§. 208.
Der Bleiglanz, von allen Bleierzen das verbreitetste, enthält häufig
kleinere oder grössere Mengen von Eisen, Kupfer, Silber und gewöhnlich
mehr oder weniger in Säuren unlösliche Gangart.
Seine Analyse vollbringt man, nachdem das Erz fein zerrieben und bei
100° getrocknet worden ist, am besten auf folgende Art.
Man oxydirt eine abgewogene Quantität (1-2 Grm.) mit
schwefelsäurefreier, ganz starker, rother rauchender Salpetersäure
(siehe §. 116. II. 2. a. [Greek: a]., doch setzt man den Bleiglanz
nicht in einem Röhrchen der Einwirkung der Säure aus. War die Säure
hinlänglich stark, so scheidet sich kein Schwefel aus. Nachdem man
längere Zeit gelinde erwärmt hat, verdünnt man mit Wasser, filtrirt ab
und wäscht den Rückstand aus.
a. Nachdem der $Rückstand$ getrocknet ist, glüht und wägt man ihn
(§. 92. 2.). Derselbe besteht aus schwefelsaurem Bleioxyd, durch Säure
unzersetzter Gangart, Kieselsäure etc. Man erhitzt den Rückstand, oder
einen aliquoten Theil desselben, mit Salzsäure zum Kochen, filtrirt nach
einiger Zeit die Flüssigkeit ab, doch so, dass der Niederschlag nicht
mit aufs Filter kommt, übergiesst von Neuem mit Salzsäure, kocht wieder
und fährt so fort, bis alles schwefelsaure Bleioxyd gelöst ist; zuletzt
bringt man Alles aufs Filter, wäscht mit siedendem Wasser aus, bis jede
Spur Chlorblei entfernt ist, trocknet, glüht und wägt den Rückstand.
Zieht man seine Menge von der des oben gewogenen ab, so ergiebt sich die
Menge des schwefelsauren Bleioxyds, welche in jenem enthalten war.
b. Die salpetersaure $Lösung$ verdampft man zunächst, um den Ueberschuss
der freien Säure zu entfernen, fast zur Trockne, dann verdünnt man
und prüft mit sehr verdünnter Salzsäure auf $Silber$. Entsteht ein
Niederschlag, so vermehrt man die Menge der Salzsäure, wenn nöthig,
und bestimmt das Chlorsilber, nachdem es mit siedendem Wasser
ausgewaschen worden ist. Im Filtrate bestimmt man zunächst die darin
noch vorhandene Schwefelsäure mittelst essigsauren Baryts, dann fällt
man mit Schwefelwasserstoff. Der Niederschlag enthält neben etwas
Schwefelblei möglichenfalls Schwefelkupfer, vielleicht auch noch andere
Schwefelmetalle. Man trennt dieselben, sowie die im Filtrat durch
Schwefelammonium fällbaren Metalle, nach den Methoden des 6. Abschnittes.
Die Quantität des Schwefels ergiebt sich, wenn man die in a. (im
schwefelsauren Bleioxyd) und die in b. (im schwefelsauren Baryt)
gefundenen addirt.
Um ganz kleine Mengen Silber und die (nach $Percy$ und $Smith$) häufig
vorkommenden sehr geringen Spuren von Gold zu finden und in Bleiglanzen
zu bestimmen, schmelzt man am besten eine grössere Menge Bleiglanz mit
kohlensaurem Natron und Salpeter zusammen (10 Thle. Bleiglanz, 30 Thle.
kohlensaures Natron, 3 Thle. Salpeter) bestimmt im erhaltenen Regulus
das Silber durch Cupellation (§. 131. 7.) und trennt es sodann vom Gold
durch Salpetersäure.