Aber auch damit war sie noch nicht zufrieden. „Auch dem Vater mußt du’s
versprechen. Denn, weißt, er hört dich ganz gut, vom Himmel schaut er
herab und sieht uns und jedes Wort hört er, ganz so wie unser Hergott!“
Und da hob ich die Augen gegen Himmel und sprach laut und fest: „Ja,
Vater, ich werd’ alleweil recht brav sein!“
„So ist’s recht, Heini! und jetzt beten wir noch miteinander einen
Vaterunser.“
Laut hub meine Mutter das Gebet an und ich sprach es mit und dann
schlugen wir das Kreuz und erhoben uns langsam.
In der Höhe des Grabhügels war an dem Kreuze ein kleiner Blechkessel
mit Weihwasser angebracht, über dem ein vollständig abgewelkter Strauß
von Kornblumen steckte. In diesen Kessel tauchte nun die Mutter die
Finger und zeichnete mir dann drei Kreuze auf die Stirne. Darauf wandte
sie sich nochmal zum Grabe und wie in einem Selbstgespräche sagte sie:
„Bhüt dich Gott, Franzl! Schau auf unser Kind, du kannst es. Laß ihn
nit unglücklich werden!“
Schweigend verließen wir den Friedhof. Als wir die rostige Gitterpforte
hinter uns hatten, sah ich nochmals zurück und da hatte sich auf die
weißlackierte Blechtafel des Grabkreuzes, die den Namen des Vaters
trug, soeben die Sonne gelegt und es war mir, als lächle mir von dort
das liebe Gesicht des Vaters zu. So stark war dieser Eindruck, daß ich
leise zurückwinkte und mit gestärktem Mute ging ich weiter.
Zu Hause gab es noch allerlei zu packen und die Mutter begleitete
jedes Stück, das sie in den großen Holzkoffer legte, mit guten Lehren,
Ermahnungen, Gebrauchsanweisungen und von all dem Aufmerken und den
Aufregungen des Tages war ich schließlich so müde geworden, daß ich wie
ein Stück Holz ins Bett fiel und auch sofort einschlief. Und kein Traum
störte diesen Schlaf.