Heute, liebster Freund, fühle ich, daß ich ganz sicher von Ihnen
Nachricht bekommen muß, und dann soll der Brief gleich abgehen. Er soll
Ihnen sagen ...
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Zuerst waren mir die Worte ein leerer Schall. Sie bedeuteten gar
nichts. Erst ganz langsam hab ich sie verstanden. Die See draußen
rauscht weiter, und die Wellen schlagen gegen den Strand – ganz so wie
vorhin in der blaßfernen Zeit, da ich die Worte noch nicht vernommen.
Er wird das Rauschen nie mehr hören. Bedeutet es das, wenn sie sagen,
daß er tot ist? Und der Brief an ihn liegt begonnen vor mir.... Er
wird ihn nie mehr lesen. Ist es das, was sie damit meinen, daß er tot
sei? Heißt es, daß nichts von mir ihn je noch erreichen kann? Daß die
ganze Welt für ihn nicht mehr ist, daß ich für ihn nicht mehr bin, weil
er selbst nicht mehr ist? Heißt es das?
Ich höre immer nur dieselben Worte – _er ist nicht mehr_. Zuerst
verstand ich's nicht – nun ist es alles, was ich noch weiß. Die Worte
füllen die Welt – alles andere ist versunken.
Hätte ich ihn doch nur ein einziges Mal noch sehen können! Wär ich
doch wenigstens zu allerletzt bei ihm gewesen! Daß er da allein sein,
allein sterben mußte! Seine Verlassenheit ermaß ich an der eigenen
Vereinsamung, seinen Jammer an meinem Jammer.
Jahrelang hat er mich umgeben mit Zartheit und Fürsorge, hat mich
geliebt – wie sehr, weiß ich erst jetzt – ich durfte damals ja gar
nicht dran denken – mußte vorbeigehen – wo er mir sein ganzes Leben gab.
Ach, gäb es doch nur eine Stunde, von der ich mir jetzt sagen könnte,
die habe ich ihm ganz geschenkt, deren hat er sich mit den allerletzten
Gedanken sicherlich noch erinnert!
Hätte ich doch selbst den Trost solch einer einzigen Erinnerung!
Aber nichts durfte ich ihm sein. Nicht einmal in seiner letzten Stunde
konnte ich bei ihm sein. Allein mußte er sterben.
Hätte ich ihm doch nur ein einziges Mal noch sagen können: »Nicht wahr,
Du hast es doch immer gewußt, wie sehr ich Dich geliebt?«