10. $Analyse der Kalksteine, Dolomite, Mergelarten etc.$

Da die kohlensauren Kalk und kohlensaure Magnesia enthaltenden

Mineralien in der Technik und Landwirthschaft eine höchst wichtige

Rolle spielen, so ist ihre Analyse, welche im Ganzen wenig

Schwierigkeit bietet, eine in den chemischen Laboratorien häufig

vorkommende Aufgabe. Ich theile im Folgenden zuerst den Gang mit,

welcher bei vollständiger Analyse einzuschlagen ist, und gehe dann zur

Beschreibung einer maassanalytischen Methode über, die in kurzer Frist

die Bestimmung des kohlensauren Kalks (und der kohlensauren Magnesia)

gestattet.

A. $Methode zur vollständigen Analyse$[126].

§. 203.

a. Man pulvert ein grösseres Stück des Minerals, mengt das Pulver

gleichmässig und trocknet bei 100°.

b. Man behandelt etwa 2 Grm. in bedecktem Becherglase mit überschüssiger

verdünnter Salzsäure, verdampft zur Trockne, befeuchtet den Rückstand

mit Salzsäure, erwärmt mit Wasser, filtrirt, wäscht den unlöslichen

Rückstand aus, trocknet und wägt ihn. Derselbe kann bestehen aus Thon,

Sand und ausgeschiedener Kieselsäure. Ist er bedeutend, so kann man

denselben nach §. 202 weiter untersuchen.

c. Die salzsaure Lösung versetzt man mit Chlorwasser, dann mit Ammon und

lässt bedeckt einige Zeit in mässiger Wärme stehen. Den Niederschlag,

welcher neben Eisenoxyd-, Manganoxyd- und Thonerdehydrat etwaige

Phosphorsäure und stets auch Spuren von Kalk und Magnesia enthält,

filtrirt man ab, wäscht ihn etwas aus, löst ihn aufs Neue in Salzsäure,

erhitzt die Lösung, fällt sie, nach Zusatz von Chlorwasser, wieder

mit Ammon, filtrirt, wäscht aus, glüht und wägt. Je nach Umständen

bestimmt man dann auch wohl die Menge der einzelnen Bestandtheile des

Niederschlages, was -- in Betreff des Eisenoxyds und Manganoxyduloxyds

-- sehr gut maassanalytisch geschehen kann (§. 128. B. 10).

d. Die von der ersten und zweiten Fällung mit Ammon abfiltrirten

Flüssigkeiten vereinigt man, neutralisirt sie fast mit Salzsäure,

so dass das Ammon nur ganz schwach vorwaltet, und bestimmt Kalk und

Magnesia nach §. 122. B. 3. a. [Greek: a]. (Man versäume nie, den Kalk, nach

dem Wägen, auf einen Gehalt an Magnesia zu prüfen).

e. Die Kohlensäure bestimmt man nach §. 110. II. b. [Greek: a]. oder

[Greek: b]. bb.

[126] Vergleiche meine chemische Untersuchung der wichtigsten

Kalksteine des Herzogthums Nassau. Journ. f. prakt. Chem. 54. 85

u. 374.

B. $Maassanalytische Bestimmung des kohlensauren Kalks (und der

kohlensauren Magnesia).$

§. 204.

a. $Erfordernisse.$

1. _Salzsäure_, von welcher 50 C.C. = 100 Bürettengrade 5 Grm.

kohlensauren Kalk neutralisiren. Man stellt dieselbe genau nach der in

§. 185 angegebenen Art mit Hülfe von reinem kohlensauren Natron her,

indem man die 5 Grm. kohlensaurem Kalk äquivalente Menge kohlensauren

Natrons in Rechnung bringt (d. i. 5,3 Grm).

