A. $Verfahren nach Fresenius und Will.$

Das Princip, auf welchem dasselbe beruht, wurde bereits von $Berthier$

und $Thomson$ angewandt; es ergiebt sich aus Folgendem:

a. Wenn man Oxalsäure (oder ein oxalsaures Salz) bei Gegenwart von

überschüssiger Schwefelsäure mit Manganhyperoxyd zusammenbringt,

so bildet sich schwefelsaures Manganoxydul, und es entwickelt sich

Kohlensäure, indem der Sauerstoff, den man sich im Manganhyperoxyd als

mit Manganoxydul verbunden denken kann, an die Oxalsäure tritt und sie

in Kohlensäure verwandelt:

MnO_{2} + SO_{3} + C_{2}O_{3} = MnO, SO_{3} + 2(CO_{2}).

Für je 1 Aeq. des verwendbaren Sauerstoffs (wie man diesen

Sauerstoffüberschuss nennen kann), oder, was dasselbe ist, für je 1 Aeq.

Manganhyperoxyd erhält man demnach 2 Aeq. Kohlensäure.

b. Wenn man die Operation in einem gewogenen Apparate vornimmt, aus dem

nichts als die Kohlensäure entweichen kann, und welcher gleichzeitig

ein ganz vollständiges Austreiben derselben gestattet, so ergiebt sich

aus der Gewichtsabnahme des Apparates die Quantität der entwichenen

Kohlensäure, und somit durch eine einfache Rechnung die Menge des

vorhandenen Manganhyperoxyds.

c. Wenn man diese Rechnung vermeiden will, so hat man nur nöthig,

ein solches Gewicht Braunstein anzuwenden, welches, wenn es reines

Manganhyperoxyd wäre, 100 Theile Kohlensäure liefern würde. Alsdann

geben die gefundenen Theile Kohlensäure ohne Weiteres die Theile

Hyperoxyd an, welche in 100 Theilen des angewandten Braunsteins

enthalten sind. Diese Zahl findet man durch folgende Gleichung:

2 Aeq. CO_{2} 1 Aeq. MnO_{2}

550,00 : 544,68 = 100 : x

x = 99,033

Nähme man demnach 0,99033 Grm. Braunstein zu einem Versuche, so würden

die Centigramme der entwichenen Kohlensäure der unmittelbare Ausdruck

für den Procentgehalt des Braunsteins an Hyperoxyd sein. Man würde aber

alsdann eine zum genauen Wägen etwas kleine Menge Kohlensäure erhalten.

Es ist daher zweckmässiger, ein Multiplum dieser Einheitszahl zu nehmen

und die Quantität der erhaltenen Centigramme Kohlensäure alsdann durch

die nämliche Zahl zu dividiren, mit welcher man die Einheit multiplicirt

hat. Als das geeignetste Multiplum ist das Dreifache oder 2,97099 zu

betrachten, statt welcher Zahl man ohne Nachtheil die kürzere 2,97

setzen kann.

Nach dem Vorausgeschickten ist nun die Ausführung ohne Weiteres

verständlich.

[Illustration: Fig. 99.]

Man bedient sich dazu des in Fig. 99 abgebildeten Apparates, den wir

§. 110 bereits kennen gelernt haben. Das Kölbchen _A_ fasse bis an

den Hals gefüllt etwa 100-120 C.C., _B_ 90-100 C.C. Letzteres wird mit

englischer Schwefelsäure zur Hälfte angefüllt, die Röhre _a_ ist bei _b_

durch ein Wachsstöpfchen verschlossen.

Man bringt 2,97 Theile des (am besten in einem Achatmörser) höchst

fein geriebenen Braunsteins in _A_, fügt etwa 7,5 Grm. zerriebenen

neutralen oxalsauren Kalis (durch Sättigen von gewöhnlichem Kleesalz

mit kohlensaurem Kali und Abdampfen zur Krystallisation leicht zu

erhalten) oder etwa 6 Grm. neutralen oxalsauren Natrons und so viel

Wasser hinzu, dass das Kölbchen ungefähr zu einem Drittel voll wird. Man

dreht nunmehr den Stopfen auf _A_ ein, tarirt den Apparat und veranlasst

alsdann, indem man aus _d_ mittelst eines Kautschukschlauches etwas Luft

aussaugt, dass Schwefelsäure nach _A_ herüberfliesst. Die Entwickelung

der Kohlensäure beginnt sogleich und zwar äusserst gleichmässig. Wird

sie schwächer, so lässt man wiederum etwas Schwefelsäure herüberfliessen

und fährt auf gleiche Weise fort, bis aller Braunstein zersetzt ist,

was, wenn derselbe recht fein gepulvert war, höchstens einen Zeitaufwand

von 5 Minuten erfordert. Die vollständige Zersetzung ergiebt sich

einerseits daraus, dass sich auch bei Ueberschuss von Schwefelsäure

keine Kohlensäure mehr entwickelt, andererseits darf sich auf dem

Boden von _A_ kein schwarzes Pulver mehr zeigen[119]. Zuletzt lässt

man etwas mehr Schwefelsäure nach _A_ herüberfliessen, damit sich

die darin befindliche Flüssigkeit stark erhitze und die noch darin

aufgelöste Kohlensäure vollständig ausgetrieben werde, lüftet dann das

Wachsstöpfchen auf _b_ und saugt langsam Luft aus _d_, bis die letzte

nicht mehr nach Kohlensäure schmeckt, lässt den Apparat erkalten, stellt

ihn auf die Wage und legt Gewichte hinzu bis zum Gleichgewicht. Die

Anzahl der aufgelegten Centigramme, dividirt durch 3, ist gleich dem

Procentgehalt des Braunsteins an Hyperoxyd.

[119] Wurde der Braunstein in einem eisernen Mörser fein gerieben, so

bleiben oft einzelne schwarze Punkte (Eisentheilchen) sichtbar.

Im Falle Braunsteinsorten kohlensaure alkalische Erden enthalten,

wie dies bei denen gewisser Fundorte zuweilen der Fall ist, ändert

man das Verfahren am zweckmässigsten auf folgende Art ab. Man bringt

wie gewöhnlich 2,97 Grm. Braunstein in _A_, übergiesst sie darin mit

ziemlich verdünnter Schwefelsäure, so dass etwa 1/3 des Kölbchens

angefüllt wird, und lässt, indem man zuweilen umschüttelt, stehen, bis

das Aufbrausen völlig nachgelassen hat; man erwärmt alsdann gelinde, um

die noch aufgelöste Kohlensäure auszutreiben. Man füllt jetzt etwa 3

Grm. gepulverte käufliche Oxalsäure in ein kleines Glasröhrchen, hängt

dieses an einem Faden schwebend in _A_, tarirt den Apparat und lässt

dann das Röhrchen in die Flüssigkeit fallen, wodurch die Zerlegung des

Braunsteins und somit die Kohlensäureentwickelung alsobald herbeigeführt

wird. Zuletzt saugt man Schwefelsäure von _B_ nach _A_ hinüber und

beendigt überhaupt den Versuch, wie oben angegeben. --

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 557 / 749 题