CaO, ClO + CaCl + 2SO_{3} = 2CaO, SO_{3} + 2Cl. --

Der Chlorkalk des Handels ist von sehr ungleicher Beschaffenheit;

bald liefert er mit Säuren viel, bald wenig Chlor. Da nun letzteres

allein seinen Werth bedingt, und da der Chlorkalk Gegenstand einer

ausgebreiteten Fabrikation und eines bedeutenden Handels ist, so fühlte

man bald das Bedürfniss, einfache Mittel kennen zu lernen, welche

den Werth des Chlorkalks, d. h. seinen Gehalt an wirkendem Chlor, zu

erkennen gäben. Die Gesammtheit dieser Methoden pflegt man unter der

Benennung Chlorimetrie zusammenzufassen.

Die Anzahl der chlorimetrischen Methoden ist so gross, dass ich darauf

verzichte, alle in Vorschlag gekommenen hier anzuführen. Ich begnüge

mich damit, diejenigen zu beschreiben, welche sich entweder durch

leichte Ausführung oder besondere Sicherheit im Resultate auszeichnen,

oder welche deshalb Erwähnung verdienen, weil sie im praktischen Verkehr

sich eingebürgert haben. Ich werde bei den einzelnen Gelegenheit finden,

ihre Vorzüge und Mängel zu besprechen.

Zuvor mache ich darauf aufmerksam, dass man die Resultate der

Chlorkalkprüfung in verschiedener Weise auszudrücken pflegt. Während

man nämlich in der Wissenschaft einen Chlorkalk gewöhnlich in der

Art charakterisirt, dass man seinen Gehalt an wirksamem Chlor in

Gewichtsprocenten angiebt, taxirt und verkauft man denselben im

praktischen Leben in der Regel nach chlorimetrischen Graden. Diese von

$Gay-Lussac$ herrührende Bezeichnungsweise giebt an, wieviel Liter

Chlorgas von 0° und 0,76 Met. Druck in 1000 Grm. Chlorkalk enthalten

sind.

Beide Bezeichnungen lassen sich leicht auf einander zurückführen, da man

ja weiss, dass 1 Liter Chlorgas von 0° und 0,76 Met. 3,17007 Grm. wiegt.

So enthält z. B. ein Chlorkalk von 90° 3,17007 × 90 = 285,306 Grm.

Chlor in 1000 Grm., also 28,53 in 100, -- und ein Chlorkalk, welcher

34,2 Gewichtsprocente Chlor enthält, hat 107,9 Grade, denn da 100 Grm.

34,2 Grm. Chlor enthalten, enthalten 1000 Grm. 342. Diese sind aber =

342/3,17007, d. i. = 107,9 Liter.

$Bereitung der Chlorkalklösung.$

§. 190.

Die Bereitung der Chlorkalklösung geschieht für alle Methoden am besten

auf gleiche Art und zwar zweckmässig auf folgende:

Man wägt 10 Grm., reibt ihn mit wenig Wasser fein ab, setzt nach und

nach mehr Wasser zu, schlämmt in den 1 Liter fassenden Messkolben,

reibt den Rückstand wieder mit Wasser ab, spült zuletzt den Inhalt der

Reibschale sorgfältig in den Kolben, füllt ihn bis zur Marke, schüttelt

die milchige Flüssigkeit und wendet sie geradezu, d. h. ohne sie

absitzen zu lassen, an. So oft man neue Portionen derselben abmisst,

schüttelt man zuvor um. Man erhält auf diese Art viel constantere und

richtigere Resultate, als wenn man, wie dies in der Regel vorgeschrieben

wird, die Lösung absitzen lässt und nur den geklärten Theil verwendet.

Man kann sich von dem Gesagten leicht überzeugen, wenn man zwei

Versuche, den einen mit der klaren abgegossenen Lösung, den anderen mit

der rückständigen trüben Mischung macht. So zeigte z. B. bei directen

Versuchen die abgegossene Lösung einen Gehalt von 22,6, die rückständige

Mischung von 25,0, -- die gleichförmig gemischte von 24,5.

Von der so bereiteten Chlorkalklösung entspricht 1 C.C. 0,01 Grm.

Chlorkalk.

A. $Methode von Gay-Lussac$ (etwas modificirt).

§. 191.

Dieses Verfahren, welches noch vor Kurzem in den meisten Fabriken

eingeführt war, beruht auf dem Umstande, dass, wenn Chlor bei

Gegenwart von Wasser mit arseniger Säure zusammenkommt, Arsensäure und

Chlorwasserstoff entsteht:

AsO_{3} + 2Cl + 2HO = AsO_{5} + 2ClH.

1 Aeq. arseniger Säure = 1237,5 (oder 99) bedarf somit 2 Aeq. Chlor

= 886,6 (oder 70,92), um in Arsensäure überzugehen, oder in anderem

Ausdrucke, 100 Gewichtstheile Chlor oxydiren 139,6 arsenige Säure. Kennt

man somit das Quantum einer Chlorlösung, welches erforderlich ist, um

eine bestimmte Menge arseniger Säure in Arsensäure zu verwandeln, so

kennt man damit auch den Gehalt der Lösung an Chlor. -- Die arsenige

Säure wendet man am besten in Lösung an und bereitet sich eine solche

von bekanntem Gehalt folgendermaassen.

a. _Bereitung der Lösung von arseniger Säure._

Man löse 13,96 Grm. reine arsenige Säure in Natron- oder Kalilauge und

verdünne die Lösung zu 1 Liter. Alsdann enthalten 10 C.C. 0,1396 arsenige

Säure, entsprechend 0,1 Grm. Chlor.

