B. $Verfahren nach Bunsen.$

§. 196.

Man wägt etwa 0,4 Grm. des höchst fein gepulverten Braunsteins ab,

übergiesst ihn in dem in §. 104 Fig. 46 abgebildeten Kölbchen _a_ mit

rauchender reiner Salzsäure, und verfährt genau wie bei der Analyse

chromsaurer Salze. Man kocht, bis aller Braunstein gelöst und alles

Chlor ausgetrieben ist, was nach einigen Minuten beendigt ist. Je 1 Aeq.

ausgeschiedenen Jods entspricht 1 Aeq. entwickelten Chlors, folglich 1

Aeq. Manganhyperoxyd.

Ich will bei dieser Gelegenheit auf einige kleine Abänderungen des

$Bunsen$'schen Verfahrens aufmerksam machen, welche sich in meinem

Laboratorium als zweckmässig bewährt haben.

Dieselben beziehen sich erstens auf die Form des Entwickelungs- und

Absorptionsapparates, zweitens auf die Art des Zusatzes der schwefligen

Säure.

[Illustration: Fig. 100.]

Da bei der $Bunsen$'schen Einrichtung das kleine Kugelventil seinen

Dienst nicht immer nach Wunsch verrichtet, so steigt die Flüssigkeit

gern zurück. Es wird dies sehr gut vermieden oder wenigstens unschädlich

gemacht durch die in Fig. 100 dargestellte abgeänderte Form der Gefässe.

Man sieht, _a_ ist eine oben umgebogene, unten zu einer aufwärts

gerichteten Spitze ausgezogene Pipette. Sobald das Kochen beendigt ist,

fasst man das Kautschukrohr _c_ mit der linken Hand und hebt, während

man die Weingeistlampe mit der Rechten stets unter dem Kölbchen hält,

_a_ so weit aus der Retorte, dass die gekrümmte Spitze sich in der Kugel

_b_ befindet. Jetzt nimmt man erst die Lampe, dann das Kölbchen weg und

verfährt dann wie gewöhnlich. --

Was den Zusatz der schwefligen Säure betrifft, so verursacht derselbe

unnöthige Mühe und Zeitaufwand, wenn man denselben mit Hülfe einer

gewöhnlichen Pipette vollbringt, mehr noch, wenn man eine kleine

Messflasche anwendet wegen des dann nöthigen Ausspülens. Ich habe

deshalb für mein Laboratorium den in Fig. 101 (a. f. S.) dargestellten

Apparat construirt, der uns treffliche Dienste thut.

[Illustration: Fig. 101.]

_A_ ist eine möglichst grosse Flasche. Sie fasse z. B. 10 Liter. Man

füllt sie fast mit Wasser voll, fügt 70-80 C.C. einer gesättigten Lösung

von schwefliger Säure zu, schüttelt tüchtig und stellt die Flasche dann

an ihren erhöhten festen Standort. Man verbindet dann die Röhre _h_

mittelst des vulcanisirten Kautschukschlauchs _e_ mit den Röhren _f_

und _g_ und schiebt das unter dem Quetschhahn _a_ befindliche Stück

des kleinen Kautschukschlauches über das in die Röhre _c d_ mündende

Röhrchen, welches innen so zur Seite gebogen ist, dass die Flüssigkeit

ruhig an der Röhrenwand herunterläuft. _g_ enthält Phosphorstückchen

zwischen Asbest, _f_ Kalihydrat. Die Röhre _c d_ ist mittelst zweier

eiserner Ringe (welche hier nicht gezeichnet sind) oder auf eine

sonstige beliebige Art an der Wand oder einem geeigneten Gestelle in

lothrechter Richtung so befestigt, dass sie 10-12 Centimeter absteht,

und der 0-Punkt sich in der Höhe des Auges befindet. Sie ist von oben

nach unten genau auf Ausfluss graduirt, und zwar genügt eine Eintheilung

von 50 zu 50 C.C. Diese Graduirung stellt man leicht her, indem man

die Röhre bis an den 0-Theilstrich mit Wasser füllt, und mittelst des

Quetschhahns _b_ in eine genau auf Einguss graduirte Messröhre 50 C.C.

(oder auch in einen tarirten Kolben 50 Grm. von 4° C.) ausfliessen

lässt. Man bezeichnet jetzt den Flüssigkeitsstand in der Röhre _c d_ mit

einem Diamantstrich und fährt so fort, bis die Röhre ihrer ganzen Länge

nach eingetheilt ist.

Der Gebrauch des Apparates ergiebt sich von selbst. Soll die Messröhre

_c d_ gefüllt werden, öffnet man den Hahn _a_, soll eine gemessene

Menge schwefliger Säure abgelassen werden, den Hahn _b_. -- Die

ausfliessende Flüssigkeit lasse man ruhig an der Wand des Becherglases

herabfliessen. Bei der Feststellung der Beziehung zwischen schwefliger

Säure und Jodlösung bringt man am besten zuerst etwa 9/10 der

nothwendigen Jodlösung aus der Bürette oder Quetschhahnpipette in ein

Becherglas, lässt dann 100 C.C. schweflige Säure zufliessen, versetzt mit

Stärkekleister und fügt nun tropfenweise weitere Jodlösung zu, bis zur

eintretenden Blaufärbung.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 559 / 749 题