man in den so genannten sechs

nicht natürlichen Dingen zu beobachten nöthig hat, dem Angesichte diese

reizende Blaßheit zuwege zu bringen im Stande sey, ohne, daß dadurch

der Gesundheit das geringste Uebel zugefügt werde. Aber von dieser Art

der Blaßheit soll hier nicht die Rede seyn. Wer aber begierig ist,

solche genauer kennen zu lernen, der darf nur meine Abhandlung von der

blassen Angesichtsfarbe nachzulesen belieben. Ich versichre, daß diese

ihrer Neubegierde eine Genüge thun wird. Gegenwärtig aber ist nur mein

Vorsatz, von derjenigen blassen Angesichtsfarbe zu handeln, welche

ordentlicher Weise der guten Gesundheit viel Nachtheil zu bringen fähig

ist.

§. 45. Die Blaßheit des Angesichts ist eine gewisse Beschaffenheit der

Haut, welche keine rothe Farbe sichtbar zu machen vermögend ist. Was

nun diese Beschaffenheit der Haut hervorbringen soll, das muß geschickt

seyn, den Fäserchen der Haut ein stärkeres Vermögen zuzufügen, das in

den zarten Blutgefäßchen des Angesichts befindliche Blut, kraft einer

lebhaftern Zusammenziehung der Fäserchen nach den innern Theilen stoßen

zu können. Die Mittel aber, welche diese Tugend besitzen, nennt man

stärkende oder blaßmachende Mittel, und diese werden sowohl von außen,

als auch von innen, um seine Absicht zu erlangen, angewendet. Aber auch

dieses sind zum Theil schädliche, zum Theil aber auch unschädliche

und heilsame Mittel. Was es aber für Mittel sind, und was man hierbey

für eine Lebensordnung brauchen müsse, um diese gesunde blasse

Angesichtsfarbe zu erlangen, wird die oben im 44sten Absatze angeführte

Abhandlung ausführlicher lehren. Voritzo will ich nur derjenigen Mittel

Erwähnung thun, welche zwar eine Blaßheit des Angesichts zu machen

kräftig und wirksam genug sind, aber, die auch zugleich Gelegenheit

geben, krank zu werden.

Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen · 第 8 / 10 题