C. $Methode von Otto.$

§. 193.

Das Princip dieses Verfahrens ist folgendes:

2 Aeq. schwefelsaures Eisenoxydul geben, wenn sie bei Gegenwart von

Wasser und freier Schwefelsäure mit Chlor zusammenkommen, 1 Aeq.

schwefelsaures Eisenoxyd und 1 Aeq. ClH, und zwar ist zu dieser

Umsetzung 1 Aeq. Cl erforderlich:

2FeO, SO_{3} + SO_{3} + HO + Cl = Fe_{2}O_{3}, 3SO_{3} + ClH.

2 Aeq. FeO, SO_{3} = 1900 oder (auf krystallisirten Eisenvitriol

bezogen) 2(FeO, SO_{3}, HO + 6 aq.) = 3475,0 entsprechen 443,28 Chlor,

d. i. in anderem Ausdrucke 0,7839 Grm. krystallisirter Eisenvitriol

entsprechen 0,1 Grm. Chlor.

Das schwefelsaure Eisenoxydul zu diesen Versuchen bereitet man sich am

besten also:

Man löst rostfreie Nägel in verdünnter Schwefelsäure, zuletzt unter

Erwärmen, auf, filtrirt die noch warme Lösung ab und lässt sie in

Weingeist tropfen, und zwar in etwa das doppelte Volum. Der Niederschlag

ist FeO, SO_{3} + HO + 6 aq. Man sammelt ihn auf einem Filter, süsst ihn

mit Weingeist aus und lässt ihn, auf Fliesspapier ausgebreitet, an der

Luft trocknen. Wenn er nicht mehr nach Weingeist riecht, hebt man ihn in

gut verschlossenen Gefässen auf.

_Ausführung des Versuchs._

Man löst 3,1356 Grm. (d. h. 4 × 0,7839 Grm.) des gefällten Eisenvitriols

mit Wasser zu 200 C. C. auf, nimmt 50 C.C., entsprechend 0,7839 Grm.

Vitriol mittelst einer Pipette heraus, verdünnt mit 150-200 C.C. Wasser,

säuert die Lösung mit reiner Salzsäure stark an und tröpfelt nun von

der nach §. 190 bereiteten, frisch geschüttelten, in einer 50 C.C. =

100° fassenden Bürette befindlichen Chlorkalklösung so lange zu, bis

alles schwefelsaure Eisenoxydul in Oxydsalz übergeführt ist. -- Um

diesen Punkt zu treffen, bedient man sich eines Tellers, welchen man

mit einer Auflösung von Ferridcyankalium besprengt hat, und prüft

zuletzt, wenn man sich dem Ziele nähert, nach Zusatz von je zwei

Tropfen Chlorkalklösung, ob die Eisenlösung das Ferridcyankalium noch

blau fällt, indem man mit dem Rührstabe ein wenig derselben mit einem

auf dem Teller befindlichen Tropfen vereinigt. Ist das Ziel erreicht,

so liest man ab, wie viel Chlorkalklösung man verbraucht hat. Die

verbrauchte hat 0,1 Grm. Chlor enthalten. Die Rechnung ist demnach genau

wie in §. 191. --

Auch diese Methode giebt ganz gute Resultate, vorausgesetzt, dass der

Eisenvitriol oxydfrei und trocken ist.

_Modificationen dieser Methode._

a. Statt des Eisenvitriols kann man sich mit bestem Erfolge auch einer

Eisenchlorürlösung bedienen, welche man durch Auflösung von Klavierdraht

in Salzsäure (nach §. 89. 2. a. bb.) bereitet hat. Löst man 0,6316

reines metallisches Eisen, das heisst 0,6335 feinen Klavierdraht (in

welchem 99,7 Eisen angenommen werden kann) zu 200 C.C., so hat man

eine Lösung von ganz demselben Eisengehalt, wie die oben genannte

Vitriollösung, d. h. 50 C.C. derselben entsprechen 0,1 Chlor. Da es aber

unbequem ist, eine bestimmte Menge Eisendraht abzuwiegen, so wäge ich

lieber etwa 0,15 genau ab, löse, verdünne auf etwa 200 C.C., oxydire mit

der nach §. 190 bereiteten Chlorkalklösung und berechne das Chlor nach

dem Ansatze: 56 : 35,46 = das angewandte Eisen : x, das gefundene x ist

dann gleich dem in der verbrauchten Chlorkalklösung enthaltenen Chlor.

Diese Rechnung erspart man durch folgende Formel, bei deren Berechnung

ich bereits auf den Kohlenstoff des Klavierdrahtes Rücksicht genommen

habe.

1) Man multiplicire den abgewogenen Klavierdraht mit 12626 und

dividire das Product durch die Bürettengrade (1/2 C.C.) verbrauchter

Chlorkalklösung, so erhält man den Gehalt an Chlor in Gewichtsprocenten.

Oder

2) man multiplicire den abgewogenen Klavierdraht mit 39829 und

dividire das Product durch die Bürettengrade (1/2 C.C.) verbrauchter

Chlorkalklösung, so erhält man die chlorimetrischen Grade des Chlorkalks

(die Anzahl der Liter Chlorgas im Kilogramm). Diese Methode giebt sehr

gute Resultate. Ich habe sie hauptsächlich deshalb angeführt, weil man

bei ihrer Anwendung ganz unabhängig von titrirten Flüssigkeiten ist. Sie

empfiehlt sich daher namentlich zur Controle und vorzüglich dann, wenn

man einmal eine oder zwei Prüfungen zu machen hat.

b. Anstatt das Eisenoxydul oder Chlorür durch den Chlorkalk geradezu

zu oxydiren, kann man mit bestem Erfolge auch also operiren. Man wägt

etwa 0,3 Grm. Klavierdraht genau ab, löst zu Chlorür, verdünnt die noch

stark saure Lösung auf 200-300 C.C., lässt 100° = 50 C.C. der nach §. 190

bereiteten Chlorkalklösung aus einer Bürette unter Umrühren zufliessen,

und bestimmt zuletzt die Menge des noch unoxydirten Eisens (des aus

Chlorür noch nicht in Chlorid übergeführten) mit übermangansaurem Kali

(§. 89). Man erfährt so die Menge des durch den Chlorkalk oxydirten

Eisens und somit, nach den in a. genannten Formeln, Chlorprocente oder

chlorimetrische Grade des Chlorkalks. -- Resultate sehr genau.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 554 / 749 题