44. $Löslichkeit des oxalsauren Bleioxyds$ (zu §. 62. b.).

Eine verdünnte Lösung von essigsaurem Bleioxyd wurde mit oxalsaurem

Ammon und Ammon gefällt. Nach längerem Stehen abfiltrirt, zeigte das

Filtrat zu Schwefelwasserstoff ein ganz ähnliches Verhalten, wie das

in Nro. 43. b. genannte Filtrat, d. h. die Flüssigkeit erschien beim

Hindurchsehen durch den Probecylinder von neben nicht, von oben schwach

bräunlich. -- Ein gleiches Verhalten wurde bei einem zweiten ähnlichen

Versuche beobachtet, bei welchem der Lösung salpetersaures Ammon

zugefügt worden war.

45. $Löslichkeit des schwefelsauren Bleioxyds in reinem Wasser$

(zu §. 62. d.).

Völlig ausgewaschenes schwefelsaures Bleioxyd wurde noch feucht mit

Wasser übergossen und unter Umschütteln 5 Tage lang bei 10 bis 15°

digerirt. 84,42 Grm. des Filtrats hinterliessen, bei 11° abfiltrirt,

0,0037 Grm. schwefelsaures Blei, also erfordert 1 Theil 22816 Theile

reines Wasser von 11°.

Die Lösung gab mit Schwefelwasserstoff eine beim Hindurchsehen durch den

Probecylinder von neben wenig, von oben deutlich braune Färbung.

46. $Löslichkeit des schwefelsauren Bleioxyds in

schwefelsäurehaltigem Wasser$ (zu §. 62. d.).

Eine sehr verdünnte Lösung von essigsaurem Bleioxyd wurde mit einem

Ueberschuss von verdünnter reiner Schwefelsäure versetzt, ganz gelinde

erwärmt und der Niederschlag einige Tage hindurch absitzen gelassen.

80,31 Grm. Filtrat hinterliessen 0,0022 Grm. schwefelsaures Bleioxyd,

also erfordert 1 Theil 36504 Theile obigen Lösungsmittels. Diese

Lösung gab mit Schwefelwasserstoff eine beim Hindurchsehen durch den

Probecylinder von neben farblose, von oben kaum ein wenig dunkler

erscheinende Flüssigkeit.

47. $Löslichkeit des schwefelsauren Bleioxyds in Wasser, welches

Ammonsalze und freie Schwefelsäure enthält$ (zu §. 62. d.).

Eine sehr verdünnte Lösung von essigsaurem Bleioxyd wurde mit ziemlich

viel salpetersaurem Ammon, dann mit Schwefelsäure im Ueberschuss

versetzt. Nach einigen Tagen abfiltrirt, zeigte sich das Filtrat gegen

Schwefelwasserstoffwasser fast völlig indifferent, von oben durch den

Probecylinder gesehen, erschien es kaum merklich dunkler als reines

Wasser.

48. $Verhalten des schwefelsauren Bleioxyds beim Glühen$

(zu §. 62. d.).

Bei Gelegenheit der Atomgewichtsbestimmung des Schwefels geben $Erdmann

und Marchand$ (Journ. für prakt. Chem. XXXI. S. 335) an, dass das

schwefelsaure Bleioxyd beim Glühen etwas Schwefelsäure verliere. --

Um mich zu vergewissern, in welchem Grade dies stattfinde und ob

hierdurch die Methode -- Blei als schwefelsaures Salz zu bestimmen --

eine bemerkliche Unsicherheit bekomme, erhitzte ich 2,2151 Grm. absolut

reines PbO,SO_{3} zum heftigsten Rothglühen über der Weingeistlampe

mit doppeltem Luftzug. Ich konnte nicht die mindeste Gewichtsabnahme

bemerken. Keinesfalls betrug sie 0,0001 Grm.

49. $Verhalten von Bleilösungen zu Schwefelwasserstoff$

(zu §. 62. f.).

Es ist bekannt, dass Bleilösungen, welche sehr viele freie Säure

enthalten, durch Schwefelwasserstoff nicht gefällt werden, wenn man

sie nicht mit Wasser verdünnt. -- Nun wird aber im Archiv der Pharm.

