3. Hat jede Pflanze eine bestimmte Sättigungscapacität, d. h. ist die
Menge des Sauerstoffs, welcher in ihren Basen enthalten ist, stets
dieselbe?
Man sieht leicht ein, dass diese Fragen nur durch eine ausserordentlich
grosse Anzahl von Analysen mit völliger Sicherheit beantwortet werden
können, und dass daher Viele berufen sind, zu ihrer Lösung beizutragen.
Unter diesen Umständen ist es von der grössten Wichtigkeit, dass die
sämmtlichen Resultate auf übereinstimmende Weise dargestellt werden, so
dass sie mit Leichtigkeit und ohne Umrechnung vergleichbar sind.
Da wir die Art, wie die Basen und Säuren in den Pflanzen verbunden
gewesen sind, aus der Asche doch nicht mit Sicherheit ersehen können,
und da die Aschen, wie bereits erwähnt, in Bezug auf die Basicität
der Phosphate etc. je nach der Stärke des Glühens verschieden
ausfallen, so ist es ohne allen Zweifel am räthlichsten, die gefundenen
Gewichtsprocente der Basen und Säuren isolirt aufzuführen. Nur in Bezug
auf das Chlor ist zu erinnern, dass man es als Chlornatrium (und,
wenn nicht genug Natron vorhanden, Chlorkalium) aufführen, die darin
enthaltene Menge Natrium auf Natron berechnen und von der Gesammtmenge
des Natrons abziehen muss. -- Denn würde man dies nicht thun, so
erhielte man jedesmal einen Ueberschuss bei der Analyse, indem man ja
das in der Asche enthalten gewesene Chlornatrium nicht als Chlor und
Natrium, sondern als Chlor und Natron aufführte. -- Etwa vorhandenes
Mangan ist als Oxyduloxyd anzuführen, da es als solches in der Asche
enthalten ist. --
Als Beispiel mag die Asche des Buchensamens dienen. $Souchay$ erhielt
bei der Analyse desselben:
Kali 18,13
Natron 7,55
Kalk 19,47
Bittererde 9,25
Eisenoxyd 2,12
Manganoxyduloxyd 2,47
Phosphorsäure 16,53
Schwefelsäure 1,75
Chlornatrium 0,69
Kieselerde 1,49
Kohlensäure 9,11
Kohle und Sand 9,39
------
97,95.
Diese Darstellung genügt jedoch, wie man leicht ersieht, nicht, wenn
man die Resultate mit anderen genau vergleichen will, indem dabei an 20
Procent von Substanzen aufgeführt sind, welche ganz unwesentlich sind,
nämlich Kohlensäure und ferner Kohle und Sand. Denn die Menge, in der
diese Bestandtheile zugegen sind, oder, wenn man will, ihre Anwesenheit
überhaupt, ist in der That nur von zufälligen Umständen (sorgfältigem
Reinigen der Substanz, Grad und Dauer des Glühens etc.) abhängig.
Will man also vergleichbare Resultate haben, so muss man dieselben
frei machen von dem Einfluss dieser unwesentlichen Bestandtheile. Dies
geschieht, indem man Kohlensäure, Kohle und Sand wegstreicht, und die
wesentlichen Bestandtheile auf 100 Theile berechnet.
Auf diese Art erhält man z. B. bei der oben angeführten Analyse:
Kali 22,82
Natron 9,50
Kalk 24,50
Bittererde 11,64
Eisenoxyd 2,67
Manganoxyduloxyd 3,11
Phosphorsäure 20,81
Schwefelsäure 2,20
Chlornatrium 0,87
Kieselerde 1,88
-------
100,00.
Man hat demnach, wenn man allen Anforderungen genügen will, die
Resultate jeder Aschenanalyse nach beiden Weisen aufzuführen. Die erste
Zusammenstellung lässt alsdann eine Beurtheilung der Genauigkeit, die
letztere eine genaue Vergleichung zu. -- Will man ein Uebriges thun, so
kann man noch die Sauerstoffmengen der einzelnen Basen berechnen und
deren Summe mittheilen.
D. $Berechnung der gefundenen Aschenbestandtheile auf die Pflanzen
oder Pflanzentheile, denen sie angehört haben.$
§. 219.
Man pflegte früher gewöhnlich in einer Portion der sorgfältig
getrockneten vegetabilischen Substanz durch vorsichtiges Einäschern
eines gewogenen kleineren Theiles die Gesammtmenge der Asche zu
bestimmen und dann einen grösseren, weniger sorgfältig getrockneten
und nicht gewogenen Theil zu verbrennen, um die zur Analyse nöthige
Aschenmenge zu gewinnen. War diese analysirt, so ergab sich die
Beziehung zur Pflanze leicht durch eine höchst einfache Rechnung.
Es lieferten z. B. die Weizenkörner 3 Proc. Asche und diese enthielt
5O Proc. Phosphorsäure, also enthielten 100 Thle. Weizenkörner 1,5
Phosphorsäure etc.
Man sieht auf den ersten Blick, dass diese Methode sehr bequem ist,
aber es muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie nicht in allen
Fällen hinlänglich genaue Resultate liefert, da das Gesammtquantum der
Asche, wie sich aus den in §. 213 angeführten Gründen ergiebt, keine
constante, sondern eine je nach Dauer, Stärke und Art des Glühens in
gewissen Grenzen veränderliche Grösse ist. Sofern man daher meistens
nicht darauf rechnen kann, dass die bei der Gewichtsbestimmung der
Asche erhaltene kleine Portion in ihrer Menge und Zusammensetzung genau
übereinstimmt mit der zur Analyse dienenden grösseren Portion, so
ist es jedenfalls vorzuziehen, die Gesammtmenge der zur Einäscherung
bestimmten Substanz einerseits und die Gesammtmenge der erhaltenen und
zur Analyse bestimmten Asche andererseits zu wägen, wie ich dies schon
oben angerathen habe.
Will man dies nicht, so lässt sich der vorliegende Zweck auch dadurch
mit Genauigkeit erreichen, dass man zuerst eine grössere ungewogene
Menge des Vegetabils einäschert, die Asche analysirt und so das
relative Verhältniss ihrer Bestandtheile feststellt. Aeschert man dann
auch eine kleinere, bei 100° getrocknete und gewogene Portion ein und
bestimmt in der Asche einen von den Bestandtheilen, deren Menge durch
die Art der Einäscherung gar keine Veränderung erleiden kann, z. B.
den Kalk, so lässt sich alsdann, da man die Beziehung seiner Quantität
zur Pflanze, wie zu den übrigen Aschenbestandtheilen kennt, auch das
Verhältniss leicht berechnen, in dem die übrigen Aschenbestandtheile zur
eingeäscherten Substanz stehen.