A. $Bestimmung des Wassergehaltes und der Kohlensäure.$

§. 227.

Man führt gegenwärtig diese Bestimmungen stets nach der Methode aus,

welche $Brunner$ zuerst eingeschlagen hat, d. h. man saugt mittelst

eines Aspirators ein abzumessendes Volum Luft durch Apparate,

welche mit Substanzen gefüllt sind, geeignet den Wasserdampf und

die Kohlensäure der Luft zurückzuhalten. Wägt man diese Apparate

vor und nach dem Versuche, so giebt ihre Gewichtszunahme die in der

durchgeströmten Luft enthalten gewesene Kohlensäure- und Wassermenge

an. Dass diese Angaben nur dann richtig sein können, wenn die Luft so

langsam durch die Apparate strömt, dass sie Kohlensäure und Wasser

vollständig abgeben kann, darf nie vergessen werden.

Fig. 102 stellt einen Aspirator dar, wie er von $Regnault$ empfohlen

ist, mit vollständigem Apparate zur gleichzeitigen Bestimmung des

Wassers und der Kohlensäure.

[Illustration: Fig. 102.]

Das Gefäss _V_ ist von verzinktem Eisenblech oder von Zinkblech; es

fasst 50-100 Liter und steht auf einem starken Dreifusse in einer Wanne,

welche die ausfliessende Wassermenge vollständig zu fassen vermag. Bei

_a_ ist die mit einem Hahn versehene Messingröhre _c_ fest eingekittet;

in der Oeffnung _b_, welche auch zum Füllen des Apparates mit Wasser

dient, ist mittelst eines mit Wachs getränkten Korkes ein bis in die

Hälfte von _V_ ragendes Thermometer luftdicht befestigt.

Die mit einem Hahn versehene Ausflussröhre _r_ ist etwas aufwärts

gebogen, damit niemals Luft von unten eintreten kann. Die Capacität des

ganzen Gefässes ist ein für alle Mal dadurch ermittelt, dass man aus

dem ganz gefüllten das Wasser in Messgefässe hat auslaufen lassen. Das

Ende der Röhre _c_ ist mit der Röhre _F_, ebenso wie die Röhren _A_-_F_

unter einander, durch Kautschukröhren luftdicht verbunden. _A_, _B_,

_E_ und _F_ sind mit grob zerstossenem Bimsstein angefüllt, welcher

mit concentrirter Schwefelsäure getränkt ist, _C_ und _D_ enthalten

mit concentrirter Kalilauge getränkte Bimssteinstückchen. Mit _A_ ist

endlich ein langes Rohr verbunden, welches bis zu dem Orte führt, von

dem die zu analysirende Luft entnommen werden soll. Die Korke der Röhren

sind übersiegelt. Die Röhren _A_ und _B_ sind bestimmt, der Luft ihre

Feuchtigkeit zu entziehen; sie werden zusammen gewogen. Ebenso werden

_C_, _D_ und _E_ zusammen gewogen. _C_ und _D_ nehmen die Kohlensäure,

_E_ den Wasserdampf auf, der durch die trockene Luft der Kalilauge

entzogen werden kann. _F_ braucht nicht gewogen zu sein, es dient nur,

um _E_ dagegen zu schützen, dass nicht Wasserdampf aus _V_ in die Röhre

_E_ gelangt.

Nachdem der Aspirator ganz gefüllt ist, verbindet man _c_ mit _F_ und

somit mit dem ganzen Röhrensysteme und lässt dann durch richtiges

Oeffnen des Hahns _r_ das Wasser langsam ausfliessen. Da sich die

Druckhöhe der Wassersäule fortwährend vermindert, so muss man den Hahn

von Zeit zu Zeit ein wenig mehr öffnen, damit das Wasser mit annähernd

gleicher Geschwindigkeit abfliesse. Hat sich das Gefäss entleert, so

bemerkt man den Stand des Thermometers und Barometers, wägt die Röhren

_A B_ und _C, D, E_ wieder und schreitet nun zur Berechnung.

Da die Gewichtszunahme von _A B_ das Wasser, die von _C, D, E_

die Kohlensäure und die Capacität von _V_ (respective das aus _V_

abgeflossene Wasser, denn man kann ja den Versuch auch so abändern, dass

man nicht die ganze Wassermenge, sondern nur einen Theil abfliessen

lässt und letzteren in einem Messgefässe auffängt) das Volum der durch

die Röhren gestrichenen (von Wasser und Kohlensäure befreiten) Luft

angiebt, so ist die Berechnung an und für sich höchst einfach; sie

wird nur dadurch etwas ausgedehnter, dass man, wenigstens bei genauen

Versuchen, folgende Correcturen zu machen hat:

[Greek: a]. Reduction der in _V_ befindlichen mit Wasserdampf

gesättigten Luft auf trockene; denn solche ist durch _c_ eingedrungen

(s. §. 166. [Greek: c].).

[Greek: b]. Reduction der so gefundenen trockenen Luft auf 0° und

Normaldruck (§. 166. [Greek: a]. und [Greek: b].).

Hat man diese Berechnungen ausgeführt, so ergiebt sich nunmehr das

Gewicht der in _V_ eingedrungenen Luft (denn 1000 C.C. trockener Luft

von 0° und Normaldruck wiegen 1,2932 Grm.), und da auch Kohlensäure

und Wasser gewogen worden ist, so lässt sich jetzt deren Menge in

Gewichtsprocenten, oder, wenn man sämmtliche Gewichte auf Volumina

berechnet, auch in Volumprocenten ausdrücken.

[Illustration: Fig. 103.]

[Illustration: Fig. 104.]

Dass man statt eines Aspirators _V_ auch eine Flasche, wie sie Fig. 103

(s. v. S.) darstellt, oder ein Blechgefäss von der Form und Einrichtung

der Fig. 104 (s. v. S.) anwenden kann, ergiebt sich leicht; doch hat man

zu beobachten, dass die Resultate nur dann hinlänglich genau werden,

wenn mindestens 25000 C.C. Luft durch die Absorptionsapparate streichen.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 628 / 749 题