XXIX. S. 234 von $Triboulet$ angegeben, dass auch aus einer Lösung von

essigsaurem Kali nicht alles Blei durch Schwefelwasserstoff gefällt

werden könne, wohl aber bei Zusatz von Ammon. -- Ich versetzte, um

diese Angabe zu prüfen, eine mit Bleizucker vermischte concentrirte

Lösung von essigsaurem Kali, welche durch einen Tropfen Essigsäure

sauer gemacht war, a) mit überschüssigem Schwefelwasserstoffwasser, b)

mit überschüssigem Schwefelwasserstoffgas. In beiden Fällen erhielt

ich eine so vollständige Fällung, dass die nach starkem Umschütteln

abfiltrirten Flüssigkeiten durch Ammon und Schwefelammonium nicht die

geringste Veränderung mehr erlitten. -- Es ist somit $gewiss$, dass die

obige Angabe unrichtig ist, und $wahrscheinlich$, dass sie durch einen

Eisengehalt der Flüssigkeit veranlasst wurde.

50. $Verhalten des metallischen Quecksilbers bei gewöhnlicher

Temperatur und beim Kochen mit Wasser$ (zu §. 63. a.).

Um mich zu überzeugen, in welcher Weise eine Abnahme des metallischen

Quecksilbers beim Trocknen, sowie beim Kochen mit Wasser stattfinde, und

ferner welche Art des Trocknens die beste sei, stellte ich die folgenden

Versuche an:

6,4418 Grm. völlig reines in einem Uhrglase befindliches Quecksilber

übergoss ich mit destillirtem Wasser, nahm dasselbe durch Abgiessen,

sodann mittelst Fliesspapiers wieder so vollständig wie möglich weg und

wog. Ich hatte jetzt 6,4412 Grm. Nachdem das Quecksilber einige Stunden

an der Luft gestanden hatte, wog es 6,4411 Grm. -- Ich stellte diese

6,4411 Grm. nunmehr bei einer Temperatur von etwa 17° C. unter eine

Glocke neben Schwefelsäure. Nach 24 Stunden hatte sich das Gewicht nicht

im mindesten geändert. -- Ich brachte die genannte Menge Quecksilber

in einen Kolben, übergoss mit viel destillirtem Wasser und kochte eine

Viertelstunde lang heftig. Nach dieser Zeit brachte ich das Quecksilber

wieder auf das Uhrglas, trocknete es mit Fliesspapier aufs Sorgfältigste

und wog. Es betrug 6,4402 Grm. -- Da ich fand, dass an einer Franze des

Papiers eine Spur Quecksilber war hängen geblieben, wiederholte ich

denselben Versuch mit den 6,4402 Grm. -- Nach viertelstündigem Kochen

mit Wasser ergab sich ein Verlust von 0,0004 Grm. -- Die noch übrigen

6,4398 Grm., 6 Tage lang bei starker Sommerhitze an der Luft stehend,

verloren nur 0,0005 Grm.

51. $Verhalten des Quecksilbersulfids zu Kalilauge, Schwefelammonium

etc.$ (zu §. 63. c.).

a. Kocht man reines, frisch gefälltes Quecksilbersulfid mit reiner

Kalilauge, so löst sich keine Spur; die abfiltrirte Flüssigkeit giebt,

mit Salzsäure versetzt, nicht die mindeste Fällung oder Färbung.

b. Kocht man Quecksilbersulfid mit Kalilauge unter Zusatz von etwas

Schwefelwasserstoffwasser, Schwefelammonium oder Schwefel, so erfolgt

vollständige Lösung.

c. Digerirt man Quecksilbersulfid mit Schwefelammonium (farblosem

oder gelbem), so löst sich nicht das Mindeste, ebensowenig wird es

von Cyankalium aufgenommen. Die abfiltrirten Flüssigkeiten gaben bei

Schwefelammonium rein weisse, bei Cyankalium gar keine Trübungen oder

Niederschläge nach Zusatz von Salzsäure.

d. Lässt man völlig ausgewaschenes Quecksilbersulfid mit Wasser

befeuchtet an der Luft stehen, so verändert es sich nicht im mindesten,

wenigstens zeigte die Flüssigkeit, die durch Auswaschen von 24 Stunden

lang der Luft ausgesetztem feuchten Quecksilbersulfid erhalten. war,

weder saure Reaction, noch Gehalt an Quecksilber oder Schwefelsäure.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 716 / 749 题