b. _Ausführung des Versuchs._

Man misst von der in a. genannten Lösung 10 C.C. mit der Pipette ab,

bringt sie in ein Becherglas, verdünnt mit Wasser, setzt Salzsäure zu

bis zum starken Vorwalten, färbt die Flüssigkeit mit einem Tropfen

schwefelsaurer Indiglösung blau und tröpfelt nun von der nach §. 190

bereiteten Chlorkalklösung unter stetem Umrühren zu, bis die blaue

Farbe fast verschwunden ist. Man bringt nun nochmals einen Tropfen

Indiglösung hinzu und tröpfelt jetzt aufs Neue Chlorkalklösung ein, bis

die Flüssigkeit sich plötzlich gänzlich entfärbt und auch durch Zusatz

eines sehr kleinen Tropfens Indiglösung nicht mehr gefärbt wird. Die

verbrauchte Chlorkalklösung hat 0,1 Grm. Chlor enthalten. Setzen wir den

Fall, es seien 40 C.C. = 80 Bürettengrade verbraucht worden. Da nun jeder

Cubikcentimeter 0,01 Chlorkalk entspricht, so findet man den Gehalt des

Chlorkalks an Gewichtsprocenten Chlor nach dem Ansatze:

0,40 : 0,10 = 100 : x

x = 25,

oder man dividirt mit den verbrauchten C.C. Chlorkalklösung in 1000, oder

mit den verbrauchten Bürettengraden (1/2 C.C.) in 2000.

Diese Methode giebt zwar befriedigende Resultate, es gehört aber einige

Uebung dazu, um den Punkt der beendigten Ueberführung mit vollkommener

Sicherheit zu treffen, auch entwickelt sich leicht ein wenig Chlor. Der

letzte Fehler wird grösser, wenn man, wie dies gewöhnlich geschieht, mit

concentrirterer Chlorkalklösung operirt (Analyt. Belege Nr. 72).

B. $Methode von Penot$[116].

§. 192.

Dieselbe gründet sich ebenfalls auf die Ueberführung der arsenigen

Säure in Arsensäure, aber sie lässt dieselbe in alkalischer Lösung

vollbringen. Zur Erkennung der beendigten Reaction bedient man sich

eines sogenannten jodirten Papiers.

[116] _Bulletin de la société industrielle de Mulhouse_ 1852. Nr. 118,

-- $Dingler$'s polyt. Journ. 127. 134.

a. _Bereitung des jodirten Papiers._

Man erhitzt bis zur vollständigen Auflösung und Entfärbung 1 Grm. Jod,

7 Grm. krystallisirtes kohlensaures Natron, 3 Grm. Kartoffelstärke, 250

C.C. Wasser, nimmt vom Feuer und verdünnt mit Wasser auf 500 C.C. Mit

dieser Flüssigkeit tränkt man feines weisses Druckpapier und lässt es

trocknen.

b. _Bereitung der Lösung von arseniger Säure._

Man löst 4,425 Grm. reine arsenige Säure mit 13 Grm. krystallisirtem

kohlensauren Natron und 6-700 C.C. Wasser in der Wärme auf und verdünnt

die erkaltete Lösung mit Wasser genau auf 1 Liter. Jeder C.C. enthält

alsdann 0,004425 Grm. arsenige Säure, entsprechend 1 C.C. Chlorgas von 0°

und 760 M.M. Druck, und somit entspricht auch jeder Bürettengrad genau

einem Bürettengrad Chlorgas[117].

[117] $Penot$ hat 4,44 Grm. arsenige Säure angegeben; aber nach den

jetzt als richtig anerkannten Aequivalenten und dem als richtig

angenommenen Gewicht eines Liters Chlorgas ist die Zahl auf

4,425 zu setzen, nach folgendem Ansatze:

70,92 (2 Aeq. Chlor) : 99 (1 Aeq. AsO_{3}) = 3,17007 (Gewicht 1

Liters Chlorgas) : x. x = 4,425, d. h. gleich der Menge arseniger

Säure, welche durch 1 Liter Chlorgas oxydirt wird.

c. _Ausführung._

Man misst 50 C.C. = 100° der nach §. 190 bereiteten Chlorkalklösung

mittelst einer Pipette ab, bringt sie in ein Becherglas und tröpfelt nun

aus einer 50 C.C. = 100° fassenden Bürette oder Quetschhahnpipette von

der nach b. bereiteten Arsenlösung unter stetem Umrühren zu, bis ein

Tropfen der Chlorkalklösung, auf das jodirte Papier gebracht, dies eben

nicht mehr blau färbt, welcher Punkt sehr leicht und sicher zu treffen

ist, da die allmälig schwächer werdende Färbung des jodirten Papieres

darauf hinweist, dass derselbe bald erreicht ist, und dass man somit die

Probeflüssigkeit nur noch tropfenweise zusetzen darf. -- Die Anzahl der

verbrauchten Bürettengrade (1/2 C.C.) giebt geradezu die chlorimetrischen

Grade (die Liter Chlorgas im Kilogramm Chlorkalk) an, wie sich aus

folgender Betrachtung ergiebt. Gesetzt wir hätten 80° (1/2 C.C.)

Arsenlösung verbraucht, so enthält der zum Versuch verwendete Chlorkalk

80° = 40 C.C. Chlorgas. Die abgemessenen 100° = 50 C.C. Chlorkalklösung

entsprechen aber 0,5 Grm. Chlorkalk. Da nun 0,5 Grm. 40 C.C. Chlorgas

enthalten, so enthalten 1000 Grm. 80000 C.C. = 80 Liter. -- Diese Methode

giebt sehr übereinstimmende und gute Resultate und dürfte namentlich für

Fabriken die geeignetste sein.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 553 / 749 题