2. _Natronlauge_, von welcher zwei Raumtheile einen Raumtheil der

Salzsäure neutralisiren. Die Darstellung derselben siehe §. 182.

b. $Ausführung bei gänzlicher oder fast gänzlicher Abwesenheit von

kohlensaurer Magnesia.$

Man wägt 5 Grm. des zu prüfenden, fein gepulverten Minerals ab, bringt

dieselben in einen geräumigen Kolben, fügt etwa 50 C.C. Wasser zu und

lässt dann aus einer $Mohr$'schen Pipette nach und nach 50 C.C. der in

a. 1. genannten Salzsäure zufliessen. (Bei sehr reinen Kalksteinen

setzt man, um die Lösung zu beschleunigen, besser 105 C.C. zu). Wenn

keine Einwirkung mehr erfolgt, verschliesst man den Kolben mit einem

ein Schenkelrohr tragenden Stopfen und erhitzt gelinde, um die gelöste

Kohlensäure auszutreiben. Die Gasblasen leitet man durch ein wenig

Wasser. Wenn der Zweck erreicht ist, nimmt man die Lampe weg, lässt

das vorgeschlagene Wasser zurücksteigen, versetzt die Flüssigkeit mit

etwas Lackmustinctur und lässt nun aus einer zweiten $Mohr$'schen

Pipette oder aus einer Bürette so lange von der Natronlösung zufliessen,

bis die Flüssigkeit eben blau geworden ist. -- Zieht man die Hälfte

der verbrauchten Bürettengrade Natronlauge von den angewandten

Bürettengraden Salzsäure ab, so giebt der Rest (d. h. die Bürettengrade

Salzsäure, welche zur Neutralisation des kohlensauren Kalks gedient

haben) geradezu die Procente des Minerals an kohlensaurem Kalk an.

(Resultate sehr befriedigend.) Diese Methode in etwas veränderter

Ausführung ist zuerst von $Bineau$ vorgeschlagen und angewandt worden.

c. $Ausführung bei Anwesenheit von kohlensaurer Magnesia.$

Da 1 Aeq. kohlensaure Magnesia gerade so viel Salzsäure abstumpft,

als 1 Aeq. kohlensaurer Kalk, so erhält man bei Mineralien, welche

erstere enthalten, durch das in b. genannte Verfahren die Menge des

kohlensauren Kalks sammt der der kohlensauren Magnesia, die letztere

ausgedrückt durch ihre äquivalente Menge kohlensauren Kalks (d. h. für

je 42 kohlensaure Magnesia findet man 50 kohlensauren Kalk). Will man

daher die Menge des Kalks und der Magnesia gesondert erfahren, so muss

man ausser der nach b. vorzunehmenden Gesammtbestimmung auch noch den

Kalk oder die Magnesia allein bestimmen. Man kann zu dem Behufe eine der

beiden folgenden Methoden wählen.

1. Man versetzt die Lösung von 5 Grm. des Minerals mit 3 Grm. Salmiak,

dann mit Ammon und kohlensaurem Ammon im Ueberschuss, lässt einige

Stunden stehen und filtrirt alsdann (den an den Wänden fest haftenden

kohlensauren Kalk reibt man nicht ab). Man wäscht nunmehr aus, spritzt

den Inhalt des Filters in das zum Fällen benutzte Becherglas, verbrennt

zuletzt das Filter, bringt die Asche ebenfalls in das Becherglas und

verfährt mit dessen Inhalt nach b. Man erfährt so die Menge des Kalks

allein und somit aus der Differenz, nach geeigneter Umrechnung des

kohlensauren Kalks auf kohlensaure Magnesia, die Menge der letzteren.

2. Man versetzt die Lösung von 5 Grm. des Minerals in gewöhnlicher,

nicht titrirter Salzsäure (von der man einen möglichst geringen

Ueberschuss anwendet) mit einer Auflösung von Kalk in Zuckerwasser so

lange noch ein Niederschlag entsteht. Hierdurch wird nur die Magnesia

gefällt. Man filtrirt sie ab, wäscht sie aus, behandelt sie nach b. und

erfährt so die Menge der Magnesia, ausgedrückt durch ihre äquivalente

Menge kohlensauren Kalks. Die Quantität des letzteren ergiebt sich aus

der Differenz.

Die Methode 2. ist nur dann zu empfehlen, wenn wenig Magnesia zugegen

ist.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 568 / 749 题