Die Ausführung ist im höchsten Grade einfach.
[Illustration: Fig. 107.]
Man bringt den umbundenen Kupferstreifen in den Cylinder, so zwar,
dass er durch die federnden Streifchen _a_, _b_ und _c_ festgehalten
wird, und die Flüssigkeit etwa einen Zoll höher steht als seine
Spitze, und lässt ihn einige Zeit darin stehen, so dass alle in dem
Bindfaden enthaltene Luft entweichen kann. Gleichzeitig bestimmt man die
Temperatur der Flüssigkeit. -- Alsdann füllt man die graduirte Röhre mit
Wasser, lässt etwa 2/3 auslaufen, taucht sie dann (um der in derselben
eingeschlossenen Luft die Temperatur der Salzsäure zu geben) in dem
Cylinder ganz unter, hebt sie nun, bis das Niveau innen und aussen
gleich ist, misst und notirt das Volum. -- Man senkt jetzt die Röhre
behutsam über den umwickelten Kupferstreifen (wobei natürlich darauf
zu achten, dass aus der Röhre nur Flüssigkeit, nicht aber auch Luft
verdrängt werden darf, was geschehen würde, wenn man die Röhre mehr als
2/3 mit Luft gefüllt hätte), lässt das Ganze etwa 1-1/2 bis 2 Stunden
stehen (die Anordnung des Apparates zeigt die Fig. 107), misst die
rückständige Luft, senkt nochmals über den Streifen und misst nach einer
halben Stunde wieder. Hat das Luftvolum zwischen beiden Messungen nicht
mehr abgenommen, so ist der Versuch beendigt. -- Man bestimmt jetzt
nochmals die Temperatur und findet, wenn sie sich nicht geändert hat,
die Volumprocente durch folgende einfache Betrachtung:
Die erste Messung ergab die Luft, die zweite den Stickstoff, die
Differenz ist der Sauerstoff.
Hätte sich die Temperatur der Sperrflüssigkeit während des Versuches
geändert, so müsste natürlicher Weise der Berechnung eine Correction des
Stickgases auf die ursprüngliche Temperatur vorhergehen. Kohlensäure
enthaltende Luft wird, bevor man sie in die Messröhre bringt, nach der
in §. 127 angegebenen Methode von solcher befreit.
$Dritte Abtheilung.$
$Uebungsaufgaben.$
Ich habe im Folgenden 70 Uebungsbeispiele mitgetheilt, von denen sich 30
auf Gewichtsanalyse, 30 auf Maassanalyse und technische Analyse und 10
auf organische Elementaranalyse beziehen. Es sind fast genau dieselben,
welche ich seit einigen Semestern in meinem Laboratorium vorzulegen
pflege; ich kann es daher mit Zuversicht aussprechen, dass sie alle gut
ausführbar sind, sowie dass sich die Reihenfolge der Beispiele praktisch
bewährt hat. In Bezug auf letztere kann ich aus Erfahrung mittheilen,
dass es nicht klug ist, Schüler mit Maassanalysen oder mit technischen
Analysen zu beschäftigen, bevor sie in den Gewichtsanalysen fest und
geübt sind. Es erklärt sich dies einfach daraus, dass letztere neben
grosser Genauigkeit auch viel Geduld erfordern. Ist man nun durch die
rasch ausführbaren Maassanalysen verwöhnt, so wird es schwerer, die
nothwendige Geduld aufzubieten, als wenn man gleich von vornherein die
langwierigen Gewichtsbestimmungen in Angriff nimmt, die denn doch noch
immer den eigentlichen Kern der Analyse bilden und ihn auch wohl noch
lange Zeit bilden werden.
Bei der Auswahl der Beispiele hatte ich zunächst im Auge, dass die
meisten, namentlich aber die ersteren, eine absolut genaue Controle der
Resultate zulassen. Diese Sache ist für den die Analyse Erlernenden von
höchstem Belang, da bei dem Betreiben der quantitativen Analyse ein
gewisses Selbstvertrauen vor Allem erweckt werden muss. Ein solches in
dem Sinne, wie ich es meine, kann aber auf keine andere Weise entstehen,
als wenn man sich selbst zu überzeugen vermag, inwieweit die gefundenen
Resultate mit der Wahrheit übereinkommen. --
Eine völlig genaue Controle ist aber nur dann möglich, wenn der
Analysirende die zu untersuchende Substanz aus den abgewogenen
Bestandtheilen selbst zusammensetzt, oder wenn er reine Salze von
bekannter Zusammensetzung untersucht. -- Hat sich der Schüler bei
Analyse solcher Substanzen das nothwendige Selbstvertrauen erworben,
so geht er alsdann, den Nummern folgend, zuerst zu leichteren, dann zu
schwereren Analysen über, wie sie in der Praxis vorkommen. --
Der zweite Punkt, auf den ich mein Augenmerk richtete, war der, dass
in den Beispielen sowohl alle wichtigeren analytischen Methoden, als
auch die wichtigsten Körper vorkommen sollten, damit die Schüler, bei
Zugrundlegung der Beispiele, Gelegenheit hätten, mit der quantitativen
Analyse möglichst allseitig vertraut zu werden. -- Diesen Gesichtspunkt
ins Auge fassend, wird man es natürlich finden, dass ich die
betreffenden Körper nicht immer nach der einfachsten Methode analysiren
lasse. --
Die Beispiele in der organischen Analyse sind deswegen minder zahlreich,
weil bei dieser weit weniger Mannigfaltigkeit ist, als bei der
unorganischen, und weil man sie somit besser erlernt, wenn man eine
und dieselbe Substanz mehrmals analysirt (so lange, bis man mit dem
Resultate ganz zufrieden sein kann), als wenn man stets neue Substanzen
wählt. --
Schliesslich bemerke ich noch, dass es nicht gerade meine Meinung
ist, dass Jeder sämmtliche Beispiele durchmachen müsse; denn es hängt
natürlicher Weise von der individuellen Begabung ab, wie lange einer
braucht, um ein guter Analytiker zu werden, und ein solcher kann man
sein, wenn man auch noch nicht $alle$ Körper bestimmt und alle Methoden
angewandt hat. -- Davor glaube ich jedoch warnen zu müssen, dass man
etwaigem Drange, Neues zu erforschen, nicht zu früh nachgiebt, ich meine
nicht eher, als bis man, wie in der Chemie überhaupt, so auch namentlich
in der praktischen Analyse, einigermaassen fest ist. Solche Sprünge im
Studium, die ich häufig zu beobachten Gelegenheit hatte, haben immer
schlimme Folgen, denn Gebäude auf hohlem Grunde haben keine Dauer.
$Beispiele.$