§. 214.
Nachdem ich im Vorhergehenden die vorzüglichsten Methoden zur
Darstellung von Pflanzenaschen mitgetheilt habe, mache ich hier zunächst
darauf aufmerksam, dass in bei Weitem den meisten Fällen die Methoden
1 und 2, wenn dieselben richtig ausgeführt werden, vollkommen genügen,
indem bei deren Anwendung nur der Gehalt an Kohlensäure und an Schwefel
ungenau zu werden pflegt[144]. Da nun die Bestimmung der ersteren auch
durch die anderen Methoden nicht genauer wird, und die Ermittlung
des Schwefelsäuregehaltes einer Asche von verhältnissmässig geringem
Werthe ist, indem man dadurch weder Aufschluss über den in der Pflanze
als Schwefelsäure, noch über den im Ganzen in derselben enthaltenen
Schwefel enthält, so ist es jedenfalls am sichersten, zur Bestimmung des
Schwefels einer vegetabilischen Substanz eine besondere Portion nach
§. 156 zu behandeln. --
[144] Vergl. auch $Way$ und $Ogston$, Jahresber. von $Liebig$ u. $Kopp$
1849. 601.
Ich habe diesen Satz vorausgeschickt, um es zu rechtfertigen, dass
ich im Folgenden nur von der Analyse reiner (baryt- und platinfreier)
Asche rede. Kommt man in den Fall, die Einäscherungsmethode 3 oder
4 anzuwenden, so bedarf es nur geringer, leicht sich ergebender
Modificationen der sogleich zu beschreibenden Methoden.
Nach ihren hauptsächlichsten Bestandtheilen kann man die Aschen in
folgende Abtheilungen bringen:
a. Aschen mit vorwaltenden $kohlensauren Alkalien$ und $kohlensauren
alkalischen Erden$. -- Eine solche Asche liefern z. B. die Hölzer, die
kräuterartigen Gewächse etc.
b. Aschen mit vorwaltenden $phosphorsauren Alkalien$ und $phosphorsauren
alkalischen Erden$. -- Hierher gehören fast alle Samenaschen.
c. Aschen mit vorwaltender $Kieselsäure$. -- Eine solche geben die Halme
der Gramineen, der Equisetaceen u. s. w.
Wenngleich es einleuchtend ist, dass diese Eintheilung nicht streng sein
kann, und dass sich zahlreiche Uebergänge von einer Gruppe zur anderen
finden werden, so muss sie doch beibehalten werden, wenn in die jetzt
mitzutheilenden analytischen Methoden Klarheit kommen soll, denn der
allgemeine Gang erleidet gewisse Modificationen, je nachdem eine Asche
zur ersten, zweiten oder dritten Abtheilung gehört.
a. $Qualitative Analyse.$
Da man die Bestandtheile, welche die Aschen zu enthalten pflegen,
bereits im Allgemeinen kennt, so wäre es überflüssig, von jeder Asche
eine vollständige qualitative Analyse vorzunehmen. -- Es sind nur einige
wenige vorläufige Versuche, welche man zu machen hat, sowohl um über
die Gegenwart oder Abwesenheit seltener vorkommender Bestandtheile, als
auch namentlich um darüber ins Klare zu kommen, zu welcher der oben
angeführten Abtheilungen man die Asche zu rechnen hat. -- Diese Versuche
sind folgende:
1. $Man prüfe, ob die Asche durch Erwärmen mit concentrirter Salzsäure
vollkommen aufschliessbar sei.$ -- Braust eine Asche beim Uebergiessen
mit der Säure stark, so kann man von der Aufschliessbarkeit im Voraus
überzeugt sein. -- In der Regel sind es nur die an Kieselsäure
reichen Aschen der Halme der Gräser etc., welche nicht vollständig
aufgeschlossen werden.
2. Versetzt man die salzsaure Lösung irgend einer Asche, nach
Abscheidung der Kieselerde, mit essigsaurem Alkali, oder neutralisirt
man sie mit Ammon und setzt alsdann freie Essigsäure hinzu, so scheidet
sich fast bei allen Aschen ein gelblichweisser, gallertartiger
Niederschlag -- phosphorsaures Eisenoxyd -- ab. Es ist nun nothwendig
zu wissen, $ob ausser der in diesem Niederschlage befindlichen
Phosphorsäure noch eine weitere Menge in der Asche enthalten ist$.
Um diese Frage zu entscheiden, filtrirt man den nach angegebener
Art erhaltenen Niederschlag ab, und setzt zum Filtrat Ammon im
Ueberschuss. -- Entsteht hierdurch $kein$ Niederschlag, oder ist ein
sich abscheidender roth, besteht er also aus Eisenoxydhydrat, so enthält
die Asche keine weitere Phosphorsäure, -- entsteht aber ein weisser
Niederschlag (phosphorsaurer Kalk und phosphorsaures Bittererde-Ammon),
so ist es gewiss, dass die Asche mehr Phosphorsäure enthält, als das
darin enthaltene Eisenoxyd zu binden vermag, und dass die Asche somit
zur zweiten Abtheilung zu rechnen ist.
3. Man prüft auf $Mangan$, indem man ein Theilchen der Asche mit Soda
mengt und auf Platinblech der äusseren Löthrohrflamme aussetzt, vergl.
Anleit. zur qual. Anal.
4. Man prüft auf Jod, Brom, Fluor und die übrigen der zuweilen in sehr
geringer Menge vorkommenden, oben genannten Substanzen, sofern man ein
Interesse hat, Spuren derselben nachzuweisen (vergl. Anleit. zur qual.
Analyse).
b. $Quantitative Analyse.$
I. $Aschen mit vorwaltenden kohlensauren Alkalien oder alkalischen
Erden, in welchen alle Phosphorsäure an Eisenoxyd
gebunden ist.$
§. 215.
Sämmtliche Bestandtheile bestimmt man in drei verschiedenen Portionen
der Asche, welche wir A, B und C nennen wollen.
In C bestimmt man die Kohlensäure[145],
" B " " das Chlor,
" A " " alle übrigen Bestandtheile.
[145] Die Bestimmung derselben, wenn auch an und für sich ohne grosse
Bedeutung (s. oben), ist nothwendig, um die Analyse zu
vervollständigen und so eine gewisse Controle für deren
Richtigkeit zu erlangen.